, b oder 5 u . . . ; allgemeine botanische Zeitung, } ! ! "herausgegeben von N ? der könig. bayer. botan. Gesellschaft in Regensburg, | = redigirt Ä von | & Dr. J. Singer. | I: Neue Reihe, 33. Jahrgang | | | oder | u der ganzen Reihe 58. Jahrgang. | | 1875. | Regensburg. ; Verlag der Redaction.

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allgemeine botanische Zeitung, herausgegeben |

der königl. bayer. botanischen Gesellschaft Ä in Regensburg, w redigirt

von

Dr. J. Singer.

Neue Reihe XXXIM. Jahrgang

oder

der ganzen Reihe LVIH. Jahrgang. Nr. 1-36. Tafel I—IX.

Mit Original-Beiträgen von

Arnold, Böckeler, Celakovsky, Christ, Dippel, Duby, Hildebrand, Kraus, | v. Krempelhuber, Löhr, Luerssen, Müller C., Müller J., Nylander,

Prantl, Sanio, Schultz, Schumann, Thümen, Uloth, de Vries, Wawra, | i.Wiesher, Winter. ,

——

Regensburg, 1875. Verlag der Redaction.

Haupt-Commissionäre: G. J. Manz und Fr. Pustet in Regensburg.

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Mo. Pot. Garden, /

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58. Jahrgang.

N 1. Regensburg, 1. Januar 1875.

Inhalt, An unsere Leser. Dr. Lad. Celakovsky: Zwei Fragen der botanischen Nomenelatur. W. Nylander: Addenda nova ad Lichenographiam europaeam. Anzeigen. Einläufe zur Bibliothek und zum Herbar.

. An unsere Leser. Die-Fiora erscheint, mit lithographirten Tafeln als Beila- gen, regelmässig .am 1., Il. und 21. Tage eines jeden Monats. Tüchtige Kräfte, theils altbewährte, theils nengewonnene, ermög- lichen es durch ihre rege Betheiligung, dass nun bereits nahezu - der ganze Inhalt der Flora nur Originalartikel aus den ver- schiedensten Zweigen der Botanik enthält,

Die Redaction erachtet es als ihre Pflicht, bei dieser Gele- genheit allen ihren Herren Mitarbeitern für soviele Beweise freundlicher Unterstützung und Beihilfe den herzlichsten Dank auszusprechen und um die Fortdauer gleich wohlwollender Theil- nahme wie bisher für die „Flora“ zu bitten, "

Der Ladenpreis der Flora beträgt für den Jahrgang 15 Mark = 8 fl. 45 kr. = 5 Thir.

Bestellungen nehmen an die Postämter, die Buchhand- lungen von J. G. Manz uud F. Pustet in Regensburg und die Redaction.

Regensburg, den 1. Januar 1875.

Dr. Singer.

Flo 1805 | a

Zwei Fragen der botanischen Nomenclatur. Von Dr. Lad. Celakovsky.

In Nr. 6, 8 und 10 des Jahrg. 1874 der „Flora“ veröffent- lichte Dr. J. Müller unter dem Titel „Nomenclaturische Frag- mente“ eine Besprechung mehrerer nomenclaturischen Fragen, deren sachgemässe Argumentation auf allgemeinen Beifall An- spruch machen kann. Ich stimme den dort vertretenen Ansichten um so rückhaltloser bei, als ich sie schon seit Jahren vertreten, Achnliches schon im J. 1867 in der Prager „Lotos“ unter dem Titei „Das Prioritätsrecht und der botanische Artname“ verthei- digt habe und in meinem Prodromus der Flora Böhmens beson- ders im 2. und 3. Theile konsequentfesthalte. Sehr richtig sind insbesondere in den Nomenelaturischen Fragmenten die Ausein- andersetzungen: Il. „Ueber das Citiren der Autoren bei generisch neu gestellten Arten“, IV. „Ueber das Autorschema bei umge- änderten Gattungsbegriffen“* und VI. „‚Verliert ein systematischer Name seinen Rang, so verliert er zugleich sein Prioritätsrecht.“ Aber zwei andere wichtige Fragen werden in diesem Aufsatz ent- weder nicht berührt oder ihre Beantwortung in einer Weise an- gedeutet, die mit den sonstigen Ansichten und Argumenten des geschätzten Verfassers nicht zu vereinbaren ist. Die erste Frage betrifft das Prioritätsrecht des specifischen Beinamens im syste- matischen Speciesnamen, wenn der Gattungsname geändert wird; die zweite betrifit den Zeitpunkt, von welchem die Priorität der Gattungsnamen zu datiren hat.

I. Ueber das Prioritätsrecht des specifischen Beinamens.

Der Verfasser derNomenclaturischen Fragmente sagt p. 156: „Der zweite Terminus eines binären Speeiesnamens hat unbedingt Prioritätsrecht gegenüber dem einesjüngeren synonymen Species- namens.‘ Dieser Satz ist doch nicht anders zu verstehen, als dass hiebei der Gattungsname gleichgiltig ist; so ist z. B. Cepha- lanihera paliens Rich. ein jüngerer synonymer Speciesname als Serapias grandiflora Scop.; folglich der zweite Terminus grandi- flora unbedingtes Prioritätsrecht vor pallens. Ist aber dieser Ausspruch in Uebereinstimmung mit des Verfassers sonstigen Sätzen und Argumenten? Es lässt sich im Gegentheil nachwei- sen, dass er ihnen geradezu widerspricht und namentlich dem Absatz auf S. 121: „Man hört etwa die Einwendung machen“

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bis „nämlich vor den vorlinne’schen Phrasen.“ Das vollkom- men richtige Argument dieses Absatzes ist dieses, dass der spe- cifische Beiname, da zum giltigen Speciesnamen immer auch der Gattungsname gehört, für sich allein ohne Bedeutung und ohne Geltung ist, dass man sogar keinen specifischen Beinamen geben könne, ohne zuvor die Gattung zu bestimmen. Hieraus folgert der Verfasser mit Recht, dass die in eine neue Gattung versetzte Art eigentlich einen neuen Namen erhalte, zu dem auch ein neuer Autor gesetzt werden müsse, derjenige nämlich, der die UDebertragung vorgenommen hat. Man dürfe daher nicht Matthiola tristis L. sondern Maithiola tristis R. Br. schreiben. Allein aus dem Satze, dass der specifische Beinamen für sich gar nichts bedeutet, gar nicht einmal gegeben werden kann, folgt ebenso nothwendig, dass er für sich allein auch kein Prioritätsrecht bestimmen könne, dass also, wofernder mit ihm gesetzte Gattungs- name aus wissenschaftlichen Gründen aufgegeben werden muss, auch der zugehörige specifische Terminus seinen Prioritätsan- spruch verliert. Denn besässe er den Prioritätsanspruch ohne Rücksicht auf die Gattung, so könnte auch der Fali eintreten oder wenigstens fingirt werden, dass Jemand für eine neue Art nur irgend einen specifischen Beinamen gäbe, ohne sich um die Gattung zu kümmern und dass jeder nachfolgende Autor, der erst die Gattung dazu bestimmte auch verpflichtet wäre,. den specifischen Beinamen zu respectiren, eine Folgerung, deren Absurdität offenbar ist. Folglich hat in dem angeführten Beispiel in dem Artnamen Maithiola tristis R. Br. der Beiname tristis nur dadurch wieder Prioritätsrecht erlangt, dass R. Brown ihn adoptirte, nicht aber besitzt er dieses Recht kraft Linne’s Auto- rität, und eben desshalb ist auch R. Brown der Autor des gegen- _ wärtig giltigen Namens Maithiola tristis und nicht Linne. Weil also nur der ganze binäre Artname, keineswegs aber der blosse specifische Beiname Prioritätsrecht besitzt, so kann es auch nicht verwehrt sein, bei Uebertragung der Art in eine andere Gattung einen anderen specifischen Beinamen zu geben, wenn ein solcher aus später hin angegebenden Gründen wünschenswerth erscheint, und ist darum auch Niemand berechtigt, hinterher den früheren Beinamen, dessen Prioritätsrecht erloschen ist, wieder einzufüh- ren, um dann unverdienter Massen als Autor oder Mitautor zu glänzen. Eine solche Methode, die sich anlässt, als ob sie die Prioritätsregel recht strenge beobachten würde, verstösst gerade zu gegen den Geist des Gesetzes, welches sie wahren will. 4*

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Indem sie den ältesten specifischen Beinamen aufrecht hält, giebt sie bisweilen dem jüngsten Totalnamen der Art den Vorzug vor einem älteren. So z. B. ist von den drei synonymen Namen Serapias grandiflora Scop. Üephalanthera pallens Rich. Cephalenihera grandiflora Babingt. der iu neuerer Zeit beliebte dritte Name der jüngste und Babington der jüngste der drei Autoren. Das alles ist eigentlich so einfach und klar verständlich, dass man sich wundern müsste wie so das Gegentheil davon allgemeine Aufnahme findet und so lange, so fest, ja leiden- schaftlich vertheidigt werden kann. Allein die Anhänger des bedingungslosen Prioritätsrechts des blossen specifischen Beina- mens lassen sich auf prineipielle Erörterungen, die für ihre An- sicht so ungünstig sind, gar nicht ein, sondern sie berufen sich auf Gründe ganz anderer Art; nämlich einmal auf den subjecti- ven Grund der Gerechtigkeit gegen den ‚ersten Aufsteller der Species, dann auch auf Gründe der Zweckmässigkeit. Bezeich- nend ist in dieser Hinsicht Boissier’s Bemerkuug in der Vorrede zu seiner grossen Flora Orientalis: „Deux raisons m’ont conduit a ce mode de nomenclature, l’un de justice, P’autre d’utilite.‘ Untersuchen wir denn, ob das Gewicht dieser beiden Gründe gross genug ist, um ihretwegen ein klares Prineip aufzugeben. Zuerst wird also verlangt, dass der Autor, der die Art aufstellte, jedenfalls auch Autor des Namens bleiben müsse, und diess wird als ein Postulat der Gerechtigkeit hingestellt. Diese Art von Gerechtigkeit ist aber übertriebeh und widersinnig,; denn es ist ein Irrthum zu glauben, dass immer der Autor des Artbegriffs auch Autor des Artnamens sein müsse. Obzwar in der Regel beide in einer Person vereinigt sind, so kann und muss es auch Ausnahmen von der Regel geben. Eine ganz gewaltige Aus- nahme machen alle vorlinne’schen Botaniker. Unzählige Arten waren bereits vor Liune von den Patres aufgestellt, theilweise sogar besser aufgefasst und beschrieben und dennoch haben die spä- teren Linn@’schen Namen für diese. Arten Geltung erlangt. Unrichtig wäre hiebei der oft gehörte Einwand, dass erst Linnd den Speciesbegriff aufgebracht habe. Die Alten hatten gewiss auch Arten, einzelne wie z. B. der besonnene Ray meist ganz gute Arten, wenn auch in Allgemeinen ihr Artbegriff dem Linne- schen an Strenge der Auffassung nachstand. Haben doch viele Neuere, die gewiss die Priorität beanspruchen, ebenfalls einen Artbegriff, gegen den Linue entschieden protestiren würde, Ebensowenig fehlten den Alten die binären Namen gänzlich: wir

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finden besonders bei C. Bauhin sehr viele auch heutzutage an- nehmbare binäreNamen, die denn auch Linne zum Theil einfach aufnahm. Es fehlte aber ein allgemeines Prineip der Namen- gebung überhaupt, und diess ist der einzige Grund, wesshalb man sich im Interesse der Wissenschaft geeinigt hat, von den vorlinne’schen Autoren insgesammt abzusehen und ihre Namen als antiquirt zu betrachten. Es ist daher nothwendig, zwischen Antiquität und Priorität zu unterscheiden, indem erstere keinen Rechtsanspruch begründet wie die letztere. So hat z.B. Myrrkis palustris Rivin, ein Name, der ganz gut brauchbar wäre, bloss die Antiquität für sich, während das jüngere Chaerophyllum hirsutum L. die Priorität besitzt. Ein anderer, ebenso triftiger Grund zur Ausnahme von der Regel, dass der Autor der Art auch .Autor des Namens sei, ist aber auch dann vorhanden, wenn der ursprüngliche nachlinn@’sche Artname wegen eines unrichti- gen oder doch minder richtigen Gattungsnamens nicht beibehal- ten werden kann. Auch hier steht das Interesse der Wissen- schaft an einer richtigen Nomenelatur über der Rücksicht auf den Autor des Artbegriffs. Der Name Serapias grandiflora Scop. ist ebenso antiquirt wie Myrrhis palustris Rivin, und aus der- selben Analogie liegt ebensowenig die Berechtigung vor, den nomenclatorisch richtigen Namen Cephalanthera pallens in Cepha- lanthera grandiflora umzuändern, als man berechtigt wäre, dem Namen Chaerophyllum palustre Lamb. den Vorzug zu geben.

Wenn es aber Niemanden einfällt, über die Ungerechtigkeit zu klagen, dass die zahlreichen vorlinne’schen Aufsteller von Arten auch wenn sie brauchbare specifische Beinamen gegeben batten, doch nicht als Autoren der giltigen Artnamen gelten, 80 sollte doch auch Niemand ein Unrecht darin sehen, wenn ein nachlinne’scher Autor, der eine Art aufgestellt, ihr aber einen nicht mehr annehmbaren Namen gegeben, der Antorschaft des Namens verlustigt wird. Denn die beste Rechtsregel ist die in dem Sprichwort enthaltene: Was dem Einen reeht ist, ist dem Andern billig. Der einzige Anspruch, den ein solcher Autor gerechter Weise machen kann, ist, dass er als Autor der Art anerkannt werde, d. h. dass seine Benennung unter den Syno- nymen obenan stehe, womit er noch immer im Vortheil ist gegen einen vorlinne’schen Autor, den die heutige Synonymik meist gar nicht beachtet.

Es bleiben noch die Zweckmässigkeits- und Nützlichkeits- “gründe zu besprechen, welche für die Geltung des blossen spe-

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cifischen Beinamens angeführt werden können. Diese Gründe hat am erschöpfendsten Ascherson in seinem Referat über den Pariser botanischen Congress (Botan. Zeitg. 1868) behandelt. Als Vortbeile dieser Methode werden dort aufgezählt, dass man aus einem derart geschriebenen Namen sofort das ungefähre Alter der Art und häufig auch ihr Vaterland erkennt, dass der ursprüng- liche Autornamen der Art entweder zur Empfehlung oder auch als Warnungstafel dient, dass ferner bei Uebertragungen in eine andere Gattung der Zusammenhang und die Uebersichtlichkeit der Nomenclatur bewahrt und dem Gedächtnisse zu Hilfe gekom- men werde. Als Beispiel des letzteren Vortheils führt Ascherson Tetragonolobus siliquosus (L.) an: wenn wir wissen, dass Linne einen Loius siliquosus hat, so würden wir sofort wissen oder vermuthen, dass unter jenem Tetragonolobus diese Linne’sche Art gemeint sei.

(Fortsetzung folgt.)

Addenda nova ad Lichenographiam europaecam. Continuatio nova deeima. Exponit W. Nylander.

1. Ephebeia cantabrica Nyl.

Subsimilis Ephebae pubescenti, sed apotheeiis extus subglo- boso-tuberculosis, solitariis; sporae ellipsoideae vel oblongo- ellipsoideae, longit. 0,011—16 millim., erassit. 0,0045—0,0065 millim. Jodo gelatina hymenialis vinose subrubescens (thecae praesertim tiuetae).

Snpra saxa arenaria humidamontis la Ruhne prope St. Jean de Luz in Pyrenaeis occidentalibns (J. Richard).

Species monoica, affınis Ephebeiae solidae (Born.) et forsan specie differens, praesertim ob sporas majores, Genus Ephebeia distinguitur ab Ziphebe: apotheciis paraphysibus determinatis et anapbysibus conspieuis, sporis omnino simplieibus. Ephebeiae pertinet quoque E. spinulosa Th. Fr. Forsan trachytera Nyl. in Norrl. Lapp. p. 314 ejusdem sit varietas thallo solum latere supero spinuloso, inde ramulis spinulosis erebris secundis; sed haec nondum rite cognita. Spermogenia omnibus disereta et similia extus (receptaculo) apotheciis. Physiologieo autem respecetu maxime peculiare illud obvenit, quod anaphyses apothe- ciorum efhciuntur quasi sterigmatibus magis evolutis quam sterig- mata spermogoniorum verorum. Ita observatio ea credere fere suadet,

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apotheeia primitus fuisse spermogonia, quae non evolutione nisi ulteriore apotheeia evaderent, Antea indicavi (Coenogon. pP. 93, fig. 13), paraphyses Lichenum in apothecio juvenili oceurrere sterigmatiformes; hoc quidem frequenter observatur. Spermatia fere similia in omnibus speciebus.

2. Ephebe lapponica Nyl.

Forsitan varietas Ephebes pubescentis, at differt filamentis thallinis nonnihil crassioribus, monoieis, spermogoniis et apothe- eiis aut simplieibus aut aggregatis, sporis (fusiformibus) subtri- septatis (longit. 0,014—18 millim., crassit. circiter 0,004 millim.).

Mixta erescens cum Phyllisco endocarpoide‘) in Lapponiae rupibus humidis (Norrlin).

3. Collemopsis caesia Nyl.

Accedit ad Collemopsem ripariam (Arn.), sed thallus caesius, apothecia rufescentia et sporae nonnihil aliae (longit. 0,015—19 millim., erassit. 0,007—8 millim.) Jodo gelatina hymenialis dilute coerulescens, dein thecae fuvescentes.

Supra saxa calcarea aprica prope Epernay in Gallia (Brisson)

4. Pterygium posterulum Ny).

Thallus olivaceo-nigricans fibrilloso-divisus, fibrillis teretius- eulis varie divisis (erassit. 0,05—0,09 millim.), ambitu subradian- tibus, raro centrifugus, saepius subdiffusus.

Supra saxa calcarea prope Petrila in Transsylvania (Lojka).

Speeies bene distinceta et a congeneribus mox distans thallo infra non coerulescente; forsan tamen potius bujus generis quam Leptogidium, quod genus etiam in Europa haud deest. Apothe- ciis vero ignotis genus manet aliquantulum incertum,

5. Calicium polyporaeum Nyl. Subsimile Calicio parietino, sed sporis oblongis, longit. 0,010— 15 millim., erassit. 0,003—4 millim. Supra Polyporum zonatum vetustum in Hungaria (Lojka). Sporae magis cylindraceo-oblongae quam in (. parielino, quo caractere constante C. polyporaeum sit distinguendum.

1)In Th. Fr. Arct. legitur: „hane stirpem pertinere ad esp&ces &minem- ment hygrophiles nova mihi fuit res. Permultis enim loeis eam legens vulgo in rupibus siceis, saepe in aridissimis inveni.* Seriptor alte inspieiens non animadvertit, ess rupes exsiccatas „vulgo“ inundatas vel nuper irriguas fuisse,

6. Alectoria nidulifera Norrl.

Thallus olivaceo-spadiceus ereetus minusculus (1—2-pollica- ris, erassitie basi cireiter 0,5 millim.), patenti-ramosus, sat den- se arbusculiformis, ramis subflexuosis, passim sorediosus, sorediis albidis non prominulis, saepius propagula ereetula emittentibus indeque spinulosis.

Supra truncos pini in Finlandia media frequens (Norrlin).

Cl. Norrlin in litt. monuit, eam interdum altitudinem usque 4- pollicarem attingere et faciem constantem exhibere. Facile spe- cies distincta. Vulgo sterilis, tamen etiam fertilis lecta (a Lang in Korpilahti), apotheeiis, quantum vidi, quoque sporis, sicut in A. jubata (proliza) Ach. RBRespectu physiologieo notanda sunt soredia propagulifera, thallos juveniles spinuliformes (tamquam isidium spinulosum) proferentia; unde demonstratio optima quo- modo thalli novelli e sorediis oriuntur.

7. Parmelia isidiotylaNyl.

Forsan varietas vel subspecies P. prolixae, notanda thalli isidio verrucifornii olivaceo-einerascente, saepe conferto, demum crasso et supraalbido-sorediatulo.

In Finlandia saxicola (Norrlin et Lang).

Notetur hie quoque P. prolixa var. exasperans, cui thallus pro maxima parte verrucoso-exasperatus, protuberantiis convexis (demum hemisphaericis) et saepe confertis (latioribus quam in P. exasperata); spermatia eibifusiformia, longit. 0,0005—7 millim., crassit. haud 0,001 millim. Saxicola in insula Hogland (Brenner), P. isidiotyla * isidiascens est analoga;P.Delisei, in Anglia (Crombie).

8. Lecanora deflectens Nyl.

Affinis L. badiellae et fortasse ejus subspecies, differens apotheciis faciei lecideinae (margine tballino vix ullo) et thallo subdissoluto.

In Finlandia, Hollola, saxicola (Lang).

» 9. Lecanora elancularia Nyl.

Thallus flavido-albidus tenuis inaequalis diffracto-rimosus; apothecia fusca minuta impresso-innata (latit. circiter 0,2 millim.), thelotremoidea (margine thallino non prominulo); sporae 8 nae ellipsoideae, longit. 0,021—28 millim., erassit. 0,010—15 millim., paraphyses gracilescentes liberae. Jodo gelatina hymenialis vinose fulvescens, praecedente coerulescentia.

