Band 24, Beiheft 1 August 1920 " — T^ : ^;^-^ Beihefte ^ r ,J1>9k' zum Archiv für Schiffs- und Tropenhygiene Pathologie und Therapie exotischer Krankheiten unter Mitwirkung DES INSTITUTS FÜR SCHIFFS- UND TROPENKRANKHEITEN ZU HAMBURG und mit besonderer Unterstützung DER DEUTSCHEN KOLONIAL-GESELLSCHAFT herausgegeben von Prof. Dr. C. Mense, Cassel; Obermedizinalrat Prof. Dr. B. Nocht, Hamburg; Prof, Dr. A. Plehn, Berlin; Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. E. Stexidel, Berlin; Generalstabsarzt der Marine Dr. W. Uthemann, Berlin Schriftleitung: Prof. Dr. F, Fülleborn; Prof. Dr. M. Mater; Prof. Dr. P. Mühlens, Hamburg über Stechmücken besonders deren europäische Arten und ihre Bekämpfung Veröffentlicht mit Unterstützung der Hamburgischen wissenschaftlichen Stiftung von Dr. E. Martini Mit 117 Abbildungen im Text und 4 Tafeln Leipzig 1920 Verlag von Johann Ambrosius Barth Dörrienstraße 16 Die Beihefte erscheinen in xwangloser Folge. Am Schluß jedes Jahres wird einEaupttitel und Inhaltsverxeiehnis ausgegeben. Jedes Heft wird einzeln berechnet. Abonnenten auf all^ Hefte eines -Jahrganges erhalten einen um 20°Iq ermäßigten Preis eingeräumt. Durch alle Btichhandlungen, sourie direkt von der Verlagsbuchluindlung xu bexielten. Einzelpreis M. 30.— Subskriptionspreis M. 40, — WASHtNÖTON 25. D.C. VERLAG VON JOHANN AMBROSIUS BARTH IN LEIPZIG. Beihefte zniii Archiv für Schiffs- und Tropenhygiene in zwangloser Folge erscheinend. Jedes Heft ist einzeln käuflich. Der Preis der Hefte richtet sich nach dem Umfang Die Beihefte bringen monographische Darstellungen über ver- schiedene den Tropenarzt interessierende Themata. Sie wollen das Archiv selbst entlasten, andererseits ermöglichen, daß größere Arbeiten ungeteilt veröffent- licht werden können. Bei Bezug sämtlicher Beihefte eines Jahrganges wird ein ermäßigter Preis eingeräumt. Die Beihefte zum 18. Band, 1914 (881 S. m. 18Taf ein, Vorzugspreis M. 33.90), enthalten : 1. Erfahrungen über die tierischen Trypanosomen - Kranliheiten Deutsch- Ostafrikas (Braun und Teichmann). 39 S. mit 2 Abbildungen und 1 farbigen Tafel. 1914. Einzelpreis M. 2.65. 2. Studien üb. Amöbenenteritis ( I z ar ). 39 S. m. 1 Doppeltfl. 1914. Einzelpr. M. 2.25. 3. Essais therapeutiques dans la trypanosomiase humaine (Mouchet et Dubois). 36 S. mit 11 Tabellen und 1 Karte. Einzelpreis M. 2.25. 4. Die Wirkung der Malariaprophylaxe bei den Missionsangestellten in Kamerun (Fisch). 39 S. mit 18 Figuren. 1914. Einzeli)reis M. 1.90. 5. Festsclirift zur Eröffnung des neuen Instituts für Schiffs- und Tropen- krankheiten zu Hamburg (verf. von den Mitgl. des Inst.) 202 S. mit 7 schw. u. 3 färb. Taf., 7 Grundrissen u. 56 Abb. u. Kurven. 1914. Einzelpreis M. 8.25. 0. DieÄtiologie der Beriberill (Schaumann). 258 S. 1914. Einzelpreis M. 13.50. 7. Verhandlungen der De utschenTropenmedizinisclien Gesellschaft. 6. Tagung, vom 7.-9. April 1914. 236 Seiten mit 1 Titelbild, 1 Karte, 11 TabeUen und 5 farbigen Tafeln. 1914. Einzelpreis M. 8.25. 8. Beitrag zur Kenntnis der klimatischen Buboncn (Müller und Justi). 32 S. mit 8 Kurven im Text und 1 farbigen Tafel. 1914. Einzelpreis M. 3.40. Zum 19. Bande (1915) sind keine Beihefte erschienen. Die Beihefte zum 20. Bd., 1916 (183 S. mit 13 Tafeln, Vorzugspr. M. 18.—), enthalten : 1. Beiträge zur Anatomie, Physiologie und Biologie der Kleiderlaus (Pedi- culus vestimenti Nitzsch). I. Anatomie des Verdauungstraktes (Sikora). 76 Seiten mit 24 Abb. und 3 farbigen Tafeln. 1916. Einzelpreis M. 12.—. 2. Chemische und physikalische Methoden zur Bekämpfung der Kleiderläuse. Ein Beitrag zur Beurteilung ihrer Wirksamkeit (Halberkann). 72 Seiten mit 23 Tabellen. 1916. Einzelpreis M. 4.50. 3. Die Framboesia tropica in Kamerun. Ausführungen über die Histopathos- logie der geschwürigen frambösischen Spätformen und der ßhinopharyngitis mutilans und deren Abgrenzung gegen tertiäre Syphilis. (Hallenberger.) 35 Seiten mit 10 Tafehi. 1916. Einzelpreis M. 6.—. Zum 21. Bande (1917) sind keine Beiliefte erschienen. Die Beihefte z. 22. Bde., 1918 (300 S. m. 4 Taf., Vorzugspr. M. 17.20), sind erschienen: 1. Der Dienst des Hafenarztes in Hamburg. 3. Bericht, 1903 — 1912 (Sanne- mann). 112 S. mit 10 Abb. und 2 Kurven. 1918. Emzelpreis M. 7.50. 2. Die Hämoproteus-Infektion des Turmfalken (Wasielewski und Wülker). 100 S. mit 11 Abb. im Text, 1 schwarz, u. 3 färb. Tafeln. 1918. Einzelpr. M. 9.—. 3. Die Bezieh linsen des Widal-Crruber zum Fleckfieber und zur Weil-Felix- Reaktion. (Zlocisti.) 88 S. mit 1 Kurve u. 4 Tab. 1918. Einzelpreis. M. 5.—. Die Beihefte zum 23. Bande, 1919 (506S. mit 21 Tal, Vorzugspr. M.44.— ) enthalten: 1. über die Entwicklung von Porozephalus und dessen pathogene Bedeutung (Füllebornl - 36 S. mit 10 Abb. und 5 Taf. 1919. Einzelpreis M. 5.—. 2. Anophelfs und MalAria in Halle. Zugleich ein Beitrag zur Morphologie und Biologie der Larve von Anopheles maculipennis Meigen (Tänzer und Oster- wald). 48 S. mit 27 Abb., 1 Karte und 2 Tafeln. 1919. Einzelpreis M. 6.—. 3. Znr Biologii^ «nd Patliologie des Nachwuchses bei den Naturvölkern der deutschen Schutzgebiete (Külz). 182 S. mit 3 Übersichtskarten, 4 Kurven und 31 Tabellen im Text und 4 schwarzen Tafeln. 1919. Einzelpreis M. 14. — . 4. Arbeiten aus dem deutschen Ortslazarett Haidar Pascha (Chefarzt: Stabs- arzt d. Res. Dr. Lewy), verfaßt von zahlreichen Mitarbeitern. 240 S. mit 25 Kurven im Text und auf 6 Tafeln und 10 Abb. auf 4 Tafeln. 1920. M. 30.—. Zum 24. Bande (1920) sind bisher erschienen: 1. Über Stechmücken, besonders deren europäische Arten und ihre Be- kämpfung, veröffenthcht mit Unterstützung der Hamburgischen wissen- schaftlich. Stiftung (Martini). 267 S. mit 117 Abb. u. 4 Taf. 1920. M. 50.— .*) Die Preise sind unverbindlich. Aufeer bei dem mit *) versehenen Preise treten Teuerungs- aufschläge hinzu. Beiheft 1 zum Archiv für Schiffs- u. Tropenhygiene, Band 24 (1920): Martini. Preis brosch. M. 50.—, Subskr.-Preis M. 40.—, zu dem! in Deutschland kein Zuschlag erhoben wer- den darf. Bei Lieferung ins Ausland kommt ein Valuta- Ausgleich, nach der Währung des betr. Landes berechnet, hinzu. \,U^ ^"^. ans Beihefte zum Archiv für Schiffs- und Tropenhygiene, Pathologie und Therapie exotischer Krankheiten begründet von C. Mense Band 24 anter Mitwirkung DES INSTITUTS FÜR SCHIFFS- UND TROPENKRANKHEITEN ZU HAMBURG und mit besonderer Unterstützung DER DEUTSCHEN KOLONIAL-GESELLSCHAFT herausgegeben von Prof. Dr. C. Mense, Cassel; Obermedizinalrat Prof. Dr. B. Nocht, Hamburg; Prof. Dr. A. Plehn, Berlin; Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. E. Steudel, Berlin; Generalstabsarzt der Marine Dr. W. Uthemaott, Berlin Schriftleitung: Prof. Dr. F. Füilebokn; Prof. Dr. M. Matek; Prof. Dr. P. Mühlehs, Hamburg 1920. Beiheft 1 Leipzig 1920 Verlag von Johann Ambrosius Barth Dörrienstraße 16 ^f4 'J^rVher Stechmücken besonders deren europäische Arten und ihre Bekämpfung veröffentlicht mit Unterstützung der Hamburgischen wissenschaftlichen Stiftung von Dr. E. Martini Assistenten am Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten Mit 117 Abbildungen im Text und 4 Tafeln Leipzig 1920 Verlag von Johann Ambrosius Barth Dörrienstraße 16 J^VN'^e-c^^ Inhaltsverzeichnis. I. Allgemeines. Seite A. Bedeutung der Stechmücken 7 1. Stechmücken als Überträger von Krankheiten 7 2. WirtschaftHche. Bedeutung 8 3. Allgemeines über Bekämpfung 9 B. Begriff und Beschreibung der Stechmücke 10 1. Was ist eine Stechmücke? 10 2. Anatomie der Mücke 12 3. Geschlechtsunterschiede 17 4. Lebensweise 18 5. Entwicklung 21 6. Größe 23 C. Einteilung und Verteilung ... 24 1. Besonderheiten ausländischer Stechmücken 24 2. Systeme der einheimischen Stechmücken 26 3. Geographie und Paläontologie 28 D. Freunde und Feinde 29 1. Parasiten 29 2. Feinde 35 3. Freunde 40 E. Die Sammlung 41 1. Sammeln und Fang 41 2. Anlage der Sammlung 45 3. Namenerklärung 46 II. Anopheles. A. Mitteleuropäische Anopheles 50 . 1. Anopheles nigripes 50 2. „ maculipennis und bifurcatus, Beschreibung, Jugend- stadien 54 3. Lebensweise der erwachsenen Mücken 58 „ „ Larven 65 4. Verbreitung 67 B. Wechselfieber (Malaria) 69 C. Südeuropäische Anopheles 77 1. Anopheles palestinensis 77 2. ., superpictus 80 3. ,, hispaniola 81 4. „ sinensis 82 III. Culicini. A. Einteilung der Culicini 84 B. Uranotaenia 85 C. Allgemeines über die übrigen Culicini 86 1. Deutsche und europäische Arten der übrigen Culicini ... 86 2. Nomenklatur 87 D. Aedesgruppe 88 1. Aedes cinereus 93 2. „ lateralis 95 3. ., serus 96 Q Inhaltsverzeiclinis. [6 Seite 4. Aedes diversus 99 5. ., nemorosus 101 6. „ sylvae 108 7. „ Gallii 110 8. „ terriei 112 9. ., salinus 115 10. „ nigrinus 118 11. „ annulipes 118 12. V cantans 123 13. „ abfitchü 126 14. „ quartus 128 Synonymie der Cantansgruppe 129 15. Aedes dorealis 132 16. „ rusticus 135 17. „ vexans 136 18. „ lutescens 139 19. „ ornatus 139 20. 1, calopus 144 21. „ sugens 150 22. Schlußbemerkungen über die Aedes 151 E. Culexgruppe 154 1. Culex pipiens 154 2. „ territans 158 3. „ hortensis 160 4. „ niimeticus 163 5. ., modestus 165 6. Theobaidia annulata 165 7. 1, glaphyroptera 168 8. „ longiai'eolata 169 9. „ morsitans 170 10. „ fumipennis . . , 172 11. Mansonia richiardii 174 IV. Maßnahmen gegen die Mücken. A. Schutz gegen Stechmücken 178 1. Durch Eiechmittel 178 2. Mechanischer Schutz 179 B. Bekämpfung der Mücken 186 1. Räuchern, Spray usw 186 2. Fang 192 C. Larvenbekämpfung 193 1. Hausmücken 193 2. Gesetzgebung gegen Feld- und Waldmücken 196 3. Zuschütten von Brutplätzen 202 4. Dränierung 204 5. Mückenbekämpfung und Landwirtschaft 216 6. Anophelesbekämpfung im Süden 219 7. Ölen und Vergiften 221 8. Fallen 225 9. Mansonia 225 D. Biologische Bekämpfung 226 E. Organisation 231 F. Verhinderung neuer Brutplätze und Propaganda . . . 236 G. Erfolge 238 V. Tabellen 241 Tafelerklärung 249 Schriftenverzeichnis . . 252 7] I. Allgemeines. A. Praktische Bedeutxing. 1. Stechmücken als Überträger von Krankheiten. Die Stechmücken haben seit einiger Zeit durch ihre praktische Bedeutung große Beachtung und zahlreiche Veröffentlichungen auf sich gezogen 1). Vor allem ist es ihre Eigenschaft als Überträger von Seuchen, die den Hygieniker, besonders in den Tropen, zu eingehender Beschäftigung mit diesen Plagegeistern zwingt. Denn die meisten von Mücken übertragenen Krankheiten, so G-elbfieber, Filariasis und Dengue, gehören warmem Klima an, und die Malaria hat in unseren Breiten nicht annähernd die Bedeutung, wie in deji Tropen. Über die Malaria bei uns (212) sprechen wir später. Dengue, Filariasis,. Gelbfieber. Von den übrigen genannten Krankheiten ist bei Dengue (33) trotz hohem Fieber, schweren subjektiven Krankheitsgefühles und oft noch lange nach Entfieberung anhaltender Schwäche die Sterb- lichkeit äußerst gering. Die Krankheit tritt epidemisch auf, ist zweifellos nicht ohne Bedeutung, aber nicht ausschlaggebend. Das gleiche gilt für die Haarwurmkrankheit (96, 170). Ihr Zusammen- hang mit der als Elefantiasis bezeichneten Mißgestaltung, einer oft ungeheuren Massenzunahme von Körperteilen, besonders der Beine oder der männlichen Geschlechtsteile auf chronisch entzündhcher Grundlage, ist noch nicht ganz unbestritten, Dengue ist in Europa 1889 auf der Balkanhalbinsel, verschiedenen Mittelmeerinseln, in Südspanien und Marseille epidemisch aufgetreten, außerhalb Euro- pas hat man zahlreiche Epidemien erlebt. Filariasis wurde beim Menschen neuerdings in einigen wenigen Fällen in Süditalien be- obachtet. Das gelbe Fieber (241, 242), eine schwere Krankheit mit hoher Sterblichkeit in Amerika imd Westafrika, hat gewaltige ») Über Stechmücken im allgemeinen 12, 45, 115, 142, 218, 244, 274, 317 ; Über Mücken und Krankheiten 1, 36, 67, 119, 141, 219, 259 des Bücherverzeichnisses. 8 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [8 Sterben verursacht und Städte, wie Rio und Havanna, bis zu seiner Ausrottung durch Mückenbekämpfung schwer in der Entwicklung gehemmt. (Näheres S. 146.) Malaria. Am schlimmsten ist die Malaria i), die in den warmen Ländern ganz ungeheuer häufig ist und noch heute viele Opfer fordert, viel mehr vor dem Bekanntwerden des Chinins alö ziemlich zuverlässigen Hilfsmittels. • Sie ist zweifellos von erheblicher geschichtlicher und kulturgeschichtlicher Bedeutung. Mehr als ein Feldzug ist an diesen Fiebern gescheitert, und Länder strecken, in denen sie herrschten, sind nicht besiedelt oder Siedelungen ihretwegen verlassen. Die Mississippiniederung (142) enthält ungeheure Strecken des alier- fruchtbarsten Bodens, wird aber der Fieber wegen vom Ansiedler gemieden, imd hat nur geringe Boden werte. Gegenden, die einst in hoher Blüte standen (265), sind durch die Fieber ganz heruntergekommen, manche Städte gänzlich oder fast gänzlich ver- lassen, die glänzenden Siedelungen und Villen in der römischen Campagna sind verschwunden durch die Fieber. Die einst blühende Stadt Grosseto di Toscana in Etrurien ist eine ärmliche, sieche Siedelung, und auch die reichen griechischen Städte Süditaliens, Groß-Griechenlands sind den Fiebern erlegen; in manchen Ge- genden erkranken von den jetzigen Bewohnern jährlich fast lOOo/o. So sind die herrlichen Ruinen von Paestum uns ein gewaltiges Denkmal für die Macht der Stechmücken. Wo einst eine Großstadt blühte, ist jetzt eine dünne Bevölkerung, die in den warmen Mona- ten größtenteils das Land flieht, während der Rest wenigstens in den höheren Orten der Umgebung nächtigt. Man hat auch ange- nommen, daß die sich nach den punischen Kriegen (146) aus- breitende Malaria das römische Volk dadurch verändert hat, daß die weniger widerstandsfähige nordische Rasse, die den eigentlichen Kern gebildet habe, ausgemerzt und damit der allmähliche Nieder- gang gekommen sei. 2. Wirtschaftliche Bedeutung. Aber auch abgesehen von den Seuchen, nur durch die Be- lästigung erzeugen die Mücken großen Schaden (275). In einigen Teilen New Jerseys (142), die sowohl durch die Nähe großer Städte, als auch wegen des guten Weidebodens zu Vieh-, besonders Meierei- 1) Über Malaria 179, 183, 191. 193, 194, 343. 9] I. Allgemeines: Praktische Bedeutung. 9 Wirtschaft, selir geeignet scheinen, ist der Versuch zu dieser Wirt- schaft wiederholt geniaclit, doch haben Mückenmengen das Vieh so heruntergebracht und den Milchertrag so verschlechtert, daß die Ver- suche immer wieder aufgegeben sind. Auch von Straßburg berich- tet Bresslau, daß die Anopheles an einer Stelle in der Umgebung so häufig sind, daß die Bauern das Vieh nachts aus den Ställen nehmen, weil dasselbe es im Freien eher aushalten kann. Auf Long Island wurde ein Vollblutgestüt derartig durch die Mücken her- untergebracht, daß man dieser Plage erfolgreich zu Leibe ging, allerdings mit einem Aufwand von einigen tausend Dollars. Auch die Preiselbeerernte kann in New Jersey oft nicht eingebracht wer- den, weil die zahllosen Mücken selbst die widerstandsfähigsten Arbeiter vertreiben. Dort sind auch Villenkolonien in der Ent- wicklung durch -die Mückenplage völlig gehemmt und nach deren Bekämpfung erst wieder rasch aufgeblüht, so daß sich ein nicht ein- mal großer Grundbesitzer einen Vermögenszuwachs von 200 000 M. herausgerechnet hat. Den Seebädern South Beach und Midland Beach auf Staten Island bei New York ging es ebenso, abends floh alles heim vor den Mücken, und die Sommerhäuser konnten nur hinter Drahtgazefenstern bewohnt werden. Durch die Dränierung der Salzmarschen ist der Übelstand beseitigt und sind in der näch- sten Nähe der Großstadt unschätzbare Gebiete gewonnen. Schon das Leben hinter Drahtgaze und Schlafen unter Mückennetz erhöht die Ausgaben, aber nicht den Genuß des Lebens. 3. Bekämpfung im allgemeinen. Auch einige deutsche Kurorte, wie Dürkheim i. Pfalz, Misdroy und andere haben die Mückenbekämpfung begonnen, nicht immer mit Erfolg, das liegt Avohl an folgendem: Wir hatten zwar allerlei Anweisungen und Vorschriften für Mückenbekämpfung (138, 207, 251), sogar eine vom Reichsgesundheitsamt, aber sie werfen meist alle Mücken in einen Topf. Bei einer Klage der hamburgischen .Walddörfer Wohldorf und Ohlstedt (211, 213) über Mücken, die so berühmt wurden, daß sie den ganzen Fremdenzuzug zu ver- hindern begannen, lag es nahe, das Tropeninstitut heranzuziehen. Professor Fülleborn und Mühlens sahen sich erst an, was für Arten sie vor sich hatten, dann wurden von Mühlens die Maß- nahmen ergriffen entsprechend dem verschiedenen Verhalten der „Hausmücken" und „Waldmücken", wie M. sich kurz ausdrückt, und der Erfolg war da. 10 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [10 Man muß die Stechmückenarten unterscheiden. Mit dieser Unterscheidung ist aber die Bedeutung der Kenntnisse keineswegs erschöpft. Sowohl unter den Haus- wie unter den Waldmücken, wie unter den Wiesennlücken sind die Gewohnheiten unter Umständen recht verschieden. Ein Mangel an Kenntnis kann die schwersten Irrtümer in dem Pro- gramm der Bekämpfung sowie dem Voranschlag von Kosten und Erfolg mit sich bringen. Wie das Leimen der Obstbäume wohl gegen Frostspanner hilft, niemand aber gegen Goldafter leimt, sondern man die iVester verbrennt, so sollte man sich von vornherein klar gewesen sein, daß man auch bei den Mücken die Bekämpfung nach der Lebens- weise der Art einrichten muß und nicht mit dem Mittel, das gegen eine nützt, überall durchkommt. Was für Arten die Quäl- geister sind, muß man selbst feststellen. Bei Jjaien ist nämlich nicht einmal der Begriff der Stechmücken sicher voraus- zusetzen. B. Begriff und Beschreibung der Stechmücke. 1. Was ist eine Stechmücke? So trivial es scheinen mag, müssen wir also doch zuerst die Frage beantworten : Was sind Stechmücken ? Verwechslungen. In Wohldorf wurde mir einmal sehr über Mücken geklagt. Es waren aber Fliegen gemeint, und zwar ganz harmlose, etwas zudring- Fig. 1. Galhvespe bei ungefähr zweifacher Vergrößerung. a = Vorder-, b = Hinterflügel. Fig. 2. Mückenähnlicher Glasflügler (Sesiidae), ungefähr zweifach vergrößert. a = Vorder- b = Hiuterflügel. liehe Fliegen. Diese Verwechslung ist keineswegs die schlimmste. Nicht selten werden auch kleine Wespen als Mücken vorgeführt oder eingesandt. Eine Wespe hat aber vier Flügel, wie die meisten geflügelten Insekten, wenn auch die an die Vorderflügel angehakten 11] I. Allgemeines: Begriff der Stechmücke. 11 kleineren Unterflügel erst bei genauerer Betrachtung als Glied- maßen für sich erkannt werden. Diese (b) Hinterflügel sind aber bei den Mücken und ihren Verwandten stark rückgebildet zu soge- nannten Schwingkölbchen, und als Flügel (a) bleiben nur das Vorder- paar übrig (siehe Fig. 1, 2 und Fig. 3 — 5). Deshalb hat man diese Tiere in der Klasse der Insekten als Ord- nung: Zweiflügler, Diptera, zusam- . mengefai^t. Wenn wir uns das System der Insektenordnung der Zweiflügler ansehen und die Familien aufführen, Fig. 3. Stechmücke(Anophelesc;f) bei ungefähr zweifacher Ver- größerung, a = Vorderflüge], b = Schwinger. Fig. 4. Zuckmücken ^f (Chi- ronomidae) bei ungefähr zwei- facher Vergrößerung. a ;= Vorderflügel, b =: Schwinger. Fig. 5. Wiesenschnake (Tipulidae) bei ungefähr zweifacher Vergrößerung. a = Vorderflügel, b = Schwinger. welche stechende Insekten enthalten, oder solche, die gelegentlich dafür gelten, so gehört das, was man in Süddeutsclüand Mucken nennt, zu den Cyclorrhaphen. Darimter sind auch Stechfliegen, die uns hier aber nicht interessieren. Der deutsche Begriff der Mücken 12 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [12 Ordnung: Unterordnung : Sektion : Diptera (Zweiflügler) Orthorrhapha Cyclorrhapha Aschiza Schizophora Pupipara Muscidae Hippoboscidae Fliegen Lausfliegen Nycterebiidae Braulidae Familien : < Nematocera Brachycera Mücken Tabanidae Psychodidae Bremsen Culicidae Leptidae Stechmücken Chironomidae Zuckmücken Simuliidae Kriebelmücken " Blepharoceridae Tipuhdae Schnauzenmücken deckt sich wohl so ziemlich mit dem wissenschaftlichen der Nemato- cera, mid die Stechmücken, die wir meinen, Culicidae, heißen nord- deutsch Mücken, rheinisch auch Gelsen, süddeutsch Schnaken, eng- lisch gnat, portugiesisch, amerikanisch Mosquito. — Aber selbst wenn die mundartlichen Irrtümer vermieden werden, begegnet uns manche Schwierigkeit. Sendungen aus dem Felde, wo sehr über Mückenstiche geklagt war, enthielten harmlose Tipuliden oder Chironomiden von den Fenstern, selten auch ein paar Culiciden. Wir sehen in der Tabelle diese Familien in der Verwandtschaft der Culiciden. Blutsauger gibt es auch unter den Chironomiden: Ceratopogon und ver- wandte Gattimgen sind in den Tropen sehr lästig. Sie sind nämlich wie die blutsaugenden Psychodiden so klein, daß sie durch die Maschen der Mückengaze gehen. Diese Blutsauger werden daher nie mit Stechmücken verwechselt. Wir nannten solch kleines Getier (die Sand-Flies der Engländer usw.) Gnitzen oder Gnitten (gnat englisch = Culex). Culiciden -Einteilung. Selbst in der Familie der Culicidae ist nur die Unterfamilie der Culicinae (61) blutdürstig und Familie : Culicidae Unterfamilien: Dixinae^) Corethrinae Culicinae im Besitz des langen Stechrüssels, und schon dadurch von allen Mücken leicht zu unterscheiden (Taf. II, Fig. 35 und 36). 2. Kennzeichen und Anatomie. Wie der Stechrüssel (124, 125, 230, 292, 326) für uns das wichtigste Merkmal der Culicinae ist, so ist er auch in ihrem Leben von der größten Bedeutung. 1) Taf. IL Fig. 26, 34. 13] I. Allgemeines: Begriff, Körperbau. 13 Fig. 6. Eüsselspitze einer Stechmücke (nach Präparat des Instituts). (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. XII, Beih. 8.) Fig. 7. Stechborsten nach Vogel. (Hyp. Ph. = Hypopharynx, Lb. := Unterlippe, Lbr. = Oberlippe, Lbr. K. = Kanal in derselben, Lbr. N. =r Nerv derselben, Lbr. V. = Verschluß des Oberlippen- rohres, Mdb. = Mandibel = Oberkiefer, Mu = Muskeln, Mx. = Ma- xille = Unterkiefer, N. := Nerv, Spg. = Speichelgang, Tr. = Trachee.) 14 Dr. E. Martini, über Stechmücken. [14 In einer von der Unterlippe gebildeten Scheide enthält er nämlich die zu Steohborsten ausgebildeten Muudwerkzeuge. Dies sind: zwei paarige Stücke, die Oberkiefer (Mandibulae) und die Unterkiefer (Maxillae), und zwei unpaare. Von den letzteren verläuft in dem unteren, dem Hypopharynx, der Ausführgang der Speicheldrüse, während das obere hohlnadelförmige Stück (= Epipharynx -f- Labrum) der Einfuhrkanal für die Nahrung ist. (Siehe Textfig. 6, 7 und Fig. 5, Taf. IV.) Bei der saugenden Mücke kann man dies Bündel leicht beobachten, da es allein in die "Wunde eindringt, die Scheide also gestaucht wird und abspreitzt (Textfig. 8 und Taf. IV, Fig. 14). Im übrigen wird die äußere Anatomie dui'ch Fig. 105, Seite 241 erläuteit. Fig. 8. Dui-chschnitt einer während des Stechens getöteten Mücke (nach Präparat von Fülleborn). (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. XU, Beih. 8.) Innere Anatomie. Verdauungsap parat. Dementsprechend kommen wir in der inneren Anatomie (Fig. 14, Taf. IV) von dem ersteren Stück zu den paarigen, je dreilappigen Speicheldrüsen, die, an einem langen gegabelten Ausführgang hängend, im Brustkorbe liegen. In diesen Drüsen rulien auch gegebenenfalls die ansteckungsfähigen Malariakeime, um beim Stich mit dem Speichel dem Opfer eingespritzt zu werden. An der Stelle, wo sich nach Vereinigung des rechten und linken Speichelganges der gemeinsame Kanal in den Hypopharynx begibt, sitzt die sogenannte Speichelpumpe, ein mit Stempelvorrichtung nach Art einer Rekordspritze gebautes kleines Gebilde. Den anderen Kanal entlang, dem Strom des eingezogenen Blutes folgend, geht es durch die Mundhöhle in die Saugpumpe, dann in die Speiseröhre und den Magen, in welchem das Blut verdaut wird und an dessen Außenseite die mit 15] I. Allgemeines: Körperbau. 15 Sp. p. Fig. 9. Kopfdurchschnitt einer Mücke (nach Fülleborn). Sp. P. = Speichel- ziinge. (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. XII, Beih. 8.) Fig. 10. Darmpräparat einer Mücke (nach Neumauu-Mayer). a = Pharynx- piimpe, b = rechte und linke Speicheldrüse, c = Ausführgang der rechten Drüse, d = gemeinsamer Ausführgang, e = Speiseröhre, f = unpaarer, g, h = paarige Blindsäcke, i = Vormagen, k, 1 = Magen, m = Tracheen, n = Magen- falten, durch zusammengezogene Muskulatur bedingt, o = Pylorus, p = Pylo- riisdivertikel, q = Dünndarm, r =. Dickdarm, s = Rektum, t = Malpighische Gefäße (Nierenschläuche), u = Rektaldrüsen, v = junger Eierstock, w = er- wachsener Eierstock, x = 8. Hinterleibsringel, y = Samenbehälter (Sperma- theca), z = Cerci. IQ Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [16 dem Blut eingesogenen Malariakeime nach geschlechtlicher Vereinigung und Durchwanderung des Darmepithels sich zunächst zu kleinen Geschwülsten ent- wickeln. Vor dem Magen liegen drei Blind.säcke, Ausstülpungen der Speise- röhre, und zwar ein Paar an den Seiten und ein impaarer ventral. Letzterer ist der größte und reicht weit in den Hinterleib. Alle drei Säcke enthalten ein Gas, die seitlichen immer (Eysell nennt sie Flugblasen, den Ventralsack aber Vorratsmageu). Alle werden bei der Aufnahme von Süßigkeiten usw. mit Nahrung gefüllt, die nach und nach in den Magen abgegeben wird. Blut geht gleich in den Magen. Beim Auskriechen aus der Puppe pumpt die Mücke die Flugblasen selbst mit Luft voll. Später müssen Hefepilze für Gas sorgen, die sich regelmäßig hier finden. Schaudinn ist der Meinung, daß diese Hefepilze, welche beim Stich auch in die Wunde gelangen, es sind, die die Quaddeln und das Jucken hervorrufen. Endgültig ist die Angelegenheit der Ursache von Quaddeln und Jucken aber noch nicht erledigt. An den Magen schließt sich der Mitteldarra, dem gleich vorn die fünf langen Mal pighi sehen Gefäße ansitzen, welche Nierenarbeit leisten und der Sitz von Filarialarven (Filaria immitis u. repens) im Mückenkörper sein können. Es folgt das dünne, nach oben gebogene Kolon und das weitere Rektum mit den Rektaldrüsen. Geschlechtsorgane. An den üblichen Darmpräparaten von Mücken wei beben sieht man neben dem Enddarm noch ein Organpaar, an dem besonders je ein traubiger Körper auffällt, Geschlechtsorgane mit den Eierstöcken. In gleicher Lage finden sich die Hoden, wenn das Präparat von einem Männchen gemacht ist. Als Anhangsdrüsen fanden wir an den weiblichen Genitalgängen die Kittdrüsen und die Receptacula seminis (Spermatheken), welche letzteren, in der Ein- bis Dreizahl vorkommend, wichtige systematische Merkmale sind. Leibeshöhle, Tracheen, Blut. Die Geschlechtsorgane liegen wie der Darm frei in der Leibeshöhle, von Tracheen, Luftröhrchen, umsponnen und befestigt und von der Leibeshöhlenflüssig- keit umspült. So können also die Malariakeime, wenn ihre reifen Geschwülste an der Darmwand platzen, durch die Leibeshöhle nach den Speicheldrüsen frei wandern. Ebenso sind die Muskeln der Flügel und Beine von keiner serösen Haut überzogen, sondern unmittelbar von der Leibeshöhlenflüssigkeit umspült. Die Filarialarven, die sich aus dem Magen ausgebohrt haben, brauchen also nur die Leibeshöhle zu durchwandern, um sich in die Muskulatur (F. bancrofti) oder die Nierenschläuche einbohren zu können. Dabei ist ihnen noch die dauernde Bewegung behilflich, in der sich die Leibeshöhlenflüssigkeit befindet, denn das Herz steht mit der Leibeshöhle in offener Verbindung und ein besonderes Blut- gefäßsystem besteht nicht. So werden schon passiv die Schmarotzer gelegentlich an die ihnen zusagenden Organe gebracht, die Haarwürmer an Muskeln oder Nieren, die Malariakeime an die Speicheldrüsen. Nerven und Fettkörper. Das Nervensystem bietet für unsere Zwecke ebenso wenig Interesse wie der Fettkörper, welcher in lockeren Strängen in der Leibeshöhle liegt und vor der Überwinterung besonders wohl entwickelt ist. 17] I- Allgemeines: Körperbau, Geschlechtsmerkmale. 17 Der lange Stechrüssel muß also als das wesentlichste Merkmal für die rasche Erkenntnis der Stechmücken in den Vordergrund gestellt werden. Eine Mücke, die keinen Stechrüssel hat, ist keine Stechmücke. Das Vorkonnnen eines langen Rüssels in der Tipuliden- Familie ist eine so seltene Ausnahme, daß es praktisch ohne Be- deutung ist. 3. Sekundäre Geschlechtsunterschiede. Auch die Mückenmännchen, obwohl sie kein Blut saugen, be- sitzen lang^ Rüssel, doch ' sind bei ihnen die paarigen Stücke, die Ober- und Unterkiefer, verkümmert, die dem Weibchen bei der Durchbohrung der Haut dienen. Die Pußklauen der Männchen sind meist länger und anders geformt als beim Weibchen, und die Flügel schmaler. Die Männchen stechen also bei den Mücken nicht. Dagegen tragen sie, und nur sie, den Kopf mit Federn geschmückt, ganz im Gregensatz zu den Menschen. Diese Federn sind die Fühler, doch ist der Federfühler keineswegs ein Merkmal bloß der Stech- mückenmännchen, vielmehr kommt eine entsprechende Erweite- rung der Fühler oft auch geradezu zu Federformen sehr vielen Insektenmännchen zu, und so finden wir Federfühler denn auch 'unter Nichtstechmücken bei den Corethrinae und Chironomidaei). Die Fühler der Weibchen sind nur schwach behaart, fast faden- förmig. Nmi sind aber doch in der Literatur eine Anzahl Fälle bekannt geworden, wo Männchen gestochen haben sollen. Schon Galli- Valerio hat geäußert, daß es" sich hier; möglicherweise um abnorme Tiere handelt, und neuerdings hat Edwards dies bestätigt. An einem bestimmten Fangplatz hatte er in ungefähr zehn Minuten drei saugende Männchen von Aedes nemorosus gefangen, während ein viertes ihm entkam. Die genauen Untersuchungen siehe S. 102. Sie ergaben, daß es sich im vorliegenden Falle, wie wohl stets bei der- artigen Ausnahmen, um einen mehr oder weniger ausgeprägten Herm- aphroditismus handelte. Es ist bemerkenswert, daß das stechende Männchen, von dem Giles aus der Leipziger Gegend berichtet, auch ein Nemorosus-Männchen gewesen sein soll (nemoralis steht in der Angabe) 2). Aber es sind sicher nur seltene Ausnahmefälle, daß uns *) Taf. Iir, Fig. 35 a, b. ^) Galli-Valerio erwähnt auch ein stechendes Annulata-Männchen. Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene. 24. Beiheft 1. 2 18 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [18 die Federn am Kopfe über das Geschlecht der Mücken verkehrte Auskunft geben, und man kann also doch mit Recht sagen, was uns dauernd plagt und in Atem liält, sind nur die Weiber. •4. Lebensweise. Ernährung. Manche einheimische Mückenarten stechen den Menschen an- scheinend überhaupt nicht, sondern ziehen wahrscheinlich Vogel- blut vor. Die "Wirkung der Mückenstiche ist nach Mücken und Men- schen verschieden. Anophelesstiche erregen meist weniger Jucken als die unserer Culicinen. Aber auch gegen letztere sind die Men- schen sehr verschieden empfindlich. Bei gründlich zerstochenen Leuten tritt eine gewisse erworbene Immunität ein, die ich selbst an mir beobachten konnte, hauptsächlich bei nemorosus, und die Berigmann für dieselbe Art feststellte. Einzelne Menschen werden anscheinend von Mücken überhaupt nicht gestochen. Daß die Mückenweibchen gelegentlich auch andere Insekten anfallen, wurde von Theo bald beobachtet, der C. nigritulus sau- gend an Zuckmücken fand, und Hagen, der sie an einer Schmetter- lingspuppe überraschte. Auch nach Süßigkeiten gehen sie viel, besonders an zucker- haltige Flüssigkeiten, z. B. an Bier, und trinken gegen den Durst auch Wasser. Sehr interessant ist die Beobachtung von Fülleborn, daß man die Mücken zum Saugen zwingen kann, wenn man sie in eine Lage bringt, da.ß die Saugrohrspitze m Flüssigkeit eintaucht. Der dann von der Flüssigkeit ausgehende Reiz ist so mächtig, daß die Mücken nicht wieder aufhören können zu saugen, solange sie in der Stellung festgehalten bleiben und weiter saugen, selbst wenn sie ganz voll sind, gegebenenfalls bis sie platzen. Die Arbeit der Saugpumpe im Yorderdarm ist also ein Reflex, ausgelöst wahr- scheinlich von einem Sinnesorgan in der oberen Wand der Mund- höhle. Daß das von Vogel (326) jüngst an der Spitze der Ober- lippe nachgewiesene Sinnesorgan diesen Vorgang nicht auslöst, geht daraus hervor, daß Fülleborn ihn auch noch nach Abtren- nung der ganzen Stechrüsselspitze erhielt. Das Saugen wird also anscheinend zunächst durch Kapillarwirkung eingeleitet. Die Frage, ob Blutnahrung ganz allgemein bei Stechmücken- weibchen zur Eiproduktion erforderlich sei, kann nicht bejaht wer- \Q'\ 1. Allgemeines: Lebensweise. 19 den, wie schon Theo bald annimmt, da es Neumann gelungen ist, Culex pipiens bei bloßer Sirupnahrung durch mehrere Generationen zu züchten (s, a. S, 148 Anm.)- Männchen, Täjnze und Begattung. Die Männchen ernähren sich, wiederum im Gegensatz zu menschlichen Verhältnissen, ganz von Süßigkeiten, und gerade sie haben die Tanzleidenschaft. Dieselbe erwacht auch bei ihnen gegen Abend oder am späten Nachmittag. Manche tanzen in ungeheuren Schwärmen, wie C. pipiens im Hochsoimner, andere in kleinen, wie Aedes nemorosus oder Anopheles (239). Die Weibchen fliegen dann in diese Tanzgesellschaft hinein und kommen alsbald gepaart wieder hervor. Bei den Ai'ten, bei denen die Weibchen gezähnte Klauen haben (Aedes), ergreifen sich die Geschlechter gegenseitig, bei den andern ist die Haltung die z. B. von Sclimetterlingen. be- kannte. (Die etwas abweichende Beobachtung bei serus s. S. 98.) Yon der Mehrzahl unserer Stechmücken sind die Hochzeitsgebräuche noch nicht bekannt. Es tanzen übrigens auch andere Mücken. Die meisten Schwärme, die wir im Sommer treffen, sind von Zuckmücken gebildet, die letzten Tanzgesell- schaften im Herbst und die ersten im Frühjahr sind Schnauzenmücken (Tipulidae). Aufenthalt und Wanderungen. Sonst findet man die Männchen meist in der Nähe der Brut- plätze im Kraut oder Gebüsch (Fichten- und Kieferndickungen !), doch auch manchmal nicht selten, in unseren Wohnräumen, beson- ders bei den Arten der Culexgruppe. Von ihrem Geburtsort scheinen sie sich kaum weit zu entfernen. Die Weibchen fallen uns natürlich durch ihre Zudringlich- keit sehr viel mehr auf als die Männchen, mit denen sie bei vielen Arten sonst den Fundort teilen, indem auch sie sich gern im Schutze hohen Krautes (z. B. der Teichränder, an Wiesen- und Ge- büschrändern), oder im Gezweige der Gebüsche selbst, im TJnter- wuchs der Hochwälder von Heidelbeeren und dergleichen, beson- ders aber auch in dem dichten Schutz der Fichten- und lüefern- dickungen halten. Die Weibchen entfernen sich auf der Suche nach Blut oft weit von ihrem Geburtsort, manchmal in einem Flug, manchmal etappenweise (vergl. auch unter Anopheles). Für die Salzmarsch -Aedes hat Smith gefunden, daß sie in ungeheuren Schwärmen bis über .30 km landeinwärts wandern, alles mit ihren 20 Dr. E. Martini, über Stechmücken. [20 Quälereien verpestend. Auch Ficalbi berichtet von A. penicillaris (= dorsalis) aus Italien weite Wanderungen, für die auch Be- obachtungen von Eckstein im Elsaß, und vom Verfasser auf dem Balkan sprechen. Die Mehrzahl der Mücken fliegt allerdings wohl nur selten weiter als einige 100 Meter, Lebensdauer. Da den Männchen nur die Aufgabe der Begattung zufällt, ist ihr Leben meist sehr kurz. Sie scheinen höchstens einige Wochen zu leben. Das Vorkommen von Männchen gibt uns daher einen wichtigen Fingerzeig, daß Brutplätze in der Nähe noch in Betrieb sind oder erst vor kurzem verschwanden. Die Weibchen lebeui wesentlich länger, bei Arten mit einmahger Eiablage jedoch an- scheinend kürzer als . bei solchen mit wiederholter, bei denen sie wohl 2 — 3 Monate alt werden. Dabei ist an das Sommerleben ge- dacht. Die Überwinterung verlängert das Leben erheblich. Flugzeiten. Die Tageszeit, wann che Mücken munter und stechlustig sind, ist sehr verschieden. Die Tanzzeiten der Männchen liegen bei den einen Arten in den Naclmiittags-, bei anderen in den Abend- stunden, Von den Weibchen wird gesagt, Anophelen stechen nachts, Culicini auch tags. Das ist insofern nicht ganz richtig, als in der Heimat unsere Culex- und Theobaidiaarten ausgespro- chen nächtliche Tiere sind. Die Anophelen verhalten sich ver- schieden, ebenso die Aedes. Die meisten Anophelesarten lieben die Dämmerung, Das trifft wohl vor allem die halb häuslichen Arten, wie maculipennis und die palestinensis-Gruppe, die in offenem Grelände, jedenfalls Aveniger im Grebüsch und Walde, brüten, Chagas und Neiva fanden dabei, daß die einzelnen Anophelesarten in Brasilien abends in ganz bestimmter Eeihenfolge zum Vorschein kommen und verschieden spät munter bleiben, wie wir es ja auch von unseren Nachtfaltern kennen. Dagegen stechen unsere Waldformen selbst bei Tage leb- haft, und zwar nicht nur im Schatten alten Hochwaldes, sondern auch in lichterem Walde. Nur selten stechen die Tagschläfer, wie maculipennis und palestinensis, in dmikleren Bäumen, Höhlen usw. bei Tage: in Gefangenschaft dagegen tun sie es häufig. Bei Ano pheles brasiliensis beobachtete Neiva das Stechen sogar im hellen Sonnenlicht. 21"] I. Allgemeines: Lebensweise, Entwicklung. 21 Unter den Aedesarten greifen unsere Wald- und Gebüsch - formen, also die Mehrzahl, auch bereits bei Tage an, zu allen Tages- zeiten, sobald es warm genug ist, daher manchmal schon in den frühen Morgenstunden. Bei den Arten des freien Geländes, dorsalis, annulipes in erster Linie, konnte ich beobachten, daß sie erst gegen Abend so recht munter werden, bei Tage sich aber im hohen Kraut halten. Bei Aedes calopus scheint noch keine Einigkeit der Meinungen erreicht. Die französische Gelbfieber-Kommission meint, nur die erste Blutmahlzeit werde auch bei Tage genommen, im übrigen sei diese Mücke ein nächtliches Tier. Daß sie auch nachts oder jeden- falls in der Morgen- sowie Abenddämmerung sticht, ist sicher (241 a). Nordamerikanische Autoren bezweifeln, daß die Nacht die Haupt- zeit der Art ist, und nehmen an, daß sich dieselben ähnlich wie unsere Walchnücken verhalten, die selbst in der Sonne stechen, aber auch noch nach Sonnenuntergang, wenn man schon Licht brennt, sehr angriffslustig sind. Die Frage, wie weit die Mücken von künstlichem Licht ange- zogen Averden, ist keineswegs spruchreif. Selbst, wo viele Culex pipiens oder Mücken der Aedesgruppe zugegen waren, habe ich ein Ins- Licht -f Hegen nicht bemerkt, mngekehrt bei den echten Culex zu bemerken geglaubt, daß sie sich von der Dunkelseite näherten. Anopheles-Männchen habe ich wohl gelegentlich an die Lampe fliegen sehen, auch einmal ein Weibchen, obwohl ich recht oft in ßäumen bei Licht gearbeitet habe, in denen sich am nächsten Morgen (Fenster waren bei Löschen des Lichtes geschlossen) die Anopheles- Weibchen vorfanden. Von Panama wird berichtet, daß die Mücken bei nächtlichen Arbeiten den Lichtkegel des Schein- werfers mieden. Daß man im Dunkeln natürlich die Mücken nicht wahrnünmt, wo unsere kimstliche Beleuchtung sie uns sichtbar macht, ist klar, ob darüber hinaus das Licht wirklich eine an- lockende Wirkung hat, scheint fraglich. Auch die Farben haben anscheinend sehr verschiedene Anziehungskraft auf die Mücken, die dunkel wohl in der Eegel bevorzugen und bei uns daher eher an die dunklere Bekleidung als an die helle Haut anfliegen. 5. Entwicklung. Ein häufiger Irrtum des Laien mag bei dieser Gelegenheit gleich berücksichtigt werden. ,,Siph mal, wie klein die Mücke ist, die ist sicher noch ganz jung."' Bei den Insekten wird meist 22 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [22 das Wachstum durch Jugendstadien vollzogen, die, wie ja von den Schmetterlingen bekannt ist, völlig anders aussehen als die Er- wachsenen. Wie dort Ei, Eaupe, Puppe, Falter, so folgen hier Ei, Larve, Puppe, Mücke (Tafel III und Tafel IV). Dabei sind die Larven (143, 202, 231, 256, 257), die als wurmförmige Gebilde im Wasser leben, von den Mücken mindestens ebenso verschieden, wie die Raupe vom Schmetterling. Sie tragen einen deutlich abge- setzten Kopf, am Hinterende ein Ruder aus Borsten, das sie durch schlängelnde Bewegung des Körpers wirksam machen, tragen vier Tracheenkiemen zum Atmen unter Wasser i) am Körperende, und am vorletzten Leibesring ein© L.uftröhre zum Atmen von der Wasseroberfläche (Fig. 12, Tafel IV). Die beiden von hier aus- gehenden, den Larvenkörper der Länge nach durchziehenden Luft- röhren (Tracheen) dienen nicht nur dem Gaswechsel, sondern auch zur Erzielung des richtigen Auftriebes der einzelnen Körperteile, und sind so wesentlich mitbestimmend bei der regelrechten Hal- tung der Larven im Wasser (siehe S. 26). Die Mückenlarven be- sorgen, dreimal sich häutend, das Wachstum, fressen, sofern sie nicht räuberisch sind (siehe S. 24), was sie schlucken können und ihnen ihre Wirbelhaare zustrudeln. Jedoch bestehen insofern Ver- schiedenheiten, als einige das Futter von der Oberfläche nehmen, andere aus der Wassermitte und wieder andere von den Gegen- ständen des Grundes (284, 319). Flagellaten und Infusorien werden von vielen Larven gern gefressen, ebenso Algen und Algensporen. Wieweit kleine Kruster und Rädertiere verspeist werden, ist wenig bekannt. Benagt aber werden auch tote Körper der Kameraden, alle möglichen im Wasser liegenden Insektenleichen, Chitinreste und die Borsten der Ge- nossen, die sie sich gegenseitig oft größtenteils wegfressen, ferner alle möglichen tierischen und pflanzlichen Reste. In Mageninhaltsuntersuchungen wogen vor : Formen wie Oscil- laria, Navicula, Protococcus, Cyclotella, Synedra, Melosira, weni- ger reichlich Euglena, Epistylis, Aroella, ziliate Infusorien. Bei Anopheles werden außer Fadenalgen und den üblichen Algenformen noch genannt: Conferva und Scenedesmus. *) Die Größe der Tracheeniiemen ist sehr verschieden und entsprechend auch die Fähigkeit des Ausdauerns in der Tiefe des "Wassers; als dritte Atmungs- art kommt noch Hautatmung vor. Dementsprechend sind die kleinen jungen Larven ausdauernder unter AVasser als die großen erwachsenen. In kühlem Wasser können viele Larven dauernd unter Wasser sein. Siehe S. 222. 23] I- Allgemeines: Entwicklung, Größe. 23 Durch die Häiituiig- ändern sich die Larven auch morpho- logisch. Zmn Beispiel ist bei Aedesarten und Theobaldien an den ganz jungen Larven nur die Spitze des Atemrohres verstärkt chiti- nisiert. Diese dicke Kappe rückt dann von Häutung zu Häutung mehr gegen die Basis vor. Auch die Schuppen des Kammes und Striegels ändern sich, sowie die Zahlen der Striegelschuppen. Die genaue Beschreibung dieser jüngeren Stadien ist noch ein sehr un- vollständiges Kapitel. Ausgewaschen, häuten sich die Larven zum viertenmal zur Puppe, die lebhaft beweglich ist, im Gegensatz zur Schmetterlings- puppe, und scheu bei geringer Beschattung oder Erschütterung mit schnellen Schlägen des Ruderschwanzes den Boden des Ge- wässers aufsucht, an dessen Oberfläche sie sonst mit den ohr- ähnlichen Atemröhren hängt (Fig. 7, Tafel IV). Sie nimmt keine Nahrung. Voll erwachsen, schlüpft aus ihr die Mücke und wächst nicht mehr. Kleinere Stücke gehören also kleinen Arten an, sofern sie nicht verkümmert sind. 6. Größe. Die Größe ist hier mithin wie bei anderen Insekten ein Art- oder Geschlechtsmerkmal, mid zwar sind bei einigen Arten die Männ- chen, bei anderen die Weibchen größer. Aber der Laie denkt oft, wenn der Stich sehr juckt und er sehr geplagt wird, die großen Mücken sind es und fängt die riesigen Tipuliden, und wenn einer aus seinen Reisen oder seiner Heimat von eine Spanne großen Mücken erzählt, so sind es, sofern nicht Vögel der Gattung Anas, übertriebene Tipulae oder Verwandte. Diese aber haben überhaupt keine Stechwerkzeuge und saugen kein Blut. „Moskitos." Die Neigung, das Bedeutende sich auch äußerlich groß zu denken, führt noch zu einem anderen Irrtum, nämlich, daß „Mos- kitos" ganz besonders großes oder giftiges Getier sind. Sie sind nichts anderes als Mücken, andere Arten der auch bei uns heimi- schen Gattungen, von derselben Größe und nicht giftiger. Die Größe der Steclimücken überhaupt schwankt zwischen 2 bis 12 mm, für Europa zwischen 2 und 10 mm. Die größeren Tropenarten sind im allgemeinen keineswegs so häufig, daß sie als besonders lästig empfunden werden. Die Moskitos am Ottominer See bei Danzig oder an einzelnen Stellen der Rostocker Heide haljen mich Aveit 24 Dl'- E. Martini. Über Stechmückeu. [24 mehr belästigt als irgend Avelche tropischen Mücken während meines kurzen Tropenaufenthalts, und Kenner beider, der nordischen Steppen und der Tropen, berichten, daß die Mückenplage in ersteren weit schwerer sei als in letzteren. C. Einteilung und Verteilung. Sehen wir uns nun unsere Stechmückenwelt etwas an! Man teilt vielleicht am passendsten die Culicinae in vier Tribus: Unterfamilie : Culicinae Tribus: Anophelini Megarrhinini Culicini Sabethini^) / Anoplieles " Culex ■n 1. i, n ii I Theobaldia ^) Deutsche Gattungen: Mansonia l Aedes 1. Die nichteuropäischen Tribus. Tropische Mücken. Natürlich gehören wieder die schönsten Arten nicht unserer Hei- mat an. Schöne Mücken ! Und doch muJ3| man diese violetten, blauen, grünen, goldenen Gefieder in der Sonne haben glänzen sehen, von denen sich schneeweiße Füße oder Kingel schimmernd abheben, um zu verstellen, wieviel Schönheit und Grazie selbst der blut- dürstigen Mücke verliehen sein kann. Dabei sind die größten und mit die prächtigsten Arten, die Megarrhinini, gar keine Blutsauger. Hier näliren sich sogar die Weibchen von Pflanzensäften 3). Die Larven aber sind böse Käuber und mit die furchtbarsten Feinde der an gleichen Orten lebenden Brüten der kleineren blutsaugenden Mückenarten. Auch die Larven der großen Sabethini sind Räuber, die den kleineren Arten nicht. Sie kennzeichnen sich noch dadurch in der Lebensweise, daß die Larven nie in offenen Gewässern hausen, sie bewohnen Baumhöhlen, das Wasser in Blattachseln und in der Mitte der Ananaspflanzen, in den Achseln der Bananenblätter, Kakaoschalen, Höhlen alter Bambusstämme, Nepenthes-Kannen (200a, 130a) und älmliche Orte'. Bei den großen Sabethesarteü sind die Beine durch lange ^) Nur die Anophelini und Sabethini sind bei Betrachtung der Mücken der ^^'elt gut in sich abgeschlossene Gruppen. Zwisclien den Culicini und Megarrhinini erscheinen Zwischengattungen, die diese Tribus ziemlich eng verbinden und selbst in ihrer Stellung imsicher sind. •-) = Culiseta. ^) Und haben entsprechend rückgebildete Stechborsten. 25] I. Allgemeines: Tropische Stechmücken. 25 Schmucksclmppen ähnlich ausg-estiiltet, wie die Schmuckfedem mancher Kolibriarten. Wie bei Megarrhiiius und sonst gelegentlich bei einzelnen Culicinen finden wir auch bei einer sehr schmucken Sabethinenart, daß sich die Weibchen des Blutdurstes begeben haben. Bei ihr sind die' Stechwerkzeuge zurückgebildet. Es ist das die inter- Fig. 11. Sabethes longipes in Flugstellung (überarbeitet nach Goeldi [119a]). essa^te Harpagomyia splendens, die sich von Ameisen füttern läßt, wie Jacobson fand. De Mejere (200) schreibt: Die Mücken finden sich auf Bäumen, auf den Ameisenstraßen. Dort halten sie die Ameisen an, indem sie in schnellem Tempo mit Vorderbeinen und Fühlern Kopf und Stirn der Ameisen betasten. Während die Ameisen jetzt einen Tropfen Futtersaft erbrechen, leckt der Mos- 26 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [26 kito mit großer Hast denselben auf, wonach die Ameisen ihren Weg weitergehen. Eine andere Besonderheit bieten die Arten der Deinocerites- gruppe. Sie sollen hauptsächlich vom Blute der Erdkrabben leben, an die sie sich eng angepaßt haben. Diese Krabben graben sich Löcher bis ins Grundwasser, und hier unter der Erde' erwächst dann auch die Deinoceritesbrut. Auch die Mücken bringen offen- bar den größten Teil üires Lebens in diesen Höhlen zu und haben dadurch ein Merkmal erworben, das wir auch sonst bei typi- schen Höhlenformen unter den Gliedertieren beobachten, die langen Extremitäten, die im Dienste des Getastes den Ausfall des Gesichts ersetzen. So haben ihnen die „furchtbar" langen Fühler auch den Namen „Deinocerites" eingetragen. 2. Alte und neue Einteilung der einheimischen Stechmücken. All diese Pracht und Merkwürdigkeit existiert bei uns nicht. Wir beschränken uns auf die schlichten Anophelini und Culi- cini (5). Für unsere Fauna gilt folgendes. Früher unterschied man (67, 198, 295) Anophelini, Culicini und Aedini nach den Tastern (Fig. 1, 2, Taf. I, III, IV): Anophelini Culicini Aedini Palpen Palpen Palpen bei cT u. 9 lang bei (^' lang, bei $ kurz bei cT u. 9 kurz Der kurze männliche Palpus ist aber das einzige, was den Aedes cmereus von den , Spezies der Gattung Ochlerotatus (Culicada auct.) der Culicini trennt, während wir in einer Untergattung von Culex alle Übergänge voii langen zu kurzen Palpen finden, die Abtren- nung der Aedini auf Grund der männlichen Taster hat sich also als unnatürlich herausgestellt und ist verlassen worden (37, 38, 41). Die Merkmale, welche unsere AnopheHnen und Culicinen trennen, sind in folgender Tafel gegenübergestellt. Anophelini (Tafel I). Eier mit Schwimmkammern oder Gürtel, nicht zu Schiffchen zu- sammengeklebt, 12a, 14, 17. Larven ohne lange Atemröhre, 9, 15, mit Quirlhaaren, halten sich wagerecht an der Ober- fläche, 17, Culicini (Tafel EI). Eier ohne Schwimmapparat, zu Schiff- chen zusammengeklebt odqr ein- zeln, 8a, 9, 11. Larven mit wohlentwickelter Atem- röhre, 6, 12, ohne Quirlhaare, hängen von der Wasseroberfläche herab, 9. 271 I. Allgemeines: Einheimische Stechmücken. 27 Anophelini (Tafel I). Larven: Gesicht im Nacken beim Fressen, seitliche Schwanzhaare vielteilig, an den Spitzen hakig, 15, Striegeldornen entspringen von ge- meinsamer Grundplatte (der sog. Striegel ist eigentl. der Kamm), 15. Puppen mit seitlichen Dornen an den letzten Hinterleibsringen, 11. Mücken: Schildchen gerundet, Taf. II, 18, Taster des $ laug, It, Hinterleib nur mit Haaren*), langbeinig, 1, letztes Glied des Vorderfußes beim 9 am kürzesten, Taf. III, 15, eine Spennatheke, Rückenschild schmal mit hel- lerem breiten Längsstreif, 1, Körperhaltung im Sitz ge- streckt, Hinterleib von der Unterlage ab- sperrend (279), 5, 6, 7, (Fußklauen der "Weibchen stets un- gezähnt, 3, keine Harpes oder Harpagones bei den cf cf, 16, Mandibeln der Weibchen mit Säge -), Taf. II, 7, Mandibeln und Maxillen der Männ- chen ziemlich kräftig), Taf. II, 2. Culicini (Tafel III). Larven: Gesicht in gewölinlicher Haltung, wenig geteilt oder einfach, an den Spitzen nicht hakig, 12, Striegeldornen bleiben einzeln. (Aus- nahme Uranotaenia, wo sie von ge- meinsamer Plätte entspringen), 12. Puppen mit Einzel- oder Büschel- haaren dort, 7. Mücken: Schildchen dreilappig, Taf. II, 17, kurz, 1, mit Haaren und Schuppen, gedrungener, 1, vorletztes Glied am kürzesten, Taf. m, 16, drei Spermatheken, Eückenschild gedrungen, an- ders gezeichnet, 1, Körperhaltung buckelig, Hinterleib der Unterlage mehr an- gedrückt, 9, (Fußklauen der Weibchen mit oder ohne Zahn, 3, Taf. IV, 3, Harpes oder Harpagones oder beides bei den (^cT vorhanden, 13, Aus- nahme Uranotaenia, wo sie fehlen, Mandibeki der Weibchen ohne Säge, Taf. II, 9, Mandibeln und Maxillen der Männ- chen gering entwickelt), Taf. II, 4. *) Die Färbungen der Stechmücken beruhen auf der Farbe der Haut (Chitin- cuticula) und der Färbung der Schuppen und Haare. Die Culicini sind dicht mit Schuppen bedeckt, die nur an den unteren Teilen des Brustkorbes und Kopfes sowie auf dem Nachrücken größere Teile der Chitinhaut freilassen. Auf den Flügebi sind sie auf die Adern und den Saum beschränkt (Taf. II, Fig. 11—14, 19—25, Textfig. 53 f). Bei den Anophelini ü-eten die Schuppen am Körper zurück, besonders in unserer Heimat kann man sagen, daß die Anopheles am Körper unbeschup^t, nur behaart sind. Form und Farbe der Schuppen geben zur Bestimmung der Arten der Stechmücken recht gute Merkmale, doch muß man im Auge behalten, daß viele Arten in dieser Hinsicht erheblich abändern imd zur Aufstellung vieler schlechter Arten geführt haben. Das Klima scheint vor allem nicht ohne Einfluß auf hellere oder dunklere Färbung zu sein. *) Dieser Gegensatz ist von Vogel zuerst klargestellt. 28 Dl- E. Martini. Über Stechmücken. [28 Diese ünterscheidmigsmerkmale g'elten wie gesagt in der ge- gebenen Form nur für die riiitteleuropäische Fauna, der aber die hier genannten Gattungen keineswegs allein angehören. 3. Geographische und paläontologische Verbreitung. Geographisches. Die Mückengattungen sind großenteils merkwürdig weit ver- breitet. Es gibt wohl nur wenige, die einer bestimmten Region eigentümlich sind, und das vor allem unter den höchst differenzier- ten Foniien, den Sabetliini und der Deinoceritesgruppe. Die mei- sten Gattungen, ja viele Untergattungen greifen ungeheuer weit in die verschiedensten Hauptregionen der Tiergeographie. Bemerkenswert ist, daß eine ganze Anzahl Arten der nearkti- schen Eegion (Nordamerika) und der paläarktischen (Europa, Nord- asien, Mittelmeerländer) gemeinsam zu sein scheint. Bei Culex fatigans, pipiens, Aedes calopus und vielleicht auch bei Anopheles maculipennis, die eng mit den Menschen vereinigt zu sein pflegen, kö.nnte man dies wohl aus Verschleppung erklären. Sehr auffällig ist aber die Verbreitung einer Form, wie Aedes vexans (54), der in Nordamerika, Europa, China, Japan, Indien, Ceylon, Pliilippinen, ßorneo gefunden wird, oder Culex territans, der Europa und Nord- amerika bewohnt. Auffällig ist auch, wie vielen europäiscben For- men eine ganz ähnliche amerikanische entspricht: Anopheles ma- culipennis-quadrimaculatus, Aedes ornatus-triseriatus, diversus-tri- churus, auch bei vexans stimmen die europäischen imd amerikani- schen Stücke enger zusammen als mit den östlichen paläarktischen oder orientalischen. Es erklärt sich das wohl am ehesten daraus, daß die iStechmücken wohl schon ziemlich unverändert ein selir großes geologisches Alter durchlebt haben. Aus den Purbeck rocks soll bereits ein Mückenkörper, der als Culex fossilis bezeichnet wird, beka,nntgeworden sein. Doch ist wohl fraglich, ob es sich hier wirklich um einen Culicidenkörper handelt. Im Bernstein finden sich schon neuzeitliche Gattungen der Culiciden vertreten. So mögen manche unserer Gattmigen als solche ohne merkbare morphologische Wandlungen seit Zeiten existieren, in denen sie ihre Blutgier noch nicht an Säugetieren stillen konnten. 291 T. Allgemeines: Verbreitung, Parasiten. 29 D. Peindo und Freunde der Stechmücken. 1. Parasiten M. Die Mücken beiierbergen eine Anzalü Parasiten, die, teils mehr allgemein jede Steclunücke oder Larve, ja über den Kreis der Familie hinaus, auch andere Insekten als Wirte benutzen können, teils mehr an eine einzelne Gruppe angepaßt sind. 1. A. Unter den Pilzen erwähnt Thaxter Entomophthora spliae- rosperma, die auch sonst bei Zweiflüglern vorkommt, besonders als Stechmückenfeind. Barlou gibt eine genaue Beschreibung über die Vernichtung von Stechmücken durch eine neue Art von Ento- mophthora. Auch Empusa papillata kommt als Parasit i^ Frage (102). Die französischen Gelbfieberforscher (185) erwähnen ferner mehrere Pilze aus Stechmücken. Macfie fand in Accra Fusarium als braune Massen in Brust und Hinterleib von Stegomyia- larven (175). .Wenn es sich beim Überziehen von Larven derselben Art mit Nocardiahyphen auch nur um Eaumparasitismus handelte, führte es doch zum Untergang der Larven infolge Störung von Bewegung und Häutung, Parasitische Saprolegnien haben mir zahlreiche Stegomyia- und andere Aedeslarven getötet. Eine Polyscytalumart soll die Eier von Psorophora Howardii einmal in großer Menge vernichtet haben. B. Hefen kommen in den Stechmückenlarven vor, so gibt es Laveran für Hefen an, die er für Krankheitserzeuger bei den Mücken hält. Die obengenannten Franzosen glauben verschiedene Hefen beobachtet zu haben bei Aed. calopus^), je nach dem Futter der Mücken. 'Die Ansicht von Schaudiun über die Rolle, welche die Hefepilze bei unseren Tieren spielen, wurde schon Seite 16 erwähnt (160, 184). n. Bakterien fand Perroncito (245) in Anopheleslarven in Italien. Dieselben waren schon in den Larven vorhanden und führten bald nach deren Ausschlüpfen zum Tode der Mücken. Bei einer bazillären Epidemie unter Anopheleslarven hat Gar in den Bazillus von Lontraz isolieren können. Gelegentlich können natür- lich manche Bakterien in den Mückendarm geraten, wie z. B. der Hansensche Aussatz-(Lepra-)Bazilliis. ni. Spirochäten traf Jaffe in Mückenlarven der Umgebung ^) Zusammenstellungen ülier Parasiten 142. 42. 17, 219. -) = Stegomyia fasciata. 30 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. [30 von Berlin selten in den fertigen Mücken, wohingegen sie Sergeni; in Anopheleslarven von Algier und Patton in Indien häufig be- obachtet hat. IV. A. Yon höheren Tieren ist in den Mücken ein kleiner Trematode gefunden, in dem Alessandrini (2) die Jugendform von Lecitodendrium ascidia aus der Fledermaus sieht. Die Mücken- larven sollen durch den Kot der Fledermaus angesteckt werden. Die Trematoden gehen in die entwickelte Mücke über und befallen wieder die Fledermaus, wenn sie eine solche infizierte Mücke ge- fressen hat. In Anopheleslarven scheinen Trematodenlarven nicht selten zu sein, eine von Rüge (271) beschriebene wird von Alessandrini als Larve von Dißtomum globiporum angesprochen. Die versuchsweise Ansteckung mit Cerkarien durch Zusammen- bringen mit infizierten Schnecken g'elingt (Soparkar, Fülleborn). B. Eine „Agamomermis" fand Stiles (309) in großer Menge in den Larven von A. nemorosus bei Leipzig. Sie kamen in Larven, Puppen und Imagines vor. In New Jersey hat Smith dann eben- falls eine Menge dieser Schmarotzer in A. sollicitans gefunden. Auch in der ,Gelbfiebermücke kommt der Parasit vor. Smith beobachtete, daß die Ovarien der befallenen Mücken Dicht zur Ent- wicklung kamen, so daß die Faden wurmkrankheit der Mücken ihre Fruchtbarkeit zweifellos sehr beschränken mußte. Die Häufig- keit der Art ist merkwürdigerweise örtlich äußerst verschieden. Bei diesen Parasiten handelt es sich also wohl um Mermislarven, die vielleicht in einem räuberischen Insekt ihre spätere Entw;icklung durchmachen. Solche Larven (111) kommen auch in den Gelb- fiebermücken vor. C. Über die Larven von Filaria bancrofti und immitis wurde bereits gesprochen (94, 96), die mit Menschen- bzw. Hundeblut auf- genommen werden, und nach Durchlaufen einer gewissen Entwick- lung, welche die einen in den Muskeln (Fig. 12), die andern in den Nierenschläuchen durchmachen, wieder durch die Leibeshöhle in den Rüssel einwandern, ans dessen Labellen sie sich beim Stich aus- bohren, um in die Haut, und so in ihren Hauptwirt, den Menschen bzw. Hund, wieder einzudiingien. Sehr erhebliche Besetzung der Mücke mit Fadenwurmlarven übt eine deutliche Schädigung auf dieselbe aus. D. Nur ein Lokalparasitismus liegt vor, wenn Psorophora (288) die Eier der Dermatobia, eines Hautparasiten des Menschen, auf 31] I. Allgemeines: Parasiten. 