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Saxis siliceis umbrosis adnata prope La Mothe St. Heray in Gallia occidentali (J. Richard).

Species facie thelotremoidea mox distineta. Loci incerti ob spermogonia non visa; forsitan in stirpe Lecanorae cinereae disponenda.

10. Lecanora subalbens Nyl.

Thallus albidus inaequalis vel subverrucosus, firmiusculus (erassit. cireiter 0,3 millim.), diffraetus; apothecia badio-fusce- scentia (subsuffusa), integre thallino-marginata (margine saepius depresso), planiuscula vel convexiuscula (latit. 0,5—0,7 millim.); sporae Snae ellipsoideae vel oblongae, 1-septatae, longit. 0,009— 16 millim., crassit. 0,0035—0,0045 millim., paraphyses medioeres (apieibus inerassatis subviolaceo-fascescentibus). Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein vinose rubescens.

Supra saxa calcareo-schistosa infra alpem Retyezät in Trans- sylvania (Lojka).

Forsan subspecies L. erysibes, thallo autem ita diverso, ut facile pro sSpecie propria sumatur. Etiam thallo differt a L. albariella praeter alias notas diversas.

1l. Leeidea subornata Nyl.

Thallus albidus areolato-diffractus, sattenuis; apothecia fusca vel pallido-fusca, opaca, subverrucoso-rugulosa, convexa, immar- ginata (latit. 0,5—0,9 millim.), intus pallida vel obscuriora; the- cae polysporae, sporae (forsan circiter 100 in quavis theca) globulosae, diam. circiter 0,003 millim., paraphyses mediocres, hypotbeeium ineolor vel leviter rufescenti-obseuratum. Jodo gela- tina bymenialis coerulescens, dein thecae vinose fulvescentes.

Supra saxa gneissacea montis Reiyezät in Transsylvania (Lojka).

Species nulli cognitae affinis, sed facie accedit ad Lecideam coarctatam (ornatam) quacum etiam reactione thalli (CaCl +) convenit. Endococeus calcaricola (Mudd) frequens in ejus thallo parasita.

12. Lecidea torvula Nyl.

Thallus obscure olivaceo-fuscus, subfurfuraceo-opacus, laxe affıxus (crassit. fere 1 millim.), glebulose diffractus; apothecia nigra npaca rugulosa convexa (latit. eirciter 0,5 millim.), 3—6 vulgo agglomerata, intus obscura; thecae polysporae, sporis cen-

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tenis aut bicentenis globulosis, diam. 0,003—4 millim., epithe- eium fuscum, thalamium et hypotheeium lutescentia (K flavo-disso- luta). Jodo gelatina hymenialis intensive coerulescens.

In Finlandia, Luhanko, supra saxa granitica (B. Lang), socia Lecideae eupetrasae.

Affinis videtur L. ochrophorae, sed omnino alia. Paraphyses graciles parcae vel parum distinctae.

13. Lecidea epixzanthkoidisza Nyl. Forsan varietas Lecideae vernalis, sed thallo flavido leproso vel subleproso et sporsis tenuioribus (longit. 0,009—0,016 millim., erassit. eireiter 0,004 millim.). Supra truncum putridum in Finlandia (E. Lang). Satis similis Lecideae epixanthoidi, sed sporae simplices.

14. Lecidea poliodes Nyl.

Thallus einereo-griseus vel griseo-virescens, tenuis vel tenu- issimus, rugulosus, opacus, demum rimosus; apotheeia cinerascenti- pallida convexa immarginata (latit. 0,5 millim.), intus hypothecio obseuro; sporae &nae ellipsoideae simplices, longit. 0,007—9 millim., crassit. 0,0025—0,0045 millim., epitheeium incolor, para- physes non discretae hypotheeium rufescenti-obseuratum. Jodo gelatina hymenialis vinose fulvo-rubescens (praecedente saepius glaucescentia vel coerulescentia obsoleta).

Supra saxa micaceo-schistosa in Finlandia, Evo (Norrlin), socia Lecideae sylwicolae Krb.

Affinis L. apochroeellae at forsan speeie distinguenda. Sper- mogonia pallida, spermatia recta (longit. 0,005—6 millim., erassit. 0,001 millim.),

15. Lecidea subglomerella Nyl.

Thallus albido-cinerascens tenuissimus inaequalis vel evane- scens; apothecia nigra parva (latit. 0,2—0,3 millim.), convexa, vulgo plura connato-aggregata (ita latit. 0,5—0,8 millim.), intus albida; sporae 8nae fusiformi-ellipsoideae simplices, longit. 0,006— 9 millim., erassit. 0,0030—0,0035 millim., paraphyses non bene distinctae, epitheecium vage nigro-coerulescens, hypotbecium inco- lor. Jodo gelatina hymenialis bene coerulescens.

Supra lignum vetustum loco humido in Finlandia (Norrlin).

Species faeie et sectione apotheeii fere ut in L. globulosa mox autem distineta jam sporis aliis (ellipsoideis vel fusiformi- ellipsoideis simplicibus). Spermatia recta.

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16. Lecidea hemipoliella Nyl. Forsitan subspecies L. denigratae, thallo vix ullo visibili, apotheciis parvis lividis vel pro parte pallidis. Supra corticem alni in Finlandia (Norrlin et Lang). Sporae vulgo uni-septatae, longit. 0,008—0,011 millim., eras- sit. 0,003 millim. Epitheeium K leviter violaceo-dissolutum.

17. Lecidea lazula Nyl.

Sat similis Z. bofryizae, sed thallo (pallido) subfurfuraceo. Forsan solum ejus subspeeies.

Supra saxa Micaceo-schistosa in Finlandia (Lang).

Thallus et apotheeia satis laxe affıxa. Tballus subochraceo- pallidus. Sporae longit. 0,007—0,010 millim., crassit. 0,0025— 0,0035 millim. (ut in Z. botryiza, aeque atque quoad ceteras apothecii partes vixdifferentia adest). Spermatia oblongo-cylindrica.

18. Lecidea perobscurans Nyl.

Thallus fuseus tenuis subfurfuraceus vel saepe lutescenti- sorediellus, hypothallo nigro maculiformi instratus; apotheeia livido-nigrieantia convexa immarginata (latit. 0,5—0,8 millim.), intus cinerascenti-incoloria; sporae 8Snae ellipsoideae simplices, longit. 0,010—15 millim., crassit. 0,005—6 millim., epithecium subineolor, paraphyses tenues non bene discretae, hypothecium incolor. Jodo gelatina hymenialis coerulescens (thecae praeser- tim tinctae et dein violacee coloratae).

Supra corticem betulae in Finlandia (Lang).

E stirpe videtur Leeideae turgidulae. Comparetur L. perob- scura Nyl. in Flora 1874, p. 9.

19. Leridea fraterculans Nyl.

Thallus albidus tenuiter granulosus, subdispersus vel disper- sus, intus laete viridis (favo-viridis); apotheeia nigra parvula (latit. 0,25 millim.), eonvexula, immarginata, intus albida; sporae 8nae incolores, oblongae vel cylindraceo-oblongae, 3-septatae, longit. 0,016—21 millim., erassit. 0,0045 millim. epithecium coe- rulescens, paraphyses non bene discretae, hypothecium incolor. Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein violacee vinose rubescens.

Immixta cum Sirosiphone saxicola super saxa granitica in Finlandia (Lang).

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Species minnta distineta, sed loci incerti ob spermogonia ignota; forsitan inter species Lecideae premneae disponenda, at thalamium recedens.. Thallus macer gonidiis copiosis (diam. 0,004—7 millim.).

20. Lecidea chalybeioides Nyl.

Thallus glauco-coerulescens vel glaueo-albidus, deplanatus, tenuis, areolato-diffraetus: apothecia nigra subinnata plana (latit. 0,3—0,4 millim.), obsolete marginata, intus concoloria; sporae Snae ellipsoideae simplices, longit. 0,0068 millim., crassit. 0,0035—0,0045 millim., paraphyses erassiusculae apice incrassato coerulescente (etiam totum fere thalamium subceoerulescens), hypothecium nigrum supra rufo-fuscescens. Jodo gelatina hyme- nialis intensive coerulescens (coerulescentia praesertim thecarum persistente).

Supra saxa quartzosa in Finlandia (Lang).

Species lamina tenui apotheeii feresieut in L. chalybeia, sed epithecio coerulescente et sporis simplieibus. Fortasse in stirpe L. dispansae est aceipienda. Conferatur 2. lobulata Hepp, quae thallo alio et apotheciis convexis distat.

21. Lecidea eupetraeoides Nyl.

Similis fere L. eupetraeae(et reactione thallisimili K e flavo ferrugineo-rubente), sed apotheciis fere sieut in L. colludente. Sporae incolores 1-septatae, longit. 0,017—21 millim., erassit. 0,006—8 millim.

Supra saxa granitica riparia in Finlandia, Luhanko (Lang).

Thallus albidus subgranulato-areolatus. Apotheecia latit. eir- eiter 1 millim., plana, marginata, saepe subangulosa.

22. Lecidea subocellata Nyl.

Subsimilis Z. orellatae Fik., sed thallo K + (e flavo ferrugi- nascente) et J #

Supra saxa micaceo-schistosa infra alpem Retyezät (Lojka no. 2328).

Affinitas prope L. uberiorem (Anzi). Hypothecium incolor. Gelatina hymenialis intensive coeruleseens, dein vinose rube- scens vel vinose fulvescens. Sporae longit. 0,010—16 millm., crassit. 0,006--8 millim. Variat thallus supra fuliginose obscurata.

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23. Lecidea leptogicaNyl.

Apothecia nigricantia minuta (latit. circiter 0,3 millim.), pla- niuscula, subimmarginata (vel margine obiuso); sporae &nae ellipsoideae simpliees vel (spurie) uni-septatae, longit. 0,009— 0,012 millim., crassit. 0,0045— 0,0055 millim., paraphyses graci- les, epithecium et perithecium fuscescentia, hypothecium incolor. Jodo gelatina hymenialis non tincta, thecae vinose fulvessentes,

Supra Leptogium muscicolam') vetustum urbis Bressuire in Gallia oceidentali (J. Richard).

24. Xylographa laricicola Nyl.

Thallus vix ullus visibilis; apotheeia nigra opaca superfieialia oblonga sparsa (longit. 0,4—0, 8 millim.), demum explanatula (margine evanescente), intus albida; sporae 8nae ellipsoideae simplices, longit. 0,012—15 millim., crassit. 0,007—8 millim., epithecium fuscum. Jodo gelatina hyınenialis vinose fulvescens,

Supra eorticemlarieis(prope basin truncorum) in Scotia prope Ben Lawers (Crombie).

Species omnino distineta a ceteris. Paraphyses nullae vel membranaceae, non normales.

25. Verrucaria rivulicola Nyl.

Thallus albidus subpulverulentus indeterminatus; apothecia fusconigra hemisphaerico-prominula (latit. 0,25 millim.), peritheeio fuseo-rufescente dimidiato; sporae 8nae oblongae, tenuiter 1-sep- tatae, longit. 0,023—28 millim., crassit. 0,007—0,010 millim. paraphyses nullae. Jodo gelatina hymenialis non tincta (proto- plasma tbecarum vinose fulvescens).

Supra lapides cretaceos (saepius submersos) rivuli prope Lenharre in regione Catalaunensi (Marne) legit Brisson.

Species notis datis optime distineta, nulli affınis. Proxima forte Verrucariae saxicolae (Mass.).

1) Gonidiis et gonimiis cardinem sistentibus Schwendenerismi aegre patet, quomodo e tali hypothesi explicaretur vitae ratio Lichenum parasitorum, qui solis apotheeiis eontinentur, et quarumspecierum parasitarıum nonnullae etiam vix nisi in apotheciis vivunt Lichenum aliorum superiorum magisque evolu- torum. Undecunque inspieitur haee nimis famosa hypothecis vitia inexperi- entiae ostendit, nec eam aligquantisper complecti potuerunt nisi quidam rerum huec pertinentium inscii et perfacile deerrantes.

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26. Verrucaria fluetigena Njyl.

Thallus fuseus subopaeus sat tenuis, continuus aut passim rimosus; apothecia parum prominula, perithecio dimidiatim nigro depressiusculo (latit. eireiter 0,2 millim,); sporae 8nae oviformes 1-septatae, longit. 0,013—15 millim., erassit. 0,006—7 millim., paraphyses medioeres irregulares (non eonferfae). Jodo gelatina hymenialis non tincta.

Prope Marennes in Gallia oceidentali supra scopulos calcareos marinos ab aestibus submersos (J. Richard). Etiam in Anglia (Crombie).

Species sporis minoribus et paraphysibus distincta a V. con- sequente, cujus tamen esse possit subspecies.

27. Verrucaria mediana Nyl.

Quasi intermedia inter V. elopimam et V. umbrinam, thallo umbrino-fuseo tenui, rimoso vel areolato-rimoso, laevi, perithe- cio dimidiatim magis nigricante quam in V. clopima.

Supra saxa micaceo-schistosa infra alpem Retyezät (Lojka no. 2331).

Forsan omnes hae tres Verrucariae ad unam speciem per- tinent.

28. Verrucaria trabalis Nyl.

Forsan V. muralis lignicola, sed thallus castaneo-fuscescens (tenuis inaequalis rimosus). Sporae longit. 0,016—22 millim., crassit. 0,009—0,010 millim.

Supra trabes inundatas molendinae in Finlandia (Lang).

29, Verrucaria submuralis Nyl. Est quasi V. muralis perithecio integre nigro. Sporae lon- git. 0,019—23 millim., erassit. 0,009—-0,011 millim. Supra ossa vetusta in Transsylvania (Lojka). Etiam caleicola.

30. Verrucaria psilotera Nyl.

Subsimilis P. oxwysporae, sed sporae aciculares longiores (longit. 0,030—40 millim., crassit. 0,0015—0,0020 millim., 3-sep- tatae).

Supra corticem salieis in Nordlandia (Zetterstedt). In Fin- Jandia super corticem Daphnes (Lang).

Sporae breviores quam in V. Quercus (Beltr.).

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Lecanora coralliza Nyl. saltem subspeciem sistere videtur L, vitellinae,') a qua differt thallo (saepe crasso, crassitie 1—2 millim., et tum albido, excepta parte supera vitellina) coralloideo- subfibrilloso vel granuloso-coralloideo, apotheciis demum convexis (margine thallino tum excluso). In Finlandia saxicola (Norrlin et Lang).

Lecanora confragosa * exteriorNyl. apotheeiis nigris, demum sublecideinis, margine thallino saepe erenato. InFinlandia super saxa (Lang).

Lecanora trabigena forsan ut subspecies differta L. polytropa tballo parum evoluto aut evanescente, sporis longit. 0,009— 0,014 millim,, crassit. 0,005—7 millim. In L. polytropaligvicola, data in Arn. Exs. 537 sporae breviores (turgidiores), longit. 0,009—0,011 millim., ‚erassit. 0,006—7 millim.

Lecanora anoptoides Nyl. in coll Lojka no. 2481 comparari potest cum L. paropioide, sed jam differt paraphysibus distinctis, clava nigrescente et sporis minoribus. Late est distributa. Spermatia subcurvula, longit. 0,005 millim., crassit. non 0,001 millim.

Lecanora anopla jungenda sit cum L. paroptoide, nam etiam immixta vidi spermogomia spermatiis ut in L. anopla. Thalli diversi saepe in lignis commixti observantur.

Lecanora subrugosa Nyl, differt a L. chlarona margine thal- lino apotheciorum determinate crenato et aliis notis. Differt a L. chlarotera apotleciis minus confertis et gelatina hymeniali jodo vinose fulvescente. In Finlandia corticola (Norrlin et Lang).

Lecanora cembricola Nyl. Datur in Arn. Exs.?) no. 587. Differt a Z. mughicola jam sporis longioribus (longit. 0,012—18 millim,, crassit. 0,004—6 millim.) et spermatiis brevioribus (lon- git. 0,009—0,010 millim,, erassit. 0,0007 millim.).

Parmelia glabrans Nyl. Subsimilis P. glabrae, sed sporis mino- ribus (longit. 0,007—0,011 millim., crassit. 0,005—6 millim.) et spermatiis bifusiformibus (longit. 0,005—6 millim.). Supra saxa arenaria in Algeria (Paris) et forsan quogue in Europa obvia. Medulla Ca Ci +.

1) Antea indicavi, Lecanoram candelariam Ach. ad eandem stirpem pertinere. Inexperientia solita adhuc in Th. Fr. Scandin. p. 145 et 167 ambabus „sterigmata multi-artieulata“ attribuuntur, qualia minime sunt.

2) Nomine erroneo „Alecetoria sarmentosa“ datur in Arn. exs. no. 57% a, b, c, Rumalina thrausta Ach. facile dignots ab omni d/ecloria.

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Anzeigen

In J. U. Kern’s Verlag (Max Müller) in Breslau ist soeben erschienen:

&

Zur Abwehr der Schwendener-Bornet’schen Flechtentheorie.

Von Dr 6. W. Koerber, - Prof. extr. an der königl. Univers. Breslau.

Preis 7'/, Tbl.

\

Soeben erschien:

Der Bauerntaback eine Pflanze deralten Welt,

Von L. Becker. Selbstverlag, Breslau Neueweitg. 2 franco 1’/, Mark.

Einläufe zur Bibliothek und zum Herbar.

1. Koerber, zur Abwehr der Schwendener-Bornet’schen Flechtentheorie. Breslau, Kern, 1874.

2.. La Belgique horticole r&digee par E. Morren. Liege 1874.

3. Nova Acta reg. soe, seient. Upsaliensis Ser. 3. Vol. 9. fasc. 1. 1874.

4. Tijdschrift ter bevordering van Nijverheid, 3 de Reeks, DI. XV, Stuk 5. 6. Haarlem 1874.

5. Sällskapets Pro Tauna & Flora Fennica Notiser, Ny Serie, 10 Haeftet.

Helsingfors 1871—74,

Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer’schen Buchdruckerei (F. Huber) in Regensburg.

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58, Jahrgang.

N: 2. Regensburg, 11. Januar 1875. Inhalt, Dr.A. v. Krempelhuber: Rev. J. M. Crombie „On theLichen- Gonidia Question,‘ in Popular Seience Review, Juli 1874. Dr. Lad. Celakovsky: Zwei Fragen der botanischen Nomenelatur. (Fortsetz. und Schluss.) S. Kurz: Beschreibung von 4 neuen indischen Euphorbiaceen. Beilage Taiel I.

Rev. J. M. Crombie „On the Lichen-Gopidia Question,“ in Popular Science Review, Jwi 1874.

Mitgetheilt von Dr. A. v: Krempelhuber. (Mit Tafel L)

Die bekannte Hypothese des Herrn Professor Dr. Schwendener zu Basel in Betreff der Flechten-Gonidien hat in neuester Zeit in der botanischen Welt grosses Aufsehen erregt und zur Ver- öffentlichung einer ziemlichen Anzahl von in mehreren Spra- chen abgefassten Abhandlungen, in welchen die betr. Verfasser sich bald für, bald gegen diese Hypothese ausgesprochen haben, Veranlassung gegeben.

Der Autor oben angezeigter Abhandlung, Herr Rever. J. M Crombie, als tüchtiger Lichenolog genügend bekannt, hat es nun unternommen, in dieser Abhandlung die bisher von den Anhän- gern und Gegnern dieser Streitfrage vorgebrachten Ansichten und Meinungen, sowie die Resultate der diessfalls angestellten spe- ziellen Untersuchungen, überhaupt den gegenwärtigen Stand der Streitfrage zusammenhängend und übersichtlich darzustellen und

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neue Beiträge zu deren Lösung beizubringen. Der interessante Inhalt dieser Abhandlung dürfte ganz geeignet sein, auch in Deutschland zur allgemeinen Kenntniss des botanischen Publikums gebracht zu werden; da aber das englische Journal, in welchem die Original-Abhandiung erschienen, soviel mir bekannt, in Deutschland uur wenig verbreitet ist und wie ich weiss, auch nur wenige Separat-Abdrücke davon nach Deutschland gelangt sind, hielt ich es für zweckmässig, eine möglichst genaue deut- sche Uebersetzung derselben zu veranstalten und auf den nach- stehenden Blättern zu veröffentlichen.

Zur Flechten -Gonidien-Frage.

Seitdem die Lichenen entschieden getrennt wurden von den Moosen, Algen und Pilzen, unter welche sie von früheren Schrift- stellern obne Unterschied gesetzt worden waren, wurden sie bis auf die neueste Zeit als eine besondere Classe von Pflanzen be- trachtet. Nicht blos die Lichenologen sondern die Cryptogamis- ten im Allgemeinen haben sie in allen modernen Systemen als berechtigt gehalten zu einer ebenso entschiedenen Stellung im Rei- che der Pfianzen, als die Algen und Pilze. Sie galten allgemein als die vermittelnden Glieder zwischen diesen beiden Olassen, obwohl ihre Verwandtschaft mit der einen oder anderen in den meisten der aufgestellten Olassifikationen ihrer Familien und Tribus nicht genügend festgestellt ist. Nach Nylanders Classi- fieation jedoch, die wenigstens in ihren Grundzügen die natür- lichste und desshalb auch wissenschaftlichste aller bis jetzt pro- ponirten Systeme ist, sind die Lichenen auf der einen Seite durch die niedrigeren Gattungen der Collemacei mit den Algen und auf der* anderen Seite durch die niederen Gattungen der Pyrenocarpei mit den Pilzen verwandt. Doch ist /es immer schwierig gewesen, die Grenzlinien zwischen diesen drei Classen ganz bestimmt zu ziehen, obwohl in den letzteren Jahren mit Einwilligung der Algologen sowohl wie der Mycologen das Gebiet der Lichenen allmälig auf Kosten ihrer Nachbarn erweitert wurde. So machte das Gebiet der Flechten von den Algen und Pilzen verschiedene wichtige Acquisitionen, die mit Recht ganz allein zu ihm gehören, obwohl ihre Berechtigung dazu durch so winzige und dunkle Merkmale ausgedrücktist, dass es mikroskopi- scher Hilfe und scharfer Forschung bedurfte, um sie zu deuten.

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Das Resultat davon war aber, dass die Lichenologen vermutheten guten Grund zu dem Glauben zu haben, ihre so geliebte, wenn auch in mancher Beziehung schwierige Wissenschaft sei nun aui dem besten Wege, bezüglich der beiden benachbarten Oryp- togamenklassen ihre ganz bestimmten Grenzen zu finden. Ganz kürzlich wurde jedoch eine Theorie aufgestellt, die, im Falle sie angenommen wird, die Lichenen auf wirksame Weise der Stell- ung berauben würde, die ihnen bis jetzt im Pflanzenreiche ange- wiesen war. Denn obwohl dann der Name noch beibehalten wer- den mag um der Bequemlichkeit und alter Verbindungen willen, so würde er doch nicht länger dazu dienen, unserem Geiste eine besondere Classe von Pflanzen vorzuführen, sondern uns nur an die Entsetzung der Lichenen von einer eben so hohen und anscheinend festeren Stellung erinnern, als die der Algen oder der Pilze ist. „Lichenes fuerunt; algofungi modo sunt.“* Die eben erwähnte undnun als „Schwendenerische Hypothese“ sehr bekannte Theorie wurde auf dem Continent von verschie- denen Cryptogamisten günstig aufgenommen, und bat den Anlass zu bedeutenden Discussionen gegeben. Doch hat kein Licheno- loge bis jetzt diese Theorie irgendwie unterstützt, noch hat es den Anschein, als ob diess je geschehen würde. Sie kann kurz und bündig dargestellt werden, wie folgt: Die Flechten sind keine unabhängigen Pflanzen, sondern bestehen aus einer Alge und einem parasitischen Pilz. Diese merkwürdige Hypothese, die, wenn begründet, alle früheren Begriffe von der Natur der Lichenen gänzlich umstürzen würde, wurde zuerst von Prof. Schwendener am Schlusse einer Abhandinng, betitelt „Unter- suchungen über den Flechtenthallus,“ im Jahre 1868 publizirt. Nach der hier aufgestellten Ansicht würde jede einzelne Flechte als ein Algentypus zu betrachten sein, welcher der Wirth eines parasitischen Pilzes geworden ist, woraus folgt, dass diese Algen unter dem Namen Gonidien bisher von den Cryptogamisten irr- thümlicher Weise als specielle Flechten-Organe betrachtet wor- den waren. In einer späteren Abhandlung, publicirt im Jahre 1869, „die Algentypen der Lichenen-Gonidien“ spricht Schwen- dener seine Ansichten in noch eingehenderer Weise aus, und bemüht sich, seine Theorie durch verschiedene auf persönliche Beobachtung gegründete Argumente zuerweitern und zu befestigen. Um seine Theorie verständlicher zu machen, und Jen Weg zu bahnen für eingehendere Details, wird es am besten sein, die all- gemeine Schlussfolgerung zu der er gelangte, in seiner eigenen 23%

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und in dieser Beziehung etwas pittoresken Sprache anzuführen: „Als das Resultat meiner Forschungen “sagt er,, sind alle diese Gewächse keine einfachen Pllanzen, keine Einzelwesen in dem gewöhnlichen Sinn des Wortes; sie bilden vielmehr Colonien aus Hunderten und Tausenden von Einzelwesen, von welchen jedoch nur Eines als Gebieter auftritt, während dieanderen in beständiger Knechtschaft Nahrung für sich und ihren Gebieter herbeischaffen; dieser Gebieter ist ein Pilz aus der Ordnung der Ascomyeceten, ein Parasit, der gewöhnt ist, von der Arbeit der Andern zu leben; seine Sklaven sind grüne Algen, die er aussaugt, oder in seine Macht bekommen und in seine Dienste ge- zwungen bat. Er umschlingt sie, wie eine Spinne ihre Beute, mit einem faserigen Netz aus engen Maschen, das sich all- mälig in eine undurchdringliche Decke verwandelt. Während jedoch die Spinne ihre Beute aussaugt, und dann todt liegen lässt,, spornt der Pilz die in seinen: Netze gefangenen Algen zu rascherer Thätigkeit, ja zu kräftigerem Wachsthum an.“

Nun scheint diese Hypothese Schwendener aus zwei ver- schiedenen Ursachen eingegeben worden zu sein. Die eine der- selben war eine (gewiss nicht ernstlich gemeinte) Bemerkung Nylanders in „Lapp. Or“ p. 117, dahin lautend, dass, wenn die Gonimia in den verschiedenen Cephalodien der Flechten parasi- tische Algen wären, so würde man alle Lichenen-Gonidien als solche Parasiten betrachten müssen, indem sie vom anatomischen Gesichtspunkte aus alle mit einander übereinstimmen. Die andere unmittelbare Ursache war eine durch Prof. De Baıy in Hoffmeist. Handb. der Phys. Bot., ü. p. 291, gestellte ernstlichere Alternative, worin er bei Besprechung einiger Gattungen der Collemacei sagt: „Diese sind entweder Pflanzen in vollkommen entwiekeltem Zustande, deren unvollkommene Formen bis jetzt unter den Algen als Nostocaceae und Chroocoecaceae gestanden waren; oder diese letzteren sind typische Algen, welche die Form des Collema, Ephebe etc, dadurch annehmen, dass gewisse parasitische Ascomyceten in dieselben eindringen, ihr Mycelium in dem fortwährend wachsenden Thallus verbreiten und häufig an ihre, Pbycocrom enthaltende Zellen befestigt sind.“ Indem nun Schwendener die in solcher Weise aufgestellte Alternative als Ausgangspunkt annahm machte er, mit den Collemaceen beginnend, verschiedene Beobachtungen und Experimente, die später auch auf andere Tribus und Genera ausgedehnt wurden, und deren Resultate ihn zu der Folgerung führten, dass die Lichenen aus

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den zwei schon erwähnten ursprünglich besonderen Elementen bestelien dass die Liehenen-Gonidien Algen sind, und dass der Flechten-Thallus ein parasitischer Pilz ist. Diese Aufstellung bemüht er sich durch folgende Erwägungen zu unterstützen: 1) dass bis jetzt die genetische Verwandtschaft der Gonidien zu den Hyphen (das ist das farblose, faserige Gewebe, welches in Verbindung mit dem farbigen zelligen Theil oder den Gonidien den Flechten-Thallus bildet) noch in keinem Falle deutlich be- wiesen, sondern nur aus anatomischen Gründen angenommen worden ist; 2) dass die Membranen der Gonidien von jenen der Hyphen chemisch verschieden sind, indem die ersteren eine Algen- und die letzteren eine Pilz-Reaktion haben; 3) dass die verschiedenen Formen der Gonidien sowohl in Bezug auf die Struktur als auf die Art der Vermehrung den parallelen Typen der einzelligen und faserigen Algen entsprechen; 4) dass wenn das Keimen der Sporen nicht weiter als bis zum Anfang eines Hypothallus beobachtet werden konnte, diess wahrscheinlich dem Mangel einer Mitwirkung der erforderlichen Alge zuzuschreiben ist; 5) dass zwischen den Lichenen und Pyrenomyceten eine sehr auffallende Uebereinstimmung in der Entwickelung der Fructification besteht. In der zweiten der beiden oben erwähn- ten Abhandlungen geht er auf näbere Details ein, und zählt die verschiedenen Algentypen auf, die er als die Gonidien bildenden betrachtet. Diese Typen, acht an der Zahl, schliesst er in zwei

Gruppen ein, nemlich „Phycochremaceae“ und „Chlorophyllaceae,“

so genannt von der Farbe ihres respektiven Zelleninhalts. Der

; ersten Gruppe, nemlich der mit den bläulich-grünen Zellen, theilt

er fünf Typen zu, als: 1. Sirosiphonae, 2. Rivulariae, 3. Scytone-

meae 4. Nostochaceae 5. Chroococcacae ; und zur letzteren Gruppe,

der mit den chlorophyli-grünen Zellen, zählt er die drei übrigen

Typen, nemlich 6. Confervacene, 7. Chroolepideae, 8. Palmellaceae (Fortsetzung folgt.)

Zwei Fragen der botanischen Nomenclatur.

Von Dr. Lad. Celakovsky. (Fortsetzung & Schluss.)

Alle diese Vortheile scheinen mir theils illasorisch, theils von geringem Belang zu sein, daher ich sie näher beleuchten werde. Was das Alter der Art betrifft, so glaube ich nicht, dass es noth-

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wendig oder auch nur immer thunlich sei, es aus dem Artnamen sofort abzulesen. Wie gesagt, datirt eine grosse Anzahl Arten Linne’s aus viel früherer Zeit und ist es unmöglich, dem Namen gleich anzusehen, ob Linne die Art selbst aufgestellt oder nur neu benannt hat. Es wäre also oft geradezu ein Irrthum, alle Arten mit Linne’s Autorität für Linne’sche Arten anzusehen. Ja es sind mauche Arten nach Linne wieder aufgenommen worden, die Linne nicht kannte, die aber schon seinen Vorgängern bekannt waren. So würde manz. B. aus dem Namen Sparganium minimum Fries fälschlich schliessen, dass die Art verhältnissmäs- sig jung sei, während sie in Wirklichkeit bereits von C. Bauhin im 17. Jahrhundert und zwar unter demselben Namen unter- schieden worden ist. Um das Alter einer Art kennen zu lernen, dazu ist die Geschichte, insbesondere die Synonymie der Art da, und wer sich darum interessirt, der gebe an die rechte Quelle, und suche nicht aus dem gegenwärtig geltenden Namen etwas herauszudeuten, was möglicherweise falsch wäre.

Wenn man ferner in manchen Fällen aus dem ursprünglichen Autorsnamen das Vaterland ersehen kann, so geht das bei vielen anderen Namen, z. B. Linne’s, De Candolle’s und anderer grossen Systematiker eben nicht an. Man wird doch stets sowohl nach dem ältesten Synonym fragen, als auch in direeterer Weise das Vaterland zu erfahren suchen, als durch Herumrathen am blossen Namen und Autornamen, welches gar leicht irreführen könnte. Sehr unwesentlich scheint mir schon gar das Argument, dass der ursprüngliche Autor zugleich auch die (gute oder schlechte) Gewähr

für die Güte der Art bietet. Denn erstlich kann man ja immer .

das älteste Synonym darum fragen, dann aber bietet der Autor, der die Art in eine andere Gattung übertrug, die Gewähr eben- falls und oft noch besser. Ein besonnener Autor wird wohl sel- ten eine schlechte Art in eine andere Gattung übertragen, ja er wird in Folge inzwischen gemachter Erfahrungen, und von dem nicht seltenen Vorurtheil der Vaterschaft der Art befreit, öfter noch eine bessere Bürgschaft geben als der erste Autor. Von einem leichtfertigen Speciesmacher wird man aber auch die Vebertragung schlechter Arten erwarten können.

Bestechender ist das mit dem Beispiel des Tetragonolobus siliquosus belegte Argument. Die striete Beibehaltung des ersten specifischen Beinamens erleichtert allerdings den Zusammenhang und die Uebersichtlichkeit der Nomenelatur, doch öfter mehr zum Schein und auch nicht einmal in allen Fällen. Wenn mir der Name

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Tetragonolobus siliguosus überhaupt ganz unbekannt ist, so werde ich gar nicht oder doeh nicht mit Sicherheit auf Lotus siliquo- sus verfallen, weil es auch andere Arten mit diesem Adjektiv- beisatz giebt; und wenn ich schon weiss, dass beides Synonyme sind, so ist mir das Hilfsmittel des Gleichlautes weniger werth. Indessen ist siliguosus noch ein seltener, auffallenderer Beiname, Was nützt mir aber in dieser Beziehung die Erhaltung von so häufigen und wenig bezeichnenden Beinamen, wie vulgaris, officinalis, arvensis u. s. w., die gar keinen Fingerzeig abgeben. Wer verfiele z. B. darauf, dass Silene vulgaris Gareke das ver- schollene Behen vulgaris Mönch, d. h. Cucubalus behen L. sein soll, wenn man nicht die Synonymie nachsehen kann, oder dass Calamintha vulgaris (L.) Vatke Clinopodium vulgare L. sein soll. Und ferner, wenn ich mir Cephalanthera grandiflora (Scopoli sub Serapiade) oder O. grandiflora (Scop.) Babingt. merken soll, so ist das dem Gedächtniss beschwerlicher, als wenn ich nur Cephalanthera pallens Rich. zu merken habe. Denn dass dazu das alte Synonym Serapias grandiflora Scop. gehört, brauche ich mir gar nicht zu merken, dieser Ausdruck wird nicht mehr gebraucht, und wenn doch ja einmal, so ist die Synonymie zum Nachschlagen da. Uebrigens wurde ja der älteste specifische Beiname doch in der Regel von jenem Autor, der die Gattung emendirte, beibehalten, und muss die Beibehaltung, wenn keiner der noch zu besprechenden Gründe entgegensteht, auch in Zu- kunft anempfohlen werden; es bandelt sich also nur um nicht sehr zahlreiche Fälle, wo diess bisweilen mit guten Gründen nicht geschah. Schliesslich istnoch darauf hinzuweisen,

‚dass es Fälle giebt, in welchen das Argument von der Evidenz

der Nomenclatur gegen die Beibehaltung des ältesten specifi- schen Beinamens spricht, nämlich dann, wenn eine Gattung mit einer sehr bekannten Hauptart oder überhaupt nur einer Art eingezogen wird, wobei durch Annahme des immer bezeichnen- deren Gatturgsnamens als specifischen Beinamens die Evidenz viel besser gewahrt bliebe. Gewiss wird man Clinopodium vul- gare L. weit eher in Calamintha clinopodium Benth. als in Calamintha vulgaris Vatke, und Phellandrium aquaticum L. bes- ser in Oenanthe phellandrium als in Oenanthe aqualica wieder- erkennen. Das ganze Argument ist also nebstbei eine zwei- sehneidige Waffe, die besser in der Scheide bleibt.

Einen bemerkenswerthen Grund bringt noch Boissier für seine Methode vor, indem er sagt: „seine Methode gestatte den

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ernsthaften Botanikern die Classifikation der Arten vom rein wissenschaftliehen Standpunkte zu behandeln, ohne in Gefahr zu kommen, dass man sie mit jenen Autoren identifizire, welche Neuerungen anstreben, an denen die Eigenliebe mehr Theil hat als das Suchen nach Wahrheit.“ Damit ist gesagt, dass bei die- ser Methode der Botaniker nach bester Einsicht neue Gattungen bilden könne, ohne den Verdacht zu erregen, er stellte die Gatt- ungen bloss auf, um die zu ihnen gehörigen Arten umtaufen zu können. Ich habe von der wissenschaftlichen Kritik die gute Meinung, dass sie nach solchen Nebenrücksichten die Aufstellung einer neuen Gattung nicht beurtheilen wird. Denn jene Autoren, die aus Sucht, ihre Namen glänzen zu lassen, Gattungen zersplit- tern, erreichen ihreo Zweck doch nicht, da ihr Gebahren von der Wissenschaft abgelehnt wird. Wenn aber ein Autor, nur von wissenschaftlichen Rücksichten geleitet, aus wahrer interesseloser Ueberzeugung eine Gattung neu aufstellt, so wird die wissen- schaftliche Kritik seinen Standpunkt zu beurtheilen wissen, und ihm Recht geben, wenn er wesentliche Merkmale der neuen Gatt- ung aufgefunden hat, er mag diese oder jene nomenklatorische Methode befolgen. Ist seine Gattung schlecht, so wird sie fallen, ist sie aber gut, so ist sein Verdienst gross genug, um seine Autorschaft für die umzuändernden Speciesnamen zu recht- fertigen.

Endlich lassen sich auch Nützlichkeitsgründe dafür anführen, dass der blosse specifische Beiname keine syste- matische Geltung und Priorität besitzen, und dass er somit eventuell durch einen anderen ersetzbar sein solle. Es giebt nämlich verschiedene Gründe, welche die Beibehaltung des specifischen Beinamens bei der Veränderung des Gattungsnamens verbieten oder wenigstens nicht wünschenswerih machen. Solche Fälle sind:

1) Wenn der specifische Beiname bereits in der Gattung existirt, in welche die Uebertragung stattfinden soll; wenn z. B. Cucubalus behen L. in die Gattung Silene kommen soll, in der bereits eine Silene behenL. existirt. Hierbleibt durchaus kein an- derer Ausweg, als einen neuen Beinamen zu geben, womit, wenn man die Unveränderlichkeit des specifischen Beiworts zuın Gesetze ge- macht hat, eine Ausnahme von diesem Gesetze statuirt wird. Erkennt man nur dem ganzen Artnamen Priorität zu, so brauchtman von seiner Regel nicht abzuweichen und wird auch nicht zweifelhaft sein, dass nach der Prioritätsregel der Name Silene inflata

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Smith zu gelten habe. Misst man aber dem specifischen Bei- namen für sieh Priorität bei, so wird man erst suchen müssen, ob nicht ein solcher in einer anderen Gattung als Silene früher gegeben wurde, und so sind wir denn gleich mit zwei neuen Namen Silene vulgaris Gareke (Behen vulgaris Mönch) und Silene venosa Aschers. (Cucubalus venosus Gilib.) beschenkt worden. Beide Namen sind übrigens anderweitig anfechtbar, denn es ist doch sonderbar, Mönchs Beinamen in Anerkennung dessen, dass er eine so schlechte Gattung wie Behen aufstellte, gelten zu lassen, und gegen Cueubalus venosus ist einzuwenden, dass Gilibert nicht berechtigt war, Linnes Cucubalus behen in U. venosus umzuändern.

2) Wenn der ursprüngliche speeifische Beiname nur in Bezug auf seinen ursprünglichen Gattungsnamen gegeben wurde und daselbst Sinn hatte, in der neuen Gattung aber widersinnig oder wenigstens bedeutungslos erscheint. So hatte z. B. Fragaria sterilis L. eine Erdbeerart zu bedeuten, welche keine saftigen, geniessbaren Früchte trägt, also in figürlichem Sinne steril bleibt. Naehdem aber die Art zu Potentilla kommen musste, bedeutet sterilis gar nichts mehr, .da alle Arten der Gattung saftlose Früchte haben, oder gar etwasFalsches, als ob sie im genaueren Sinne unfruchtbar wäre. Ehrhart war demnach wohlberechtigt, den Beinamen in fragariastrum zu ändern, der nun für Potentilla ebenso passend ist, wie es sterilis für Fragaria war. Linne selbst gab ein Beispiel einer solchen motivirten Namepänderung, indem er seine frühere Plantago uniflora in Litorella lacustris änderte.

3) Wenn der ältere Beiname einer Art zum Namen der neuen Gattung erhoben wird, und so ein neuer specifischer Bei- name nöthig wird, um eine Tautologie zu vermeiden. Die Tau- tologie kann verschiedene Grade haben, und zwar:

a) Die Tautologie wäre vollkommen, wenn der unveränderte substantivische Beiname zum Gattungsnamen wird, z. B. Castanea (aus Fagus castanea L.) Anthriscus (aus Scandix anthriscus L.). In diesem Falle erkennt man allgemein die Nothwendigkeit eines neuen specifischen Beinamens und muss wie unter 1) abermals eine Ausnahme von der Regel zugeben, weun man den speci- fischen Namen an sich für prioritätsfähig erklärt hat. Bei die- sem Grundsatz wird man wieder leicht zu überflüssigen Neuer- ungen verleitet, wenn man nicht jenen specifischen Beina- men gelten lässt, der mit der neuen Gattung zugleich zuerst gegeben wurde. So erhielten wir statt Anthriscus vulgaris Pers.