31 dessen Haut bringt. Dermatobia überfällt verschiedene stechende Insekten, darunter auch Psorophora- und andere Stechmücken- arten am Wirbeltier, ergreift sie, wirbelt mit ihnen in die Luft und belegt üire Bauchseite mit Eiern. Diese werden von der Mücke dann in Berührung mit der menschlichen Haut gebracht. Darauf- hin schlüpfen die Larven aus und dringen in die Haut ein. E. Milben werden sehr häufig auf Mücken gefunden, und zwar handelt es sich um die sechsbeinigen Larven der Wassermilben. Dieselben setzen sich schon an den Larven fest, deren Weiter- entwicklung sie nicht behindern, und gehen von der Larve auf die Puppe und von dieser auf die Mücke über. Bei der Beobach- tung von Kleiderläusen an Mücken, die während des Krieges in Fig. 12. Filarien in der Muskulatur der Mücke (nach Fülle born). der deutschen Literatur mehrfach aufgetaucht ist, handelt es sich sicher um eine Verwechslung mit solchen Wassermilbenlarven. Saugend an Stechmücken -sind dagegen Gnitzen der Gattung Cera- topogon angetroffen worden. V. A. Yon niederen Tieren (34, 7) sind wichtig vor allem die Haemosporidien, mit denen sich die Mücke ansteckt, wenn sie von malariakranken Menschen Blut saugt. Über die Entwicklung dieser Wesen siehe die Erklärung umstehender Fig. 13. Alle drei Arten der Malariakeime (Plasmodium falciparumi), vivax und malariae) werden nur durch Anopheles übertragen. Die ^) =: immaculatum = praecox der Franzosen. 32 Dl'. E. Martini. Über Stechmücken. [32 Vügelmalaria dagegen, Proteosoma praecox, durch eine größere Anzahl verschiedener Culicini, besonders angeblich Culex pipiens und fatigans, nach Koch auch A. nemorosus (58, 148, 247, 273, 293, 328). Die Mücken werden durch diese Parasiten geschädigt und erliegen gegebenenfalls, wenn die Zahlen derselben gar zu groß werden, wie gelegenthch bei künstlichen Infektionen. Im Menschenblut. Fig. 13. Erklärung auf nebenstehender Seite. B. Von anderen Sporozoen sind schon von Ross in Indien Gregarinen wohl verschiedener Arten in Mückenlarven gefunden, weiter von Leger und Duboscq auf Korsika eine Art, die sie zu Diplocystis stellen. Auch in Larven von Aedes calopus Irommen solche nach Angaben der französischen Gelbfieberkommission vor, die sich während der Verwandlung der Mücke in deren Nieren- 33] !• Allgemeines: Parasiten. 33 schlauche hegeben und dort Sporen ausbilden. Ferner ist nach Stephenson und Wenyon (308) Lankesteria culicis in Aedes calopus gefunden in Indien, Südamerika, Bagdad und von ihnen in London in Stegomyien, die aus Eiern von Sierra Leone hervor- gegangen waren, durch mehrere Generationen beobachtet. Hesse fand CauUeriella anophelis in 15% aller Bifurcatuslarven auf allen Erklärung zu Fig. 13 auf nebenstehender Seite. Malariaplasmodien: 12 Stunden nach dem Fieberanfall findet man in den wenig vergrößerten roten Blutkörperchen ein gelapptes Gebilde, das einen Kern zeigt und sich bewegt (4). Es wird in der nächsten Zeit massiger, und die Kerne vermehren sich. Außer den Kernen sieht man schwärzliche Farbstoffe, Körnchen, die aus dem Blutfarbstoff entstanden sind (5). 6 zeigt, wie nach weiterer Kernvermehrung der Keim in zahlreiche Stücke zerfällt unter Ausscheidung des Farbstoffes. Dann zerfällt das Blutkörperchen, die jungen Keime treten frei ins Blut, es tritt ein Fieberanfall auf (7). Ist er vorüber, so finden wir die Keime in Form kleiner Ringe mit Kernen wie Steinen im Siegelring in die Blutkörperchen wieder ein- gedrungen (8), in denen sie nun in den nächsten 48 Stunden wieder heranwachsen (9), sich teilen (10), um wieder auszuschwärmen (11) und neue Blutkörperchen zu be- siedeln (3) usw. (4, 5, 6, 7). (Kreislauf der vegetativen Formen.) Manche jungen Keime wachsen aber heran, ohne daß es zur Kernteilung kommt, und erhalten ent- weder einen sehr großen, lockeren Kern (13, 14) (Mikrogametozyt) oder kleineren, dichteren Kern (Makrogametozyt). Gelangt nun Blut beim Stechen durch die Oberlippe der Mücke (links L) in deren Magen, so gehen die Blutkörperchen und die vegetativen Stadien zugrunde. Die Mikrogametozyten (14) aber treiben lange dünne Fäden (15) aus, die Mikrogameten, welche sich ablösen, einen Makro- gameten (18), entstanden aus den Makrogametozyten , aufsuchen imd mit ihm verschmelzen (19). Das Verschmelzungsprodukt, der Ookinet. streckt sich und durchwandert die Wand des Mückenmagens (21), an dessen Außenseite er sich einkapselt (22). Es tritt wieder "Wachstima und reichliche Kernvermehrung ein (23 imd 24), so daß aus den Keimen kleine Geschwülste am Mückenmagen werden. Endlich sondert sich um jeden Kern ein langgestrecktes Stück Protoplasma und bildet mit den Kernen zusammen einen beweglichen Sichelkeim (Sporozoit). Die Gechwulst platzt nun, und die Keime durchwandern die Leibeshöhle (25), dringen in die Speicheldrüse ein, in deren Zellen sie liegen (26). Beim Stich der Mücke gelangen sie nun durch den Hypopharynx (rechts H) wieder in das Blut eines Menschen (1) und suchen hier ein rotes Blutkörperchen auf, in das sie ein- dringen (2). Damit geht der Kreislauf im Blute wieder an (Schaudinn hat noch eine Rückvei-wandlung der Makrogametozyten in vegetative Formen beschrieben, wie sie in Fig. 27, 28, 29 dargestellt ist und in ihr den Ursprung der Malaria- rückfälle vermutet). (Vergrößerung reichlich 500 mal.) 30 bei doppelt so starker A^ergrößenmg Makrogametozyt (Plasmodium vivax, Tertianaparasit), Blutkörperchen geschwollen. 31 ebenso Makrogametozyt (Plasmodium malariae, Quartanaparsit), Blutkörperchen nicht geschwollen. 32 ebenso Makrogametozyt (Plasmodium imma- culatum, Tropikaparasit), Blutkörperchen langgezogen. 33 ebenso Makrogametozyt (Proteosoma praecox, Vogelmalaria), der dunkle Körper daneben ist der Kern des von Natur ovalen Blutkörperchens, das auch größer ist als menschliche Blutkörperchen. Entwicklungsstadien als Bewohner des Mitteldarmes (140). Neuer- dings beschreibt Bresslau eine Caulleriella annulatae aus Theo- baldia-ann,ulata-Larven und Marianne Buschkiel eine Caulle- riella pipientis aus C. pipiens. Die Sporen dieser Art gelangen schon aus dem Larvendarm ins Wasser. C. Auch ein Neosporid (Nosema-Art) wurde von den französi- Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene. 24. Beiheft 1. 3 34 Dl". E. Martini. Über Stechmücken. [34 sehen Autoren beim Gelbfiebermoskito gefunden. Dabei sollen die Sporen in die Eier im Mutterleib eindringen, die dann entweder sterben oder infizierte Larven erzeugen. Diese Larven gehen an den Parasiten häufig zugrunde, während die fertigen Mücken weniger darunter leiden. Durch Beimischen von Nosemasporen zimi Larvenfutter konnte die genannte Kommission neue Larven infizieren, so daß also auch die Ansteckung in der Natur sich wahrscheinlich von den erblich belasteten Larven durch deren Absterben und Benagtwerden von iliren Genossen auf weitere Larven ausbreitet. Hesse fand 1904 Telohania Legeri im Fett- körper der Larven von Anopheles maculipennis, in Larven von A. nemorosus hat hier NöUer Telohania beobachtet, in derselben Art sah sie Bresslau, Auch Nosema kommt in Süd Westdeutsch- land nach Bresslau bei Culex vor, in der Hamburger Gegend fanden wir es bei Aedes. D. Flagelläten werden ebenfalls aus Mücken beschrieben. So Herpetomonas (Leptomonas) aus den Larven und erwaclisenen Mücken. Unter den zahlreichen Literaturangaben, welche die hier- her gehörigen Formen unter verschiedenen Namen aufführen, muß erst gesichtet werden i). Das gleiche gilt für die Crithidienformen, die wohl größten- teils in den Entwicklungskreis von Warmblüter, vor allem der Vögel-Trypanosomen, gehören. Eine Art soll sich nach Mathis sogar in den Speicheldrüsen finden (195). Als Raumparasit tritt Colacium auf den Larven auf. E. Ebenso siedeln sich Vorticelliden oft in ungeheuerer Zahl auf den Larven an in unseren Zuchten wie im Freien, was nach dem Seite 90 über die Brutgewässer vieler Arten Gesagten nicht auffallen kann. Sehr häufig gehen solche Larven zu- grunde, dabei ist allerdings nicht sicher, ob eine Schädigung irgend einer Art durch die Infusorien die Ursache des Todes ist, oder ob die letzteren eben nur das Anzeichen dafür sind, daß die biologi- schen Verhältnisse des Wassers anfangen, ungünstig zu werden. VI. Außer den Formen, die wir im Tier- und Pflanzenreich unterbringen, kennen wir nun aber noch Organismen, die so klein süid, daß wir sie mit unseren Mikroskopen mindestens im durch- fallenden Licht nicht wahrnehmen können, und die wir daher nur ^) Ob die Müciienleptomonas ebenso wie andere Leptomonaden ernste Erkrankungen bei Menschen oder Säugetieren hervorrufen kann, steht noch nicht fest. 35] I- Allgemeines: Parasiten, Feinde. 35 durch ihre Wirkimgen auf andere Geschöpfe feststellen können. Sie gehen entsprechend durch die Poren der feinsten Kieselgur- filter hindurch und werden deshalb als filtrierbar bezeichnet. Be- kannt sind uns solche AVesen eigentlich bisher nur geworden da- durch, daß die von ihnen bewirkten Krankheitserscheinungen am Menschen und an höheren Tieren die Aufmerksamkeit auf sie ge- zogen hat. Hierher gehört der Gelbfieberkeim und der Erreger des 7-Tage-Fiebers (261). Ersterer scheint ausschließlich an die Art Aedes calopus angepaßt zu sein, letzterer in verschiedenen Culi- cinen, vor allem angeblich in Culex fatigans, zu gedeihen. Vom Gelbfiebererreger wuJßte man, ,daß er in den ersten Piebertagen, aber atich schon kurz vor dem Ausbruch der Krankheit im Blute des Kranken kreist. Da die Mücken erst einige Tage nachdem sie an den Kranken gesogen haben, ansteckend Averden, nahm man an, daß die Erreger im Insekt eine Entwicklung nnd Wanderung durchmachen, vergleichbar der der Malaria- _^^^a.^=^**^s^#*9;$«^ keime. Nach neuen Mitteilungen von Noguchi (227a) ist der Fig. 14. Schema einer Leptospira. Ein Gelbfiebererreger eine Spiro- zentraler Faden, der wohl Stützfunktion nemacee der Gattung Leptospira übt, ist von einer protoplasmatischen (also aus der Verwandtschaft Spirale umgeben; die verdünnten Enden ^ n 1 1 smd der hauptsachlichste bitz der be- der Erreger der Syphilis und weglichkeit. Vergr. 2200. des Eückfallfiebers). Das eben- falls filtrierbare Virus der Afrikanischen Pferdesterbe, horse- sickness, das angeblich auch von Mücken übei^tragen wird, hat noch niemand gesehen. Schädigmig der Mücken durch diese Schmarotzer ist nicht bekannt. VII. Gelegentlich können auch Schmarotzer, die nicht eigent- lich in die Mücken gehören, wie z. B. Schlafkrankheits- Trypano- somen, in die Mücken geraten und sich eine Zeitlang in ihnen lebend halten (223). • 2. Feinde. Bezüglich der den Mücken gefährlichen Schmarotzer weisen wir auf Nr. I. A, II, IV. B, V. C des vorigen Abschnittes hin. Feinde der Mücke. Jedes insektenfressende Tier kann wohl gelegentlich Stech- mücken oder deren Larven verspeisen. So sind u. a. Eidechsen 3* 36 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [36 oder Frösche zu nennen, viele Fische, Wespen, Heuschrecken und Skorpionfliegen. Eine größere Bedeutung wird unter den höheren Tieren zugeschrieben : Den Fledermäusen. In der Tat ist die Flugzeit derselben sehr günstig, um Anophelesarten mid Arten der Gattung Culex zu ergreifen. Unter den Vögeln in erster linie den Schwalben; ihnen wird besonders die Wirksamkeit gegen Anopheles nachgerühmt, die sie durch das Herumfliegen dicht unter der Decke aufscheuchen und dann fangen. Nach der Art der Sitzplätze des Anopheles im Stall dürfte dieser Erfolg nur ein bescliränkter sein können, bei den übrigen Mücken können sie wohl nur gegen die Männchen wirken, und auch gegen diese, die bei gutem Wetter zum Teil niedrig schwärmen, wenig. Die Weibchen halten sich so im Walde, im Gras oder Dickicht, daß sie wohl durch die Schwalben im allge- meinen wenig gefährdet werden. Ebensoselir dürften die kleinen Insektenfresser in Frage ^om- kommen, z. B. die Fliegenschnäpper, Muscicapaarten, als deren Beute gerade Mücken angegeben werden, und die an denselben Stellen hausen wie unsere Aedesarten. Mageninhaltuntersuchtmgen in Rücksicht auf diese Frage sind mir nicht bekannt. Diese wären besonders bei den in dichtem Nadelholz lebenden Arten, Hauben- meise, Goldliälmclien, interessant. In der arherikanischen Literatur werden auch die Nacht- schwalben auf Grund von Mageninhaltsuntersuchmigen als Mücken- feinde genannt. Frösche nehmen sicher manche im Gras sitzenden Mücken imd die Wasserfrösche auch solche, die eben der Puppe entsteigen oder bei der Eiablage beschäftigt sind. Für letzteres kommt nach Ort des Vorkommens von Rana esculenta auch wohl nur Anopheles in Fra^e. Wichtiger sind wohl die fliegenden Insekten, wie die großen und kleinen Wasserjungfern. Pyrrhosoma nymphula konnte ich beobachten, wie sie an Plätzen, wo im Frühjahr Mückenbrut ge- wesen, reichlich spielten und Aedes nemorosus -Weibchen fingen und verzehrten. Die Raubfliegen (Asilidae) treiben sich oft gerade an solchen Stellen hermn, wo im Gras oder im dichteren Gezweig die Aedesarten sich verbergen und leicht aufgescheucht werden. iEhnpiden und auch einige Museiden, die sich besonders an den Brutgewässern der Mücken aufhalten und auf die frisch 371 I- Allgemeines: Feinde. 37 ausgeschlüpften Mücken Jagd machen, sind wolil nicht nn- wirksam. Spinnen (68, 151) mögen ja auch hier und da einmal Mücken fangen, die große Wirksamkeit der Spinnen, die Dr. Smith in New Jersej' beobachtot hat, und die auch aus den Donauniederungen Riunäniens bestätigt wird, kann nicht ohne w^eiteres verallgemeinert werden. In Deutschland findet man selten tote Stechmücken in Spinnenweben, weit häufiger aber Zuckmücken, und einen beson- deren Eindruck habe ich von dem Mückenfang der Spinnen nicht erhalten. Auch die Springspinnen fangen vielleicht gelegentlich eine Mücke. Fleischfressende Pflanzen mögen auch hier und da eine Mücke verspeisen. Beobachtungen darüber kenne ich nicht aus unserem Klima. Tiere als Feinde der Larven. Wirksamer sind die Feinde der Larven. Für die Larvenbekämpfung in der Natur sorgen wohl unter den Vögeln die Enten in sehr erheblicher Weise, ferner eine große Anzahl von Strandvögeln der Salzmarschen. Waters ton nennt als Larvenfeinde in Mazedonien Tringa ochropus und hypoleucus und Aegialitis minor. Als wichtige Feinde der Larven spielen die Fische (93) eine große Rolle, und werden als solche in den Tropen auch verwendet. Nicht nur die Zalil solcher larvenfressenden Fischarten ist in den Tropen groß, sondern manche sind an geeigneten Plätzen auch äußerst individuenreich. So die berühmten Millions von Barbados. Aus unserer Gegend ist allerdings nur wenig zu nennen. Der Stichling kommt im Süß- und Brackwasser, in Brutgewässern von Anopheles vor und mag hier wichtig sein; von anderen Fischen, die in unseren Gegenden ernstlich in Frage kämen, führt Galli- Valerio und Rochaz de Jongh Phoxinus laevis und Telestes muticellus an. Auch den Karpfen rühmt man in Italien gute Wirkung nach. Dagegen spielen die Wassersalamander und ihre Larven der Mückenbrut wohl tüchtig mit, besonders den Anophelen, während sie in den von Aedeslarven wimmelnden Tümpeln kaum aufti-eten dürften. Auch die Larven des Feuersalamanders sind erwähnt. Frösche kommen nach Art ihrer Freßweise, dui'ch Ausschleu- dern der Zunge, als Larvenfresser wohl kaum in Betracht und 38 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [38 ebensowenig ihre vegetarischen Larven. Galli-Valerio und Rochaz de Jongh fanden, daß weder Rana, noch Bufo, noch Bombinator, wohl aber Discoglossus Mückenlarven fraßen, ebenso Triton taeniatus und alpestris. Unter den Wasserinsekten dürften die Larven der Schwimm- käfer in dieser Hinsicht besonders wertvoll sein, denn sie kommen in der Tat in G-ewässern vor, in denen die Aedesbrut wimmelt, und dürften von dieser bei ihrem schnellen Wachstum eine große Menge vertilgen. Weiter werden die Taumelkäfer Gyrinidae genannt, dann die Wasserwanzen, wie Wasserskorpione, Wasserläufer, Rückenschwim- mer und Yerwandten. Für Ranatra hat Dr. Adams den Anopheles- larvenfang in Mazedonien bestätigt gefunden. Daß auch die Larven der Wasserjungfern Mückenlarven nehmen, ist sicher. Über das Maß ihrer Wirksamkeit gehen aber die Meinungen noch sehr auseinander, sie leben ja z. T. am Boden der Gewässer, doch sind diö Aedesarten großenteils geneigt, sich längere Zeit in der Wassertiefe aufzuhalten. Anopheles dürften weniger gefährdet sein. Das gleiche gilt wohl für die stark räuberischen Eintagsfliegenlarven, die sich auch mehr in der Tiefe halten. Sehr böse geschädigt, bin ich häufig durch Köcherfliegen- larven, die mir einmal die Mehrzahl meiner eingefangenen Larven töteten. Unter den Zweiflüglerlarven des Wassers haben die Mücken auch Feinde aus ihrer nächsten Verwandtschaft. Hierher ge- hören nicht nur die Larven von Chaoborus und Sayomyia, die vielleicht viele kleine Mückenlarven nehmen, die ich aber niemals den Versuch zur Bewältigung größerer Larven machen sah, son- dern aus dem Kreis der Stechmücken selbst die Larve von PsO'- rophora, Megarrhinus, der großen Sabetliinen u. a., welche äußerst gefräßig sind. Pflanzen als Feinde der Larven. Unter den Pflanzen fängt Utricularia Mückenlarven. Sicher tut sie das im Aquarium, doch habe ich sie in den Hauptmücken- tümpeln im Freien nicht gefunden, sondern meist in Gewässern, die praktisch mückenfrei waren. Ein wichtiger Einfluß wird dem Wasserfarn und den Wasser- linsen zugeschrieben, die durch ihre dichte Decke den Mücken das Atmen unmöglich machen sollen. Der Wasserfam ist im all- 39] I- Allgemeines: Feinde. 39 gemeineü zu anspruchsvoll, zu sehr an ganz bestimmte Bedin- gungen angepaßt, zu spät im Jahre üppig, verschwindet zu früh, uin viel zu wirken. Gerade die rücksichtlich Anopheles wich- ti,gon äußersten Ränder der Grewässer werden nicht ausreichend bedeckt. In dicht mit Wasserlinsen bedeckten Gewässern habe ich auch in Mazedonien Anopheleslarven vermißt, hier schien mir wirklich eine gewisse Bedeutung zu bestehen, denn in sehr ähnlichen Wasser- löchern in der Nähe kamen die Larven vor. In Warnemünde fand ich in den Aulagen die Teiche alle larvenfrei, nur in einem mit Wasserlinsen dicht bedeckten fischte icb einige Larven von A. can- tans. Es ist auch sehr luiwahrscheinlich, daß die Linsendecke so dicht werden sollte, daß eine Culicine ihr Atemrohr nicht melir an die Oberfläche brächte. Ein verstreutes Wachstum von Wasser- linsen scheint mir wie Grassi der Mückenbrut eher zuträglich zu sein. Mit der großen Zahl von Feinden unter den höheren Tieren hängt es wohl zusammen, daß eine ganze Gruppe Stechmücken (Aedes-Gruppe) sich an das Brüten in vorübergehenden Gewässern (Tümpeln) angepaßt hat, die weniger reich an solchen Räubern sind. Im ganzen ist zweifellos, daß diese Streitmacht mehr oder weniger geschworener Mückenfeinde eine ungeheuere Einschrän- kung für die Mücken bedeutet, und daß wir ohne sie wohl von den Stechmücken aufgefressen werden würden. Immerhin sind die Brüten der frühbrütenden Aedeslarven kaum ernstlich von Feinden bedroht, da die Schwimmkäferlarven lun diese Zeit teil- weise noch zu klein sind, um eine durchgreifende Wirkung zu üben. Das gilt auch vom Wetter, das als Trockenzeit im Süden, als Winter bei uns wohl die gewaltigste Beschränkung der Mücken- faima bedeutet, das aber auch, in unserem Sommer und Frühjahr, •wenn zu trocken, durch Vernichten der Brutplätze mit den Brüten, wenn naß, durch Ausschwemmen derselben ungeheuere Kata- strophen für das Mückenvolk bringt. Die Natur zeigt uns, daß wir trotzdem und alledem eben noch so viel Mücken haben, daß wir es stellenweise nicht aushalten können und daher selbst eingreifen müssen, wenn wir Ruhe ha]>en wollen; die natürhchen Feinde sind nicht dazu in der Lage, hier volle oder auch nur die nötige Arbeit zu machen, und es ist noch kein Mittel gefunden, ihre Leistungsfähigkeit so weit zu steigern. 40 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [40 3. Freunde der Mücken. Als Freunde der Mücken können wir wohl nur diejenigen Gre- schöpfe bezeichnen, die ihnen als Futter dienen oder solche Futter- tiere in ihre Nähe bringen, und dazu gehört der Mensch. Es ist wohl keine Frage, daß an manchen Stellen im Kriege, wo es jetzt in der Wildnis von Anopheles wimmelte, diese vor dem Erscheinen unserer Läger nicht oder nur in sehr geringer Zahl vorhanden gewesen sind. Daß eine solche Menge von Menschen und Pferden, wie sie dann zur Verfügung gestellt wird, den Mücken eine sehr reichliche Nahrung und eine schnelle Entwicklung der Eier ermöglicht, was docii für die Gesamtvermehrung der mehr- brütigen ArtJen von größter Wichtigkeit ist, muß wohl ange- nommen Werden. Unsere Aedesarten müssen aber auch im wenig belebten Walde reichlich genug Nahrung finden, denn sie sind in manchen von Menschen kaum belebten Waldstrecken so un- geheuer häufig, daß man sich kaum denken kann, wie sie noch massenhafter werden sollten. Auch die Ausbreitung (128, 1.37) ist eine wichtige Aufgabe aller Tierarten, und auch hier ist der Mensch den Mücken sehr behilflich. Es ist oft festgestellt, daß Mücken mit den mensch- lichen Transportmitteln reisen, z. B. die Wechselfiebermücken mit Planwagen und Eisenbahnen, auch gelegentlich mit Schiffen, \'or allem aber die Grelbfiebermücken mit Bahnen und Schiffen, mit letzteren sogar über Ozeane, so daß sie offenbar ganz noue Kontinente mit menschlicher Hilfe erobert haben. In diesem Zu- sammenhange ist es also sehr wohl denkbar, daß die heutige Geographie der Mücken nicht mehr ihre ursprüngliche Abhängig- keit von der Stammesgeschichte bewahrt hat, und für eine unserer häufigsten Arten könnte man sich vielleicht vorstellen, daß sie erst im Gefolge des domestizierten Geflügels in den Norden vor- gedrungen sei, nämlich für Culex pipiens; jedenfalls ist es wahr- scheinlich, daß die Häufigkeit dieser Art sowie unseres Anopheles maculipennis zu dem jetzt vorhandenen Maße sich erst im An- schluß an die Viehhaltung und die dichtere Besiedelung im Norden entwickelt hat. • Endlich entstellt eine große Menge Brutplätze erst durch den Menschen. Für die Gelbfiebermücke ist dies bei weitem die Mehrzahl, sie kann geradezu als Menschengast, als Haustier, be- zeichnet werden. Nur der Mensch hat ihr zu ihrer großen Häufig- 41] I. Allgemeines:* Freunde, Sammeln. 41 keit verhoifen. Auch unsere Hausmücke (Culex pipiens und Theo- baldia annulata) dankt einen großen Teil ihrer Brutplätze mensch- licher Hilfe, und die Wechselfiebermücke ebenso. Besonders sind es bei letzterer Erdarbeiten verscliiedener Art, die ihr zu Hilfe kommen. Es dürfte nur wenige Mücken geben, denen die mensch- liche Bearbeitung der Erdoberfläche nicht gelegentlich nützlich wird, doch wird sie in der Mehrzahl der Fälle für die meisten Mückenarten nachteilig sein. Die Eeiskultur ist ein Beispiel, wie der Bodenanbau die Müpkenfauna beeinfluJ3t. Er führt leicht zu Massenvermehrung der Anopheles, denn die besten Bedingungen für den Reis scheinen auch die besten für die Wechselfiebermücken zu sein. Wie erheblich der Mensch in der Lage ist, die Mückenfauna zu verändern, beweist die Panamagegend. Durch die Umwand- lung des Chagrestales in einen Stausee sind die an treibende Wasser- pflanzen gebundenen Mücken, Aedomyia squamipennis und Man- sonia titillans, die vorher kaum aufzufinden waren, die vor- herrschenden Arten geworden. E. Die Sammlung. 1. Über das Sammeln und Konservieren von Mücken. (60, 204, 136.) Fangplätze. Unter den im Haus und in den Ställen gefangenen Mücken finden wir von Anopheles fast nur Weibchen, von anderen Mücken- arten al>er pflegt auch ein gewisser, wenn auch nicht höherer Prozentsatz von Männchen darunter zu sein; letztere sind, da seltener, von besonderem Interesse. Sonst findet man die Männchen gelegentlich beim Abstreifen des Grases oder an Gebüschen spielend. Sie fliegen beim Gehen vor dem Fuß auf oder lassen sich aus Verstecken, wie hohlen Bäumen, überstehenden Dächern usw., auftreiben. Larvenfang und Zucht. Mücken lassen sich leicht aus Larven ziehen. Man fängt die- selben mit einem Netz (einem Becher oder Handsieb) und kann sie in einer gut ausgespülten Bierflasche, die man zu etwa ein Drittel mit Wasser füllt, leicht transportieren und zu Hause im 42 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [42 Schälchen oder dergkichen sich entwickeln lassen. Bequemer zum Mitnehmen ist natürlich ein Sammelröhrchen. Ein kleines Schäl- chen, 8 cm Durchmesser, um den Notzinhalt hineinzuwaschen, und eine weitmaulige Pipette, um die Larven ins Sammelröhrchen zu fischen, sind dann dringend wünschenswert. Das Herausfischen der Larven mit Zweigen oder Löffelchen ist sehr zeitraubend. Die Höhlenbrüter werden entweder mit der Pipette oder dem Löffel oder kleinen Netzchen abgenommen oder die Höhle wird mit einem Grlasrohr, Gummischlauch und Gummiball ausgepumpt und der Inhalt in eine Schale getan und die Larven dann mit der Pipette abgefangen. Im Sommer sind alle Larven auf dem Transport empfindlich, besonders aber die der Baumliöhlenbrüter, vor allem Nigripes, für die sich wenig Wasser empfiehlt. Auch feuchtes Kraut statt Wassers wird empfohlen, doch habe ich bisher keine wesentlich besseren Erfolge mit dieser Methode gehabt. Nur ziemlich ausgewachsene Larven und Puppen geben unter einfachen Zuchtbedingungen leicht die Mücken. Da das Wasser besonders im Süden sich schlecht frisch hält, ist es zweckmäßig, wo ein solches vorhanden, das Wasser zweimal täglich mit dem Gebläse des Paquelin zu durchlüften. Man setzt an die Spitz© des Schlauches eine in eine Kapillare ausgezogene Glasröhre und bläst einen mäßigen Luftstrom ungefähr fünf Minuten lang durch das Wasser. Auch in 70o/oigem Spiritus oder 4o/oigem Formol (käufliches Formalin mit Wasser zehnfach verdünnt) konservierte Larven sind von wesentlichem Interesse. Beim Verschicken müssen sie im Röhrchen durch Bäusche von Seidenpapier verhindert werden, sich gegenseitig zu beschädigten. Die Zettel mit der Bleinotiz über ihre Herkunft werden am besten ins Röhrchen gesteckt. Die exakte Eeststellung der Zugehörigkeit einer bestimmten Larve izu einer bestimmten Ima,go erfordert viel Zeit und Aufmerk- samkeit. ,Die fast erwachsenen Larven müssen in einem besonderen Glas isoliert werden und bei der Verpuppung und beim Schlüpfen die alten Larven und Puppenhäute zu Dauerpräparaten gemacht werden, die mit der gleichen Nummer versehen werden, mit der die Mücke der Sanmilung einverleibt wird. Die Zucht aus Larven gibt manche Arten, die sonst kaum zu bekommen sind, besonders auch die Männchen. Sobald die Zucht Puppen enthält, muß sie natürlich bedeckt werden. 431 I- Allgemeines: Sammeln. 43 Töten der Mücken. Die Tötung der Mücken erfordert natürlich etwas verschiedene Handgriffe, je nachdem, in welcher Lage sich die lebende Mücke befindet, Ist dieselbe in unserer Zucht aus der Puppe geschlüpft und sitzt also unter dem Glashafen, mit dem wir unser Schälchen bedeckt hielten, so nimmt man dieses vorsichtig ab und hebt es dicht über dem Schälchen weg auf eine glatte Fläche (Tischplatte). Dann wird ein kleiner Bausch Watte mit Chloroform getränkt und untergeschoben; er bleibt so lange liegen, bis die Mücken lierunter- gefallen sind, und noch weitere 15- Minuten vergangen sind. Auch kann man über das mit einem Glas bedeckte oder verkorkte Zucht- gefäß ein Schmetterlingsnetz legen, unter diesem öffnen und die Mücke wie eine mit einem Netz gefangene behandeln. Hat man die Mücke in einem Fangnetz, so darf man sie ja nicht drücken, da dadurch die Schuppen vom Rücken abgestreift würden und das Tier vielleicht unbestimmbar werden kann. Man umgreift vielmehr das Netz, so daß die Mücke im hinteren Beutel abgeschlossen wird, mit der Linken Hand, führt dann durch diese mit der rechten Hand das Glas ein und fängt damit die Mücke ähnlich, wie eine an der Wand oder am Drahtnetz. Das Fangglas wird beim Fangen an der Wand oder am Draht- netz des Hausschutzes, auf der Hand, der Kleidung usw\ einfach geöffnet und dem Moskito übergestülpt. Der starke Chloroform- dampf in demselben tötet die Mücke in kurzer Zeit, und das Glas kann einer nächsten übergestülpt werden. Unsere Fanggläser enthalten am Boden einen Gummistopfen, der mit Chloroform getränkt ist und dies nach und nach als Dampf wieder abgibt, das Glas ist daher immer trocken. Das ist wichtig, weil sonst die Mücken ruiniert werden. Man kann eine ganze Anzahl Mücken nacheinander mit einem Glas fangen. Wird der Chloroformdampf schwach, so fliegen die Mücken natürlich noch eine Zeitlang im Glase herum, und es dauert etwas, bis sie tot sind. Dann nimmt man besser ein neues Glas, bis auch dies vorläufig abgebraucht ist. Inzwischen hat sich im ersten Glas reichlich Dampf entwickelt, und es ist wieder für eine Anzahl Mücken gebrauchsfähig geworden. Erneuert sich der Dampf nicht wieder ausreichend, so muß Chloroform zugefüllt werden. Man gießt abends, nachdem das Glas geleert ist, zwei Millimeter Chloro- form auf. Dies ist bis zum nächsten Morgen eingezogen, und das 44 Dl"- E. Martini. Über Stechmücken. [44 Glas ist wieder für einige Tage gebrauchsfähig. Es sei nochmals bemerkt, daß kein flüssiges Chloroform im Glas sein darf, der Gummi also nicht mehr naß sein soll. Ein Piltrierpapierstreifchen dient nur dazu, bei Bewegungen des Glases die Mücken nach Mög- lichkeit daran zu hindern, sich gegenseitig zu beschädigen oder durch zu vieles Rutschen sich den Brustkorb abzuscheuern. Dieser Schutz ist jedoch nur sehr unvollkommen. Man soll daher den Fang nicht unnötig lange mit sich herumtragen, sondern mögHchst bald in eine möglichst ruhige Lage bringen, eventuell in Schächtel- chen verpacken. Auch dürfen keine anderen Tiere, nicht einmal Fliegen, geschweige Käfer oder dergleichen in demselben Glas wie Mücken gefangen werden, da letztere sonst meist sehr beschädigt werden. Zyankaligläser lassen sich natürlich auch verwenden. Verpacken. Aus dem Fangglas kann man die Mücken am besten gleich in das Schächtelchen (in den Tropen am besten aus Blech) klopfen, das mit Paraform (nur für die Tropen erforderhch), Watte und Seidenpapier beschickt ist. Zwischen zwei Lagen Seidenpapier können je nach Größe der Schachtel etwa 10 bis 12 Mücken unter- gebracht werden. Die Mücken müssen, wenn irgend möglich, bald nach dem Töten in die Schächtelchen kommen, solange sie noch weich sind, da sie sonst leicht schon beim Verpacken zerbrechen. Sie sollen kaum gedrückt werden, also unter und über dem Seiden- papier soll nur eine Spur Watte liegen; vor allem ist Vorsicht nötig, wenn die Tiere schon etwas trocken sind. Der Deckel des Schach telchens muß gerade aufgesetzt werden, d. h. man darf beim Aufsetzen nicht drehen, sonst sind, besonders wenn die Tiere schon etwas trocken waren, meist alle Beine bereits beim Ver- packen abgebrochen. (Schiebeschachteln sind daher auch nicht brauchbar, Zigaretten- schachteln aus Blech zweckmäßig.) Der Fangplatz, Tageszeit und Datum ist auf dem Deckel innen zu vermerken. Enthalten die einzelnen Schichten Material von verschiedenen Plätzen, so kann auch außen beschrieben werden. Können uns längere Mitteilungen über die Tiere gemacht werden, so gibt man diese besser auf besonderem Papier und auf der Schachtel" nur den Fangplatz, Sammler und den nötigen Verweis auf das Beiblatt. Zwar soll das Paraform die Mücken in den Tropen gegen 45] I- Allgemeines: Anlage der Sammlung. 45 Schimmelbilduag schützen, nichtsdestoweniger ist es zweckmäßig, den Schutz, den gute Trocknung gewährt, nicht zu unterlassen. Ehe man daher die Schächtelchen verschließt und wegstellt, setzt man sie, wenn möglich offen, für ungefähr eine Stunde der vollen Sonne aus. Vorsicht wegen Ameisen ! Dann werden sie, noch warm, geschlossen (den Deckel nicht drehen!) und mit einem schmalen Heftpflasterstreifen abgedichtet. So sind sie versand- fertig. Sie können nun, gut in Holzwolle in einem Holzkistchen verpackt, nach Deutschland abgehen. 2. Anlage der Sammlung. Zur Anlegung einer Sammlung kleben wir die Mücken mit der linken Brustkorbseite mit einer sirupdicken Schellacklösung an ge- nadelten Papierspitzchen an. Es wird dadurch zwar eine Seite des Brustkorbes beschä/digt, aber es bleibt zur Untersuchung die andere Seite 'und die für die Erkennung so wertvolle Eücken- fläche unbeschädigt. Auch beim Nadeln, das sich für die ganz großen Arten vielleicht besser eignet, sollte man daher stets einige Stücke quer durch den Brustkorb spießen mit der Minutiennadel und dann auf ein Markplättchen aufstecken. Das Herausragen der Nadel aus der Rückenfläche kann bei späterer mikroskopischer Untersuchung stören, man nadelt deswegen auch von unten, die Nadel nicht ganz durchsteckend. Bei der großen Abänderlichkeit der Mücken sollte die Sammlung stets eine größere Zahl Stücke derselben Art enthalten. Werden die Mücken nur zur Unter- suchung auf Anophelen verschickt, so genügt schon roheste Ver- packung, da der Geübte die Anophelen fast aus jedem Körperteil erkennen kann und wohl meist schon nach den Brustkörben in der Lage sein wird, sie auszuzählen. Präparate. Zu Präparaten der Larvenhäute und Puppenhäute werden erstere vorsichtig auf dem Objektträger ausgebreitet und dann ebenso wie letztere durch steigenden (50-, 70-, 95o/oigen und absoluten) Alkohol in Nelkenöl gebracht tmd dann in Kanadabalsam oder Damarharz eingeschlossen. Der für die sichere Bestimmung der Arten sehr wichtige männliche Geschlechtsapparat wird ent- weder vom trockenen Tier mit feiner Pinzette abgebrochen, in Kali- lauge über Nacht aufgeweicht, und dann mit dünnem Alkohol ge- waschen oder vom frischen Tier mit Augenschere abgeschnitten 46 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [46 und in Alkohol eingelegt; Behandlung dann wde bei den Larven- liäuten. Die fertigen Präparate werden auch hier mit der gleichen Nummer versehen wie das Stück, von dem sie genommen sind, und der Präparatensammlung einverleibt. Bei Präparaten ganzer Larven verwendet man besser Xylol statt Nelkenöl, auch empfiehlt sich, die Larven in der Mitte durchzusclmeiden. Für die Bestimmung der Gattung werden in Spiritus auf- bewahrte Stücke ausreichen, für die Bestimmung der Arten jedoch oft nicht. Zur Untersuchung auf Parasiten eignet sich natürlich nur feucht konserviertes Material, also am besten solches aus Alkohol. Mücken oder ihre Larven können zur Bestimmung eingeschickt werden an das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten, Ham- burg, Bernhardstraße, oder an das Forschungsinstitut für ange- wandte Zoologie, München, Amalienstraße 52. 3. Erklärung der wichtigsten Mückennamen. (Griechische Buchstaben lateinisch umschrieben.) Anöpheles (griech. an = un-, opheles = nützlich) Nichtsnutz, nigripes (lat. niger, Gen. nigri = schwarz, pes = Fuß), plümbeus (lat. = bleiern), bifurcätus (lat. bis = zwei und furca = Gabel) Gabelmücke, wegen der durch die langen Taster geteilt erscheinenden Mundwerkzeuge, maculipennis (lat. macula = Fleck und penna = Feder, Flügel), claviger (lat. cJava = Keule) der Keulenträger, wegen der dicken Tasterenden der Männchen, sinensis (lat. ^ chinesisch), wegen des Vorkommens, pictus (lat. = bemalt), pseüdopictus (griech. pseudos = Lüge) der unechte pictus, superpictus (lat. super = über) der Übermalte, palestinensis (lat. = Bewohner von Palästina), hispaniöla (lat. = die kleine Spanierin). Uranotaenia (griech. ouranos = Himmel, griech. tainia = Streifen), viele Arten haben blaue Streifen, unguiculata (unguiculus) das Nägelchen, wegen der auffallend großen Yorderklauen der Männchen. Aedes (griech. = der Sänger), cinereus (lat. = grau). 47] I- Allgemeines: Sammeln, Namenerkläiung. 47 Aedes, lateralis (lat. = seitlich), -wegen der weißen Seitenflecke des Hinterleibes, serus (lat. = spät), weil er unter den Frühlings-Ochlerotatus am spätesten brütet, Gällii, Galli-Yalerio beobachtete diese Art zuerst in Bergseen, diversus (lat. = verschieden) geraeint ist der von nemorosus verschiedene, nemorosus (lat. nemus, nemoris = der Hain) ' soll die Hain- mücke bezeichnen, sylvae (sylva, lat. = Wald) Waldmücke, terriei, Mr. Terry hat das erste Stück dieser Art ge- fangen, salinus (lat. sal = Salz) bedeutet Salzmücke, nigrlnus (niger = schwarz), abfitchii, Bedeutung ?, cäntans (lat. cantans = singend), annülipes (lat. annulus = Ring und pes = Fuß), wegen der weißgeringelten Füße, quärtus (lat. = der vierte), weil es die vierte Art dieser Gruppe in unserer Fauna, vexans (lat. vexare = belästigen), dorsälis (dorsum = Rücken) bezieht sich wohl auf die stark helle Beschuppung gerade in der Rückengegend des Hinter- leibes, ornätus (lat. = geschmückt) die schönste einheimische Mücke, flavescens (lat. = gelblich), lutescens (lat. = ins Gelbe spielend), rüsticus (lat. = ländlich). Stegomyia (griech. stegos = Dach, Haus und myia = Fliege), „HaUvS- mücke", calopus (griech. kalos = schön und pous = Fuß), (fasciätus, fascia = die Binde, „mit Binden"), sügens (lat. = saugend). Culex (lat. = Mücke), pipiens (lat. pipio = piepen), territans (lat. territare = andauernd erschrecken), geniculätus (lat. geniculum = kleines Knie), wegen des weiß sich hervorhebenden Knies, hortensis (lat. hortus = Garten) Gartenbewohuer, 48 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [48 Culex, mimeticus (griech. mimeo = nachahmen) die Mücke, die Ano- pheles superpictus nachahmt, modestds (lat. = bescheiden). Theobäldia (Sir Fred Y. Theobald, berühmter englischer Mücken- forscher), annuläta (lat. = die geringelte), wegen der weißgeringelten Füße, spathipälpis (griech. spathes = Schwert, ein flacher breiter Gegenstand, palpus = technischer Ausdruck Taster) mit breiten flachen Tastern, glaphyröptera (griech. glaphyros = glatt, geziert, pterjx = der Flügel), mörsitans (lat. morsitare = anhaltend beißen), fumipennis (lat. fumus = der Rauch und penna = Feder, Flügel) mit den rauchfarbenen Flügeln. Mansönia (Sir Patrick Manson, berühmter englischer Tropen- mediziner), richiärdii nach einem Eigennamen, Näheres ist mir leider nicht bekannt. 49] 49 II. Anophelini. Zu den systematischen Abschnitten Nr. II und III vergleiche Schrifbenverzeiclinis Nr. 43, 44, 46, 47, 85, 120, 130, 147, 164, 192a, 197, 287, 286, 295, 298, 317, 329, 337. Von Theobald ist die alte Gattung Anopheles in eine Ileihe Gattungen aufgelöst worden, im Bande von 1910 in 21 Gattungen. Diese Gattungen waren größtenteils auf Merkmale der Schuppen gegründet. Es hat sich nun herausgestellt, daß nicht nur eine ganze Anzahl der von Theobald beschriebenen Arten untereinander synonym sind, sondern daß auch die die Gattungen trennenden Merkmale keineswegs so durchgreifend sind, daß man die Gattungen aufrechterhalten könnte. Gewiß stehen sich einzehie Arten unter- einander näher als andere. Die starke Einschränkung, welche die Theobaldschen Artenzahlen erfaliren mußten, beweist, daß man Arten nicht beschreiben kann auf Grund von „Typen", sondern daß man möglichst unter Würdigung der ganzen Popu- lationen i) das für die Art Wesentliche auf der einen, die Variabilität auf der anderen Seite feststellen muß. Außer der Gattung Anopheles wird jetzt von einigen Autoren noch die Gattung Coelodiazesis anerkannt. Wir fassen auch diese nur als Untergattung auf. Die Gattungsmerkmale können aus der Tabelle Seite 26/27 ent- nommen werden. Gattung Anopheles. Die Gattung Anopheles ist dadurch von größter Wichtigkeit, daß allein ihre Angehörigen geeignet sind, das Wechselfieber zu übertragen. Es kommen in Mitteleuropa nur drei Arten vor: maculipennis, bifurcatus, (Coelodiazesis) nigripes (= plumbeus). Dazu kommen in Südeuropa noch sinensis, palestinensis, superpiotus und hispaniola. ^) Unter Population versteht Johannsen die Gesamtheit der ein bestimmtes Gebiet bewohnenden Artgenossen. Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene. 24. Beiheft 1. 4 50 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [50 A. Die mitteleuropäischen Anopheles. 1. Anopheles (Coelodiazesis) uigripes Staeger (Tafel III, Fig. 32) = pliimbeus Haliday = barianensis James. Kopf in der Mitte mit einem Keilfleck flacher weißer Schuppen imd weißer Gabelschuppen, die jedoch breit und wenig ausgerandet sind. An den Seiten dunkel. Gegen die Augen mit weißschillerndem Rand. Rüssel und Taster mit metallisch schimmernden schwarzen Schuppen bedeckt. Fühler schwarz mit lichtschimmerndem Flaum und schwarzen Borsten. Mittelrücken mit breitem grauen Mittelstreifen, in dessen Mitte wieder eine dunkle Linie erscheinen kann, mit weißen bis lichtgolden schimmernden Haaren, die vorne breiter werden. Seiten des Mittelrückens schwarz mit feinen Härchen und langen Borsten am Rande. Schildchen in der Mitte grau widerscheinend mit feinen goldenen Härchen und starken schwarzen, golden reflektierenden Borsten. Brustseite dunkelbraun bis schwarz, grauschillernd mit einzelnen Härchen. Hinterleib Grundfarbe auf der Oberseite schwarzbraun. Unterseite etwas heller mit lichterem Grund der Glieder. Hüften hellbraun. Schenkel auf der Oberseite violett-schwarz, vom Grund her mit lichterer Unterseite, die gegen das Ende auch dunkel ist, Spitze rein schwarz. Schienen auf der Oberseite schwarz, auf der Unterseite mit feiner Linie lichter Schuppen. Füße schwarz. An den Kniegelenken und dem Gelenke zwischen Schiene und Fuß hellbraun. Flügel violettschwarz beschuppt. Schwinger gelb. Beim Männchen sind die kurzen Glieder der Fühlergeißel weiß mit schwarzen Ringen, sonst sind die Fühler und ihre Behaarung schwarz. Taster schwarz be- schuppt mit metallischem Schimmer. Größe 4 — 5 mm. Anopheles nigripes ist kleiner als die beiden anderen Arten und an dem wenig kürzeren Brustkorb und den schmäleren Flügeln zu unterscheiden. Die Grundfarbe des Tieres ist dunkler, schwärzer, der Streifen auf dem Rückenschild weißer grau, und die lichten Schuppen im Nacken sind stärker und reiner weiß als bei bifur- catus, die Kontraste also größer. Vorkommen. A. nigripes habe ich (192) bei Hamburg und in der Rostocker Heide gefunden. Weiter wird er von Eckstein für die Umgebung von Straßburg angegeben. Er dürfte sich an geeigneten Plätzen überall finden. Er wurde beobachtet in England, Skandinavien, Frankreich, Italien und kommt in hohen Gebirgslagen auch in Indien vor. Er wird sich daher in Europa noch an vielen Plätzen feststellen lassen, wo er bis jetzt nicht bemerkt wurde. In Danzig habe ich ihn vergeblich gesucht, obwohl mir seine Liebhabereien wohl vertraut waren. Die Mücke fand ich im Juni bis August, doch sind meine Beobachtungen, die noch von 1914 stammen, und die ich infolge 51] II. Anopheles. 1. iiigripes. 51 meiner Einziehung seit. Beginn des Krieges nicht erweitern konnte, in dieser Beziehung unvollständig. Die Flugzeit mag früher be- ginnen und länger anhalten. Über die Überwinterung ist noch wenig mitgeteilt. Galli-Valerio fand im milden Winter 1916/17 die Larven übei-winternd, 1917/18 waren infolge der starken Kälte dieses Winters, durch die das Wasser in den meisten Baum höhlen ausfror, wenig Larven, wohl aber Eier durchwintert. Scheint meist nicht häufig zu sein. Fig. 15. Männlicher Geschlechtsapparat von Anopheles nigripes (nach Martini). Vergrößerung ungefähr 200:1. (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd, 19). Bei den Abbildungen zum systematischen Teil habe ich nur diejenigen Darstellungen gebracht, welche mir zum Wiedererkennen der Art auch für den Anfänger wichtig zu sein scheinen, daher nicht die Striegel der Anopheleslarven und auch nicht die Kammzähne der Aedeslarven. Letztere liegen selten in zwei Präparaten ganz in der gleichen Stellung, sehen aber je nach der Stellung außerordentlich verschieden aus, da ihre Zähnchen nicht in einer Ebene liegen, sondern in verschiedenen und daher bald alle untereinander gleich, bald sehr verschieden groß aussehen. Derartige Abbildungen dürften daher vielfach eher zu Mißdeutungen als zu Sicherungen der Diagnose führen. Die Striegelzähne dagegen sind abgebildet. Auch sie erscheinen je nach Lage sehr verschieden (große Platte mit kurzer Schuppe, kurze Platte mit langer Schuppe) und bei Kantung tritt sofort eine Betonung oder Entstehung eines Hauptzahnes auf. Auch sind die Schuppen in einzelnen Teilen des Striegels manchmal so ver- schieden, daß nur Schuppen aus gleichen Stellen sich zum Vergleich eignen^ "Wo über die Stellung der Schuppen im Striegel keine Angabe vorliegt, kann die Abbildung derselben völlig wertlos sein. Ich habe meist eine Schuppe aus der Mitte abgebildet. 4* 52 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [52 Lebensweise der Larve. 1915 konnte ich nacli meinen Erfahrungen von 1914 in der Hamburger und Rostocker Gregend berichten, daij diese Art, nur in Baumhöhlen brütet, und zwar habe ich sie nur in Buchenhöhlen ge- funden, die kaffeebraunes Wasser entliiolten. Galli-Valerio fand sie auch in Höhlen von Abies pectinata und Roßkastanie. Die Fig. 17. Oben Sternhaar von der Bauch- seite der Larve (nach Martini). Unten Fig. 16. Larve von Anopheles Haargruppe von der Rückseite des nigripes (nach Martini). 3. Hinterleibsringels. (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 19.) Eier werden (45) nicht aufs Wasser, sondern oberhalb aufs Feuchte abgelegt, wie bei Aedes (s. S. 90). Die Larven sah ich stets ver- gesellschaftet mit denen von Aedes ornatus Mg. (= lateralis auct.). Doch scheinen sie wählerischer zu sein als diese Larven, denn sie finden sich keineswegs in jeder Baumhöhle, welche Aedeslarven enthält, und so ist auch die Mücke wesentlich seltener. Nach Knab frißt die verwandte Coelodiazesis barberi kleine Aedes- larven. Ich konnte dies bei den von mir gezogenen nicht be- 53] II. Anopheles. 1. nigripes. 53 obachten. Meine Angaben wurden die Beobachtung-en von Christophe aus England und Eckstein aus Während diese Mücke in der Rostocker Heide, wenige Meter über dem Ostseespiegel, nahe an der See vorkommt, traf sie Galli-Valerio in der Schweiz auf 900 m und Chri- stophers in Indien bei Simla, also wohl in ungefähr 2000 m • Meeres- höhe. Die Art ist auch bei Tage zugange und greift den Menschen gern an. In der Literatur liegen wohl mehrfach Verwechslungen mit dun- keln Stücken von bifurcatais vor, die sich in der Tat nicht sehr von nigripes unterscheiden. So ist Mei- nerts Abbildung einer Nigripes- larve, die Grünberg übernimmt, eine Bifurcatuslarve. Eine genaue Beschreibung der Art, auf die ich daher hinweise, habe ich 1915 im Archiv für Schiffs- und Tropenhygiene gegeben. inzwischen bestätigt durch rs aus Indien, Edwards (54) der Straßburger Umgegend. .R M Fig. 18. Ei von Anopheles nigripes nach Eysell (abgeklatscht auf eine fixierte Schicht von Eiweißglyzerin). M = Micropyle, E = Ectochorion, R = Schwimmgürtel. (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 16.) Fig. 19. Eidurchschnitt a) von A. nemorosus, b) A. nigripes, c) A. bifurcatus (nach Eysell [66]). Ch = Chorion, E = Ectochorion, B = Shchwimmkammern, R = Schwinimgürtel. (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 16.) Beschreibung der Jugendstadien. Die Larve ist leicht erkannt durch die starken Sternhaare der Untei-seite, worin sie eine merkwürdige Analogie zu ornatus bietet imd durch die Länge und starke Fiederung der Seitenhaare auch hinter dem dritten Hinterleibsringel. 54 ür. E. Martini. Über Stechmücken. [54 Die Qiiirihaare finden sich auf dem 2. — 6. Hinterleibsringel voll entwickelt, während sie bei unseren anderen Anopheles auf dem 2. Eingel nur rudimentär vorkommen. Daß aber im Striegel des 8. Ringels die kurzen Zähne fehlen sollen, wie Eysell(66) angibt, kann ich nicht bestätigen, vielmehr stehen dieselben mit den langen in der Mitte des Striegels abwechselnd, sind allerdings nicht so auf- fallend kurz wie die kürzesten Zähne der anderen Arten. Die Puppen haben im Gegensatz zu ihren Gattungsgenossen einen zweiten Dorn jederseits am Hinterrande des vorletzten Hinterleibsringels, wie Eysell gezeigt hat. Derselbe Forscher hat auch die Eier dieser Art zuerst beschrieben, die einen flachen rings um das Ei verlaufenden. Saum haben im Gegensatz zu dem Schwimmapparat der anderen beiden deutschen Formen. So ähnlich also die erwachsenen Tiere von nig^ripes imd bifur- catus sind, so groß ist der Untersclüed der Jugendzustände des ersteren von allen übrigeil europäischen Anophelen. 2. A. bifurcatus und maculipennis. Beschreibung. Die beiden anderen deutschen Arten sind leicht zu unter- scheiden dadurch, daß maculipennis gefleckte Flügel hat (sieh© Fi,g. 3, S. 11). Im übrigen sind beide Arten ganz braun, heller oder dunkler mit hellgrauem oder hellbraunem breiten Mittelstreifen längs über den Brustkorb. Zwar ist maculipennis bei weitem häufiger, doch sollte man bei IJnterrichtstafeln stets bifurcatus darstellen, weil leicht sonst die Schuppenflecke dem Gedächtnis sich als das Wesentliche einprägen (s. S. 238), aber bei uns kommt mancherorts viel häufiger eine gefleckte Theobaldiaart vor. Die Fleckung der tropischen Anophelesarten ist nicht eine Schappen- häufung wie bei unserem maculipennis, sondern entsteht durch Abwechseln von Strecken schwarzer und heller Schuppen (Fig. 23, Taf. 2). Die Unterscheidung der Larven ist Haarspalterei im wahrsten Sinne des Wortes. Wichtig sind nämlich für die Bestimmung von Anopheleslarven die Fühler, ob das Schafthaar sehr schwach oder stark und buschig ist (unsere Arten gehören alle zu ersterer Gruppe), ob die äußeren Stirnhaare vielfach geteilt oder einfach, die Unterseitenhaare der Mittelbrust fein fiederteilig' sind oder nicht, ob die Nackenhaare weit nach vorn reichen oder nicht, wie sich die Seitenhaare des vierten Hinterleibssegments in ihrer Teilung verhalten, nämlich federförmig oder nur an der Basis geteilt, oder ob einer der Teiläste noch einmal geteilt ist und dadurch zum Hauptast wird, die Zahl und Größe der Quirlhaare auf dem Rücken, die der Larve zum Anheften an die Wasseroberfläche dienen, die Bezah- nung der Striegels auf dem vorletzten Ringel. Es werden maculipennis 551 n. Anopheles. 2. bifurcatus und maculipennis. 55 und biturcatus im zweiten bis letzten Larvenstadium am einfachsten unterschieden dadurch, daß das seitliche Stirnliaar bei maculipennis vielfach geteilt ist (Taf. III, Fig. 28, 29), bei bifurcatus dagegen an- nähernd einlieitlich. Ferner hat maculipennis zwei große, über die Achseln vom Rücken her vorspringende Integumentfalten, die von den meisten Autoren nicht erwähnt werden, und die ich' abgebildet bisher nur bei Nuttall & Schipley (231) und Imms gefunden habe.i) Sie sind farblos mid durchsichtig und daher nicht auf- fällig. Die entsprechenden Falten smd bei bifurcatus viel kleiner und ragen nicht über die Achseln vor. Die Striegel des vorletzten Segmentes weisen weniger ganz große Zähne auf als bei bifurcatus, und die kleinsten sind sehr kurz. Bei beiden Arten sind die äußeren dorsalen Schwarzborsten länger als die inneren, aber dieser Unterschied scheint bei bifurcatus am stärksten, und dort ist wohl auch die Hakenbildung an den Fiedern der äußeren Schwanzborsten am stärksten ausgeprägt. Diese iiakenförmige Krümmung ist ein Punkt, der wenig beachtet zu sein scheint und doch für die Lebensweise der Tiere offenbar sehr wichtig ist, da es ihnen damit mögüch ist, sich an rauhen Wasserrändern oder an im Wasser liegenden Gegenständen anzuheften und so in mäßiger Strömung zu halten. Im Leben sind diese seitlichen hinteren Borsten beweglich und werden seltener zusammengelegt, meisf gespreizt getragen, während das mittlere Haarpaar nebeneinander nach hinten gestreckt wird. (Tafel I, Fig. 9.) A. maculipennis Mg 1918 (Taf. I Fig. 5—8, 12, 17, 18, Taf. HI Fig. 21, 1, 2, 29) = bifurcatus M^. 1804 = claviger^) Fabricius 1805 =^ annuKmanus van der Wulp "1867. Kopf in der Mitte mit einem gescheitelten Tuff gelbweil^er Gabel- und Sichelschuppen, die mit einigen goldenen Haaren gemischt bis zwischen die Augen hängen. An den Seiten und Muten mit grauschwarzen Gabelschuppen. Gegen die Augen ein gelbweißer Rand. Rüssel und Taster braun. Fühler dunkelbraun mit schwarzen Borsten imd lichter schillerndem Flaum. Mittelrückeu dunkelbraun mit breiter gräulicher Längsstrieme, die nach vorne verjüngt ist und in die von vorn drei, von hinten ein dunkler Strich eindringen. Die Strieme entsteht durch lichten "Widerschein der Haut und ist gegen den Nacken besonders hell. Die Seitenstücke sind vorn dunkelbraun, hmten mehr grauschwarz. Die Behaarimg von golden glänzenden langen Haarschuppen ist besonders an der Mittelstrieme ^) Neuerdings auch bei Osterwald und Tänzer. ^) Unter dieser Bezeichnung erscheint die Art häufig in der Literatur. 56 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [56 dicht. Schildcheu lichter braun mit goldenen Härchen imd schwarzen Borsten. Brustseite lederbraun. Hinterleib auf der Oberseite lederbraun mit goldenen Härchen. Durch lichteren AViderschein auf der braunen Haut werden hellere Flecken erzeugt, die beim lebenden Tier vor allem am Grunde der Ringel erscheinen und oft den Eindruck einer deutlichen lichten Ringelung geben. Auch ist in der Tat ein Unterschied in Tiefe der Bräunung zwischen dem Grunde und den Enden der Ringel mehr oder weniger deut- lich vorhanden. Unterseite ebenso mit langen goldenen Haaren. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwarzbraun, auf der Unter- seite blaßgelb. Schienen auf der Oberseite dunkelbraun, auf der Unterseite lichter. Füße braun. Knieflecke gelblich. Flügel braun- schuppig mit Flecken dichterer Schuppen an der Wui-zel der 2. Ader, den Queradern und der Wurzel der Gabeln der 2. und 4. Ader. Schwinger mit gelben Stielen und dunklem Knopf. Die Art ist veränderlich im Ton der Färbung. Sie fällt bald mehr ins Bräunliche, bald ins Schwärzliche. Bei letzteren Stücken kann der Hinterleib schwarz, bei hellen fast gelbbraun erscheinen. Bei den helleren Stücken erscheint der lichtere Rüekenstreifen des Brustkorbes mehr gelblich, bei den dunkeln wie alle Reflexe mehr weißlichgrau. Fühler der Männchen lichtgrau mit fast schwarzen Ringeln und braungrauer Behaarung. Taster braun mit braungrauer, etwas ins Fuchsige fallender Behaarung. Größe 6 — 7 mm, gelegentlich kleiner, ö^/g nun. Laboratoriumstiere oft noch viel kleiner. "Was es mit der ungefleckten Varietät dieser Art, die Morris H. R, N. M. S., London 1919, von den Ägäischen Inseln erwähnt, auf sich hat, ist wohl noch nicht Fig. 20. Männlicher Gescblechts- apparat von Anopheles maculi- pennis. Vergr. ungefähr 100:1. Über die Lebensweise usw. siehe S. 58ff. A. bifurcatus L. 1758 (Taf. I Fig. 1—4, 9—11, 14—16, Taf. III Fig. 5—8, 11, 15, 18, 19, 28, 30) = walkeri Theob. 1901 = trifurcatus Fabricius 1794 = cla- viger Meigen 1804 = villosus Kobineau Desvoidy 1828. Kopf in der Mitte mit einem gescheitelten Tuff gelbweißer Gabel- und Sichelschuppen, die mit einigen goldenen Haaren gemischt bis zwischen die Augen hängen. An den Seiten und hinten mit grauschwarzen Gabelschuppen. Gegen die Augen mit weißem Randreflex. Rüssel und Ta.ster braun. Fühler dunkel- braun mit schwarzen Borsten und lichter schillerndem Flaum. Mittelrücken dunkelbraun mit breiter gräulicher Längsstrieme, die nach vorn verjüngt ist \md in die von vorn drei, von hinten ein dunkler Strich eindringen. Die Strieme entsteht durch lichten Widerschein der Haut und ist gegen den Nacken besonders 571 n. Anopheles. 2. bifurcatus und maculipennis. 57 hell. Die Seitenstücke sind vorn dunkelbraun, hinten mehr grauschwarz. Die Behaarung von golden glänzenden langen Haarschuppen ist besonders an der Mittelstrieme dicht. Die Gegensätze sind schärfer als liei der vorigen Art. Die vordersten Härchen erscheinen fast weiß, an den Seiten sind die braunen Vorder- stücke schärfer gegen die fast schwarzen liinteren abgesetzt. Auf der schrägen First ist das Bv&mi manchmal so lebhaft, daß es einen rostfarbigen Fleck gibt. Schildchen lichter braun mit goldenen Härchen und schwarzen Borsten. Brust- seite lederbraun. Hinterleib auf der Oberseite lederbraun mit goldenen Härchen. Durch lichteren Widerschein auf der braunen Haut werden hellere Flecken erzeugt, die man beim lebenden Tier vor allem am Grunde der Ringel sieht und die oft den Eindruck einer deutlichen lichten Ringelimg geben. Auch ist in der Tat ein Unterschied in der Tiefe der Bräunung zwischen dem Grunde und den Enden der Riagel mehr oder weniger deutlich vorhanden. Unterseite ebenso mit langen goldenen Haaren. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwarzbraun, auf der Unterseite blaßgelb. Schienen auf der Oberseite dunkelbraun, auf der Unter- seite lichter. Füße braim. Knieflecke gelblich. Flügel braimschuppig ohne dimkle Schuppenflecken. Schwinger mit gelben Stielen und dunklem Knopf. Auch hier ist eine sehr verschiedene Färbung bemerklich. Die südlichen Stücke sind viel lichter braun als die aus dem Norden. Doch habe ich auch aus hiesiger Gegend helle Stücke. Die Frühlingsgeneration will mir dunkel scheinen. Bei hellen Stücken erscheinen auf dem Hinterleib deutlicher die helleren Binden in der Haut, und die Haare sind dann auch gegen den Nacken hin gelblich. Männclien mit braimen Tastern und Fühlern. . Größe 5^2 — 6 ™™i manchmal bis 7 mm oder knai)p 5^/.j. Beschreibung der Jugendstadie'ii von A. maculipennis und bifurcatus. An den jüngeren Entwickiungsstadien finden sich folgende Unterschiede. Die Eier von maculipennis (231) haben eine gröbere Fleckung des Grmides, auf der Unterseite noch mehr als auf der Oberseite. Der Saum, der vom Schwimmapparat bei beiden Arten durch- brochen wird, verläuft bei maculi- pennis am Rande, bei bifurcatus auf der Rückenseite des Eies. (Der Schwimmapparat besteht aus einer Anzahl lufterfüllter Kam- ^.^^l. Ei von Anopheles maculipennis mern.) (Textfig. 18, 20; Taf. I. nach einer Skizze von H. Sikora. Fig. 14.) Die Veränderungen in dem Aussehen der Larven sind bei allen Anopheles anscheinend parallel (304). Den neuausgeschlüpf- ten Larven fehlt das Ruder. Bei den Larven des zweiten Standes besteht es aus meist dreiteiligen, bei denen des dritten aus meist fünf- bis sechsteiligen, bei den erwacliseuen aus noch reicher ver- 58 Dl*- E. Mai-tini. Über Stechmücken. [58 zweigten Haaren. Die jüngste Larve trägt noch Kamm und Striegel wie eine Culicinenlarve, clie Fiederhaare sind noch ungefiedert. und an Stelle der Quirlhaare stehen Lanzetthaare auf dem zweiten bis siebenten Hinterleibsringel und außerdem noch fünf Paai'e auf dem Brustkorb. 