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den neuen Namen Anthriscus scandix Aschers., weil nach Linne zunächst Scopoli die Art Caucalis scandix benannte, Also weil oder trotzdem ScopolidieArt, die er nicht aufgestellthat,in eine falsche Gattung stellte, also absolut gar kein Verdienst um die Art hat, so muss nach dem obigen Grundsatz sein specifischer Beiname erhalten werden!! Oder ist hiebei etwa auch ein Nützlichkeitsgrund im Spiele? Braucheich mir bei dem systematisch giltigen Namen immer den unberechtigten und ver- schollenen Namen Scopoli’s gegenwärtig zu halten?

b) Die Tautologie ist geringer, wenn der alte specifische Bei- name wenigstens in der Endigung vom neuen Gattungsnamen verschieden ist, wie in Selaginella selaginoides oder Spiranthes spiralis oder Viscaria viscosa. Die Mehrzahl der Autoren ver- meidet auch diese Tautologie und gebraucht hiebei andere Bei- namen, weicht aber damit ebenfalls wieder von ihrer Regel ab.

c) Die Tautologie liegt nicht im Wortlaute, sondern nur im Sinne, wenn beide Worte des neueren Artnamens in lateinischer und griechischer Sprache dasselbe bedeuten, z. B. Arctostaphylos uva ursi oder Sarothamnus scoparius. Hierüber sind die Ansich- ten schon mehr getheilt, indem Einige solche Namen verwerfen, Andere sich nicht an sie stossen.

In allen den genannten Fällen hat die von mir vertheidigte Methode der Priorität des ganzen Artnamens den Vortheil, dass sie uns bessere Namen liefern kann, ohne jemals ihr Prineip zu verläugnen, ohne jemals die Priorität nach ihrer eigenen Deutung zu verletzen. Dagegen nötbigt die Methode der Priorität des speeifischen Beinamens einestheils zum Negiren ihres eigenen Princips, anderntheils zur Annahme schlechter Namen, und lässt überdiess noch die Möglichkeit widerstreitender Ansichten offen.

Die zuletzt angeführten Gründe sind offenbar ganz analog denen, um derentwillen J. Müller im Cap. VI den Satz aufstellte, dass Arten- und Varietätennamen bei einem Rangwechsel ihr Prioritätsrecht verlieren. Ganz natürlich; denn der Rangwechsel besteht ebenso in einer Veränderung des nächst höheren logischen Gattungsbegriffs und seines Namens wie die Versetzung einer Artin eine andere Gattung. Der Verfasser der Nomenclaturischen Fragmente und Alle, die seinem Satz VI. beistimmen, müssen, um konsequent zu sein, noch hinzusetzen: Der specifischeBeiname verliert, wenn der Gattungsname geändert wird, sein Priori- tätsrecht. Wobei aber ebenfalls‘ die zwei Schlusssätze der Fragmente auf S. 159 Berücksichtigung verdienen.

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II. Die Priorität der Gattungsnamen beginnt erst mit Linne.

Während es allgemein anerkannnt wird, dass die wissen- schaftliche Giltigkeit oder der Prioritätsanspruch der Artnamen erst mit Linn& beginnt, sind die Ansichten über den Zeitpunkt, von dem die Priorität der Gattungsnamen zu setzen ist, getheilt. Während man früher ziemlich allgemein alle in Linn@’s Genera plantarum angeführten Gattungen mit Linn@’s Autorschaft zu be- zeichnen pflegte, und etwa nur dann auf Tournefort und andere Patres zurückging, wenn eine von Linn& eingezogene Gattung der Alten restaurirt werden sollte, so ist es besonders seit Endlichers Genera plantarum immer allgemeiner Sitte geworden, als Autoren soleher Gattungen, die vor Linn6 bereits im selben oder ähnlichen Umfange aufgestellt worden waren, vorlinneische Botaniker, wie Tournefort, Micheli, Dillen, Rivin u. a. zu statui- ren. Die Ursache davon liegt in dem auch in Betreff der Arten sich kundgebenden Streben, die Priorität möglichst weit zurück zu datiren. Hingegen sind die Verfasser der neuesten Genera plantarum, Bentham und Hooker, zur älteren Praxis zurückgekehrt und betrachten Linn6 als den Begründer der Gattungspriorität, was sie mit dem Satze ihrer Vorrede: „Linnaeus generis inventor fuit“ motivirten.

Es ist zwar nicht zu leugnen, dass die Schreibung eines älteren Autors zu einer von Linne angenommenen Gattung in dem genannten Falle nicht gerade unrichtig ist. Allein die Schreibart Sparganium ramosum C. Bauhin enthält auch keine Unrichtigkeit, und obzwar Bauhin viel älter ist als Hudson, so würde diese Schreibart sicherlich auch nicht gebilligt werden, da man Bauhin dennoch keine Priorität des Speciesnamens vor Hudson zugesteht. Die Priorität ist also noch von ganz anderen Dingen abhängig, ja es lässt sich wirklich die Ansicht begrün- den, dass dieNomenclatur Sparganium Tournef. anstatt Linne ebenso viel oder so wenig gerechtfertigt ist, als die Schreibung Sparganium ramosum Bauhin') statt Hudson.

„Linnaeus generis inventor fuit.“ Dieser Ausspruch klingt paradox und ist in der That, wenn man ihn dem vollen Wortlaute nach versteht, ebenso übertrieben und incorrect, wie jener, dass Linne der Erfinder des Speciesbegriffs gewesen ist. Es ist wohl nicht nöthig erst nachzuweisen, dass die älteren

mn 1) Ich habe in meinem Prodromus der Flora von Böhmen selbst so ge- schrieben, ziehe aber jetzt diese Schreibweise zurück.

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Schriftsteller sowohl Gattungen als Arten hatten. Aber wahr ist es, dass die Gattung erst von Linne in moderner, noch gegenwärtig giltiger, streng wissenschaftlicher Weise begränzt, eingehender durch scharfe Merkmale definirt, durchwegs muster- gilt benannt worden ist; was alles ebenso sekr von den Arten gilt. Die systematischen Arbeiten seiner Vorgänger sind insge- sammt, Tournefort nicht ausgenonmen, als blosse Vorarbeiten anzusehen, die zwar ihre Verdienste haben und für ihre Zeit Bedeutung hatten, aber Anspruch auf Geltung, auf Priorität in der gegenwärtigen Systematik nicht machen können. Nehmen wir z. B. das renommirteste Werk, Tourneforts Institutiones zur Hand, so werden wir uns bald überzeugen, dass die meisten Gattungen darin nicht auf’ scharfe Untersuchung der Blüthentheile und somit auf scharfe Begriffe basirt, sondern mehr dem Habitus nach und dem Herkommen gemäss geschildert sind. Man ver- gleiche z. B. die Gattungen Sium, Sisarum, Tragoselinum (Pim- pinella L.) Bupleurum und überhaupt die meisten Umbelliferen- gattungen Tourneforts, und man wirdin der fast gleich lautenden Paraphrase nicht ein diagnostisches Merkmal finden. Der Au- tor gesteht auch einmal offen, dass er Gattungen öfter mehr nach vegetativen Merkmalen, nach dem Habitus, nach blossem natürlichem Tacte oder gar nach dem bisherigen Usus aufgestellt hat. Von Meum, welche Gattung von Foeniculum nicht im gering- sten verschieden definirt wird, heisst es zum Schlusse: His notis addenda sunt folia tenuissime laciniata, qua in re non differt a Foeniculo, etFoeniculum alpinum, perenne, capil- laceo folio, odore medicato lubens ipsum appellarem, nisi Mei nomen longo fusu comprobatum esset.“ Von Thysselinum lesen wir: „est plantae genus, ab Oreoselino diver- sum sueco lacteo,“ womit die diagnostische Differenz zu Ende ist. _ Der stereotype Beisatz zu so vielen Gattungen:,, His notis addenda sunt —,“ worauf einzelne habituelle Merkmale von den Blät- tern u. dgl. angegeben werden, ist häufig nicht blosse Neben- sache, sondern geradezu der eigentliche Inhalt der Gattung. Auf diesem Standpunkte, der zwar durch seine Zeit als Phase der Entwickelung der Botanik ganz erklärlich und gerechtfertigt ist, war die Anzahl sehr schlechter Gattungen, die dann Linne zum Zusammenziehen aufforderten, nothwendige Folge.

Indessen ist selbst die mangelhafte Begründung der meisten vorlinneischen Gattungen noch nicht der Hauptgrund, wesshalb die systematische Nomenclatur verpflichtet sein sollte, bei Linne

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stehen zu bleiben. Denn es könnte eingewendet werden, dass eben nur jene Gattungen vorlinneischer Autoren zu gelten haben die gehörig definirt sind. Freilich aber wäre damit ein einiger-. massen zweifelhaites Princip angenommen, denn es könnte bis-

weilen strittig werden, welehe Gattung noch kenntlich charakteri- sirt worden und welche nicht; auch wendet man auf Linnes Gattungen selbst diesen Maasstab nicht an, man verwirft eine Linne’sche Gattung noch nicht, weil sie nicht scharf genug defi- nirt ist, sondern sucht sie seit jeher nur zu verbessern und bestimmter zu fassen, ohne ihre soustige Priorität in Zweifel zu ziehen.

Der eigentliche, der triftigste Grund dafür, auch hinsichtlich der Nomenclatur der Genera nicht auf die Vorgänger Linnes zurückzugehen, ist aber der, dass Linn der Begründer der ganzen wissenschaftichen Systematik ist. Selbst der Prioritätsgrundsatz galt vor Linne noch nicht, kein Autor hielt sich durch seine Vergänger für verbunden, deren Nomen- clatur anzunehmen, jeder wählte sieh Gattungs- und Artnamen nach Belieben. Auch Linne kannte diese Verpflichtung noch nieht und verfuhr häufig eigenwächtig. Erst Linne’s Genie er- zwang sich Gesetzeskraft und gelangte erst nach ihm die Pri- oritätsregel eben an ihn anknüpfend allmälig zur Herrschaft. Wenn für die Wissenschaft erst Linn@’s Arten angefangen haben zu existiren, so muss dasselbe auch von seinen Gattungen gelten, weil kein Artname ohne Gattungsnamen möglich ist. Seine Genera und Species plantarum sind eigentlich nur ein Werk und beide gleichmässig die Basis aller botanischen Systematik. Rüttelt man an den „Genera‘ aus einer caprieiösen Vorliebe für die Alten oder aus schlecht verstandenem Gerechtigkeitsgefühl, so erschüttert man mit die Species plantarım. Es scheint mir, dass sich noch Niemand die Mühe genommen hat, nachzusehen, wieviele Gattungen Tourneiort’s und anderer älterer Autoren von Linne willkürlichoder nach persönlichem Geschmacke mit anderen Namen versehen worden sind. Ich habe nur die bei Tournefort vorkommenden Gattungen dieser Categorie gezählt und ihre’ Zahl mehr als Hundert gefunden. Um nur ein Beispiel aus den

Umbelliferen zu geben, so ist Pimpinella L. = Tragoselinum Tourn., Conium L. = Cicuta Tourn., Heracleum L. = Sphondy- lium T., Carum L. = Curvi Tourn. Rivin und A. haben zum

Theil noch andere Gattungs-Namen, z. B. Podagraria statt Aego- podium L., Uynapium statt Acihusa L.

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Wenn die Priorität der Gattungsnamen auch den Patres gebührte, wenigstens von Tournefort an, so könnte man, um konsequent zu sein, sich nicht damit begnügen, statt Sparganium L. Sparganium Tournef. zu schreiben oder nur solche Tournefort- sche Gattungen aufzunehmen, die bei Linne nicht vorkommen, weil sie von ihm eingezogen wurden (wie z. B. Valerianella Tournef.), sondern es müssten alle Linn&’schen Namen solcher Gattungen verworfen werden, die schon Tournefort und Andere unter anderen Namen kann- ten, und in Folge dessen müsste auch eine Menge von Arten umge- tauft werden. Ich zweifle, dass irgend ein ernster Autor zu dieser un- ausbleibiichen letzten Consequenz schreiten möchte. Ist aber die Con- sequenz verwerflich, so ist esauch das Princip, aus dem sie sich nothwendig ergibt. Wie bezüglich der Arten so ist auch bezüg- lich der Gattungen zu unterscheiden zwischen jenem Autor, der zuerst die Art oder Gattung unterschied und benannte, und zwi- schen jenen, der siewissenschaftlith giltig benannte; nur auf letzteren geht das Prioritätsrecht. Das Motiv, wesswegen in neuerer Zeit die Priorität bis auf Tournefort ausgedehnt wurde, ist wiederum ein nicht wohl verstandenes Gerechtigkeitsgefühl. Wie bezüglich der Artnomenelatur ist auch hier zu entgegnen, dass das Recht der Wissenschaft und einer prineipiell richtigen und vortheilhaften Methode, die ich nachgewiesen zu haben glaube, über dem oft eingebildeten Rechte der Autoren steht. Was ist übrigens damit gewonnen, wenn man bis auf Tournefort zurückgeht? Glaubt man vielleicht, dass dieser die Gattungen seiner Institutiones alle neu unterschieden und benannt hat? Keineswegs, sondern er übernahm sie, wennauch theilweise noch weniger ausgebildet, vielfach von seinen Vorgängern. Also müsste man immer weiter zurückgreifen und diese traurige Jagd ohne Rast und festen Haltpunct würde die Systematik noch mehr ver- wirren, als sie es in Folge verschiedener Auslegung und anderer Ursachen ohnehin ist.

Wenn aber die Priorität der Gattungsnamen erst von Linne datirt werden muss, so haben auch jene Gattungen Tournefort’s, die von Linnd einzogen, später aber erneuert wurden, ihre Berechtig- ung nur in Folge dieser Erneuerung, und müssen folgerichtig mit dem Autorzeichen ihrer Restauratoren versehen werden, denen es ja auch frei gestanden hätte, ganz andere Namen als Tournefort zu geben.

Sollte vielleicht noch die Ansicht (dieich irgendwo las) ent- gegengehalten werden, dass die Priorität der Art nur darum mit

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Linn& beginnt, weil dieser ein richtiges Prineip der Benennung, nämlich durch binomiale Namen, zuerst konsequent durchgeführt hat, welches Verdienst für die Gattungen entfalle, so ist auch dieser Einwand leicht zu widerlegen. Auch für die Gattung hat Linn einen giltigen nomenelatorischen Grund- satz konsequent durchgeführt, den die Alten, selbst Tournefort, nicht kannten, dass der Genusname ein einfaches Wort und zwar ein Substantivum sein müsse. Bei Tournefort z. B. finden sich Gattungsnamen wie: Cyperoides (Carex L.), Narcisso-Leucofum (Leucojum L.), Lilio-Nareissus (Amaryllis L.), Lacryma Job. (Cvix L.), Herba Paris (Paris L.), Corona im- perialis (Pelilium L.), Centaurium majus (Centaurea L), Centaurium minus (Eryihraea Reh., Gentiana L.), Caryophyllus aromaticus (Caryophyllus L., während Caryophylius Tourn. = Dianthus L. ist) u. s. w. Auch aus diesem, übrigens nach meiner Ansicht nebensächlichen, Grunde ynuss Linne’s Autorschaft der Gattungen als die älteste betrachtet werden, welcher Priorität zukommt.

Beschreibung von 4 neuen indischen Euphorbiaceen. Von 8. Kurz.

1. Sarcoclinium sessilifolium, nov. sp. Arbuscula glabra; folia elongato-obovato-oblonga, 1—2 ped. longa, versus basin obtusiuseulam attenuata et in petiolum crassum brevissimum 1—2 lin. longum abeuntia v. saepius sessilia, breve acuminata, subcoriacea, integra, glabra; stipulae triangulari-ovatae, carinatae, subulato-acuminatae, glabrae; flores parviusculi, brevissime pedi- cellati, perpauci v. plures fasciculati et bracteä ovatä obtusä v. obtusiusculä parce puberulä ciliolatä sufulti et in racemum cras- sinuseulum strietum puberulum foliorum longitudine v. breviorem dispositi; sepala Q appresse hirtula, triangulari-ovata, acuta; ovarium dense cinereo-puberulum; capsulae pisi minoris magni- tudine, 3-coccae, juniores minutae puberulae, pedunculo crasso puberulo vix lin. longo suffultae.,

Hab. Singapore. Bthzeit Okt. Nov.

2. Cnesmone glabrata, nov. sp. Frutex volubilis, novellis ochraceo-hirtulis; folia elliptico-ovata ad elliptiea, petiolo 1—1’/ı poll. puberulo glabrescenie terete suffulta, basi 3- v. sub 5-nervia subtruncato-rotundata, breve cuspidata, 3—6 poll..longa, tenuiter thurtacea, subintegra, supra pilis brevibus sparsis albis incon-

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spieuis adspersa, in nervis utriusque paginae fulvescenti-pube- rula; racemi sparse puberuli, ramulos axillares novellos terminan- tes; pedicelli puberuli, lin. eireiter longi; calycis laciniae lineari- oblongae, acuminatae, sparse puberulae, fimbriatae, 2 lin. cireiter longae, subinde in dentem unum alterumve productae; ovarium pallide hispido-tomentosum, stigmate glaberrimo magno campa- nulato-euneato terminatum; capsulae 3-coccae, tomento canescenti- appresse-hispido cum setis rigidis longioribus intersperso ob- ductae; cocei pisi majoris magnitudine.

Hab. Singapore. Fr. Octob. Nov.

3. Homonoya symphylliaefolia, nov. sp. Arbuscula, novel- lis parce pubescentibus; folia oblongo-lanceolata, versus basin rotundatam v. subcordatam angustata, petiolo 1—2 lin. longo crasso pubescente suffulta, obtuse acuminata cum mucrone, inte- gra, chartacea, 1'/,—3 poll. longa, glabra; fores monoiei v. pas- sim dioiei, masculi in alabastro amentacei dein racemosi, pedi- cello brevi canescenti-pubescente suflulti; racemi axillares v. supra fuliorum delapsorum eicatrieibus erumpentes; fl. feminei solitarii, laterales v. axillares, e ramulis noveilis herbaceis ori- entes, pedicello 2—3 lin. longo glanduloso-puberulo suffulti; Q perianthii segmenta liniaria, acuminata, glanduloso-puberula; lato-ovata, acuta, glabra, v. sursum indistincte puberuia; stamina botryomorphr polyadelphia; capsulae 3-coccae, coceis pisi magni- tudine molliter muscoso-muricatis.

Hab. Sikkim Terai, ziemlich gemein in den trocknen (beson- ders den Sal-) Wäldern. Fl. Apr. May; Fr. May. Jun.

4, Baliospermum reidioides, nov. sp. Suffrutex perennis, erectus, 1'/—2 pedalis, parce fulvescenti pubescens; folia line- ari-oblonga v. oblonga, basi 5-nerviaobtusa v. acuta, petiolo gra- eili 1—1”/s poll. longo brunneo-puberulo suffulta, acuminata, 2—4 poll. longa, membranacea, supra minute subtus dense et molliter pubescentia; flores parvi, pedicellati, in paniculas graciles pube-

scentes longe pedunculatas 3—4 poll. longas axillares dispositi; ;

perianthii segmenta lanceolata, 17/,—2 lin. longa, extns adpresse \ birsuta; ovarium et capsulae adhuc nimis immaturae dense fulvo- hirsutae.

Hab. Siam, Wälder von Kanburi (Teysmann).

Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer’schen Buchdruckerei (F, Huber) in Regensburg,

RA.

58. Jahrgang.

N: 3. Regensburg, 21. Januar 1875.

Inhalt, Dr. A. v. Krempelhuber: Rev. J. M. Crombie „On theLichen- Gonidia Question,‘ in Popular Science Review, Juli 1874. (Fortsetzung.) Literatur. Personalnachricht.

Rev. J. M. Crombie „On the Lichen-Gonida Question,“ in Popular Science Review, Juli 1874.

Mitgetheilt von Dr. A. v. Krempelhuber. (Fortsetzung.)