1) Diese Merkmale der jungen Larven kommen auch unserem bifurcatus und maculipennis zu. Mit den Häutungen nehmen die Quirlhaare an Zahl der Strahlen zu. Die geteilten seitlichen Stirnhaare erlauben erst vom zweiten Stadium an maculipennis von bifiu'catus zu unterscheiden. Die Farbe der Larven von maculipennis ist sehr abänderlich nach der letzten Häutung: Bis dahin sind alle Larvei^ grau. Es gibt graue, hellgrüne, grasgrüne und blaugrüne Maculi- pennislarven ohne oder mit Rückenzeichnung. Die Rückenzeich- nung besteht aus einem helleren Längsband über die Mitte des Rückens, und dieses kann nun wieder weiß oder rostrot sein, zusammenhängend oder in einzelnen Flecken aufgebrochen. Bei solchen Aufbrüchen verschMindet zuerst die schmale Stelle des Streifens auf dem ersten und zweiten Hinterleibsringel. Graue Larven mit zusammenhängender Binde fand ich nie, doch kommt eine leichte, annähernd dem Bande entsprechende Fleckung auch bei ihnen vor. Ob diese Merkmale mendeln, kann nur der Ver- such entscheiden. Die Larven von bifurcatus habe ich in grünen Farben seltener getroffen, meist grau, mit oder ohne gelbroten oder weißroten Längsstreif. Die Puppen der zwei Arten sind sich auch sehr ähnlich. Die Bifurcatuspuppen erkennt man am besten daran, daß die langen Haare des ersten Hinterleibsringels einfach sind, während sie bei maculipennis geteilt sind. 3. Lebensweise der Anopheles maculipennis und bifurcatus. Übersicht der Lebensweise. Die Anopheles (124, 125, 166, 297) und ihre Lebensweise sind deswegen besonders Avichtig, weil sie die Überträger der Malaria sind. Von den drei Formen der Malaria kommt die leichteste, die Tertiana, auch in Deutschland endemisch vor, die schweren Tropen- fieber fehlen. An das Vorkommen der beiden Arten A. maculi- pennis und bifurcatus ist bei uns die Malaria gebunden, und zwar 1) Tänzer und Osterwald (312), zeichneu am Brustkorb nur 2 Paar Lanzettschuppen . 59] II- Anopheles. 2. bifurcatus und maculipennis. 59 vor allem an maculipennis, denn bifurcatus ist überall seltener und vor allem lange nicht in dem MaJ3e wie maculipennis ein Tier der nächsten menschlichen Umgebung. Bei Anopheles maculipennis werden von den durchwinterten Weibchen die Eier in kleinen Gre- legen zu etwa 10 Stück an die Wasseroberfläche abgelegt, an der sie mit Hilfe ihrer Scliwimmapparate schwimmen. Die Larven leben an der Oberfläche reinerer, kaum fließender oder stehender Gewässer an geschützten Stellen. Die Puppen finden sich an den gleichen Stellen. Die Mücke erzeugt mehrere G-enerationen im Jahr. Bifurcatus überwintert angeblich als Larve, verhält sich sonst aher wie maculipennis. Die folgende Darstellung bezieht sich vor allem auf maculi- pennis, als die wichtigere Art. Überwinterung. Die befruchteten Weibchen dieser Art überwintern in Vieh- ställen, Schuppen, Kellern i), Bodenräumen, auf Speichern, unter Brücken und ähnlichen Plätzen, auch wohl in Baumhöhlen, Holz- haufen usw. oft in großen Scharen. Hier finden sie sich an mäßig dunkeln, zuggeschützten, aber nicht dumpfigen Stellen. In ähn- licher Weise überdauern befruchtete Anophelesweibchen in den Tropen die Trockenzeit in den Eingeborenenhütten usw. Die Ur- sachen, warum ein Platz dicht besetzt, ein nahe gelegener, völlig gleichartig erscheinender aber nicht angenommen wird, ist uns unbekannt. Jedenfalls ist den Anopheles keineswegs jeder Platz recht, der von überwinternden pipiens wimmelt. Letztere scheinen Keller zu bevorzugen, die den Anopheles manchmal zu feucht sein dürften, so daß man sie dann mehr in anderen Teilen der Häuser findet. Aus dem Fehlen der Mücken an einigen untersuchten Stellen darf auf ihr Fehlen an dem Orte überhaupt nicht geschlossen werden. Nach Grassi sollen die in Viehställen überwinternden Mücken bei warmem Wetter auch im Winter gelegentlich stechen, Mühlens beobachtete dies auch im Winter im Zimmer. Das eigentliche Leben der Weibchen erwacht aber erst mit dem Frühjahr. Dann kommen sie hervor, um Blut zu saugen. Viele Weibchen scheinen ') Geheizte trockene Eäume werden den Mücken offenbar verderblich, sie vertrocknen, und man findet ihre Leichen dann oft an den Fenstern. In un- geheizten Zimmern können sie durchwintern, in geheizten treten sie erst gegen Frühjahr zugewandert wieder zahlreicher auf. 60 Dl'- E. Martini. Über Steckmücken. [60 nüchtern in den Winterschlaf zu gehen, doch ist keineswegs an- zunehmen, daß dies ausschließlich geschieht, vielmehr überwintern zweifellos auch Weibchen, die schon Blut gesogen haben, wie aus Eoubauds Versuchen hervorgeht (270). Sommergewohnheiten. Die Maculipennisweibchen frönen ihrem Blutdurst nächtlicher- weile i) (230), dabei scheinen sie überwiegend Viehmücken zu sein. Tagsüber findet man sie ruhend, besonders in den AT'iehställen an dunkeln, gegen Luftzug geschützten Plätzen, vorzüglich, wie Müh- len s bemerkte, in Schweine- und Rinderställen. Sie sind dann meist vollgesogen, und Mühlens konnte das Blut mit der Uhlenhut- probe als Schweine- bzw. Eiuderblut ausweisen. Grrassi fand, daß die Weibchen zum Blutsau,g©n mehr an große Tiere gingen als an den Menschen und führt dies lediglich auf den Größen- imterschied zurück. Es scheint, daß doch auch der Greruch eine gewisse Rolle spielen mag. Pferdeställe werden übrigens keineswegs verschont, wie ich schon 1913 bei Schwetz be- merkte. (Genaueres hierüber Nr. 325 und 252.) In Maze- donien waren Pferdeställe, sofern zuggeschützt, selir beliebt. In Hülmerställen findet man die Weibchen kaum, im Gegensatz zu den Culexarten. Sonst dürfte die Art des Stalles mehr als die der Bewohner wesentlich sein. Natürlich trifft man die Mücken auch in menschlichen Unterkünften, besonders dringen sie durch offene Fenster abends in die Schlafzimmer ein, ein Verfahren, das man benutzen kann, um sich in einfacher Weise über ihr Vorkommen zu überzeugen, wenn man bis spät wach ist und dann erst das Fenster schließt. Oft sitzen sie über Tag auf Aborten. Dort und an ähnlichen Plätzen trifft man auch die Männchen, die gerade in Ställen mit Vieh seltener sind. Grassi gibt an, daß die vollgesogenen Anopheles gern im Sommer die rnenschlichen Räume verlassen und im Freien in nächster Nähe sich im Laube verstecken, um bald mederzukom- men zu einem zweiten Blutmahl. ^) Schneiders Angabe, daß maculipennis nur ausnahmsweise Blut sauge, im allgemeinen aber Vegetarier sei, ist nicht zutreffend. Eine ähnliche An- schauung äußert Theob. 1901. Dagegen finde ich die Angabe, daß Kinder mit Vorliebe gestochen werden, was nicht ohne Bedeutung für die Malariaepidemiologie sein dürfte. 61] II. Anopheles. 2. bifurcatus und maculipennis. 61 Eine besondere Gewohnheit der Anopheles, die mir schon in Amerika vorgeführt, wurde, konnte ich bei Ludwikaw in Polen schön wieder beobachten im damaligen Gefechtsstand des Bataillons- stabes, daß nämlich in der Zeit vor Sonnenaufgang die maculi- pennis aus unserem Eaum ins Freie flogen, während gleichzeitig andere von draußen eindrangen. Man konnte von der Strohschütte aus in der hellen Fensterlücke die Schattenbilder der ab- und zu- fliegenden Mücken sehr schön erkennen. Dieselbe Beobachtung konnte ich in Mazedonien an maculipennis und palestinensis wieder- holen. Ein gleicher Wechsel findet abends statt. Anoph. bifurcatus wird dagegen in menschlichen Wohnungen oder in Stallungen seltener getroffen. Dagegen begegnet man ihm im Freien öfter. Diese Art sticht übrigens sowohl bei Tage wie abends ; im Mai in den Vormittagsstunden wie im Juli nachmittags 4 Uhr flogen sie mich im lichten Walde an. Es ist also in der Allgemeinheit nicht richtig, daß Anopheles nur abends steche. Berichtet doch schon Celli (23) von den italienischen Anopheles, daß sie in Zimmern, in Grotten, unter Bäumen gelegentlich auch tags Blut saugen. Nach den vorliegenden Beobachtungen stechen die Wechsel- fiebermücken alle 24 bis -72 Stunden, oft noch ehe sie die vorige Mahlzeit ganz verdaut haben. Wie so viele Insekten sind sie bei Gewitterstinnmmg besonders tätig und sehr lästig, ebenso bei ganz heißem trockenen Wetter. Während schweren Regens bleiben sie verborgen. Zugige, dem Wind ausgesetzte Lagen meiden die Gabelmücken und treiben ihr Wesen lieber in geschützten Lagen. Außer Blutnahrung nehmen die Anophelesweibchen auch Pflanzensäfte und Süßigkeiten auf, von denen die Männchen aus- schließlich leben. Flugweite. Wie weit Anopheles sich von dem Brutplatze entfernt auf der Suche nach Blut, ist bei unseren heimischen Arten noch nicht fest- gestellt. In Amerika sind Beobachtungen in der Natur unter günstigen Verhältnissen gemacht, die ziemlich sichere Schlüsse erlauben, und außerdem Versuche, welche die Ergebnisse dieser Beobachtungen bestätigen (145, 255, 339). Danach fliegen die dortigen Arten ungefähr bis 2000 Meter, ja darüber, doch bleibt die Mehrzahl in wesentlich näherem Umkreise. Der unserem maculipennis sehr ähnliche, vielleicht artgleiche quadrimaculatus, verbreitet sich vom Ausgangspunkt ungefähr auf 21/2 km Umkreis. 62 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [62 Auch bezüglich der Flughöhe ist die Angabe, daß die Anophelen in der Lombardei nicht mehr als 6 Meter hoch gingen, nicht allgemein gültig. Man trifft sie oft im Obergeschoß, besonders wenn dort Schlafzimmer sind. So waren sie sehr zahlreich im Dezember in dem Badezimmer im Oberstock einer Villa bei Schwetz. (Vorliebe für Badezimmer wird auch aus den Tropen gemeldet.) In Danzig besuchte mich eine im dritten Stock. Am Tribor in Mazedonien waren sie in den Stallungen nicht Aveit unter dem Kamme, ungefälir 150 Meter höher als die auf der Talsohle bei ungefähr 1050 Meter Meereshöhe gelegenen Brutplätze. Da die Anopheles ihre Opfer 'durch den Geruch finden, fliegen sie zu demselben gegen oder quer zum Wind, nicht mit demselben. Als Brutplätze scheinen die Anophelen meist die nächsten geeigneten Gewässer anzunehmen, und man findet die Brut daher in der Nähe von Ortschaften meist reiclilich, an einsamen Stellen, selbst in geeigneten Gewässern, aber kamn Anopheleslarven. Generationen. Die Lebensdauer der Weibchen ist sehr verschieden. Haben sie im Sommer reichlich Gelegenheit zum Blutsaugen und können sie ihre Eier gut los werden, so leben sie im italienischen Klima nach Fermi nur 3 — 4 Wochen, dagegen können sie bei Zucker- wasserkost im Laboratorium bis mehr als drei Monate ausdauern. Überwinterung verlängert das Alter der Tiere natürlich bedeutend. Li Italien verschwinden die durchwinterten Weibchen schon im März, bei uns fliegen sie noch bis in den Juni, dann treten schon die jungen Männchen und Weibchen auf, Anfang Oktober fanden sie sich bei Hamburg in den Kellern ein. Daß A. maculipennis in einzelnen Gegenden (Rußland) nur (156) eine Generation macht, bedarf wohl noch der Bestätigung, mag aber unter besonderen klimatischen Verhältnissen möglich sein. Er würde sich mit den Flugzeiten also wie unter den Schmetterlingen unserer gToßen Vanessaarten verhalten. Schneider spricht sich (298) dahin aus, daß es wohl möglich ist, daß A. maculipennis mehrere Generationen im Jahre erzeugt, er jedoch eine scharf ab- gegrenzte Periodizität der verschiedenen Generationen nicht fest- stellen konnte ; immer fand er Larven in allen Entwicklungsstadien. Ebenso liegen die Verhältnisse nach den Beobachtungen von Oster- wald und Tänzer in der Umgebung von Halle, Dem entsprechen auch meine Beobachtungen in Hamburg 1914 und 1919, sowie in 63"! II. Anopheles. 2. bifurcatus und maculipennis. 63 der Umgebung von Danzig für Juni bis Herbst 1916. Im Sommer 1919 fiel mir auf, daß während Mitte Mai und Ende Mai sowie Anfang Juni erwachsene Larven und Puppen reichlich vorhanden waren, mn Anfang Juli erwachsene Larven zeitweilig nicht reich- lich waren, worin man vielleicht eine Spur undeutlich getrennter Generationen sehen kann. Bei Theobald findet sich das Vor- kommen von Männchen für die ganze Zeit von Anfang Juni bis Oktober 1919 erwälmt. In Mazedonien geht die Brutzeit von April bis in den Herbst ohne Unterbrechung. Es sind stets Larven aller Stadien vorhanden. Osterwald und Tänzer hatten Larven von Mitte Mai ab, bei Hamburg dürfte man kaum vor Mitte Mai große Larven treffen. Bei Straßburg fand Eckstein schon am 1. Mai 1918 die Puppe. Für Österreich gibt Kerschbaumer vier Generationen an. Wir dürfen daher in Norddeutschland wohl kaum mit mehr als zwei bis drei Generationen rechnen. Die Hauptzeit der Mücken im Süden dürfte Mitte Mai bis Mitte August sein, da von Juni ab eine Menge Brutplätze austrocknen. So war es wenig- stens in Mazedonien, und für dieMaremmen von Toskana gibt Gosio Mai — Juli als ihre Hauptzeit an. Nach dem, was ich im Süden gesehen, scheint mir die Unter- brechung der Brutzeit der Larven durch den Winter bei maculi- pennis weitgehend eine GewaltsamkQit durch die schlechte Witte- rung zu sein. In Serbien werden die Mactdipennislarven großen- teils durch die Herbstregen ausgewaschen, während andererseits viele nasse Stellen, wo das Wasser trot^ Regens nicht fließen würde, während der Sommerhitze ausgetrocknet waren und Brut über- haupt bei Beginn der Herbstregen nicht enthielten. Wieweit Maculipennislarven unter dem Eise ausdauern können, ist mir nicht bekannt. Überwinterung und Generationen von A. bifurcatus. A. bifurcatus überwintert als Larve. Das gibt auch Schneider für Bonn an und das hatte schon Galli-Valerio und Rochaz de Jongh (104—107, 108, 109, 110) für die Schweiz gezeigt, auch neuere Angaben haben wir darüber für Südfrankreich (französische) und Mazedonien (35). Bei Hamburg fand ich die Larven im Februar, gleich nach Abschluß der ersten Frost- periode des Winters, annähernd ausgewachsen, daneben aber auch halbwüchsige und kleinere Larven. Sie sind bei eigentlicher Kälte unten im Kraut usw. und wachsen im Winter nicht, jedoch schon 64 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [64 lebhaft, wenn sich das Wasser auf -|- 9 Gfrad erwärmt hat. In den ersten Maitagen waren 1914 bei Hamburg die Imagines da, bei Strai3burg (Eckstein) 1918 schon Mitte April. Stutzig geworden bin ich allerdings, ob wirklich die Überwinterung als Larven bei dieser Form anders aufzufassen ist als bei Theobaidia raorsitans und manchen Aedesarten, die ich wenig später ebenfalls schon ziemlich groß fand. Ich beobachtete nämlich, daß ein Grrabenstück, das unter Larven von Theobaidia morsitans auch diese Art enthielt, Mitte Mai, zu einer Zeit, wo die Bifurcatusmännchen spielten, be- reits ausgetrocknet war, sich also genau so verhielt wie die Brut- gewässer der Aedesarten. Es scheint mir nach Lage der Sache unwahrscheinlich, daß die Anopheleslarven aus der Umgebung in diese Stellen eingeschwemmt gewesen sein sollen. Dies kann erst im Laufe des Jahres entschieden werden. Vorläufig spricht mir mehr dafür, daß die Tiere dort vielleicht auch aus ins Trockene abgesetzten Eiern hervorgegangen sein müssen wie die Aedesbrut. Daß bifurcatus uiclit als Mücke überwintert, können wir nicht mit Sicherheit behaupten, da er eben weniger in Ställe und Woh- nungen geht und es möglich ist, daß er sich seine Plätzchen in den Wäldern sucht. Der Nachweis der überwinternden Mücken ist dort natürlich viel schwerer zu erbringen. Galli-Valerio berichtet, daß er im Winter 1916/17 unter unendlich zahlreichen Culex pipiens ein überwinterndes Weibchen von bifurcatus gesehen habe. Kbenso hat Grassi einmal eines im Januar in einer Kirche getroffen. Ich selbst habe an einer Stelle, wo bifurcatus gemein und vieLmal häufiger als maculipennis war, in diesem Winter sorgfältig nach ihm gesucht, aber nur eine Anzahl maculipennis erbeutet. Ich möchte danach dem einzelnen im Winter gefundenen Bifurcatus- Weibchen keine höhere Bedeutung beimessen als dem Funde ein- zelner Culicinenmännchen gegen Ende Dezember zwischen den durchwinternden Weibchen ja unseren Breiten. Über die' Zahl der von dieser Art gemachten Generationen fehlen noch genaue Angaben. Die Larven entwickeln sich an- scheinend viel langsamer als die von maculipennis. Ich fand sie von Anfang März bis Anfang Mai und von Juli bis in den Winter l>ei Hamburg, bei Danzig Ende August ziemlich erwachsen an einer SteUe, wo zwei Wochen später keine mehr waren. Eine mehrfache Generation ist daher sicher. Über Fang von Männchen berichtet Theo bald von April bis Oktober, eine Lücke, die im 65] Tl. Anopheles. 2. bifurcatus und maculipennis. 65 Juli 1909 beginnt und bis in den September 1909 reicht, läßt dio Trennung' in Generationen erkennen. Bei Hamburg- traf ich Männ- chen von Anfang Mai ab. Eier. Die Eier werden von den Anophelen in kleinen losen Gelegen von ungefähr 70 Stück an die Wasseroberfläche abgelegt. Nach Eysells Angaben schlüpfen die Larven von nigripes ziemlich gleichzeitig nach drei bis vier Tagen aus dem Gelege. Bei Anoph. macuKpennis kommt zwar ein noch früheres, aber lange nicht so gleichmäBiges Schlüpfen der Larven vor, während die Larven von Anoph. bifurcatus auf fallend lange (3 — 4mal so lange) im Eizustande verharren und höchst ungleichmäßig schlüpfen. (Bei einem Gelege verließ die letzte Larve elf Tage später als die erste die Eihülle.) Diese An,gaben kann ich bestätigen. Die Entwicklung vom Ei bis zur Mücke dauert bei 20 bis 25 Grad ungefähr .30 Tage, bis zur ersten Eiablage Luigefähr 50 bis 55 Tage. Larven. Die Larven leben im Wasser an der Oberfläche. Sie hängen an ihr mit QuirUiaaren, Atemrohr und Stellen des Brustkorbes und ziehen die Oberfläche dadurch an zwei bis drei unpaarigen und sechs paarigen Punkten herunter (siehe Abbildungen bei Prell und auf der Mückenpostkarte i)). Die Abbildungen bei Eysell, Ho- ward, Blanchard, Kaiserl. Gesundheitsamt, Ziemann u. a. sind nicht richtig. Die dort dargestellten Stellungen Averden nur vorübergehend eingenommen. Die Larve frißt Partikel von der Wasseroberfläche, besonders einzellige Tiere und Algen, Chitin- reste u. dgl., und dabei sitzt ihr das Gesicht im Nacken. Sie kann den Kopf aber äußerst schnell um 180 Grad drehen und wieder zurückwenden. Die Larven sind scheu ! Oft genügt schon die leichte Erschüttermig beim Herantreten ans Ufer oder unser Schatten, der ül>er das Wasser glitt, alle in die Tiefe zu jagen, bifurcatus sehr viel leichter als maculipennis. Erst nach Minuten erscheinen sie wieder an der Oberfläche. Vorher ist über ihr Vorhandensein und Fehlen kein Urteil zu gewinnen. ^) Die unpaarigen Stellen sind das Ende des Atemrohres und eine oder zwei Stellen auf dem hinteren Brustrücken. Die paarigen entsprechen den 5 Paaren großer Quirlhaare und den beiden Schulterklappen. Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene. 24. Beiheft 1. 5 QQ Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [66 Meist in reinerem, kaum fließendem oder stehendem Süß- oder Brackwasser bis etwa 0,9 o/o Salzgehalt finden sich also in Wiesen- gräben und Tümpeln, Wa'ssertonnen u. dgl. die Larven (324). In anderen Ländern sind Anopheleslarven noch bei 4 o/o Salzgehalt sowie in starker Sodalösung beobachtet. Kochsalz vertragen sie über 70/0. In größeren Gewässern, Seen und Teichen trifft man sie nicht auf der offenen Fläche, nur an den Ilä,ndem im dichten Kraut, wo die Hauptfeinde, die Fische, nicht liinkommen. Überhaupt scheinen Gewässer mit stark entwickelter höherer Fauna den Larven weniger zu behagen. In dichtem Gras und Klee überschwemmter Wiesen und Grasplätze, an verkrauteten Eändem oder auf grünen Wassemetz- oder Fadenalgenwatten ,von Alt- und Druckwässern, in Fluß- und Bachbetten und Gräben wimmelt es manchmal von ilmen. Auch in Wassertonnen, besonders in solchen, die in den Erd- boden eingelassen sind, in Zierbassins und Zementzisternen findet man die Maculipennislarven gelegentlich so gut wie die Bifurcatus- larven, an diesen Stellen oft mit Culex pipienis zusammen, was sonst nicht die Regel ist. In stark fauligem und jauchigem Wasser, trüben Pfützen und ähnlichen Stellen trifft man die maculipennis kaum. Damit liängt auch wolil das Verschwinden der Larven aus den Hanfröstlöchern in Italien zusammen im Hochsommer, wenn der Hanf eingebracht wird, während sie vorher diese Löcher reich- lich bewohnen. In der Not werden aber auch ziemlich faule Ge- wässer angenommen, in denen die Larven dann manchmal auf ver- schiedenen Entwicklungsstufen zugrunde gehen, wie ich bei Veles beobachtete. Daß Larven sich doch entwickeln können, wenn ihre Brutgewässer später erheblich mit Jauche, Seifenlösung oder ande- ren Abwässern verunreinigt werden, bemerkte Prell. Danach kann man schon erwarten, daß die besten Brutplätze für unsere Ano- pheles im offenen Gelände liegen und daß sie im Innern großer Städte nicht eben häufig sein werden. Doch haben sich auch lange Zeit Bifurcatuslarven in Hamburg- St. Pauli in einem Wasserbassin gefunden, und weitere Beispiele über Vorkommen von Anopheles- larven in großen Städten gibt Galli-Valerio eine ganze Reihe für bifurcatus und maculipennis, auch in Jerusalem (215) ermöglichen ihnen Zisternen ein reichliches Vorkommen, wie überhaupt solche kleinen für den Menschen unentbehrliche Wasseransarmnlungen an sich trockene Landstriche mucken- und fieberreich und malarisch machen können. Die Maculipennislarven sind Tiere der sonnigen Gewässer in offenem Gelände. In Algenwatten fand ich maculi- 671 II- Anopheles. 2. bifurcatus und maculipennis. 67 pennis in Mazedonien in den warmen Monaten an der ungeschützten Wasserfläche in der heiiSesten Sonne, Verhältnisse, in denen ich bifurcatus nie* traf, der offenbar melu' Schatten sucht, vielleicht weil er an niedere Wärmegrade angepaßt ist. Auch bei uns ist bifurcatus eine Form des Halbschattens. Grrassi in Italien und Petit und Fournaire (246) in Frankreich geben für bifurcatus Brunnen und Quellen und kleine Gewässer in Gebüschen, schattigen Parks und an Hecken an. Damit stimmen auch meine Be- obachtungen sowie Funde von Thienemann in holsteinischen und schwedischen Quellen ■ überein. Gelegentlich kommen beidte Arten zusammen vor. Über die Nahrung der Larven vgl. S. 22. Im ganzen gelten die Anopheles mehr für Fleischfresser. Schau- dinn ernährte sie mit zerstückelten Daphnien. Yon dem erheb- lichen Kannibalismus, der von manchen Seiten den Maculipennis- larven nachgesagt wird, habe ich im ganzen sehr wenig bemerkt. 4, Verbreitung. Maculipennis kenne ich bei Danzig aus Westerplatte, Heubude, Brösen sowie aus Schwetz. Da,gegen fand ich bifurcatus bei Schüddelkau, Bankau, Ottomin sehr häufig, also im walddurch- mischten Geestlande. Genau ebenso ist bei Hamburg in den Marschen maculipennis gemein, dort erhielt ich wenig bifurcatus, während in den Walddörfern letzterer stellenweise überwiegt, auch sonst auf der Geest mancherorts gemein ist. Über Württemberg schreibt Prell (252): „Wälirend ich maculipennis im ganzen ab- gesuchten Gebiet gleichmäßig häufig antraf, scheint Anopheles bifurcatus in den höher gelegenen Ortschaften oder in der Nähe des Gebirges häufiger zu sein." Auch für Mazedonien finde ich diesen Unterschied. Dort fand ich Maculipennislarven bis 1300 m, Bifurcatuslarven bis 1500 m Höhe. Wenn hiernach die Wohngebiete beider Arten etwas abweichen, so überdecken sie sich doch vielfach und es sind noch weitere Untersuchungen nötig. Besonders sind wir über das Vorkommen von bifurcatus in Deutschland noch ganz ungenügend unterrichtet. Die Höhe über dem Meere an sicli] dürfte keine Schranke für das Vorkommen der Anophelen sein,, sofern nicht Klima und Boden- beschaffenheit der betreffenden Höhenlagen ihnen ungünstig sind. In den Tropen gehen Anophelen noch bis über 3000 Meter Höhe. Maculipennis ist über ganz Europa, Kleinasien, Palästina, 5* 68 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [68 Nordafrika verbreitet. Ob die amerikanische Art quadrimaculatus mit der europäischen Form gleich ist, kann wohl noch nicht be- stimmt entschieden werden (159, 166, 92a, 97, 22^, 229). Bifurcatus findet sich in ganz Europa und Palästina. Über die Verbreitung von maculipennis in Deutschland liegen allerlei lokale Untersuchungen vor (30a, 43, 55, 181, 240, 248, 298, 310, 311, 318). In allen umliegenden Ländern kommt Anopheles vor, und es scheint, daß die Tiere, wo man nach ihnen gesucht hat, auch in Deutschland überall gefunden sind, häufig im Elsaß, Thüringen, Westpreußen, Ostpreußen, bei Bonn, Halle, Emden, Hamburg, Danzig. Sie dürften also in Deutschland kaum in einem größeren Gebiet fehlen. Prell hat Anopheles neuerdings auch in Württemberg fast überall gefunden. „Sowohl auf den Höhen des württembergischen Schwarzwaldes, wie vor allem auf der wasser- armen Hochfläche der Alb und außerdem wohl noch in einigen weiteren weniger umfangreichen Gebieten scheint Anopheles gegen- wärtig noch ganz zu fehlen oder erst sporadisch eingedrungen zu seini)." Wenn Glaser Anopheles in der ganzen badischen Khein- ebene nachweisen konnte, so bezieht sich das auch wohl in erster Linie auf maculipennis. Ich selbst fand diese Mücke in Polen überall, wo ich auf sie achtete, bei Lowitz z. B. recht häufig. Ferner beobachtete ich sie in Siebenbürgen (in Mühlbach und Yardot-Falva, in Mühlba.ch auch bifarcatus), an mehreren Plätzen im Banat. In Serbien und Mazedonien ist sie fast überall gemein, fehlt nur auf den größten Höhen. In Deutschland habe ich sie gefunden bei Danzig, Schwetz, Rostock, Warnemünde, Gr.-Müritz, Malchow, Schwerin i. M., Lübeck, Hamburger Umgebung überall, Stade, Cuxhaven und an vielen anderen Orten 2). Bifurcatus habe ich aus dem Kreis Danziger Höhe, bei Har- burg und vielen Geestorten im Westen, Norden und Nordosten und Osten von Hamburg und einigen Stellen der Marsch. Er kommt ^) Wenn wir die bisherigen Angaben über das Vorkommen der Anophelen in Deutschland ansehen, fällt sofort auf, daß die größte Zahl derselben sich auf größere Städte bezieht. Natürlich. Denn in ihrer großen Einwohnerzahl wird sich eher ein Schniu-rpfeiffer finden, der aus dem Mückenfang eine ernste Aufgabe macht. Die bisher vorliegende Karte der Anophelen Deutschlands gibt also kein Bild vom Vorkommen der Wechselfiebermücken, sondern vom Vorkommen ihrer Sammler. -) Wahrend der Drucklegung sind mir noch so viele Orte mit Anopheles in Nordwestdeutschland bekannt geworden, daß ich auf meine ausführliche Mit- teilung hierüber verweisen muß. 69] li- Anopheles. Wechselfieber. 69 ferner vor in der Ploener Gegend (Thienemann), in Mecklenburg (bei Zarrentin, Friese), in Thüringen (bei Königsee, Nöller); bei Königsberg (Czwalina), im ElsaJo (Eckstein ii. a.), in \A'ürt.tem- berg (Prell), bei München (Eckstein) usw. Und trotz dieser Verbreitung der Mücke über annähernd ganz Deutschland ist das Vorkommen der Malaria in unserer Heimat so beschränkt ? (269) Das ist erst seit der Mitte des vorigen Jahr- hunderts so geworden. B. Das Wechselfieber ^). Verbreitung der Malaria in Deutschland. Zurzeit soll das Wechselfieber bei uns in einzelnen Moosen Süddeutschlands vorkommen, ferner weitverbreitet in den Nordsee- marschen (anschließend an das holländische Malariagebiet, aber nicht von dort eingeschleppt) (127, 208, 248,. 342). Epidemisches Aufflackern 1901/02 in der Gegend von Wilhelmshaven (214). In der Emdener Gegend herrscht Malaria noch sehr stark. Weyde- mann gibt aus seiner Praxis im Jeverlande folgende Zahlen: 1898:4, 1899:7, 1900:9, 1901:98, 1902:68, 1903:. 35, 1904:20, 1905:14. 1907 fand Mühlens (209) bei Wilhehiishaven 112 Per- sonen als Träger der Wechselfieberkeime (188 — 190), 1908/09 noch 51. Auch die Weichselniederung ist noch nicht frei, in Thorn (28) kamen zahlreiche, in Danzig einzelne Fälle zur Beobachtung ; sonst finden sich noch Herde in Ostpreußen, Schlesien und verstreut im übrigen Deutschland. Demgegenüber hatte in der ersten Hälfte, ja noch Mitte vorigen Jahrhunderts die Malaria viel größere Be- deutung und Verbreitung. Germersheim und Frankenthal i. d. Pfalz hatten noch je bis- 200 Fälle jährlich, in Thüringen (126) war z. B. das Unstruttal schwer verseucht. Wechselfieberfälle kamen von 1832 — 1865 in Leipzig 5500 vor (318). Wilhelmshaven er- lebte in seinem ersten Jahrzehnt, 1860 — 1869, über 191/2 Tausend Malariafälle. Ursachen des Verlaufes der Epidemie. Interessant sind die Verteilungen der Malaria über das Jahr. Die mittelitalienische Malaria hat ihren Höhepunkt Ende August, im Frühjahr nur einen zweiten ganz flachen Gipfel. Nur einzelne ') Hierzu Nr. 3, 21, 23, 25, 31, 92, 122, 123, 124, 125, 148, 149, 152, 161, 162, 180, 182, 183, 187—190, 196, 196 a, 206, 215. 224, 225, 229, 253, 265, 272, 294, 299, 334, 343. 70 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [70 deutsche Kurven entsprechen den mittelitalienischen. In mehreren kommt als Hauptzeit das Frühjahr in Betracht. Das war schwer mit der Yorkommenszeit der Anopheles zusammenzureimen (187), die ja gegen den Altweibersommer an Zahl zunehmen. Man hat als Erklärung für diese Tatsache gegeben, da>ß die Mücken sich vielleicht im Herbst anstecken und im Frühjahr, wenn sie aus dem Winterschlaf erwacht sind, die Neuansteckungen hervor- rufen. Dem widerspricht die Beobachtung (205, 270), daß die Sichel- keime in der Drüse den Winter nicht überdauern können. Es erscheint das vielleicht wunderbar, aber wir müssen wohl be- denken, daß diese Keime doch wahrscheinKch in der Speichel- drüse keine Nahrung aufnelmien und es sich hier also um analoge Verhältnisse handelt wie bei dem Sperma in Scheide und Uterus: Vermehrungskörper, die an ihren Warteplatz gelangt sind und sich dabei selbstverständlich in einem ihnen äußerst zusagenden Medium befinden. Trotzdem hat es große Verwunderung hervorgerufen, daß das Sperma sich im Weibchen der Fledermäuse durch den ganzen Winter befruchtungstüchtig hält. Ein ähnliches Vorhalten würde vorliegen, wenn die Sichelkeime sich vom Herbst bis in das nächste Frühjahr virulent halten würden, d. h. fällig bleiben würden, die Krankheit zu erzeugen. Nach einer neuen Arbeit von Sergent werden die Keime des verwandten Proteosoma praecox durch längere Einwirkung von Temperaturen von 12° vernichtet und die Mücken keimfrei. Ob nun Kälte oder Zeit die Plasmodien erledigt, ob unab- weislich oder ob unter günstigen Bedingungen atich einmal ein anderer Fall vorkommen kann, wir können die merkwürdige deut- sche Epidemiologie nicht durch überwinterte Sichelkeime erklären. Früher neigte ich einmal der Meinung zu, daß vielleicht der Lebenslauf von maculipennis und bifurcatus in ihrem Gegensatze die Aufgabe lösen könnte, da bifurcatus ja in der Tat eine Früh- anopheles ist und nach Grassi für Wechselfieberkeime empfäng- licher als maculipennis, aber auch bei ihm nimmt die Stückzahl, wie wohl bei jedem Tier, das unter den Unbilden des Winters zu leiden hat, gegen den Herbst stark zu, auch kommt die Art wohl zu wenig in die Wohnungen der Menschen, um wirkHch gefährlich zu werden. So ergibt sich ein Hinweis darauf, die Erklärung nicht in den Mücken, sondern in einer Eigentümlichkeit der Krankheit zu suchen und trotzdem an der Auffassung festzuhalten, daß auch 71] II. Anopheles. Wechselfieber. 71 bei uns die Mehrzahl der Ansteckungen in der Zeit der größten Mückenhäufigkeit, im Hochsommer, zustande komme. Beachtlich ist aber noch heute die Koch sehe Lehre, daß das künstliche warme Klima unserer Wohnungen die Anopheles im Frühjahr anlocke und die Ursache für den Beginn der Epidemie abgebe. Damit stehen die Notizen bei Theobald über den Fang von Maculipennis Weibchen beim Stechen nach Burton in gutem Einklang : 1. Januar \ 17. Februar p^b^^"™ter^d- 19. „ nachts im Zimmer stechend. 21 ] _' ,^.." ram Fenster. 3. März J 15. 16. 23. 29. 15 3. April nachts stechend im Zimmer. 6. „ 10. ,, 10 Uhr vormittags 1 , , r stechend im Zimmer. 19. „ 12 „ mittags j 27. „ im Sandsteinbruch. f im Zimmer bei Taee stechend. 15. „ j Juni bis Oktober nicht beobachtet. ^ " \ überwinternd. Dez. ) Auch eine eigene Beobachtung spricht dafür, daß maculipennis im ersten Frühjahr in den Zimmern besonders häufig und lästig ist. Genaue weitere Statistiken dieser Art an geeigneten Orten wären dringend erforderlich. Vielleicht nicht unwichtig in dieser Hinsicht ist auch, daß das Vieh in vielen Gegenden Deutschlands noch mit den Menschen unter einem Dache lebt. So ist es auch in den Eibmarschen, und wenn dann am 1. Mai das Vieh auf die Weide kommt, bleiben die Anopheles mit den Menschen allein zurück und leben noch bis Mitte Juni. Wenn wir daher in der Häufigkeit der Anophelesstiche beim Menschen einen Grund für die Besonderheit der deutschen Epi- 72 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [72 demieni) sehen können, so wird dadurch die Mitbeteiligung der oben besprochenen Eigentümlichkeiten der Krankheit natürlich nicht be- stritten. Ursachen des Rückg-anges. Die Ursache des Rückganges der Malaria sehen manche in der Verbreitung des Chinins, und daß dasselbe auch wirksam ist, wird kaum jemand bezweifeln, andere sehen den Hauptgrund in dem Schwinden der Anophelen, das besonders durch unsere Pliißregu- liermigen imd Entwässerungen und die Austrocknung der Brut- plätze als Folge davon bedingt sei. So werden auch die Wilhelms- havener Epidemien auf das Entstehen von Brutplätzen durch die in denselben Jahren vorgenommenen Erdarbeiten zurückgeführt. Besonders Pfeiffer hat sich gegen letztere Meinung ausgesprochen und gezeigt, wie weit verbreitet Anopheles noch sind und daß sie z. B. am Rhein trotz der Entwässerungsanlag-en noch gefunden werden, und andererseits konnte M. in den Lachen bei den Erd- arbeiten in Wilhelmshaven keine Larven finden'. Nun, solche Lachen sind in der Tat überhaupt keine Anophelesbrutplätze, und auch ich glaube, daß die beste Regulierung niemals jeden Brut- platz vernichten wird. Aber nicht ob, sondern wie häufig Ano- pheles vorkonunen, dürfte das Wesentliche sein. Wichtigkeit der großen Zahlen. Nicht jeder Anopheles wird einen Menschen stechen oder gar zwei (sie sind ja z. T. Yiehmücken), und das ist doch das wenigste. Dazu müssen wenigstens 10 — 12 Tage zwischen Aufnahme mid Abgabe der Keime liegen. Man muß sich das einmal ausdenken, um zu sehen, wie unwahrscheinlich bei geringer Anopheleszahl und "wenig Parasitenträgern die Sache wird (269). Nun steckt sich trotz Gelegenlieit nicht einmal jeide Mücke an, bei maculipennis nur etwa jede dritte, unter besonders günstigen Bedingungen jede zweite. Ob dabei, wie Schaudinn annimmt, eine Immunität mancher maculipennis gegen Malaria mitspricht, ist durchaus frag- lich. Schaudinn fand in St. Leme in den Malariahäusern selbst nur 5 — 160/0 der Anopheles infiziert, und der Durchschnitt der Anophelen in einem so ungeheuer malariareichen Lande Avie Maze- donien ergab sich den französischen Forschern nur zu 2 o/o, und ^) Für die "Wilhelmshavener Epidemie der 60er Jahre hat Martini gezeigt, daß die primitiven Wohnungen der Arbeiter kein künstliches warmes Klima er- zeugten. 73] li- A.nopheles. W'echselfieber. 73 auch das sclieint noch hoch. Bifurcatus soll nach Grass i emp- fänglicher füi' Malaria sein als maculipennis. Wenn also Para- sitenträger nicht zahlreich unid arm an Keimen, wird schon eine große Anophelenzahl nötig, um das Wechselfieber in Blüte zu halten. Diese Mückenzahl genügt zurzeit anscheinend niclit mehr in den meisten Gegenden Deutschlands, wenn die Tiere auch noch ,, überall häufig" sind. Hierfür läJßt sich auch Panama anführen. Denn obwohl dort die Mückenbekämpfung großartig durchgeführt ist, finden sich immer wieder Anopheiesmücken in den Häusern. Und doch geht die Malaria zurück. Auch eine Beobachtung bei Danzig spricht dafür. Ende Winters 1916/17 fand ich in der sogenannten Dorfbatterie bei Brösen in den ge- wölbten Gäng;en sehr reichlich maculipennis nur an Stellen, die nicht zugig. Wo es durch zerbrochene Fenster in den Gewölben zog, waren keine Mücken, vielmehr nur in einer Zone mittlerer Hellig- keit, nicht so sehr ganz im Dunkeln, nicht am Licht. Die übrigen Batterien bei Brösen enthielten z. T. reichlich Mücken, aber keine Anopheles. Das Gelände um die Dorfbatterie, der Sasper See, ver- schilft, und die gefällosen, mit ihm in Zusammenhang stehenden Gräben gaben wohl günstige Brutplätze. In der Dorfbatterie war im Sommer 1916 eine frische Malariaerkrankung vorgekommen. Etwas später fand ich, Anfang April, in den Rämnen der Train- kaserne in Kellern und einem Bodenraum mehrere Anopheles. Nur wenige Räume sind angesehen, da dies schon bewies, daß das unmittelbar danebengelegene Seuchenlazarett Hochstrieß ein schlechter Aufenthalt für Malariakranke sei. Dennoch sind im Sommer vorher verschiedene Malarien dort gewesen, ohne Über- tragung, was wieder bewies, daß eine Schwalbe noch lange keinen Sommer macht und eine kleine Zahl Anopheles noch lange keine Malariaepidemie. Hier dürften die Pferde geradezu für unsere Viehmücken als Blitzableiter gedient haben. Wichtigkeit guter Landwirtschaft. Nicht nur die großen Regulierimgen, sondern vor allem auch die Dränierungen dürften den Anopheles die Brutstätten nehmen. Der ganze Hochstand unserer Landwirtschaft und die Ausnützung unseres Bodens ist ihr Feind. Ganz allgemein hört man in unseren Marschen zwischen Elbe und Weser, daß sich die älteren Leute noch gut der malariareichen Zeit entsinnen, die Malaria noch selbst gehabt haben oder wissen, daß die älteren sie hatten. Mit der Ent- 74 Dl". E. Martini. Über Stechmücken. [74 Wässerung der Marsch ist dann die Malaria zurückgegangen und war vor dem Kriege im Aussterben. In den Orten, wo die Ent- wässerung erst später gründlich durchgeführt ist, hat sich die- Malaria auch am längsten gehalten. Wo große Erdarbeiten ent- stehen, werden aber Wasserläufe verlegt, es entstehen geringe Stauungen und Wiesenüberschwemmungen, oft nur von Quadrat- metern stehenden Wassers, und das sind die Brutplätze. Malaria in Abhängigkeit von geschichtlichen Vorgängen. Immerhin sind uns die Gründe noch keineswegs genügend klar, warum in einzelnen Gegenden die Malaria jahrelang zurückgeht, hier und da aber auch durch eine Reihe von Jahren wieder ansteigt. Daß die klimatischen Schwankungen größerer Perioden hier teils mittelbar, indem sie die Mückenvermehrmig begünstigen, teils unmittelbar, indem sie den Plasmodien eine raschere Entwicklung erlauben, von sehr erheblichem Einfluß sein können, ist wohl als sicher anzunehmen. Und ebenso spielen die Wohnungsverhältnisse, d. h. Wohlstand, Kultur und Gewohnheiten der Menschen sicher eine große Rolle mit. Jones weist darauf hin, .wie leicht bei ungenügender Sorgfalt die Erfolge der Dränage verloren gehen und Felder und Wiesen wieder naß werden. So zeigt er, daß mit dem Niedergang der Landwirtschaft in Attika nach dem Peloponnesischen Krieg die Fieber überhandnahmen und schädigend auf das ganze Volk wirkten. Ähnlich soll der Einfluß der Punischen Kriege auf Latium gewesen sein. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg beobachtete man in den Südstaaten die (gleiche Erscheinung. Auch die Zunahme der Malaria in letzter Zeit in Mazedonien läßt sich vielleicht auf einen Niedergang der Bodenkultur durch die andauernden Wirren und Kriege beziehen. Bei uns hat im Kriege natürlich die Landwirt- schaft auch nicht so sauber sein können wie bisher, aber bei der mäßigen Zahl der Keimträger, die während des Krieges zurück- gekommen sind, dürften 1918 keine großen Gefahren bestanden haben. Doch muß dieser Zusammenhang wohl im Auge behalten werden. Kriegsmalaria. Nach dem Kriege kehrte immerhin jetzt mit den Truppen vom Balkan und aus Asien eine sehr große Anzahl von Leuten in die Heimat zurück, die Malaria gehabt haben, und von ihnen ist ein beträchtlicher Teil noch nicht von den Parasiten befreit. 751 11. Anopheles. Wecbselfieber. 75 teils noch der Behandlung bedürftig, teils dem bürgerliehen Leben schon zurückgegeben. Daß von ihnen die Malaria ausgehen kann, hat schon eine Anzahl Fälle gezeigt. Eine Zusammenstellung für derartige Erkrankungen 1917 ergibt für England 178, für Frankreich 258. Bei der lichtscheuen Haltung unserer entsprer chendon Stellen sind Vergleichszahlen für Deutschland noch nicht reröffentlicht (291). Jedenfalls beweisen die in Deutschland bereits in Anschluß an die Kriegsmalaria vorgekommenen Übertragungen, daß noch heute eine solche bei uns möglich ist, ganz abgesehen davon, daß eben in Deutscliland im Osten wie im Westen noch Herde einheimischer Malaria vorkommen, von denen der Emdener allein 1918 noch um 5000 Fälle ,geiz6itigt hat. Bei der Anhäng- lichkeit der Anophelen an die einmal aufgesuchten Räume sind dabei natürlich in erster Linie die nächsten Augehörigen der alten Malariker gefährdet. Die zurzeit betriebenen Untersuchungen über die Verbreitung von Anopheles in Deutschland sind daher sehr wertvoll, wenn sich auch kaum viele sicher anophelesfreie Gegenden finden dürften. Nach allem, was wir wissen, müssen wir für die Praxis als Grund- satz aufstellen: Es ist anzunehmen, daß Anopheles in einer Gegend vorkommt, ehe nicht durch sorgfältige Untersuchung das Gegen- teil über dieselben nachgewiesen ist. Zweifellos ist es zweckmäßig, Genesungsheime für malariakranke Krieger in der Heimat in mög- lichst anophelesarme Gegend "zu legen. Der Gedanke jedoch, daß man alle Kriegsmalarien in anophelesfreier Umgebung (97) aus- heilen will, so verlockend er ist, rechnete wohl nicht dainit, daß die chronische Malaria äußerst hartnäckig ist und man nicht viele Menschen ihrem bürgerlichen Beruf so lange wird entziehen können, bis sichere Heilung und Beseitigung der Ansteckungsfähigkeit er- reicht ist. Wichtig wäre, durch quantitative Fänge Kenntnis von der Häufigkeit der Wechselfiebermücken an verschiedenen Plätzen und bei bedrohlicher Zunahme rechtzeitige Warnung zu erhalten. Soll- ten von unseren Kriegern ausgehende Ansteckungen, die bisher anscheinend nur vereinzelt aufgetreten sind, es dann wünschenswert machen, so besitzen wir Mittel genug, die Zahl der Mücken erheb- einzuschränken. Einheimisch ist bei uns nur che Tertiana, und die Mehrzahl der Ansteckungen von Kriegern aus dem Felde ist auch Tertiana, auch die aus den Argonnen und dem Oberelsaß französischerseits 76 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [76 berichteten Epidemien. Immerhin sind aber sowohl in Frankreich wie bei uns einige Tropikafälle entstanden, von denen man an- nehmen kann, dai3 sie einer Übertragung in Mitteleuropa ihren Ursprung verdanken. Es scheint danach, daß zwar hin und meder die Verhältnisse zur Tropikaüber tragung auch bei uns gegeben sein können, was man theoretisch schon vorher annehmen mußte, da die Wärme im deutschen Sommer sehr wohl den durch Versuche festgestellten Ansprüchen des Tropikaparasiten zur Entwicklung in der Mücke genügt. Warum solche Übertragungen nicht häufiger sind, ist umgekehrt sehi- schwer zu sagen, doch kann sich zurzeit erfahrungsgemäiß die Tropika in Mitteleuropa nicht halten. Quartana (210) kommt dagegen in Deutschland vor, ist jedoch hier, wie fast überall, weit seltener als die Tertiana. Sie bildet gern einzelne Herde, und ihre Epidemiologie ist noch recht wenig aufgeklärt. Nach allem Gesagten ist die Frage, ob Tertiana sich wieder bei uns einnisten und Deutschland in absehbarer Zeit wieder mit 'Seuchen überziehen wird oder ob sich die Folge der Einschleppung auf einige für die Gesamtheit unbedeutende Ansteckungen ein- schränken wird, eine Frage der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte, und so verschwindet die Malariafrage wie die Fleckfieberfrag-e in dem Knäuel der innerpolitischen und wirtschaftlichen Fragen, in dem jetzt die Schicksalsfäden zu Massensterben und Ruin oder allmählichem mühsamien Wiederanstieg unerkennbar verschlimgen sind. Der Süden Europas ist noch immer reich an Malaria gewesen, ob schon von vorgeschichtlicher Zeit her, darüber sind die Mei- nungen geteilt. Manche möchten ihre Einschleppung nach Europa oder wenigstens ihre Überhandnähme erst in bestimmten geschicht- lichen Zeitläuften annehmen. Vielleicht gilt hier auch für die tropische Form nicht dasselbe wie für unsere Tertiana. Ehe wir auf die südeuropäischen Malariamücken eingehen, sei noch folgende Entscheidung in Versicherungssachen angeführt : Der Stich einer die Malaria übertragenden Anophelesmücke, den ein von seinem Arbeitgeber im Betriebsinteresse ins Ausland entsandter versicherungspflichtiger Arbeiter erhält, ist ein Betriebsunfall, ob der Verletzte den Stich bei der Betriebsarbeit oder außerhalb dieser empfängt. 77] II. Anopheles. südeuropäische Arten. 77 Da nach dem Stande der Wissenschaft die Malaria lediglieh durch Stich einer Anophelesmücke oder mehrerer solcher Mücken erworben wird, so stellt si(3 regelmäßig einen Unfall im Sinne des Gesetzes dar. Wird nun jemand im Betriebsinterosse in eine von Malaria verseuchte Gegend geschickt, so ist der Zusammenhang mit dem Betriebe aufrechterhalten, gleichviel bei welcher Gelegenheit während des betreffenden Zeitraumes der Mückenstich erfolgt. C. Die südeuropäischen Anopheles. 1. Anopheles palestineusis Th. 1903 (Taf. I, Fig. 8, Taf. III, Fig. 23, 3) = nursei Theob. 1907 = Carda- matisi Newstead & Carter 1907 = superpictus (var. macedoniensis Cot & Hovasse et auct.) = Sergenti Theob. 1907. Beschi-eibung. Kopf mit breitem Fleck von weißen Gabel- und Siclielschuppen, der zwischen den Augen vori'agt, und schwarzen Gabelschuppen. Rüssel braun. Taster braun mit blassem Eand am Gelenk zwischen 2. imd 3. und zwischen 3. und 4. Glied, sowie weißlicher Spitze. Fühler braun, die unteren Glieder mit grauen Schuppen. Mittelrücken mit grauer breiter Bahn in der Mitte und dunkelbraunen Seiten. Der blasse Mittelstreifen vorn wieder mit dunklerer Linie in der Mitte, daneben Spuren von zwei anderen und hinten eine Spur einer zweiten mittleren dunkleren Linie, bekleidet mit kleinen weißgrauen Sichelschuppen. Schildchen blaß mit schmalen Sichelschuppen. Brustseite braun, grau schillernd. Hinterleib dunkel- braun, etwas lichter gezeichnet mit goldenen Härchen. Hüften grau. Beine: Schenkel braun. Schienen ebenso, blasse Stellen an der Verbindung von Schenkel und Schiene und Schiene und Fuß. Füße braun. Flügel mit dunkeln und hellen Schuppen gefleckt. Am Rande mit 5 — 6 dunkeln Flecken, von denen die beiden am Grunde auf die Vorderrandader beschränkt zu sein pflegen, einen oder zwei Flecken bildend. Die vier anderen großen Flecke beziehen noch die erste, der Fleck an der Spitze sogar noch den oberen Rand der zweiten Ader mit ein. Taf. II, Fig. 23. Schwinger mit blassem Stamm und dunkelm Knopfe. Größe 4 — 5 mm. Lebensweise. Palestineusis ist offenbar für Südeuropa als Malaria Überträger mindestens ebenso wichtig wie niaculiponiiis. Auf seine Bedeu- tung weist schon Cardamatis hin. Die Art durchwintert ebenfalls als befruchtetes Weibchen. Jugendzuiitände. Über die Eier ist mir nichts bekannt, doch wird das von Grassi über die Eier von superpictus Gesagte (S. 81) auch wohl für palestineusis gelten. Die Larven sind denen von bifurcatus sehr ähnlich, von denen sie sich dadurch unterscheiden, daß von den großen subventralen Haaren der Mittelbrust 78 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [78 eines kurz bewimpert ist. Ebenso ist das mittlere Stirnhaar nicht ganz einfach wie meist bei bifurcatus, sondern schwach gefiedert, und das Seitenhaar des 4. Hinterleibsringels ist nicht nur an der Basis geteilt (in der Regel dreiteilig) wie bei bifurcatus, sondern einer der drei Teile tritt ganz wenig als Hauptstrahl hervor und ist meist selbst wieder geteilt, mit zwei Nebenstrahlen versehen, Taf. II, Fig. 31. Lebensweise der Larve. Die Larve stellt offenbar an Frische imd Reinheit des Wassers noch höhere Anforderungen als maculipennis. Sie findet sich gern in kleinen Bächen und Druckwassern entweder an Stellen am Rande Fig. 22. Typischer Palestinensisbrutplatz in einer Stadt (Athen) nach Cardamatis. (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 15.) oder hinter Steinen, wo die schwache Strömung sie nicht behelligt, oder in den größeren runden Becken, welche im Granitgestein die steil herabkommenden Schluchtbäche sich auswaschen. In den schieferigen und lelnnigen Böden, wo der Strom in den Schluchten die größte Strecke unter der Oberfläche geht und nur an einzelnen Stellen in kleinen Wasserlachen oder kurzen, kaum rieselnden Fäden zutage tritt, hat sie ganz besonders behebte Brutstellen, die man manchmal nur finden kann, wenn man die ganzen, oft viel gewundenen Sclüuchten um den zu untersuchenden Ort sorgfältig abgeht. Die Äußerung der Einwoliner, daß in einer solchen 79] U- Anopheles, südeuropäische Arten. 79 Sclilucht kein Wasser sei, betrifft dergleichen Stellen nicht und sagt dem Malariaforscher nicht, was er wissen miiß. Auch in Buchten fließender Gewässer und im Stromschatten von Steinen trifft man sie bis in die Ortschaften liinein ^(20). Der gröi3te Feind dieser Art scheint der Regen zu sein, der sie oft quantitativ aus ihren Brutgewässem auswäscht. Dann findet man bald nach dem Regen in dem Schluchtbache keine oder nur wenige ganz junge Larven. Im untersten Teil, kurz ehe der Bach im Sande der Talerweiterung versiegt, sind sie reichlich, zum Teil in stark fließenden Stellen, wo sie eine namhafte Schwimmkraft an den Tag legen, um sich gegen die Strömung zu behaupten. Aber am übernächsten Tag ist doch die ganze Stelle samt Mückenlarven aufgetrocknet, und der Bach versiegt schon viel weiter oberhalb. In eigentlichem fließendem "Wasser habe ich nur solche durch Regen verunglückte Stücke getroffen. Auch Druckwasser in den weiteren Bachtälern nehmen diese Mücken gern an, und so findet man sie nicht nur in den Orten an den Berghängen, sondern auch in weiteren Tälern. Gegen plötz- liche Beschattung sind sie mindestens ebenso empfindlich wie bif ar- catus. Die Weibchen fliegen oft ziemlich weit von ihren Brut- gewässern am Berghang in die Talsohle hinaus, in die menschlichen Niederlassungen. Infolge ilirer Abhängigkeit vom Wetter kommt die Art in den Frühjahrsmonaten nicht recht auf. Erst wenn im JuH der Regen im Süden fast ganz aufhört und dann die Strömung in den Gebirgsbächen schwächer wird, die Schluchtbäche Pfützen bilden und die Talbäche sich in dünne, stark verkrautete und veralgfce Ärmchen und Druckwässer auflösien, kommt die Zeit, wo palesti- nensis blüht. Zeit des Yorkommens. So tritt palestinensis gegen den Sommer in den mehr ge- birgigen Teilen immer stärker ,in den Vordergrund, während maculi- pennis zurückgeht, und allmählich überwiegt sie. Für die Neu- ansteckungen des Spätsommers ist also auf großen Strecken, so z. B. in den größten Teilen unserer Balkanfront und nach der Karte in den meisten Gegenden Griechenlands, diese Art verant- wortlich. Daraus geht hervor, daß die Malaria tropica, die ja erst von Ende Juli an Bedeutung gewinnt, in großen Gebieten fast ganz auf diese Mücke angewiesen ist, die dann im Au;gust 90 o/o oder mehr der vorhandenen Anophelen ausmachen kann (sie wird viel 80 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [80 weniger gut gefunden als der dunkle große niaculipennis). Ob die Tropika aui^erdem noch in dieser Mücke besonders gut ge- deiht, ist nicht erwiesen. Auch die Larven werden natürlich gegen. den Herbst immer zalih-eicher. Lacaze hat solche noch miter dem Eise gefunden. Verbreituuig und Vorkommen. Diese Art bewohnt Palästina, Zypern, die Balkanhalbinsel, wo sie überall sehr gemein ist, sowie Nordafrika. In Italien wird sie vertreten durch den sehr ähnlichen Anopheles superpictus. Die nördliche G-renze der Art ist wohl nicht genau bekannt. Bei Üsküb ist sie nicht mehr annähernd so häufig wie bei Velos und weiter südlich. Doch fand ich sie noch bis Kumanowo hin. Sie mag wohl noch weiter nördlich vorkommen. Es ist merkwürdig, daß hier das geographische Vorkommen dieser Mücke ziemlich genau mit dem der Tropenfieber zusammentrifft, so genau wie das Jahreszeitliche. Was die Höhe betrifft, so reicht sie am Vardar bis ungefäJir 700 bis 800 Meter in den Nebentälern. Auch in der Gegend der oberen Crna habe ich sie bis 600 gegen 700 Meter gefunden, also nicht annähernd so hoch als den niaculipennis. Gegen Albanien zu, in der warmen Ochridagegend, scheint sie etwas höher, Ins über 800 Meter hinauf zu gehen. Es ist mir hier aufgefallen, daß auch in der Gregend zwischen Crna und Vardar die Tropenfieber an- scheinend nicht höher hinauf Ansteckungen machten, als diese Mücken gingen. Ein vielfacher Gesellschafter von palestinensis ist noch Culex hortensis, später aber vor allem Culex mimeticus, der nur in diesen ruhigen Plätzen frischer," stark fließender Gewässer vorzu- kommen scheint, die ja für unsere Art auch einen bevorzugten Platz abgeben. 2. A. superpictus Grassi 1900^). Kopf in der Mitte mit einem weißen Tuff Schuppen. Rüssel braun mit blasser Spitze. Taster braun mit 3 weißen Bändern an den Gelenken 2, 3, 4, von denen das letzte oft das ganze Endglied einbezieht, manchmal bleibt jedoch dessen Mitte dunkel. Fühler hellbraun, Mittelrücken braun, deutlicher braun an den Seiten, in der Mitte mit weißen Schuppen. Hinterleib Grundfarbe gelbbraun mit deutlichen dunkeln Enden der Ringel. Beine: Schenkel, Schienen und Füße bi-aun. Die Fußglieder an den Gelenken mit weißlichen Flecken, selten mit feinem weißen Ring. Flügel mit dunkeln und weißen Schuppenflecken auf allen Adern. ^) Angaben nur auf Grund der Literatur. 811 n. Anopheles, südeuropäische Arten. 81 Die dunkeln Schuppen bilden an der Randader 4 große Flecken, welche bis zui- 1. Ader, der vor der Flügelspitze bis auf den vorderen Ast der 2. Ader über- greifen. Dazu kommen am Grunde noch 1—2 kleine Fleckchen, die nur auf der ßandader stehen. Größe 5 mm. Beim Männchen sind die Taster nur am 3. Ge- lenk und an der Spitze weiß. Über die Eier dieser Art entnehmen wir Grassi 1901, daß sie kleiner sind als die von maculipennis und kleine Luftkammern haben; auch sie ruhen an der "Wasseroberfläche und sind ungefähr angeordnet wie die von maculipennis. Nach der Angabe der italienischen Forscher, daß diese Art ebenfalls mit Culex mimeticus zusammen vorkommen soll, und bei der großen Ähnlichkeit der Arten, die snperpictus als den westlichen Vertreter von palestinensis erscheinen läßt, ist anzu- nehmen, daß bezüglich der Brutplätze und ihrer Bedeutung für die Malaria diese Art sich genau so verhält wie palestinensis. Die Art ist in Italien und Afrika gefunden. Sie Avird von Ende Juni ab häufiger und hat ihren Höhepunkt im September, sie bewohnt Hügelland oder den Fuß der Berge, in all diesen Funkten der vorigen Art gleichend, wurde jedoch bei Ravenna auch an der Küste beobachtet (d'Ormea). 3. A. hispaniola Theob. 1903 = myzomyifacies Theob. (50)^). Kopf in der Mitte mit kleinem Fleck 'weißgrauer Gabelschuppen, die zwischen den Augen vorragen, sonst mit braunen Gabelschuppen bedeckt. Eüssel dunkel- braun mit blasserer Spitze. Taster braun mit weißen Bändern an den Gelenken. Fühler braim. Mittelrücken in der Mitte gimi, an den Seiten sattbraun. Auf jeder Seite ein tiefer dunkler Fleck. Bekleidung mit kleinen Haarschuppen. Schildchen blasser mit braunen Randborsten. Hinterleib auf der Oberseite dunkel- braun. Unterseite etwas heller. Beine : Schenkel und Schienen dunkelbraun mit blassem Endfleck. Füße braun ohne weiße Ringel. Flügel mit weißen und dunkeln Schuppen. 5 Randflecke, von denen die ersteren größer von der Rand- ader bis auf die 1. Ader, der an der Flügelspitze auch auf den oberen Rand der 2. Ader greifen, der letzte auf die 1. Ader beschränkt ist. Schwinger mit blassem Stamm und dunkelm Knopf. Beim Männchen sind die Fühler grau und schwarz geringelt mit brauner Behaarung, die Taster braun mit weißen Flecken an den Enden der Endglieder. Größe 5 mm. Über die Lebensweise der Art ist wenig bekannt. Sie scheint snperpictus und palestinensis sehr nahezustehen, einen ausreichen- den Unterschied von letzteren kann mau aus der Beschreibung kaum entnehmen. Sie ist bisher aus Teneriffa, Spanien, Afrika bekannt. ^) Angaben nur auf Grund der Literatur. Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene. 24. Beiheft 1. 82 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [82 4. A. sinensis Wied 1828 (Taf. III, Fig. 25) = pictus Loew 1845 = pseudopictus Grassi 1900 = jesoensis Tsutsuki 1902. Beschreibung. Kopf in der Mitte vorn mit einem Flecken weißlicher Schuppen, die bis zwischen die Angen vorspringen. An den Seiten und hinten mit dunkeln Gabel- schuppen, die graugelbiich Widerscheinen, ein Widerschein, der gegen die Augen hin weißlicher erscheint. (Ansicht von oben.) Gegen die Augen Haut mit weißem Schiller, einen fast weißen Augenrand bildend. Rüssel schwarzbraun mit lichterer Spitze. Taster dunkelbraun, das vorletzte Ghed mit weißem Schuppenfleck am Grunde, ebenso das drittletzte, das letzte bis auf braunen Fleck ganz weiß. Fühler schwarzbraun mit schwarzen Haaren, weißlichem Flaum und einigen weißen Schuppchen. Mittelrücken schwarzbraun mit grauem "Widerschein, der nicht so deutlich auf die Mitte beschränkt ist wie bei unseren heimischen Arten. Feine goldene Haarschuppen und golden glänzende schwarze Haare. Schildchen grau mit goldenen Haarschuppen, ßrustseite schwarzbraun mit weißlichem Wider- schein imd goldenen Härchen. Hinterleib Grundfarbe braunschwarz mit goldenen Härchen. Unterseite schwarz. Beine: Schenkel auf der Oberseite braun, Unter- seite gelb. Schienen auf der Oberseite braun, auf der Unterseite gelblich, an der Spitze weißlichgelb. Füße braun mit weißen Ringen am Ende der Glieder, End- glieder ohne Weiß. Knieflecke schmal gelb. Flügel mit Strecken weißer Schuppen, durch Wechsel dunkler und heller Schuppen deutliche Fleckung. Der Vorder- rand ist ganz dunkel bis auf je einen kleinen weißlichen Fleck nahe der Spitze und an der Einmündung der Hilfsader in die Vorderrandader, siehe übiigens Taf. n, Fig. 25. Bemerkenswert ist, daß die Schuppen am Grunde der 2. Ader, den Queradern und dem Grunde der Gabeln der 2. und 4. Ader verdichtet stehen. Schwinger hellbraun mit dunkelm Knopf. MännUche Taster schwarz mit zwei Flecken weißer Schuppen am Ende und einer unscharfen weißen Schuppenlinie an einer Seite. Fühler braun mit braunen Haaren. Größe ungefähr 5—6 mm. Bei den Stücken aus Palästina, welche zu der auch in Europa vorkommenden Varietät pseudopictus gehören und größer sind, ungefähr 6 mm, finde ich schon am vorletzten Fußglied kein Weiß mehr, doch kommt dies auch bei typischen sinensis vor. Die Taster des Männchens zeigen verstreute weiße Schuppen auf dem Grundglied, das auch in der Mitte einen deutlichen lichten Ringel trägt. Spitze des drittletzten Gliedes weiß. Der braune Fleck des Endgliedes ist groß und nimmt den größeren Teil des Gliedes ein. Vorkommen. Die Verbreitung der Art reicht von Ostasien und den Antillen bis nach Italien. Im Avestlichen Teil des Gebietes ist sie durch die Abart pseudopictus vertreten. Außer in Italien ist sie an der Adria bei Valona, in Mazedonien bei Saloniki und Vardar aufwärts bis Gevgeli, in Bulgarien und Rumänien am Schwarzen Meer und an der Donau (nach Konsuloff), endlich noch in Ungarn gefunden. 831 II- Anopheles, südeuropäische Arten. 83 Es scheint danach nicht unwahrscheinlich, was Konsuloff mir gegenüber äußerte, daß die Form in letzteren Gregenden nur durch den Handel mit Schiffen eingeschleppt ist. Genaueres über die Bedeutung dieser Art für die Malaria- verbreitung in Europa ist nicht bekannt. Nach Grassi geht sie selten in Stallungen imd ist mehr eine Art des Geländes. Nach Angabe von Kinoshita kommt sie für Japan und Pormosa als Hauptüberträger der Malaria tertiana in Frage, während sie für die Tropikaausbreitung keine erhebliche Rolle zu spielen scheint. Nach Swellengrebel, Schöffner & Swellengrebel de Graaf ist die Art in Niederländisch-Indien für tropica kaum, für tertiana mäßig empfänglich und in der Natur selten infiziert. 84 [84 III. Culicini. A. Einteilung der Culicini. Unter den Culicini heben sich leicht zwei um die großen Gat- tungen Culex und Aedes sich ordnende Pormenkreise ab, dazu treten noch einige besonder© Gattungsgruppen und Gattungen, so die Gruppe der deinoceritesartigen Gattungen und die Gattungen ürano- taenia, Aedomyia und Orthopodomyia. Eechnen wir letztere drei, die in gewissen Punkten den Übergang zu vermitteln scheinen, in die Culicini ein, so erhalten wir folg'ende Yerteilung: Tri b US, Gruppe, Gattung. Culicini. 1. Uranotaenia. 2. Orthopodomyia. 3. Aedomyia. Deinoceritesgruppe. 4. Deüiocerifces. 5. Deinomimetes. 6. Deinanamnesos. Culexgruppe. 7. Phalangomyia. 8. Theobaidia. 9. Culex. 10. Lutzia. 11. CaroUia. 12. Mansonia. Aedesgruppe. # 13. Aedes. 14. Psorophonra. 15. Banksinella. 16. Pardomyia. 17. Mucidus. 18. Stegoconops. Sabethini. Megarrhinir Anophelini. 85] III. Culicini, Einteilung, Uranotaenia. 85 Nur die gesperrten Gattungen kommen in Eiu'opa vor, und zwar von ihnen auch Uranotaenia nach bisheriger Kenntnis nur auf der Balkanhalbinsel. Wir sehen, wie arm an Grattungen unsere Heimat danach ist. B. Uranotaenia. Die Gattung ist durch die sehr kurzen Gabelzellen der Vorder- flügel gekennzeichnet. Die Gabeläste der zweiten Ader sind nicht einmal so groß wie der Stanmi. Die Larven zeichnen sich durch den langen Kopf, das kiirze Atemrohr aus, sowie dadurch, daß die Striegeldornen von einer gemeinsamen Platte entspringen wie bei den Megarrhininen, auch die kurzen Gabelzellen nähern diese Gattung Megarrhinus. Sehr entgegengesetzt ist aber die Größe, denn während die Megarrhinen wohl die größten Culiciden sind, sind die Uranotaenien mit die kleinsten, in der europäischen Fauna jedenfalls am kleinsten. Uranotaenia unguiculata Edwards 1913. Kopf in der Mitte mit blauweißen Schuppen, an den Seiten schwarz beschuppt mit einem blauweißen Rand an Augen, Rüssel, Taster und Fühler dunkelbraun. Brustkorb braim, ' gegen die Ränder fast schwarz mit blau- weißem Schuppenstreif vom Flü- gelgrunde gegen den Yorderrand. Bnistseiten und Schulterschwie len mit ebensolchen Schuppen. Hinterleib schwarz, am 8. Ringel weiß. Schenkel auf der Unterseite mit heller Linie, Schienen ebenso. An der Spitze der Hiuterscliienen oben ein deutlicher weißer Fleck. Füße dunkelbraun. Flügel schwarzschuppig mit einem klei- nen Fleck weißer Schuppen am Grunde der Randader. Schwinger hellbraun mit dunkelbraunem Knopf. Vorderklauen der Männchen migewöhnlich groß. (Beschreibung nach Edwards 53a.) Die Mücke legt ihre Eier nach Culexart zu einem Schiffchen zusammengeklebt. Die Larven fand ich in Gewässern mit Culex pipiens zusammen. Fig. 23. Hinterende der Larve von Uranotaenia unguiculata. 86 Dl"- E. Martini. Über Stechmücken. [gß Die Larven von unguiculata Edwards 1913 haben die mittleren Kopfhaare nicht zu Dornen umgebildet, fast glatte Fühler, der Striegel zählt 6 — 8 Dornen, und die Zähne des iCammes sind doppelt gefiedert. Die Larve vs^urde von mir mit Culex pipiens; zusammen sehr häufig in einem Graben bei Veles getroffen im Hochsommer. Lacaze fand sie auch einmal unter dem Eise noch. Joyeux gibt von ihr eine genaue Beschreibung und erwähnt, daß sie mit maculipennis und pipiens meist zusammen in ziemlich reinem Wasser vorkomme. Diese Art ist sonst aus Asien bekannt und anscheinend am weitesten in Richtung auf Europa zu vorgedrungen; ihre Yerbrei- tung ist ein Gegenstück zu der den Botanikern so oft auffallenden Übereinstimmung der Balkanflora mit der Vorderasiens. C. Allgemeines über die übrigen Culicini. 1. Einteilung der europäischen Arten. Lang-e oder mäßig lange Gabelzellen, bei den Larven gesonderte Striegelzähne und breiter Kopf, sind den übrigen europäischen Culi- cini gemeinsam. Für Deutschland können wir folgende Gattungen, Unter- gattungen und Arten angeben. Culexgruppe Aedesgruppe Culex Theobaldlä Mansonia Aedes pipiens annulata Richiardii (Aedes) (Ochlerotatus) (Stego- territans glaphyroptera cinereus diversus myia) morsitans [lateralis] ornata fumipennis serus neraerosus nigrinus salinus terriei sylvae annulipes cantans abfitchii quartus vexans dorsalis [rusticus lutescens] 87] III. Ciilicini, Einteilung, Nomenklatur. 87 Dazu kommen aus dem übrigen Europa : Culexgruppe Aedesgruppe mimeticus spathipalpis Gallii. calopus horten sis sugens modestus geniculatus Aed. stictica wird jetzt wohl meist als synonym zu ornatus angesehen, bicolor und lutescens sind unsicher (siehe unter annu- lipes), und flavirostris ist ebenfalls eine zweifelhafte Art, rusticus siehe unter dorsalisi). Bei der Abänderlichkeit des Farbkleides mancher Arten, der großen Ähnlichkeit verschiedener unter sich, ist es notwendig, um eine Mücke genau zu charakterisieren, ent- weder eine sorgfältige Beschreibung der Larve und ihrer Unter- schiede von anderen Arten zu geben oder eine genaue Wiedergabe der männlichen Geschlechtsorgane. Kommt es doch vor, daß Mückenweibchen Sich kamn unterscheiden lassen bei zwei Arten, die als Larven sehr verschieden sind. 2. Nomenklatur. Es wäre nun zunächst noch einiges über die Namengebung und Wiedererkennung älterer Arten zu sagen. Wir haben den Nomen- klaturregeln so weit Rechnung getragen, als es sich mit der Vernunft vereinbaren läßt. Da wir aber eine Untergattung Mansonioides haben, erscheint es richtig, der, welcher jener eben ähnlich sein soll, den Namen Mansonia zu belassen. Es ist widersinnig, die tremula- ähnliche Form dictaooides zu nennen, so auch hier. Von vielen Autoren, besonders von Schneider und Eckstein werden die deutschen Oclilerotatus-(Arribalzaga-) Arten Culicada (Feit 1904) genannt. Zweifellos hat aber der Name Ochlerotatus den Vorrang, da er bereits 1891 von Arribalzaga aufgestellt ist; der Name ist sehr bezeichnend, da gerade die Arten dieser Gruppe unsere lästig- sten (6x,Xir]poTaTot.) Stechmücken sind, und um so mehr vorzuziehen, als Culicada durch den Anklang an Culex ein mnemotechnisches Hindernis für das Auseinanderhalten der Culex- und Aedesgruppe bildet. Es ist außerdem, so viel mir bekannt, vom Autor keine Mücke in die Gattung aufgenommen, die nicht heute noch darin stehen könnte. So ist kein Grund einzusehen, hier nicht den ^) Über den kürzlich beschriebenen Culex pyrenaicus weiß ich noch nichts Genaues (18). 88 Dl"- E. Martini. Über Stechmücken. [88 Eegelii der Nanienge'bimg streng zu folgen und Ochlerotatus als den gültigen Namen zu nehmen, zumal er außerhalb Deutschlands schon ziemKch eingebürgert ist. Ebenso scheint uns Theobaidia das Eecht der Erstgeburt gegenüber Culiseta und Culicella zu haben, die sonst gleich gute Namen sind, und wird daher von uns verwendet. Den Namen cantans behalten wir einstweilen bei, so gut wie All. nigripes, vor allem, weil es die weit über den Kreis der Spezialisten in der Mückensystematik: liinaus bekannten Namen sind. Ein derartiges Bedenken besteht aber offenbar nicht bei Formen wie fumipennis, die auch unter dem alten Namen Theo- baldii nicht allzu weit bekannt war. Besonders wichtig scheint es mir zu sein, nicht jedem auf die Nomenklaturregeln allein sich stützenden Vorschlag nachzugeben, weil gerade hier sehr hervortritt, daß die neue Nomenklatur als eine Zweigdisziplin der Geschichtswissenschaft alle die Unsicher- heit in die Zoologie hineinträgt, die nun einmal den Deutungen und der Lesung alter geschichtlicher Quellen anhängt. Das gilt auch von Meigens Beschreibungen. Wenn man dieselben erst liest, so kann man cantans eigentlich weder mit annulipes noch mit macu- latus gleichsetzen. Bedenkt man ferner die merkwürdige Abände- rung in der Besclii-eibung von niaculatus, so kommt man dazu, die Frage auf zu werfen, ob man die Beschreibungen Meigens über- haupt so pressen darf, daß sie auf die Stücke passen, wie die jetzige Forschung sie zu Arten gruppiert. Wir werden Näheres darüber bei den einzelnen Arten noch sehen. Unterschiede der Gruppen. Die Hauptgruppen sind dui'ch folgendes leicht unterschieden : die Weibchen der Culexgruppe haben ungezähnte Klauen und ver- borgene Cerci, die der Aedesgruppe gezähnte Klauen und vor- gestreckte Cerci. Dazu kommen Unterschiede der Larve (37, 38) und der männlichen Geschlechtsorgane (siehe Tabellen). Die Eier der Aedesarten finden sich einzeln meist auf Laub und dergleichen im Trockenen, im Gegensatz zu den Arten der Culexgruppe, Avelche sie, zu Schiffchen zusammengeklebt, aufs Wasser setzen. D. Aedes. Allgeraeines. Einteilung von Aedes. Die Untergattungen sind (nach Edwards): 1. Armigeres. 39] in. Culicini, Nomenklatur, Aödes. 89 2. Stegomyia: Larvenfühler kurz zylindrisch, ohne Dornen, Haarbusch klein, nicht mehr als zweihaarig, Stirnhaiire immer einfach, Striegelschuppen in einer einfaclien Reihe, männlicher Geschlechtsapparat: Greif arm mit nur einem end- oder fast end- stäaidigen Dorn, Seitenstücke ohne Lappen am Ende, Haken bür- stenartig oder gezähnt. Männliche Taster lang, dünn, ohne Haarbusch (manchmal ganz kurz, ausländische Arten). Klauen der Weibchen gezähnt oder un- gezähnt, bei den europäischen nur die Hinterklauen imgezähnt. Weibliches Hinterende ohne deutlich vorgestreckte Cerci, die achte Rückenplatte vorragend. Flache Schuppen auf dem Haupt und dem Schildclien. 3. Ochlerotatus : Larvenfühler länger als bei den vorigen, mehr oder weniger gekrümmt und verjüngt, mit feinen Dornen, wohl entwickelter vielhaariger Haarbusch, Stirnhaare meist mehrfach, Striegelschuppen fast immer in dreieckiger Gruppe. Männliche Geschlechtsorgane mit nur einem Dorn am Fang- arm, der am Ende stehen kann oder nicht, in wenigen Arten (Aus- länder) sind die männlichen Taster nur halb so lang wie der Rüssel, meist lang und an den beiden letzten Gliedern verdickt, liaarig, herabgebogen, Klauen der Weibchen fast immer alle mit Zahn, deutlich vorgestreckte Cerci (bis auf eine Gruppe, wo weibliche Hinterklauen ohne Zahn und Cerci nicht deutlich vorgestreckt; dazu unser omatus). 4. Aedes: Larven wie 3. Männliche Geschlechtsorgane ohne Dornen am Fangarm, männliche Taster sehr kurz, Klauen der Weibchen und Cerci wie bei 3. 5. Scusea. Die drei bei uns vorkommenden Untergattungen heben sich recht gut voneinander ab, und lassen sich leicht trennen durch folgende Merkmale. Männchen mit kurzen Tastern, ohne Dornen an den Greif - armen, dunkel, ohne besondere Zeichnung, Cerci der Weibchen lang vorgestreckt. Aedes. Männliche Taster lang, spitz, mit Dornen an den Greifarmen, lebhaft gezeichnet. Weibchen: Cerci nicht vorgestreckt. Stegomyia. Männliche Taster lang, Endglieder verdickt, mit Dornen an den Greifarmen, meist gezeichnet, Cerci der Weibchen (bis auf oniatus) lang vorgestreckt. Ochlerotatus. 90 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. [90 Lebensweise der Aedes. Die Mehrzahl miserer Aedesarten brütet in vorübergehen- den Wasseransammlungen (57, 62—65, 100, 105—108), und zwar benutzen sie dazu in unserer Breite anscheinend fast aus- scliließlich die durch die Schneeschmelze und die Frühlingsregen angesammelten Tümpel. Sie erzeugen im allgemeinen daher nur eine Generation Larven im Frühjahr, wie schon Eysell für meh- rere Arten gezeigt hat, und wie es die amerikanischen Forscher für die Aedesarten der gleichen Breiten Nordamerikas nachgewiesen haben (siehe auch Schneider, der für die Bonner Arten dies be- stätigt). Die Aedesaxten durchweintem bei uns in der Regel als Eier, doch beginnt das Ausschlüpfen derselben bei manchen Arten wohl schon im Spätherbst, Ausfrieren der Gewässer verträgt die Brut aber nicht (336). Aus diesen Larven entsteht angeblich nur eine' Generation Mücken. Immerhin fängt man auch spät im Jahre so wohlerhaltene Stücke, daß es oft schwer zu glauben ist, daß diese Mücken noch aus der Frühjahrsgeneration stammen. Das ist mir besonders bei abfitchii und annulipes aufgefallen, von welch letzteren ich noch Ende August ein Männchen fing. Von dorsalis sind im Spätsommer Männchen und Weibchen häufig. In südlicheren Breiten geben die Gewitterregen wiederholte Brut- gelegenheiten für Aedes und die nahestehenden Psorophoraarten, sofern sie nicht ähnliche Gewässer wie ornatus benutzen. Für die Bräuschtalwiesen geben Bresslau & Glaser (16) an, daß sie bei zweimaliger gewöhnlicher und sogar bei dritter experi- menteller Wässerung je eine Generation Wiesenmücken liefern, eine sehr wichtige Erfahrung, wenn auch künstlich erzeugte Verhältnisse vorliegen. Übrigens hat Eysell darauf hingewiesen, daß nicht alle Eier bei der ersten Überflutung schlüpfen, sondern einige über- liegen, um erst später im Jahr oder gar im nächsten Jahr zu schlüpfen. Wenn man sich manchmal wundert, daß es so unge- heuren Scharen Mückenlarven, wie sich in den Frühlingsgewässern finden, möglich ist, sich zu ernähren, muß man bedenken, daß es sich bei diesen Gewässern geradezu um natürliche Infusionen handelt. Im Herbst ist das welke Laub oder das Gras in die noch trockenen Mulden und Gräben gefallen und im Laufe der Zeit, besonders während der Frühjahrsregen oder der Schneeschmelze wird diese organische Masse mit Wasser überdeckt, und wenn dann die wärmere Witterung im Beginn des Frühjahrs die organische 91] III. Culicini, Aedes. 91 Entwicklung begünstigt, entwickelt sich eine ungeheuer reiche saprophytische Fauna. Die Fäulnis wird oft so stark, daß die Gre- wässer stinken, aber trotzdem winunehi sie von anscheinend ganz gesunden Mückenlarven. Smith berechnet in den Salzmarschen von New Jersey die Zalü der Mückenlarven unter einem Quadratfuß Wasserfläche auf 5000. Relief des Brustkorbes. Ehe wir zur Besprechung der Ochlerotatusarten übergehen, müssen wir nun doch noch kurz einen Blick auf die allgemeinen Grundzüge der Rückenzeichnung dieser Arten werfen. Denn die Beschreibung der Beschuppungseigenheiten am übrigen Tiere ist ja auf Grund der allgemeinen anatomischen Bezeichnung, die man aus Fig. 105, S. 241 abnehmen möge, leicht, und die hier vorkom- menden Zeichnimgen sind sehr ein- fach. Aber auf dem Mittelrücken finden wir recht verschiedene Zeichnungen. Der entschuppte Rücken einer Aedes annulipes (Fig. 24) hat im vorderen Teil zwei mittlere Längswülste, die durch eine ziemlich steile Furche in der Mitte getrennt und durch Längs- furchen an der Seite begrenzt iwerden. Sie laufen nicht bis mehr verstreichen sie ungefähr am zweiten Drittel der Länge des Brustkorbes, und hinter ihnen liegt dann eine breite, mitt- lere, unpaare Erhöhung, durch flache Mulden von den vorderen Längswülsten getrennt. Diese Quermulde steht also mit den l)eiden Hauptlängsfurchen in Zusammenhang. Diese selbst biegen dicht vor der Thoraxmitte ein wenig seitwärts aus und erweitern sich hier. Aus der Erweiterung entspringt eine schräg nach vorn ziehende Furche, welche jederseits ein vorderes, ungefähr drei- eckiges erhabenes Schild abgrenzt. Der liintere Abschnitt des Rückenseitenteils wird noch durch eine ebenfalls aus der erwähnten .Verbreiterung der Hauptlängsfurchen hervorgehende Furche in eine hintere Zunge und ein seitliches Dreieck geteilt. Diese hintere Fig. 24. Relief des Brustkorbes von Aedes annulipes. zum Schildchen durch, viel- 92 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [92 Zunge hat einen mäßig scharfen Grad, während die vorderen Wülste oben gerundet sind, und dieser Grad setzt sich durch die Erweite- rung der Längsfurche in die hintere Kante des vorderen seitlichen dreieckigen Schildes fort, mit dieser eine s-förmige Linie bildend, Sigmalinie. Das hintere seitliche Dreieck fällt gegen den Rand des Brustkorbes ziemlich steil ab, ebenso das vordere Dreieckschild. Der seitwärts unter dessen Rand gelegene Teil des Brustrückens er- scheint somit gewissermaßen als Fortsetzung der Schrägfurche. Eine deutliche Grube vor dem Schildchen besteht nicht. Am trockenen Stück ist allerdings meist der ganze hintere Mittelhügel eingesunken, so daß hier zwischen der Abschlußkante, den Zungen und dem Beginn der Mittelwülste eine breite Senke besteht. Die Zeichnungen. Die Zeichnungen schließen sich nun meist diesen Prägungen an. Die Zeichnung von Aedes calopus folgt mit den silbernen Schuppen, den Firsten. Zwei Streifen folgen der Mitte der vor- deren Längswülste, ei2i kurzer der Mitte des hinteren Hügels, die Hauptzeichnung dem First der Zunge in ihrem ganzen sigma- förmigen Verlauf bis in den vorderen Seitenrand des Brustkorbes; bei nemorosus sind es Mittelwülste und die Zungen, welche die kurze schwarze Behaarimg tragen und dadurch die Zeichnung des Rückens bedingen. Ob wir zwei oder nur einen Streifen dunkler Schuppen haben, hängt davon ab, wie die hellen Schuppen in der Mittelfurche entwickelt sind usw. Wichtig ist bei der Beurteilimg der Färbung im Auge zu behalten, daß Lichtreflexe eine große Rolle spielen und dieselben Schuppen, die eben noch silbern aussahen, im nächsten j^ugenblick bei anderem Lichte inf all schwarz sein können, daß die goldenen mid silbernen Schuppen meist nur im Reflex diese Farbe haben, und daher nur auf dem Teil golden sind, auf dem im Augenblick der Schimmer ruht, daher auch meist größer sind, als sie zunächst erscheinen und ihre scheinbare Größe mit der Beleuchtmig ändern. Femer, daß völlig gleiche Schuppen, je nach der Stellung in Mulde oder auf der First oder an den Abhängen, recht verschieden erscheinen können, so daß z. B. eine goldene Mittellinie durch ganz die gleichen Schuppen entstehen kann, wie sie in den benach- barten Mulden stehen, und besonders dann entsteht, wenn durch Schrumpfung die First stärker betont wird und die Schuppen der- selben vom Scheitel stärker nach den Seiten fallen. 93] III. Culicini, At'des. 93 Von besonderen Streifen sollte man nur nach genauer mikro- skopischer Untersuchung sprechen, wenn eine Gegend wirklich morphologisch oder bei genauer Prüfung im wechselnden Licht färberisch abweichende Schuppen liat, z. B. ganz kurze pech- schwarze wie bei echten Nemorosus. Die Männchen sind im ganzen weniger dicht beschuppt als die Weibchen und scheinen die Schuppen noch leichter zu verlieren. Untergattung Aedes. 1. Aedes .cinereus Mg. 1918 = nigritulus Zett. 1850 = fuscus 0. S. 1877 = jehafi Patton = rufus Gimmerthal 1845 = leucopygos Eysell 1903. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit duukelgoldenen Schuppen. An den Seiten mit breiten helleren, weißlichgelben, gegen die Augen mit weißlichem Rand. Rüssel dunkel- braun mit bronzenem Widei schein, Taster schwarz- braun, Fühler, Grundglied dunkel, lederbraun, sonst braunschwarz mit schwarzen Haaren und weiß schimmerndem Flaum, Mittelrücken mit dunkelgoldenen bis kupferig glänzenden feinen Schuppen. Nur wenig lichter gegen das Schitd- chen. Schildchen mit dunkelgoldenen Schuppen und Haaren, Hinterleib braunschwarz mit bron- zenem Widerschein, eine weißliche Linie an dem ganzen Seitenrande des Hinterleibes. Unter- seite schwärzlich mit lichteren Schuppenflecken. Schenkel auf der Oberseite dunkelbraun, Unter- seite hellbraun, kleiner dunkler Spitzenfleck. Schienen auf der Oberseite dunkelbraun, Unter- seite schmal heller braun, Füße dunkelbraun, alles mit kupfrigem Widerschein, Knieflecke kaum angedeutet, Flügel braimaderig, Schwinger dunkel- braun. 4—5^2 ™™- Die Art ist bemerkenswert dadurch, daß bei ihr auch das Männchen kurze Taster hat, was sonst bei keiner anderen einheimischen Stech- mückenart vorkommt. Eine, sehr genaue Be- schreibung verdanken wir Eysell, Arch. f. Schiffs- u. Tropenhyg., 1902, Bd. 4, S. 334 — 343. Er weist auch darauf hin, daß die lebende Mücke einen aasgesprochen rötlichen Eindruck macht. Vorkommen. Ich fand die Art, wo ich nach ihr sah, nicht selten an Kuiggs, in lichten Gebüschen und lichten Wäldern, besonders auch in der Nähe ausdauernder Gewässer, sehr häufig und lästig eigentlich nur Fig. 25. Männlicher Ge- schlechtsapparat ven Aedes cinereus. (Vergr. 120 : 1.) 94 Dl"- E. Martini. Über Stechmücken. [94 in der Rostocker Heide, sonst an mehreren Stellen der Hamlmrg:er und Danziger Umgebung. Trotzdem ist diese Mücke offenbar häufig übersehen. Hofmeister führt sie für Kurhessen nicht an, während Eysell sie bei Kassel fand, Schiner in dor Fauna austriaca schreibt: ,,selir selten, vielleicht auch nur über- sehen", Neuhaus besaß zwei Stücke (Diptera marchica), weder Ficalbi noch Grassi fanden sie in Italien. De Mejere beobach- tete sie in den Niederlanden bei Hilversum, Grrünberg hatte die Art in der Süßwasserfauna als selten bezeichnet. Schneider nennt sie als häufig bei Bonn, Eckstein sogar bei Straßburg sehr häufig. Danach können wir wohl annehmen, daß viel von ihrer angeblichen Seltenheit und teilweisem Fehlen auf ihre Kleinheit und Mängel der Beobachtung zurückzuführen sind. Fig. 26. Larvenhinterende von Aedes cinereus. Theobald gibt England, Schweden, Norwegen, Ungarn, Italien als Heimatsländer an, danach ist also vermutlich ganz Europa die Heimat dieser Art. Am Balkan fand ich sie nicht. Doch reicht sie im Süden bis nach Aden. Als fuscus kommt sie in Amerika vor. Die Weibchen legen nach Eysel] die Eier aufs Wasser, an die Ränder im Wasser schwimmender Gegenstände oder oberhalb des Wassers ins Feuchte ab. Larven hatte er bis zum 9. Jmii; Schneider fand sie bis in den Juli. Ich fand bei Hamburg die Larve bis Ende Mai. Die oben für die Aedesarten allgemein ge- gebene Lebensweise erleidet hier eine Einschränkung insofern, als sie bei cinereus wenig ausgesprochen ist und die Art auch noch später als in den Frühjahrstümpeln in klaren, ausdauernden Ge- wässern als Larve getroffen wird, wohl weil bei der Ablagenähe 95] 111- Culicini, Aödes. 95 am Wasser auch die Eier oft durch Regen usw. untergetaucht wer- den und die Larven entlassen. Die Brut erscheint später als bei den meisten Gattungsgenossen. Die Larve hat mäßig lange Fühler, die einen starken Haar- buscli tragen. Scheitelhaare vierteilig, nebeneinander. Es stehen ungefähr 14 schlanke Zähne im Striegel in meist zwei Reihen, Atemrohr ungefähr dreimal so lang als breit, Kamm reicht bis über die Mitte des Rohres, enthält etwa 17 ZäJme, von denen die letzteren viel weiteren Abstand haben als die übrigen, doch stehen keine Zähne jenseits des Haarbusches. Dieser ist sehr klein, wenig borstig und steht weit hinter der Mitte. Der Sattel ist auf der Bauchseite nicht geschlossen, Ruderformel unge- fähr 9 -[- 4, Kiemen rund, dreimal so lang als der Sattel. Sie ist unter allen deutschen Aedesarten an ihren sehr langen Kiemen leicht kenntlich (ungefähr'so lang wie die Atemröhre) i), die bei Ecksteins Figur kaum genügend hervortreten. Auch sind in dieser Figur die Länge des Kammes und Stellimg und Größe des Haares anders als in meinen Präparaten, und der Striegel hat bei meinen Stücken deutlich zwei Reihen Zähne. Aedes leucopygos Eysell, eine sehr ähnliche Form, die durch ganz weißes 7. Hinterleibssegment und stärkere Körpergröße gekennzeichnet ist, wird von den meisten Autoren nicht für eine besondere Art gehalten. Aedes fuscus, aus Nordamerika, der sich in typischen Stücken durch die weißen Ringel an dem Grund der Segmente von Aedes cinereus auf den ersten Blick unter- scheidet, wird von Edwards ebenfalls zu cinereus gezogen auf Grund von einer größeren vergleichenden Reihe von Stücken vmd der großen Ähnlichkeit der Struktur. Die Mücke fliegt im ganzen Sommer von Juni bis August und scheint mir noch etwas später häufig zu sein als die Mehrzahl der verwandten Arten. Ich stimme Schneider bei, daß sie sehr blut- dürstig ist und sehr lästig werden kann. Die Art läßt sich nach Eysell besonders leicht in mehreren Generationen weiter züchten. Untergattung Ochlerotatus. 2. Aedes lateralis Mg. 1818. Unter den Mücken des Tropenmstituts fand ich bei Anlegen der Sammlung 1914 ein Stück ohne Fangplatzangabe, das genau der Beschreibung von Meigen entspricht, es ist von Mühlens gesam- melt, stammt also wohl von Wohldorf. •) Sonst kommen so lange Kiemen noch bei Aedes Gallii aus der Schweiz vor, und fast so lange bei dem von Eckstein aus dem Elsaß beschriebenen nigrinus und in unserer Fauna bei vexans. 96 Dl". E. Martini. Über Stechmücken. [96 Beschreibung. Kopf in der Mitte und an den Seiten mit grauweißen, wenig gekrümmten sclimalen Scliuppen, gegen die Augen kein deutlich abgehobener Eand, Eüssel braun, Taster braunschwarz, Fühler braun mit schwarzen Borsten und weiß- schillerndem Flaum, Mittelrücken mit Grund von fast haarartigen weißlichen Schuppen. Die Furchen mit sehr feinen haarartigen goldenen Schuppen, so daß der Gesamteindruck von grau mit zwei dunkeln Striemen entsteht. Schildchen mit Besten weißlicher Beschuppung, Brustseite schwarz mit weißen Schuppen- flecken, Hinterleib Grundfarbe auf der Oberseite braunschwarz, an Stelle der hellen Bänder am Grunde der Ringel nur wenige Seitenflecken. Unterseite schwärzlich mit großem seitlichen Fleckenpaar am Grunde jeden Ringels. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwarzbraun, licht gesprenkelt, Hinterschenkel nur an der Spitze braun, sonst gelblich, Unterseite gelblichweiß, Spitze dunkel, Scliienen auf der Oberseite schwarzbraun, Füße schwarzbraun, Knieflecke blaß, Flügel mit schwarz geschuppten Adern, Schwinger blaß mit weißen S(.'huppen. Synonymie. Die von den meisten Autoren als lateralis bezeichnete Art ist unserer Meinung nach synonym mit ornatus Mg. (siehe diese). Unser Stück hat Mühlens gesammelt, vielleicht auch gezogen, in welchem Falle die geringe Größe natürlich belanglos wäre. Ich führe diese Mücke nur mit größter Zurückhaltung hier auf, da sich nach einem Weibchen, besonders wenn es genadelt ist, nichts Aus- reichendes sagen läßt. Die Larve ist mir ja auch noch unbekannt. Ob dies dieselbe Art ist, welche Eckstein als lateralis an- führt, weiß ich nicht. 3. Aedes seras n. sj). Kopf mit schmalen goldenen Sichelschuppen, die nach den Seiten breiter und rahmiger werden, sowie schwarzen Gabel- schuppen und schwarzen, golden widerscheinenden Borsten, an den Augen kaum hellerer Rand. Fühler schwarz, mit weißschim- memden Haaren und schwarzen Borsten. Grundglied in der Mitte und untere Hälfte des ersten Geißelgliedes mit rötbraunem Schim- mer, Taster tietschwarz, Mittelrücken hellgolden mit breiter schwar- zer Mittelbinde (entlang der Mittelfurche keine hellen Scliuppen) und zwei kurzen, fast schwarzen Strichen auf der hinteren Hälfte (hintere Zungen), goldene Zeichnung zu beiden Seiten der Grube vorm Schildchen, Borsten im Bereich der schwarzen Zeichnung schwarz, der goldenen golden; Söhildchen schwarz, mit goldenen Sichelschuppeu und Haaren, Brustseiten schwarzbraun mit. weißen Schuppenflecken, Hinterleib Grundfarbe auf der Oberseite tief- 97] III. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 97 schwarz, weiße Zeichnung am Grunde der Ringel auf starke weiße Seitenflecke beschränkt, Unterseite mit mattschwarzen Enden und grauweißem Grande der Ringel, Hüften braun mit weißen Schup- pen, Schenkel unten weißlich, oben schwarz. Diese Farbe nimmt gegen das Ende an Breite zu und umgreift dicht vor der Spitze den Schenkel ganz. Spitze der Schenkel blaß, Scliienen tief metall- schwarz. Mit wenigen lichten Schuppen auf der Unterseite, Füße metallschwarz, Flügel metallschwarz beschuppt, Schwinger rot- braun, mit schwärzlicher blaßbeschuppter Keule, Länge 5 — 6 mm. Fig. 27. Männlicher Geschlechtsapparat von Aedes serus. Vergr. ungefähr 75 : 1. Männchen mit schwarzen, grau widerscheinenden Fühler- borsten und schwarzen Tastern. Auf dem Hinterleib manchmal sehr wenig weiß. Der männliche Geschlechtsapparat ist nach der Abbildung bei Howard, Dyar and Knab von dem von diantaeus kaum zu unter- scheiden, von dem unsere Art aber in der Färbung sehr abweicht. Deis Weibchen und die Larve sehen wiederum denen von aurifer ähnlich, doch sind hier die männlichen Geschlechtsapparate selir verschieden. Von lateralis Mg. unterscheidet sich unsere Form durch das einheitliche, breite, schwarze Mittelband gegenüber zwei Archiv f. Schiffs- u. Tropen-Hygiene. 24. Beiheft 1. 7 98 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [98 gesonderten Streifen bei lateralis Mg., und mit lateralis nach Eck- stein hat die Art sicher nichts zu tun, nach Ausweis der Larve. Die Larve ist auf den ersten Blick von unseren anderen Aedeslarven durch die sehr langen Fühler zu unterscheiden, die länger sind als der ganze Kopf, in der Mitte einen sehr langen Haarbusch tragen und am Ende lange Griffel. Die Stirnhaare (3/3) stehen einander genähert. Der Striegel hat ungefähr 10 scharfe Zälme in Vj^ Reihen, der Sattel ist vorn sehr hoch, hinten niedriger, im ganzen nur mäßig lang, das Ruder hat 4 Haare vor der Bürste, Kiemen etwas länger als der Sattel, Atemrohr mit un- gefähr 16 Zähnen, von denen der letzte oder die letzten 2 gesondert stehen. Doch reicht auch mit ihnen der Kamm nicht über den Haar- busch, der sehr kräftig entwickelt ist, hinaus. Fig. 28. Lai-venkopf von Aedes serus. Fig. 29. Larvenhinterende von Aedes serus. Daneben stark vergrößert eine Striegelschuppe aus der Mitte des Striegels. Die Larven hahe ich im Hochwalde an einer lichteren Stelle gefunden. Sie scheint nach dem geringen mir' zur Verfügung stellen- den Material Waldart imd nicht so häufig wie die übrigen. Die Brutzeit ist spät, sie fällt schon in die von cinereus. Die nemorosus waren schon verpuppt, so daß die Art wohl als später gelten kann als diese. Als ich noch einige späte Larven Ende Mai fangen wollte, wurde ich von den Weibchen mehrerer Waldarten stark gepisakt. Plötzlich erscliien aber ein Lateralismännchen und überfiel ein auf meiner Hose suchendes Weibchen. Es war zwischen 3 und 4 Uhr. Einen Schwärm von Mämichen konnte ich nicht ent- 99] III. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 99 decken, die Weibchen uni mich waren aber so zahlreich, daß man ihre Note vernehmen konnte. Diese Überfälle durch Männchen wiederholten sich selir zahlreich. Zwei Tage später erschien, als ich an einer ähnlichen Stelle schon eine Stunde beschäftigt war, ein Schwann von Männchen, ungefähr 100 Stück. Es war ungefälir 51/2 Uhr. Hier spielte sich dann alles in der gewöhnlichen Weise ab. 4. Aedes diversus: Theob. 1901, (6) = nigripes Zett. 1840. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit weißgelben Siclielscliuppen , an den Seiten mit breiteren, aber nicht helleren Schuppen, gegen die Augen mit hellerem Rande, Eüssel und Taster schwarz mit metallischem Glanz. Fühler: Grundglied schwarz mit weißen Schuppen, Geißel schwarz mit schwarzen Haaren und weißschimmerndem Flaum. Mittelrücken Grundfarbe licht golden, außen durch breitere Sichelschuppen an der Mittelfurche durch haarlörmige hervor- gerufen. Die Mittelwülste und Zungen mit feinsten, pechschwarzen Schuppchen, die im Licht von hinten rotgolden glänzen. Schild- chen weißlichgolden beschuppt mit goldenen und schwarzen Borsten, Brustseite und Hüf- ten schwarz mit gelb und weißen Schuppen- flecken, Hinterleib Gnmdfarbe auf der Ober- seite braunschwarz mit eingestreuten gelben Schuppen, die besonders in den Mitten der Ringel dicht stehen, helle Bänder am Grunde der Ringel meist vollständig, in der Mitte nach hinten ausgezogen, hellgelb, bilden mit den dichterstehenden hellen Schuppen der Ringelmitten eine Art mittleres Längs- band über den Rücken, auch nach den Seiten sind die Querbänder ausgezogen. Unterseite weißlichgelb. Beine : Schenkel auf der Ober- seite schwarz, dicht weiß gesprenkelt, Unter- seite breit gelbweiß, Spitze dunkel. Schienen auf der Oberseite schwarz, licht gesprenkelt, Unterseite schmal weißlich, Füße schwarz, licht gesprenkelt, Knieflecke gelblichweiß, Flügel mit licht beschuppter Achsel, schwarz beschuppt, eingestreute lichte Schuppen, besonders an der einander zu- gekehrten Seite der Rand- und 1. Ader, auf der Hilfsader, der "Wurzel der 4. und 6. Ader, Schwinger schwärzlich. Männchen ebenso, doch sind die Ringel über dem Hinterleib sehr schmal und nicht in der Mitte ausgezogen, Taster schwarz mit lichteren Schuppenflecken 7* Fig. 30. Männlicher Gesohlechts- apparat von Aedes diversus. Vergr. ungefähr 75 : 1. 100 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [100 auf dem langen Glied und dem vorletzten und starken fuchsigen Haarbüschen, Fühler grauschwarz mit fuchsigem Widerscheine. Durch ihre Größe von bis ungefälir 7 mm gehört sie zu den gröi3eren Mückenarten unserer Heimat und fällt schon dadurch sofort unter den schwarzbeinigen Formen auf. Daß diese Art nigripes Zett. ist, stütze ich: auf die Größe 8^/3 — 474 Lin., (also die Größe großer cantans 3 — 4^/, Lin., nemorosus nur 2^/2 bis 3 Lin. In unserer Fauna, soweit sie bekannt, kommt schon daher nur diversus in Frage), den Ausdruck cantanti affinis, eine Beobachtung der Übereinstimmung im Habitus, die mir auch stets aufgefallen ist, die Beschreibung des Weibchens, die sehr gut zu diversus stimmt; doch gibt es auch Weibchen mit fast schwarzem Hinterleib lind mehr bräunlichen Binden sowie Männchen mit deutlichen oder fast fehlenden Binden. Die Brustbeschuppung ist bald mehr schwarz und grau mit unauffälligem Mittelsti'eif, bald sehr deutlich aus schwarzen und gelblichen Streifen zusammen- gesetzt. Ich sehe also keinen Grund, an dieser Übereinstimmung zu zweifeln, sofern nicht das Fehlen von diversus in den Nigripes-Fangplätzen der älteren Forscher erwiesen würde. Vorkommen. Theobald hat diese Art von England beschrieben. Zetterstedt von Lapland und Grönland. Aus Dänemark gibt Meinert 1886 eine vorzügliche Abbildung der Larve unter der Bezeichnung nemorosus. Inzwischen ist sie, soviel ich weiß, von Goetgebuer für Belgien nachgewiesen. Edwards spricht sie für England als gemein an, 1913; der Ausdruck von Eckstein, „die Art \^airde bisher nur in Belgien nachgewiesen", ist daher mißverständlich. 1914 habe ich sie bei Hamburg zahlreich gefangen, ebenso bei Roevershagen bei Rostock i. M., bei Müritz, 1916 bekam ich ein Stück von Heia, wie ich in demselben Jahre in Danzig in der natur- forschenden Gesellschaft berichten konnte. Eckstein fand die Art bei Straßburg häufig. Eckstein weist darauf hin, daß sie der amerikanischen cine- reoborealis Feit sehr nahesteht. In der Tat besteht eine auffallend© Ähnlichkeit zwischen den Larven beider Arten darin, daß dieselben außer dem typischen Haarbusch des Atemrohres noch eine paarige Reihe von langen, starken Börsten jederseits dem Rücken des Atem- rohrs entlang haben. Diese sind bei unserer Art meist einfach, bei der amerikanischen geteilt. Ferner hat die amerikanische Art un- mittelbar über dem Kamm noch eine Reihe ganz kleiner Haar- büsche, denen bei der europäjschen nur jederseits ein einziger Busch entspricht nahe dem Hauptbu-sch. Der Kamm ist bei beiden Arten durch weitgestellte Zähne über den Hauptbusch hinaus bis 101] III. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 101 fast ans Ende des Atemrohrs verlängert. Die Abbildung bei Eckstein stimmt nicht mit meinen Stücken, die im Striegel alle wenigstens eine Doppelreihe von Zähnen haben. Theobald führt den Juni als Flugzeit an und erwähnt dann, daß Mr. Burton Männchen von Anfang Mai bis in die erste Hälfte Juni gefangen hat, was für eine ziemlich weit in den Sommer aus- gedehnte Brutzeit spricht. Fig. 31. Hinterende der Larve von Aedes di versus. Daneben stark vergrößert eine Striegelschuppe aus der Mitte des Striegels. Ich fing sie im Jimi, Juli besonders an Knicks und in lich- tem Walde. Sie sticht stark zu allen Tageszeiten im Schatten der Knicks mid Gebüsche. Die Laxven waren schon Anfang März kurz vor der letzten Häutung, sie werden also sicher teilweise als Larven durchwintern. 5. Aedes nemorosus Mg. (Taf. III). Sammelart ,, nemorosus" auct. Hierher gehören u. a. concinnus Stephens, fusculus Zetterstedt 1838—40, sylvae Theob. 1901. Unter dem Artnamen nemorosus sind zweifellos mehrere Arten zusammengefaßt, wie viele, läßt sich heute nicht sagen. Daß diese Sammelart in der Fassung, wie sie z. B. Schneider hat, sehr abänderlich ist, geht aus den Beobachtungen mehrerer Forscher 102 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [102 hervor. So unterscheiden Theobald und Schneider verschiedene Formen. Meigen beschreibt nemorosus: B. L, S, 4. Nemorosus. Stirn rotgelb, mit weißem Augenrande, Rückenschild braun- gelb mit zwei schwarzen Längsstriemen, Hinterleib schwarzbraun mit weißen Ringen. Schenkel hellgelb mit brauner Spitze und silberweiß scliillernden Punkten an den Knien; Schienen und Füße schwarzbraun, Schwinger blaßgelb, Flügel braunschuppig, Fühler des Männchens mit braunen, an der Spitze weiß schillernden Haaren; Taster schwarz. — Im Sommer in schattigen AVäldern nicht selten. Es ist [ganz auffällig, wenn man im Freien von ,, nemorosus" angefallen wird, daß man alsbald glaubt, an Habitus, Größe, Farbe, Angriffsart, nämlich ob hoch oben oder tief unten, verschiedenes Getier unterscheiden zu können, und doch hat man es dann tot oder halbtrocken, oft auch beschädigt zu Hause, so scheinen plötz- lich alle diese Unterschiede geschwunden oder doch überbrückt. Daß wir es hier mindestens mit zwei Arten zu tun haben, die sich so nahestehen, daß sie sich untereinander in der Natur noch reichlich kreuzen, aber doch als gute Arten angesprochen werden dürfen, dafür läßt sich vielleicht die oben Seite 17 ange- führte Beobachtmig (54) über die abnormen Weibchen von nemo- rosus anführen. Hat sich doch gezeigt, daß man künstlich Herma- phroditen erhalten kann durch Kreuzung von Arten, z. B. der 'Nacht- pfauenaugen, und Weiterkreuzung der Nachkommenschaft. Man erhält so viel mehr geschlechtlich abnorm differenzierte Tiere, als sonst in der freien Natur vorkommen. Es ist nun auffällig, daß Edwards nicht nur an einer Stelle gleich vier solche Stücke be- obachtete, von denen man danach wohl annehmen möchte, daß sie einer solchen Bastardbrut entstammten, sondern daß es bei dem Männchen, das Stiles und Horst 1889 blutsaugend bei Leipzig beobachteten, um dieselbe Art (Culex nemoralis) handelt. Es wäre also vielleicht auch unser Objekt in dieser Hinsicht ein sehr dank- bares für Versuche, wenn wir erst die in nemorosus enthaltenen Arten getrennt haben und) die Zuchtbedingungen besser beherrschen ; es ist keineswegs ausgeschlossen, daß wir von dieser Form mehrere Generationen im Jahr ziehen können und so sehr viel rascher arbeiten können als mit Nachtpfauenaugen. 103] 111. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 103 Ich gebe hier zunächst eine Übersetzung von Edwards Be- schreibung der drei abnormen Stücke, die ich wegen des allge- meinen Interesses, das sie bieten, gern in die deutsche Literatur übernehmen möchte. Stück A. Linker Fühler wie beim Männchen, normal. Rechter Fülller mit etwas schmälerem Grundglied als beim Männchen. Die folgenden elf Glieder kürzer, dicker und haariger als beim Weib- chen, aber mehr diesem Geschlecht ähnlich. Die letzten beiden Glieder etwas verlängert, aber zusammen kaum länger als das vorletzte Glied des linken Fühlers. Linker Taster ungefähr halb so lang wie der Rüssel, an- der Spitze verdickt, abgebogen und haarig. Rechter Taster wie beim Weibchen, regelrecht. Hypo- pharynx wie beim normalen Weibchen, beide Mandibeln fehlen. Linke Maxille normal; rechte vorhanden, aber abnorm dünn. Linke Vorderklauen männlich, rechte weiblich, linke Mittelklaue weib- lich, rechte männlich. Genitalien männlich, völlig normal. Stück B. Linker Fühler mit Grundglied wie beim Weibchen ; folgende zehn Glieder sehr kurz und langhaarig, aber nicht von echt männlichem Charakter; letzten drei Glieder gestreckter und mehr weiblich im Aussehen. Rechter Fühler ähnlich, aber viel weniger haarig und die letzten sieben Glieder beinahe typisch weiblich. Linker Taster ungefähr ein Drittel so lang wie der Rüssel, Endglied weit größer als beim Weibchen, oval, aber nicht sehr haarig. Rechter Taster ähnlich, etwas kürzer. Hypopharynx, Man- dibebi, Maxillen regelrecht (weiblich). Innere linke Vorderklaue länger als die äußere, aber kürzer und gerader als beim Männchen. Rechte Mittelklaue normal (weiblich). Genitalien weiblich, völlig normal. Stück C. Linker Fühler ähnlich dem von Stück B, doch das drittletzte Glied kürzer. Rechter Füliler wie der linke. Linker Taster ähnlich dem von Stück B. Rechter Taster etwas länger und haariger als der linke, Hypopharynx, Mandibeln und Maxillen normal (weiblich). Vorderklauen weiblich, innere Klaue der Mittel- füße etwas länger als die, äußere, die des linken Beines ohne Zälino. Genitalien normal weiblich. Von nemorosus fand Galli-Vaherio bereits im September und Oktober reichlich Larven. Die hier zusammengefaßten Formen gehören zweifellos zu den größten Plagegeistern unserer Wälder und Parks, Bergmann berichtet aus einer norwegischen Sommerfrische, 104 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. [104 daß ©ine Person abends mehrere hundert Nemorosusstiche an Kopf, Hals und Händen und am unteren Teile der Arme zu haben pflegte, Kinder, die barfuB gingen, vielleicht tausende. Die Reaktion der neuen Ankömmlinge war die gewöhnliche, die bei Einheimischen sehr gering, später aber trat bei dem Autor fast völlige Immunität ein, indem ein nach wenigen Stunden ver- schwindender kleiner roter Fleck die einzige Folge der Stiche war. Dasselbe habe ich an mir beobachtet. So allgemein bekannt also der Name ,, Culex nemorosus" ist, so schwer ist es, festzustellen, was bei den einzelnen Autoren damit gemeint ist. Für Meiuerts Bild fanden wir diversus. Daß Grün- bergs ntemorosus mit dieser Form oder ihren nächsten Verwandten nichts zu tun hatte, beAveisen seine Bilder der männlichen Gre- schlechtsorgane, der weiblichen Klauen und der Larve (129). Zu den älteren Beschreibungen passen oft mehrere Arten, dazu sind Arten dieser Gruppe neu aufgestellt — terriei, sylvae, nigrina, salinus — oder älteren neue Stücke zugeordnet: nigripes. Gut gekennzeichnet sind salinus und terriei; soweit die Beschreibung der Mücke in Frage kommt, ist nigrina bisher nicht wieder- zuerkennen. Die Arten dieser Gruppe sind an den meisten Orten in der Ham- burger Gegend und in Mecklenburg im Sommer bis in die Hunds- tage bei weitem das Hauptheer der Quälgeister, nur von cantans hier und da überwogen. Welche Unstimmigkeit herrscht, davon überzeugt man sich leicht, wenn man die Beschreibung der Nemorosuslarven bei Ed- wards oder de Mejere mit denen von Schneider vergleicht, nach ersteren hat sie wenige scharfe Dornen im Striegel, nach des letz- teren Abbildung sehr zahlreiche stumpfe. Aedes nemorosus Mg. 1818 (Taf. HI). Beschreibung. Kopf in der Mitte mit hellgoldenen Sichelschuppen, an den Seiten mit rahmgelben flachen Schuppen, gegen die Augen mit lichterem Saum, Eüssel braunschwarz, Taster schwarz mit einzelnen blasseren Schuppen, mit sehr deut- lichem Endglied, schneidet mit Ende des dritten Fühlergeißelgliedes ab, Fühler Grundglied ledergelb, mit lichten Schuppen, Geißel schwarzbraun mit schwarzen Borsten und feinen weißschillerndem Flaum. Mittelrücken dunkelgolden beschuppt. Die Mittelfurche und die hinteren Enden der Seitenfurchen mit haai-förmigen kupferbronzenen Schuppen. Schuppen gegen Ränder der Brust breiter und lichter. 105] l^II- Culicini, Aödes (üchlerotatiis). 105 Die Schuppen auf den Mittelwülsten und Zungen viel feiner und kürzer und dimkler, besonders die auf dem Mittelwulste meist schwarz. Vor dem Schildchen und über der Flügelwurzel goldene Borsten. Schildchen mit rahmgelben Schuppen und goldenen Borsten, Brustseite weißlich beschuppt, Seite der Vorderbrust mehr gelblich, Hinterleib Grundfarbe auf der Oberseite dunkel braunschwarz, helle Bänder am Grimde der Ringel weiß, oft mit rostigem Anflug, zu Seitenflecken besonders an den hinteren Ringeln ausgezogen. Unterseite weißlich. Beine: Schenkel auf der Oberseite dunkel, auf der Unterseite licht beschuppt. Schienen auf der Oberseite und Unterseite schwarzbraun licht gesprenkelt, Füße schwarz- braun, Knieflecke blaß, Flügel schwarzschuppig, Achsel mit einigen blassen Schuppen, Grund der Randader und 1. Längsader sowie 6. Ader mit höhten Schuppen, Schwinger braun, weiß beschuppt. 5 mm. Die Art ist etwas abänderlich, insofern die dunkeln Streifen auf dem Rücken stark oder weniger deutlich sein können. Die Beschuppung der dunkeln Striemen ist in vielen Stücken sehr kurzhaarig, pechschwarz und bildet mit der Be- schuppung des Mittelstreifens einen sehr scharfen Gegensatz. In anderen Stücken ist sie länger und von der Beschuppung des Mittelstreifens oft wenig verschieden. Die hinteren Streifen sind sehr verschieden deutlich. Die Grimdbehaarung ist mehr kupferig oder lichter golden und kann an den Seiten geradezu ins Graue fallen. Die Binden können auf dem Hinterleib bald mehr weiß, deutlich graulich oder rostgelblich angeflogen sein. Männchen: Fühler schwarz mit lichten Ringeln und grauen, manchmal leicht fuchsigem Widerschein auf den Haaren, Taster ganz schwarz. Die Art läßt sicli besonders an den weiblichen Stücken sehr schwer genau von Verwandten unterscheiden. Zur Abgrenzung- von der folgenden Art eignet sich wohl am besten die Form der Binden auf dem Hinterleib, die bei sylvae in der Mitte sehr verengt sind, breite Seitenflecke bildend, während sie bei nemorosus ungefähr gleich breit über den Rücken des Ab- domens wegziehen. Larve. Diese Art scheint uns der Mei gen sehen Beschreibung am besten zu entsprechen. Ihre Larve ist die von Schneider und Eckstein abgebildete. Der Kopf trägt meist ungespaltene Stirnhaare, der Striegel über 50 lange Schuppen mit stumpfem gezahntem Hinterrand, Fig. 40b. Im Kamm der Atem- röhre, die ungefähr 2^2 '■ 1 If^^g' i'^t, oft noch kürzer ist, treffen wir ungefähr 22 Zähne, der Sattel des letzten Ringels umgreift den Ringel nicht, das Ruder hat vor der Bürste noch in der Regel drei Borstenbüsche. Kiemen sehr lang, länger als das Endsegment, überragen deutli(;h das Ende des Atemrohres und sind leicht pigmentiert (256, 257). Auch die Larve ändert erheblich ab, das betrifft vor allem die Länge der Kiemen, des Atemrohres, die Länge der Striegelzähne und deren Zahl, doch konnte ich mich bisher nicht überzeugen, dalj es sich hiei' um mehrere gute 106 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [106 Arten handelt, besonders da das Verhalten der betreffenden Merkmale unter Umständen an beiden Körperseiten verschieden ist, so kann die Zahl der Striegel- schuppen auf der einen Seite doppelt so groß sein wie auf der anderen. In den miinnhchen Geschlechtsorganen habe ich bisher ebensowenig deutliche Unter- schiede erkennen können. Die Abbildung bei Eckstein ist verkehrt, wenigstens steht bei allen meinen Stücken das kleine Borstenpaar am Ende des Atemrohrs auf der Dorsalseite, wo es Schneider auch richtig abbildet. Wenn Eckstein dieses Haar „Dorn'' in der Bestimmungstabelle als Merkmal zur Abgrenzung von nemorosus gegen cantans nigrina, dorsalis und lateralis nimmt, so ist das ein Irrtum. Das Haar kommt bei allen mir bekannten Aedesarten, wahrscheinlich bei den meisten Culiciden an derselben Stelle vor. Fig. 32. Typischer Nemorosus- und Cantansbrutplatz. (Nach Mühlens) (Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 16, Beih. 1.) Lebensweise. Die Art ist im Frühjalir in den vorübergehenden und aus- dauernden Gewässern ungeheuer häufig. Schon am 13. März 1919 fand ich ein erwachsenes Stück, so daß ich annehme, dai3 a?uch hier einzelne Larven bereits im Herbst ausschlüpfen und durch- wintern. Ganz junge Larven waren 1920 schon im Januar vor- handen. Besonders scheint sie blätterigen Grund zu lieben. So erscheint sie in Pfützen im Buchenhochwald in Massen. Die Ver- puppung aller Larven an einem und demselben Orte geschieht oft 107] III- Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 107 sehr gleichzeitig. So fand ich z. B. am 21. April 1919 auf einem Graben im Gebüsch unter Eichen einen förmlichen Überzug von alten Häuten der Larven dieser Art, die sich in ungeheuren Scharen in den letzten zwei Tagen verpuppt hatten. Sehr wichtig ist es, daß die Art ein oberflächliches Aus- trocknen ihrer Brutgewässer überdauern kann. Die Waldtümpel bei Wohldorf, die am 17. April noch von Nemorosus-Larven wim- melten, waren am 21. April trocken, wenigstens oberflächlich. Beim Betreten machte sich ein Quutschen bemerkbar. Unter den trocke- nen oberflächlichsten Blättern lagen bald Blätterschichten, die ganz naß waren, und hier zwischen die Blätter gelagert fs'.nden sich Unmengen von Nemorosus-Larven und -Puppen, Stücke in der Verpuppung imd ganz frische Puppen, so daß man den Eindruck hatte, die Entwicklung ganz großer Larven gehe fast ungestört weiter. Kleine Cantans-Larven waren dazwischen. Die typische Form finde ich besonders im Buchenhochwald, was wohl mit am meisten dafür spricht, daß sie richtig mit Mei- gens .nemorosus gleichgesetzt ist. Die Larve lebt: 1. in den Tümpeln oder Pfützen, die sich in flachen Mulden auf dem Wald- grund bilden und ganz mit Buchenlaub bekleidet sind; 2. in Grä- ben usw. am Eand von Wäldern, Gebüschen, Knicks ; 3. bruchartigen kleineren Stellen im Hochwald; 4. in Wasserlöchern mid Gräben im EJiefern- und Fichtenwald; 5. überwiegendem Bruchgelände. In 1. ist sie mit cantans allein vergesellschaftet, in 3. fand ich sie mit serus und diversus und cantans, in 4. ziemlich allein, in 2. mit morsitans und sylvae. Die Art entwickelt sich schon ziemlich früh — die erwähnten Massenverpuppungen traten ja 1919 schon Ende April bei Ham- burg ein — , also neben diversus als erste in unserer Mückenfauna, sie dürfte in den ersten warmen Tagen sclilüpfen und ist von Mitte Mai ab sehr angriffslustig. Die Art kommt nach der vorliegenden Literatur vor im Elsaß, bei Bonn, überall in den Wäldern bei Hamburg und in der Po- stocker Heide, bis dicht an die Küste, bei Danzig, Lübeck, Schwe- rin i. M. Wahrscheinlich ist sie stn den geeigneten Stellen in ganz Europa gemein, doch ist bei der ungenauen Trennimg von der folgenden Art darüber nichts zu sagen. Am Balkan fand ich sie am Dobropolje üi 1500 Meter Meereshöhe, ob sich Galli-Valerios Angabe, daß sie in der Schweiz noch bis 2340 Meter geht, auch auf diese Art bezieht, kann ich nicht entscheiden. 108 Dr. E. Martini. Über Steclimücken. [108 6. Aedes sylvae Tlieob. 1901 = neinorosuis Edwards 1912 u. a. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit goldenen Sichel- und Gabelschuppen, an den Seiten mit großen Flecken breiter lichtgoldener Schuppen, gegen die Augen kein wesent- lich hellerer Rand, Eüssel tiefglänzend schwarz, Taster tiefschwarz ohne hchtere Schuppen, Fühler dunkelbraun mit schwarzen Haaren und lichtem Flaum. Mittel- rücken mit dunkeln goldenen derben Sichelschuppen als Grundkleid, die gegen das Schildchen hin und gegen die Brastseite breiter und etwas lichter werden. Gebiet der Mittelwülste mit viel feineren kupfrigen Schuppen, entlang der Mittel- fiu'che springt von vorn und hinten eine kleine Zunge, der größeren lichteren Fig. 33. Männlicher Ge- schlechtsapparat von Aedes silvae. Vergr. imgef. 75 : 1. Fig. 34. Larvenhinterende von Aedes silvae. Daneben eine mittlere Sti-iegelschuppe stärker vergrößert. Schuppen in den Mittelschild ein, den Zungen entsprechen zwei weitere Stellen dunklerer, feinerer und dünnerer Schuppen, die aber viel länger sind als die der mittleren Bahn. Reichlich schwarze und goldene Haare, Schildchen mit goldenen Sichel- und Haarschuppen und goldenen Borsten. Brustseite mit gelb- grauen und weißlichen Schuppenflecken. Hinterleib Gnmdfarbe auf der Oberseite tiefglänzend schwarz, helle Bänder am Grunde der Ringel in der Mitte stark eingezogen, oft bis zur Unterbrechung, besonders auf den hinteren Ringeln, an den Seiten sehr kräftige Seitenfleeke bildend, Unterseite weißlich. Beine: Schenkel auf der Oberseite tiefschwarz mit wenig eingestreuten lichteren Schuppen, Unter- seite gelbweiß, Spitze ringsum dunkel. Schienen auf der Oberseite tiefglänzend schwarz und Unterseite lichter beschuppt, Füße tiefschwarz, Knieflecke gelbhch gegen die sehr dunkle Beinfarbe deutlich kontrastierend, Flügel mit wenigen hellen Achselschuppen, Grund der Randader und der 1. Längsader sowie 5. Ader meist 109] ni. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 109 ebenso schwarz wie die übrigen Flügelschuppeii. Schwinger braun mit weißen Schuppen. 5—6 mm. Männliche Taster ganz glänzend schwarz, Fühler schwarz mit gi'auen ßingeln und ganz schwarzer oder nur eine Spur fuchsiger, lichter widerscheinender Be- haarung. Die Beschuppung des männlichen Hinterhauptes und der Brust kann lichter, weißlicher sein. Häufig, besonders bei bestimmter Beleuchtung erzeugt das Licht auf den Schuppen im Bereich mit Mittelfurche einen stai'k deutlichen goldenen Wider- schein, so daß der breite schwarze Mittelfleck durch eine schmale goldene Linie in zwei Streifen aufgelöst erscheint. In anderen Stücken erscheinen hier einige feine, etwas längere goldene Schuppen, so daß ein wirklich feiner Längsstreifen zustande kommt. In anderen Stücken ist der Goldglanz der Mittelbahn stärker und ihre Haare länger, es kann dann unter der Lupe der Streifen an der Mittel- furche bi'eit golden erscheinen und nur noch zwei schmale dunklere Streifchen überlassen. Unterm Miki'oskop verwischen sich diese Unterschiede, aber auch die Abgrenzung der ganzen Mittelbahn. Die Unterbrechung der weißen Hinterleibs- binden ist oft so stark, daß man an die Beschreibung von lateralis erinnert wird. Die Larve hat ein etwas längeres Atemrohr als die vorhergehende, mit 16 in ungefähr gleichen Abständen stehenden Zähnen, der Striegel weist von 8 bis 24 scharfe Dornen auf, die bald fast in einer Reihe stehen, bald einen deut- lichen dreieckigen Fleck bilden. Das Afterglied hat ziemlich lange Kiemen und eine Bürste von ungefähr 16 Borsten mit meist 2 weiteren Borstenbüscheln davor, der Sattel umgreift das ganze Segment und ist vor der Bürste tief ausgerandet, er ist sehr kurz, Synonymie. Diese Art ist der nemorosus von de Mejere und Edwards. So auffallend es ist, daß Edwards den geschlossenen Sattelring nicht erwähnt, so ist es doch wohl kaum anders möglich, als daß er diese Form vor sich hatte, da alle anderen Merkmale genau passen. Es ist daher kein Wunder, daß er die Art sylvae von Theobald nicht anerkennt, denn nach der Beschreibung ist eben sylvae offenbar diese Art. Auf die mit völlig bronzener Brustbehaarung versehenen Stücke stimmt di^ Beschreibung von Theobald auch recht gut. Lebensweise. Wir erwähnten die Larven schon aus Bruchtümpeln, das ist aber nicht ihr Hauptplatz, Tümpel auf Heidegrund, zwischen dem Gras anmooriger Stellen, auch in Torfmoorgräben zwischen Gras und Fadenalgen an Stellen, wo nur niedrige Weiden und Zwerg- ■ birken wachsen, sind ihre Lieblingsplätze. Wenn sie also auch im Walde vorkommt, so scheint sie mir außerhalb doch sehr viel häufiger. 110 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [HO Durch den völlig abweichenden männlichen Geschlechtsapparat ist sie leicht von nemorosus zu unterscheiden. So sehr mm auch dieser und die Larve von nemorosus ver- schieden sind, so muß ich doch gestehen, daß man leicht weibliche Stücke findet, von denen ich nicht sagen kann, ob es nemorosus oder sylvae ist. Die Art ist wie nemorosus sehr blutgierig, fliegt dreist an und sticht auch bei Tage heftig. Sicher bekannt ist sie danach aus den Niederlanden, England, Skandinavien, der Gegend von Danzig, Kostock, Hamburg. Auf- fällig ist, daß sie im Elsaß nicht beobachtet wurde. Ecksteins Beschreibung von lateralis Mg. würde zu dieser Larve passen, und seine Larvendiagnose im Bestimmungsschlüssel läuft auch darauf hinaus. Doch ist es merkwürdig, daß er das auffälligste Merkmal, den ringförmig geschlossenen Sattel, nicht erwäJint haben sollte, auch stimmen viele Erwachsene schlecht zu M eigens Beschreibung von lateralis. Unter nigrina kann sie sich nicht gut verbergen, denn die Kiemen sind wohl manchmal fast so lang wie das Atem- rohr, übertreffen dasselbe aber nicht, und eine so schöne einfache Eeihe von Dornen zeigt ihr Striegel auch nicht. Auch ist es ja eine altbekannte Form, wenn sie auch mit unter nemorosus ging. 7. Aedes Gallii n. sp.i). Galli-Valerio und Eochaz de Jongh (104) schreiben: Füh- ler, Küssel und Taster sind schwarz, der Thorax schwarz mit feinen gelblichen Haaren, die Flügel rauchfarben, die Beine schwarz, das Abdomen weiß und schwarz geringelt. Den Autoren ist sie als dunkler nemorosus aufgefallen. An den mir zur Untersuchung freundlichst überlassenen Spiritusstücken konnte ich die füi' salinus so bemerkenswerten helleren Schuppen auf den Flügeladern, an den Oberseiten der Schenkel und Schienen sowie an den dunklen Teilen der Hinterleibsringe nicht auffinden. Über die Breite und Form der weißen Ringel, ob an den Seiten ausgezogen (wie mir schien) oder in der Mitte, sowie über die genaue Zeichnung des Brustkorbes, ob noch dimkle Striemen vorhanden, konnte ich an den Stücken nichts Sicheres ermitteln. ^) Das Material dieser Art, Männchen, Weibchen und Larven, danke ich der Güte von Prof. Galli-Valerio, dem ich hier meinen besonderen Dank aus- sprechen möchte. inj III. Culicmi, Aedes (Ochlerotatus). 