Diejenigen Genera und Species, die im Wasser leben, sind natürlich von der Frage ausgeschlossen, da es augenscheinlich ist, dass der Pilz keinen Zutritt zu ihnen haben kann. Der Au- tor beschreibt auch das Vorkommen dieser sogenannten Algen- typen in verschiedenen Flechtenarten, und macht längere Bemerk- nngen über den Charakter, den sie präsentiren, und die Modifi- cationen, denen sie in verschiedenen einzelnen Species unterlie- gen. Unter andern von ihm angeführten Beispielen führt er auch an, dass er gesehen habe, wie die Hyphen in verschiedene Al- gen z. B, bei Sirosiphon, Nostoc, Glaeocapsa eindringen und die

Flora 1875. . 3

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Gonidien mit einem Netzwerk umschliessen, während er in einer gewissen Anzahl von Arten, wie bei Rocrella, Arnoldia, Lempho- lemma, Parnaria beobachtete, wie sie sich mit den Gonidien durch eine thätige Verbindung vereinigten. Am Schlusse seiner Abhandlung bemerkt er, dass die Algen-Natur der Lichenen- Gonidien, die, wie er behauptet, sich in allen von ihm genau geprüften Fällen, bewährte, sehr wahrscheinlich sichauch in jedem andern Falle offenbaren werde und dass folglich das Gonidium, wie bis jetzt vorausgesetzt, kein selbst entwickeltes Organ der Li- chenen sei. Doch wenn die Gonidien auch nicht so betrachtet werden dürften, würden dieselben doch, vom physiologischen Gesichtspunkt aus genommen, als Werkzeug der Assimilation und der geschlechtlichen Vermehrung übrig bleiben. Obwohl sie nicht die Macht, einen Tballus zu bilden, in sich selbst haben, so sind sie doch ein wesentlicher Bestandtheil desselben, und unstreitig die wichtigsten, wenn gleich nicht alleiningen Nahrungswerkzeuge für die zusammengesetzte eine Flechte genznnte Pflanze, in soferne diese nemlich theilweise mit solchen auch vermittelst des Sub- strates versehen ist. Aus diesem allgemeinen Umriss von Schwendener’s Hypothese wird man sogleich bemerken, dass ihre Annahme alle unsere früheren Vorstellungen über die gegensei- tige Verwandtschaft zwischen dem faserigen Gewebe und den Lichenen-Gonidien gänzlichumwerfen würde. Ja, noch mehr, sie würde die Entsetzung der Lichenen von der Stellung, welche sie so lange als unabhängige Classe eingenommen haben, nothwendig % machen, und bei Herstellung jedes Systems würde die grösste Schwierigkeit sich ergeben, die halb algen- und halb pilz-artige Monstrosität, Lichen genannt, richtig unterzubringen. Ueber mehrere andere Autoren hinweg gehend, die mehr oder weniger direkte Beiträge von grösserer oder geringerer Wichtigkeit zu der oben erwähnten Theorie lieferten, kommen wir zu einem neueren, und in gewisser Beziehung dem beredtesten Vertheidi- ger der Hypothese. Es ist diess Dr. E. Bornet, dessen umfas- sende und, von Schwendener’schen Standpunkte aus, erschöpfende Abhandlung über diesen Gegenstand, betitelt „Recherches sur les Gonidies des Lichens,“ in den „Ann. des Se. Nat.“ 5 ser. t. XVII (1873) erschien. In dieser erweitert und beleuchtet der Autor die Ansichten, die von ihm schon in einer früheren Mit- theilung an die Akademie der Wissenschaften in Paris vorge- | bracht worden waren, indem er Schwendener’s Theorie in ihrem vollsten Umfang als die einzige annimmt, die fähig ist, viele

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dunkle Erscheinungen in der Physiologie derLichenen genügend zu erklären. Dass diese Theorie von den Lichenologen zurück- gewiesen wurde, giebt er dem Umstande Schuld, dass Schwende- ner die Beziehungen zwischen den Hyphen und den Gonidien und die Art und Weise ihrer Verbindung nicht genügend bewie- senhabe. Dennes ist, wie erbemerkt, ven wesentlicher Wichtigkeit, zu beweisen, dass diese Beziehungen solche sind, welche den Gedan- ken an Parasitismus nothwendig hervorrufen, und dass sie in anderer Weise nichtrichtig gedeutet werden können. Indem er die grosse Aehnlichkeit bespricht, die zwischen den Lichenen-Gonidien und gewissen Algentypen zu Tage tritt, beweist er, dass diess nicht ein blos zufälliger Umstand ist, insoferne nemlich diese Gonidien in derselben Weise wie die korrespondirenden Algen sich ver- mehren und reproduziren, und zwar in gänzlicher Unabhängigkeit von den Hyphen. Ziemlich lange verweilt er dann bei der Ue- bersicht einer umfassenden Serie von Lichenen, und identifizirt, als Resultat seiner zahlreichen Beobachtungen, ihre Gonidien mit gewissen Algengeschlechtern und Algen-Arten. Indem er nun zu den beiden schon erwähnten Schwendener’schen Gruppen über- geht, untersucht er zuerst die Chloropyhllaceae, nemlich Tirente- pohlia Mart., Phyllactidium Kütz., Protococcus Ag. Hierauf verfolgt er die Aehnlichkeitzwischen Trentepohlia und den Lichen- Gonidien in dreizehn Arten, als 1. Roccella, als schon von Schwen- dener nachgewiesen 2. Lecanora in zahlreichen Species; 3. Di.-i- na repanda Fr.; 4. Üoenogonium Linkii Ehr. u. Ü. confervoides Nyl; 5. Byssocaulon niveum Mont. 6. Lecidea lutea (Decks) und L. microsperma Nyl. 7. Graphis elegans Ach., G. contexta Pers. und @. heterospora Nyl., 8. Opegrapha varia Pers. und O. h?rba- rum Mont. 9. Stigmatidium crassum Duby. 10. Arthonia cinna- barira Wallr. 11. Melaspilea arthonioides; 12. Chiodecton myr- ticola Fee und Ü. nigrocinetum Mnt. 13. Verrucaria nitida Schrad., in welcher sieschon früher ebenso gut, wie in mehreren Graphideen von de Bary erkannt worden war. Das Genus Phyllactidium ist ihm dasjenige, welches der Opegrapha filicina Mnt. die Gonidien liefert, während eine Art des Protoeoceus nemlich P. viridis'), den Gonidien der Physcia pari:tira ähnlich

1) Nach Nylander (in litt.) ist die von demVerf. hier gebrauchte Bezeich- nungProtocoeeus viridis in der Algologie ein vager und es stellendie auf der beigefügten Tafel fig. 5. dargestellten grünen Zellen an den Hyphen der keimenden Sporen von Pkyscia parietina den Pleurococeus vulya”is Menegh. dar. Anm, des Uebers,

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ist, wie es durch Streuen der Sporen der letzteren auf die ersteren bewiesen wurde. In gleicher Weise prüft. er Schwen- dener’s andere Gruppe, die Phycochromaceae, und findet, dass die folgenden dazu gehörigen Genera verschiedene Lichenen- Gattungen und Arten mit Gonidien versehen. 1. Oalothrix Ag. die Lichina. 2. Scytonema Ag. die Ephebella Hegeischwei- leri Jtz., die Cephalodia des Stereocaulon ramulosum Sw. und verschiedene Pannarien. 3. Lyngbya Ag. den Stereocaulon ramu- losum. 4. Nostoc die Uollema, Arnoldıa, Physma das Leptogium, Obryzum') die Cephalodia des Siereocaulon, Nephromium, Stietina und gewisse Pannarien. 5. Stigonema Ag. die Lichenosphaeria Lenormandi Born., Spilonema paradoxum, Ephebe pubescens und die Cephalodia des Stereocaulon furcalum. 6. Gloecapsa Kütz. die Synalissa, Omphalaria, das Phylliscum, (wie früher durch Schwen- dener bewiesen) die Cora und gewisse Cephalodien des sSiereo- caulon. Wie man aus Obigem sogleich schliessen kann steht nicht eine bestimmte Alge ausschliesslich zu jeder Flechten- Species oder zu jeder Flechten-Gattung in Beziehung, vielmehr liefert wie Bornet bemerkte, eine kleine Anzahl von Algen einer grossen Menge verschiedener Lichenen die Gonidien. Bei den höheren Lichenen giebt er zu, dass es schwer ist, die Anheftung der Hyphen (an die Gonidien) deutlich zu sehen, obwohl er bei einigen der oben aufgezählten Species dieselbe Art und Weise der Adhäsion zwischen diesen beiden wie in den anderen Fällen beobachtete.

In Bezug auf den höchst wichtigen Punkt der Beziehungen der Hyphen zu den Gonidien versichert der Autor, dass nicht der geringste Beweis vorhanden sei, dass die Gonidien von den Hyphen und ebenso wenig davon, dass die Hyphen von den Go- nidien abstammen. Im Gegegentheil seien die Beiden ursprüng- lich ganz unabhängig von einander und ihre Vereinigung finde erst später statt. Dieses beleuchtet er und bemüht sich, es durch seine genauen Beobachtungen an verschiedenen der so geprüften Lichenen zu beweisen. Hiebei zeigt er auch, dass, während die Hyphen in der grossen Mehrzahl der Liehenen die Alge einschliessen, indem sie ein mehr oder weniger umschlin- gendes Netzwerk um sie bilden, doch in manchen Fällen ihre Vereinigung mehr als ein blosser Contact ist, indem hiebei auch

1) Bornet scheint nicht zu wissen, dass dieses Genus ganz parasitisch ist und zu den Pyrenocarpen gehört. Anm. des Uebers.

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zuweilen ein Eindringen der Hyphen in das Innere der- Algen- zellen stattfindet. In solchen Fällen, wie z. B. bei Arnoldia minutula Born. wird die Zelle vergrössert, die Wand verdichtet sich, der Inhalt wird farblos; endlich schrumpft die Wand ein, und das Gonidium wird zuletzt zu einer todten Membrane. In den Fällen, wo die Algen aus unabhängigen Zellen zusammen- gesetzt sind, ist die Modification, welcher sie in Folge dieser Verbindung unterliegen; nicht sehr markirt, aber wo sie fila- mentos sind, ist die Veränderung viel sichtbarer, während in einigen andern Fällen die einzeinen Zellen verändert sind, ohne dass dadurch das allgemeine Aussehen der Alge selbst besonders leidet. Bornet berührt dann noch verschiedene andere Punkte in Bezug auf die Beziehungen der Hyphen zu den Gonidien im Laufe seiner Forschungen, die im Ganzen 60 verschiedene Genera der Lichenen umfassen. Ohne jedoch auf die untergeordneten Details einzugehen, sei es genug zu bemerken, dasser nach dem Resultate seiner Untersuchungen sich als vollständig berechtigt betrachtet, die nachstehenden zwei Sätze aufzustellen. 1. Jedes Gonidium einer Flechte kann auf eine Algen-Species bezogen werden. 2. Die Verbindung der Hyphen mit den Gonidien ist von einer Natur, welche die Möglichkeit ausschliesst, als könne eines dieser Organe dureh das andere produeirt werden und dieses kann allein die Theorie des Parasitismus genügend erklären. Diess allein, behauptet er ferner, macht uns die fast gänzliche Uebereinstimmung der Gonidien sehr verschiedener Lichenen erklärlich, wie auch den deutlichen Unterschied zwischen den Gonidien mancher andern Lichenen, bei welchen Thallus und Fructiäcation übereinstimmen. Auf dieselbe Weise, glaubt er, kann auch der Ursprung todter, im Innern der Lichenen gefun- dener Gonidien richtig erklärt werden, sowie auch das Vorkom- men ungleich gefärbter Gonidien in dem nämlichen Thallus. Wie von De Bary vorgeschlagen worden, wurden verschiedene Versuche mit der Kultur von Flechten und Algen gemacht, um mit Gewissheit fest zu stellen, ob die keimende Flechte Goridien entwickle, oder nicht, und ob diese letzteren in freiem Zustande aus sich selbst Hyphen bilden, oder nieht. Ebenso machte auch Professor Reess, um die Anwendbarkeit der Theorie in Bezug auf die Collemacei zu prüfen, verschiedene Experimente, die im Oktober 1871 in den Monatsb. der k. Akad. der Wissensch. zu Berlin publizirt wurden. Diese bestanden im Ausstreuen der Sporen des Collema glaucescens Hfim. über Nostoc lichenoides

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Vauch., die alsogleich keimend zahlreiche Fasern aussandten, welche in das substratum eindrangen und sich innerhalb dessel- ben verbreiteten. (Siehe Tafel I fig. 6.). Nachdem sie ver- schiedene Phasen der Entwieklung durchgemacht hatten, um- gaben sie zuletzt die perlschnurförmigen Gonidien und bildeten das „Oollema mycelium“ oder die Hyphenmasse; so dass auf diese Art und im Laufe der Zeit der Nostoe in ein Collema umge- wandelt wurde, trotzdem keine Fructifikation erlangt werden konnte. Hieraus folgerte Reess, dass jedes Collema von Natur aus ein „Nostoc" sei, welches, im Falle keine Hyphen dazu kommen, ein solches bleibt, aber von diesen inoeulirt, die oben erwähnte Umwandlung erleidet. Es mag hier bemerkt werden, dass Reess, während er durch sein Experiment Sehwendener’s Theorie über Collema, wonach dieses eine zusammengesetzte Organisation hätte, zu bekräftigen scheint, (es wurde fortwährend diess als einer ihrer Hauptbeweise angefühıt) er zugleich stark vermuthet, ja sogar offen behauptet, dass die Pilz-Hyphen, die Schwendener als den Nostoc angreifend darstellte, (Schwend. t. X fig. 19—21)in Wirklichkeit die des ächten Schimmels seien. Aber sei diess nun richtig oder nicht, so stimmen beide Forscher darin überein, dass sieNostoc als eine unabhängige Alge betrach- ten, welche entweder normal fortlebt, oder die Beherbergerin eines parasifischen Pilzes und durch diesen in ein Collema um- gewandelt wird. Sehr beeinflusst durch die bezüglich der Natur % der Collemacei von De Bary, Schwendener undRBeess vorgebrach- 2% ten Argumente, wollien Einige, worunter auch Professor Cohn, der die Theorie in Bezug auf die andern Familien als unhaltbar betrachtet, die Collemacei gänzlich von der Classe der Lichenen ausschliessen. Vor wenigen Jahren jedoch, zweifelsohne veranlasst durch die Untersuchungen Cohn’s, der einer der besten Mikro- skopisten ist, und schon im Jahre 1852 die Produktion von Zoo- sporen in den Gonidien oder wenigstens im Protococcus nach- wies, (von welchem er vermuthete, dass derselbe von einem Flechten-Thallus herrühre), wurden verschiedene collaterale Unter- suchungen durch Famintzin und Baranetsky gemacht. Die Re- sultate derselben wurden in mehreren kontinentalen Zeitungen, wie die „Mem. de l’Acad. imp. Se. St. Petersbourg,“ 1867 und Melang. „Biol. Bull. de l’Acad. de St. Petersbourg,‘' 1868 ver- öffentlich. Nachdem diese Forscher von den Gattungen Physeia Evernia und Oladonia chlorophyllische Gonidien erhalten hatten, gelang es ihnen, diese unabhängig von den Lichenen selbst zu

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eultiviren. Ihrem hierüber erstatteten Berichtegemäss produzirten einige von diesen Gonidien, wie die der Physcia parietina, Zoo- sporen, während die andern forifuhren, sich durch vegetatives Wachsthum zu vergrössern. Diese ireien Gonidien wären nach ihrer Folgerung identisch init dem Genus Cystocoecus Naeg. wel- ches demnach keine selbstständige Alge, sondern nur eine Phase der von ihnen untersuchten Lichenen-Gonidien wäre. So fanden sie auch in Bezug auf die Phycochrom enthaltenden Gonidien, die sie durch gleichartiges Cultiviren von Collema und Peltigera erlangten, dass diese fähig seien, ein unabhängiges Leben fort zu setzen, und dass sie in einigen Fällen mit den Algen, wotür diese freien Gonidien gehalten werden, übereinstimmten. Daraus schlossen sie nun, dass diese frei lebenden Gonidien aus der Reihe der Algen gestrichen werden sollten. Einige ähnliche Versuche wurden später noch von Woronin (vie. „Ann. des Se. Nat.“ ser. V. t. XVI p. 317) mit der Pay.eia par’ tina und Ph. pulverulenia gemacht, aber es wurde dabei in keinem Falle ein Flechten-Thallus produeirt. Auch Bornet versuchte die Kultivir- ung von Flechten-Sporen und Algen zusammen und berichtet in seiner Abhandlung die Detai!s dieses Experiments, das sehr ge- lungen austıel, und bei welchem einige Sporen der Physcia parielina auf eine Schicht des Profococcas viridis gestreut wur- den. Das Keimen der Sporen ging nach einigenTagen vor sich, und trieben dieselben kleine Wurzelfasern (radicle filaments) die, schneli länger werdend und sich ver,weigend, wo sie irgend wie in Berührung mit den Zellen des F,o/ococcus kamen, an diese entweder unmittelbar oder an einem Nebenzweig derselben festwuchsen, wobei in jedem Falle die Faser enge an das Goni- dium angesetzt war und es umgab. (Siehe Tafel I fig. 5.) Er fügt noch bei, dass wenn das Vorhandensein der ange- wachsenen Sporen nicht die wahre Natur dieser Fasern beweisen würde, es unmöglich sein würde, die Gonidien-tragenden Fasern von jenen der „usgewachsenen Flechte zu unterscheiden. Alle anderen Versuche werden jedoch gänzlich in den Schatten gestellt durch die des Dr. Treub, wenigstens was die darauf verwendete

Arbeit und die verschiedenen Methoder die angewendet wurden

sowie die sichtbare Sorgfalt, um einen sichern Erfolg dabei zu erzielen, betrifft. Einer kurzen Notiz von ihm in „Lichencultur,“ in der „Bot. Zeit.“ Nov. 1873, folgte unmittelbar darauf eine längere Abhandlung, betitelt,, Onderzöckingen over de Natuur der Lichenen,“ Leiden Nov. 1873. In der zweiten Abtheilung der-

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selben giebt er einendetaillirten Bericht über die von ihm bezüg- lich dieses Gegenstandes 1872—73 gemachten Forschungen und Experimente. Unglücklicher Weise für ihn selbst, wenigstens in Hinsicht auf die Zeit, die er darauf verwendet und die Mühe, die er sich gegeben hatte, misslangen die meisten seiner Versuche; und sogar in Bezug auf die günstigsten Resultate, die er erlangte ist er gezwun- gen zuzugeben, dass, wennsie ihn auch bestimmen, daraus die Wahr- heit der Sehwendener’schen Theorie zu folgern, dieselbe doch nicht entscheidend genug seien. Diess mag nun als ein kurzer Umriss der bekannten „Schwendener’schen Hypothese‘ und derphy- siologisehen Argumente und Öulturexperimente, durch die man diese Hypothese zu beweisen suchte, betrachtet werden. Wir verfahren nun in gleicher Weise, um in einer ebenso kurz ge- fassten Skizze die Gründe darzulegen, die auf anderer Seite an- geführt wurden, um zu beweisen, dass diese Hypothese, weil jeder festen Begründung entbehrend, ganz unhaltbar ist, und dass keine bestimmten Beweise zu ihrer Unterstützung gewonnen wer- den konnten. Wie schon bemerkt, ist sie bis auf die gegenwär- tige Zeit von allen Lichenologen zurückgewiesen worden. Und diess nicht, weil sie etwas Neues, Ueberraschendes und Umstür- zendes ist, sondernaus andern Gründen, welche ihnen vollkommen triftig und genügend zu sein schienen. Unter Anderen haben Nylander, Krempelhuber, Th. Fries, Müller ihr Urtheil über diese Sache in sehr entschiedener Weise ausgesprochen, indem sie

die Theorie für unmöglich, ja sogar absurd halten. Es konnte '

auch wirklich gar nichterwartet werden, dass sieso aequo animo zusehen würden, wie ihre lieben Lichenen unbarmherzig ihrer selbstständigen Existenz beraubt und wie durch den Schlag eines Zauberstabes in einen spinnenartigen Herren Pilz und einen ge- fangenen Algen-Sklaven verwandelt werden. Sicherlich dürfte die Neuheit einer so seltsamen Theorie weit mehr als die an- scheinend plausiblen Argumente, durch welche sie unterstützt wurde, der Grund zu ihrer Annahme seitens einiger Botaniker der sogenannten neuen Schule gewesen sein. Alle soeben ge- nannten Lichenologen haben längere oder kürzere Beiträge zur Bekämpfung der Hypothese geliefert, während sich auch Körber ') und Tuckermapn sehr entschiedeu weigerten, sie anzuerkennen

1) Vid. Köfbers’s neueste Abhandlung: „Zur Abwehr der Schwendener- Bornet’'schen Flechtentheorie.“ Breslau 1874, wo sich derselbe energisch

gegen die Annshme der Schwendener’schen Hypothese susgesprochen hat. Anm. d. Vebers.

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und sich dahin aussprachen, auch inZukunft fest zu halten, dass die Lichenen unabhängige Pflanzenseien. Einige der erwähnten Beiträge sind in verschiedenen botanischen Zeitungen zerstreut, während andere in besonderen lichenologischen Abhandlungen enthalten sind. Die vonNylander sind hauptsächlich enthalten in „Lapp. Or.“ (1866), p. 117, „Notula de Cephalodiis,“ in der „Flora“ 1868 p. 185 „Circa evolutionem gonimicam Collemaceorum Notula,“ ibid. 1870 pag. 52 „Animadversio de Theoria Gonidio- rum algologica;‘“ „Obs. Lich. Pyr, Or.“ (1873) p. 45, „Contra hypothesim parasitosam Schwendenerianam,'‘ ganz besonders aber in der „Flora“ 1874, p. 56, und nochmals mit Zusätzen abge- druckt in Grevillea,“ II p. 145. „On the algo-lichen hypothesis and the nutrion of lichens.“ Die Bemerkungen Krempelhuber’s, welcher ausführlich auf den Gegenstand eingeht, und die von Sehwendener zu Gunsten seiner Hypothese angeführten Erwägungen der Reihe nach discutirt, sind in seiner sehr bekannten „Ge- schichte und Litteratur derLichenologie“ III. Bd. 1872, enthalten; diejenigen von Th. Fries sind in der Vorrede zu seiner „Li- chenologia Scandinavica," 1871, pp. 4—8 verzeichnet, obwohl er nieht genauer auf die Details eingeht. Auch Det. Müller machte eine kurze Mittheilung über den Gegenstand in der „Flora‘ 1872, p. 90, in welcher er die neue Theorie als unmöglich er- klärt, und zu gleicher Zeit eine selbst gefundene Hypothese aufstellt, die, wie er glaubt, den Schwendener’schen Forschungen eine neue und natürlichere Dentung geben würde. Und nicht

‚die Lichenologen allein betraten das Feld, um die alte und

wohl construirte Theorie zu verfechten, auch andere Botaniker, wie Prof. Caspary, haben ihren schätzenswerthen Beistand dazu geliehen. Dieser letztere ausgezeichnete Botaniker hat einige werthvolle Bemerkungen über die Hypothese gemacht, und sehr triftige Argumente dagegen in einer Abhandlung „Ueber die neueren Ansichten in Betreff der Flechten, wonach diese Schma- rotzer seien“ in Schriften der Physik. Oekon. Gesellschaft in Königsberg, 1872, Abth. II. p. 18 angeführt.