111 Die männlichen Geschlechtsorgane unterscheiden sich von nemorosus leicht durch den stark geflügelten Anhang der Har- pagonen sowie durch den starken Absatz in deren Stamm. Gegen- über salinus tritt auch das letztere Merkmal hervor. Der Anhang der Harpagonen ist bei jenen auch viel länger gestielt, d. h. der Flügel springt erst viel weiter gegen die Spitze zu vor. Die Larve hat ziemlich kurze Fühler mit sehr langem Haar- busch. Scheitelhaare drei- imd fünfteilig (salinus 2, 3), Striegel Fig. 35. Männlicher Geschlechtsapparat. Fig. 36. Larvenhinterende von A. Gallii. mit ungefähr 50 Dornen, welche spitzer sind als die von Salinus. Atemrohr ungefähr dreimal so lang als breit mit ungefähr 20 großen und fünf kleinen in gleichen Abständen stehenden Pekten- zähnen, der Haarbusch steht hinter dem Kamm dicht vor der Mitte des Rohres etwa, siebenteilig mid von ungefähr der halben Rohr- länge. Ruderformel anscheinend 17 -|- 1. Ejemen schmal, länger als das Atemrohr (oline dessen Klappen). Über das Vorkommen der Art schreiben die Entdecker: 112 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [112 „Am 21. Juli 1906 war es uns im kleinen See von Rogneda (2390 m. üb. d. M. im Veltlin) möglich, einen Einblick in das Leben und Treiben der Culiciden der Alpenseen zu tun. Dieser See ist ganz umgeben von Geröllhalden, die aus großen Schieferblöcken bestehen ; die Ufer sind senkrecht und jeder Vegetation bar. Im See selbst ist keine Pflanze zu finden; der Grund besteht aus Schieferblöcken und Sand ohne etwas Pflanzliches. Trotzdem war dieser See äußerst reich an Larven und Puppen von Culex. Wir konnten uns nicht erklären, von was die Larven in solch reinem Wasser leben konnten ; bei näherer Beobachtung sahen wir sie aber häufig den Schieferblöcken sich nähern, den Kopf gegen diese haltend und rasche Bewegungen mit dem Vorderteil des Körpers machen. Die Schieferblöcke waren mit einer kaum bemerkbaren, braunen Schicht überzogen. Durch Abkratzen der Blöcke ließ sich von dieser Schicht etwas lösen, und mikroskopisch konnte man er- kennen, daß die braune Schicht aus Algen bestand. Die TJnter- suchung des Darminhaltes der Larven zeigte das Vorhandensein einer Menge Algen wie auch einiger beweglicher, sehr langer Ba- zillen. Diese Larven hatten eine gelbliche Farbe, der Kopf, das letzte Glied und die Atmungsröhre waren schwarz. Die Puppen waren fast schwarz auf der Oberseite, gelblich auf der Bauchseite; sie schwammen mit größter Geschwindigkeit umher." Larve sowohl wie der männliche Geschlechtsapparat kenn- zeichnen diese Art unter den einheimischen so deutlich, daß ich kein Bedenken trage, sie als neue Art aufzuführen. 8. Aedes terriei Theob. 1903. Kopf in der Mitte mit sichelförmigen, gelbUchweißen Schuppen und schwarzen Gabelschuppen, an den Seiten mit flachen, fast weißen Schuppen, gegen die Augen weiß gerandet, Eüssel lang, schlank, braunschwarz. Taster braunschwarz mit einzelnen lichten Schuppen, Fühler am Grunde lederbraun mit weißen Schuppen auf dem Grundglied, sonst schwarzbraun mit schwarzen Haaren und weißschimmerndem Flaum, Mittelrücken mit weißen Sichelschuppen und goldenen Haarschuppchen , letztere überwiegen in der Mitte stark, ein breites goldenes Mittelband bildend, das mehr oder weniger deutlich ist, an den Seiten treten sie gegen die weißen Schuppen zurück, ebenso gegen das Schildchen, überwiegen dagegen wieder auf den Zungen. Schildchen mit starken weißen Sichel- schuppen, Brastseite und Hüften schwarz mit grauweißen Schuppenflecken, Hinter- leib Grundfarbe auf der Oberseite tief schwarzbraun, helle Bänder am Grunde der Ringel breit gelbweiß, Unterseite fast ganz weiß beschuppt. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwarzbraun, gegen die Spitze hin breiter und tiefer dunkel- gefärbt, an den Hinterbeinen nur der Endteil dunkel, überall mit eingestreuten weißlichen Schuppen, die gegen die Spitze seltener werden. Unterseite weißgelb, 113] III. Culicini, Aödes (Ochlerotatus). 113 Schienen auf der Oberseite schwarzbraun mit eingestreuten gelbweißen Schuppen, und Unterseite weißgelb, Füße schwarzbraun mit eingestreuten lichten Schuppen, Knieflecke gelbweiß, Flügel mit weißen Schuppen auf der Achsel und ebensolchen entlang der Rand-, Hilfs- und 1. Ader reichlich eingestreut, Schwinger rötlich- gelb mit schwarzem Knopf und weißer Beschuppung. Die weißen und goldenen Schuppen der Brust können in ihrem gegen- seitigen Mengenverhältnis recht wechseln. Die weißen Schuppen werden an den Tastern manchmal vermißt, auch ist die Menge, in der sie auf den Flügeln auf- treten, schwankend, oft sind es nur einige wenige. Am Eüsselgrunde beobachtete ich nie helle Schuppen, doch scheint mir das bei der ganzen Abänderlichkeit der Art nicht ausreichend, sie terriei gegenüber als neue Art zu bezeichnen. Die Taster des Männchens sind in den Endgliedern kaum verdickt, deut- lich länger als der Rüssel, das zweite, lange Glied ganz weißlich bis auf einen schwarzen Ring in der Mitte und die Unterseite des Endes. Das dritte Glied ist auf der Unterseite dunkel, dicht über dem Grunde auch oben. Dann folgt ein breiter Fleck weißer Schuppen, die sich mehr und mehr zerstreuen, aber vereinzelt noch auf dem Endglied vorkommen. Behaarung der Taster und Fühler mit lichtfuchsigem Schimmer. 6 mm. Die Art ändert auch sehr ab. Die dunkel gefärbten Stücke zeigen einen ganz braunen Brust- korb mit nur zwei lichtgoldenen Flecken an der Furchenkreuzung, die besonders in der Ansicht von vorn auffallen. Bei weiteren Stücken tritt eine feine Linie auf, welche, dem hinteren Abschnitt der Seitenfurche folgend, bis an den hellen Fleck reicht, und die ganze Färbung fällt etwas mehr ins Weißliche, und von da ab geht eine volle Reihe von Übergängen zu den Stücken, wie sie oben beschrieben sind. Auch die Zalü der lichten Schuppen auf den Flügeln ist bei den hellen Stücken viel größer als bei den dunklen. Es ist wohl verständlich, daß ich zuerst glaubte, bei den dunklen Stücken eine neue Art vor mir zu haben. Aber da ich weder an den männlichen Grcschlechts- organen, noch an den Larven durchgehende Unterschiede auf- finden kann, muß ich doch annehmen, daß auch hier erhebliche Variationsbreite vorKegt. An der Gleichheit mit Thoobalds Art Archiv f. Schiffs- u. Tropen-Hygiene. 24. Beiheft 1. 8 Fig. 37. Männlicher Geschlechtsapparat von Aedes terriei. Vergr. ungef. 75 : 1. 114 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [114 habe ich keine Zweifel. Der von Edwards vorgeschlagenen Gleich - setzimg mit salinus kann ich mich nicht anschließen. Bezüglich nigrinus könnte man auf Grleichheit schließen, da der weißlich bereifte, in der Mitte gelbliche Brustkorb ja sehr wohl von Eckstein kurz als graugelb bezeiclmet sein könnte, aber die starke Beimischmig heller Schuppen, die schon bei schwacher Lupe auffällt, widerspräche der Angabe, daß sich die Form durch tieferes kSchwarz selbst von ornatus unterscheide, das Tier macht imigekehrt einen mehr gräulichen Eindruck. Auch wäre nicht wahrscheinlich, daß die Autoren das auffallendste Merkmal, die weißen Flecke an den männlichen Tastern nicht erwähnt haben sollten. Lebensweise und Vorkommen. Fangplätze in lichten Wäldern mit reichlich Erlen oder Kiefern, meist in der Nähe der See. Die Art kam von Warnemünde bis Müritz mit salinus vergesellschaftet vor. Der Fangplatz des ein- zigen bisher von Theobald in England erhaltenen Stückes ist Bartfort, Keut, das auch als Fangplatz für salinus ei'TN^ähnt wird. Das entspricht der biologischen Vergesellschaftung der Art in Deutschland und einer Vorliebe für die Meeresküste. Die Tiere flogen im Juni imd Anfang Juli und stachen bei Tage sehr gern. Fundplätze sind bisher bekannt: Danzig, Westerplatte, Bohn- sack, Bankau bei Danzig, Warnemünde, Müritz, Schwerin i. M., Israelsdorf bei Lübeck, Cuxhaven, Altengamme bei Hamburg, Dart- fort, Kent. Larve. Die Larve gehört zur Neraorosus-Gruppe. Es umgreift der Sattel also das letzte Segment nicht. Die Kiemen sind sehr kurz, fast stummeiförmig. Vor der ßüi-sle aus ungefähr 15 Haarbüschen stehen noch 2 solclie. Die Kamm zahne sind an Zahl 16, sie sind gleichmäßig gestellt und erreichen nicht die Mitte des Atemrohrs, das ungefähr 2^2 Baal so lang als breit ist. Der Striegel hat im unteren Teil scharfe Zähne, im oberen Teil werden sie mehr gerundet und viel- spitzig. Ihre Zahl beträgt ungefähr 24 in 3 Reihen. Die Fühler sind kurz, ganz dunkel, die Stirnhaare liaben die Formel 1/1. Die Larven kommen besonders in Salzmarschen vor, und zwar anscheinend noch lieber in der Nälie der Wald- und Gebüschränder, wo die alten Blätter noch im Wasser faulen, als in den ganz offenen Wiesen. Die Larven scheinen früh zu sein und denen der meisten Arten, außer nemorosus und diversus, voranzugehen. Die Art ist 115] m. Culicini, Aedes (Ochleiotatus). 115 nicht an die Salzmarscheu gebunden wie die Stücke von Danzig, Bankau, Israelsdorf imd Altengamme, zeigen vor allem aber das sehr häufige Vorkommen in den Wiesen am Schelfwerder und im Raniper Moor bei Schwerin i. M. Auf der anderen Seite muß je- doch gerade bei diesen, die Salzmarschen liebenden Arten, bedacht Fig. 38. Hinterende der LaiTe von Aedes terriei. Daneben einer der obersten und einer der untersten Zähne des Striegels. werden, daß sie die weit wandernden sind, von denen Seite 19 die Rede war. Die ersten Mücken kamen schon in den ersten Maitagen aus, im Juli habe ich die Art noch gefunden. Darüber hinaus kann ich wegen ungenügender Beobachtung nicht urteilen, ebensowenig, ob die Art zu mehreren Generationen neigt oder nicht. 9. Aedes salinus Tic. 1896. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit dunkelgoldenen Schuppen. Beiderseits neben der Mitte ein dunklerer Fleck, an den Seiten mit weißlicheren, aber noch deutlich gelben flachen Schuppen in nicht großer Ausdehnung, gegen die Augen golden gerandet, Eüssel schwarz mit einzelnen hellen Schuppen, Taster schwarz mit einzelnen gelblichen Schuppen, Fühler mit ledergelbem, gelblich beschupptem Grundglied und braunschwarzer Geißel, Haare schwarz, weiß schimmernd. Mitlel- rücken gleichmäßig mit derben, krausen, goldgrauen Haarschuppen bedeckt, die gegen Seiten und Schildchen nui" wenig stärker und heller werden. Schildchen golden beschuppt. Brustseite und Hüften schwarz mit gelben bis weißlichen Schuppen- flecken, Hinterleib Gnmdfarbe auf der Oberseite pechschwarz mit eingestreuten gelblichlichten Schuppen, helle Bänder am Grunde der Ringel gleich breit, schmal, oft sehr gering entwickelt, besonders auf dem letzten Ringel, Unterseite weißlich- 8* 116 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [116 gelb mit schwärzlichen Fleeten. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwarz, licht gesprenkelt. Unterseite gelblichschwarz gesprenkelt, gegen die Spitze oben und unten dunkel, Schienen auf der Oberseite schwarz, licht gesprenkelt, Unter- seite schmal, gelbweiß, Füße schwarz mit lichter Sprenkelung. Erstes Glied der Vorder- und Mittelfüße auf der Unterseite mit schmalen lichten Streifen, Knie- flecke weißgelb. Flügel schwarz mit eingestreuten gelbhchen Schuppen, Achsel ebenso, Schwinger lederbraun, Knopf schwärz- lich mit gelblichen Schuppen. Die Menge der lichten Schuppen ist erheblichen Abänderungen unterworfen, und so erscheinen manche Stücke viel grauer als andere. 5 — 6 mm. Kenn- zeichnend bleibt jedoch, daß alle dunkeln Teile, auch die Flügeladern und dunkeln Hinter - leibsringel mit hellen Schuppen bestreut sind, nur der Brustkorb ist gleichmäßig rot- braun beschuppt. Fühler der Männchen ganz schwarz, nur mit etwas grauem Widerschein auf den langen Haaren. Taster schwarz mit mehr oder weniger zahlreichen lichten Schuppen. VonFicalbi zuerst beschi'ieben and von nemorosus abgetrennt, später aber wieder als Varietät dieser Form angesprochen. Theo bald hat ihn dann als eine bloße Abänderung von nemorosus aufgefaßt und erwähnt ihn bei dieser Art. Edwards stellte die Art nach einigem Schwanken wieder her. Bei saliniis sind also gegenüber Fig. 39. aMännlicher Geschlechts- apparat von Aedes salinus. Vergr. ungefähr 75 : 1. b Harpago von Aedes Gallii. terriei die lichten Schuppen gelblicher und finden sich auch zerstreut auf dem Hinterleib. Die niäiinlichen Taster sind fast ganz schwarz, nur mit den eingestreuten hellen Schuppen, die großen, hellen Strecken der Taster wie bei terriei fehlen. Vorkommen. Die Art war bisher also nur in Italien und England ge- funden, in Deutschland ist sie in Müritz, Markgrafenheide, Warne- münde häufig, ebenso auf dem Prevall bei Lübeck von mir getroffen, sie gilt als Art der Meeresküste, was durch meine Beobachtungen bestätigt wird (allerdings bei Danzig, besonders auch auf Heia, wo ich eingehend nach ihr suchte, habe ich sie nicht gefunden). Etwas später als nemorosus und diversus. An lichten Stellen des Waldes, besonders in Kiefern, sticht bei Tage sehr gern und ist an den genannten Stellen häufig. 117] III. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 117 Die Larve ist der von uemorosus sehr ähnlich, fällt aber sofort durch die sehr kurzen Kiemen des Endgliedes und die blassen schwach chitinisierten Zähne des Sh'iegels auf, deren Zahl ungefähr 40 beträgt. Sie sind im Bau sehr ähnlich denen von nemorosus, aber etwas kürzer. Im Ruder stehen 16 Büsche in der Bürste und 2 vor derselben. Das Atemrohr ist ungefähr zweimal so lang als breit, hat einen mäßig kräftigen Busch und ungefähr 22 Kammzähne, die in annähernd gleichen Abständen nicht bis zur Mitte des Rohres reichen. Die Fühler sind kurz und ganz dunkel. Die Stirnhaarformel ist ungefähr 2/3. Diese Art ist unsere hauptsächliche Salzwiesenart, die beson- ders in ganz offenem Wieseugelände in kleinen Tümpeln und stehen- den Gräben sich im ersten Fnihiahr in ungeheuren Scharen ent- Fig. 40. a Hinterende der Larve von Aedes salinus. Daneben ein mittlerer Striegeldorn, b Striegelschuppe von nemorosus. wickelt mit der vorigen zusammen, sowie hier und da mit dorsalis vereinigt ist sie die größte Plage in einer Reihe unserer Badeorte an der Ostsee. Sie erscheint etwas nach der vorigen Art. 1919 ungefähr zwei Wochen später, kommt aber auch noch zurecht, um gleichzeitig mit letzterer in den ersten Tagen, wenn warmes Maiwetter den Blutdurst weckt, die Eaubzüge zu beginnen. Leider liegen mir über Wanderungen cUeser beiden Arten landeinwärts keine Beobach- tungen vor. Immerhin fand ich bei Israelsdorf im Walde einzelne Stücke, was auf ein gewisses Wandern schließen läßt. 118 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [118 10. Aedes nig-rinus Eckstein. Aedes nigrinus ist von Bresslau und Eckstein 1918 von nemorosus abgetrennt. Sie soll von ornatus und nemorosus durch die Larve und Eier und männlichen Gleschlechtsapparat verschieden sein, ferner von nemorosus durch die schimmernd weißen abdomi- nalen Binden, die bei nemorosus grauweiß sind, und durch die auf- fallend schwarze Grundfarbe des ganzen Körpers. Der Rücken ist als gelbgrau beschuppt angegeben. Es ist klar, daß bei der Unsicherheit über nemorosus mit dieser Beschreibung ein Wiedererkennen der Art ausgeschlossen ist. Dagegen müßte die Larve leicht kenntlich sein. Von ihr wird angegeben : Der Fühlerborstenbusch steht in der Mitte des Fühlers. Die Atemröhre ist zweimal so lang als breit, trägt den Haarbusch ungefähr in der Mitte, Kanmi mit ungefähr 14 Dornen. Kiemen länger als das Atemrohr. Im Striegel imgefähr 10 — 12 lanzettliche Schuppen, die nach der Figur in einer Reihe stehen. Nigrinus ist bisher nur auf den Wiesen bei Wolfisheim und Oberschäffolsheim im Elsaß gefunden. Cantans- Gruppe. Die nächste Gruppe, die Cantans-Gruppe, bietet noch immer Schwierigkeiten. Vielfach sind wohl alle Arten liier unter cantans vereinigt. Von allen genaueren Autoren ist aber annulipes von cantans getrennt. Was aber annulipes ist, darüber herrscht Ver- wirrung. Es treten hier von zwei Arten bald die eine, bald die andere als annulipes auf. AuJßerdem gibt es aber noch eine vierte Art in der Gruppe. Es gehören hierher aus Europa die Namen cantans Mg. 1818, maculatus Mg. 1818, annulipes Mg. 18.30, waterhousi Theob., ajinulipes Ficalbi, bipunctatus Rob. Desv. 1877, flavescens Theob. 1901, arcanus Blanchard. Wir beginnen mit der leichtest kenntlichen Art. 11. Aedes annulipes Zett. = bipunctatus Robineau Desvoidv 1877 = annulipes Fic. et auctorum = flavescens Theob. = arcanus Blanchard. = cantans Mg. 1818. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit goldenen Sichelschuppen, jederseits ein Fleck dunkel- gelber Schuppen, daneben im Nacken viele schwarze Gabelschuppen, an den 119] III. Culicini, Äödes (Ochlerotatiis). 119 Seiten mit flachen gelbweißeu Sciiuppen, gegen die Augen mit nur wenig lichter gelbem Rand, Rüssel gelbweißlich imd schwarz gesprenkelt, macht im ganzen einen gelbbraunen Eindruck, gegen die Spitze in Dunkelbraun übergehend, Taster braunschwarz mit eingestreuten blaßgelben Schuppen, besonders an der Spitze, Fühler Grundglied hell lehmgelb, mit blaßgelben Schuppen, Geißel dunkelbraun, mit schwarzen Borsten und langem gelblichweißen Flaum, Mittelrücken gleich- mäßig mit haarartigen goldbraimen Schuppen bedeckt, die mit dem schwarzen Grund zusammen, besonders beim lebenden Tier und Ansicht von vorn einen lebhaften braunen Eindruck ergeben, gegen das Schildchen nur wenig lichter. Schildchen lichter lederbraun mit goldenen Schuppen, Brustseite und Hüften dunkel lederbraun, weißgelb beschuppt. Zwei dichtere Schuppenbüsche heben sich in mancher Beleuchtung durch hellere weiße Farbe ab, Hinterleib, Grund- farbe auf der Oberseite gelb, manchmal ganz gelb, als wenn die ursprünglich schwarze Grundfarbe nur noch auf einige schwarze eingestreute Schuppen beschränkt wäre. Helle Bänder am Grunde und Ende der Ringel, sowie die dicht auf dem bei verwandten Arten schwarzen Teil des Rückens einge- streuten gelben Schuppen vereinigen sich zu Längsbändern, beiderseits neben der Mitte der Ringel. Manchmal ist die Mittellinie selbst ebenfalls ganz von diesen gelben Längsbändern ver- schlungen, manchmal aber als An- deutung einer schwärzlichen Mittellinie vorhanden, sehr oft ist von der schwar- zen Farbe neben den gelben Längs- bäudern auf jedem, besonders der vor- deren Ringel ein schwärzlicher Keil- strich stehen geblieben. Die lichten Seitenflecke wieder stets zum Längs- band verschmolzen. Unterseite gelb mit schwarzer mittlerer Längsbinde, Beine: Schenkel auf der Oberseite dunkelbraungelblich, weiß gesprenkelt, Unterseite blaßgelb, gegen die Spitze etwas dunkler, Schienen auf der Oberseite schwarzbraun, blaßgelb gesprenkelt, Unterseite blaßgelb, Füsse: 1. Glied oben braunhäutig, am Grunfle überwiegend blaß beschuppt, gegen die Spitze dunkler, unten fast der ganzen Länge nach blaß, mit wenigen eingestreuten schwarzen Schuppen, übrige GUeder mit breiter gelbweißer bis reinweißer Binde am Grunde und schwarzen Enden, Knieflecke gelblichweiß, Flügel braun und gelblichweiß gesprenkelt, Schwinger lederbraun, die Köpfchen etwas dunkler, mit gelblichen Schuppen. 7 — 9 mm. Die Andeutung einer lichteren Zeichnung des Mittelrückens findet sich nur insofern, als auf den Seitenfirsten helle Schuppen ein wenig von der Gegend vorm Schildchen weiter nach vorn reichen und eben durch Furchen und Firsten in ge- Fig. 41. Männlicher Geschlechtsapparat von Aedes annulipes. Vergr. ungef. 75 : 1. 120 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [120 wissen Ansichten eine Spur einer Zeichnung mit dunkleren Längsbändern her- vortritt. Bei stark dunkel beschuppten Stücken ist, wie gesagt, die dunkle Rückenhnie deutlich, es kann so weit gehen, daß die helle Beschuppung auf den Bauchringeln zu zwei fast bis ans Ende der Ringel reichenden breiten, gelben, basalen Flecken und den Seitcnf lecken aufgelöst erscheint, besonders auf den vorderen Ringeln, während die hinteren mehr zu ganz gelber Färbung neigen. Männchen ähnlich, doch tritt den Furchen (außer der Mittelfurche) und den Rändern der Mulden folgend auf dem Brustkorb eine lichtgoldene feine Zeichnung auf, die bei anderen Stücken sehr deutlich werden kann, bis zu einem kräftigen Gegensatz der dunkel beschuppten Mittelstriemen gegen die weißlichen Seiten. Taster weißUch gelb und dunkelbraun gefleckt, Taster und Fühler mit langer lebhaft fuchsiger Behaarung. 9 mm. Synonymie. Ich stelle diese Art voran, weil sie die bestgekennzeichnete aus der Cantans-Gruppe ist. Aber die Bezeichnung' ist keineswegs gleich gut erklärt. Bei vielen Forschern erscheint sie als annulipes Mg., liierher gehören Goetgebuer, Schiner, Grünberg, Eckstein, van der Wuip. Man lese die dortigen Beschreibungen nach, in denen annulipes als hell gelbbraun oder ähnlich geschildert wird. Blanchard faßte diese Mücke als eine neue Art auf und nannte sie arcanus. Theo bald übernahm sie, nannte sie aber flavescens. Dieser Name kommt schon bei Meigen vor, bei einer Mücke, die folgendermaßen beschrieben wird. Gelb mit braunen Füßen. Sie ist ganz gelb, nur die Füße sind braun, die Flügel am Vorderrande mit gelben Nerven. 2^/2 Linien. Von dieser Beschreibung unterscheidet sich unsere Art dadurch, daß sie helle geringelte Füße hat, durch das braune Aussehen des Brustkorbes und die erheblichere Größe, ungefähr 4 Linien. Es sind nun in der'Hope CoUection in Oxford in der Tat alte Stücke dieser Art vorhanden, die als flavescens und lutescens (beides waren in der alten Zeit anscheinend Synonyme) bezeiclmet sind, und es erscheint nicht ausgeschlossen, daß Meigen das Über- sehen der Ringelung, das ihm angeblich bei maculatus passiert ist, noch einmal zugestoßen sein soll, besonders bei einer Form wie der vorliegenden, wo sie keineswegs sehr hervorsticht. Wenn wir doch arcanus nicht = flavescens Mg. = lutescens setzen, so geschieht das, weil mir in Ostpreußen wälirend des Krieges 1914 eine Mücke begegnet ist, die in der Tat ganz gelb war. Ich hatte keine Art Fanggerät bei mir, da es nur eine vor- 121] ni. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). , 121 Übergehende Stockung auf dem Marsche war, und nur .jinen Augen- blick Zeit, die Mücke mit der Lupe zu betrachten. Ich habe sie da- her nur darauf angesehen, ob sie lächert und ob die Füße geringelt waren, beides war meiner Meinung nach nicht der Fall, obgleich für ersteres die Sechsfachlupe ja etwas schwach ist, 'die Mücke war von gut Nemorosusgröße. Meiner Erinnerung nach ein Ochlerotatus. Wenn wir schon Meigen das Übersehen der Bäiiderung der Beine nachsagen wollen, so würde meiner Meinung die Beschrei- bimg von bioolor besser zu unserer Art passen. In der Tat macht sie, im Grase sitzend, einen durchaus zweifarbigen Eindruck, indem der roßkastanienbraune Ton des Brustkorbes scharf gegen das Lehmgelb des übrigen Tieres absticht. Die Bezeichnung flavescens findet sich schon bei 0. F. Müller mit der Bemerkung: Luteus tomentosus, alis cihatis, nervis subluteis. In aquis. Eine Beschrei- bung, die nach Art der in demselben Zusammenliange stehender Beschreibungen, die alle nicht vollständiger sind, ganz gut auf unsere Art angewandt werden könnte. Leider ist mir nicht bekannt, ob die Stücke, auf die er seine Beschreibung gründete, noch irgendwo vorhanden sind. Unter diesen Umständen kann ich flavescens 0. F. Müller nicht identifizieren. Es kämen auch die hellen Stücke von Richi- ardii in Frage, auf welche die Bemerkung in aquis ebensogut passen würde wie auf bipunctatus = arcanus. Daß die Beschreibung von Rob. Desvoidy von Culex bipunc- tatus eben diese Art ist, geht aus dem vorhergehenden hervor. Rob. Desvoidy sagt: Brustkorb : Rücken dunkelrot, Seiten lichter mit zwei silbe- rigen Flecken vorn, Schenkel blaßgelb. Knie gelb, Füße braun und gelb geringelt; Rücken des Hinterleibs gelb, mit mittlerer schwärz- licher Linie. 4" Von den mir bekannten Mücken paßt diese Beschreibung nur auf unsere Form. Es handelt sich also um eine wohlgekennzeichnete Form, die infolge der Unsicherheit über annulipes unter den verschiedensten Namen, am öftesten als annulipes auftritt. Meigens Beschrei- bung von cantans 1818 paßt nur auf diese Form. Vorkommen ^nimt die Art ' land, Frankreich, Italien, Ungarn, Siebenbürgen Nach dem Gesagten kommt die Art vor in Deutschland, Nieder- 122 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [122 Wenn sie auch an einigen Stellen häufig ist, so ist sie doch keineswegs überall. Ich fing sie in der Hamburger Gregend an einer ganz bestimmten Stelle bei Cuxhaven, bei Danzig auf dem Bischofsberg an einem der dortigen Teiche. Einmal in wenigen Stücken bei Danzig in der Niederung und ein Männchen bei Wester- platte, ferner bei Warnemünde, Lebensweise. Annuüpes ist eine Marschform, die auch an dauernd wasser- haltigen Stellen in ganz offenen Gregenden vorkommt. Ihr Vorkommen bei Cuxhaven und Warnemünde scheint mit der Beobachtung gut zu stimmen, da Grünberg angibt, daß sie eine Form auch der Salztümpel sei. Danach möchten wir die Angabe von Steuer, daJ3 er annulipes im Seewasser in Pelslöchern an der Adriaküste gefunden habe, auf diese Form beziehen. Ebenso Rob. Schmidts annulipes in der Salzwasserfauna Westfalens, der noch bei 0,6 bis 10,2 o/o Salzgehalt fortkam. Die Brut fand ich bei Warnemünde mit der von salinus ge- mischt in Wassertümpeln und Gräben. Fig. 42. Larvenhinterende von Aedes annulipes. Daneben eine mittlere Striegelschuppe. Die Larve hat wie alle Larven dieser Gruppe im Euder vor der Bürste noch 5—6 Haarbüsche stehen, so daß dasselbe fast bis an den Vorderrand des Aftersegmentes reicht. Der Sattel ist lang, die Kiemen kurz. Die Atemröhre ist mehr als dreimal so lang als breit. Ihi* Kamm, aus ungefähr 21 Zähnen bestehend, 123] in. Culicixii, Aödes (Ochlerotatus). 123 vou denen die letzten immer ein wenig, meist deutlich, oft auffallend weit ge- stellt sind, reicht nicht bis in die Mitte des Rohres. Der starke Haarbusch steht ziemlich genau in der Mitte. Die Zähne des Striegels sind scharf und bilden zu ungefähr 23 einen dreieckigen Fleck. Die schwachen Fühler sind im unteren Teil etwas heller als gegen die Spitze. Kopfhaarformel 3/4. Die fertigen Mücken halten sich im hohen Gras und Schilf, wo auch die Männchen sind. Die Art erscheint so ais eine aus- gesprochene Wiesenform. Sie sticht erst gegen Abend und war mir gegenüber stets wenig zudringlich. Wir haben nun außer annulipes noch wenigstens drei Arten, sofern die männlichen Cleschlechtsorgane zuverlässig sind. Aber es ist meiner Meinung nach kaum möglich, die Formen auf irgend eine andere Weise zu trennen. 12. Aedes cantans = waterhousi Th. = vexans Mg. 1818 (?) = cantans auctorum. Beschreibung. Männchen: Kopf in der Mitte mit gelblich weißen Sichelschuppen, an den Seiten mit flachen weißen Schuppen, gegen die Augen nicht markiert, Rüssel h - Fig. 43. Männhcher Geschlechtsapparat von Aödes cantans. Vergr. ungefähr 75 : 1. a = Seitenstück, b = dessen Endlappen, c = dessen Basallappen, d = dessen Greifhaken, e = Uncus, f = Harpes, g = Schaft des Haarpago, h Anhang desselben. schwarzbraun mit eingestreuten lehmbraunen Schuppen, Taster langes Glied an der Basis mit weißlichem Fleck, im äußeren tiefbraun und gelblich gefleckt, wobei die dunkeln Schuppen diesen Teil ringförmig umgreifen, vorletztes Glied mit 124 Dr- E. Martini. Über Stechmücken, [124 großem hellen, basalen Schuppenfleck. Tasterborsten mit wenig fuchsigem Schein. Mittelrücken mit bronzebraunen Haarschuppen in der Mitte, einschließlich der Mittelfirst, ebensolche Schuppen auf den Zungen. Grund sonst weißlichgelbe Sichelschuppen, die an den Seiten und gegen das Schildchen stärker und heller werden. Schildchen weißlich beschuppt, Brustseite weiß beschuppt, die Schuppen auf der Vorderbrust ins Gelbliche fallend. Hinterleib Grundfarbe auf der Ober- seite schwarzbraun, helle Bänder am Grunde der Ringel vollständig weiß in Seitenflecke ausgezogen, Unterseite grauweiß. Beine: Schenkel auf der Ober- seite am Grunde gelblich, am Ende schwarzbraun. Unterseite hellgelb. Schienen auf der Oberseite schwarzbraun mit eingestreuten lichteren Schuppen. Füße schwarzbraun, erster Hintertarsus mit eingestreuten lichten Schuppen und oberseits einem schmalen weißen Ring, der auf der Unterseite kaum angedeutet ist. "Weißer Ring des dritten Gliedes am stärksten ^/g des Gliedes einnehmend, Ringel der anderen Beine sehr schmal. Knieflecke blaß, Flügel dunkelschuppig, Schwinger mit dunklem Grund, weißlichem Stiel und lederschwarzem Kopf. Bei einem zweiten Männchen tritt das Weiße an den Tastern mehr als weiße Ringel auf, ein Männchen von Travemünde hat reinweiße Schuppen auf der Rückenseite. Weibchen : Kopf in der Mitte mit breitem Fleck gelblichweißer Schuppen, da- neben schwarz, an den Seiten mit weißlichem Fleck breiter Schuppen, der bald größer oder kleiner ist, je nach Ausdehnung des schwarzen Fleckes, in dem Maße, daß letzterer fast ganz verschwinden kann. Gegen die Augen mit fast weißem Rand, Rüssel schwarz mit lichteren Schuppen besonders in der Mitte, Taster schwarz ebenfalls mit wenigen lichteren Schuppen, Fühler schwarz mit schwarzen Borsten und weißlichem Flaum, Mittelrücken mit dunkelbronzenen Haarschuppen, die gegen den Hinterrand und die Seitenränder stärker werden. Ein Fleck gelblichweißer Schuppen steht fast immer an der Kreuzungsstelle der Furchen, gleiche Be- schuppung findet sich ferner als Hufeisen um die Grube vorm Schildchen, im hinteren Teil der seitlichen Längsfurchen oft bis zur Kreuzung reichend," am seitlichen Brustkorbrand, auf dem vordersten Ende der Mittelwülste und in der Seitenfurche ganz vorn. Von hier greift sie oft mehr oder weniger weit auf das vordere und hintere Dreiecksschild über. Schildchen schwarz mit weißen Sichelschuppen, Brustseite mit weißen Schuppeuf lecken. Hinterleib Grundfarbe auf der Oberseite schwarz, bei manchen Stücken mit eingestreuten lichten Schuppen, helle Bänder am Ende der Ringel auf den hinteren Segmenten meist deutlich voi'handen, am Grunde manchmal sehr gering, manchmal deutliche gelblichweiße bis bräunliche Bänder bildend, die in der Mitte oft ein wenig nach hinten aus- gezogen sind und an den Seiten zu Seitenflecken sich ausdehnen. Unterseite schwarz licht gesprenkelt mit breiten hellen Grundbinden und an den letzten Segmenten etwas lichten Endsaum. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwarz- braun, stark licht gesprenkelt, Unterseite weißlich, gegen die Spitze dunkel. Schienen auf der Oberseite schwarzbraun, stark hell gesprenkelt und Unterseite licliter, Füße wie beim Männchen, Knieflecke schwach weißlich, Flügel schwarz- braun beschuppt, mit lichten Schuppen gesprenkelt, Schwmger schwarzbraun mit lichten Schuppen. 6 — 8 mm. Die Abänderlichkeit, die auf einer oft sehr erheblichen Einschränkung der lichten Schuppen auf dem Hinterleib beruht, und auf einer mehr oder weniger großen Ausdehnung der lichten Zeichnung des Brustkorbes, die beim Männchen immer stärker ausgebildet ist als beim Weibchen, wurde schon hingewiesen. Es 125] IIT. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 125 embrigt noch zu sagen, daß auch der Farbton der Hebten Beschuppung vom Weißhchen mehr ins Gelbliche gehen kann, auf dem Brustkorb sowohl wie auf dem Hinterleib. Ob Stücke, die hier nm- die Andeutung einer rostfarbenen Zeichnung haben, zu dieser Art gehören, kann ich nicht sagen. Larven. Die Larven haben kurz bedornte Fühler, die am Grund hell sind, Stirnhaar- formel 2/3 oder 2/4, Atemröhre ungefähr 2^/2 mal so lang als breit, Kamm mit 30 dicht und gleichmäßig gestellten Zähnen, Haarbusch mäßig stark. Ruder mit 17 Haarbüschen in der Bürste, davor zweien mit Fuß und drei weiteren, so daß das Ruder fast an den Vorderrand des Aftergliedes reicht. Sattel lang, umgreift das Glied nicht. Kiemen kürzer als der Sattel, im Leben ganz klar. Striegel mit un- gefähr 35 stark gefiederten Zähnen. Lebensweise. Die Art ist Begleiter von nemorosus, besonders in des- sen schattigeren Fangstellen, die Larven fand ich in den gleichen Pfützen im Buchen- hochwald v^^ie die von nonio- rosus, und für sie gilt/ auch das dort Gesagte, aber auch in lichteren Wäldern inid Brü- chen, ja sogar in dichterem Er- lengebüsch wird sie gefiuiden, in offenen Wiesen habe ich die Art nicht getroffen. Die Larven gehören zu den mittelspäten, ihre Hauptmasse ist erst lialb er- wachsen, wenn nemorosus sich verpuppt. Sie ist der vorigen viel- leicht ein wenig voraus. Die ersten Larven fing ich bei Hamburg Ende März, nach Eckstein bei Straßburg Mitte März. Ihre Verbreitung ist kaum mit Sicherheit anzugeben, da es nur auf Grund der männlichen Geschlechtsorgane sich mit Sicher- heit entscheiden läßt, ob die Tiere hierher gehören oder nicht. Dio- selben sind ja durch den starken Basallappen ausgezeichnet. Zuverlässig sind die Angaben von de Mejere (199) für die Niederlande, und ic^h nehme nach der Figur an, daß Eckstein für das Elsaß dieselbe Form meint, Edwards gibt che Art für England an. Ich habe sie von vielen geeigneten Plätzen aus der weiteren Umgebung von Hamburg, Postock und Danzig. Sie dürfte, wo Fig. 44. Larvenhinterende von Aedes can- Daneben ein mittlerer Striegeldorn. tans, 126 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [126 lichter hoher Buchenwald steht, überall häufig sein, aber noch an manchen anderen Plätzen. Sie ist im Hochwald oft ein ungeheuer zahlreicher und sehr blutdürstiger Moskito, der bei Tage sticht. 13. Aedes abfitchii Feit. 1904 = annulipes Mg. 1830. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit goldenen Sichelschuppen, daneben jederseits einen Fleck dunkelgoldener sehr feiner Schuppen, an den Seiten flache goldbronzene Schuppen, gegen die Augen mit goldenen Rändern, Rüssel braun gegen die Spitze dunkler, mit unscharfem gelblichen Band und eingestreuten gelblichen Schuppen. Taster schwarzbraun mit gelber Spitze und Ringen um den Grund der Glieder. Fühler Grundglied gelblich lederbraun, ebenso das erste Glied, beide mit gelblichweißen Schup- pen. Fühler: Geißel sonst braun mit schwar- zen Borsten und weißlichem Flaum. Mittel- rücken: die lichtere Zeichnung ist auch stark zusammengedrängt, daß die kupfer- bronzenen Haarschüppchen, welche aber in der Regel deutlich goldener sind als die dunkeln Schuppen bei cantans, die Über- herrschaft haben und auf diesem Grunde der vorderste Teil der Längswülste, die schiefe Furche, die Furchenkreuzung oft auch der hinterste Teil der Seitenfiu'chen und die Ränder des Mittelrückens sich licht goldschuppig abheben. Schildcben golden beschuppt. Brustseite braun, gelbliche Schup- penflecke. Hinterleib Grundfarbe auf der Oberseite mattschwarz mit eingestreuten gelben Schuppen, helle Bänder am Grunde und Ende der Ringel vorhanden, erstere breit, letztere in der Mitte nach vorn aus- gezogen, 7. und 8. Eingel fast ganz gelb. Unterseite ganz weißlich gelb. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwarz und gelb gesprenkelt, kurzer schwarz- brauner Fleck vorm Knie, Unterseite ganz gelb. Schienen auf der Oberseite ge- sprenkelt, Unterseite ganz gelb. Füße: Metatarsen Oberseite gesprenkelt, Unter- seite licht, kleiner heller Ring am Grunde, andere Glieder schwarzbraun breit weiß geringelt. Knieflecke gelb, Flügel auf allen Adern gelb und braun ge- sprenkelt. 7 — 8 nam. Die Männchen gleichen im wesentlichen den Weibchen, die goldene Zeich- nung ist weiter ausgedehnt und nimmt fast den ganzen Rücken außer den Längs- wülsten und Zungen ein. Am Hinterleib sind die lichten Sehuppen manchmal vom Basalring deutlich jederseits der Mitte in zwei Zungen nach hinten vorge- Fig. 45. Männlicher Geschlechts- apparat von Aedes abfitchii. Vergr. ungefähr 75 : l. 127] III. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 127 zogen, so daß es oft schwer ist, diese Stücke von den Männchen von annulipes zu unterscheiden. Die Fühler sind schwarzbraun bis fuchsiggrau mit grauen Ringeln, die Taster ebenfalls schwarzbraun mit gelblichen Schuppen gesprenkelt, die am Grunde und in der Mitte des langen Gliedes einen deutlichen hellen Fleck bilden, ja auf der Rückseite dieses Gliedes sogar überwiegen können. Männchen bis 9 mm. Bei manchen Stücken ist auch hier die lichte Färbung auf den Thorax weiter ausgedehnt, so daß auch bei Weibchen nur die Zungen und Mittelwülste dunkler Fig. 46. Hinterende der Larve von Aedes abfitchii, der mittleren Striegelschuppen. Daneben eine übrigbleiben, die helle Zeichnung des Hinterleibes kann sehr überhand nehmen oder auch stark zufücktreten. Im ersten Falle erscheint das Tier besonders in dem hinteren Teile auf gelblichem Grunde braun quergestreift. Diese Tendenz zur Querstreifung entgegen der zur Längsstreifung bei annulipes dürfte die Weibchen meist gut unterscheiden lassen. Larve. Die Larven sind kenntlich an dem langen Atemrohr, das ungefähr S^j^i^ial so lang als breit ist, einen Kamm mit ungefähr 20 weitläufig gestellten Zähnen hat, dessen letzte deutlich sich absondern, der Kamm erreicht die Mitte des 128 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [128 Rohres nicht, ebenso steht der sehr kräftige Haarbusch noch vor der Mitte, reicht aber fast bis zum Ende des Atemrohres, da seine Haare fast halb so lang wie dieses sind, an der Klappe des Atemiohres ist die Borste zu einem sehr starken Haken umgebildet, Ruder mit 17 sehr starken Büschen in der Bürste und 6 davor. Sattel lang, das letzte Glied nicht umgreifend, Kiemen lang, ungefähr so lang wie der Sattel. Striegel mit ungefähr 33 etwas weniger stark gefiederten Dornen als bei der vorigen. Die Art habe ich gefunden bei Richthof, Kreis Danziger Hölie, bei Warnemünde und auf der G-eest bei Hamburg. A^on abfitchii Feit kann ich einen erheblichen Unterschied nicht finden. Die Art würde danach auch iti Amerika vorkommen. Die Larven v^^aren an Knicks und Grebüsch, nicht eigentlich im Gebüsch selbst, auch in kla- reren ausdauernden Wassern und sind mir immer uar ein- zeln vorgekommen Die Art beträgt sich wie cantans, ist zudringlich sticht tags, Fig. 47. Männlicher Geschlechtsapparat von Aedes quartus. Vergr. ungefähr 75 : 1. und hält sich im Schutz dichten Gebüsches und Nadel- holzdickungen. 14. A. quartus u. sp. Die Art ist der abfitchii sehr ähnlich. Ich beschreibe nur das Männchen. Kopf in der Mitte mit weiß- goldenen Sichelschuppen, an den Seiten mit flachen ebensolchen, gegen die Augen mit weißem Rand, Fühler braun mit fuchsiggrauer Behaarung und heller grauen Ringeln, Taster schwarzbraun mit eingestreuten lichten gelblichen Schuppen, die auf dem langen Gliede überwiegen, am Grande des vorletzten Gliedes ein Fleck schneeweißer Schuppen. Rüssel braun, in der Mitte überwiegend gelblich beschuppt. Brustkorb in der Mitte auf den Wülsten satt golden, auf dem Seitenteil rahmig- weiß beschuppt. Die Zungen zeigen nur eine Andeutung dunklerer mehr goldener Be- schuppung, Schildchen mit rahmigweißer Beschuppung. Goldene Borsten über dem Flügelgrund und am Schildchen, ßrustseite schwarzbraun mit gelblichweißen Schuppen. Hinterleib braunschwarz mit eingestreuten lichteren Schuppen. Die weißen Ringel am Grunde der Glieder seitlich ausgezogen, lichte Beschuppung am Ende kann fehlen oder gering sein. Unterseite überwiegend weiß. Schenkel auf der Oberseite gesprenkelt, gegen die Spitze dunkler, unten gelblich weiß. 129] ni. Culicini, Aödes (Ochlerotatus). 129 Schienen auf der Oberseite braun mit eingestreuten lichten Schuppen, auf der Unterseite weißlich. Füße braun mit breiten weißen Eingeln, die bis über die Hälfte der Glieder einnehmen können. Flügel braunschuppig, licht gesprenkelt. Schwinger lederbraun mit dunklerem, weißlich beschuppten Knopf. Männchen bis 10 mm. Da ich diese Art noch nicht aus der Larve gezogen habe, kann ich über diese noch nichts sagen. Ich unterlasse auch die Beschreibung vom Weibchen, die ich erst geben körmte, nachdem ich die Larve kenne. Bei der großen Ähnlichkeit der Art mit den übrigen ist es sonst nicht möglich, die Stücke mit Zuverlässigkeit zu benennen. Die Art habe ich von lichten Erlengebüschen in der Nähe von Hamburg, aus lichtem Gehölz bei Travemünde, aus lichtem Kiefern- wald, vor dem Erlen standen, der Danziger Niederung, an ähnlichen Stellen aus dem Kreis Danziger Höhe. Die Männchen flogen noch bis in den Juli, und waren in dieser Zeit bei weitem die Mehrzahl der von mir gefangenen Aedesmännchen mit geringelten Beinen. Wieweit sich die übrigen Angaben der Literatur auf diese Art, die vorige oder gar cantans beziehen, ist nicht zu unterscheiden, und daher über die Verbreitung außerhalb Deutschlands noch nichts bekannt. Namengebung in der Cantansgruppe. Versuchen wir einmal die angegebenen Arten auf die ältere Literatur zu beziehen. Meigen schreibt: 6. Culex cantans Hoffmgg. Rückenschild braungelb mit braunen Rückenstriemen; Hinterleib braun, weiß geringelt; Füße schwarz, weiß geringelt. Thorace rufe, dorso fuscovitato; abdomine fusco, alboannulato ; tarsis nigris, alboannulatis. "Weibchen. Rüssel rostgelb mit schwarzbrauner Spitze. Taster schwarzbraun, weiß gefleckt. Mittelleib rostgelb mit braunen, etwas undeutlichen Rückenstrieraen. Hinterleib geJblichweiß und schwarzbraun geringelt, mit der Spur einer schwärz- lichen abgesetzten Rückenlinie, Schenkel gelb mit brauner Spitze, Schienen und erstes Fußglied braun, an der Spitze in Schwarz übergehend. Die vier andern Fußglieder vorne weiß, hinten schwarz. Flügel braunschuppig, Schwinger blaß- gelb. Im September in Wäldern. Maculatus. Rückenschild braungelb mit schwarzen Längslinien; Hinterleib schwarzbraun und weiß geringelt, Beine braun mit gelben Schenkeln. Männchen: Fühlerhaare braun, Taster schwarz mit drei weißen Flecken, die auf den drei letzten Gliedern liegen. Rückenschild braungelb mit vier schwärzlichen Längs- linien, Hinterleib braun und weiß geringelt, Beine schwarzbraun mit gelben Schenkeln. Schwinger gelblich weiß, Flügel uugefleckt 5^2, Culex maculatus ist das Männchen von cantans. Die Füße sind weiß geringelt. Der Hinterleib rostiggelb mit braunen Ringen. Annulipes. Rostgelbes Rückenschild mit braunen Striemen, Hinterleib braun geringelt, Beine blaßgelb, Füße braun mit weißen Ringeln, Taster gelb, gleicht dem Culex, cantans. Die Taster des Männchens sind gelb, braun punktiert und Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene. 24. Beiheft 1. 9 130 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [130 braun behaart. Fühler braiiu behaart, Beine blaßgelb, Schenkel und Schienen an der Spitze braun, Füße braun, alle Glieder an der Wurzel mit breiten weißen Eingen beinahe 4 Linien. Man sieht, daß eigentlich kein durchgreifender Unterschied bleibt. Daß man umgekehrt nur auf Grund der Andeutung einer abgesetzten schwärzlichen Linie mitten über den Rücken des Hinterleibs, die lediglich bipunctatus Rob.-Desv. in unserer heimischen Mückenfauna zukommt, cantans Mg. mit arcanus gleich- setzen konnte = annulipes auct. und annulipes Mg. dann gleich der stark gelben Form wäre, die wir abfitchii nannten. Bei cantans fällt sofort der Widerspruch zwischen Diagnose imd Beschrei- bung auf, siehe Beine und Rücken. Die Boschreibung der Füße von cantans paßt nur, auf bipunctatus, die von annulipes auf cantans auct. und abfitchii. Schon Zetterstedt braucht annulipes im Sinne der späteren = arcanus Blanchard. Er tauscht die Bezeichnungen cantans und annulipes von Meigen eben um. Daß cantans Zetterstedt = abfitchii unserer Nomenklatur ist und nicht cantans auct., ergibt sich schon aus der Bemerkung: Hab. in pratis et graminosis. Er fügt hinziu bei annulipes: similis C. cantanti et pro mera ejusdem varietate dilutiori a D. Staeger non sine ratione putatur. Letzterer nahm also beiden Formen gegenüber dieselbe Stellung ein wie Edwards, 1912, S. 217 unten und 218 oben. Jedenfalls halten wir es für unmöglich, maculatus an Stelle von cantans als Namen einzuführen. Wenn es noch heute oft kaum möglich, zu sagen, welches Männchen zu einem bestimmmten gegebenen Weibchen als artgleich gehört, können wir bezüglich der jetzt vorhegenden Arten die Behauptung M eigens, maculatus sei das Männchen von cantans, nicht als erwiesen ansehen, es ist natürlich, sofern wir nicht cantans = arcanus setzen , ganz willkürlich , welche der Arten wir für cantans Meigen nehmen. Es scheint allein richtig, den Namen cantans so zu gebrauchen, wie er sich eingebürgert liat. Edwards unterscheidet im wesentlichen nach dem männlichen Geschlechtsapparat, die Weibchen nach der mehr oder weniger hellen Färbung. Daß er unsetren annulipes nicht mit hineinzieht, geht aus der Besprechung von arcanus hervor. .Sein cantans ist sicher unserei'. Was sein amiulipes ist, unserer oder unser quartus ist nicht zu sagen. Indem wir also in Wirklichkeit unentschieden lassen, welche der uns jetzt bekannten Formen cantans Mg., maculatus Mg. mid an,nulipes Mg. sind, brauchen wir die Namen cantans und annu- lipes möglichst in der überkommenen Weise. Jede andere Lösung scheint mindestens ebenso willkürlich. Den Prioritätsregeln würde es am meisten entsprechen, was jetzt allgemein cantans heißt, neu zu benennen, den Namen cantans auf das anzuwenden, was jetzt annulipes heißt, und annulipes zu setzen für abfitcliii. So würden die Nomenklaturregeln zu ihrem Recht kommen, babylonische Sprachverwirrung zu schaffen. 131] in. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 131 Allgemeines über die letzten drei Arten. Die größte Schwierigkeit erwächst aus den Abänderungen aller drei Arten, die dann bald heller und bald dunkler erscheinen, so daß einem wohl Stücke vorkommen können, von denen man nicht weiß, ist es ein heller quartus oder ein dunkler abfitchii oder ist es ein heller cantans oder ein dunkler quartus. Li der Lebens- weise sind sich die Arten sehr ähnlich, doch finde ich an den typischen Hochwaldstellen nur cantans, abfitchii an den lich- testen. Quartus scheint die • spätere Art zu sein. Die Arten kommen vor in Österreich, Skandinavien, Rußland, England, Frankreich, Belgien, Niederlanden, Italien, Sizilien und Malta. Ob die indischen und nordamerikanischen Stücke zu einer der Arten zu ziehen sind, ist wohl nicht ganz sicher. In Deutsch- land bei Bonn häufig; Meigen fand sie selten. Nach Grünberg sind sie in Deutschland verbreitet, aber nicht häufig. Nach Eckstein bei Straßburg, Rosheim, Brumath, Galfingen, Reich- weiler, Herlisheim i. Eis., sonst bei Appenweier, Offenbuxg, Stutt- gart. Ich fand sie in allen Wäldern, Grehölzen und an vielen Kjiicks im Nordosten von Hamburg bis Wohldorf, Schneisen häufig, ebenso bei Danzig, auf Heia, bei Bohnsack und Heubude im Dünen- wald und in den Wäldern am Ottominer See und südlich Zoppot. Bei Lübeck, Travemünde, in der Rostocker Heide. Die Tiere f Hegen im Juli. Burton hatte die Männchen von Mai bis Mitte JuH und sah sie in kleinen Gesellschaften zu zwölf Stück ungefähr, tanzen. Die Weibchen traf er bis Mitte August. Ich fand bei Danzig, daß die Arten mit Ende Juli selten werden. Meigen gibt das Vorkommen von cantans für September an. Um die Zeit fing ich nur noch annulipes, also wohl dieselbe Art. Sie stechen gern über Tag, vormittags und nachmittags, in selbst dichten Wäldern, Kiefemdeckungen und an Hecken und Knicks. Ich hatte den Eindruck, daß die an letzteren Stellen vorkommenden Tiere wesentlich stärker und im allgemeinen lichter sind als die eigentlichen Waldformen, hier liegt die Sache äJmlich wie bei der Nemorosus-Frage, man glaubt im Leben leicht Unter- schiede zu bemerken, ohne sie nachher an den Leichen "wieder bemerken zu können. 132 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [132 15. Aedes dorsalis Mg. 1830 = subtilis Ed und Et Sergeut. 1905 = willkocksii Theob. 1907 = pulcripalpis Rond. 1872 = penicillaris Rond. 1872. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit weißen Schuppen in großer Breite, daneben nur ein kleiner Fleck goldener, an den Seiten mit flachen weißlichen Schuppen, gegen die Augen mit weißen Rändern. Rüssel schwarz, Taster schwarzbraun mit einzelnen weißen Schuppen. Fühler Grundglied und Geißel schwarzbraun, ersteres mit weißen Schuppen, letzteres mit schwarzen Borsten und weißschillerndem Flaum. Mittel- rücken in der Mitte mit kupferbrauuen Haar- schuppen im Bereich der vorderen ^/j von Mittel- furche und Mittelwülsten. Seiten, Vorderrand und Gegend vorm Schildchen mit etwas breiteren Schuppen, ein braunschuppiger Fleck noch vor der Flügelwurzel, Schildchen gelbschuppig. Brust- seite mit weißen Schuppenflecken, Yorderbi-ust gelblicher, Grund schwarz. Hinterleib Grund- farbe auf der Oberseite schwarz, helle Bänder am Grunde und Ende der Ringel vereinigen sich in der Mitte und an den Seiten zu Längs- bändern, so daß in hellen Stücken nur schwarze Keilflecke auf jedem Ringel bleiben. Letzte Ringel fast ganz weiß beschuppt. Unterseite weißlich mit schwärzlichen Flecken. Beine: Schenkel auf der Oberseite schwärzlich mit weißlichen Sprenkelschuppen, gegen die Spitze ganz schwarz, Unterseite gelblichweiß, gegen die Spitze dunkler. Schienen auf der Oberseite schwarz und Unterseite schmal weißlich be- schuppt, Spitze weiß, Füße schwarz mit weißen Ringeln, die das Ende des einen und den Grund des nächsten GUedes umfassen, weiße Zeich- nung an den Mittelfüßen geringer, an den Yorderfüßen sehr gering bis fehlend, letztes Glied der Hinterfüße ganz weiß, Knieflecke mattweiß, Klauen der Weib- chen variabel, Flügel weiß und schwarz gesprenkelt. In andern Stücken können nur zwei weiße Linien, den Seitenfurchen ent- sprechend, den Rücken schmücken, der sonst braungelb ist, bis auf die Schuppen um die Grube vorm Schildchen und einen weißlichen Rand vor der Flügelwurzel, der Hinterleib kann so überwiegend schwarz sein, daß mittlere und seitliche Längsbänder nicht zustande kommen, sondern nur basal mittlere Schuppenflecken dazu einige weiße Sprenkelschuppen, die apikale helle Ränder an den letzten Ringeln bilden, und an den Seiten der letzten Ringel rein weiße, von den Mittel- flecken getrennte Seitenflecke. Ich habe ein Stück aus Warnemünde, das in dieser Weise gezeichnet ist und dessen Mittelrücken ganz goldgrau beschuppt ist, also von der hellen Zeichnung keine Spur mehr erkennen läßt. Die letzten Fig. 48. Männlicher Geschlechts- apparat von Aedes dorsalis. Vergr. ungefähr 75 : 1. 133] III- Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 133 Hintertarsen bei diesem Stück Nr. 1912 sind ganz dunkel. Die Stücke von Palä- stina sind gelblicher und gehören im allgemeinen zu den auf dem Hinterleib stark grauen Abänderungen und haben alle Endglieder der Füße hell. 4 — öYa mm. Männchen: Fühler braun, hell geringelt mit fuchsig gelber Behaarung, Taster am Grunde dunkel mit eingestreuten hellen Schuppen, langes Glied gelb- weiß beschuppt mit braunem Ring in der Mitte und an beiden Enden, Grund des vorletzten Gliedes mit lichten Schuppen, die auch auf dem Endglied, beson- ders am Grunde vorkommen. Behaarung bräunlich, fuchsig gelb widerscheinend. Bei anderen Stücken sind Beschuppung und Behaaiiing mehr weißgrau. Die Art ist also sehr veränderlich. Auch die Klauen sind keineswegs zuverlässig bei dieser Art. Konsuloff hat eine ein- gehende Untersuchung darüber gemacht und gefunden, daß die Klauen auf der einen Seite sich anders verhalten können als auf Fig. 49. Larvenhinterende von Aedes dorsalis. Daneben eine mittlere Striegelschuppe stärker vergrößert. der anderen und daher keine Anhaltspunkte zur Trennung mehrerer Arten geben, so wenig wie die Färbungsuuterschiede. Er zieht aus diesen Gründen zahlreiche von Theobald aufgestellte Arten als artgleich zu dorsalis (leider ist mir die Arbeit beim Rücktrans- port aus Ungarn auf deutschem Boden mit Gepäck verlorengegangen, so daß ich unter den jetzigen Verhältnissen auf diese nicht zumck- greifen kann). Edwards faßt dorsalis, subtüis, willkocksii als eine Art auf, zu der walirscheinlich auch pulcripalpus von Ron- dani und penicillaris desselben Autors gehört. Ich kann auch gegen pulcritarsis und leucacanthus keine durchgreifenden Unter- schiede sehen, so daß es wahrscheinlich ist, daß mr in Europa, Westasien und Nordafrika nur diese eine Art der Dorsalis-Gruppe 134 l>r- E. Martini. Über Stechmücken. [134 haben. Daß die Namen penicillaris und pulcritarsis zu dorsalis zu stellen sind, g-eht schon aus den Erörterungen bei Ficalbi hervor, der findet, daß sein penicillaris die Originalstücke für Rondanis dorsalis, pulcritarsis und penicillaris abgab, während andererseits Eondani dorsalis = rusticus Rossi setzte. Ich halte alle diese Gleichsetzung'en für richtig und sehe aus Ficalbis An- g'aben auch keinen maßgeblichen Grund für die Abtrennung seiner pulcripalpis und pulcritarsis von penicillaris Pic. = dorsalis Mg. Larve. Die Larve hat gewisse Ähnlichkeit mit der von nemorosus, ist aber doch auf den ersten Blick von den mir bekannten Larven der Nemorosus-Gruppe ver- schieden, durch die viel stärkere Entwicklung der Euderbüsche im letzten Körper- ringel. Das gering entwickelte Haar des Atemrohres steht deutlich jenseits der Mitte, während es bei den Nemorosus-Formen stark entwickelt ist und vor der Mitte steht. Die Zahl der Kammzähne beträgt ungefähr 17—20, die der Striegelzähnchen 20—24, die Kiemen sind wesentlich kürzer als der Sattel, der den Afterringel nicht umgreift. Die Euderformel beträgt 2 Haarbüsche vor, 16 in der Bürste, Fühler kurz, Kopfhaare 1/1 oder 1/2 oder 2/1. Vorkommen und Lebensweise. Die Art kommt also anscheinend in ganz Europa und in Nord- afrika vor, sowie in Westasien. Für Deutschland erwähnt sie Meigen. Schneider führt sie merkwürdigerweise für Bonn nicht an. Grünberg gibt an Mittel- und Nordeuropa, im Norden stellenweise sehr häufig, in Deutschland im allgemeinen sehr selten. Ich habe 1914 die Art sehr häufig bei Warnemünde und Müritz sowie Mark- grafenheide in Gesellschaft mit salinus gefunden. 1916 bei Danzig. Gegen Ende August hatte ich so schon das interessantere Mückenleben für abgeschlossen angesehen, setzte mich aber Ende August doch noch abends zu einem Glas Bier in die Wirtschaft im Walde bei Bohnsack. Erst nach ziemlicher Zeit erschien eine Mücke, die mir durch Kleinheit und helle Farbe sofort auffällig war und sich im Fangglas als abweichend von all meinen bis- herigen Funden, unter der Lupe als Aedes dorsalis erwdes. Ich erhielt an dieser Stelle noch weitere zwei Stücke, Ich be- schloß daher, auch Westerplatte aufzusuchen, und fing ebenfalls einige Stücke. Als ich gemütlich zum Fährboot bummelte, fielen mich mehrere an. Ich kam gerade recht, wir stießen ab, aber es 135] ni. Culicini. Aedes (Ochlerotatus). 135 kam noch ein Fahrgast nach, wir kehrten um und lagen einen Augenblick still, aber sofort war jede Person von zahlreichen Mücken belästigt, schließlich hatte jedes seinen kleinen Schwann und konnte trotz dauernder Wachsamkeit sich nicht schützen. Einige Tage später wieder am Ort, konnte icli bei Tage die Tiere schon in Menge aus dem Gras und Kraut aufjagen. Es ist dies also eine sehr häufige und unter Umständen sehr lästige Form, die bis Anfang September fKegt und abends schwärmt. Am Eande eines Kieferndickichts bei Müritz griffen sie auch bei Tage an. Wie bei Aldeburgh nach Fiffard (249) so kommen nach Bresslau und Eckstein die Mücken bei Straßburg ungeheuer lläufig und als Plage auf einigen Wiesen vor. Ende April und Anfang Mai waren die Larven auf den Wiesen bei Müritz und Markgrafenheide an der mecklenburgischen Küste noch selten. Im Frühjahr 1918 beobachtete ich die Larven von März ab in Pfützen bei Üsküb und später noch an vielen Stellen in Mazedonien. Sie nehmen selbst sehr trübes, lehmiges Wasser an und fanden sich in Regenpfützen selbst auf und an Wegen, in denen ich sonst keine Stechmückenlarven beobachtete (Branchipuspfützen), bis in den Juli; die Mücken waren später häufig im August in Üsküb, ja die einzige dortige Mücke, die schon im Hellen lästig wurde; ich fand sie ferner bei Niscli und in ungeheurer Menge in den Gärten bei Semendria, ebenfalls als Plage. Bei Warnemünde fand ich seiner- zeit und auch bei Müritz noch reichlich Männchen. Es scheint, daß dorsalis sich sehr schnell entwickelt. Er macht noch während des Sommers gelegentli(!h Brüten, besonders in Überschwemmungs- gelände, zu denen ja, wie die Breuschtal wiesen, gewissermaßen auch die Wiesen an der Ostsee gehören. Doch schienen auch Platzregentümpel größerer Ausdehnung seiner Entwicklung zu ge- nügen. Er ist also anscheinend ©ine Art, die den ganzen Sommer über in erheblicher Masse sich vermehrt. Unter den Warnemünder Frühlingslarven erwuchsen diese mit zuletzt. Die Art scheint also wärmebedürftic-er zu sein als die meisten anderen Ochlerotatus. Aedes rusticus Kossi 1790 = punctatus, Mg. 1818 = quadrimaculatus Macq. 1834 = pungens Rob. Desv. 1827. Wh'd von Grünberg folgendermaßen beschrieben: Grau beschuppt mit schwarz geflecktem Hinterleib. Fühler, Taster und Rüssel schwarzbraun. Thorax- grau beschuppt, mit vier dunkleren Längslinien, Hinterleib ebenfalls grau, mit zwei Reihen dreieckiger schwarzer Seitenflecke, die beim Männchen besonders 136 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [136 schmal und spitz sind. Beine dunkelbraun, Schenkel bis vor die Spitze blaßgelb, Schienen mit heller Wurzel. 7 — 9 mm. Verbreitet, aber selten. In Deutschland bei Solingen gefunden. Leider ist nicht ersichtlich, ob Griinbergs (130) Beschreibung sich nur auf die Literatur oder auf ihm vorliegende Stücke stützt. Daher läßt sich auch nicht ersehen, ob die Größe mit oder ohne Rüssel gemeint ist. 3 — 4' bedeutet bei Meigen eine größere Art. AVenn ich die Ai't hierher zu Aödes stelle, so geschieht es, weil nach dem ganzen Charakter unserer Fauna dies wahrschein- licher ist und die von Meigen erwähnte Ähnlichkeit mit Aedes dorsalis auch in dieser Richtung deutet. Daß es sich möglicherweise bei dieser Art nur um ein SjTionym von dorsalis handelt, darüber vgl. S. 134 oben. 16. Aedes vexans Mg. 1830? = articulatus Rond. 1872 ^ sylvestris Theob. 1901 = rainuta Theob. 1907 = stenoetrus Theob. 1907 = nipponii Theob. 1907 = vagans Theob. 1901 = erythrosops Theob. 1910 = hirsutum Ludlow 1911. Beschreibung. Kopf in der Mitte breit mit goldenen Schuppen, daneben jederseits ein sohwarzschuppiger Fleck, an den Seiten mit breiten gelblichen, dann mit schwarzen Schuppen, gegen die Augen mit gelblich- weißem Rand, Rüssel braun mit einge- streuten lichten Schuppen, Taster schwarz mit gelblicher Spitze, Fühler Grundglied und erstes halbes Glied ledergelb, Geißel braunschwarz mit braunen Haaren und weißlichem Flaum, Mittelrücken gleich- mäßig mit kleinen goldenen Sichelschuppen, die gegen das Schildchen nur wenig heller werden, Schtldcheu hellgolden beschuppt, Brustseite schwarz mit weißen Schuppen- flecken, Hinterleib Grundfarbe auf der Oberseite schwarz, helle Bänder am Grund der Ringel weiß, auf den vorderen Ringeln in der Mitte eingezogen, auf den hintern zu kräftigen Seitenflecken erweitert, 6. und 7. Ring mit weißem Endsaum, Unterseite weiß mit schwarzer Zeichnung. Beine: Schenkel auf der Oberseite braun mit ein- gestreuten gelblichen Schuppen, gegen die Spitze dunkler Ring, Unterseite blaßgelb, gegen die Spitze dunkler. Schienen auf der Oberseite schwarz mit wenigen weißen Schuppen, Unterseite hellgelb, an den hin- teren Schienen Grund weißlich, Füße schwarz mit schmalen weißen Ringeln am Grunde der Glieder, die bei den vorderen Beinpaaren auf wenige Schuppen zurückgehen können. Erstes Fußglied auf der Untereeite mit weißlichen Längs- Fig. 50. Männlicher (ieschlechts- apparat von Aedes vexans. Vergr. ungefähr 75 : 1. 137] in. Culicini, Aedes (Ochlerotatus). 137 streifen, Knieflecke weiß, Flügel schwarzschuppig, Schwinger blaßgelb mit dicht weiß besclmpptem Knopf. Beim Männchen ist die Beschuppung an Kopf und Brust lichter, auf dem hinteren Teil des Mittelrückens, dessen Rändern und dem Schildcheu ins Weiße fallend. Fühler fuchsiggrau behaart. Taster mit weißen Flecken in der Mitte des langen Gliedes und weißem Fleck auf dem Grund jedes der beiden End- glieder, Behaarung der Taster schwarz mit fuchsigem Grund. Larven mit mäßig starken kui'zdornigen Fühlern, die einen kräftigen Haar- busch tragen, beide Stirnhaare zweiteilig, Striegel mit ungefähr 12 einfachen in zwei Eeihen stehenden Schuppen, Atemrohr mehr als zweimal so lang als breit, mit ungefähr 18 Zähnen im Kamm, die starke Nebenzähnchen haben und von Fig. 51. Larvenhinterende von Aedes vexans. Daneben ein mittlerer Striegelzahu stärker vergrößert. denen die letzten in viel weiteren Abständen stehen als die übrigen, mit einem Zahn reicht der Kamm über die Mitte des Rohres. Die schwachen 3—4 haarigen Borstenbüsche stehen weit jenseits der Mitte des Rohres. Ruder ungefähr 13 + 3i Sattel umgreift nicht, ist aber sehr hoch. Kiemen doj)pelt so lang wie der Sattel. Verbreitung-. Über vexans' Verbreitung sagt Edwards: „Es ist äußerst merk- mirdig, daJ5 eine Mchthausmücke eine so weite Verbreitung liaben soll, wie sie 0. vexans offenbar hat, über Nordamerika, Europa, China, Japan, Indien, Zeylon und vielleicht Fiji, denn von allen diesen Gegenden befinden sich Stücke in der Sammlung des Briti- schen Museums. Alle diese Stücke werden am besten als Vertreter nur einer Art angesehen, die in verschiedenen Teilen ihres Gebietes 138 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [138 einigen örtlichen Abänderungen in Größe und Färbung unterliegt. Ich kann die drei folgenden Varietäten unterscheiden: 1. Vexans Mg. (= articularis Eond. = sylvestris Theo.), weiße Binden des Hinterleibs in der Mitte scharf eingezogen, inanclimal sogar in ein paar helle Flecke geteilt. Europa, Nordamerika. 2. Stenoetrus Theo. (= minuta Theob. etc.), helle Hinterleibs- binden, sehr wenig oder gar nicht in der Mitte eingezogen. Größe im Durchschnitt vielleicht etwas geringer als 0. vexans. Orienta- lische Region. 3. Nipponii Theob. (^= vagans Theob. nee Wied), Größe wie 0. vexans und Einziehung der blassen basalen Hinterleibsbinden, ebenso hat der Hinterleib eine mehr oder weniger unterbrochene blasse Linie auf der Rückeumitte, und der 6. Tergit hat ein deut- liches helles Dreieck am Ende. China, Japan." In Deutschland hat Meigen die Art aus der Berliner Gegend erhalten; Grünberg nennt sie in Deutschland selten; Schneider hat sie bei Bonn zahlreich gefunden, besonders in der Siegniedei- rung und am Mündungsgebiet der Sieg. Nach Eckstein kommt sie in Unmenge in den Wäldern und auf mehrfachen Überschwemmun- gen ausgesetzten Wiesen vor ; ich fing sie bisher bei Hamburg nicht häufig, mehrfach in der Rostocker Heide bei Gral, ferner melirfach in der Gegend von Danzig, fand sie aber nirgends gemein. Lebensweise. Sie zieht nach Schneider Niederungen vor und kommt in großen Wäldern nur ganz sporadisch vor. Es ist auf den auffälligen Gegensatz hingewiesen, daß es diese in Amerika unter dem Namen sylvestris als Waldmücke bekannte Art bei uns als Wiesen- und Niederungsform gibt. Ich fand die Larve unter hohen Buchen mitten im Walde in einem Tümpel (nemorosus-Tümpel), während ich sie bei Üsküb in einem Wasserloch in einer Wiese zwischen dorsalis fand. Eckstein sagt; ,,Geht von den Wiesen und Wäldern in die Ortschaften der Umgebung zum Stechen und kehrt von da zur Eiablage wieder an den alten Platz zurück." Trotz des sicheren Vorkommens im Walde scheinen überschwemmte Wiesen ihre Lieb- lingsplätze zu sein. Sylvestris erscheint übrigens auch in Amerika nicht bloß als Waldform, denn Smith erwähnt sie auch aus den Salzmarschen. Bei Hamburg ist sie nicht häufig. Flugzeit nach Schneider Juli bis Anfang September; nach 139] UI- Culicini, Aedes (Ochlerotatus, Steg-oniyia). 139 Eckstein erzeugt sie mehrere Grenerationen. In Üsküb hatte ich sie schon Anfang April, in Deutschland im Juni und Juli, ebenso die Larven, die bei Üsküb schon Ende März vorkommen, von Schneider im Juni tmd Juli gefunden wurden. Sie sticht häufig auch bei Tage. 17. Aedes lutescens Fabr. 1775 (69, 70, 71, 217). Aedes flavescens = lutescens, Meigen 1818, wird von Fabricius also be- schrieben: Flavus, alis hyaiinis costa flavescente, von Meigen: sie ist ganz gelb, nur die Füße sind braun, die Flügel am Vorderrande mit gelben Nerven, 2^/2 Linien. Danach scheint es fraglich, ob Theobalds Beschreibung von lutes- cens nach ungarischen Stücken mit dieser Ast zusammengehört: bei Theobalds Stücken war der Kopf mit breiten weißgelben Sichelschuppen und schwarzen Gabelschuppen. Rüssel, Taster und Schildchen schwarz. Fühler braun mit lichten Schuppen am Grund und zweiten Glied. Brustkorb mit blaßgelben Sichelschuppen an den Seiten, hinten und am Vorderrand, mehr rotgoldene in der Mitte. Dieser dunkle Fleck wird durch eine mittlere Reihe hellerer Schuppen geteilt. Schuppen des Schildchens blaßgelb. Borsten goldbraun. Brustseiten dunkelbraun mit rahmigen flachen Schuppen. Hinterleib mit flachen gelben Schuppen und wenigen dunkleren in der Mitte jedes Ringels. Grundsegment mit gelblichweißen Schuppen. Die hinteren Segmente blasser als die vorhergehenden. Bauch mit weißlicher Beschuppung. Schenkel gelb, gegen die Spitze braun. Schienen oben hell und dunkel gespren- kelt, unten lichter, 1. Fußgiied oben dunkel, unten gelb, übrige Fußglieder dunkel. Flügel je nach Belichtung mit braunen oder gelben Adern, Costa dunkel. Größe 6 mm. Daß ich in Preußen im August 1914 ein Stück gesehen habe, das zu dieser Beschreibung ganz gut zu passen schien, erwähnte ich schon. Immerhin dürfte es etwas größer gewesen sein, als das Maß von Meigen angibt, das untfer Pipiens-Größe bleibt. Grünberg führt die Art mit folgender Beschreibung auf: blaßgefärbte gelbe Art. Fühler und Taster beim Weibchen schwarz, beim Männchen schwarzbraun behaart. Rüssel schwarz. Thoraxrücken rötlichbraun. Hinterleib blaßgelblich be- schuppt. Flügel gelblich, besonders am Vorderrand, mit blassen Adern. Beine schwarz, Schenkel bis vor die Spitze gelblich. 6 mm. Nach Theobalds Angaben über die Klauen muß es sich um eine Aedes- Art handeln. Untergattung Stegomyia. 18. Aedes (Stegomyia) ornatus Mg. 1818 = lateralis auct. = guttatus Curtis = albopunctatus Roudani = geniculatus Olivier 1791? Beschreibung. Kopf in der Mitte mit in der Mitte gelblichweißen, breiten sichelförmigen Schuppen und weißlichgelben Gabelschuppen, daneben zwei schwarze Flecke, dazwischen schwarze Gabelschuppen und Borsten. An den Seiten gelblichweiße 140 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [140 flache Schuppen. Gegen die Augen mit weißem Kand. Rüssel imd Taster metallisch schwarz. Fühler schwarz. Die Glieder mit schmalem weißlichen Ring am Grunde, zartem weißen Flaum und schwarzen Haaren. Mittelrücken mit gelblich silbernem Grunde, auf dem vier schwarze Streifen dadurch entstehen, daß die Mittelwülste und die Zungen mit feinen schwarzen Haarschuppen bedeckt sind, und zwar in solcher Breite, daß die mittlere Fui-che und das Eünterende der Seitenfurchen mit ihren lichten Schuppen nur als feine Linien erscheinen. Schildchen braun, mit breiten weißen Sichelschuppen bedeckt. Brustseite schwarz mit Tupfen breiter schneeweißer Schuppen. Hinterleib Grundfarbe auf der Ober- seite tiefschwarz. Helle Bänder am Grund der Ringel weiß, reichen aber nur bei einzelnen Stücken quer über den Rücken, sind vielmehr bei den meisten zu zwei Seitenflecken aufgelöst. Unterseite schwarz mit weißen Binden am Grunde der Ringel. Beine: Schenkel auf der Ober- seite gegen das Ende schwarz, am Grunde licht. Ganze Unterseite weißgelb, nur gegen die Spitze hin dunkel beschuppt. Schienen auf der Oberseite und Unterseite metallisch - schwarz. Füße schwarz beschuppt. Knie- flecke schneeweiß. Hinterklauen des Weib- chens ohne Zahn. Flügel schwarz beschuppt. Schwinger schwärzlich mit kleinen weiß- lichen Schuppen. 5 — 6 mm. An dem männlichen Fühler sind die kurzen Glieder weißlich mit schwarzen Ringeln, die Endglieder schwarz, die Be- haarung schwarz mit weißlichem Schiller. Taster schwarz. Es mag hier noch auf ein morpho- logisches Merkmal, nämlich die wenig weit vorgestreckten weiblichen Cerci hingewiesen werden, die die Art ohne weiteres von den Ochlerotatus-Arten unterscheiden. Dies Merkmal nähert sie der Untergattung Stegomyia, so daß die Art und ihre Ver- wandten gewissermaßen eine Zwischenstellung zwischen Ochlerotatus und Stego- myia einnehmen. Wie Sack dazu kommt, die weiße Beschuppung bei dieser Art ans Ende der Hinterleibsringel zu legen, ist mir unerfindlich. Die Art ist von mir im Arcli. f. Schiffs- u. Tropenhyg., 1915, eingehend wieder beschrieben worden. Die Eier werden, me Bress- lau und Eckstein gezeigt haben, au den Seiten der Höhlen über dem Wasserspiegel abgelegt, so daß also auch hier che Larven nur ausschlüpfen, wenn reichlich Wasser vorhanden ist. Die Art läßt sich ziemlich leicht züchten. Gerade bei ihr sind auf gelblich silbernem Grund durch feine schwarze Härchen auf Wülsten und Zungen die typischen vier Striemen der Aedeszeichnung besonders Fig. 52. Männliche Geschlechts- organe von Aedes ornatus (nach Martini). (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 19.) 141] III. Culicini, Aedes (Stegomyia). 141 deutlich hervorgehoben, und es fällt dabei noch die Schraalheit der hellen Mittellinie auf. Was die Zeichnung der Brust betrifft, ist die Art wohl eine der konstantesten Aedesarten, und man hat natürlich den Verdacht, daß dies mit der Konstanz der Lebensbedingungen zusammenhängen muß. Synonymie. Aus dieser sehr konstanten Zeichnung und ihrer mehrfachen Darstellung in der Literatur ergibt sich ohne weiteres, daß es diese Art ist, die von den Autoren als lateralis behandelt wird, so nach der Abbildung von Grünberg in Diptera, in Brauer, Süßwasserfauna Deutschlands, und bei Theo bald, wenn hier auch die kurzen schwarzen Striche weggelassen sind, bei Austen und anderen. Ändere Autoren haben die Art mit Recht als ornatus angesprochen, so Galli-Valerio. Daß die vorhandene Form nicht lateralis Mg. ist, geht, wenn wir selbst von der Größe absehen, schon daraus hervor, daß die Knie von lateralis blaß genannt werden, während sie bei ornatus schneeweiß genannt werden, gerade die scharfen Gegensätze des reinen "Weiß und tiefen Metallschwarz macht diese Art am leichtesten kenntlich, ein Gegensatz, der auch an den Knien scharf hervor- tritt. Es ist wohl die einzige heimische Art mit so schöner Zeichnung, daß ihr geschmückter Brustkorb sogar den Laien gelegentlich auffällt, wenn sich beim Picknick im Walde zwischen zahlreichen .,nemorosus''' auch diese Art einstellt, und so ist auch der Name ornatus leicht verständlich. Daß die Zeichnung des Hinterleibes variabel war, wußte schon Meigen, der der Form mit zusammenhängenden weißen Binden über dem Rücken als ornatus die mit in zwei Seitenflecke aufgelösten Binden gegenüberstellte als guttatus, diese aber als artgleich mit ornatus ansah. Bei uns ist guttatus die häufigere Form. Ich zeigte schon 1915 die Abänderlichkeit in bezug auf die weißen Ringel und vermute, daß es Edwards auch in den Wäldern Englands gehngen wird, Stücke mit vollständigen Bändern über den Rücken zu erhalten, genau wie mir bei Hainburg. Insofern kann ich ihm nicht zustimmen, wenn er Bull. Ent. Res., Bd. 4, S. 49 sagt, die nordafrikanischen Stücke bilden eine be- sondere Varietät auf Grund eben der vollständigen weißen Bänder, die allerdings in der Mitte nur schmal sind. Wichtig ist dabei, worauf ich seinerzeit schon verwies, viele frische Stücke zu betrachten, nur selten ist das weiße Band in der Mitte so breit, daß es auch bei nüchternen Tieren nach der Eintrocknung noch sichtbar bleibt. Festgehalten muß werden, daß von den Meigenschen Arten einzig die Beschreibung von ornatus auf unsere Ai't paßt, nicht aber die von lateralis. Da es sich also bei den Tieren, die Edwards zu lateralis Mg. und ich zu ornatus Mg. stelle, sicher um ganz die gleichen handelt, so glaube ich, könnte man auch vielleicht die Gleichsetzung mit geniculatus Ol. übernehmen. Da mir das Werk von Olivier nicht zugänglich war und bisher auch nicht zugänglich ge- worden ist, kann ich mich vorläufig um so weniger dazu entschließen, als der Name geniculatus in letzter Zeit viel in anderer Bedeutung gebraucht ist. Larven mit schwachen glatten Fühlern, die in der Mitte nur ein einzelnes, allerdings ziemlich starkes Haar tragen. Vorderes 142 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [142 Scheitelhaar doppelt, hinteres einfach. Striegel mit ungefähr zwölf Zähnen in nur einer Reihe, die ungeteilt sind. Atemrohrlänge zur Breite weniger als 2:1, Kamm sehr kurz, ungefähr 15 zähnig, Zälme wenig gefiedert, Haarbusch mit drei langen Haaren, vor der Mitte stellend. Ruder 9 -j- 2. Kiemen fast so lang wie das Atem- rohr und sehr breit. Die Abbildung von Eckstein läßt am Larvenhinterende die Größe und breite Abrundung der Kiemen nicht deutlich hervor- treten, die diese Art unter allen unteren Aedesarten kennzeichnet, und gibt eine doppelte Reihe A'on Zähnen im Striegel, während alle Fig. 53. Larvenhinterende von Aedes ornatus (nach Martini). Daneben ein mittlerer Striegelzahn stärker vergrößert. meine Stücke eine einfache Reihe aufweisen, bis auf eines, das eine anscheinend pathologische Verdoppelung mehrerer Zähne zeigt. Wenn die Straßburger Larve, wie Eckstein auch im Text aus- drücklich angibt, zwei Reihen hat, so ist es wahrscheinlich eine andere Art. Übrigens sind in seiner Arbeit die Fig. 9 und 10 ver- tauscht. Nach den vorliegenden Angaben können wir die Art ansetzen für England (54), ganz Europa (ich fing auch die Mücken und die Larven in Mazedonien) und Nordafrika. Bei der erwähnten Ähn- lichkeit der mazedonischen Tier- und Pflanzenwelt mit der klein- asiatischen ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie bei genauerer 143] ni. Culicini, Ai-des (Stegomyia). 143 Nachforschung auch dort in geeigneten Stellen gefunden wird und vielleicht ebensoweit reicht wie ihr Begleiter Anoph. nigripes. Lebensweise. Die Mücken fing ich im Juni bis September im Hochwalde. Edwards erhielt in England schon Mücken am 22. April. Sie stechen bei Tage und sind recht blutgierig. Wo ich von ihnen an- gefallen wurde, fand ich Brutplätze in nächster Nähe. In unseren gut durchgeforsteten Wäldern sind sie nie in erheblich lästigen Mengen an mich herangekommen, Avenn ich mich nicht absichtlich unter den Fuß eines Brutbamnes lagerte. In den mazedonischen Wäldern am Dobropolje wurde sehr über Mückenplage geklagt, hier war omatus die vorherrschende Art. Die Larve lebt also wie gesagt in Baumhöhlen in dem kaffee- braunen Wasser, welches wir in denselben häufig antreffen, viel- fach in Gesellschaft mit Anoph. nigripes. Doch ist sie entschieden häufiger. Ende Jmii 1914 traf ich sie zuerst schon mit Puppen. Bei Danzig fand ich sie in den Höhlen, die noch im August 1916 Larven enthielten, Ende April 1917 als Stäubchen kleine ganz blasse Tier- chen, Eckstein im selben Jahr bei Straßburg die ersten am 24. März, ungefähr um dieselbe Zeit 1918 Galli-Valerio die ersten bei Lausanne. Wasserwänne -\~ 6 Grad. Nach ihm bean- sprucht die Entwicklung im Frühjahr über einen Monat, im Hoch- sommer zehn Tage. Im August traf ich sie am Dobropolje in allen Entwicklungs- stadien, Höhe ungefähr 1500 — 1600 Meter über dem Meere. Bei Crusevo auf Ungefähr 1100 Meter im Juli erwachsene Larven. Edwards fand am 4. April Larven aller Stadien in England. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Brut im geeigneten Klima das ganze Jahr anhält, wie das neuerdings Galli-Valerio für die Schweiz angibt, in stark nördlichem Klima aber durch zu starkes Ausfrieren der Wohngewässer die Larven beseitigt werden und eine Einteilung in Generationen geschaffen wird. Es ist beachtenswert, da£ diese Art der deutschen Mücken- fauna, die dem Gelbfiebermoskito am nächsten steht, auch nicht im offenen Wasser im Gelände, sondern wie die Mehrzahl der Stegomyia brütet. Letztere ziehen auch die ganz kleinen Behälter, wie besonders Baumstämme und Blechbüchsen, die Kokosschalen und dergleichen vor. 144 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [144 Die Larven beschrieb ich als erster eingehend am angegebe- nen Orte, diese Beschreibung ist wie die von nigripes Edward,s entgangen, der so ganz selbständig die Larven gefunden und be- schrieben hat. So bestätigen seine Beobachtungen auch meine Feststellung, daß die Larven dieser Art nur in Baumhöhlen brüten. E3 war mir seinerzeit entgangen, daß schon vorher Galli-Yalerio und Rochaz de Jongh in der Schweiz eine Art gezogen haben aus Larven in einer Roßkastanienhöhle, die sie als wahrscheinlich hier- her gehörig ansprachen. Aus der ganzen Darstellung geht aber hervor, daß sie die Art des Brutplatzes nicht als Art-Eigentümlich- keit auffaßten. Eckstein sind wiederum die Arbeiten von Ed- wards entgangen. Meine Arbeit von 191.5 und die von Edwards 1916 zeigen ferner darin schöne Beispiele von Parallelismus der Gredanken, daß ich schon auf die Zuordnung dieser Art zu Aedes triseriatus, ihren Vertreter in der nearktischen Region, hinwies, wie Edwards unabhängig auch. Die Übereinstimmung mit den Formen der üntergattmig Stegomyia war auch mir aufgefallen, vor allem mit mediovittata, wenn ich sie auch nicht ausgesprochen habe. Gre- naueres siehe Bull. Ent. Res. Bd. 7, S. 211, Abs. 1. Durch die einfache Zalinreihe des Striegels steht ornatus den Stegomyien noch näher als triseriatus. 19. Aedes (Stegomyia) fasciatus Fabr. (calopus Mg.) = fasciatus. Synom. nach Theob: taeniatus Wied 1828, elegans Fic. 1896, rossii Giles 1899, excitans Walk. 1856, formosus Walker 1848, f rater R. Desv. 1827, excitans Walk. 1848, viridifrons Walk. 1848, inexorabilis Walk. 1848, bancrofti Skuse 1886, mosquito Arribalzaga 1891. annulitarsis Macq. 1848, impotibilis Walk. 1860, fasciata auct. Hierher Nr. 71, 86—90, 184, 185, 241, 242, 261, 282, 338. Beschreibung. Kopf in der Mitte mit schmalem Fleck gelblich weißer Schuppen, daneben graubraune, zwischen den Augen schneeweiße Schuppen, an den Seiten mit kleinen schneeweißen Schuppenflecken, gegen die Augen mit schneeweißem Rand. Rüssel braunschwarz, Taster schwarz mit weißem Ende, Fühler dunkelbraun mit schwarz- braunen Borsten und weißem Flaum, auf dem GrundgUed schneeweiße Schuppen. Mittelrücken schwarzhäutig mit goldenen schmalen Sichelschuppen und weißer Zeichnung, ein schneeweißer Fleck auf der Mitte des Vorderrandes, hinter diesem beginnen an den Innenrändern der Mittelwülste zwei weißliche Linien, 145] III. Culicini, Aödes (Stegomyia). 145 die bis hinter die Mitte verlaufen, dann verscliwimmen ; schneeweiße Siohel- schuppen folgen in der hinteren Hälfte dem äußeren Rand der Zungen, beson- dere stark entwickelt aber der schrägen First und dem Seitenrande des Brust- schildes; ein Tuff gleicher Schuppen über dem Flügelgrund. Schildchen auf dunkelbraunem Grunde mit flachen schneeweißen Schuppen und einem Tuff dunkler auf dem Mittellappen sowie schwarzen Boi-sten. Nachrücken braun, Brust- seite braun, Hüfte blasser mit schneeweißen Schuppenflecken. Hinterleib Grund- farbe auf der Oberseite schwarzbraun, helle Bänder am Grunde der Ringel gelb- Fig. 54. Aedes calopus nach einer Tafel des Instituts für Schiffs- und Tropen- krankheiten, a, b = sitzendes Weibchen von oben und von der Seite, c =r weib- licher, d = männlicher Körper ohne Flügel und Beine, e = Flügel, f = ver- schiedene Schuppen, g = Puppe, h = alte und junge Larven, i = Ei. lichweiß, die schneeweißen Seitenflecke sind von dem mittleren Teil der Bänder abgesetzt. Unterseite gelbweiß mit schwarzen Seitenflecken. Beine: Schenkel auf der Oliei'seite schwarzbraun, Unterseite gell)lichweiß, gegen die Spitze dunkel, Schienen auf der Oberseite und Unterseite schwarzbraun, Füße schwarzbraun mit weißen Ringeln am Grund der Glieder, die besonders an den Hinterfüßen breit sind, letztes Hinterfußglied ganz weiß, Knieflecke schneeweiß : Flügel ganz schwarz- schuppig; Schwinger gelblichbvaun, Knopf dunkler mit gelblichweißen Schuppen. Weibliche Hinterklauen einfach. Archiv f. Schiffs- u. Tropen-Hygiene. 24. Beiheft 1. 10 146 Dl'. E. Martini. Über Stechmücken. [146 Beim Männchen sind die Taster schwarz, am Grunde aller vier Glieder weiß geringelt, Fühler, Geißel grau, mit grauschwarzen Haaren. 3^2 — 5 ™i^- Larven mit glatten, sehr schmalen kurzen Fühlern, an denen der Haarbusch auf ein sehr kleines unverzweigies Haar rückgebildet ist. Scheitelhaare nicht geteilt. Striegeldornen ungefähr 9 in einer Reihe. Mit starken Nebenzähnen. Fig. 55. Männlicher Ge- Fig. 56. Larvenhinterende von Aedes calopus. schlechtsapparat von Aödes Daneben ein mittlerer Striegelzahn stärker ver- calopus. Vergr. ungef. 100:1. größert. Kamm des Atemrohres mit ungefähr 12 stark gefiederten Zähnen, gut bis zur Mitte des Rohres reichend, Haarbusch daher jenseits der Mitte, Länge des Rohres zur Breite knapp 2/1. Ruder sehr schwach entwickelt, Kiemen groß und breit. Die Angabe von Edwards, daß der Fühler der Calopuslarve im Gegensatz zu der von sugens keinen Haai'busch habe, muß ich nach meinen Beobachtungen bestreiten. Lebensweise. 1. Der Moskito wird fast immer in nächster NäJie des Menschen beobachtet, obwohl er wohl ursprünglich ein .Baumhöhlenbewohner sein mag. Nur in ganz ausnahmsweisen Fällen hat man das Tier weit von menschlichen Wohnungen im Walde gefunden, wo es in Baumhöhlen brütet, so daß es scheint, daß es noch bis zu einem gewissen Grade auf eigenen Füßen stehen kann. Die Larven leben in allen möglichen Wasseransammlungen, weniger in offenem Wasser als in geschlossenen Behältern, wie Straßen- und Küchen- schlammfänge, Wassertonnen, Zisternen, Wasser in Dachrinnen, alten Eimern, Konserven- und anderen Blechdosen, jedem im Hause länger stehenden Wasser. Sie ist auch in Salzwasser von über 40/0 gefunden. 2. In den Wohnungen zieht der Moskito die Schlafstuben vor, vielleicht weil er dort vielfach seine Geburtsstätte hat. Er fliegt nicht weit und offenbar nicht gern, und soll so oft sein Leben lang aus seinem Geburtsraum nicht herauskommen. Natürlich wechselt 147] III- Culicini, Aedes (Stegomyia). 147 der ©iiie oder andere auch einmal über den Hof in ein anderes Haus, da ja in manchen Zimmern auch keine geeigneten Plätze zur Eiablage sind. Die Eier werden auf das Wasser abgelegt und ge- raten dann bald an den Rand oder werden gleich an den Wasser- rand etwas oberhalb der Wasseroberfläche abgesetzt. Sie können lange auJ3erlialb des Wassers aushalten luid sind schon so verschickt worden. 3. Die Zeit des Blutsaugens (es sticht auch hier natürlich nur das Weibchen) ist noch umstritten. Daß Stegomyien auch bei Tage stechen, ist sicher, doch sind auch sicher gelegentlich schon Stiche nachts beobachtet. Ob aber-, wie die französische Gelbfieber-Kom- mission in Rio will, nur die jungen Mücken während der ersten paar Tage im Hellen stechen, die älteren aber nur uachts, ist doch sehr wenig wahrscheinlich. 4. Die Gelbfiebermücken lassen sich leicht einen Monat oder etwas länger am Leben erhalten. Nach dem 40. Tage aber sterben sie leicht, doch leben einzelne Weibchen bis 90, ja über 100 Tage. Guiteras hielt ein Weibchen sogar 154 Tage, also volle 5 Monate. (Wemi auch die Infektiosität der Mücke s. u. erst bis zum 59. Tage nach dem infizierenden Stich nachgewiesen ist, so ist doch wohl kaum daran zu zweifeln, daß sie bis ans Ende des Lebens vorhält.) Zum Leben der Mücke ist allerdings ein gewisser Grad von Feuch- tigkeit und die Möglichkeit zum Trinken, Honig wasser usw. nötig, während viele Blutmahlzeiten die Lebensdauer eher kürzen dürften. Auch bei kühler Temperatur, 7—9 Grad, hält sich die Mücke ganz ohne Nahrung leicht einen Monat (bis 82 Tage). 5. Wirklich munter ist der Gelbfiebermoskito dagegen nur bei höheren Temperaturen. Unter 17 Grad ist er träge und nicht stechlustig. Die Eier schlüpfen nur bei über 20 Grad, imd die jungen Larven brauchen eine älmliche Wärme zur Entwicklung. Größere Larven, erwachsen zwar auch bei niedrigen Temperaturen, bis 10 Grad C, geben aber nur wenige schwächliche Mücken. Diese 'geringen Wärmegrade sind also praktisch zur Erhaltung der Art unzureichend. Das Optimum dürften tmgefahr 28 Grad sein. Bei mittlerer Wasserwärme von 27 — 30 Grad, also unter gün- stigsten Verhältnissen, sclilüpfen die Eier in zwei Tagen, die Ver- puppmig tritt sechs Tage später, das Schlüpfen der Mücke nach Aveiteren II/2 Tagen ein, so daß die ganze Entwicklung 91/2 Tage dauert. 6. Die Mücke saugt, wenn sie Gelegenheit hat, etwa alle zwei 10* 148 D'- E. Martini. Über Stechmücken. [148 bis drei Tage Blut, zieht menschliches Blut vor und entwickelt ihre Eier nur bei Blutdiät i). So findet die Mücke ihre Lebens- bedingungen überall in der Nähe des Menschen, auch in den großen Städten, die sonst nur Culex pipiens und fatigans in größeren Zahlen zu beherbergen pflegen, ja er ist noch mehr als diese Hausinsekt. Wenn man aber ihn gewissermaßen als Mücke nur der großen Stadt geschildert hat, so stimmt das nicht, auch auf dem Lande in Viehtränken und in den Wassertonnen einzelner Eingebe renenhäuser im Busch kann er in größter Masse brüten. Yerbreiitung. Diese Art ist im warmen Klima über fast die ganze Welt ver- breitet, sie kommt vor in Afrika, Asien, Australien, Süd- imd Nordamerika, auf den meisten Inseln der Ozeane, den vvest- mid ostindischen Inseln, in Japan, auch in Südeuropa ist die Art beob- achtet, in Portugal, Gibraltar, Italien, Griechenland bis nach Salo- niki, Zypern, Südrußland. Zu wandern scheint die Mücke selbsttätig nur wenig. Ihre Flugweite dürfte kaimi einige 100 Meter betragen. Da die Mücke sehr zäh ist, ist ihre Verschleppung selir leicht möglich. Sie ist nachweislich wiederholt mit Scliiffen gereist, ist auch -Räederholt mit der Bahn nach St. Louis gelangt und hat sich dort im Sommer erheblich vermehrt. Für die Versclileppung mit Schiffen ist sie wie geschaffen. In den kühlereu Räumen der Schiffe können Mücken ohne weiteres selbst Reisen mit Segelschiffen um die halbe Welt überdauern, leicht werden Schiffe sie mitnehmen, da sie an manchen warmen Hafenplätzen in ungeheuren Mengen vorkommen und geschlossene Räume lieben. Sogar vermehren können sie sich in den Schiffen, da ihnen jedes Süßwasser recht ist, und beson- ders auf den Segelschiffen für längere Fahrt auch größere Süß- wasservorräte vorhanden sind. Näheres siehe bei Gelbfieber. Die eigentliche Heimat ist kaimi noch mit Sicherheit fest- zustellen, an die warmen Klimate gebunden, kann sie sich bereits im französischen Klima nicht mehr halten, nichtsdestoweniger hat sie sich hin und wieder während der Sommennonate ziemlich weit nördlich begeben, und so an der Ostküste Amerikas selbst in ^) S. K. Sen hat 1917 Versuche mit Stegomjäa scutellaris mitgeteilt, in denen es gelang, bei bloßer Zuckernahrung, besser jedoch bei Zufütlern von Stick- stoff enthaltender Nahrung, wie Pepton, Eiablage in einzelnen Fällen zu erhalten. Fielding erhielt befruchtete Eier nur bei Zuckerpeptonfütterung. 1491 li'- Culicini, Aedes (Stegomyia). 149 Städten wie Savannah, Philadelpliia und Neuyork Massenvermeh- rung hervorgebracht. Auch in Europa, z. B. in südfranzösischen Häfen, hat sich die Mücke tiin und wieder eingenistet. Marchoux und Simond haben sie nach Paris gebracht, am 5. Mai, und ge- funden, daß die Mücke dort mehrere Generationen machte, bis in den September, dann stand die Entwicklung still. Anfang Novem- ber ging die ganze Kolonie zugrunde. So geht es auch in den genannten nordamerikanischen Plätzen. Mit dem Winter hört die Calopus-Entwicklung auf, und die Art stirbt aus, bis sie gelegent- lich wieder vom Süden eingeschleppt wird. Den von Otto und Neumann nach Hamburg mitgebrachten Mücken gelang im Garten- mückenhaus nur eine Generation, das Klima ist hier also absolut zu kalt für die Mücke. Im warmen Mückenzinuner hält das In- stitut sie dauernd. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß ihre sämtlichen Siede- lungen auf europäischem Boden auf Einschlepp ungen durch den Handel beruhen. Ganz ungeklärt ist abef, ob Westafrika oder Ost- amerika die ursprüngliche Heimat der Mücke ist. Der lebhafte Sklavenhandel, der bald nach der Entdeckung Amerikas zwischen dem Osten dieses Festlandes und dem Westen Afrikas einsetzte, kann die Mücke ebenso leicht hinüber wie herüber gebracht haben, Gelbes Fieber. Die Mücke ist der Überträ,ger des gelben Fiebers, einer sehr gefährlichen tropischen Seuche, die schon ungeheure Opfer ge- fordert und ganze Städte in ihrer Entwicklung zurückgehalten hat, bis die Möglichkeit ihrer Ausrottung durch Mückenbekämpfung bekannt und an vielen Orten durchgefülirt wurde. Über den Er- reger siehe S. 35. Das gelbe Fieber kommt zwar bei Uns in Deutschland nicht vor, hat jedoch Europa wiederholt berührt. Ich erwähne folgende Epidemien : Spanien 1. Cadiz 1741 10000 Todesfälle 2. Barcelona 1821 25000 )i 3. Lissabon 1857 5652 n [talien 1. Leghorn 1804 685 ■>•! 2. Torre Annunziata 1883 wenige M England 1. Southampton 1852 7 11 2. Swansea 1865 15 ^.. Frankreicl 1 Brest 1802 1839 «eiten in Gelbfieberhäusern ist ihre Be- nutzung notwendig, denn unter solchen Bedingungen kann schon ein Stich von Aedes calopus das Leben kosten. Gleichzeitig aber müssen auch die Hände durch dicke Handschiüie, durch die kein 12* 180 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [180 Moskito liiiid urchstechen kann, und Unterschenkel, wo die Mücken über Schuhen und Stiefehi sonst sehr gern angreifen, durch Ga- maschen geschützt sein. Diese Tracht ist im heißen Sommer aber und im Tropenklinia sehr drückend, besonders bei der körperlichen Arbeit, so daß sie wohl nur in äußerster Not verwendet wird. Auf j ■^lff«ii^-*£irf:^;, ^^^r . J Hl^ M % fM m ^^^B^m |mLj ^^^Bfft^f ■-j^n PB^^*P|m w HP^^ i^^L^' ' Fig. 76. Mückenscbleier nach Howard Dyar und Kuab. Crane Lake Saskatchewau, Juni 1907. dem Anstand mag sie sich \ielleicht bewähren, gegen die Malaria wird man den Landmann wohl nicht hineinkriegen, denn die Malariamücke belästigt im allgemeinen zu wenig. Es ist zu be- achten, _ daß die Aedesarten durch eine gewöhnliche dünne Som- merhose glatt hindurchstechen, wo diese dem Körper fest anKegt. Moskitonetz. Ein anderer sehr wirksamer Schutz ist das Schlafen unter dem Moskitonetz 1). Dasselbe besteht aus vier, den beiden Längs- und den beiden Querseiten des Bettes entsprechenden Tüllwänden, die von einer dem Bettformat entsprechenden Tülldecke herab- hängen. An den verstärkten Ecken der letzteren sind Bändchen angebracht, an denen das ganze über dem Bett am besten in ein Gestell aufgehängt wird, so daß der Schläfer wie in einer großen Fliegenglocke aus Tüll liegt. Der freie untere Rand dieses Netzes wird imter die Matratze oder sonstige Unterlage gesteckt. Ein Schlitz soll nicht vorhanden sein. ') 301. 181] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 181 Die Wirksamkeit des Bettiietzes und des gesehützteii Hauses beruhen darauf, daß unsere wichtigen europäischen Anopheles nächtliche Tiere sind und es daher genügt, sich nacshts gegen sie zu schützen, um sich überhaupt zu schützen. Die bei Tage stechenden Waldformen bifurcatns uiul nigripcs dürften Fig. 77. Vorscliriftsmäßig aufgeliängtes Moskitonetz. (Nach einer Postkarte des Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten [s. a. lila].) in Europa meist als Mahiriaüberträger k(Mne größere Rolle spielen. Übrigens schützten schon die alten EönuM- ihren Schlaf durch Mückennetze, Conopea, und diMi gleichen Komfort traf Marco Polo bei seinen Reisen bereits in Indien an. Die Ägypter brauchten sie schon zu, Herodots Zeit. Auch heute ist in vielen Gegenden Südeuropas das Mückennetz noch dringend zu empfehlen. Es sichert den Nachmittagsschlaf vor Fliegen und .Vedes und die Nacht vor Fieber. Drahtgazeschutz. Es ist eine sehr große Annehmlichkeit, in einem durch Drahtgaze gegen Mücken und i^liegon geschütztiMi Hause zu 182 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [182 leben in Gegenden, die sonst eine erhebliche Fliegen- und Mückenplage bieten. Sind auch meist die Schutzmaßregeln nicht ganz korrekt und daher nicht voll wirksam, so sind sie doch wirk- Fig. 78. Mückensicheres Haus vom Panamakaual. Hospital (aus Fülleborn, Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 17, Beih. 7). Fig. 79. In der Veranda eines solchen Hauses (aus Fülleborn. Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 17, Bcih. 7). 183] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 183 sam genug, uns eine merkbare Erleichterung zu verschaffen. So sind derartige Einrichtungen in den Niederlanden und Amerika schon lange in Gebrauch. Auch hier und da in der Marsch hat man Gazefenster. Die Ausgaben für diesen Schutz sollen sich in den Vereinigten Staaten auf ungefähr 40 Mill. Mark jährlich be- laufen, die Einfuhr nach Honolula auf 100 000 M. jälirlich. Will man sich allerdings gegen Malaria schützen, so muß exakt gearl>eitet werden (95, 237). Denn die in ein geschütztes Haus eingedrungene Mücke ist wie in der Falle, sie muß bleiben und sticht die Bewohner immer die Eeihe herum, so unfehlbar die Malaria verbreitend, wenn einer der Bewohner sie hat, während sie bei offenen Fenstern vielleicht längst im Kuhstall säße und keinen Schaden tun könnte. Der Schutz muß also, sobald wir nicht der Belästigung, sondern der Malariagefahr wegen zum Drahtnetz greifen, sehr sorg- fältig durchgeführt werden. Das Drahtnetz soll im warmen Klima keine Eisengaze sein, sondern über 90 o/o Kupfer enthalten, jedenfalls nicht mehr als 1/2% Eisen, da es sonst zu leicht zerrostet. In unserem Klima kommt man mit Eisengaze aus. Die Maschenweite wird allgemein auf 16 — 18 Drähte auf den Zoll angegeben. Gellis Muster hat nur 14. Da in ganz Mitteleuropa, im größten Teil Osteuropas, selbst noch in Rumänien und Nordserbien die größten europäischen Ano- phelesarten praktisch allein oder mit der ebenfalls großen Varietät pseudopictus zusammen vorkommen, werden wohl selbst 12—14 Fäden genügen. Muß man dagegen sich auch gegen Aedes calopus schützen, so soll die Gaze mindestens 16 Drähte auf den Zoll haben, entsprechend der Kleinheit cHeser Art, der es in seltenen Fällen schon gelingt, in diese 16fädige Gaze einzudringen. Es ist anzustreben, daß die Drahtgaze außen von den Fenstern mit Leisten angenagelt wird und das Fenster dahinter nach innen geöffnet werden kann. Sehr störend sind dabei Oberfenster, welche sich um horizontale Achsen drehen. Sie lassen sich nicht vor- schriftsmäßig schützen und müssen durch Nägel gegen das Öffnen gesichert werden. Sclilagen auch die unteren Fenster nach außen, so ist es nötig, Einsatz rahmen zu machen, die aber fast nie dicht schließen und sehr oft abends vorschriftswidrig entfernt werden, so daß eine dauernde Sorgfalt und Aufsicht nötig ist. Schön lassen sich die großen Veranden mancher Kurorte, deren Fenster nach der Seite, nach oben oder unten weggeschoben 184 Dr. E. Martini. Über Stechraückeü. [184 werden, mit Dralitgaze schützen. Einen Fehler, den man hier vermeiden muß, zeigen Abbildungen nach Smith. Türen müssen mit Selbstschloß, noch besser mit Doppeltüren so versehen sein, daß die eine Tür sich schließt,, wenn die andere sich öffnet, dadurch wird selbst das Stehen in den Türen weniger bedenklich. Auch alle anderen Öffnungen müssen gut geschützt werden. Einzelne Zimmer kann man leicht mückensicher machen. T) _1] Fenster Fenster m Drahlgaze Fig. 80. Verkehrt angebrachter Drahtgazeschiitz an einem Schiebefenster (nach Smith). besonders wenn man noch ein Vorzimmer hat. Tüll tut für vor- übergehenden Bedarf denselben Dienst wie Drahtgaze. Die Wirksamkeit dieses Schutzes hatten Low und Sambon an sich selbst erprobt, indem sie in der verseuchten Gegend der Carapagna eine Malariasaison hindurch gelebt haben, nur geschützt durch Wohnen in einem Hause, das mit Drahtgaze sorgfältig mückensicher gemacht war und das sie stets abends rechtzeitig aufsuchten. Sie blieben frei von Malaria. Italien hat dann in großartiger Weise mit diesen Mitteln gearbeitet und im Kampf gegen die Malaria sehr schöne Erfolge 185] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 185 gehabt. So waren 1904 bereits allein unter den Eisenbahnern und ihren Familien 12 378 Personen unter solchem Schutz. Fig. 81. Drahtgazeschutz an itaUeniscbem Bahnwärterhäuschen (nach C'elli). Von Oesterlin (232) wird als Schutz ein gazeartig gewebter Papierstoff empfohlen, der Avährend des Krieges den österreichischen Truppen geliefert ist und das mazedonische Klima ziemlich gut ver- tragen hat. Es steckt nicht A^el "Wert darin. Einiges Durclii^egnen Fig. 82. Schutzdach, mit Papiergazehäuschen darunter (nach Oesterlin, aus Arohiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 23.) hält er aus und gestattet mit einem Schutzdach darüber eine schat- tige, luftige Unterkunft, die sich vielleicht auch im Frieden im Malarialande Südeuropas zur Unterbringung bei vorübergehenden Arbeiten als sehr praktisch erweisen mag (siehe Abbildung). 186 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [186 Für Mitteleuropa muß wenigstens gefordert werden, daß die Malariakrankenhäuser, Stationen und Genesungsheime von Anopheles frei gehalten werden, schon in Rücksicht auf das Pflegepersonal. Übrigens kann man natürlich auch einzelne Kranke gut mit einem Moskitonetz (301) schützen. Im allgemeinen aber sollten Malariakranke aus den Krankenhäusern möglichst in besonderen Malariastationen gesammelt werden. Die beste Art, Mückenstiche zu vermeiden, ist natürlich, daß man den Mücken aus dem Wege gehfi). Für Malariastationen werden sich wohl in jedem größeren Gebiet Plätze finden lassen, wo die Anopheles so selten sind, daß man ein Krankenhaus auch ohne 'besonderen Schutz haben kann. Hohe trockene Lagen mit niedrigem Grundwasserstand sind natürlich das günstigste. B. Bekämpfung der Mücken. ^ Gegen die Plagegeister Mitteleuropas ist man nun bisher meist geraden Wegs mit Mückenbekämpfung losgegangen. Dabei gilt aber: Eines schickt sich nicht für alle. Allgemeines. Zunächst müssen wir uns bewußt sein, ob wir der Malaria wegen etwas gegen die Mücken unternehmen oder wegen der Belästigimgen. Die Mücken teilt Mühle ns in Haus- und Waldmücken. Außer den Waldmücken haben wir aber auch noch Wiesenmücken, und so unterscheiden wir besser von den Hausmücken die Mücken des Freien. Welche Arten dazu gehören, siehe oben, S. 151. Die Haus- mücken sind An. maculipennis, G. pipiens, Th. annulatus, im Süden auch A. calopus. Erstere sind häufig im Frühjahr nach der Durch- winterung und von August ab. Sie werden angegriffen im Winter- quartier oder in ihren Brutplätzen. 1. Räuchern und ähiiliches. Dementsprechend können wir von einer Winter- und einer Sommerbekämpfung der Mücken sprechen (15). Erstere gilt nur den ^) Hierzu gehört aucli die Benutzung von Schlaftürmen, wie sie die Urein- wohner Indiens besessen haben sollen und wie sie noch jetzt in Gestalt von Gerüsten in verschiedenen Gegenden in Gebrauch sind. Die Schutzmaßregel wird wohl meist durch Rauchfeuer unter den Gerüsten verstärkt. 187] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 187 Hausmücken. Der Fang der Mücken im Freien ist für den Samm- ler natürlich wichtig, kommt aber für praktische Zwecke kaum in Frage (vgl. S. 192), da der Ertrag im Verhältnis zu der Zahl der wirklich vorhandenen Mücken stets verschwindend sein dürfte. Die Mücken (15, 140a, 216, 263, 320) in geschlossenen Räumen kann man mit vier Methoden vernichten: Abklatschen, Abbrennen, Ausräuchern oder Vergasen, Spray. Anleitung von Fr. Glaser siehe Nr. 321 des Literaturverzeichnisses. Fig. 83. ISpritze (nach Giemsa). (Aus Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 16, Beih. 1.) Abklatschen oder Abwischen mit nassen Tüchern, besonders an glatten Flächen und zu Zeiten, wo die Mücken wegen Kälte sehr fest sitzen. Abbrennen mit Fackel, mit Spiritus getränktem Asbestbausch, mit Lötlampen, ,, Schnaken vertilger" von Georg Boos, Schwetzingen. ,, Schnakenlampe Perfekt", Jean Rief, Mannheim, Schwetzinger- strai3e (2 M.), von Glaser in erster Linie empfohlen. Es ist am einfachsten an gemauerton Flächen, doch von geschickten lauten auch in Holzräumen ausführbar. Abbrennen von oben nach unten. 188 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. [188 Das Sprayverfahren. Dasselbe eignet; sich besonders für schlecht abzudichtende Räume mit Holz- oder Plechtwerkwänden. Als Spray kann eine tragbare Gartenspritze dienen, mit feinem Brausekopf, wie sie in Obst- und Weingärten in G-ebrauch sind. „Automax 2a" (60 M.) von Maschinenfabrik Karl Platz, Ludvs^igs- hafen, hat sich nach Glaser am besten bewährt. Eine Gruppe von zwei Leuten kann im Tag bis zu 50, selbst 70' Anwesen, je nach der Zahl, Größe und Beschaffenheit der dazugehörigen Baulich- keiten, erledigen. Die Methode des Insektizidsprays gestattet so- fortige Anpassung an die jeweiligen Verhältnisse. Es wird nur dort abgespritzt, wo Schnaken festgestellt werden. Der Aufwand an Flüssigkeit richtet sich dabei ganz nach der Zahl der vorhande- nen Stechmücken. Die Mühe ist so gering, daß es sich, selbst wenn nur ein paar Schnaken gefunden werden, lohnt, sie durch einen kurzen Strahl mit der Schnakenspritze zu töten. Als Flüssig- keiten sind empfohlen: Floria insecticid H. Nördlinger, Flörsheim. 3 o/o ige Lösung, im Sommer 5 — 10 o/o ige, nach der Wärme. Dies Gemisch, über dessen Verwendung Glaser genauere Angaben macht, hat sich nach Bresslau sehr bewährt. Formaldehydseifengemische. Z. B. empfiehlt Giemsa eine Lösung von 9 ccm Spir. Sap. Kai. 1 1 Wasser 24 g Formalin (35 ^Iq Formaldehyd). Pyrethrunimischung (Giemsa, 112 — 114) Pyrethrumtiuktur (20 Teile Dalmat. Insekten- pulver und 100 Teile 96 % igen Alkohol) 550 g grüne Kaliseife 180 g Glyzerin 240 g Kohlenstofftetrachlorid 30 g vor dem Gebrauch mit 20 f acher Menge Wasser zu verdünnen. Als Wasser kommt natürlich weiches Wasser allein in Betracht. Die Lösung hat im Laboratoriumsversuch gute Ergebnisse gebracht. Die wichtigsten Raucher- oder Vergasungsmittel sind folgende : Span. Pfeffer 2 Teile, Dalmat. Insektenpulver, gepulverte Baldrianwurzeln, gepulverte Kalisalpeter je 1 Teil, 3 Eßlöffel in einer Pfanne verbrannt, genügen für 50cbm (Hyg. Inst, Bresslau). 189] IV. Maßnahmeu gegen die Mücken. 189 30 g Salpeter in 125 com Wasser gelöst und mit 100 g Tabak- staub zu Teig verknetet, der über dem Feuer zu trockenem Pulver verrührt wird, 3 — 4 g auf 1 cbm Luft. Die Mücken werden von den drei letzten Verfahren nur be- täubt, müssen dann zusammengefegt und verbrannt werden. Smith räucherte mit gepulverter Datura stramonium oder mit ,,Culicide", einer Mischung von gleichen Teilen kristallisierter Karbolsäure und Kampfer (100 g auf 35 cbm Eaumj. Der Kampfer wird in dem durch Hitze verflüssigten Karbol gelöst. Die Lösung hält sich und wird bei der Benutzung über einer kleinen Flamme verdampft. Mit diesem Mittel hat Smith 54 Keller ausräuchern lassen, deren Größe zwischen 240 bis 750 cbm lag. Die Kosten beliefen sich durchsclmittlich auf 1,50 Dollar pro Keller i). Arbeit 7 Tage zu 0 2,00 = $ 14,00 Vorspann „ 1,40 ^ 15,40 Culicide . . „40,78 Alk-ohol . „ 3,15 Gerät „ 1,372 $ 73,05 Die von Mühlens (213) mit Erfolg in Wohldorf angewandte Methode ist das Räuchern mit Insektenpulver allein. Dasselbe wird einfach auf Watte oder billiger und ebensogut Zeitungspapier ge- schüttet und dieses angesteckt. Das Pulver verbrennt dann voll- ständig. Man nimmt 4 — 8 g auf 1 cbm und läl^t den Dampf ge- nügend lange in den Räumen, am besten über Nacht. In Wohldorf wurden 1914 für 179 Keller 37 kg Insektenpulver und 3 kg Watte gebraucht. Dazu brauchten zwei Mann (der Des- infektor und ein Forstarbeiter) 11 Tage, wobei allerdings noch in 34 Kellern die Mücken mechanisch beseitigt wurden. Die Kosten beUefen sich auf rund 350 M. ^) Bei genauer Übertragung der Geldwerte vor dem Kriege würde dieses ungefähr 6 M. bedeuten. In Wirklichkeit war aber die Kaufkraft des Dollars viel geringer in Amerika als die der Mark in Deutschland, so dal! im wirklichen Wert im Leben, in Gehältern usw. ein Dollar nur ungefähr 2 M. entsprach und wir also die in Dollar gegebenen Sätze, um zu Vergleichswerten mit unseren Verhältnissen vor dem Kriege zu gelangen, mit 2 multiplizieren müssen. Unter unseren jetzigen Verhältnissen liegen naturgemäß noch keine Er- fahrungen vor. Bei ihrer Veränderlichkeit wäre es selbst dann unzweckmäßig, Angaben darauf zu stützen, vielmehr wird es meist für die zuständigen Stellen möglich sein, sich aus Angaben über die Kosten vor dem Kriege ein Bild zu machen über die jetzt vermutlich erwachsenden Ausgaben. 190 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [190 Schweflige Säure, durch Verbrennen von Schwefel oder Salfar- kose in derselben Weise wie für Läuse verwandt, ist sehr gut. 5 — 10 g auf 1 cbm Luftraum. Blausäureräucherungen (314 — 316) wie gegen Läuse dürften vielleicht das Mittel der Zukunft sein. 1/4 g auf 1 cbm tötet die Mücken in 15 Minuten. (Für alle Eäume, die sich gut abdichten lassen.) Das Zyannatrium ist sehr billig. Für 100 cbm braucht man davon nur für 20 Ff. Wegen der Gefährdung der Menschen durch Blausäure aus- schließlich von Erfahrenen vorzunehmen ! Auch muß die Technik wohl noch weiter ausgebaut werden. Nach Teichmann können mit einem Arbeiter durchschnittlich 20 Keller den Tag mit dieser Methode behandelt werden. Bei allen Räucherungen müssen die Eäume gut abgedichtet sein. Verkleben von Ritzen und Fugen! Nahrungsmittel, soweit sie leicht Geschmack annehmen, werden am besten entfernt (Milch), sonstige werden beim Sprayverfahren bedeckt (für Rüben, Kar- toffeln usw. nicht nötig), nach Abschluß des Räuchems oder Spray- verfahrens gute Durchlüftung. Wie alle Mückenbekämpfung muß die Vernichtung in den Winterquartieren durch einheitliches Vorgehen in der ganzen Ort- schaft vorgenommen werden. Sie ist daher am besten von der Ortsbehörde zu regeln. Diese würde auch die Mücken in Wasser- durchlässen unter Straßen, unter Brücken usw. zu vernichten haben. Nach einer Verordnung des Elsässer Ministeriums z. B. sind in den von Stechmücken heimgesuchten Gegenden die Gemeinden zur Schnakenbekämpfung verpflichtet. „Jeder Besitzer eines Anwesens hat danach bei der Winterbekämpfung in geeigneter Weise für Ab- tötung der auf seinem Grundstück überwinternden Schnaken zu sorgen. Für die Durchführung dieser Vorschrift sind die Bürger- meister der Gemeinden verantwortHch. Daraufhin hat hier in Straßburg die Stadt ein sog. Schnakenamt errichtet, das die Kon- trolle auszuüben hat, zugleich aber auch gegen eine geringe Ge- bühr selbst die Vernichtungsarbeiten in den einzelnen Anwesen übernimmt. Städtische Angestellte, vorher darauf eingeschulte Leute, durchsuchen in Gruppen zu je zwei Mann nach einem be- stimmten Plane alle Grundstücke der Stadt und ihrer Vororte, mit Karbidlaternen und Schnakenspritzen ausgerüstet. Es müssen ihnen in jedem Anwesen alle in Frage kommenden Räume geöffnet wer- den. Diese werden mit den Laternen abgeleuchtet. Dort, wo die 191] IV. Maßnahmen .gegen die Mücken. 191 Eigentümer für die städtische Winterbekämpfung eingeschrieben sind, werden die gefundenen Schnaken durch Abspritzen mit Insek- tizidlösung getötet. In nicht eingeschriebenen Häusern usw. wird nachgesehen, ob die Bekämpfung ordnungsmäJjig vorgenommen worden ist. Hat der Besitzer dies unterlassen, so wird das Ver- säumte sofort auf seine Kosten nachgeholt und Strafantrag erstattet. Diese Nachschau auf allen Anwesen der Stadt erfolgt im Laufe des Winters zweimal, das erstemal während der Monate November und Dezember, das zweitemal im Januar und Februar." (Bresslau.) Welchen Teil aller durchwinternden Weibchen die so besei- tigten ausmachen, wissen wir nicht. Zahlreich durchwintern sie auch in Ställen, Scheunen, Speichern, Baumhöhlen, Reiserhaufen und anderen geschützten Plätzen. Es ist daher empfohlen v/orden, im Herbst aii geeigneten Orten Eeiserliaufen als Fallen aufzuwerfen, die dann später verbrannt werden. Man faßt die gesamten Maßnahmen als Winterbekämpfung zu- sammen, um ihr die Sommerbekämpfungi) gegenüberzustellen. Wir bleiben hier zunächst bei der sachlichen Zusammenstellung der Mittel gegen die fertige Mücke. Mückentöton im Sommer. Spray- und Eäucherverfahren können auch im Sommer noch gelegentlich zur Anwendung kommen. Ersteres besonders in Stal- lungen gegen die Anophelen, die sich an geschützten Stellen der- selben oft auch im Sommer in großer Menge ansammeln, auch das Räuchern könnte gelegentlich einmal in Frage kommen, imi vor- läufige Erleichterung zu schaffen. Die Bulgaren räucherten ihre Erdhütten im Felde z. T. jeden Abend^aus und machten sie dann, so g-ut es geht, mückendicht. Das Zusammenleben und Schlafen in denselben Räumen, wo gekocht wird, wie wir es vielfach bei der Landbevölkerung der südlichen Gegenden finden, hat natürlich einen ganz ähnlichen Erfolg. In der Tat findet man in diesen stark rauchig riechenden Räumen tagsüber fast nie Mücken. Bei Gelbfieberepidemieai ist Ausschwefeln der Wohnung des Kranken unbedingt erforderlich, sobald derselbe hinaus und in ein mückensicheres Krankenzinnner übergeführt ist, denn ein ein- ziger Aedes calopus, der in andere Räume dringt, kann schon ein ^) Die Bezeichnung Sommerbekämpfung ist insofern irreleitend, als für die meisten Aedes das frühe Frühjahr die Hauptbekämpfungszeit ist. 192 Dl"- E. Martini. Über Stechmückeu. [192 Menschenleben und mehr kosten. Man betritt daher solche Räume auch nur mit mechanischem Mückenschutz. Über die Notwendigkeit der Ausschwefelung von rollendem Material, wie es in Panama gelegentlich zweckmäßig erschien, ist mir in Europa nichts bekanntgeworden. Dagegen beweisen die beim gelben Fieber erwähnten Fälle vom Transport der Mücken mit Schiffen, daß die Quarantänebehörde noch in England und Frank- reich in die Lage kommen kann, gegen Aedes calopus die Schiffe ausschwefeln zu müssen, besonders die, welche von mexikanischen und westindischen Häfen kommen. 2. Mückenfang. Der Mückenfang im Freien ist zur Mückenbekämpfung in fran- zösischen Kolonien unter Anwendung von Mückenfallen angeblich mit Erfolg ausgeführt. Diese französischen Mückenfallen sind schräg in die Erde gegrabene Löcher mit der Öffnung in Licht- und Windschatten. In den Löchern sammeln sich tagsüber viele Mücken an und werden vor Abend durch Ausbrennen mit einer Fackel vernichtet. AVeiter verbreitet hat sich dies Verfahren nicht. Im übrigen wird der Mückenfang und das Mückenerschlagen in größerem Umfange zweckmäßig auf die menschlichen Woh- nungen und die Malariamücken beschränkt. Natürlich soll man eine Mücke, die einem gerade vor die Hand kommt, totschlagen, es ist immer eine weniger. Ein systematisches Abfangen der Glücke hat sich aber als Mittel gegen die Malaria in den menschlichen Wohnungen, besonders den zahlreich belegten, in denen meist Keimträger und Wechselfieberfreie durcheinander hausen, sehr be- währt, schon in den noch nicht geschützten Baracken, noch mehr aber in mit Mückenschutz versehenen Häusern, in die ). Brutgewässer finden unsere Hausmücken reichlich in der Nähe der menschlichen Ansiedelungen und in unseren Dörfern und Städten selbst. Es sollen besonders alle Wasser- ansammlungen in Wassertonnen und Fässern, Zierbecken, Zisternen, Eimern, Brunnen, auch tiefen Ziehbrunnen, kleinen Wiesengräben und Straßengräben, Pfützen usw., soweit es sich um nicht not- wendige, z. T. alte und verfallene Einrichtungen handelt, ein für allemal durch Zerstörung der Behälter oder Zuwerfen unschädlich gemacht werden; sofern sie noch notwendig sind, mückenfrei ge- halten werden. Gerade in den Wassertonnen z. B. züchten wir in unserer nächsten Nähe unendliche Mengen von Culex pipiens, im Süden auch Aedes calopus, weniger Anopheles, der eben nur halbes Haustier ist. Gebrauchstonnen deckt man zu, doch muß das dicht geschehen, da die Mücke auch durch enge Spalten den Weg zum und aus dem Wasser findet. In Panama muß die Tonne oben durch Drahtgaze völlig mückendicht abgesclüossen sein und unten einen Hahn zum Wasserabziehen besitzen. Derartige Anlagen ver- ursachen für den emzelnen nur geringe einmalige Auslagen und können daher zum Wohl des Ganzen von den Behörden wohl ohne weiteres angeordnet werden. — Eine Öl- oder Petroleumschicht schließt natürlich auch gut ab. 1) S. 16, 19, 91, 163, 186, 216, 225, 263, 266. 284. 320, 321. Archiv f. Schiffs- u. Tropen-Hygiene. 24. Beiheft 1. 13 194 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [194 Sachverständige Leute müssen von Haus zu Haus gehen, nach Mückenbrutplätzen suchen und den Leuten die Ratschläge zur Be- seitigung geben. Wo ernste Grefahren durch die Mücken drohen, müssen diese Aufseher das Recht haben, auch Strafen zu bean- tragen und im Wiederholungsfalle die Brutplätze auf Kosten und gegebenenfalls auch zum Schaden der Besitzer zu beseitigen. Der- artige Maßnahmen bestanden in Kuba und Panama allgemein. In Havanna wurde die Zahl der Brutplätze dadurch in einem Jahre von 26000 auf 400 her- untergedrückt. Fefroleum s c.h i c h f- . ^ 3 "0 1^ — u3 W a. s s e r Fig. 84 a. Gescliützte Wassertonne (aus Fülleborn, Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 17, Beih. 7.) LI Fig. 84 b. Mückensichere Zisterne (nach Fülleborn). Auf die Abläufe aus den Rinnsteinen als Brutplätze wurde schon S. 155 hingewiesen, sie kommen natürlich auch für Aedes calopus in Frage, der hier wie in Abläufen in den Häusern gern brütet. Dem Petrolisieren (s. S. 221) erwächst dabei eine Schwierig- keit, wenn die Anlage der Fig. 85 entspricht.« Wo also die Mücken- bekämpfung von großer Bedeutung ist (Gelbfiebergegenden), sind nur Anlagen wie Fig. 86 zulässig. Eigentliche Dorfteiche mit der häufigen Durchrührung ihrer 195] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 195 Ränder und ihrer Belebung durch Enten düfften als Quellen für Stech- mücken kaum je in Frage kommen, wenn sie reichlich benutzt werden. Die Beseitigimg von Gräben und Wasserlachen, besonders in der Nähe der Wohnungen, wird sich vielfach sicher einfach durch Zuwerfen erreichen lassen, durch Sauberhalten der Straßengräben und Sorge für das nötige Gefälle, das sind aber Maßnahmen, die sich, soweit es sich um Kurorte handelt, schon aus Gründen des sauberen und ordentlichen Eindrucks bezahlt machen werden. Gerade diese meist misauberen, oft geradezu stinkigen Gräben, wie wir sie in schlecht gehaltenen Ortschaften in unmittjelbarer Umgebung der Häuser sehen, sind für Culicinen ungeheuer er- Biirgersleig 1 — ' 1 — T 1 C= Rohr zoni Siel Wasserstand Sediment Fig. 85. Sielablauf nicht zum Ölen geeignet. zum Sie] Fig. 86. Sielahlauf zum Ölen geeignet. giebige Brutgelegenheiten. Wiederum ist aber ein Erfolg nm' zu erwarten, wenn diese Maßnahmen in der ganzen Gemeinde gleich- mäßig durchgeführt werden, und so haben sich auch liier wieder gesetzgeberische Maßnahmen vernotwendigt, so am Panamakanal, auf Kuba; aber auch in einigen unserer Kolonien bestanden (8, 322) hierauf bezügliche Verordnungen der Gouverneure. Durch diese Maßnahmen werden wir besonders Culex pipiens, in den wärmeren Strichen aucli Aedes calopus treffen. Werden dabei schon manche Anophelesbrutplätze mit beseitigt, so finden letztere sich doch mehr im Freien. Dort haben vnr ihre ergiebig- sten Quellen zu suchen. Doch auch von Culex pipiens und Theo- baldia auuulata leben die Larven oft in großer Menge nicht in den 13* 196 Dl"- E. Martini. Über Stechmücken. [196 Ortschufleii selbst, sondern in stagnierenden Gräben und Seestücken in deren nächster Nähe. Unter unseren Hausmücken sind Culex pipiens und Theo- baldia annulata hinsichtlich des Schutzes .gegen ihre Feinde gar nicht so ängstlich, sofern nur Kraut und Schmutz die Strömung genügend schwächen. Sie gedeihen auch in ziemlich offenen Gräben, vor allem auch an vielen Stellen, wo es in Eück- sicht auf das umliegende Gelände, Höfe mid Gärten, nicht leicht ist, an dem Wasserspiegel dauernde Veränderungen vorzunehmen. Hier empfielilt sich die Reinigung, wie sie von Glaser geschildert wird. Die Brut, welche in ungeheuren Mengen mitsamt den Eier- schiffchen in den nächst größeren Wasserlauf verschleppt wird, wird dort sehr bald das Opfer der Fische .werden. In den ungefäiir 2 Meter breiten, zusammen fast 3 Kilometer langen Gräben, welche Fabrikabwässer zur 111 leiteten, wurden regelmäßig Schilf und Schmutz beseitigt, das Kraut dadurch zum Teil ganz unterdrückt. Nichtsdestoweniger legten die Mücken noch in die ruhigen Buchten Unmengen von Eier ab. Die Gräben wurden jedoch in jeder Woche zweimal sorgfältig abgerecht, und dabei geriet die Mehr- zahl der Eierschiffchen in die Strömung und ins Verderben, in einer Woche 331/2 Millionen Eier. Die Reinigung eines Grabens erforderte jedesmal ungefähr drei Stunden. Der Kampf gegen die Hausmücken ist mehr im eigenen Inter- esse, die Fremden werden sie meist weniger belästigen, da sie erst in der Nachsaison häufig werden. Immerhin finden sich auch die Wald- und Wiesenmücken gelegentlich zahlreich in bewohnten Räumen ein. Dies scheint besonders bei Aedes vexans und dorsalis der Fall. 2. Feld- und Waldmücken. Muß schon gegen die echten Hausmücken, Culex pipiens, Theob. annulata, Aedes calopus, der .Kampf auch etwas auf die Umgebung der Häuser und Gehöfte übergreifen, so muß er gegen Auopheles ziemlich weit ins Freie ausgedehnt werden, auf etwa 500 bis 1000 Meter im Umkreis. Nur wo viel Weide vieh auch nachts im Freien steht, -wäe in den Nordseemarschen, dürfte eine allgemeine Ausdehnung der Maßnahmen erforderlich sein. Noch weit mehr ins Gelände führt der Kampf gegen die Wald- und Wiesenmücken, die Aedesarten. Es ist natürlich, daß dadurch auch die Maßnahmen viel teurer 197] IV- Maßnahmen gegen die Mücken. 