Es würde die Grenzen dieses Artikels weit überschreiten, wenn wir hier einen Auszug aus den verschiedenen Argumenten geben wollten, die von diesen Autoren in den oben erwähnten

"Abhandlungen und Werken gebraucht worden sind. Alles was

wir desshalb zu thun versuchen können, ist: einfach ihr Verhalten gegenüber den Haupi-Prinzipien der Schwendener’schen Hypo- these anzudeuten, wie diese ursprünglich durch den Autor auf-

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gestellt und später durch Bornet und Andere näher beleuchtet worden sind. Und in der That, wenn diese Hauptprincipien als unbaltbar und jeder wirklichen Begründung entbehrend nachge- wiesen werden können, müssen alle subsidiaeren darauf bezüg- lichen Punkte jede Kraft und Bedeutung verlieren. Die wahr- scheinlich beste, weil kürzeste Methode, die Schwäche der frag- lichen Theorie zu beweisen, wird die Prüfung der beiden Haupt- gründe sein, auf welche die Schwendener’sche Theorie augen- scheinlich basirt ist, und die der berühmte Autor in einer neu- eren Mittheilung unter dem Titel „Die Flechten als Parasiten der Algen“ in den „Verhandl. der Naturf. Gesellschaft in Basel“ nochmals darlegte. Später werden wir noch einige Einwendungen anderer Natur erwähnen, die nicht so direkt auf den einen oder anderen dieser Hauptpunkte Bezug haben. Die bemerkten zwei Haupt-Punkte, die solchermassen hier discutirt werden, sind 1. die Uebereinstimmung derFlechten-Gonidien mit Algen; und 2. die Beziehungen zwischen den Gonidien und den Hyphen.

In Bezug auf den ersteren Punkt behauptet Schwendener, wie schon bemerkt, „dass die verschiedenen Gonidienformen hin- sichtlich ihrer Struktur und der Art ihrer Vermehrung mit den parallelen Typen der einzelligen und faserigen Algen überein- stimmen. Nun kann kein Zweifel darüber sein, dass diese Hypo- these ihren Ursprung, und zwar ihren alleinigen Ursprung, ledig- lich in der Aehnlichkeit der Gonidien mit gewissen Algen hat, oder solchen, die darür gehalten werden, und dass man, wenn diess nicht der Fall wäre, niemals davon gehört: haben würde. Diese Aehnlichkeit wurde schon von früheren Autoren bemerkt, zurück bis in das Jahr 1849, wo Thwaites in der,‚Ann. Nat. Hist.“ ser. 2 vol. IIL p. 219 deutlich die Aufmerksamkeit auf diesen Umstand gelenkt hat. Er sah darin jedoch richtiger Weise nur einen Parallelismus zwischen den beiden; denn „Aehnlichkeit“ diess sei-wobl bemerkt, ist weder logisch noch wissenschaftlich gleich bedeutend mit „Identität.“ Auch Itzigsohn hat in der „Bot. Zeit.“ 1854, p. 521 auf die Aehnlichkeit gewisser Flechten- Gonidien mit freier Algenbildungen hingewiesen und Schwende- ner diese Aehnlichkeit sofort als gleichbedeutend mit Identität genommen. Später bemerkte auch Nylander in der „Flora,“ 1870, p. 92°), nur kurz die’algologische Theorie der@onidien besprech- end, sehr freffend, dass eine so unnatürliche Existenz, wie sol-

1) Nicht pag, 92, sondern p. 52.

PRSUHBRRFEEEBEN

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chermassen die Gonidien, in einem Gefängniss eingeschlossen und jeder Freiheit beraubt, verbringen müssten, durchaus nicht mit der Lebensweise der anderen Algen übereinstimme, und dass es nirgends in derNatnr ein Gleiches gäbe, denn nirgends könne etwas physiologisch Analoges bemerkt werden. Er fragt auch, was denn verhindere anzunehmen, dass die Gonidien der Li- chenen eine den Algen (oder den Gonidien der Algen?) ähnliche Form und Struktur haben, wie diess in gewissen besonders spe- zifizirten Beispielen der Fall ist, und dass doch beide besondere Klassen in der Pflanzenwelt bilden, indem er dann auch die Thatsache erwähnt, dass obwohl das Chorophyli bei den Moosen, Farrenkräutern und Phanerogamen beinahe überall das ähnliche ist, doch noch Niemand diese Pflanzen-Gruppen desshalb in ein und dieselbe Classe gesetzt hat. Die richtigere Ansicht über diese den Gonidien gleichenden Algen ist, wie er weiter bemerkt, wohl diese, dass man sie wenigstens theilweise nicht als wirk- liche Algen, sondern als erratische Flechten-Gonidien zu betrach- ten hat, die auf abnorme Weise vegetiren. Diese Ansicht theilt auch Krempelhuber, nach dessen Dafürhalten keine entscheiden- den Gründe gegen die Annahme bestehen, dass die Flechten- Gonidien eher von der Fiechte selbst entwickelte Organe seien als Algen, dass diese Gonidien gesondert fort zu leben vermögen und desshalb irrthümlich für einzellige Algen gehalten worden sind. So sagt auch Th. Fries, l. c. es sei wahrscheinlich, dass verschiedene neuere „Algenfamilien“ aus frei wachsenden Lichen- Gonidien bestehen, und diese desshalb aus dem Algensystem aus- zuschliessen seien. In „Obs. Pyr. Or.“ 1. c.') behauptet Nylan- der nochmals, dass wenn die Hypothese wahr wäre, „die Lichenen am besten an Plätzen wachsen und am häufigsten da vorkommen würden, wo die Algen, welche, wie man meint, die Flechten-Goni- dien bilden, reichlich vorkommen und die man dort vollgepropft davon findet. Er behauptet aber im Gegentheil, (und die Erfahr- ung aller Lichenologen wird diese Behauptung bestätigen), dass die Lichenen derlei Plätze vermeiden, und dass diese nur von spär- lichen Collemacei und wenigen anderen bewohnt sind, welehe nicht immer gut entwickelt sind nnd keine solchen Algenähnlichen Gonidien in ihrem Gewebe enthalten.“ Ausserdem fügt er noch (P. 47) bei, dass „die Algen, welche nach Schwendener’s trüber Hypothese die Ernährerinen „der parasitischen Pilzflechten‘ sein nun 1) Vide auch Flora 1874 p. 58. in note. Anm. des Usbers

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sollen, keine wahren Algen sind, im Gegentheile behanptet wer- den muss, dass sie von lichenartiger Natur sind, woraus folgt, dass diese Pseudo-Algen im Systeme zu den Lichenen zu stellen sind, und dass die bis jetzt so unbestimmt begrenzte Classe der Algen durch neue und wahrere Grenzen bestimmt werden sollte.“ In dieser letzten Bemerkung liegt unzweifelhaft eine vollständige Antwort auf die obigen von Schwendener zur Unterstützung sei- ner Theorie angeführte Erwägungen; desshalb sind auch offenbar die sogenannten Algengenera, wie Cora Fr., Dichonema N. ab Esnb; Scytonema Ag. (== Gonionema, Nyl.), Sirosiphon Kntz. == Spilonema, Born.) und wahrscheinlich noch einige andere, ') welche bis jetzt nur in sehr unvollkommenem Zustande bekannt waren, zur Klasse der Flechten transferirt worden. Dieses würde, wie sogleich bemerkt werden soil, die von Schwendener und Bor- net aufgestellten Verzeichnisse bedeutend reduziren, und wenn es zugestanden wird, (auf vernünftige Weise kann es auch nicht geläugnet werden) dass einige andere Algenarten nur frei lebende Lichenen-Gonidien sind, so würden diese Verzeichnisse offenbar bald in Nichts zusammenschwinden. Eine solche Lösung der in einigen Fällen wirklichen und in andern nur eingebildeten Iden- tität gewisser angenommener Algen mit Flechtengonidien ist ge- wiss viel natürlicher und verständlicher, da sie schon auf sicher- eren Gründen beruht, als die gezwungene und prima facie sehr unwahrscheinliche Schwendener’sche Theorie. Als ein schlagen-

des Beispiel dieser eingebildeten Identität, die nach Allem nur

„Aehnlichkeit‘“ ist, wollen wir einen von Bornet’s stärksten Punk- ten nehmen, nemlich dieldentität des Protococeus viridis mit den Gonidien der Physeia parietina, denn diess ist augenscheinlich dasjenige, was er durch seine Culturexperimente zu beweisen wünschte. Diese beiden sind ohne Zweifel sehr ähnlich, aber eine Verweisung auf fig. 3 und 4 unserer Tafel wird genügen zu beweisen, dass sie picht identisch sind; denn, wie man seben wird, die Gonidien der Physeia parielina sind grösser und ver- mehren sich im geringerem Grade, während der Protococeus sich mit grösster Fertigkeit und Geschwindigkeit vermehrt, viel

1) Gemäss den von dem Verf. nachträglich zu meinem Exemplar seiner Abhandlung sind hier Zeile 12 nach den Worten „some others“ noch das Wort „which“ und Zeile 13 nach dem Worte „condition“ noch die Worte einzuschalten: „are evidently to be transierred to the class of Lichens.“*

Anm. des Uebers. j

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schneller, als die Gonidien. Ex uno disce omnes, Soviel also über den ersten der beiden Hauptgründe, durch welche Schwen-

dener seine Hypothese zu stützen sucht, (Fortsetzung folgt.)

Literatur Ueber innere Vorgänge bei dem Veredeln der Bäume und Sträucher von H. R. Göppert. Mit acht lithogra- phirten Tafeln. Cassel, Verlag von Theodor Fischer 1874. 36 8.

Der hochverdiente Forscher hat uns mit vorliegendem Buche wieder ein werthvolles Geschenk aus dem Schatze seiner reichen Erfahrungen geboten; er bemerkt sehr richtig: „So unendlich oft auch die Operation des sog. Veredelns geübt wird hat man sich bis jetzt kaum noch veranlasst gesehen, die eigentlichen hie- bei stattfindenden Vorgänge zu untersuchen.“ Die Handbücher der Pomologen beschäftigen sich mehr mit den Producten dieser Operationen, als mit ihren physiologischen Verhältnissen. Nur einige ältere Schriftsteller sprechen hievon.

Du Hamel da Monceau (Naturgeschichte der Bäume II. p. 61) habe allezeit bemerkt, wiewohl das Holz des Reises das des Stammes unmittelbar berübrte, dass diese beiden Hölzer sich niemals vereinigten. Weiterhin scheint er aber doch anzunehmen, dass im höheren Alter wohl eine vollständige Verbindung erfolgen möge.

L. C. Treviranus (Phys. II. Abth. 1838 p. 217) nimmt nur die Vereinigung der Rinde, niemals die des Holzes bei den ge- dachten Operationen an.

Im J. 1841 untersuchte G. einen Zweig von Sorbus Aucupa- ria, mit welchem vor 2 Jahren ein Zweig von Sorbus lanuginosa und im April desselben Jahres mit letzterem wieder ein Zweig von S. graeca copulirt worden war. Ein Querschnitt durch die Verei nigungstelle der beiden ersten zeigte, dass, obschon der Schnitt bei beiden damals durch das Mark gegangen war, den- noch die Verbindung nicht durch das Zellgewebe der beiden Mark- eylinder und der sie umgebenden Holzringe, sondern durch ein von diesen verschiedenes aus ziemlich diekwandigen Zellen ge- bildetes Parenchym bewirkt worden war, welches sich dem unbe- waffneten Ange als ein zarter grünlicher Streifen darstellte, Erst die im zweitenJahre sich bildenden Holzringe beider Zweige hatten sich direct vereinigt und nun jenes Zellgewebe eingeschlos-

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sen. Die Vereinigung der Sorbus graeca mit lanuginosa war durch ein gleiches Gewebe erfolgt, welches G. als intermediäres Zellgewebe bezeichnete. Im April 1871 wiederholte Versuche ergaben dasselbe Resultat. Auf der verticalen Fläche des Mutter- stammes, wenn sie von der des Pfröpfings eng umschlossen wird, entwickelt sich jenes von den Markstrahlen ausgehende Paren- chymgewebe, welches mit dem des Pfröpflings in Verbindung tritt und unter Begünstigung möglichst vollkommenen Abschlus- ses von der Atmosphaere die Vereinigung nebst der Cambial- schiebt bewirkt. Bei Oculationen und Pfropfen erfolgt bei gut gelungener Operation die Verwachsung in dieser Richtung so vollständig, dass man nurdurch das Mikroskop das nie verschwin- dende Vernarbüngsgewebe zu erkennen vermag, Bei schieferem Schnitte, wie bei den meisten Copulationen, oder auch bei Pfropfen mit Bloslegung des durch den Pfröpfling nicht hinreichend ge- deckten Holzes vertrocknet das Gewebe sehr bald, nimmt eine schwärzliche Farbe an, verschwindet jedoch nicht, so dass man in den ältesten Stämmen seine Existenz in Gestalt eines schwar- zen Striches noch wahrnehmen kann. Mit der Entstehung die- ses „Verbindungsgewebes" treten auch die Cambiallagen des Pfröpflings und des Subjectes in innige Verbindung und einigen sich so genau, dass man ihre Grenze nur imLängsschnitte deut- lich bemerkt. An der Verwachsungsstelle erleiden sie eine leichte, mauchmal fast Sförmige, richtiger diagonale Biegung,

die sich dem nächstfolgenden Holzlager mittheilt und sich durch.

den ganzen Stamm fortzieht. Diese diagonale Krümmung tritt um

so deutlicher hervor, je grösser die Zahl der Markstrahlen ist,

die dann ebenfalls von ihrer horizontalen Lage vielfach abweichen und sich auf unregelmässige Weise in verschiedenen Winkeln scheiden. Im jüngsten und jüngeren Alter erkennt man dieses Structurverhältniss am deutlichsten beim Aufbrechen der Ver- ediungsstelle nicht in der ebenen Fläche eines Längsschnittes; in älteren Stämmen auf das entschiedenste in einer verschiedenen Färbung, wodurch der Pfröpfing von dem Wildling auffallend geschieden erscheint. G. hat diese Trennungslinie schon früher 1871mitdem NamenDemarcationslinie bezeichnet u. z. alseine innere und zugleich noch eine äussere unterschieden, welche auf der Aussenseite der vereinigten Stämme des Wildlings und des Pfröpflings sich genau in der Richtung der innern befindet und durch abweich- ende Rindenbildung, wie auch wohl durch verschi®-

wo

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dene Stärke der beiden Stämme kenntlich macht, da sie nur selten vollkommen gleichmässig wachsen. Alle über der Memarcationslinie vorkommenden Entwickelungen gehören dem Pröpfling, alle dar- unter befindlichen dem Mutterstamme oder dem Wildlinge an.

Der Pfröpfling entwickelt sich nun auf dem ihm als Unter- lage dienenden Stamme, treibt seine eigenen Blätter, Blüthen, Früchte und Samen, ohne dass der Stamm, auf den er gepfropft ist, wenigstens in der unendlichen Mehrzahl der Fälle irgend einen wesentlichen, seinen speeifischen Charakter verändernden Einfluss auf ihn ausübt, da er wegen seines blattlosen Zustan- des an der Assimilationsthätigkeit keinen Antheil nehmen kann. Seine Mitwirkung beschränkt sich nur auf Zuführung des durch die Wurzeln aufgenommenen sog. rohen Nahrungssaftes. Die zu seiner Existenz ebenfalls erforderliche assimilirte Nahrung em- pfängt er nur von dem Pfröpfling, verändert ihn aber an der Demarkationslinie auf eine seiner ursprünglichen Individualität ganz und gar entsprechenden Weise. Denn sein Holz, seine Rinde bleiben, trotz der völlig veränderien Verhältnisse seiner bisherigen auf die Ernährung gerichteten organischen Thätigkeit, in Folge dessen in ihrer früheren Beschaffenheit, und treibt er Zweige, Blätter und Fıüchte, so stimmen sie mit denjenigen eines nicht gepropften Stammes mit äusserstwenigen und.nur auf Färbung von Blättern beschränkten Ausnahmsfällen ganz und gar überein, ıırwahr ein ungewöhnliches, bis jetzt noch niemals gewürdigtes Verhältniss, indem hier der gesammte Ernährungs- Process ohne die sonst nöthige Mitwirkung der Vegetationsorgane vor sich geht und jene einfache, jeder besonderen Organisation entbehrende Grenze ausreichend ist, zweiin ihrem Wesen, vorallem auch in ihren Producten so verschiedener For- men auseinander zu halten. Man kann hieraus auch unter an- deren erkennen, welchen Werth die Natur auch auf Erhaltung der Varietät, geschweige gar der Art legt. Die gegenseitige völlige Unabhängigkeit der beiden miteinander vereinigten Stämme giebt sich überdies auch nicht selten, in dem verschie- denen Umfange beider zu erkennen, indem der Mutterstamm nicht selten den Pfröpfing an Umfang übertrifft oder auch wohl das umgekehrte Verhältniss eintritt, was vielleicht im Ganzen fast häufiger vorkommt. In diesem Falle, so meint man bisher wohl, dass der Mutterstamm die Fülle des ihm von dem Pfröpfling

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zuströmenden assimilirten Saftes nicht zu fassen oder zu ver- arbeiten vermüge, wodurch eine Aufstauung und zuletzt durch ‚erhöhte Zellenproduetion eine Verdiekung erfolge, welche man häufig an den veredelten Stellen bemerkt. Vielleicht findet sogar immer eine Hemnniss statt, wodurch die schon oft Sförmige Krümmung der Demarcationslinie veranlasst wird. Richtiger und naturgemässer lässt sich die Ursache dieser Verdickung auf den jedesmaligen Zustand der Lebensthätigkeit der Zellen beider Stämme zurückführen, deren Ueberwiegen bald in dem einen bald in dem andere jene Hyperproduction hervorruft.

Bei einer allzu grossen Verschiedenheit in der Beschaffen- heit der Säfte beiderseits, wie bei Holzgewächsen aus sehr ver- schiedenen Familien, findet keine Verwachsung statt. Wahr- scheinlich kommt es in solchen Fällen gar nicht erst zur Bildung des sog. intermediären Zellgewebes, worüber weitere Versuche entscheiden müssen, die mit Rücksicht auf diese Verhältnisse zur Zeit noch gänzlich fehlen.

Im Allg. nimmt man an, dass nur verwandte Pflanzen sich gegenseitig veredeln lassen; wie weit sich aber die Grenzen dieser Verwandtschaft erstrecken, ist zur Zeit noch bei keiner einzigen Pflanzengruppe durch Versuche genau festgestellt.

Wir konnten es uns nicht versagen die Einleitung des Veıf. wenn gleich ein wenig gekürzt wieder zu geben, und wollen uns in Betreff des ferneren Inbaltes ganz kurz fassen. Verf, bespricht nun A. die einzelnen Veredlungsarten u. z. 1. Pfropfen (S. 5 ff) a) Pfropfen in die Rinde (S. 6 f) b) Pfropfen in den Spalt (5.8), c) Pfropfen mit dem Sattel (S. 9), 2. Oculation (S. 9 f). 3. Copulation (S. 11 fi) dann B. die Verwachsungen berindeter Stämme (S. 14 ff) 6. Veränderungen weiche durch das Veredeln veranlasst werden (S. 16 ff) a) besonderer Einfluss des Mutterstammes auf den Pfröpfling (S. 19 ff); b) Einwirk- ung des Pfröpflings oder Edelreises auf den Mutterstamm (S. 21 f).

Personalnachrichit.

In Breslau wurde am 11. Januar das 50jährige Doctor- Jubiläum des Geh. Medizinalrathes Prof.Dr. Göppert in überaus feierlicher den hohen Verdiensten des allverehrten Jubilars ent- sprechender Weise begangen.

Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer’schen Buchdruckerei (F. Huber) in Regensburg,

58. Jahrgang.

N: 4. Regensburg, 1. Februar 1875.

Inhalt, Dr. A. v. Krempelhuber: Rev. J. M. Crombie „On the Lichen- Gonidia Question,'' in Popular Science Review, Juli 1874. (Fortsetzung und Schluss.) Dr. J. Müller: Lichenologische Beiträge. 4.— Edw. Tucker- man. Lecides elabens. Anzeige.

MT ——

Rev. J. M. Crombie „On the Lichen-Gonida Question,“ in Popular Science Review, Juli 1874.

Mitgetheilt von Dr. A. v. Krempelhuber. (Fortsetzung & Schluss.)