197 werden. Wir müssen uns gerade hier bewußt werden, gegen welche Mücken wir uns richten, denn die Maßnahmen gegen die einzehien Arten, besondiers auich die in, Rücksicht auf Malaria- gefahr oder auf Belästigiuijg, fallen oft sehr verschieden aus. Im ganzen kann man sagen, dai3 die erstere Richtung es weit mehr mit den ausdauernden Gewcässern, die letzteren mit den nur zeitigen Wasseransannnlungen (Tümpeln) zu tun hat. Beispiel einer Gesetzgebung. In der Theorie läßt sich fast jedes Gebiet , so mückenarm machen, wie es die praktischen Bedürfnisse erfordern. Aber die dazu nötigen Mittel sind sehr oft bedeutende. So ist die Frage der Assanierung und der Mückenbekämpfung überhaupt großenteils eine Frage der Rentabilität. Darüber hinaus aber auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel, denn die Einsicht in die Wirt- schaftlichkeit einer Unternehmung allein sichert noch nicht immer das zur Durchführung nötige Kapital oder die Einsicht der Not- Avendigkeit, nicht die Arbeitskräfte und das Material, besonders im Kriege. -Hier ist es Sache der höheren Stellen, einzugreifen. Staat- licher Vorschuß oder die Hilfe gemeinnütÄiger Banken kann dabei ausschlaggebend sein. Es ist übrigens bei der Berechnung der Rentabilität stets im Auge zu behalten, daß miter allen Umständen auch der landwii-tschaf fliehe Wert der Ländereien gesteigert werde. Viele Arbeiten, die die Mücken außerordentlich vermindern, werden gar nicht einmal in dieser Absicht unternommen, sondern ledig- lich zur Erzielung eines höheren landwirtschaftlichen Ertrages. Tritt eine ernste Schädigung landwirtschaftlicher Art durch die Mückenbekämpfiuig em, so werden dadurch die Kosten natürlich leicht so hoch, daß von Rentabilität nicht mehr die Rede ist. Auch bei diesen Verfahren wird Erfolg nur durch gemeinsame Arbeit erreicht und ist daher eine entsprechende Verordnung oft unbte- dingt erforderlich. So erließ der Staat New Jersey gegen die Mückenplage folgendes Gesetz: I. Es ist Pflicht des Direktors der Versuchsstation, selbst oder durch einen von ihm bestimmten ausführenden Beamten die Absichten dieser Akte durchzu- führen, alle Salzmai'schen im Staate, die er für wünschenswert hält und in solcher Ausdehnung, als es erforderlich ist, zu besichtigen oder besichtigen zu lassen. Er hat eine Karte herzustellen oder herstellen zu lassen von jedem Abschnitt, der besichtigt ist, und hat darauf alle die Moskitobrutplätze zu vermerken, die er in jedem Abschnitt gefunden, und gleichzeitig die Methode anzugeben, wie mit den betreffenden Brutiolätzen zu verfahren ist und die wahi-scheiulichen Kosten zur Beseitigung derselben. 198 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [198 IL Es ist ferner die Pflicht des Direktors, auf Ansuchen des Gesundheits- amtes irgend einer Stadt, eines Stadtgebietes, eines Marktfleckens oder eines Dorfes im Staate in der oben beschriebenen Art und in solcher Ausdehnung, wie es nötig erscheint, jeden Süßwassersumpf oder sonstiges Gelände, das der Malaria oder anderer Mückenbrut verdächtig, in dem Zuständigkeitsbezirk der betreffenden Behörde zu besichtigen, und er hat eine Karte von den darauf gelegenen Moskito- brutplätzen, wie sie gefunden sind, zu entwerfen und hat von denselben zu be- richten, wie im § 8 dieses Gesetzes festgelegt worden ist. Ansuchen, wie oben, vorgesehen, können durch irgend ein Gesundheitsamt im Staate aus eigener Ini- tiative gestellt werden und müssen gestellt werden, wenn ein schriftlicher Antrag von zehn oder mehr Grundeigentümern, die in dem Zuständigkeitsbereich der betreffenden Behörde wohnen, vorliegt. III. Sooft im Laufe einer Besichtigung, wie in § 1 dieses Gesetzes vorge- schrieben, gefunden ist, daß im Gebiete irgend einer Stadt, eines Marktfleckens oder eines Dorfes Stellen oder Plätze bestehen, wo Salzmarschen-Moskitos brüten, ist es Pflicht des Direktors, mittels seines ausführenden Beamten dem Gesund- heitsamt, in dessen Bezirk solche Brutplätze oder Stellen vorkommen, die Aus- dehnung und die Lage der Plätze schriftlich mitzuteilen. Dieser Mitteilung soll beiliegen eüie Kopie der Karte, wie unter § 1 vorgeschrieben, und der Angaben über die zu machende Arbeit und deren wahrscheinliche Kosten, wie ebendort vor- gesehen. Dadurch tritt für das Amt die Verpflichtung ein, in 20 Tagen von der Zeit an, da die vorerwähnte Beobachtung mitgeteilt worden ist, das Eigentum an dem Gebiet, auf welchem die Moskitobrutplätze vorkommen, so schnell als er- mittelbar festzustellen und dem Eigner oder den Eignern solchen Besitzes, so- fern ermittelbar, in derselben Weise wie andere Bekanntmachungen betreffenden Amtes gehandhabt werden, die in den Mitteilungen des Direktors dargelegten Tatsachen mitzuteilen, sowie die Bestimmung, daß nach Kapitel 68 des Gesetzes von 1887, verbessert in Kapitel 119 des Gesetzes von 1904, jedes Wasser, in welcliem Moskitolarven brüten, schädlich und als solches zu beseitigen ist. Besagte Benachrichtigung soll ferner eine Anweisung enthalten, daß der Mißstand, be- stehend in Moskitosümpfen oder -teichen, während der bestimmten Zeit zu be- seitigen ist und dieses nicht mehr als 60 Tage von dem festgesetzten Datum an dauern darf. Bei Unterlassung würde das Amt in Übereinstimmung mit diesem Gesetz und seinen Nachträgen mit Abstellung der Schäden vorgehen. IV. Falls ein Eigner von Salzmarschen, in welchen Moskitobrutplätze vor- kommen und dem die Mitteilung, wie oben festgesetzt, vorgelegen hat, dem Befehl des Amtes nicht nachkommt oder ihn in seiner im vorigen Abschnitt angezogenen Frist vernachlässigt, ist es Pflicht des Amtes, mittels der in §§ 13 und 14 dieses Gesetzes und seinen Ergänzungen gegebenen Gewalt vorzugehen und diese Miß- stände abzustellen. Falls dies für unzweckmäßig gehalten wird, soll es dem Senat oder sonst einer Verwaltungskörperschaft der Stadt, des Stadtgebietes, des Marktfleckens oder des Dorfes nachweisen, daß eine solche Anweisung ergangen und nicht befolgt ist. Der betreffende Senat oder die betreffende Verwaltungs- behörde wird versuchen, das erforderliche Geld zu beschaffen, um das Amt in die Lage zu setzen, solche Schäden abzustellen in der in diesem Gesetz vorge- sehenen Art. Es ist Pflicht der betreffenden Verwaltungsbehörde, über diesen Nachweis auf der nächsten Versammlung zu verhandeln und die Beschaffung des erforderlichen Geldes zu erwägen, um die nachgewiesenen Mißstände abzustellen. 199] IV. Maßnahmen gegeu die Mücken. 199 Wird entschieden, daß der Stadtbezirk für solchen Zweck kein Geld verfügbar hat, so wird solche Entscheidung dem Gesundheirsamt, welches den Schein aus- stellt, mitgeteilt. Dasselbe reicht darauf sogleich die betreffende Entscheidung ■ an die landwirtschaftliche Versuchsstation oder den ausführenden Beamten weiter. V. Falls nach Urteil des Direktors öffentliche Interessen gefördert werden können, kann er von dem durch diese Akte ausgesetzten Geld einen solchen Betrag sicherstellen, als wahrscheinlich nötig ist, die gefundenen Schäden ab- zuschaffen und die Moskitobrutplätze in dem Stadtbezirk zu vernichten, der selbst ei'klärthat, wie in dem vorhergehenden Paragraph beschrieben, ohne verfügbare Mittel zu sein. Mitteilung, daß eine solche Summe sichergestellt ist, wie oben be- schrieben, ist dem Gesundheitsamt zu machen, in dessen Bezirk die betreffenden Mückenbrutplätze liegen, und genanntes Amt soll dann eine von dem Direktor oder seinen ausführenden Beamten vorgeschlagene Persönlichlceit zu einem be- sonderen Inspektor von selten dieses Amtes machen, lediglich um in seinem Auftrage den festgestellten Mißstand zu beseitigen, und alle Arbeiten zwecks Ab- stellung des betreffenden Mißstandes und zur Beseitigung eines solchen Brut- platzes soll im Namen und auf Veranlassung des betreffenden Amtes geschehen. VI. Wenn nach dem in Ab.satz 4 dieser Akte angegebanen Verfahren der Gemeinderat oder ein anderer Verwaltungskörper irgend einer Gemeinde bis zu 50 ^/o oder mehr von dem Gelde bewilligt, das zur Behebung der Plage und zur Beseitigung der Mückenbrutplätze in ihrem Bereiche angefordert ist, hat der Direktor der landwirtschaftlichen Versuchsstation von dem hier bewilligten Gelde eine solche Summe zurückzustellen, als zur Vollendung der Arbeit erforderlich ist, und in allen Fällen sollen bei der Zuweisung der hier bewilligien Gelder solche Gemeinden bevorzugt werden, die selbst zu dieser Arbeit beitragen, und zwar in der Reihenfolge nach Maßgabe ihrer Beiträge, indem die, die den höchsten Bei- trag leisten, nach der Reihe vorgehen. VII. In allen Fällen, wo ein Stadtbezirk 50*^/o oder mehr zu den abge- schätzten Kosten zur Vernichtung der Brutplätze der Salzmarschen-Moskitos in seinem Gerichtsbezirk beiträgt, kann die Arbeit durch den Stadtbezirk getan werden wie jede andere Arbeit unter seiner Leitung, und der sichergestellte Betrag, wie unter § 6 vorgesehen, kann an den Schatzmeister oder einen anderen auszahlenden Beamten solchen Stadtbezirks bezahlt werden zur Vollendung der Arbeit; aber keine Zahlung wird an einen Schatzmeister oder eine andere regie- rende Person gemacht, bis der eigene Betrag durch den Stadtbezirk ausgegeben ist und eine Bescheinigung des Direktors oder dessen ausführenden Beamten ein- gereicht worden ist, erklärend, daß die bereits geleistete Arbeit befriedigt und zur Erreichung des verlangten Resultats geeignet ist und daß der Plan für ihre Voll- endung zweckmäßig ist und für die zuerkannte Sumuie durchgeführt werden kann. VIII. Bei allen Feststellungen, welche gemäß § 2 dieses Gesetzes gemaciit sind, soll der Bericht an das Gesundheitsamt mit der Bitte um Besichtigung an- geben, welche Moskitos in dem genannten Gebiete gefunden sind, ob sie an Ort und Stelle brüten oder von anderen Stellen eingewandert sind und im Falle der Einwanderung, von wo sie wahrscheinlich stammen, ob das fragliche Gebiet ge- fährlich ist und welche Art der Arbeit erforderlich ist, um solche Schäden ab- zuschaffen und die Brutplätze zu vernichten, sowie was wahrscheinlich die Arbeit kostet. Das Gesundheitsamt muß dann die Vernichtung der gefundenen Brut- plätze mit den gewöhnlichen Mitteln eines solclien Amtes veranlassen. Wenn 200 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [200 sich aber zeigt, daß die erforderlichen Kosten den Wert des Landes erreichen oder übersteigen, ohne den Steuerwert zu vermehren, kann das Amt sich an den Direktor wenden. Wenn dieser glaubt, daß die Sache von genügendem allgemeinen Interesse ist, kann er zu den Kosten der notwendigen Arbeit beisteuern. Doch soll in keinem Fall mehr als 50 "/^ beigesteuert werden oder für eine einzelne Gemeinde mehr als 500 $. X. Für den Zweck der Inkraftbringung der Vorkehrungen dieses Gesetzes wird der Direktor der genannten staatlichen Versuchsstation Vollmacht haben, jährlich solchen Geldbetrag auszugeben, als durch den Verwaltungskörper für die Zwecke dieser Akte bewilligt wird; vorausgesetzt, daß die Gesamtsumme für den Zweck dieses Gesetzes 350000 $ nicht übersteigen darf. Der Kontrolleur des Staates soll seine Zahlungsvollmacht auf alle Schriftstücke, die durch den Direktor der staatlichen Versuchsstation gebilligt sind, setzen, und der Schatz- meister soll alle Zahlungsvollraachten bis zu der Ausdehnung des durch den Ver- waltungskörper ausgesetzten Betrages zahlen. Dieses Gesetz wurde 1912 durch ein weiteres ergänzt, v/elches "bestimmte, daß in jedem Bezirke eine Mücken vernichtung-skommis- sion zu bilden sei, deren Mitgliedschaft ehrenamtlich ist. Es ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts, die klagen und verklagt werden kann, ein Siegel führt und Verordnungen machen kann. Ihre Ge- schäftsordnung gibt sie sich selbst. Der Direktor der staatlichen Versuchsstation gehört jeder dieser Kommissionen an. ,,Jede solche Kommission hat die Befugnis, alle Moskitobrut- plätze in dem Kreis, in welchem sie ernannt ist, zu beseitigen und alle Handlungen zu verrichten und alle Pläne auszuführen, die nach ihrer Meinung und ihrem Urteil nötig oder passend sind für die Beseitigung der Moskitobrutplätze oder welche zur Ausrottung der Brutplätze in der betreffenden Grafscliaft beitragen. Die Kommission hat am oder nach dem 1. April jedes Jahres mit dem Direktor der staatlichen Versuchsstation eine detaillierte Schätzung des erforderlichen Geldes für das nächste Jahr und einen Plan der zu machenden Arbeit und der anzuwendenden Methode emzureichen. Der Direktor hat Befugnis, die Schätzungen, Pläne und Methoden zu billigen, zu modifizieren und umzuändern. Die Schätzung, der Plan und die Methode, die schließlich von ihm gut- geheißen, wird durch ihn an das Amt der gewälilten Grundeigen- tümer in jedem Kreis am oder nach dem 1. Mai, der dem Ein- gang folgt, Aveitergegeben. Es ist die PfHcht des Rates der gewählten Grundeigentümer jedes Kreises oder derjenigen anderen Körperschaft, die die Kon- trolle der Finanzen hat, den Betrag des jährlich durch den Direktor der staatlichen Versuchsstation gebilligten Geldes in der zu er- hebenden Steuer einzuschließen." 201] I^'- Maßnahmen gegen die Mücken, 201 Eine solche Zuschrift, wie Absatz III vorgesehen, hat folgenden Wortlaut : Medizinalamt. Jersey City, X. J. Abteilung fiii' Oesnndheitspflege. Rathaus, den : 1907. Herrn In Verfolg der Bestimmung des Gesetzes zur Feststellung und Beseitigung der Stechmückenbrutplätze auf den Salzmarschen im Staate New Jersey usw. Kap. 134 der Gesetze von 1906, genehmigt am 20. April 1906 imd in Kraft seit 1. November 1906, wird Ihnen hierdurch mitgeteilt, daß gewisses Land, welches Ihnen gehört und im Flurbuch von Jersey City als - bezeichnet ist, eine Stechmücken hervorbringende Salzmarsch ist und Tümpel enthält, in denen Mückenlarven brüten, und daß diese Tümpel unter die Miß- stände fallen, die nach Kap. 68 der Gesetze von 1887, verbessert in Kap. 119 der Gesetze von 1904, beseitigt werden müssen. Ihnen wird ferner aufgegeben, diesen Mißstand, nämlich die Mückenbrut- plätze, innerhalb 10 Tagen vom Datum dieser Mitteilung ab. zu beseitigen oder beseitigen zu lassen, widrigenfalls das Medizinalamt zur Beseitigung des Mißstandes schreiten wird durch Grabendränage der genannten Ländereien, wodurch die Tümpel unter die "Wirkung von Ebbe und Flut kommen werden. Die Kosten der Arbeit werden aus dem im oben genannten Gesetz vorge- sehenen und für diesen Zweck bewilligten Fonds getragen werden. Ergebenst Health Officer. Es mag hier noch auf einen weiteren Punkt hingewiesen sein. Die hier in Frage kommenden, zum Teil recht großen Arbeiten kann nur der Fachmann, der Ingenieur, richtig anfassen. Würde es vielleicht auch einem anderen auf Grund der vorliegenden Literatur gelingen, das Ziel zu erreichen, so scheint doch fast ausgeschlossen, daß er es auf dem wirtschaftlichsten Wege erreicht, was eben Sache des Mannes ist, der Durchführung und Organisierung solcher Arbeiten sich zur Lebensaufgabe gemacht hat. Die im folgenden gelegentlich gegebenen teclmischen Hinweise sollen daher mehr unterstreichen, auf wie vielerlei es dabei ankommt, als die Er- sparung eines Fachmannes ermöglichen. •3. Zuschütten von Brntplätzen. Bei kleineren Wasseransammlungen, wie sie z.B. in alten Kies- gruben, Gruben von Lehmziegeleien, Viehtränken und Suhlen und mehr entstehen, genügt oft das einfiidic Zuwerfen mit dem Spaten. 202 I>r. E. Martini. Über Stechmücken. [202 Handelt es sich aber um größere Sümpfe und dergleichen, z. B. um die an den Bahnen entlang zur Entnahme des Materialai für den Bahndamm entstandenen Wasserlöcher, so muß man zur Schiebkarre greifen. L. Martin empfiehlt bereits bei einer Ent- fernung der anstehenden Erde bis zum Verwendungsplatz von melir als 150 Meter die Karre durch den Wagen, bei mehr als 250 Meter durch Schienen und Kippkarren zu ersetzen. Er weist femer darauf hin, daß man die Erde vom Grund der abzubauenden Höhe weg- nehmen soll, um von dem Nachstürzen und der dabei vor sich gehenden Zerklemerung der Erdmassen Nutzen zu ziehen, jedoch die Leute mit der Hacke nicht über 2,30 Meter reichen lassen soll. Wird die Wand höher, so muß in Stufen gearbeitet wer- den. Es müssen zwei Schiebkarren mehr da sein als Bedie- nungsleute, damit letztere nicht zu warten brauchen. Die Leute müssen in Trupps geteilt an verschiedenen Stellen eingesetzt wer- den und die einzelnen Trupps knapp an Arbeitskräften gehalten werden. In der Nähe von Üsküb haben wir auch bei der Assanierun(g der Umgebung um ein Kriegslazarett bei der Ausfüllung der sumpfigen Stellen Gleise und Kippkarren mit Vorteil verwandt. Bei Warnemünde, westlich vom Ort, ist eine große Strecke 'des dortigen Mückenbrutgeländes auf gehöht durch Abfabren eines in demselben stehenden Hügelchens mit Schienen und Kippkarren, ob mit der Absicht der Mückenbekämpfung oder um Gartenland zu gewinnen, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls dürfte die höhere Verwertung dieser Strecke durch den Gartenbau überreichlich die aufgewandten Kosten decken mid die Mückeneinschränkung ge- wissermaßen ein Nebenerfolg werden. Auch auf der anderen Seite der Wamow sind große Mücken- gebiete verschwunden, ebenfalls durch Auf höhung, die hier nicht der Mücken wegen, sondern wegen des Flughafens unternommen ist. Zu derartigen großen Aufhöhmigen benutzt man das Auf- schwemmen von Erdreich durch Pumpen und Eöhren, wozu es be- sondere Schiffe gibt. Mit diesen Mitteln würde sich fraglos an unseren Küsten noch viel Niederungsland einem höheren Ertrage gewinnen und mückenfrei machen lassen. Übrigens gibt es auch ent- sprechende Schwemmvorrichtungen für das feste Land. Die Mücken- verminderung bei Warnemünde trifft besonders die Aedesarten. Eine Benutzung der Natur im gebirgigen Gelände schließt sich an. Man kann Gießbäche, die ja meist viel Sand und GeröUe mit 203] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 203 sich führen, in die aufzufüllenden Gebiete einleiten und von ihren Senkstoffen seinen ISTutzen ziehen. Derartiges Verfahren ist oft sehr billig, aber will auch seine Weile haben, ist aber bei ge- gebener Gelegenheit wohl in Betracht zu ziehen. Eine Decke durch unfruchtbaren Boden braucht man nicht so sehr zu fürchten, wenn die Bäche aus Gebirgen kommen, deren Gestein zu gutem Boden verwittert. Solche Verwitterung geht in den wärmeren Ländern, wo die Gießbäche häufiger sind, rasch vor sich. Künstliche Aufhöhungen an den Rändern der Seen und die damit verbundenen steileren Ufer mit schmalerer Zone von Wasser- vegetation können an versumpften See- und Plußufern sehr viel Fig. 87. Entkrautiingsmesser (nach B er seh). Nutzen schaffen. Auch hieir wird dabei Land gewonnen, das für Straßenzüge, Kaianlagen, Promenaden wege, Nutz- und Zier- gärten oft einen sehr hohen Wert hat. Anderenfalls ,kann schon die bloße Entfernung oder Ein- schränkung der Ufervegetation nützen (Geräte wie Fig. 87). 4. Dränierung. Ein anderes Mittel ist die Dränierung, die natürlich sehr ver- schiedene Schwierigkeiten bietet, je nachdem sich Gefälle erzielen läßt oder nicht. Besonders günstige Möglichkeiten zur dauernden Entfernung der Brutplätze können sich dann ergeben, wenn dieselben durch einen hohen Stand des Grundwassers bedingt sind, das durch eine nalie unter der Oberfläche stehende undurchlässige Scliicht von geringer Mächtigkeit hochgetrieben wird, z. B. Ton oder die Ort- 204 Dr- E. Mai'tini. Über Stechmücken. [204 steiiischichten an der Ostseeküste. In (iiesem Falle sind durch' lokale Durclischlagungen oder Sprengungen des Ortsteines bzw. Tons Entwässerungen in tiefere, wieder durchlässige Schichten möglich, wie ähnliche Maßnahmen in den Vereinigten Staaten zu sehr günstigen Ergebnissen geführt haben. Ein Beispiel umfassender Dränierungsarbeiten mit Gräben sind die Salzmarschen von New Jersey. Es handelt sich hier um aus- gedehnte Flachlandgebiete an der Küste, die bei hohen Fluten über- schwemmt werden und in den zurückbleibenden Tümpeln unend- liche Mengen von Mücken erzeugen (siehe S. 153) (95). Dr. Smith hat nun zunächst ein gründliches Studium der in diesen Wiesen brütenden Mücken durchgeführt, dann für eine Bekämpfung geworben und erreicht, daß der Staat ein entsprechen- des Gesetz erließ (s. oben). Auf Grund dieses wurde das Werk in Angriff genommen, und zwar wurden Hauptgräben von 48:90 cm oder größere, mittlere von 28:72 cm und kleine Gräben von 24:72 cm gezogen i). Über die geleistete Arbeit und die Unkosten geben die Zahlen von 1908 und 1909 folgendes Bild. (Über die Umrechnung auf deutsche Verhältnisse siehe Seite 189. Morgen Laufende 1907 1 Morgen Fuß Graben Dollar = 40"/2 Ar 1 Fuß = 0,305 m Elizabeth 2500 366000 5300 Jersey City 640 113500 2100 Linden township 1936 262812 3650 Syrevill „ 538 25500 525 Raritan „ 1456 168600 3475 Rahwey 110 10312 200 Long Beach township . . . 1472 248100 3100 Roosevelt Borough .... 640 90100 1400 Newark (addition) — 66800 250 Woodbridge township . . . 1616 145100 2500 Long Brauch 30 3000 180 Middleton township . . . 13 2400 200 10951 1505524 22880 Davon waren 82522 Fuß alt. Außerdem be- 8850 Fuß waren 2/3 Fuß. standen von früheren dazu für die 5680 Fuß 20/30 Zoll. .Jahren auf alte Gräben Verwaltung Rest 10/30 Zoll. 4900 710000 4100 15851 2215524 23500 ^) Derartige schmale Gräben mit fast senkrechten Wänden kommen nur unter den dortigen Verhältnissen, Tongrund, fast fehlendes Gefälle, in Frage. 205] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 205 Später nach der Erstanlage sind die Kosten natürlich viel geringer. So wurden für Elizabeth 1909 nur 500 0 aufgewandt, in anderen Gebieten jedoch im gleichen Jahre große Neuanlageu geschaffen. Es standen zur Verfügung ^ 15000,00 Morien Laufende Morgen ^^^^ Graben Dräniert wurden insgesamt. .2672 360800 ..'.... | 9775,00 Saldo I 5225,00 Moskito Tagesbericht $ 223,30 Eäucherversuche -. „ 316,40 Grabenreinigung „ 142,00 681,70 Bleibt ein Überschuß von ^ 4543,30 Bereclmungen über die weitere Entwicklung werden dann im Bericht für 1911 gegeben. Morgen Bis zu 1907 15851 1908 6669 1909 2672 1910 4650 1911 8528 38370 Laufende Fuß Graben 2215524 888650 360800 350000 712000 4528974 Verfügbares Geld $ 25000,00 Fairfield township Berkeley township Verträge. Morgen Fuß Graben Unternehmer Kosten 3000 280000 Manahan $ 7000 1728 270000 Manahan „ 6000 0 13000,00 4728 555000 $ 12000,00 Nachbewilligung. Jersey City . . — — Manahan $ 200 Elizabeth . . . — 2000 Reitter „400 Maple Island . . 100 4000 Manahan „900 Waverly . . . — 3000 Manahan ,, 700 Kearny 300 3000 Manahan „600 Kearny .... 600 1500 Manahan „900 Kearny .... 300 500 Manahan „600 Kearny .... 100 — Dupont Powder Co. „ 95 Brick Tp. (Stadt) 800 40000 Manahan „935 Dover Tp., north 800 45000 Manahan „850 Dover Tp., south 800 40000 Manahan „850 $ 7130,00 3800 162000 $ 19130.00 206 I^r. E. Martini. Über Stechmücken, [206 Reparatur und Reinigung. Übertrag: $ 19130,00 Linden, Reparatur und Reinigung ^ 125 Tremley Points., Reparatur und Reinigung „25 Elizabeth Reinigungswerk „ 300 Elizabethhafen „ 40 Manasquan ., 30 $ 520,00 $ 19650,00 Bewilligt ,, 25000,00 Zahlungen für Verträge und Nachbewilligungen ,, 19650.00 Unkosten und Nebenausgaben $ 5350,00 Fig. 88. Grabenziehen mit Maschine (nach Doty). Zur Durchführung dieser Arbeiten sind besondere Maschinen erfunden worden, welche Gräben ziehen. Andere Arbeit ist niit der Hand gemacht.. Eine Art Mittelding stellt die Ton zwei Männern zu handhabende Schaufel dar. Dieselbe ist natürlich nur auf eine Grabenbreite angepaßt. Das fällt weg bei den Graben- sägen, mit denen die Grabenwände zunächst an der Richtschnur geschnitten werden. Die Erde ^\^rd dann mit der gewöhnlichen Schaufel ausgehoben. In sehr weichem Boden kann man durch reihenweise Sprengungen der Handarbeit vorarbeiten. 207] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 207 Fig. 89. Grabenschaufel (nach Jesse P. Manahan). Fig. 90. Grabenschaufel nach Manahan (aus Fülleborn, Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 17, Beih. 7). 208 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [208 Fig. 91. Gralienschaufel in Tätigkeit (aus Fülleborn, Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., Bd. 17, Beih. 7.) Fig. 92. (Ti-alieuslige (nach Smith.) 209] IV. Malinabmen gegen die Mücken. 209 Die Wirkung- solcher Dränierungen ist im wesentlichen die, daß sie nach höheren Fluten dem Wasser sehr schnellen Ablauf Fig. 93. Undräniertes Land (nach Doty). Fig. 94. Dräniertes Land (nach Doty). gestatten, so daß einzelne abgesonderte Tümpel nicht lange genug zurückbleiben, um die Mückenbrut zu ermöglichen und daß Fische Archiv f. Schiffs- n. Tropenhygiene. 24. Beiheft 1. 14 210 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [210 und anderes den Mücken feindliches Wassergetier durch die offenen Gräben in alle Stellen eindringen kann, die dauerndes Wasser ent- halten. Also werden die Gräben selbst schon durch ihre geringe Oberfläche im Verhältnis zu dem früheren Überschwemmungsland die Mückenbrut sehr mindern, abgesehen davon, daß eben solche Gräben, wenn sie leidlich sauber sind, überhaupt für die hier in Betracht kommenden Arten schlechte Brutplätze bilden. Es muß aber berücksichtigt werden, daß für solche Arbeiten das dortige Gebiet sehr günstig war, indem unter einer moorigen Decke schwerer Boden stand, in dem .selbst senkrecht eingeschnit- tene Grabenwände standen. Solche günstigen Verhältnisse liegen an miserer Ostseeküste wohl meist nicht vor. Es ist daher auch frag- lich, eb die bloße Dränierung einen wesentlich höheren Ertrag an Heu brmgen würde und nicht das Mittel der Aufhöhung hier das richtigere wäre. Da,gegen haben in unseren Nordseemarschen, deren Boden im ganzen wohl ähnliche Verhältnisse bot, wie schon erwähnt, die zur landwirtschaftlichen Verbesserung durchgeführten Dränierungen die Mückenplage und mit ihnen die Fieber sehr herabgesetzt. Gerade im Kampf gegen die Malaria bedeutet solche Dränierung und die durch sie erreichte Absenkung des Grundwasserstandes sehr viel. Dieser Kampf wird daher vielfach geradezu mit Melioration gleich- bedeutend sein, wie z. B. in unseren Marschen. Es scheint, daß, wo die Landwirtschaft die für Mitteleuropa günstigsten Feuchtigkeitsverhältnisse erreicht hat, die Malaria ganz von selbst zurückgeht und die Anophelen so eingeschränkt werden, daß ihre Zahl nicht mehr lästig wird und zur Aufrechterhaltung einer Malariaepidemie nicht mehr reicht. Besonders ist dies da der Fall, wo sich die Land^^^rtschaft auf Garten- und Getreideba;u eingestellt hat, und Celli betont daher mit Recht den Zusammen- hang zwischen Großgnmdbesitz und Malaria. Mögen auch die großen uralten Entwässerungsanlagen Latiums lediglich ackerbau- lichen Zwecken gedient haben, so ist doch wahrscheinlich, daß sie die Malariamücken und damit die Fieber außerordentlich einge- schränkt haben. Die Absicht, beschränkte Mückenbrutplätze zu beseitigen, wird im Hügellande nieist leicht gelingen. Denn es ist dort sicher meist möglich, die vorhandenen Gewässer mit genügendem Gefälle an einen Vorfluter anzuschließen, oder es werden kaum Bedenken be- 2111 IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 211 stehen, einzelne Wasser oder sumpfhaltige Senken und Mulden, bei denen die Abziehung des Wassers auf Schwierigkeiten stößt, zu- zuwerfen. Die Dränierung wird hier wohl immer die bevorzugte Arbeitsart sein. Anlage und Pflege der Gräben. Durch die Ableitung von Sümpfen und Teichen entsteht nun noch zu den vorhandenen Wasserläufen eine Menge neuer, und diese wollen alle in Stand gehalten sein, denn stagnierende, beson- ders verkrautete Wasserläufe sind selbst wieder eine Gefahr für Massenvermehrung der Mücken, besonders der Malariamücken. Da sich die Mückenlarven in fließendem Wasser schlecht halten, ist natürlich eine ausreichende Strömimg in den Gräben anzustreben. Wir vnesen aber schon darauf hin, da£ die dauernd wasserhaltigen Gräben der Marsch mit ilirer reichlich entwickelten höheren Fauna im ganzen die Mücken — es handelt sich hier fast nur um Anopheles und die Culexgruppe — , nur mäßig auf- kommen lassen, um so weniger offenbar, je freier sie von Kraut,^ besonders auch von Algen gehalten werden, die für die Mücken- larve die Schlupfwinkel bilden, in denen sie gegen ihre Feinde geschützt lebt. Unordentliche Gräben und natürliche Fluß- und Bachläufe müssen reguliert werden, um die vielen stillen Buchten usw. zu beseitigen und alles Wasser in einen glatten Strom zusammen- zudrängen. Vgl. Textfig. 101 mit 22. Es ist wichtig, daß die Gräben gleich technisch richtig ange- legt werden. Bietet die Gegend nur wenig Gefälle, so inuß der Hauptgraben schnurgerade in der Richtung des stärksten Gefälles gelegt werden. Bei einem Gefälle von unter 3 Millimeter auf 1 Meter ist von Strömung kaum die Rede, jedenfalls kommt sie als Hindernis der Anophelesentwicklung nicht mehr wesentlich in Betracht. Auch die entwässernde Wirkung ist dann ungenügend. Sind die Gefälle sehr groß, so hat auch das seine Schwierigkeit. Die Sohle soll nicht zu schmal, die Böschung nicht zu steil sein, die Steilheit der Böschung muß sich nach dem Boden richten. Sand erfordert eine flache, Ton eine steile Böschmig. Der Quer- schnitt soll nicht überflüssig weit sein. Die Sohle muß im allgemeinen möglichst gleichmäßig fallen, so daß keine Bildung stehender Pfützen auf ihr eintritt. Bei starkem Gefälle allerdings zerreißt die Strömung sehr bald Boden 14* 212 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. . [212 und Böschungen des Grabens, diese zu starke Strömung wird daher stufi,g gegliedert, indem man zwischen Strecken geringen Gefälles kaskadenartige stark versicherte Abstürz© einfügt. Die Strömungen, welche von verschiedenen Böden noch ver- tragen werden, gibt Martin an auf 0,15 m in der Sekunde bei weicher Erde, 0,25 m/sek in Tonboden, 0,50 „ in Sandboden, 1 m in Kies, 1,50 m in Geröll. Die Geschwindigkeit ist nicht nur vom Gefälle abhängig, sondern auch vom Grabenquerschnitt und kami durch Verkleine- rung des letzteren herabgesetzt werden, doch dai'f dies nicht zu übertrieben steiler Anlage der Böschungen führen. Die Seitengräben müssen unter spitzen Winkeln in den Haupt- graben eingeführt werden, und es empfielilt sich oft, dessen gegen- überliegende Wand eine Strecke weit durch Steine oder dergleichen zu festigen. Ist der Graben unzweckmäßig angelegt, so stürzen die Ränder bald ein und bilden Staue, hinter denen ruliige Tümpel stehen, und an anderen Stellen werden in der Sohle Löcher ausgehöhlt. Auch die A^erkrautung ist eine wesentliche Gefahr. Durch das Kraut werden dem Wasser sehr erhebliche Widerstände ent- gegengesetzt. Es fließt viel langsamer und steht an den Rändern und an der Oberfläche oft fast vollständig. Durch den langsamen Strom hat der Graben auch nicht die volle Wirkmig, er befördert zu wenig Wasser ab und das Grundwasser steigt, ganz abgesehen von den hervorragenden Anophelesbrutplätzen, die solche verkrau- tete Gräben bieten können. Bei geringem Gefälle ist die Leistung von Gräben nur dann gut, wenn durch möglichst schnurgerade Durchströmung in Richtimg des stärksten Gefälles und Fernhaltung jeder unnötigen Reibung das Gefälle des Geländes nach Möglich- keit ausgenutzt wird. So sehen wir, wie selbst in der weiten Ebene nüt deren ge- ringen Höhenunterschieden, wenn die alten gewundenen und verkrauteten, oft nur aus zusammenhängenden Wasserlachen be- stehenden Wasserläufe durch gerade, saubere Gräben ersetzt sind, der Wasserspiegel sehr absinkt, und statt für unendliche halb oder ganz mit Wasser bedeckte Wiesenstücke ist jetzt nur noch für einige wenige Gräben zu sorgen. 213] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 213 Aber gerade im offenen Gelände verkraiitcn die Gräben sehr schnell, weniger in den ersten Frühjahrsnionaten, als ebva vom Juni an und im Sommer. Im \yarmen Klima ist diese Störung besonders erheblich, und das Kraut muß imgefähr alle 14 Tage bis 3 Wochen entfernt werden. Ist es erst stark geworden, so ist die Entkrautung eine recht erhebliche Arbeit. Durch Abbrennen petrolisierter Grabenränder haben sich die Amerikaner oft auch gegen das Kraut geholfen. Für Arbeiten nicht vorübergehender Art ist daher vielfach eine Zementierung der Grabensohle (als flache Rinne) vorgenommen, und darüber ist die Böschmig mit Steinen abgesetzt; auch der nagenden Wirkung des Wassers begegnet dies Verfahren gut. Selbst bei rasch fließenden Gewässern kann das Kraut so bedeu- tend werden, daß ihre Ränder eine Unmenge brauchbarer Schlupf- winkel für Anopheleslarven abgeben ; also auch solche Bäche, wie Mühlbäche und dergleichen, müssen regelmäßig krautfrei gehalten werden. (Im Walde sind die Erhaltungskosten vielfach geringer, da der Krautwuchs nicht annähernd so erheblich ist und es meist nur erforderlich ist, einmal im Jahre die Gräben von dem alten Laub und Zweigen und dem Kraute zu befreien, auch stehen im all- gemeinen die Gräben im Waldboden viel besser als in den Wiesen.) Genügt trotz aller Vorsicht das Gefälle nicht, läßt sich das genannte Gefälle über 0,003/1 nicht erreichen, so hat man, um Strömung in den Gräben und dadurch die entwässernde Wirkung zu erzielen, versucht, zu Pumpvorrichtungen zu greifen, so bei den großen MeHorationsversuchen in Italien. Eine durchschlagende Wirkung scheinen diese Wasserräder und Wasserschrauben aber in Italien nicht gehabt zu haben. Auch in den Nordseemarschen stehen neben alten geringen große moderne mit Dampf betriebene Entwässerungswerke, denen wohl zum Teil der derzeitige gute Gesundheitszustand der Gegend zu danken ist. Röhrendränage und ähnliches. Die Kosten der Instandhaltung der Gräben sind nun vielfach so hoch, daß man lieber zu einer einmaligen teureren Anlage greifen wird, welche aber die reg'elmäßigen jährlichen Arbeiten nicht erfordert. Solche Anlagen sind in erster Linie die mit Drän- röhren, und man kann wohl sagen, daß, wo es sich um bleibende Anlagen handelt, in Wiese und Feld dies Verfahren sich auf die 214 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [214 Brett Fig. 95. Röhrendränage mit Holzunterlage (nach Bersch). ]k\te«*A\W-.^S\^\Vi'<.;-->SV CEz: mt Fig. 96. Holzrohrdränage (nach Bersch). GtrabeR^ ■■'^M^'^m Holzdrain Fig. 97. Holzrohrdränage (nach Bersch). 215] IV. Maßnahmen aeoen die Mücken. 215 Dauer als das zweckmäßigste herausstellen dürfte. Iii moorigem Boden müssen besser Holzröhren mit oder ohne Faschinenunterlage zur Verwendung kommen, da die Tonrohrstränge durch Sackung eLn:zelner Glieder rasch unwirksam werden können. Untergelegte Fig. 98. Legen des Holzrohres (nach Bersih). WuTzelll Fig. 99. Wurzeldräuage (nacii Berscb). J^retter beheben diesen Mißstand etwas (siehe Fig. 95). Auch reine Faschinendränage nach der in der Moorkultur üblichen Weise kann in Frage kommen. Sind Feldsteine in reichem Maße zur Verfügung, so Ivönnen auch mit ihnen in festerem Boden Kanäle abgesetzt werden nach 216 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [216 anliegendem Durchschnitt, deren Decke mit Erde oder Grand be- worfen wird. Sie halten sich selbst im tropischen Klima lange, bieten den Mücken keine Brutplätze und erfordern kaum eine weitere Fürsorge. Endlich kann man an einzelnen Stellen auch so vorgehen, daß man zwar einen offenen flachen Graben auswirft, in diesen aber Fig. 100. Steindränage. sofort grobes Geröll, darüber feineres und obenauf Sand einbringt. Eine solche Einne, die sich oberirdiscli gar nicht abzuheben braucht, bewältigt nicht allzu große Wasserniengen auf kürzere Strecken auch in sehr befriedigender Weise und erfordert nicht viel Instand- haltungsarbeiten. 5. Mückenbekämpfung und Landwirtschaft. Bei der Berechnmig der Kosten ist, wie gesagt, ins Auge zu< fassen, daß derartige Arbeiten auch für den Bodenertrag nicht gleichgültig sind. Im allgemeinen bringen sie eine Avesentliche Erhöhung desselben imd sind daher meist schon durch ihre wirt- schaftlichen Vorteile bezahlt. Die obengenannten Arbeiten in New Jersey brachten als Neben- erfolg eine sehr erhebliche Erhöhung des Heuertrages heraus. Dar- über geben die Berichte der landwirtschaftlichen Versuchsstation in New Jersey folgende Tabellen : 217] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 217 Marschen mit Mückenbekämpfung. Morgen (1 Morgen = 40V, Ar) Abge- Morgen, Wirklich Name der Wiese schätzter Ertrag in Tonnen auf denen kein Gras wächst geerntetes Heu in Tonnen Secaucus 450 1000 _^ Jersey City 700 1600 150 — Newark 3500 7000 1500 5000 Elizabeth 2200 4000 400 1000 linden . . • 1900 3000 700 1500 Woodbridge 1620 8500 120 2500 Raritan ' . 2000 1700 3000 4000 600 200 2200 Cheesequake 1500 Matawan 615 1600 65 900 Raritan Township 1100 2400 300 2400 Shrewsbury River 1400 4000 200 1500 Manasquan to Point Pleasant . . 350 700 — 350 Insgesamt 17535 35800 4235 18850 Gesamtraum in Salzmarschen . . . 17535 Kein Gras liefernde Morgen .... 4 235 AVirkliches Salzmarschenheu liefernde Morgen 13300 Durchschm'ttlich eintragend per Morgen 35800 : 13300 = 2,6 Tonnen = $ 20,80 Marschen ohne Mückenbekämpfung. Name der Wiese j| Morgen (1 Morgen I ==40^2 Ar) Abge- schätzter Ertrag in Tonnen Morgen, auf denen kein Gras wächst Wirklich geerntetes Heu in Tonnen Barnegat Bay Berkeley Township Lacey Township Ocean Township Union Township . Stafford Township Eaglewood Township Little Egg Harbor Tp Atlantic County Cape May County ....... Curaberland County ..... Salem County Insgesamt 5000 3000 3500 560 4500 6000 5500 2000 40000 42O0O 45000 15000 6850 3000 3000 300 4000 4000 4000 2000 2500' 4000 50000 10000 100 1000 1500 350 1000 2000 1500 12 000 14000 5000 6850 3000 3000 300 4000 3000 4000 1500 sehr wenig 4000 18000 10000 172150 93650 38450 57650 Gesamtraum in Salzmarschen . . . 172150 Kein Gras liefernde Morgen .... 38 450 AVirkliches Salzmarschenheu liefernde Morgen 133700 Durchschnittlich eintragend per Morgen 133 700 : 93 650 = 0,7 Tonnen S 5,60 218 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [218 Daraus läßt sich berechnen, daß die Mückenbekämpfung auf dem noch nicht dränierten Grebiet einen jährlichen Mehrertrag von rund 2 Mill. Dollar bringen würde. Sofern dagegen eine wirtschaftliche Schädigung eintritt, werden die Widerstände seitens der Bevölkerung kaum zu überwinden sein, und eben diese Schädigungen werden bei weitem den höchsten An- teil an den Kosten der Mückenbekämpfung bedeuten. Besonders treten solche Schädigungen in' warmen Ländern durch zu starke Sen- kung des Wasserspiegels auf. Lege ich ein durch quelligen Grund nasses Gi-elände durch einen Graben trocken, so wird der Umfang der Brutplätze, selbst wenn mein Graben nicht immer in bestem Stand ist, ungeheuer verringert. Aber das Gelände wird für den Grasertrag im Frühjahr vielleicht verbessert, für den Sommer im warmen Klima aber unbrauchbar gemacht. Hier können nur Stauwehre helfen, die es ermöglichen, das durchfurchte Gelände stückweise für einige Tage wieder unter Wasser zu setzen. So kann es gelingen, nicht nur die Triebkraft des Bodens trotz Dräuierung zu erhalten, sondern auch sogar durch Unterdrückung der saueren Gräser den Ertrag zu bessern. Die Beiskultur wird, wo sie einmal von alters her im Wasser ausgeführt wird, wohl überall der Mückenbekämpfung Schwierig- keiten bereiten. Im übrigen sind aber Eieselanlagen, soweit sie nur auf die vorübergehenden Überschwemmungen einzelner Beet- und Feld- oder Wiesenstückchen abzielen, gänzlich unbedenklich, besonders, wenn die Gräben tadellos sauber sind, so daß sich nicht neben ihnen aus Druckwassern usw. stehende Gewässer bilden. In dieser Hin- sicht muß allerdings scharfe Aufsicht über Kiesel- und Mühlen- gräben wachen. Die Aufsicht hat vor allem folgende besonders landläufige Schäden der Bewässerungsanlagen im Auge zu behalten. Leck- stellen an den Hauptgräben entweder dadurch, daß ihre Ränder an einzelnen Stellen für den Wasserstand zu niedrig sind, ein Ver- hältnis, das auch durch Stauung des Wassers stromabwärts ein- treten kann, oder dadurch, daß durch Maulwurfslöcher das Wasser sich einen Ausgang verschafft hat, dann dadurch, daß an den Ab- zweigungsstellen von den Hauptgräben unsauber gearbeitet ist und das Wasser sich einen wilden Weg gesucht hat. Alle diese Mängel sind natürlich auch dem Ertras: des Grabens schädlich. 2191 IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 219 Überschwemmung. Ein besonderes Verfahren der Mückenbekämpfung hat Bress- lau angegeben, das sich sinngemäß auch vielleicht über den zu- nächst nur geringen Kreis seiner Anwendung verwerten läßt. Eine Anzahl Mückenarten, Ae. dorsalis, vexans, nigrina, ent- standen aufwiesen, dio regelmäßig im Jahre zweimal überschwemmt wurden, bei jeder solchen Überschwemmung, eine Generation im Frühjahr, eine im Sommer. Bresslau veranlaßte nun einen Besitzer, seine Wiesen im Herbst noch ein drittes Mal zu überschwemmen, und zwar nur so kurz, daß ©s für die Mücken nicht zur Entwicklung reichte und die ausgekommene Brut vor der Verpuppung aufs Trockene geriet und zugTunde ging. Im nächsten Jahre konnte er sich nach der Prühjahrswässerung von dem guten Erfolg seiner Maßnalimen überzeugen, die Wiesen haben dadurch keinen Schaden gelitten. 6. Anophelesbekämpfung im Süden. Die bisher erwähnten Mittel reichen nun für die Bekämpfung der Aedesplage und die Niederhaltmig der Hausmücken und der Anopheles im Norden ganz gut, wie sich ja aus der allmäiilich gewordenen Malariaarmut unseres Vaterlandes ergibt. Dagegen bietet der Süden durch die besonderen Verhältnisse seiner Bäche noch Anophelesbrutplätze und damit Malariaquellen, denen mit den aufgefülirten ]\Iitteln nicht beizukommen ist. Es han- delt sich dabei auch um die größeren Flüsse, die, im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze wasserreich (März, April), allmählich auf ein unregelmäßiges Netz von Wasseradern zurückgehen. In den breiten Betten finden sich dann ganz abgeschnittene Gewässer in vertieften Stellen, Blindsäcke, Druckwasser, die im Anfang schlecht strömen, und hier überall setzt bald eine üppige Vegetation von Algen ein und bietet zum Teil ideale Vermehrungsgelegenheiten für Ano- pheles. Nur gründliche Regulierung der Flüsse kann diese Dinge beseitigen. Die Anuphelesplätze in den kleineren Bächen wurden Seite 78 und 79 geschildert. Für die breiteren Bachbetten in den größereai Tälern dürfte das Entkrauten, besonders die Beseitigung der Algen, ebenso wichtig sein wie in den Gräben. Außerdem kann das Ver- fahren der wechselnden Durchspülung, was .auf beiden Seiten der Front selbständig erfunden ist, gute Dienste tun. Für ungefähr 220 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [220 zehn Tage wird der Wasserlauf durch einen Teil seiner Rinnen geleitet und von den anderen durch Stauwälle abgesperrt, dann werden diese Wälle umgeworfen, so daß er nun die bisher trocke- nen Stellen, die stagnierenden Vertiefungen usw. auswäscht und sein bisheriger Lauf trocken liegt. Nach zehn Tagen wird Avieder gewechselt. Für die Schluchtbäche, aber auch für manche größeren Bäche empfiehlt sich die Durchspülung mit Staubecken, in denen Wasser angesammelt wird, und die imgefähr alle acht Tage einmal geöffnet werden, damit die Flutwelle das ganze untergelegene Bachstück Fig. 101. Der regulierte [lyssus (nach Cardamatis) (s. a. S. 78). (las Archiv f. Schiffs- u. Tropenhyg., 1911, Bd. 15.) auswäscht. Die Beobachtung der Wirkung des Regens, der ganze Brüten von palestinensis vernichtet, führt natürlich sofort auf die Anwendung dieses Mittels, das, soviel ich sehe, zuerst von Dof- lein angegeben ist. Leider AAissen wir über die Lebensweise der palestinensis-Gruppe noch nicht genug, um diese Methode rationell ausführen zu können. Dieser Kampf gegen palestinensis scheint mir im bergigen Gelände der wichtigste Teil der Malaria-, besonders der Tropikabekämpfung. Versagen alle diese Mittel, so bleibt nur das Ölen oder Ver- giften. 221] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 221 7. Öleu und Vergiften. Das Ölen geschieht am besten mit Rohpetrolemn. Es bietet gegenüber dem Vergiften den Vorteil, dal.) für seine Wirkung lediglich die Oberfläche des Wassers maßgebend ist, die Tiefe also gänzlich gleichgültig bleibt. Man kommt daher mit ziemlich ge- ringen Mengen Öl aus. Erdöl, 20 ccm auf 1 qm, tötet nach Celli die Mücken in vier Stimden. Wichtig isfi) : 1. Daß der zu ölende Platz sauber ist, so daß das Öl sich gut ausbreiten kann und daß wir es nicht auf alle möglichen Kräuter nutzlos verschwenden. Diese Säuberung muß also vorangehen. 2. Daß das Öl fein verteilt in dünner Schicht aufgebracht wird, am besten mit einer Weinbergspritze oder dergleichen. 3. Die Schicht soll nur ein dünnes schillerndes Häutchen sein, keine Bouillonaugen, sie soll durch Verdampfen sich bald wieder entfernen. Je nach der Dickflüssigkeit des zur Verfügung stehen- den Öles braucht man mehr oder weniger. ■1. Die Tageszeit soll die ruliige Luft sein, da der Wind sonst die Ölschicht nach einer Seite schiebt. Es soll nicht allzu warm sein, da dann das Erdöl gar zu schnell verdampft, doch erhöht die Wärme auch das Atembedürfnis der Larven, und sie werdein daher um so schneller erledigt, je wärmer es ist. Die Puppen sollen atembedürftiger sein als die Larven und daher schneller zugrunde gehen, übrigens sind auch die Larven sehr verschieden atem- bedürftig, was wohl mit der Kiemengröße in Zusammenhang steht. Der mit großen Kiemen versehene Aedes calopus dürfte ziemlich widerstandsfähig sein. Die jungen Larven vertragen Abschluß von der Luft besser als alte. Man wählt als Zeiten für das Ölen also verschiedene, je nach der Gegend. In Mazedonien empfahl sich die Vormittagsstunde, ungefähr 9 ühr, ehe der Talwind aufkam und solange es noch nicht allzu heiß war. In Norddeutschland wird sich vielfach unge- fähr 4 Uhr empfehlen, wenn die Tagesbrise einschläft und das Wasser genügend erwärmt ist, lun den Mücken lebhaften Stoff- wechsel und Atembedürfnis zu erwecken. Gegen die Waldmücken ölt man am besten, wenn sie sich zu verpuppen beginnen. Verwendet man das Erdöl richtig, in nur dünner Sciiicht, so tötet man außer den Mückenlarven nur diejenigen Insekten, die 1) 26, 32, 95, 101, 153, 174, 216, 263, 268, 302, 313. 222 Dl"- E. Martini. Über Stechmücken. [222 wie die Mücken zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen müssen. Yor allem die Wasserwanzen, während sowohl nach den Angaben in der Literatur als nach meiner eigenen Erfahrung die übrige Fauna nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Wodurch wirkt das Ölen ? Di© Antworten lauten : 1. Durch Ersticken. Die Larve kann durch die Ölschicht ihre Tracheen nicht mit der Luft über dem Wasser in Zusammenhang bringen, oder das Öl versitopft die Tracheen. 2. Durch Ersticken. Das Öl setzt die Oberflächenspannung herab. Die Larve kann nicht mehr an der Oberfläche hängen und geht allmählich zugrunde. 3. Durch Vergiftung des Wassers. Das Erdöl gibt giftige Stoffe an da,s Wasser ab. Diese Annalirae scheint den allgemeinen Erfahrungen doch zu widersprechen. Nimmt das Wasser auch etwas Geschmack an, so wird es doch nicht giftig. 4. Im Petroleum gelöste Farbstoffe finden sich alsbald in den Tracheen der Larven wieder. Das Öl dringt also kraft seiner starken Ausdehnungstendenz und der Kapillarität des Atemrohres, sobald die Larve die geölte Oberfläche berührt, in die Tracheen, denen es gut zu adhärieren scheint. So wird die Chitinintima der Röhrchen mit Öl überwogen, wenn nicht imprä,gniert werden, und hierdurch eine Abschließung des Gewebesaftes von der Luft in den Tracheen zustande kommen. Eysell konnte sogar Öltröpfchen in den Tra- cheen erkennen. (Auch eine Menge Eier sollen durch das Ölen zugrunde gehen.) Die Krämpfe, unter denen die Larve stirbt, spre- chen für eine Giftwirkung. Die niedrig siedenden Teile des Erd- öls sind die wirksamsten. Auch Beiizindämpfe töten die Larven. Bei geringer Wärme halten sie es dagegen unter einer Glasplatte oder Olivenölschicht tagelang aus (Eisdecke im Freien). Nach dieser Auffassung würde, sofern ein genügend starkes Atembedürfnis die Larve häufig nach oben drängt, schon eine kurz dauernde Bedeckung mit Öl zum Erfolg ausreichen und die Forderung der Lückenlosigkeit der Decke nicht übertrieben zu werden brauchen. Ein dünnflüssiges Öl wäre zweckmäßig. Das Vergiften ist in Amerika die überwiegende Methode ge- wesen, entweder mit Rohkarbol oder mit Larvizid. Bei diesen Giften ist die Wirkung natürlich auf den Kubikmeter Wasser zu berechnen. Rohkarbol gebraucht man ungefähr 1 : 20 000 nach Wise und Min nett. 223] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 223 Larvizid ist eine Karbolharzverbindung, die mit Wasser emul- giert wird. Man braucht ungefähr 1 : 5000 zur Vernichtung von Mücken und Algen. Der Preis stellt sich auf 0,1413 Dollar die Gallone, also etwa 121/2 Pf. das Liter. Zu beachten ist, daß Larvizid mit Meerwasser sich weniger günstig mischt als mit Süßwasser und daß es von Algenwuchs sehr stark absorbiert wird, diese zu braunen Massen verklumpend. Eckstein empfiehlt sehr das Floria-Larvizid von Nördlinger in Flörsheim, ebenso Glaser. Blausäure und Zyankali oder Zyan- natrium können vorerst nicht empfohlen werden. Alle diese Mittel haben natürlich die Schattenseiten, daß sie auch die übrige "Wasserfauna abtöten und zum Teil die Vegetation im Wasser und an seinen Rändern schädigen. Zu ersteren Punk- ten ist zu sagen, daß es oft ein etwas sentimentales Bedenken ist; die praktische Seite, daß wir viel Larvenfeinde mittöten, ist gering von Bedeutung. Diese leisten zwar etwas, aber nicht das, was wir brauchen, und so müssen wir trotz ihrer die Arbeit doch allein machen, und da kommt es praktisch auch auf sie nicht mehr an. Vom^ mehr ästhetischen Standpunkt mag man sich trösten, daß die Wasserfauna noch genügend Plätze behält. Petroleum übrigens, richtig verwandt, schädigt z. B. Ephemeridenlarven nicht. Wesent- licher ist der Vogelschutz. Da der wirtschaftliche Nutzen der Sing- vögel unbestritten ist und auch auf anderen Gebieten stark hervor- tritt, kann man sie nicht in einseitiger Rücksicht auf die Schnaken- plage schädigen. Der Heidelberger Fall, in dem nach Behandlung der Tümpel gegen Mücken ein Vogelsterben ausbrach, ist keines- wegs klar und kann nicht ohne weiteres gegen diese Mittel der Mückenbekämpfung ins Feld geführt werden. Zahlreiche andere Erfahrungen sprechen dafür, daß' die üblichen Mückenbrutgifte die Vogelwelt nicht schädigen. Das Saprol scheint eine gewisse Zwischenstellung einzunehmen. Es wirkt anscheinend sowohl durch seine öligen Bestandteile wie als Gift und hat nach Schubergs Untersuchungen, in vernünftiger Weise verwendet, keine erheblich schädigende Wirkung auf die höhere Wasserfauna und die Vog'elwelt. Immerhin finde ich auf anderer Seite wieder che Angal>en, man dürfe Saprol nicht auf Teiche mit Fischbrut bringen. Für die Praxis scheint mir so im allgemeinen das Erdöl noch immer das handlichste zu sein, wenn es zweifellos auch eine große Anzahl Grewässer gibt, wo die Be- 224 Dr. E. Martini. Über Stechraücken. [224 denken gegen die übrigen Mittel wegfallen, wie z. B. die hervor- ragend wichtigen Frühlingstümpel. Die Yernichtung des Krautes am Rande der Gewässer ist nach dem, was wir oben über die Schwierigkeit der Mederhaltung des Krautes erwähnten, eher ein Vorteil als ein Nachteil des Mittels. Im Kampf gegen die Anopheles und Hausmücken muß Ölen und Vergiften natürlich auch wiederholt angewendet werden, da diese Arten das ganze Jahr weiter sich vermehren. Nach welchen Zwischenzeiten es zu wiederholen ist, richtet sich bei dem Erdöl lediglich nach der Geschwindigkeit der Mückenentwicklung in der- ftiJff7v£itt/rtntrgt*fmttMt*Mti: Fig. 102. Öltonne für fließende Gewässer. selben Gegend, ist also je nach dem, Himmelsstrich recht verschieden. In Deutschland dürfte je nach der Jahreszeit 15 — 25tägige Ölung genügen, am Balkan ist zweifellos lOtägige Erneuerung erforder- lich. Da gerade die baldige Freigabe des Gewässers durch das Petroleum angestrebt wird, spielt die Dauer der Wirksamkeit einer einzelnen Behandlung hier keine Rolle. (Über geeignete Anlage der Straßenabläufe, um Ölbarkeit zu erreichen, siehe S. 194.) Anders bei den Giften. Hier schließt sich an die Vergiftung eine Zeit, in der die Giftstärke noch genügt, das Aufkommen neuer Brut zu verhindern. Diese Zeit dauert jedoch auch bei den Giften 225] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 225 meist nicht lange, so daß z. B. die Larvizidbehandlung in Panama jede Woche wiederholt werden muß. Eine besondere Abänderung muß das Verfahren des ülens erleiden, wenn man genötigt ist, es auf fließendes Wasser anzu- wenden. Hierbei kommen natürhch überhaupt nur entweder sehr langsam flieJ3ende, mäßig starke Gewässer oder bei schnellerer Strömung ganz kleine Wasserfäden in Frage. Man stellt dann eine Tomie oder ein Blechbassin auf ein paar Stangen quer über das Wasser, bohrt in den Boden oder in die Seiten dicht oberhalb des- selben ein Loch und zieht. einen Docht ein. Dann füllt man das Öl ein. Durch die Größe des Loches und Stärke des Dochtes kann man die Geschwindigkeit, m der das Öl abtropft, einstellen. Bei ganz langsam fließenden Gewässern wird so die Ölschicht in dem Maße, wie sie sich nach abwärts schiebt, oben wieder ersetzt. Bei kleinen raschen Wasserfäden dagegen sammeln sich die Fetzen des Ölhäutchens gerade in den ruhigeren Buchten und in den oft fast stehenden Erweiterungen an, und dies sind auch die Stellen, in denen die Angehörigen der superpictus-Gruppe in Gesellschaft mit Culex mimeticus brüten. (Wenn den Cülexarten in den letzten Erörterungen keine Auf- merksamkeit geschenkt ist, obwohl sie an diesen Stellen ebenso häufig sind wie die Anophelen, so geschah es, weil sie nach meinen Beobachtungen für den Menschen im Freien praktisch eine geringe Rolle spielen.) 8. Larvenfallen. Noch eine besondere Art der Bekämpfung der Hausmücken mag hier erwähnt werden, die Larvenfallen, die darin bestehen, daß man geeignete Brutplätze schafft, diese aber regelmäßig über- wacht, und wenn die Brut fast erwachsen, mit dieser vernichtet. Solche Fallen, Tonnen und dergleichen können gewiß gegen Aedes calopus und Arten der Culexgruppe sehr nützlich sein, erfordern aber eine sehr genaue Überwachung, da sie sonst mehr Schaden als Nutzen stiften, weil wir ja dann durch sie künstliche Mücken- zucht einrichten. 9. Mansonia-Bekämpf ung. Wichtig ist es, daß es noch eine Mücke gibt, gegen die wir bisher kein Mittel kennen. Das ist Mansonia richiardii. Dadurch daß die Larven dieser Art in der Tiefe des Wassers leben und große Brutgewässer benutzen können, ist gegen sie mit Ölen und Yer- Archiv f. Schiffs- u. Tropen-Hygiene. 24. Beiheft 1. 15 226 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. [226 giften nichts anzufangen, und da eben diese Brutgewässer meist auch für Ablassung oder Zuschüttung nur der Mücken wegen nicht in Betracht kommen, müssen erst weitere Untersuchungen lehren, wie wir etwas ausrichten können. In Amerika und Indien versucht man durch Beseitigung des Wasserkrautes der Plage Herr zu werden, welche die Mansonia- arten vielerorts verursachen, um so mehr als diese zum Teil schwimmenden Pflanzendickichte auch geeignete Bnitplätze für Malariamücken abgeben. Daß nach neueren Angaben diesen Kraut- massen ein gewisser Düngerwert zukommt, ist der Sache natürlich förderlich. Bei unserer einheimischen Mansonia handelt es sich wohl in erster Linie um die Ufervegetation der größeren Teiche und Seen, welche ja gelegentlich auch Anophelen Brutplätze bietet, aber doch aus Schönheitsrücksichteu tmgern gemißt würde. Erfolge im Kampfe gegen die Mansonien sind auch bisher noch nicht bekanntgeworden. D. Biologische Bekämpfung. Die Versuche, die Mücken durch ihre natürlichen Feinde zu bekämpfen, haben bisher zu keinem Erfolge geführt. Nur die Fische machen hier in den warmen Ländern eine Ausnahme, indem einzelne dieser Arten mit zum Teil recht gutem, zum Teil unge- nügendem Erfolg in Gewässer eingesetzt sind zum Mückenvertilgen. Besonders sind es die ,,Millions" von Barbados, Girardinus, sowie Haplochüus, die in kleinen von Raubfischen freien Gewässern sehr Gutes geleistet haben und daher in vielen Tropengegenden zur An- wendung kommen. Ich gebe hier eine Übersicht der in Frage kom- menden Arten. Ostariophysi. Cyprinidae. Abramis chrysoleuca, als guter Mückenlarvenvertilger in Süß- wassern von Nordamerika von Smith angeführt. Carassius auratus, als Larvenfeind in Süß wässern Nordamerikas von Smith genannt. Erimyzon, als Larvenfeind in Süßwässern New lerseys von Smith genannt. Cyprinus carpio, von den Italienern in Reisfeldern angeblich mit Erfolg gegen die Mückenbrut verwandt. 227] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 227 Rasbora Chelas Barilius in Indien und Malayischen Inseln für Sümpfe und kleine Teiche geeignet. Doch wird für Rasbora be- hauptet von Sewell und Chauduri, daß sie Vege- tarier ist, für Chela, daß sie sich wenig um Larven kümmere, anscheinend zu unrecht, da sie im Aqua- rium lebendes Futter allem andern vorzieht. Barbus phutuuio und stigma und Verwandte, in Indien, nach Sewell und Chaudhuri in Wasserreservoiren, Barbus auch in Sierra Leone. Nuria danrica, in Sümpfen und Gräben in ganz Indien, nach Sewell und Chaudhuri. Haplomi. Umbridae. Umbra pygmea, von Smith in New Jersey als Mückenvertilger im Süßw^asser angegeben. Synentognathi. Cyprinodontidae. Cyprinodon variegatus, im Brackwasser, Larvenvertilger nach Smith. C. dispar, in Afrika, Mückenvertilger, Versuche mit Verwen- dung bisher wenig befriedigend (King). Lebias calaritanus, eifriger Mückenvertilger aus der Gegend von Rom, nach Brunelli, von Vo sseler ebenso in Nordafrika beobachtet. Girardinus poeciloid.es, ,,Millions", Heimat Barbados, wo er massenhaft vorkommt, von dort verbreitet, und in kleinen, von Raubfischen freien Gewässern vielfach mit Nutzen verwandt, auch in anderen Erdteilen; kann auch an kühleres Wasser, bis 13 Grad, gewöhnt werden. Caudimaculatus in Brasilien. Gambusia, nach Smith Larvenfresser, an den Brackwassern der Ivüste von Nordkarolina. G. affinis, sehr aktiv und wirksam, diese Gattung ist auch nach Hawai zum Zweck der Mückenvertilgung eingeführt. Heterandria, Fisch aus Nordkarolina, der in New Jersey ver- suchsweise, aber ohne beachtlichen Erfolg eingeführt ist. Lucania parva, Mückenvertilger, im Brackwasser von Nord- amerika, von' Smith angegeben. Fundulus majalis, ebenso, besonders wirksam, ist mit Erfolg nach Hawai gebracht; gardneri in Sierra Leone, ferner zu nennen heteroclitus und diaphanus. 