Wir wenden uns nun zum zweiten derselben, nemlich zu den Beziehungen zwischen den Gonidien und den Hyphen. Hier be- haupteter, „dass bis jetzt die genetische Verwandtschaft der Go- nidien zu den Hyphen noch nirgends direkt bewiesen, sondern nur aus anatomischen Gründen erschlossen worden ist, „während fügt er bei „die anatomische Verbindung möglicher Weise von „Copulation“ abhängen kann.“ Nun ist es bemerkenswerth, dass diese Behauptung in direktem Widerspruch steht mit dem, was Schwendener ursprünglich selbst glaubte, und was er in Naegeli’s „Beiträgen zur wiss. Bot.“ Heft 2. p. 125,t.1.h. 181.3 h. 6. nachzuweisen gesucht hatte. Diese frühere An-icht aber, sagt er, war satteam hervorgerufen worden durch die früheren Beobachtungen Bayerhoffer’s und Sperschneider’s, obgleich ‘er behauptete, dass die Gonidien von den Zwischengliedern der liyphen erzeug.

Flora 1875. 4 Mo. Bot. Garden,

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werden, und nicht von den Terminal-Zellen, (wie Bayerhoffer etc. meinte), Wenn dann die Figuren, durch welche er seine ur- sprünglichen Ansichten tiber diesen Punkt beleuchtete, correkt waren, wie man annehmen kann, so ist es eine richtige Folger- ung, dass der Wechsel seiner Meinungen unmittelbar dem Wun- sche entsprang, eine weitere Bekräftigung der Grundprinzipien seiner schon erwähnten Theorie dadurch zu erlangen, dass er die Connexion der Hyphen mit den „Algen“ (Gonidia), mag sie eine wirkliche oder nur angenommene sein, zu Hilfe nahm, Es ist in der That schwierig, wie jeder Lichenologe, der das Experiment gemacht hat, genugsam weiss, diese Connexion herauszufinden, ausgenommen in den frühesten Stadien der Flechten-Entwicklung und auch hier nur unter ausnehmend günstigen Umständen. Desshalb wurden die verschiedenen schon erwähnten Lichenen- Culturversuche in’s Werk gesetzt, hanptsächlich zum Zwecke der Feststellung a primo initio, welches der Ursprung und der Charakter dieser Verwandtschaft sei. Und hier mag bemerkt werden, dass durch die besprochenen Experimente, die in verschiedenen Be- ziehungen zugestandener massen unbefriedigend und unentschei- dend ausfielen, die Hypothese wenig oder gar keine Unterstütz- ung erhielt, indem wenigstens zum grössten Theil die beobach- teten oder angeblich beobachteten Erscheinungen einer anderen und wahrscheinlich richtigeren Deutung fähig sind. So ist es auch in Bezug auf Ress’ bekanntes Experiment mit Nostoc und Collema-Sporen: es kann kaum bezweifelt werden, dass Nylan- der’s Hypothese, wie sie in der „Flora,“ 1868, p. 353 et alibi ausgedrückt wurde, richtig ist, nemlich dass Nostoc theilweise, wenn nicht ganz, ein Anfangs- oder unentwickelter Zustand einer Gollema ist, analog den „leprariae“ bei den Lichenaceen. Er hat beobachtet, dass Nostoc-Thallus häufig auf sandigen und kiesigen Plätzen vorkommen, und dass auf denselben Stellen kurz danach Collema pulposum gefunden worden ist, was auch ganz mit unseren eigenen Beobachtungen auf Kreide-Detritus am Shiere und Surrey und bezüglich verschiedener anderer Species der Collemacei auf kiesigem Boden im westlichen Hochland über- einstimmt. Diess erscheint sicherlich als eine natürlichere Lös- ung, als die „dimorphe‘‘ (dimorphie) Theorie des Dr. Müller in der „Flora“ 1872 p. 90. Doch wenn Obiges auch nicht die Be- ziehungen zwischen Nostoc und Uollema erklären würde, so wür- den Reess’ Experimente doch nach Allem absolut Nichts zu Gunsten seiner Theoriein diesem besonderen Falle beweisen; dent

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wenn er die Sporen einer Parmelia oder Opegrapha auf den No- stoc gestreut hätte, würdeer eine gleiche Erscheinung gesehen haben. So verhält es sich auch in Betreff der faserigen Keime, deren Eindringen. in den Protococcus von Bornet und Treub beo- bachtet wurde. Auch diess dürfte die von ihnen aufgestellte Behauptung nicht beweisen, denn M. Normann, ein ebenso prak- fischer wie ausgezeichneter Beobachter sah, wie die Hyphen auch Chlorophylikörnuchen von Jungermannia und Körnchen Bilitken- staubes umschlangen, vid. „Allelositismus,“‘ 1872, pp. 249 und 252. Doch wenn es auch naturgemäss noch so schwierig ist, sich über diese Sache Gewissheit zu verschaffen, und die Resultate der Cultivirung zu keinem sichern Schlusse führten, so wurde doch das, was wir als die wahre Connexion zwischen dem faserigen Flechten- Gewebe und den Gonidien ansehen, genügend durch die Beobacht- ungen Bayrhoffer’s, Speerschneider’s, Tulasne’s, Thwaite’s, Gibelli’s und anderer bestätigt. Ja sogar De Bary hat in seiner Abhand- lung „Morphologie und Physiologie der Pilze, Flechten und Myxomyeeten“ p. 258 etc. deutlich nachgewiesen, dass das grüne Gonidium in einer Auftreibung (Ausdehnung) eines kurzen Ne- benzweiges der Hyphe entspringt; welche dann als eine kugelige Zelle abgeschnürt wird und eine grüne Farbe bekommt. Dieses Grüne, bemerkte Nylander in der „Flora‘‘ 1874, p. 46'), entsteht ursprünglich innerhalb des ersten, Chlorophyli- oder Pycochrom- tragenden Zellchens, und ist nicht von Aussen eingeführt ?). Dass die Gonidien nicht aus einer fremden Quelle stammen, zeigt noch sattsam ein Blick auf Fig. 1 und 3 unserer Tafel, wo es in gleicher Weise bei einer Liehenartigen und bei einer Collemacei artigen Species augenscheinlich ist, dass die Gonidien in den Isidien entstehen; denn in den jungen Isidien können sie am be- guemsten studirt und da ihr Ursprung am deutlichsten gesehen werden.

Wenn das Gonidium einmal gebildet ist, fährt de Bary in seiner Darstellung fort, vermehrt es sich unabhängig durch Theil- ung; aber obwohl es gewöhnlich an den kleinen Zweigen der Hyphen gesehen wird, so ist diess doch nicht immer der Fall, denn eine Anzahl

derselben liegt zuweilen ohne Stielchen zwischen den Hyphen zer- rn

D) Nicht p. 46, sondern p. 57. Anm, des Uebers.

2) Herr Nylander hat auch bei seinen Untersuchungen über das neue Genus Nematonostoe die Entwiekelung dieser gonimischen Pflanze von der ersten Zelle an beobachtet und gesehen, wie in dieser ersten Zelle die goni-

Mische Materie sich bildet. Anm. des Uebers. 4%

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streut. Diess wurde ganz kürzlich durch Th. Fries „Lich. Scand.“ p. 7 bestätigt, welcher gemäss seinen direkten Beobachtungen diese Ansicht adoptirt und vertheidigt. Denn, wieer constatirt, sind die Hyphen nicht allein in einfache Fasern verlängert, sondern entsenden auch kurze Zweige, deren Terminalzelle sich allmälig ausdehnt, rundlich wird, später sich mit Chlorophyil füllt und dann in ein Gonidium verwandelt wird, welches endlich ver- schiedenartig getheilt ist, und andern Gonidien ihre Entstehung giebt. Was die Anzahl jener andern Gonidien betrifft, die frei und unter den Hyphen zerstreut gefunden werden, bemerkt der- selbe Autor ganz richtig, dass dieser Umstand keineswegs im Widerspruch stehe mit der Meinung, dass normaler Weise eine Verbindung zwischen den Gonidien und den Hyphen bestehe. Als weiteren Beleg zu dieser Sache bemerkt Krempelhuber, 1. e. noch, dass Schwendener nicht unternommen hat zu erklären, woher den die Pilz-Hyphen, welche die grünen Algen umhüllen, stammen. Angenommen jedoch, dass Schwendener solches durch die Behauptung erklären wollte, die von den keimenden Flechten- sporen erzeugten Fasern seien die Hypben der ersten Thallus- Anlage, macht er geltend, dass die Idee solcher nach einen Algen-Wirth suchenden, und einem Flechtenthallus mit Frukti- fication Entstehung gebenden Hyphen ganz unbegreiflich sei. Es gebe vielmehr Lichenenarten, die in manchen Gegenden nie- mals fruchtbar sind, und deren Fortpflanzung folglich nur mittelst der Soredien geschehen kann, und solche Hyphen könnten doch für sich selbst ebenso wenig zur Fortpflanzung dienen als die Hyphen des Pileus oder des Stieles eines Agarieus, während es höchst unwahrscheinlich sei, dass sie diese Fähigkeit durch das Dazwischentreten einer fremden Alge erlangen könnten. An- derseits behauptet er, es sei doch viel naturgemässer, dass die Gonidien als aus den Lichenen selbst entwickelte Organe, gleich den Sporen, die von ihnen abstammenden Hyphen befähigten, das Individuum fortzupflanzen und nicht hinzutretende Algen. Das halten wir für die richtige Ansicht betreffs der Beziehungen der Gonidien zu den Hyphen, die auch wenn die neue Theorie ihre kurze Glanzzeit gehabt haben wird, ohne Zweifel allgemein ange- nommen werden wird. Allein auch ganz abgesehen von diesen Erwägungen bleibt noch ein anderes Argument übrig, das schon für sich selbst genügend ist, zu beweisen, dass, welcher Art auch immer in anderer Beziehung die Connexion zwischen diesen bei- den Elementen sein mag, dieselbe gewiss nicht die eines „Pilzes“

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mit Algeneolonien ist. Denn nach Allem stellt sich schliesslich heraus, dass Schwendener’s Herren-Parasit (master parasite) garkein Pilzist, wie durch Nylander in „Grevillea“ IIp. 147, deutlich bewie- sen wurde, nemlich: „Die faserigen Elemente der Lichenen unter- scheiden sich anatomisch durch verschiedene Merkmale von den Hyphen der Pilze. Sie sind fester, elastisch, und zeigen sich sogleich in dem Lichenengewebe. Dagegen sind die Hyphen der Pilze sehr zart, besitzen eine dünne Wand, und sind nicht im geringsten gelatinös, da sie sogleich durch Anwendung des Pottasche-Hydrats aufgelöst werden, etc. etc.“ Diese sehr beton- ten wichtigen Unterschiede zwischen beiden, welche Beobachtung vollkommen bestätigt ist, vernichten sogleich auf wirksame Weise die Rolle des Pilzes in der Schwendener’schen Hypothese.

Soviel denn über die zwei Hauptprinzipien, auf welchen die ‘neue Theorie augenscheinlich beruht. Die drei anderen gerin- geren Erwägungen, welche der Autor zu ihrer Unterstützung anführte, und von uns schon oben erwähnt wurden, sind durch von Krempelhuber mit sehr wenig Worten abgethan worden. Auf die zweite erwiedert er, dass dieser Unterschied in der Reaction von keinem Belange sei, da die den Hyphen entstam- menden Membranen der Schläuche dieselbe Reaction geben wie sie die Gonidien-Membranen zeigen. Auf die vierte entgegnet er, dass, obwohl es den Beobachtungen Tulasne’s etc. nicht gänzlich gelang, die Entwicklung der Gonidien aus den Hyphen genau festzustellen, dennoch in Folge ihres regelmässigen Erscheinens auf den letzteren vernünftiger Weise die Wahrscheinlichkeit, dass sie aus diesen wirklich abstammen, nicht wohl geläugnet werden könne. Und auf die letzte Erwägung erwiedert er, dass die Anwesenheit der Gonidien nicht der einzige Unterschied zwischen den niedrigsten Flechten und solchen Pilzen (Pyreno- Mmycetae) sei, die eine Uebereinstimmung in ihrer Fructification zeigen. Aber ausser diesen besonderen Einwendungen gegen die Hypothese giebt es noch verschiedene mehr allgemeine von gleicher Stärke, die ebenfalls angeführt worden sind. Die bei- den häuptsächlichsten von diesen beziehen sich auf die Ernäbr- ung und die Vertheilung der Flechten. Bezüglich ihrer Ernähr- ung hat Nylander in „Obs. Pyr. Or.“ I. c. constatirt, dass wir besonders rings um die Gonidien (oder Gonimia) das vegetative Leben als hervorragend begünstigt und thätig erblieken, wie zum Beispiel durch Hervorbringen junger Theile und durch Erzeug- ung färbender Materie, während dagegen diejenigen Theile des

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Thallus, die von den Gonidien entfernt liegen, oder im Alter vorgerückt sind und ihre Lebensfähigkeit verloren haben, wie

diess am besten an verdiekten, verkrusteten Lichenen zu sehen

ist gänzlich weiasteinartig werden, und sich dann so gestalten, als wären sie bloss dicker Bodensatz. Da nun die Gonidien aller Flechten normal mit dem faserigen Gewebe bedeckt sind, während bei manchen eine zusammenhängende Rinden-Schicht die andern Theile des Thallus ganz umgiebt, so ist es augen- scheinlich, dass sie, so von der Aussenwelt isolirt, den Stoff zu ihrem Wachsthum und ihrer Vermehrung nur aus dem Thallus selbst beziehen können, zu dessen Ernährung sie nach Schwen- dener’s Theorie, wie schon erwähnt, selbst förderlich sein sollten. Aber, wie Th. Fries sehr treffend bemerkt, 1. ec. p. 5. „es ist sehr bekannt, dass andere Pflanzen, aus welchen Parasiten ihre Nahrung ziehen, in Folge dessen welk und krank werden, wäh- rend wir hier Pflanzen (Algencolonien) sehen, die auf allen Sei- ten von Parasiten (Pilzen) beunruhigt werden, und nicht nur da- durch Keinen Schaden erleiden, sondern sogar dermassen ange- regt und gereizt werden, dass sie nur desto besser wachsen, sich vergrössern und vermehren.!) Wohl mag er hier ausrufen „ein nützlicher und kräftigender Parasitismus wer hörte jemals von so etwas?" Hiezu kömmt noch, dass, wie Nylander sehr aus- führlich in der „Flora“ 1874 pp. 59—61 beweist, die Flechten ihre Nahrung direkt aus der Atmosphäre beziehen, (da sie von dem Substrat nichts erhalten, esseji denn auf mechanische Weise, e. g. Eisen und Kalk), uad dass diese gewöhnlich durch die Oberfläche (die rindige Schicht) des Thallus zur Gonidien-Sehicht dringt, wo das thätige Leben seinen Haupsitz hat, und so ist es deutlich 'dargethan, dass Schwendener’s Idee nicht nur a priori äusserst unwahrscheinlich, sondern auch a posteriori gänzlich irrig ist.

Doch wurde noch eine andere starke Einwendung gegen Schwendeners Hypothese auf Grund der Verbreitung der Flechten gemacht. In diesem Punkte beweist Krempelhuber: dass, da so- viele Flechten kosmopolitisch und ihre Gonidien überall die gleichen sind, man von der Schwendener’schen Hypothese, dass diess Algen seien ausgehend annehmen müsse, es hätten solche

1) Diese Bemerkung ist auch schon früher von W. Nylander (Lapp. orient. p. 117 in nota) und gewiss auch von vielen Andern gemacht worden. Anm. des Vebers.

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Algen eine ebenso weite und allgemeine Verbreitung wie die Lichenen, und diess stehe aber gänzlich mit unserer bisherigen Kenntniss der Algen-Verbreitung im Widerspruch und sei daher im höchsten Grade unwahrscheinlich. Ueberdiess in direkter Beziehung auf dieses Argument möchte man die sehr treffende Frage stellen, wie kommt es, dass die Lichenen, wenn sie zu- sammengesetzte Pflanzen sind, in Situationen getroffen werden, in welchen weder -Algen noch Pilze jemals gesehen worden sind? Diess wurde sehr klarvon Dr. Müller gezeigt 1. c.,wo er bemerkt dass in den hohen Alpen auf ungeheuren Felsenflächen, die weit von Wäldern entfernt sind, wo keine Ascomycetes, Algen aber nur ganz selten vorkommen, Lichenen sehr oft und in grosser Menge angetroffen werden. Diess wurde auch durch unsere eige- nen Beobachtungen auf den höheren Grampiansin Braemar genügend bestätigt, wo gegen ihre Gipfel zu, auf ausgebreiteten Flächen Gerölles, granit- und quarzartiger Geschiebe, nicht ein einziger Pilz zu sehen ist, und Algen ganz unbekannt sind (denn die Wasserpflanzen in den nächsten Quellen und Bächlein sind nach Schwendener’s eigener Beweisführung ausgeschlossen), Lichena- ceen aber in genügender Menge und Verschiedenartigkeit ange- troffen wurden. Noch andere mehr oder weniger kräftige Ar- gumente wurden in dem erwähnten Werke von Krempelhuber vorgebracht, aber die uns gesteckten Grenzen erlauben uns nicht darauf einzugehen. Wir wollen uns darum begnügen, zum Schlusse noch einfach die drei Haupt-, und nach unserem Dafür- halten, unwiderlegbaren Einwendungen darzulegen, die Professor Caspary in den obenerwähnten Juurnalen gegen die Hypothese machte. Darin macht er geltend: 1. Dass wenn die Theorie rich- tig wäre, hienach der Pilzparasit in Grösse und Zellenanzahl um viele hundert Male die ernährende Pflanze übertrefien würde, obwohl nirgends in der Natur Aehnliches vorkommt. 2. Die Theorie ist unmöglich, denn man müsste hienach annehmen, dass die „Algen“ obwohl sie mit einem mächtigen Parasiten behaftet sind, dennoch die grösste Gesundheit und Kraft entfalten, und sich zugleich vermebren können, was absurd ist. 3. Die Theorie ist unmöglich, weil die ernährende „Alge,“ da sie gänz- lich in dem Pilze eingeschlossen ist, ihm augenscheinlich keine Nahrung zuführen kann.

Diejenigen unserer Leser, welche genauere Detailsder Hypo- these und der Einwendungen dagegen zu wissen wünschen, als zu gehen uns in dem hier sn unserer Verfügung gestellten Raume

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möglich war, werden solche in den verschiedenen Abhandlungen, Journalen und Werken, die wir erwähnt, so wie auch bis zn ‘einer gewissen Ausdehnung in Mr. Archer’s ausgezeichnetem resume dieses Gegenstandes, „Quart. Journ. Mier. Se.“ vol. XHI. p. 217 und vol. XIV. p. 115, finden. Eine Uebersetzung desselben Antors von Schwendener’s jüngstem Beitrag zur Hy- pothese, in welchem er auf verschiedene Einwendungen, die wir dagegen geltend machten, entgegnet, und die betitelt ist „Ueber die Natur der Lichenen-Gonidien“ erschien in dem nämlichen Journal vol. XIII. p. 235. In diesem bemüht sich Schwendener wie man erwarten konnte, auf’s Neue, seine Theorie in ihrer ganzen Vollständigkeit aufrecht zu erhalten, und beleuchtet fer- ner durch andere ähnliche Beobachtungen diesen Aufsehen erre- genden „Roman derLichenologie,‘“ oder die unnatürliche Verbind-

ung zwischen einem gefangenen Algen- Fräulein und einem tyran- nischen Pilz-Herrn,

Erklärung der Tafell.

Fig. 1. a und b. Durchschnitte des Thallus der Pertusaria Westringii, um vierzig Mal vergrössert, woraus augenscheinlich hervorgeht, dass die Gonidien aus den inneren Zellchen des isi- diosen Kügelchens stammen, und niehtvon irgend einem anderen Theil herkommen.

/ Fig. 2. a und b, Isidiose Kügelcben des Collema furvum in verschiedenen Lagen, woraus zu sehen ist, dass die Gonidien von ihrem ersten Anfang an in den Isiden selbst entspringen.

Fig. 3. Gonidien der Physcia parietina.

Fig. 4. Protococeus viridis, beide gleich stark vergrössert, und beide von demselben Stiick Rinde, zum Beweis, dass, obwohl ziemlich ähnlich, sie doch nicht identisch sind.

Fig. 5. Von Bornet copirt (Pl. X.) zeigt, wiedie Sporen der Physcia paretina mit Protococcus viridis zusammengestreut sind, und’ Faserkeime entsenden, die in die Protococcuskügelchen eindringen oder darauf ansetzen.

Fig. 6. Von Reess copirt, zeigt, wie die Faserkeime der Collemasporen in den Nostoe lichenoides Vanch. eindringen.