15* 228 Dl"- E. Martini. Über Stechmücken. [228 Molliseiiia latipinnis, wie der vorige in Hawai eingebürgert, von Nordamerika. Haplochilus grahanii, bei Lagos als wichtiger Mückenbrut- vertilger gefunden und verwendet, kommt für kleine Wasser- ansammlungen ohne Raubfische in Frage. H. playfairi, von den Seychellen, dort mit Erfolg verwendet. H. panchax, melastigma, lineolatus und andere Arten, in Indien, ebenfalls als wichtiger Mückenbrutvertilger. Phthinobranchi. Gasterosteidae. Gasterosteus aculeatus und pungitius, in Deutschland als be- sonderer Feind der Mückenbrut bekannt, noch nicht gezüchtet, Avohl unter natürlichen Verhältnissen nicht von durchschlagendem Wert, auch im Brackwasser. Apeltes, in den Süßwässern Nordamerikas, von Smith als Larvenvertilger genannt. Acantopterygii. Ophiocephalidae. Ophiocephalus, im weißen Nil, wenig befriedigend (King), striatus von den Philippinen und punctatus von Indien genannt. Osphronemidae. Polyacanthus, in Quellen und kleineu Teichen in Indien, sowie für Brackwasser. Betta pugnax, von Duncker als Mückenfresser mir empfohlen. Trichogaster fasciatus. Süß- und Brackwasser Indien, nach Sewell und Chauduri, härter, doch nicht reiner Fleischfresser. Therapontidae. Therapon, in Indien als Mückenfeind für Brackwasser empfohlen, argenteus auf den Philippinen. Anabantidae. Anabas scandens, in Indien nach Bentley Mückenvertilger. Cichlidae. Chromis bimaculatus | mit sehr gutem Erfolg im Gam- Hemichromis macrocephalus j biagebiet verwendet. Acanthoptrygii. Aphredoderidae. Aphredoderus, nach Smith guter Mückenvertilger im Süß- wasser von Nordamerika. 2291 IV. Maßnahmen gegen die Mücten. 229 Centrarchidae. Eupomotis gibbosus, amerikanischer Mückenvertilger (Smitli), bei uns stellenweise eingeschleppt. Enneaecanthus obesus und gloriosus, Larventilger in New Jersey nach Smith. Ambassidae. Ambasis nana, verbreiteter Süßwasserfisch in Indien, Larven- fresser, nach Sewell und Chaudhuri. A. ranga, etwas empfindlicher Fisch, für Gräben und Wasser- reservoire, Indien. Nandidae. Badis badis, in Indien in Sümpfen und G-räben, für Reservoire geeignet, nach Sewell und Chaudhuri. Centrarchida«. Micropterus salnionoides, auf den Philippinen. Smith warnt schon davor, unbesehen Fische anzusiedeln, bloß weil sie Mückenfeinde sind, weil manche von ihnen auch gefähr- liche Feinde unserer Nutzfische sind, eine Warnung, die jeden- falls dringend beachtet zu werden verdient. Und es mag noch- mals bemerkt werden, daß, wo größere Raubfische vorhanden, sind, andererseits das Einsetzen kleiner Larvenfresser nur eine Fütte- rung der Raubfische bedeuten kann. Auf dem Balkan haben wir gelegentlich Enten mit zwar nicht durchschlagendem, aber doch befriedigendem Erfolg benutzt. Auch mit Fledermäusen ist ein größerer Versuch gemacht, sie durch Darbietung geeigneter Übernachtungsräume stark zu ver- mehren. Der Erfolg soll außer starker Mückeneinschränkung ein guter Guanoertrag für den Unternehmer gewesen sein. AY eitere Untersuchungen sind leider in dieser Richtung noch nicht gemacht, so daß sich zurzeit wohl nur sagen läßt, daß, wo Fledermäuse reichlich, natürliche Unterschlüpfe haben, die mögliche Höchstzahl von ihnen wohl vorhanden sein wird. Eine künstliche Vermehrung auf diese Weise ist also wie im vorliegenden Falle nur da möglich, wo es an sonstigen Schlupfwinkeln fehlt. Über solche Versuche wäre weiteres zu hören mindestens biologisch wünschenswert. Die Versuche mit dem Wasserfarn sind am Balkan ebenso wie die von Smith und anderen negativ ausgefallen. Wo die Gewässer für Wasserlinsen geeignet sind, dürften diese so dicht waclisen, wie es eben die Bedingungen erlauben. Bei Ver- suchen einer Ansiedlung oder Vermehrung der Wasserlinsen zur 230 Dr. E. Mai-tini. Über Stechmücken. [230 Mückenbekämpfung müssen wir bedenken, daß ein mäßiger Wasser- linsenwuchs den Mückenlarven nur förderlicli ist, Zuchtversuche derselben also ein zweischneidiges Mittel darstellen. Neuerdings wird darauf hingewiesen, daß die Wasserlinsen einen gewissen Reichtum an organischer Substanz im Wasser brauchen, den man durch Einbringen von Kuhfladen oder Roß- äpfeln erreichen könne; alsdann lassen sich schöne dichte Wasser- linsendecken erzielen, solange die einmalige Düngung vorhalte. Sonst wissen wir über die Wachstumsbedingungen der Wasserlinse wenig. Natürlich wird man nach Möglichkeit all das Gretier schonen, das mückenfeindlich ist. Sie stellen eben in der Natur die Macht dar, die die Mückenzahl in ihrer derzeitigen Gleichgewichtslage hält. Es ist anzunehmen, daß von den Wasserinsekten uad in mehr luiberührtem Gebiet auch von Salamandern usw. so viel vorhanden ist, wie das Putter erlaubt, daß also eine dauernde künstliche Ver- mehrung dieser Arten kaum denkba.r ist. In der Nähe größerer Ortschaften stellen allerdings die Kinder so den Wassersalamandern nach, und die Schwalben werden oft so beschränkt, daß eine Yer- mehrung dieser Tiere durch Schonung denkbar erscheint. Versuche mit Schwimmkäfern haben angeblich gute Erfolge gehabt. Doch muß man bei deren Einfülirung an ihre Fischfeindlichkeit denken. Ist also, wie schon von anderer Seite hervorgehoben ist, viel- fach der natürliche Feind nur die Ursache, welche die Arten, die uns schaden, in ihrer jetzigen Gleichgewichtslage hält, nicht aber ein Faktor, durch den, selbst wenn wir ihn sehr fördern würden, wir das Ungeziefer ganz loswerden können, so ist doch eben dieser Gleichgewichtszustand in ziemlichen Grenzen abhängig von Zahl und Art der Feinde imd von der örtlichen Möglichkeit für die Schädlinge, sich den Nachstellungen dieser Feinde zu ent- ziehen. Wenn man die heutigen Marschgräben ansieht, so sind Brutplätze für Anophelen in ungeheurer Zahl vorhanden. Sie werden auch besiedelt, wie einige Larven nachweisen, aber die Larven sind eben nur einzeln vorhanden. Die Gelege werden offen- bar von den Feinden stark dezimiert, und so kommt die mäßige Zahl der Anopheles zustande, die "wär in den sauber gehaltenen Marschgegenden haben. 'Würden die Feinde nicht aufräumen, so wäre Wasser zweifellos noch immer genug da, um Anopheles über- handnehmen zu lassen. So ist also Schutz der Feinde und Schaf- fung der Bedingungen, unter denen sie an das uns störende Un- geziefer herankommen können, eine bedeutungsvolle Aufgabe. 231] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 231 E. Organisation und Ausführung *). Das Mansonia-Beispiel (S. 225) lelut, daß der Mückeubekämpfer nicht ohne weiteres Mittel empfehlen und ihren Erfolg ver- heißen soll, sondern er erst sehen muß und dann sagen. Ist der Quälgeist richiardii, so sind alle empfohlenen Mittel wahrschein- lich vergeblich, und der Fachmann, der sie empfohlen hat, ist blamiert; in allen anderen Fällen stellt sich die Frage, ob etwas erreicht werden kann, lediglich als eine Bilanz zwischen Vorteil und Kosten dar, und daher ist es auch sehr wichtig, gleich andere vorteilhafte Einrichtungen bei den Plänen der Entmückung einer Gegend ius Auge zu fassen. Aujs allem Vorhergehenden ergibt sich, daß, ehe man an die Mückenbekämpfung in einem Grelände geht, stets eine Vorarbeit geleistet sein muß durch genaue Feststellung, welche Mückenarten in Frage kommen und wie sie sich am Orte biologisch verhalten. Niemals sollte man zur praktischen Arbeit übergehen, ohne ein ganzes Jahr hindurch die betreffende Gegend sorgfältig beobachtet zu haben. Vor allem muß man wissen, wieweit bei der Plage zuwandernde Mücken beteiligt sind, wieweit und von wo dieselben herkommen und wieweit daher die Maßnahmen ausgedehnt werden müssen, wenn sie Erfolg haben sollen. Erst dann kann durch Gesetzgebung oder durch Anordnungen der Gemeinden sowie Bewilligung der nötigen Mittel die Bekämp- fung eingeleitet werden. Maßnahmen auf zu engem Gebiet sind weggeworfenes Geld. Eine der großzügigsten Unternehmungen dieser Art lernten wir ja schon von New Jersey kennen. Organisation. Hier ist in der Gesetzgebungs- und Geldbewilligungsakte gleich die Organisation im großen mit eingeschlossen. Diese Organisation, d. h. ihre Zweckmäßigkeit ist ein fernerer für das Gelingen sehr wichtiger Punkt, fordert aber vor allem Leute, die den Glauben an den Erfolg und Liebe zur Sache haben. Handelte es sich in New Jersey wesentlich um die Mücken- plage, so treten in anderen Fällen im Frieden und im Kriege die Notwendigkeiten der Seuchenl>ekämpfung in den Vordergrmid. 1) 8, 13, 24, 172, 236, 264, 322. 232 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [232 Sehr empfehlenswert ist das amerikanische Verfahren in Pa- nama, die Assanierung auf verschiedene Bezirke zu verteilen und technisch geschulten Inspektoren zu übergeben, die für die ord- nungsgemäße Assanierung verantwortlich sind. Die meisten er- werben sich schnell die notwendige Kenntnis der Anopheles und ihrer Brutplätze. Im übrigen sorgt ein Entomologe dafür, daßi die wqggefangenen Mücken durchgesehen werden und die Vermehrung der Anopheles erkannt wird. Auch wird er vom Hauptinspektor hingeschickt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Letzteres erkennt man an den Malariazahlen, die auf dem ärztlichen Dienstwege ge- meldet werden. Dieses Zusammenarbeiten zweier verschiedener Dienstwege, von dem die Erfahrung des einen die Beurteilung der Leistungen des anderen erlauben, hat große Vorteile. Zur Beauf- sichtigung der Assanierung ist kein Mediziner erforderlich, sondern ein praktischer Blick. Das übrige lernt sich in kürzester Zeit. In Wohldorf haben wir mit dem Förster die besten Erfah- rungen gemacht, und entsprechende Persönlichkeiten des Kom- munal- oder Staatsdienstes werden sich wohl stets finden lassen, wo die in Frage kommenden Arbeiten nicht so groß sind wie in New Jersey und Panama, daß sie ein System für sich allein bilden müssen. Dadurch werden natürlich auch Kosten gespart, und so dürfte es auch wohl in den übrigen deutschen Orten liegen, die erfolgreiche Mückenbekämpfung getrieben haben. Genauere Aufstellungen über die Kosten, die diese Orte durch die Mücken Vertilgung haben, lassen sich deswegen kaum geben, weil die Bekämpfungsmaßnahmen meist auf einen geringen Raum beschränkt sind und daher besondere Verträge mit Firmen für die Arbeiten nicht abgeschlossen sind, vielmehr die Arbeit von den städtischen usw. Arbeitern mit ausgeführt sind und über die Zahlen der Tagewerke und deren Kosten keine gesonderten Notizen vor- liegen. Ferner treten als wichtigste Maßnahmen die Winterbekämp- fung in den Kellern und das Ölen hervor. Von Misdroy erfahre ich darüber folgendes: Die Keller wer- den im allgemeinen im Winter durch Fang oder Verbrennen von Räucherpulver auf mit Spiritus befeuchteter Watte von Mücken gereinigt. Diese Arbeit wird von zwei Personen ausgeführt. Teiche und Tümpel sind nicht vorhanden. Zuschüttungen kleinerer Ge- wässer sind ausgeführt. Gräben werden regelmäßig petrolisiert, wozu für ungefähr 600 M. Erdöl notwendig ist. Die Resultate sind erfreuliche. 233] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 233 Auch Warnemünde führt Winterbekämpfung aus. Sind die Mittel bewilligt, ist die Sache organisiert, so ist niclit nur die Walil der Mittel, sondern auch die Zeit ihrer Anwendung je nach den vorhandenen Mückenarten örtlich verschieden. Die Maßnahmen gruppieren sich: Kalender. Gegen die Waldmücken: Eier verbrennen (S. 193) im Herbst, Dränierung, Grabenanlagen müssen bis spätestens Januar oder Februar fertig sein. Reinigung der Durchlässe und älteren Gräben in der zweiten Hälfte März; bei zu frühem Reinigen verwehen sie wieder. Ölen oder Vergiften der Plätze, w^o sich doch noch Mücken- brut zeigt, im April oder Mai, wenn die ersten Puppen auftreten. In der Regel nicht mehr als zweimal. Nach dem Petrolisieren sollen im ganzen Gebiet keine Mückenlarven mehr zu finden sein. Gegen die Mücken der Inlandwiesen käme außer sauberer land- wirtschaftlicher Arbeit wohl im großen nur die Bekämpfung durch Herbstüberschwemmung (S. 219) in 'Frage. Kleinere Arbeiten durch Petrolisieren jederzeit im Sommer, wenn in Regenpfützen oder Hochwasserresten Mückenbrut erwachsen ist. Gegen die Salzmarschmücken: Aufhöhen des Geländes, das ganze Jahr möglich, Gräbenziehen, am besten nach der Heuernte bis zum nächsten Frühjahr. Instandhaltung der Gräben das ganze Jahr, besonders auch im Hochsommer. Petrolisieren etwa 8 — 10 Tage nach Hochwasser. Gegen die Hausmücken : Dränierungen in der Umgebung der Häuser, muß bis Juni fertig sein. Sauberkeit im Ort, Aufsicht über Wassertonnen und andere Brutplätze, gegebenenfalls Petroli- sieren, von Juli ab regelmäßig. Winterbekämpfung durch Aus- räuchern usw. in den Kellern von November bis Februar. Im südwestlichen Deutschland dürften sich diese, etwa der Hamburger Umgebung entsprechende Daten um drei Wochen un- gefähr verfrühen, das Ausräuchern auf die Zeit von Ende Novem- ber ab bis Mitte Februar einschränken. Richtet sich die Bekämpfung in erster Stelle gegen die Malaria, so tritt Winterbekämpfung nicht nur in Kellern, sondern auch auf Böden und Ställen ein. Außerdem ist aber der Herbst uml jeder günstige Augenblick im Winter die. Zeit, in der alle größeren Erd- arbeiten, Gräben, Auffüllungen, Dränierungen auszuführen sind. Das Frühjahr dient dann zur Überarbeitung älterer Gräben und der 234 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [234 Instandsetzung der Vorbereitungen gegen die Bergbachbrüter. Gregen maculipennis mui3 alles vor Mai fertig vorbereitet sein, denn im Juni werden erhebliche Arbeitskräfte für die Herriclitungen der Drahtgaze und besonders für die Niederhaltung des Krautes und die Befreiung derGrewässer von Algenwatten erforderlich sein. Mit Anfang August werden sich viel Brutplätze in den Ebenen von selbst erledigen, dafür treten andere in den Bach- und Flußbetten selbst erst jetzt in den Vordergrund. Der Mai und Juni sind ferner die Zeit, die Arbeiten für Umleitung der Bäche und für Staue in Ordnung zu bringen, die von Juli ab, wenn der Anstieg der Zahlen in der superpictus-Gruppe eintritt, verwendungsbereit sein müssen. Im Juli, August und September, also in der Hauptzeit der Ansteckun- gen, erfordert dann die Drahtgaze für die Instandhaltung die größte Sorgfalt, ebenso das Petrolisieren und Überwachen von Nutz- gewässern. Nach dem September wirken die Arbeiten schon mehr für das kommende als für das laufende Jahr. Geben wir versuchsweise einmal eine Tabelle zunächst für den mehr trockenen Süden Europas und in Rücksicht auf die Malaria. i 1-5 f-1 'S H-5 -»1 ■4-J P, Ol -t-9 O > o CD R Zuschüttungen, kleinere . . . + + + + + + + + + + + + Zuschüttungen, größere . . . + + + + + Entwässerungsanlagen .... + + + + + Mühlgräbenrevisionen, in Ord- nung bringen, ebenso Haupt- + + Bewässerungsgräben . . . + + Reinigung der Gräben . . . + + Ix 2x 3x (3x) (3x) (2x) Flußregulierungen + + + + + Bachregulierungen + + -f Ausbesserungen der Fluß- und Bachregulierungen .... + + + Bachreinigungen + + + + + Sprengungen in den Bergbächen -f- + Anlegen von Stauanlagen in den kleinen Bächen + + Anlegi-ingderLTmleitungsanlagen in den größeren Bächen + + Spülung der kleinen Bäche . . 2x 3x 3x 3x 2x Wechselspülung der großen Bäche 2x 3x 3x 3x 3x AVassertonnen usw., Deckung . + + AVassertonnen usw., Über- wachung + + + + + + + ()len + + + + + 4- Drahtgazsschutz instand setzen . + 1 Dralitgazeschutz instand halten . + + + + + Mückenfang + + + + + 235] i^- Maßnahmen gegen die Mücken. 235 Man sieht, daß die Arbeiten der Niederung im allgemeinen sich im Winter im großen durchführen lassen, daß die kleine Arbeit aber auch bis Mitte Juni überall in glänzendem Zustande sein muß und nun nur noch Erhaltungsarbeiten in Frage kommen, unter denen das Entkrauten die einzig erhebliche ist, sofern nicht mensch- liche Schädlinge das Werk stören. Denn in den südlichen Lagen tritt die Wirkung des Wassers als Zerstörer mit dem Aufhören der Regen im Sommer ganz zurück. Aber erst dann Ende Juni imd Juli erlaubt der Wasserstand in den Bergbächen die Arbeiten, sei es auszubessern, sei es anzulegen, und sie müssen eigentlich schon um Mitte Juli vollendet sein, da sie dann schon regelmäßig ge- braucht werden. So drängt sich diese ziemlich erhebliche Arbeit in den Bächen in den Juni und erste Hälfte Juli zusammen. Dann sind auch hier die Unterhaltungsarbeiten, die in diesem Falle nicht unl>edeutend sind, und vor allem die regelmäßige Anwendung der Mittel erforderlich. Die Sauberkeit und kleine Arbeit ist in dieser Zeit in der näheren oder weiteren Umgebung der Ortschaften sehr wichtig. So kommt es, daß die großen Arbeiten in den Flüssen usw. wohl erst im Beginn des Herbstes in Angriff ge- nommen werden können und dann möglichst schnell durchgeführt werden müssen, ehe die Flüsse so sehr steigen, daß die Arbeiten nicht mehr zweckmäßig sind. Man wird den Juli bis September auch 'gern ihrer Hitze wegen vermeiden. Die großen Arbeiten in den Niederungen können erst dann beginnen, wenn jene eiligeren erledigt sind. Sie könnten an sich zu jeder Jahreszeit ausgeführt werden, am besten jedoch in etwas feuchter Zeit, also im Winter und ersten Frühjalir. Man sieht, daß die Zeiten, in denen die einzelnen Teile eines Gebietes ihre meiste Arbeit fordern, verschieden sind und daß es daher zweckmäßig ist, außer den Kräften für die Kleinarbeit, die meist in den Ortschaften selbst sein müssen, besondere Arbeiter- trupps und Aufseher zu haben, die von der Zentralstelle je nach den Erfordernissen der Zeit und Gegend bald liier- und bald dahin geworfen werden in größeren oder kleineren Trupps, wie es erforderlich ist. Diese Verhältnisse treffen aber in erster Linie die Malaria- verhältnisse des Südens. Bei uns tritt im Frühjahr die Bekämp- fung der Waldmücken ein, von Ende Mai erübrigt sich diese im wesentlichen. Dann wäre die Grabenreinigung rücksichtlich Ano- pheles erforderlich, und im Rest des Sommers die Überwachung 236 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. [236 der Gräben und vom Juni ab wären die zweiten Brüten der Wiesen- mücken, vom Juli ab die Brüten der Hausmücken mit Säubern und Erdöl zu bekämpfen. Für die Winterbekämpfung haben wir in unserem Klima eine lange Zeit, in der auch die Gräben der Niederungen nachgesehen und Neuanlagen in diesen sowie gegen die Waldmücken ausgeführt werden müssen. Die Hauptbekämpfung beginnt dann vom März ab wieder. In Südwestdeutschland wohl schon vom Februar ab. F. Aufreeliterhaltung des Geschaffenen und Propaganda. Verhindern neuer Brutplätze. Wesentlich ist aber nicht nur die Beseitigung der Mückenbrut- plätze und Vernichtung der Mücken, nicht minder ist es wichtig, daß 'keine neuen Brut.plätze geschaffen werden. Bei großen Erd- arbeiten ist es natürlich unvermeidlich, daß Wasserläufe zer- schnitten werden, als Folge davon Versumpfungen eintreten, doch soll darauf geachtet werden, daß dies gleich aufs geringste Maß beschränkt wird, und es dürfen jedenfalls nicht nach Beendigung der Arbeit grobe sanitäre Schäden entstanden sein, die jetzt viel- leicht fast ebensoviel Arbeit zur Beseitigung brauchen würden wie die ganze Hauptarbeit. Wasserdurchlässe müssen in ausreichender Zahl gleich unter Zuziehung eines Sachverständigen für Sanie- rungsarbeiten vorgesehen werden, das ist besonders bei Weg- und Bahnbauten wichtig. Letztere sind erhebliche Beförderer der Ma- laria. Vielfach wird die Erde zum Bahndamm unmittelbar an der Bahn zu beiden Seiten des Dammes weggenommen. So hat man dann im Hügelland hier und da an der Bahn zehn Jahre später verkrautete Wasserlöcher, deren Ränder prächtige Anophelesplätze bieten, oder in der Ebene \\'ird, wie man es' in Ungarn gewahren kann, die Bahn meilenweit von solchen künstlichen Anopheles- plätzen begleitet, dazu kommt, daß für die Bahn, besonders an den Lokomotivstationen, starke Wassermengen zur Verfügung sein müssen. Hier werden sehr häufig die Abläufe nicht genügend ver- sorgt, so daß sie mit gutem Gefälle in einen natürlichen Wasserlauf gehen, sondern sich selbst überlassen, und dadurch entstehen dann mehr oder weniger versumpfte Plätze in der Nähe von reichlichen Blutspendern, geradezu ideale Bedingungen für Mückenvermehrmig. Hier 'muß gleich beim Bahnbau vorgesorgt werden. Dann dürfte 237] I^'^- Maßnalimen gegen die Mücken. 237 die Vermeidung oder Beseitigung dieser Mißstände sich fast immer erreichen lassen. Ähnliches kommt bei Wegebauten vor. Im Süden herrscht auf dem Balkan eine förmliche Wasseranarchie. Hatte man eben das Gebiet sauber, so wurden durch Stauen in den Bächen zum Fisch- fang oder zur Ableitung von Bewässerungsgräben, ümlegung und Anzweigen solcher, durch Ül)erschwemmen von Wiesen und Mais- feldern, durch Tränken, Suhlen, Schöpflöcher eine Unzahl wieder neu angelegt. Tränken, Suhlen und Schüpflöcher sind auch dann niclit be- denklich, wenn sie genügend benutzt, also in knapper Zahl ange- legt werden, die Wiesenüberschwemmungen nicht, wenn sie nicht zu lange ausgedehnt werden, die Abzweigungen von Gräben nicht, wenn diese Stellen die richtige Form erhalten und das Strombett abwärts richtig versorgt wird, daß sich dort keine Druckwasser entwickeln. Hier ist natürlich behördliche Aufsicht und Regelung notwendig. Propaganda. Viele. Verkehrtheiten werden aber auch aus Mangel an Ver- ständnis begangen, die Bevölkerung muß über Sinn und Bedeutung der Sachen aufgeklärt werden, und so sehen wir denn auch in den Abrechnungen der Versuchsstation von New Jersey einen Posten für Propaganda; diese Propaganda ist nicht nur bei Jen Unge- bildeten, sondern gerade auch bei den Gebildeten und den Be- hörden sehr wichtig. Wir geben anbei zwei solche Flugblätter wieder. Belehrungen auf den Schulen, gegebenenfalls mit Vorfülirungen im Freien sind für die Verbreitung dieser Gedanken nützlich und zugleich allgemein bildend, da sie besonders schöne Beispiele inne- rer Zusammenhänge m der Natur geben. Recht erfolgreiche Kurse liielt Glaser in den ländlichen Ge- meinden in Baden vor im ganzen 931 Teihiehmern und gab teils theoretische, teils pralrtische Unterweisung. Mangelndes Verständnis seitens der Bevölkerung ebenso wie seitens der Behörde ist die größte Schwierigkeit, mit der die Be- kämpfung der Stechmücken zu tun hat. In Rio und Havanna hat man vor bald 20 Jahren über die Bekämpfung gelacht, heute weiß man, was man ihr verdankt. So weit ist man leider noch nicht überall. Für viele ist die Mückenbekämpfung und vor allem der Mückenfang mit dem Fluch des Komischen belastet und dadurch das Allernotwendigste nicht zu erreichen. 238 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [238 Winke zur Erkennung der Fiebermücken. Durchaus nicht alle mückenähnlichen Insekten sind Stechmücken, sondern dies sind nur solche, die einen zum Blutsaugen dienenden, langen, dünnen Stech rüssel besitzen. Da gewisse Stechmückenarten, jedoch nicht alle, die Malaria von Mensch zu Mensch übertragen können, so ist es für jeden, der in Malariagegenden lebt, von Wichtigkeit, „die fieber« bringenden Anoplielesmiicken" von den übrigen Steckmückenarten, besonders von „Culex, der gemeinen Stechmücke", zu unterscheiden. Diesem Zwecke diene das folgende Merkverschen, in welchem die auf Anopheles bezüg- lichen Stichwerte ein a, die auf Culex bezüglichen ein u enthalten: Malaria machen Anophelen, Die lins besonders abends quälen. Von Culex aber wird gestochen Zu jeder Stund nnnnterbroclien. Sitzt grad' die Mücke an der Wand Mit schwarz geflecktem FlOgelrand, Hat man Anopheles entdeckt; Culex ist kramm und nngefleckt. Zuweilen kann dies Zeichen trügen, Doch werden nie die Taster lügen: Kurz nur dem Culexweib beschieden, Sind lang sie bei Anopheliden. (Da nur das böse Weibchen sticht, So kümmern uns die Männchen nicht ; Ein Federfühler schmückt den Mann, Ein borst'ger zeigt das Weibchen an.) Schon wenn sie noch im Kinderteich, Erkennt Anopheles man gleich, Der iTSgrecht auf dem Wasser ruht; Herunter hängt die Culexbrut. I Znr Beachtung! Man schlafe in Malariagegenden nie ohne ein Kut schließendes Moskitonetz! Dieses schützt nicht nur gegen Malaria, sondern auch gegen das durch eine culexähnliche Mücke (Stegomyia fasciata)_übertragene Gelbfieber und gegen die Filariakrankheit. Überhaupt Vorsicht vor allen blatüaugenden Insekten, da auch Stechfliegen, Wanzen, Läuse und Zecken in den Tropen schwere Erkrankungen übertragen können. Culex (Gemeine Mücke) Anopheles (Fieber- Mücke) ■iiwchlüpfende Mllcko Institut Nr Stltllls- unii Tfoptnilfiiiklieilen, Hamburg, >/ C^lmitr \ Fig. 103. Postkarte des Instituts für Schiffs- und Tropenkrankheiten, Hamburg; i 239] IV. Maßnahmen gegen die Mücken. 239 jTjj itt-tt»tj- wrtM «.L Kj«n>* ar nvuBiAii Waming. DANGER OF MOSQUITOES Notice to all who live in the Tropics. IT hdi bccn coiiciustveiy proveJ 'M.ti ' Ctimahf l^v*r," MAlaria, Yeiit^w levcT, litngur Fever Co«« Fcvvr, Afncaii F*wer. Enti^miai Rrtiüaen: Fovrr, B^licm^ Keaüttoit F«ver. iie invAnafoiy pntsem in oae furro os otiirt m Trt>pJC3l Countnes (jl littheno'it hafi b«m -.uppubcJ üut cvery iiew .irrtwal in ehr Tropjtfs mu3t ntx^ncr or Utrr )(« fevei-.. A prcciwiy «miUr i;>{>i»ii>a fufuicrly olrtamcd in the now «ery hcahliy towivtt o/ Rio, Havauä. i^aiiduu, uid othcr pJacex (^) The« fevcrs can all bc avoiöcd, t» «maQ pox at home « avoided, Thty axf propa^aicd (roro man to man b>' thrct -^roups of aios quitoes, ilic Sicstomyia. Cuint. and the Anophcbnci- Ot" all theÄ<- kinds che hm ts mosi housr-is^ei»fin£, a<»d ihereiüre rht- mos-i dangeroiK :r} Thr biie i>f a masquito &>M>ul4i hf dreatied as much ae ihai c»t and mow cerrain eure ü PRÄVENTION, thounct wbieii cantkot b« tmnt«dmt«Uv drained- (f) Evcry resident should help the Health Aiithoriry by j»ueraHteein)! tlu- mosquitt' sccunty oi hw u»n premiscs {fi Remrinber. abovc aH, thai it is liit- donitstic :nW»CE5S L:HKI5TIAr< Hl... iitf UUK'^ er nuKrHUMBEM-LNO. ■ INI EARl Oi DEKBT OCVU IM) W H IXVZR MP F C 0UUV5UN JT Ovu '^R KUetMT BOrC'F PJLS Ml.- <■ HAHMSOh WI1JJ«.M- Cvl^>i FA TIC ANS Tw Tlf* W«q«'l» Fig. 104. Mückenflugblatt des Liverpooler Tropenniedizinisclien Instituts. 240 Dr- E. Martini. Über Stechmücken. [240 G. Erfolge. Was erreicht werden kann, lehren uns Beispiele (14, 121, 142, 215) wie das meist erwähnte Ismaila, das in der Zeit seines Auf- blühens durch unzweckmäßige Bewässerungsanlagen schwer mit Malaria verseucht wurde, aber infolge der Mückenbekämpfungs- arbeiten zurzeit praktisch malariafrei ist. Durch Mückenbekämp- fung ist das gelbe Keber in Havanna, der amerikanischen Kanal- zone bei Panama, in Rio und noch an anderen Plätzen ausgerottet. Durch Anophelesbekämpfung die Malaria auf Kuba und bei Panama auf etwa ein Zehntel ihres früheren Standes gedrückt. Die Be- richte über die Assanierungsarbeiten durch Mückenbekämpfung aus den Kolonien der fremdsprachigen Länder sind so zahlreich und umfangreich, daß selbst der Fachmann sie kamn noch verfolgen kann, und der kühne Gredanke ist aufgetaucht, bei Zusammenarbeit der Völker müsse die Malaria sich von der Erde vertilgen lassen. Auch unter den Verhältnissen des Krieges braucht die Malaria kein Schrecken mehr zu sein. Es ist englischerseits geäußert, ein Überhandnehmen der Malaria beweise, daß das Mihtärsanitätswesen nicht auf der Höhe sei. Auch in einem so ungünstigen Gebiet wie Mazedonien haben die Engländer und Franzosen recht gute Erfolge gehabt. 241 V. Tabellen usw. Seifrei •^.'^u!''- t^upFritilldtherT/^^ Taitfr^ y/^Jr .£«1;;, buryfe, N TaTfr ßethrij^ ffi/sr M lMtfmhml^^ Fig. 107 a. Fig. 107 b. 8. Beine schwarz und weiß geringelt (wenn auch manchmal nur undeutlich) 9 Beine ganz schwarz oder braun 15 9. Flügel gefleckt (Taf. III, Fig. 22, 24) ... '. 10 Flügel ungefleckt (Taf. III, Fig. 20) 12 10. Fleckung durch lichte Schuppen bewirkt (Taf. III, Fig. 24) Culex mimeticus Fleckung durch dichtere Stellung der schwarzen Schuppen bewirkt (Taf. m, Fig. 22) 11 11. Auf dem ersten Hinterleibsringel ein heller Längsstrich (Textfig. 108 a) Tlieobaldia annulata Auf dem ersten Ringel kein heller Längsstrich (Textfig. 108 b) Th. spathipalpis 243] V. Tabellen usw. 243 12. Ein weißer Ring um die Mitte des ersten Tarsus (Textfig. 111 d. oben) Mansonia ßichiardii Nicht so 13 13. Cerci lang vorgestreckt (Textfig. 109 a) 22 Cerci nicht oder kaum vorgestreckt (Textfig. 109 b) 13 a 13a. Lebhaft kontrastierende silberne oder goldene Zeichnung des Brust- korbes. Wenigstens die Vorderklauen mit Zahn 21 Nicht so. Auch die Vorderklauen ohne Zahn 14 a b Fig. 108 Fig. 109. 14. Eüssel überwiegend purpurschwarz ..... Theobaidia morsitans Rüssel überwiegend gelblich Th. fumipennis 15. Flügel gefleckt Th. glaphyroptera Flügel ungefleckt 16 16. Cerci nicht vorgestreckt (Textfig. 109 b) 17 Cerci vorgestreckt (Textfig. 109 a) 27 Fig. 110. Fig. 111. 17. Hinterleib tiefschwarz mit basalen reinen weißen Bändern oder Seiten- flecken. Klauen der Vorderfüße mit Zahn (Taf. ü, Fig. 3) Aedes ornatus Nicht so, alle Klauen ohne Zahn (Taf. IV, Fig. 3) 18 18. Lichte Bänder am Grund der Hinterleibsringel (Textfig. 110 b) Culex pipiens Lichte Bänder am Ende der Hinterleibsringel (Textfig. 110a) .... 19 19. Lichte Bänder sehr breit 20 Lichte Bänder schmal territans 20. Taster mit weißem Ringelchen horteusis 16* 244 Df- E. Martini. Über Stechmücken. [244 21. Zeichnung wie in Textfig. 112 a Aedes calopus Zeichnung wie in Textfig. 112 b A. sugens 22. Ringel umgreifen beide Enden der Fußglieder (Textfig. lila) A. dorsalis Helle Eingel nur an der Basis der Fußglieder (Textfig. 111b) .... 23 Fig. 112. 23. Helle Ringel sehr schmal (Textfig. 111c) A. vexans Helle Ringel breiter (Textfig. 111b) 24 24. Brustkorb fast ungezeichnet braun, Gesamteindruck des Tieres gelb, keine deutlichen braunen Querbinden über dem Hinterleib . . A. annulipes Nicht so 25 25. Rückenbeschuppung dunkelbraun mit schwacher weißlich grauer Zeich- nung A. cantans Nicht so 26 26. Rückenbeschuppung, kupfern mit goldener Zeichnung . . . A. abfitchii Rückenbeschuppung weißlichgrau mit goldener Mittelbahn . A. quartus 27. Cerci nicht deutlich vorgestreckt, metallisch schwarz mit schneeweißer und silbriger Zeichnung A. ornatus Cerci deutlich vorgestreckt 28 28. Ganz grauschwarze Art, helle Schuppen bilden höchstens eine Seitenlinie am Körper (im Leben mehr rötlich) A. cinereus Hinterleib mit deutlicher weißer Zeichnung, Seitenflecke (Textfig. llOd) 29 Hinterleib mit deuthcher lichter Zeichnung, Querbinden (Textfig. 110 b, c) 30 29. Brustkorb licht graugelb mit Mittelwülsten und Zungen schwarz, Mittel- binde zart, kleine Art, noch nicht 4 mm A. lateralis Brustkorb sattgolden bis kupfern beschuppt, Zungen und Mittelwülste oft schwarz; ist eine helle Mittellinie vorhanden oder das Mittelfeld ganz hell, so handelt es sich doch immer mindestens um dimkelgoldene Be- schuppung A. sylvae Brustkorb wie bei lateralis, doch ohne Mittelbinde, derbe Art, 5 — 6 mm A. serus 30. Binden in der Mitte der Hinterleibsringe nach hinten ausgezogen, haben Neigung, sich zu einer Mittellinie zu verbinden, Brustkorb mit heller Mittellinie, Zimgen und Mittelwülste vier dunkle Linien bildend (Text- fig. 110c) A. diversus Nicht so (Textfig. 110b) 31 31. Flügel mit reichlich eingestreuten hellen Schuppen 32 Flügel nur mit dunkeln Schuppen (höchstens ganz am Grunde wenige helle Schuppen) 33 32. Hinterleib auf tiefschwarzem ungesprenkeltem Grunde mit klaren weißen Binden gezeichnet A. terriei Hinterleib auf pechschwarzem Grunde mit gelblichweißer Sprenkelung und Binden, Rücken ungezeichnet A. salinus 245] V. Tabellen usw. 245 33. Metallschwarzer Gesamteindruck, Flügeladern am Grunde ohne oder kaum mit hellen Schuppen, Hinterleibsbinden in der Mitte verengt . sylvae Mehr graubräunliuher Gesamteindruck mit lichter Zeichnung an den Wurzeln der Adern 1, 2, 6, Hinterleibsbinden in der Mitte breit nemorosus Zur Unterscheidung von nemorosus, nigrinus und Gallii muß ich vorerst auf S. 110 und 118 verweisen. Bestimmungstabelle für die Gattungen der 9 9- 1. Schildchen gerundet (Textfig. 106 b) Anopheles (unter 2 in der vorstehenden Tafel) Schildchen dreiteilig (Textfig. 106 a) 2 2. Gabeln der 2. Ader sehr kurz (Textfig. 107 a) Uranotaenia (nur eine Art) Gabeln der 2. Ader nicht sehr kurz (Textfig. 107 b) 8 3. Wenigstens einige Klauen des Weibchens mit Zähnen (Taf. H, Fig. 3) Aedes (siehe unter 20ff. der vorstehenden Tafel) Klauen der Weibchen ohne Zähne (Taf. IV, Fig. 3) 4 4. Flügelschuppen sehr breit (Taf, III, Fig. 13) . Mansonia (nur eine Art) Plügelschuppen schmaler (Taf. III, Fig. 14) 5 5. Große Arten über 6 mm (Nr. 11 u. 14, 15 der vorstehenden Tafel) Theobaidia 27 Kleine Arten 5 mm und weniger Culex Bestimmungsschlüssel der cT cf nach den Geschlechts- organen (nur für die Gattung und die Aedesarten). Harpes fehlen 2 Harpes vorhanden 5 2. Zahlreiche Basalauf hänge , die aber nicht in Harpes und Harpagones spezialisiert sind Uranotaenia Keine Basalanhänge außer den unci Anopheles 6 3. Harpagones fehlen Theobaidia Harpagones vorhanden 4 4. Harpagonen geteilt oder gespalten Culex Harpagonen nicht so 5 5. Harpago, ein auf einen Basalkegel eingelenktes Stäbchen . . Mansonia Harpago nicht so Aedes 8 6. Zwei einzelne Dornen auf dem Seitenstück (abgesehen von den Dornen der irmeren Anhänge) 7 Drei Dornen auf den Seitenstücken, davon zwei dicht beisammen bifurcatus 7. Die inneren basalen Lappen tragen nur drei lange Dornen einzeln maculipennis Die inneren basalen Lappen tragen sechs lange Dornen, davon die drei am meisten ventralen zu einer Gruppe vereint nigripes 8. Endanhang des Seitenstückes geteilt .... LT. Gatt. Aedes cinereus Endanhang des Seitenstückes nicht geteilt^) 9 ^) Die Männchen von nigrinus und lateralis konnten, da mir unbekannt, nicht in den Bestimmungsschlüssel aufgenommen werden. 246 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [246 9. Seitenstück ohne Lappen am Ende U. Gatt. Stegomyia 10 Seitenstiick mit Lappen am Ende U. Gatt. Ochlerotatus 11 10. Seitenstiicke an der Linenseite mit bedorntem Feld . . . calopus*) Seitenstüoke au der Innenseite ohne bedorntes Feld .... ornatus 11. Griffel vor dem Ende des Greifanhanges des Seitenstückes eingelenkt vexans Griffel am Ende des Greifanhanges des Seitenstückes eingelenkt ... 12 12. Seitenstücke mit einem starken inneren Dorn dicht vor der Mitte (außer den Dornen des Basallappens) serus Seitenstücke ohne einen starken inneren Dorn dicht vor der Mitte . . 13 13. Seitenstücke mit 3 Dornen, von denen die beiden äußeren längeren von einem gemeinsamen Höcker entspringen Gallü Nicht so, mit höchstens zwei Dornen 14 14. Basallappen, gering, mit spateiförmigen Anhängen diversus Basallappen, wenn vorhanden, nur mit Dornen oder Borsten oder beidem 15 15. Mit zwei Dornen dorsalis 7 Mit einem Dorn 16 Nur mit Borsten 19 16. Basallappen lang 20 Mäßig lang 17 17. Basallappen, schwach entwickelt, trägt nur den Dorn und keine langen Borsten annuHpes Basallappen, stärker entwickelt, trägt Borsten und Dorn 18 18. Anhang des Harpago langstielig, mit deutUchen Flügeln . . . salinus Anhang des Harpago kurzstielig, mit gering entwickelten Flügeln terriei ^) Anhang des Harpago sitzend, ungeflügelt einkantig sylvae Anhang des Harpago sitzend mit mehreren kaum als Flügel zu bezeich- nenden Kanten nemorosus 19. Stamm des Harpago schlank, mäßig gerade mit schmal geflügeltem Anhang abfitchii Stamm des Harpago gedrungen stark gekrümmt, mit breit geflügeltem Anhang quartus 20. Basallappen nur sehr wenig länger als breit semicantans Basallappen viel länger als breit cantans Bestimmungstafel für die Larven. 1. Atemrohr ausgebildet (Taf. IV, Fig. 12) Oulicini 5 Atemrohr rückgebildet (Taf. I, Fig. 15) Anopheliui 2 2. Äußeres Stirnhaar vielfach gespalten (Taf. HI, Fig. 29) 3 Äußeres Stirnhaar einfach oder fast einfach (Taf. III, Fig. 28) ... . 4 3. Fühler mit starkem Haarbusch (Textfig. 113 b) sinensis Fühler mit sehr schwachem Haarbusch (Textfig. 113 a) . . maculipennis ^) Männchen von sugens habe ich leider nicht, sie sind daher nicht be- rücksichtigt. ^) Aedes rostochiensis unterscheidet sich von terriei dadurch, daß er auf den "Wärzchen am Grunde des Genitalapparates nicht ungefähr 12, sondern höch- stens 7 Dornen hat. 247] V. Tabellen usw. 247 4. Von den Seitenhaaren der Mittelbrust eines gefiedert, das Seitenhaar des vierten Hinterleibsringels mit einer Teilung an der Basis und einer zweiten gegen die Spitze hin (Taf. III, Fig. 31) . palestinensis (die Larven von superpictus und hispaniola kann ich als mir nicht bekannt nicht in die Tafel aufnehmen) Haar des 4. Hinterleibsringels eine deutliche Feder (Taf. III, Fig. 32) nigripes Haar des 4. Hinterleibsringels nur an der Wurzel geteilt (Taf. II, Fig. 30) bifurcatus 4 c"^ Fig. 113. Fig. 114. 5. Atemrohr gegen die Spitze sehr stark veijüngi einen Bohrapparat bildend (Textfig. 75, S. 176) Mansonia richiardii Nicht so 6 6. Zähne des Striegels entspringen von gemeinsamer Platte (Textfig. 114a) Uranotaenia unguiculata Zähne des Striegels entspringen nicht von gemeinsamer Platte (Textfig. 114 b) 7 Fig. 115. 7. Atemrohr mit mehreren ventralen Borsten oder Borstenbüschen (Text- fig. 115a) Culex 29 Atemrohr nur mit einem ventralen Busch (Textfig. 115 b, c, d) . . . 8 8. Borstenbusch nahe am Giimde des Atemrohrs (Textfig. 115 c) Theobaidia 26 Borstenbusch nahe der Mitte oder hinter der Mitte des Atemi-ohis (Textfig. 115b, c) Aödes ii 9. Fühler ohne Domen Stegomj-ia 10 Fühler fein bedornt 12 248 Dr. E. Martini. Über Stechmücken. [248 10. Fühler mit sehr kleinem einzelnen Schafthaar, kurz (Textfig. 116 b), Striegelschuppen mit Nebenzähnen calopus Fühler länger mit längerem, meist geteilten Schafthaar, Striegelschuppen einfach!) (Textfig. 116a) 11 11. Haarbusch des Ätemrohrs vor der Mitte, Kamm kurz .... ornatus Haarbusch des Atemrohrs jenseits der Mitte, Kamm lang . . sugens 12. Fühler länger als der Kopfschild serus Fühler kürzer als der Kopfschild 13 Fig. 116 a. Fig. 116 b. 13. Atemrohrkamm mit ungefähr gleichen Zahnabständen 19 Atemrohi-kamm mit weit gestellten Zähnen am Ende 14 14. Diese Zähne reichen über den Haarbusch hinaus 15 Zähne des Kammes reichen nicht über den Haarbusch hinaus .... 16 Fig. 117. 15. Eine doppelte Eeihe von Haaren auf dem Rücken des Atemrohres (Fig. 114d) diversus Keine solche Reihe rostochiensis ^) n. sp. 16. Scheitelhaare fast nebeneinander cinereus Scheitelhaare im Dreieck 17 17. Haarbusch weit jenseits der Mitte der Röhre klein vexans Haarbusch vor der Mitte der Röhre sehr groß . 18 !) Über die uigrinus-Larve ist mir leider nicht bekannt, wie sich ihr Sattel verhält. An die Möglichkeit des Vorliegens dieser Art muß also an dieser Stelle gedacht werden. Rostochiensis und semicantans sind -noch nicht beschrieben. liv für Schiffs- und Tropenhygiene. Bd. 24, 1920. Beiheft 1. Taf. 1. Dr. E. Martini: Über Stechmücken. dnv für Schiffs- und Tropenhygiene. Bd. 24. 1920. Beiheft 1. Taf. 2. Dr. K. Martini; Über Stechmücken. h-'-' nn- Schiffs- un„ Tropenhygie.e. ,;„. 24, 1920. Reihef, 1. Dr. E. Martini: Über Stechmück en. roliiv für Schiffs- und Tropenhygiene. Bd. 24. 1920. Reilieft 1. T;if. 4. \*i / Dr. E. .Martini: (lier Stechiiiiu-liL'n. 249] V. Tabellen usw. 249 18. Atemröhre über dreimal so lang als breit, Striegel einreihig oder fast einreihig semicantans') Atemröhre über dreimal so lang als breit, Striegel ein dreieckiger Sehuppen- fleek abfitchii 17 Atemröhre weniger als dreimal so lang als breit 25 19. Sattel lungreift das letzte Segment ganz (Textfig. 117a) . . . sylvae Sattel umgreift nicht (Textfig. 117 b) . '. 20 20. Striegelschuppen alle stumpf ohne deutlichen Hauptzahn 21 Wenigstens einige Striegelschuppen deutlich zahnförmig 22 21. Kiemen sehr kurz salinus Lang bis sehr lang nemorosus 22. Kiemen sehr kurz, Ruderborsten keine kurz gestielten breiten Quasten terriei Kiemen nicht sehr kurz, wenn ziemlich kurz, Ruderborsten kurz gestielte breite Quasten 23 23. Im Ruder wenigstens fünf Haarbüsche vor der Bürste 25 Im Ruder nur 2—3 Haarbüsche vor der Bürste 24 24. Kiemen länger als das Atemrohr Gallii Kiemen liinger als der kärze Sattel [Stufe I — IH] sylvae Kiemen ziemlich kurz dorsalis 25. Die letzten Kammzähne des Atemrohres wenigstens ein ganz wenig weiter gestellt als die übrigen, 20 Zähne ungefähr annulipes Zähne des Kammes ganz dicht und gleichmäßig, ungef. 30 Zähne cantans 26. Atemröhre kurz, höchstens 2^2 '"''■^ so lang als breit 27 Atemröhre lang, mehr als dreimal so lang als breit 28 27. Eigentlicher Kamm noch durch eine Reihe Borsten verlängert annulata Hinter dem eigentlichen Kamm nur noch einzelne Dornen spathipalpis 28. Kurzer Kamm, dessen Zähne gegen das Ende weiter gestellt sind, daran schließen sich noch über den eigentlichen Kamm hinaus einzelne un- regelmäßige Borsten fumipennis Kamm ebenso, doch fehlen die letztgenannten Borsten . . morsitans 29. Atemröhre kurz, ungefähr fünfmal so lang als breit .... pipiens Atemröhre lang, wenigstens sechsmal so lang als breit 30 30. Atemröhre dorsal, deutlich konkav, gegen das Ende etwas erweitert, Haai-- büsche schwach territans Atemröhre nicht so, Haarbusch kräftiger 31 31. Haarbusch sehr kräftig, Haare am Ende der Atemröhre (Klappe) zu Haken umgebildet mimeticus Haarbusch schwächer als bei voriger, Haare am Ende des Rohres nicht zu Haken umgebildet hortensis -■&"- Taf elerklärun gen . Tafel I (Anopheles). Fig. 1. AVeiblicher Anopheles bifurcatus in schematischer Stellung, imgefähr 10/1. t = Taster (nach einem trockenen Stück). Fig. 2. Kopf des Männchens 10 : 1. t = Taster. Fig. 3. Klauen das Weibchens von links nach rechts. Vorder-, Mittel-, Hinter- klauen. Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6. 250 Dr- F. Martini. Über Stechmücken. [250 Klauen des Männchens ebenso. Weibchen von Anopheles maculipennis an der "Wand. Lebensgroß. "Weibchen von Anopheles maculipennis im Spinnenweben, Lieblingsplatz, von der Seite. Lebensgroß. Fig. 7. "Weibchen von Anopheles maculipennis unter der Decke, einem ihrer Lieblingsplätze. Lebensgroß. Fig. 8. Links Anopheles palestiuensis cf im Spinnenweben, vom Rücken gesehen, kleines Stück. Rechts Anopheles maculipennis $ ebenfalls im Spinnen- weben, vom Rücken gesehen. (Spinnenweben, besonders unter der Decke und in den Ecken sind Liebhngsplätze der Mücke.) Lebensgroß. Larve von Anopheles bifurcatus 10 : 1. Schulterklappen, die infolge ihrer Durchsichtigkeit nur sch\\er bemerkt werden, nicht eingezeichnet. Haare der Bauchseite ebenfalls weggelassen. Frisch ausgeschlüpfte Larve 10 : 1 von Anopheles bifurcatus. Puppe von Anopheles bifurcatus 10 : 1. Larve, Puppe und Eier von Anopheles maculipennis im Fadenalgen- dickicht. Lieblingsplatz. Natürliche Größe von oben. Kopf der Bifurcatuslarve stark vergrößert. Bifurcatusei stark vergrößert. Von oben, von der Seite. "Binterende der Bifurcatuslarve stark vergrößert. Männlicher Geschlechtsapparat von Anopheles bifurcatus stark ver- größert. Larve von Anopheles maculipennis, Puppe und Eier von der Seite, im Grase einer überschwemmten AViese. Lieblingsplatz. Natürhche Größe. Mg. 18. Anopheles maculipennis saugend auf dem Finger eines Kindes. (An- opheles ist Menschen- und Viehmücke.) Fig. 9. Fig. 10. Fig. 11. Fig. 12. Fig. 13. Fig. 14. Fig. 15. Fig. 16. Fig. 17. Tafel II. Fig. 1 Fig. 2 Fig. 3 Flg. 4 Fig. 5 Flg. 6 Fig. 7 Fig. 8 Fig. 9 Fig. 10 F = Fühler, T= Taster, Md = Ober- kiefer, Msc = Unterkiefer, 0-L = Oberlippe, U-L = Unterlippe, H = Hypopharynx. Mundwerkzeuge des Anopheles $ . Dasselbe vom Anopheles cT. Dasselbe Aedes $ . Dasselbe Aedes cf. Vorderende der Unterlippe beim 9 ■ Vorderende der Unterlippe beim ^ Sp G (H). Der Speichelgang im Hypopharynx, der beim Männchen mit der Unterlippe verwachsen ist, und zwar mit dem mittleren „Züngelchen" Z, LI. =i Halboliven-Labellen. Oberkiefer des Anopheles 9 (maculipennis). Oberkiefer des Aedes ^ (cantans). Unterkiefer des Anopheles Q. Unterkiefer des Aedes 9 (die Stellungen von 9 und 10 sind nicht ganz entsprechende). Fig. 11. Ursprung der zweiten und dritten Ader (Ursprung und Verzweigung des Sector radii) bei Anopheles. Fig. 12. Ursprung des Sector radii bei Aedes. Fig. 13. Dasselbe bei Mansonia. Fig. 14. Dasselbe bei Culex. Fig. 15. Viertes und fünftes Vorderfußglied eines Anopheles -Männchens Kl := Klauen. R = Radius, Sr = Sektor radii, M = Media. 251] V. Tabellen usw. 251 Fig. 16. Viertes und fünftes Vorderfußglied eines Culex-pipiens-Männchens. Fig. 17. Dreilappiges Schildchen der Culicinen. Die Borsten des Schildchens sind weggelassen. Fig. 18. Gleichmäßig gerundetes Schildchen von Anoplitles wie in voriger Figur. Fig. 19. Flügel von Anopheles bifurcatus. Fig. 20. Flügel von Culex pipiens. Fig. 21. Flügel von Anopheles maculipennis. Sollen zeigen, daß man an der Flügelzeichnung Culicini und An- ophelini nicht unterscheiden kann. Fig. 22. Flügel von Theobaidia annulata. Fig. 23. Flügel von Anopheles palestinensis. Fig. 24. Flügel von Culex mimeticus. Fig. 25. Flügel von Anopheles sinensis. Fig. 26. Flügel von Dixa (den Culicinenflügeln sehr ähnlich, aber unbeschuppt, Adern kurzdornig). Fig. 27. Flügel von Rhyphus, einer Gruppe, die gelegentlich mit Stechmücken verwechselt und der Fleckung wegen für Anopheles gehalten wird. Stirnhaare der Larven von Anopheles bifurcatus 1 unter "Weglassung Stirnhaare der Larven von Anopheles maculipennis / der Mundorgane. Großhaar des vierten Hinterleibsringels bei Anopheles maculipennis oder bifurcatus. Dasselbe bei Anopheles palestinensis. Dasselbe bei Anopheles nigripes. Anopheleslarve in natürlicher Stellung. Ansicht vom Rücken. Dixalarve in natürlicher Stellung. Ansicht von oben. Die Dixalarve wird nicht selten mit der Anopheleslarve verwechselt, doch fehlen ihr die langen Borsten und die breite Heldenbrust letzterer. Schmal- brüstig, in krummer, U- förmiger Haltung liegt sie am äußereten Wasserrande. rig. 28. Flg. 29. Fig. 30. Fig. 31. Fig. 32. Fig. 33. Fig. 34. Fig. 35. Kopf des Culex (f und 9 ^'on der Seite. " Fig. 36. Kopf des Chironomus cf und 9 "^"on der Seite, in Anlehnung an Prell. Der lange Rüssel kenn- zeichnet die Stechmücke, Culicine. Tafel III. Aedes nemorosus (bis auf Fig. 8). Fig. 1. Weibchen 10 : 1. T=: Taster. Kopf des Männchens 10 : 1. Klauen des Weibchens, von links nach rechts vordere, mittlere, hintere. Klauen des Männchens, von links nach rechts hintere, mittlere, vordere. Aedes nemorosus in Kiefernzweig. Larve von Aödes nemorosus 10 : 1. Puppe ebenso. Ei von Aedes vexans bei starker Vergrößerung. Kopf der Larve von Aedes nemorosus bei starker Vergrößerung. Hinterende der Larve ebenso. Larven in einem Frühlingstümpel, ihrem typischen Brutplatz. Männlicher Geschlechtsapparat. Aedeseier hinter Moosschuppen und auf Buchenblatt. Fig. 2. Fig. 3 Fig. 4 Fig. 5 Fig. 6 Fig. 7 Fig. 8 Fig. 9 Fig. 10 Fig. 11 Fig. 12 Fig. 13 252 Dl'- E. Martini. Über Stechmücken. [252 Tafel IV. Culex. Fig. 1. Culex pipiens 9 10:1. Fig. 2. Culex pipiens. Kopf des Männchens 10:1. Fig. 3. Klauen des "Weibchens bei starker Vergrößerung. Von links nach rechts Vorder-, Mittel-, Hinterklauen. Fig. 4. Klauen des Männchens bei starker Vergrößerung. Von links nach rechts Vorder-, Mittel-, Hinterklauen. Fig. 5. Durchschnitt durch den Stechrüssel. H = Hypopharynx, Uk = Unter- kiefer, 0 = Oberkiefer, E = Epipharynx Oberlippe, M = Muskel, N = Nerven, T = Trachee, in der Unterlippe, schematiscli nach Fülleborn. Fig. 6. Larve 10 : 1. Das Atemrohr ist unsymmetrisch etwas zur Seite gelegt. K = Kopf, B = Brust, H = Hinterleib, A = Atemrohr, E.= Erid-(After-) Segment. 10 : 1. Puppe. R = Atemrohr, S =: Schwanzflosse. 10 : 1. Larve, Puppe, Eierschiffchen in trübem Wasser. Ungefähr Lebens- größe. Eierschiffchen, Larven und junge Mücken in einer zugedeckten Wasser- tonne. Lebensgröße. Kopf der Larve stark vergrößert. M := Mundbürsten, F = Fühler, H = Stirnhaare. Ei stark vergrößert. Achter und neunter Hinterleibsringel der Larve. A = Atemrohr, Ka = Kamm desselben, B = Ventrale Borsten desselben, Str = Striegel, E := Endglied, Sa = Sattel, R = Ruder, Ki = Kiemen, SH = Schwanz- haar der Larve. Fig. 13. Männlicher Geschlechtsapparat. Fig. 14. Saugende Mücke im Durchschnitt. Auf der Haut am Auge eines Huhnes (Culex ist Vogelmücke). H = Herz, Mu = Flugmuskeln, Sp = Speichel- drüsen , Sr = Speiseröhre , Bl = Blindsäcke derselben , Ma = Magen, D = Darm, N = Nierenschläuche, E = Rektum, Es = Eierstöcke, St = Spermatheke. Schriftenverzeichnis. 1. Alcock, Entomology for Medical Officers. London 1911. 2. Alessandrini, G., Contributo allo studio de' Distomi parassiti di Anopheles maculipennis (Meigen). Malaria, 1909, Bd. 1, S. 133—137. 3. Argutinsky, P. , Über Malaria im europäischen Rußland (ohne Finnland). Arch. f. Hygiene, 1903, Bd. 47, S. 317. 4. Arribalzaga, F. L. , Dipterologia Argentina. ReA"ista del Museo de La Plata. La Plata 1891. 5. Austen, Illustration of British blood sucking flies. London 1906. 6. Barth, J. 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Vogel, R., Bemerkungen über das Vorkommen von Anophebsmücken in Pferdeställen und über die Vertilgung von Anopheleslarven. M. m. W., 1917, S. 1509. 326. — , Kritische und ergänzende Mitteilungen zur Anatomie des Culiciden- und Tabanidenrüssels. Zool. Jahrbücher, Abt. Anatomie, 1920. 327. Walker, P. M., Insecta Britannica. Diptera, Bd. 3. London 1886. 328. V. Wasielewski, Über die Verbreitung und künstliche Übertragung der Vogelmalaria. Arch. f. Hyg., 1902, Bd. 41, S. 68. 329. Waterston, .T., On the Mosquitoes of Macedonia. Bull. Entom. Res., Mai 1918, Bd. 9, H. 1, S. 1—12. 330. Wesenberg-Lund, C, Anatomical description of the Larva of Mansonia richiardii (Ficalbi) found . in Danish freshwaters. Videnskabelige Meddelelser fra Dansk naturliistorisk Forening i Kjobeuhavn, 1918, Bd. 69, S. 277. Odense. 331. Weydemanu, H., Die Malaria im nördlichen Jeverlande. Zentralbl. f. Bakt. u. Parasit., 1907, Bd. 43, H. 5, S. 80. 332. Wiedemann, C. R. W., Diptera Exotica. H. 1. Kiliae 1821. 333. — , Außereuropäische zweiflügelige Insekten. Hamm 1828 — 1830. 334. Willoughby and Cassidy, Anti-malaria Work in Macedonia among British troops. London 1918. 335. Winke zur Erkennung der Fiebermücken. Hrsg. im Auftrage d. Instituts für Schiffs- u. Tropenkrankh. Hamburg. Verlag Conrad Behre, Hamburg. 336. Wright, M. J., The resistance of the larval Mosquito to cold. Brit. med. Jl., 1901, S. 882. 337. Wulp, F. M. van der, Diptera Neerlandica. s'Gravenhage 1877. 338. Yellow Fever Bureau Bulletin, Liverpool 1911, 1912, 1913. 339. Zetek, J., Determining the Flight of Mosquitoes. Annais Ent. Soc. Amer., 1913, Bd. 6, S. 5. 340. Zetterstedt, J., Insecta Lapponica. 1840. Lipsia 1838—1840. 341. — , Diptera Scandinaviae disposita et descripta, Bd. 9 u. 12. Lundae 1850—1855. 342. Ziemann, Hans, Über Malaria einst und jetzt in den Marschen. Deutsche Medizinalztg., 1902, Nr. 77 u. 78. Berlin. 343. — , Malaria. Menses Handbuch der Tropenkrankh., 2. Aufl., Bd. 5, 1. Hälfte. Leipzig 1917. VERLAG VON JOHANN AMBROSIUS BARTH IN LEIPZIG. Dieudonn^, Prof. Dr. A. und Prof. W. Weichardt, Iminunitilt, Schutzimprimg und Serunitherapie. 9. umgearbeitete Auflage. S*». VII, 240 Seiten. 1920. M. 38.—*), geb. M. 34.—*). Ärztliche Sachverständigen-Zeitung : In seiner klaren, das Wesentliche herausschälenden Gliederung, seiner übersichtlichen Darstellung bietet das gediegene Buch einen vor- züglichen Führer durch das vielverschlungene Gebiet der Immunitätslehre. Für den praktischen Gebrauch besonders schätzenswert in ihrer knappen Darstellungsweise ist die Zusammenstellung der wichtigsten Immunitätsreaktionen, sowie die zum erstenmal gebrachte Tabelle der zurzeit hauptsächlich in den Verkehr gebrachten Impfstoffe und Sera. Die Erfahrungen der ersten Kriegsjahre sind bereits in gewissem Maße verwertet. H andbuch der Tropenkrankheiten unter Mitwirkung von zahlreichen Fachgelehrten herausgegeben von Prof. Dr. Carl Mense in Kassel. 2. Auflage. 6 Bände. Band 1 : XVI, 295 Seiten mit 200 Abbildungen im Text, 10 schwarzen und 2 farbigen Tafehi. 1913. M. 24.30, geb. M. 39.30. Band 11 : XV, 747 Seiten mit 126 Abbildungen im Text, 14 schwarzen und 6 farbigen Tafeha. 1914. M. 60.-, geb. M. 75.—. Band III: XVI, 680 Seiten mit 118 Abbildungen im Text und 9 farbigen Tafeln. 1914. M. 52.50, geb. M. 67.50. Band IV, 1. Hälfte: VIII, 300 Seiten mit 78 Abbild, im Text und 7 farbigen Tafeln. 1918. M. 22.50. Band V: Malaria und Schwarzwasserfieber. XX, 602 Seiten mit 141 Abb. im Text und 7 farbig. Tafehi. 1918. M. 60.—, geb. M. 75.—. Band VI wird Ende 1920 erscheinen. Band IV, 2. Hälfte, sobald als möglich. Zeitschrift fürMedIzinalbeatnte: Es handelt sich hier tatsächlich um ein großangelegtes epochemachendes Werk, dessen Inhalt gegenüber der ersten Auflage eine so gründliche und umfassende Umarbeitung erfahren hat, daß es sich eigentlich als ein völlig neues Werk darstellt. Rapmund. Hygienische Rundschau : M e n s e s bekanntes vorzügliches HandbuchderTropen- krankheiten erscheint jetzt in zweiter Auflage . . . Die Ausstattung ist vortreff- lich, die zahlreichen Abbildungen sind meistens gut, viele vorzüglich. Glo big- Berlin. ^chmidt, P., Über die Verliütung und BekUnipfnng von Kriegsseuchen, Kurze ^ Darstellung auf Grund von Vorträgen nebst einem Seuchenmerkblatt. 16 S. 1914. M. —.40. Dieser Aufsatz, zuerst in dem Zentralblatt für innere Medizin erschienen, verdient allgemeine Beachtung. Des Verfassers volkstümliche Schreibweise lassen den Aufsatz für weitere Kreise geeignet erscheinen. im Ende, Fürsorge der G!emeinden gegen Seuchen im Kriege. 4. Abdruck. * 11 Seiten. 1915. M. —.40. Städte-Zeltung: Nur 11 Seiten Text, ein Sonderabdruck aus dem Zentralblatt für innere Medizin, aber auf diesen ist alles gesagt, was den Gemeinden als Richtschnur dienen kann. Der Verfasser, der weit vom grünen Tisch abrückt, ist bekannt durch seine prak- tischen Vorschläge. Auch vorstehende kleine Broschüre wandelt die gleichen Bahnen. Fersluys, J., Über die Verbreitung von Seuchen durch Insekten im Kriege. ' 14 Seiten. 1915. M. —.40. Excerpta medica: Ein kleines, aber inhaltreiches Schriftchen, das zur rechten Zeit kommt und weiteste Verbreitung verdient. Ist doch die große Rolle, welche die Insekten bei der Verbreitung von Seuchen spielen, bekannt. In kurzen Worten bringt der Verf alles Wissenswerte. Die Preise sind unverbindlich. Au&er bei den mit *) versehenen Preisen treten Teuerungs- aufschläge hinzu. VERLAG VON JOHANN AMBROSIUS BARTH IN LEIPZIG. Rühnemann, G., DifTerenlial- Diagnostik der inneren Krankheiten. Fünfte umgearbeitete Auflage. VIII, 242 Seiten. 1918. Geb. M. 9.50. Berliner klinische Wochenschrift: Die rasche Folge der einzelnen Auflagen zeigt, daß das Kühnemann sehe Buch einen großen Leserkreis gefunden hat. Die vorliegende Auflage ist im Prinzip genau so angelegt wie die voraufgegangenen ; nur einzelne Ka- pitel erfuhren eine Umgestaltung. Als Hilfsmittel wird sich das Weik sowohl für den praktischen Arzt als auch für den Lernenden weiter bewähren. ran den Bergli, Hijmans, Der Gallenfarbstoflf im BInte, Nach Unter- suchungen mit Dr. L. Snapper, ehem. 1. Assistenten und Dr. J. Muller, Konservator des chemischen Laboratoriums der medizinischen Klinik in Gro- ningen. VIII, 111 Seiten. 1918. M. 5.—. Der Verfasser hat sich bemüht, eine einwandfreie und für klinische Zwecke genügend genaue Methode zum Nachweis und zur quantitativen Schätzung des Bilirubins im Blutserum und in serösen Flüssigkeiten auszuarbeiten. Über diese Methode und einige mit ihr angestellte Untersuchungen will das vorliegende Buch eine Übersicht geben. ttbener, Erich, Allgreraeine Epidemiologie und Immunität. VIII, 280 Seiten mit 43 Abbildungen im Text. 1918. M. 21.—. Die Arbeit bildet Weyls Handbuch der Hygiene, Lieferung 25. Mitteilungen zur Geschichte der IMedizin und der Naturwissenschaften: Auch die Historiker tun gut, von dieser trefflichen Arbeit Kenntnis zu nehmen, die auch von der Geschichte der Epidemien und den Wegen ihrer theoretischen Erfassung und Bekämpfung gebüh- rend Kenntnis nimmt und gibt. H H and buch der pathog'eneu Protozoen, Unter Mitwirkung von K. Belär, Berlin, P. Ehrlich (t), Frankfurt a. M., A. Eichholz, Hamburg, Fr. Fülleborn, Hamburg, G. Giemsa, Hamburg, G. Gonder (f), Frankfurt a. M., L. Halberstaedter, Berlin, M. Hartmann, Berlin, A. Leber, Göttingen, B. Lipschütz. Wien, P. Manteufel- Berlin, E. Maresch, Wien, M. Mayer, Hamburg, P. Mühlens, Hamburg, E. Neres. heimer, Wien, B. Nocht, Hamburg, H. 011 wig, Daressalam, Dr. Reichenow, Berlin, H. da Rocha-Lima, Hamburg, E. Rodenwaldt, Heidelberg, C. Schellack (t), Berlin, 0. Schröder, Heidelberg, E. Teichmann (f), Frankfurt a. M., Dr. R. Weissenberg, Berlin, H. Werner, Hamburg, herausgegeben von S. von Prowa- zek (f), fortgeführt von Dr. W. Nöller, Hamburg. Band I: (= Lieferung 1 — 4) VIII, 516 S. mit 6 farbigen und 7 schwarzen Tafeln und 205 Abbildungen im Text. 1912. M. 42.90, geb. M. 45.—. 5. Lieferung: 116 S. mit 2 farbigen und 6 schwarzen Tafeln und 28 Ab- bildungen im Text. 1912. M. 10.80. 6. Lieferung: 248 S. mit 77 Abb. im Text und 3 färb. Tafeln. 1914. M. 20.25. 7. Lieferung: II, 159 S. mit 19 Abb. im Text u. 2 färb. Tafeln. 1920. M.25.— . Weitere zwei Lieferungen werden sobald als möglich erscheinen und Band II abschließen. Zeitschrift fUr ImmunitStsforschung: Schon die Inhaltsangabe zeigt, wie gediegen und gründlich dieses Handbuch der pathogenen Protozoen angelegt ist. Die einzelnen Pro- tozoengruppen sind jeweils von Forschern, welche auf dem betreffenden Gebiete be- sondere Erfahrungen gesammelt haben und mit der Materie völlig vertraut sind, mono- graphisch bearbeitet, und so dürfte hier ein Werk entstehen, welches dem Bedürfnis nach einer zusammenfassenden Darstellung des gegenwärtigen Standes der Protisten- kunde voll und ganz gerecht wird. H 0 l L Diese Bücher setzen da ein, wo die gewöhnlichen Sprachlehrbücher aufhören. Jedem Mediziner, der in Badeorten oder Städten mit Fremdenverkehr praktiziert, der in fremde Länder gehen oder als Schiffsarzt Anstellung nehmen will, können die Bücher bestens empfohlen werden. . ■^ |*|^ f^ f^ /Jl Die Preise sind unverbindlich. Au&er dem Verleger-Teuerungsaufschlag tritt noch der Sortimenterzuschlag hinzu. aclesy & Sigismund, DDr. med.. Englisch für Mediziner. Mit Aussprache- bezeichnung von C. Just. VIII, 180 S. Geb. M. 6.—. livier & Sigfismund, DDr. med.. Französisch für Mediziner. Mit Anhang. Französisches Leben von P. v. Melingo. VIII, 207 S. Geb. M. 6. — . e Boucher & Dr. Ricci, Italienisch für Mediziner. VIII, 192 S. Geb. M. 6.—. e Boucher und Dr. med. Gieb y BouIIön, Spanisch für Mediziner. VIII, 192 S. Geb. M. b.— . Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.