Aus den vorstehenden Erörternngen und Darstellungen wird der unbefangene Leser entnehmen können, dass in Betreff der Entscheidung der: fraglichen Hypothese die Wagschale sich zu

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Gunsten der Gegner derselben neigt und ich möchte glauben, dass je- der wahre Lichenologe, jeder Naturforscher, derdie Lichenen nicht bloss in der Stube und mit dem Mikroseope, sondern auch in der freien Natur und unter verschicdenartigen Verhältnissen be- obachtet und studirt hat, und nicht von vorgefassten Meinungen beirrt ist, nach den oben mitgetheilten Resuliaten der neuesten Untersuchungen von Nylander, Th. Fries undCrombie jetzt kaum mehr in Zweifel sein wird, dass Schwendener’s abentheuerliche, mit allen Erfahrungen inkrassem Widerspruche stehende Hypo- these unhaltbar und bereits dem Grabe verfallen ist. Anders werden freilich die Pflanzen-Anatomen und Pflauzen-Physiologen denken. Sie, welche die Lichenen in der Regel nur aus winzigen Herbar-Exemplaren kennen, und entweder blindlings ohne eigene Untersuchungen anzustellen, den Lehren und Ansichten des Schöpfers der Hypothese folgen, oder bei Beurtheilung der Streit- {frage nur die Resultate ihrer eigenen mikroskopischen Untersuch- ungen im Auge behalten und solche für infallibel erachtend, die von den Gegnern vorgebrachten, theils auf die Resultate mikros- kopischer Beobachtungen, theils auf allgemeine physiologische und biologische Verhältnisse sich stützenden Gründe und Ein- würfe aber einfach ignorirend dieselben stets nur zu Gunsten der Hypothese zu deuten pflegen, werden freilich noch fortfahren, ihre Ansichten (vielleicht der eine oder andere wieder mittelst Belehrungen im Katheder-Style) den Lichenologen aufzudringen, obne gleichwohl überzeugende Beweise derselben beibringen und die entgegenstehenden Bedenken der Gegner entkräften zu können.

Im Uebrigen wäre es, um auch die Pflanzen-Physiologen endlich von der Grundlosigkeit der Schwendener’schen Hypothese zu überzeugen, sehr wünschenswerth, dass die Untersuchungen Crombie’s, Nylander’s und Th. Fries, bei welchen sich heraus- gestellt hat, dass die Gonidien wirklich von der Flechte selbst erzeugt werden und nicht von Aussen hinzukommen, durch gute Zeichnungen illustirt würden; denn es ist begreiflich, dass derlei Abbildungen, wie z. B. die Figuren 1 ab und 2b auf der, Crombie’s Abhandlung beigefügten Tafel, nicht genügen, den Physiologen einen überzeugenden Beweis von der Richtigkeit der Anschauungen ihrer Gegner, soweit diese sich auch auf den Resultate mikroscopischer Untersuchungen, gründen, beizubringen.

In der sichern und unanfechtbaren Beweisführung aber, dass die Flechten-Gonidien von der Flechte selbst produzirt werden,

ee a en

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nicht aber in dem Nachweise der Identität gewisser für ächte Algen bisher gehaltenen Zellen mit den Flechten-Gonidien, liegt wohl doch hauptsächlich die Entscheidung der Streitfrage und ich bin weit davon entfernt, zu bezweifeln, dass dieser ent- scheidende Beweis auch für diejenigen, welche als solche die Resultate der neuesten Unterschungen von Nylander, Th. Fries und Crombie noch nicht anerkennen wollen, sehr bald in vollkom- men überzeugender Weise erbracht und und dann den Resultaten der bisherigen mikroscopischen Untersuchungen der Anhänger der Hypothese, namentlich aber jenen des Herrn Bornet, eine ganz andere Deutung, als von den betreffenden Autoren geschehen, gegeben werden wird.

Schliesslich möchte ich bei dieser Gelegenheit hier noch eine Bemerkung anfügen.

Ein Haupteinwurf, welcher in der Regel von den Anhängern der Schwendener’schen Hypothese gegen die Annahme derLicheno- logen, dass die Gonidien in dem Flechtenthallus selbst entstehen vorgebracht wird, ist der, dass bisher die Bildung von Gonidien bei der Keimung einer Flechtenspore noch nicht mit Sicherheit constatirt worden ist.

Allein bisher bat man nur die Anfänge dieser Sporen-Keim- ung zu verfolgen vermocht, keineswegs aber die Bildung des Thallas selbst aus der ersten Anlage. Diese erste Anlage, der Prototballus der Flechte, weleher wahrscheinlich keiner aus Spo- ren entstehenden Flechte fehlt, besteht aber aus einem Faserge- bilde, welches zweifellos dem Mycelium der Pilze analog ist und aus ihm oder auf ihm bilden sich erst die Hyphen des den ei- gentlichen Thallus, resp. die sogenannte Medullar- und Cortical- Schichte, konstituirenden Gewebes. Ich möchte nun glauben, dass wenigstens bei den heteromerischen Lichenen die Gonidien nicht sogleich bei der ersten Anlage oder der Bildung des Protothallus entstehen, sondern erst in einem späteren Sta- dium, nachdem das Hyphengewebe des Thallus sich bereits ge- nügend entwickelt hat, und dass diess der Grund ist, warum bei derSporen-Keimung die Entstehung der Gonidien oder des grünen Inhaltes derselben in vielen Fällen bisher nicht beobachtet worden ist; es ist mir ferner wahrscheinlich, dass nur einzelne Hyphen Gonidien entwickeln und dass das einzelne Gonidium sodann nach der Trennung von der Mutter-Hyphe innerhalb des Thallus sich rasch durch Theilung vermehrt und so nach und nach die bekannte grüne Gonidien-Schichte des Thallus sich bildet. Auf

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einen solchen Vorgang bei den heteromerischen Lichenen möchte vielleicht auch die Lage der Gonidien-Schichte, welche sich be- kanntlich bei diesen Lichenen nahe der Oberfläche unter der dünnen, aus Hyphenenden gebildeten Cortical-Schichte befindet, hindeuten. Aus dem Umstande aber, dass man bisher bei der Sporenkeimung aus den Fasern der Protothallus-Anlage keine Gonidien entstehen sah, sogleich den Schluss zuziehen, dass eine genetische Beziehung der Gonidien zu den Hypben überhaupt nieht bestehen könne, erscheint mir geradezu abgeschmackt und ganz unannehmbar.

Endlich ist es mirauch nicht zweifelbaft, dass die bisherigen Aussaat-Versuche mit Flechten-Sporen nicht desshalb keine ent- sprechenden Resultate geliefert haben, weil den ersten Anfängen der Flechte der Zutritt der ihr zukommenden Aige fehlte, son- dern lediglich desshalb, weil die betreffenden Forscher, welche in der Regel sehr wohl die anatomischen und morphologischen Verhältnisse, nicht aber auch die biologischen und überhaupt die allgemeinen Lebensbedingungen der Lichenen kennen, es noch nicht verstanden haben, die Sporensaat in diejenigen Ver- hältnisse zu bringen und darin längere Zeit zu erhalten, durch welche die Entwicklung der Flechten-Spore zur Thallus-Bildung unungänglich bedingt ist.

München, im Dezember 1874.

Dr, v. Krempelhuber.

Lichenologische Beiträge. 4. Von Dr. J. Müller.

Vorigen Sommer hat ein junges und eifriges Genfermit- glied des schweizerischen Alpenelabs, Herr Alfred Brun, von Belalp aus, also von der Walliserseite aus, nach vieien Anstreng- ungen und Märschen über Eis uud Schneefelder, den 11500 Fuss bohen Distelgrat (od. Distelgrätli) erstiegen, welcher einen Theil des mächtigen und eisigen Aletschgebirges bildet und etwa eine Stunde westlich vom Aletschhorn liegt. Herr Brun hatte die Güte dort einige Flechten aufzunehmen und mir dieselben für die wissenschaftliche Verwerthung zu überlassen. Die grössern Arten lagen mir in schönen Exemplaren vor, die kleinern dage-

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gen waren in der Regel in nur sehr geringer Quantität als Bei- mengsel vorhanden. Das Substrat war Gneiss, Quarz und Glimmerschiefer.

Die Untersuchung dieser Materialien ergab folgendes Resultat;

36. Amphiloma elegans y ferax Müll. Arg. Thalli medioeris v. parvuli laciniae quam in « orbiculari angustiores, confertae, valdeturgidae, crebre rugulosae, intense e rufo-lateritio miniafae, fere usque ad peripheriam thalli apotheciis copivsissimis obteetae; apothecia quam in a distinete minora, confertissima, nonnihil tortuoso-subangulosa. Structura interna apotheeiorum non differt.

Habitat ad saxa gneissiaca supra moles glaciales Aletsch.

37. Placodium concolor v. angustum Arnold Lichenol. Aus- flüge n. 13 (Brenner) p. 4, nuperrime editum, eui synonymon addendum: Lecanora polytropa y orbicularis Schaer. Enum. pP. 81 (non formae typicae adseribenda), et pro parte: Placodium coneolor Körb. Par. p. 118. Thallus quam in forma genuina speciei minor et tenuior, magis adplanatus, centro facilius eva- nescens, undique v. pro parte cum apotheeiis e stramineo cyanescens; apothecia thallo concoloria, demum e coeruleo nigricantia.

Reliqua omnina ut in Zecanora concolore Ram. (ex speeim. pyrenaieis a Schaer. leet., et alpinis Massalongian. et Anzianis et uno in St. Bernhardo a me ipso anno 1852 lecto, insulatim inter alia numerosa hujus varietatis erescente), sc. lamina eirt. 55-65 u alta, hyalina, superne luteo-fuscescens, paraphyses graciles, subliberae, sporae 6—11 u longae, 5—8 latae, sc. ambitu latae, saepe late ellipsoideae v. late ovoideae, v. pro parte globoso-ellipsoideae.

Habitat in tractu Aletsch ad Distelgrat: Alfr. Brun, in summo cacumine montis Dent du midi Valesiae altit. 10600‘: Chavel, in summe cacumine Mt. Rosa: Cas. de Candolle, in monte St. Bernhardo supra Hospitium altit. circ. 8500-pedali: Müll. Arg. et in Austriae monte Glockner: Laurer 1862 (omnia in hb. Mill.)

Anmerkung. Die Sporen fand ich fast immer 1'/,—2 mal so lang als breit, nur selten merklich schmäler, nie circa 3 mal länger als breit, und ebenso verhält sich auch die typische Form der Species. Die entgegengesetzten Angaben dürften wohl da- rauf beruhen, dass eingemischte Apotheeien von Placodium dis- perso-areolatum, oder vielleicht von dem folgenden Placodium gracile nicht erkannt worden wären.

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38. Placodium gracile Müll. Arg. Thallus cartilagineo-tar- tareus, stramineus, v. Stramineo-einerascens, saepe lividescens, nitidulus, pro genere tenuis et exiguus, primum orbillas parvas saepe incompletas margine radiantes formans, dein disperso-are- olatus v. ab initio subeflusus, areolae glebuliformes, alte con- vexae, suborbieulares v. late reniformes v. inciso-angulosae, de- mum saepe omnino obsoletae. Apothecia evoluta 1—2 mm. lata, conferta, substramineo- v. albido-carnea, primum margine crasso aegquali nitidulo dein tenuiore et undulato cincta, ex initio con- cavo demum convexa et subimmarginata. Lamina eirc. 45 u alta, apice fuscescens, caeterum cum hypothecio hyalina, para- physes subconglutinatae. Asci angusti, apice late obtusi, 8-spori. Sporae (simplices, hyalinae) 9—13 «u longae, 31, —4', (— 5) u latae, saepissime fere 3-plo v. triplo et quod excedit longiores quam latae, cum aliis paucis sesqui longioribus quanı lafis mix- tae, longiusculo tractu aeguilatae, utringue vulgo late rotundato- obtusae, reetae v. leviter curvatae. Spermogonia atra, prominen- tia; spermatia capillaceo-filiformia, eirc. 40 # longa et eirc. %, u lata, sigmoideo-ceurvata.

Sporis oblongatis et thallo minore aliterque colorato a pro- ximo et satis simili Placodio concolore ß. angusto Arn. differt. A P. disperso-areolato, eujus sporae etiam elongatae, recedit sporis utrinque obtusis, tenuifate omnium partium et insuper thalli indole. Forma athallina demum a Lecunorae polytropae formis similiter ecrustaceis caute distinguenda est, at sporarum ambitu et lamina nana statim recedit. Ambitus sporarum simul ut in Hepp Abbild. Fl. Europ. t. 40. n. 358 fig. 1, 2, 5 a sinistra, n. 361, et t. 43 n. 386 fig. 2, 3 a sinistra.

Habitat in Distelgrat montium Aletsch, altit. 11500 ped., ad saxa gneissiaca:

f. atratum Müll. Arg. Apotheeia demum e livido atrata (pro parte saltem vegetatione fungina toruliformi interiore

inquinata). Thallus et sporae speeiei. Habitat cum forma normali speciei. ß amoenum Müll. Arg. Apothecia juniora amoene

rubella, linea zeorina intensius tincta inter discum et marginem ornata, demum pallide cinnamomea. Tballus et sporae ut in forma genuina speeiei. Habitat cum praecedentibus, sed quartzicola. 39. Thalloidima conglomeratum Mass. Ric. p. 97. Anmerkung. DieSporensindbei dieser eigenthümlichen und

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nur hoch vorkommenden Flechte im Umriss sehr veränderlich und eirca 1'/, —3Y/, so lang als breit, in der Mehrzahl einfach (vergl. Arnold Lich. Ausfl. Brenner p. 7), jedoch fand ich immer auch scharfdeutlich 2-zellige Sporen unter den einfachen.

40. Blustenia ferruginea v. melanocarpa Müll. Arg. Thallus obsoletus. Apothecia parva mm. lata v. raro diametro Y, mm. attingentia, siccaatra, opaca, madefacta obscure livido-ferru- ginea, Sporae 9—11 u longae, 5—7 latae.

Minutie apotheeiorum et sporarum ad Lecanoram ferrugi- neam \. festivellam Nyl. accedit, sed thallus obsoletus et apothe- cia nigra (ut in conspeeificis L. ferruginea v. nigrieante Tuck. et in Lecanora mendace Ohl.). Similiter differt a Caloplaca fer- ruginea 2 caesiorufa Th. M. Fries Sceand.

Habitat ad saxa gneissiaca in Distelgrat tractus Aletsch.

41. Buellia ocellata v. tenella Müll. Arg. Thallus disperso- areolatus, areolae tenues, 5 mm. latae, orbiculares v. ellipticae, regulares v. crenato-uni-paucilobulatae, convexae, margine adpla- natae, madefactae pallide prasino-virides, siccae viridi-cinerascen- tes. Apotheeia 15% mm. lata, emergentia v. emersa. Sporae 8—9 1 longae, 5—6 u latae.

Habitat ad saxa gneissiaca in Distelgrat montium Aletsch.

Anmerkung: Das Pflänzchen ist in den Thallusareolen, Früchten und Sporen etwas schmächtiger und die Thallusareolen stehen viel entfernter als im Typus der Species, dagegen stim- men alle andern äussern und iunern Charaktere so vollkom- men mit Buellia ocellata, dasshier auch trotz einer Reactionsdiffer- enz von einer eigenen Art gar nicht die Rede sein kann. Würde ich nämlich der spielenden und der Wissenschaft Unheil bringen- deu Methode folgen, welche seit einigen Jahren leider schon eine Reihe von Flechtenarten, durch chemisch hineingekünstelte Differenzen in 2—3 fingirte Species zerlegt, welche doch in Wahrheit nichts anderes darstellen als physiologisch-chemisch verschiedene Zustände oder gar nur Entwicklungsstadien einer und derselben Art, so müsste ich auch diese Varietät zur eigenen legitimen Species erheben, denn mit Bezugnahme auf Herrn Arnolds nene Uebersicht der Steinbuellien in Flora 1872 p. 291-292, passen die Reaktivnen weder ganz zu DB. stellulata noch zu B. ocellata. 23 42. Nesolerhia Bruniana Müll. Arg. Apotheeia (parasitiea)

2

7 um. lata, orbicularia, subinnato-sessilia, convexa, atra V.

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iuscescenti-atra, superficie levissime verruculoso-aspera, secta intus subatra, lamina tenuissima visa autem praeter epithecium fumoso-hyalina. Epithecium laete coeruleum, sc. paraphyses et asci superne coeruleo-tineti, paraphyses simplices et bifurcatae, 2 « latae, asei angustius y. latius obovoidei, evoluti eirc. 40 u longi, late obtusi, 6—-8-spori. Sporae (simplices, hyalinae) 10— 12 u longae, 6-8 u latae, ellipsoideae, utrinque vulgo late obtusae.

Nesolechia thallicola Mass. huie novae speciei e forma apo- theciorum et sporarum alffınis est, sed valde recedit apotheciis exiguis et lamina superne cum epithecio e rufo pallide fusces- cente, et insuper sporis distinete minoribus. Reliquae species notae longius distant, et Lecidea Cladoniarum Nyl. Enum. p, 339 speciatim differt magnitudine minore apotheciorum, hypo- thecio non hyalino et sporis oblongis. Ambitus sporarım ut in Hepp Abbild. d. Spor. d. Flecht. Europ. t. 89. n. 775.

Habitat in ramificationibus thalli Thalloidimatis conglomerati in Distelgrat montium Aletsch.

Ausserdem brachte Herr Brun von demselben Standort noch folgende Flechten mit:

Gyrophora reticulata Th. M. Fries Scand. p. 166; Umbili- caria anthracina y reticulata Schaer. Enum. p. 28.

Parmelia lanata Wallr. Flor. erypt. Germ. I. p. 529; Th. M Fries Scand. p. 126; Parmelia fahlunensis d lanata Schaer. Enum. p- 49.

Parmelia encausta v. atrofusca,; Parmelia ceratophylia $ atrofusca Schaer. Enum. p. 42.

Placodium disperso-areolatum Körb. Syst. p- 117.

Lecanora gibbos& £ leevata Th. M. Fries Scand. p. 276.

Lecidea pluumbeu Mass. Ric. p. 74, Anzi Oat. p. 81.

Lecidea polycarpa f. ecrustacea Anzi Exs. n. 399.

Lecidea vorlieosa Körb. Syst. p. 251.

Lecidea privigna v. strepsodina; Sarcogyne privigna strepso- dina Körb. Syst. p. 266.

Lecidea elabens Th. Fr. Lich. Scand. p. 554. Lichen eitatus, jam diu notus, et in Ameriea boreali aeque ac in Europa vigens, est absque dubio (liceat dicere) Lecidea sabuletorum v. euphorea Fr. L. E. p. 340, fide Fr. Lich. Suee. n. 1541. atque Summ. Veg. Seand. p. 114 (1846), Ipse specimen v

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ita notatum e manu ill. E. Fries accepi anno 1850. Nee minus certum plantam laudatam ab antiquiori L. sabuletorum v. eupho- rea Floerk., distinetam, aliaque designatione necessarie salutan- dam esse. Adsunt revera tria nomina certa, quorum antiquissi- mum Ameriecanum, nempe L. melancheima Tuckerm. Syn, Lich. ofNew Engl. p. 68 (1848) & Lich. Amer. exs. n. 138; Nyl. Lich. Scand. p. 312 etLich. Lapp.Or. p.164. Recentiora sunt L. eluta Flot. in Körb. Syst. p. 246 (1855) et L. euphoroides Nyl. Scand. p. 244 (1861).

Quod attinet ad L. elabentem Fr. L. E. p. 344, lichen est (verbis Friesii) e serie ochroleuca, L. myrmecinae forsan nimis affinis, erusta scilicet simili e granulis discretis dein applanato- difformibus apotheciisque immixtis; disco atfamen rugoso-plieato elabente exceipulumque cupulare marginatum relinguente; cum Cliostomo non confundendis. Pace seriptoris doetiss., in prinei- pio eitati, credibile non est auctorem Lichenogrzphiae Europaeae verba allata ad definiendum Lich. Suec. u. 154 adhibere, aut thallum hujus cunı Lecidea myrmeeina, aut apothecia cum Lli- ostomo comparare posse. Repetita est comparatio cum Leeidea commemorata in Summ. Veg. Scand. p. 115 (1846) qua locus Temsjö indicatur. E hoc loco speeimen mihi olim misit amic. D. Th. Fries. Thallo haud vere differt, nisi gradu evolutionis inferiori, a L. myrmecina; ad quam (vix obstantibus apotheciis visis satis atypieis) forsan melius rejieiendum sit. Ni- hilest „elabentis“ in apotheeiis L. melancheimae; nomenque illud. utsupra primo citatum, et alibi pertinens videtur, et prorsus absonum.

Amherst, Mass. Dee. 1874. Edw. Tuckerman.

Verkauf von Herbarien. Aus dem Nachlasse des in Kirchheim u. T. im November 1874 verstorbenen . Dr. R. F. Hohenacker sollen dessen sämmtliche Pfanzenvorräthe verkauft werden. Dieselben bestehen aus 86 Sammlungen, von denen jede einzeln abgegeben wird. Bestellungen nimmt der Unterzeichnete, der auch zu jeder Auskunft gerne bereit ist, entgegen. St. Gallen, Ende Januar 1875. Dr. B. Wartmann, Rektor der Kantonschule.

Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer’schen Buchdruckerei (F. Huber) in Regensburg.

58. Jahrgang.

Ne: 5. Regensburg, 11. Februar 1875.

Inhalt, Dr. Carl Schumann: Ueber die Bewegungen in derZelle von Closterium Lunula. C. Müller: Manipulus muscorum novorum ex America septentrionali. Anzeige.

Beilage Tafel II.

Ueber die Bewegungen in der Zelle von Closterium Lunula.

Von Dr. Carl Schumann. (Mit Tafel IL)

Die ersten Notizen über Bewegungen in der Closteriumzelle finden sich im Jahre 1821 aufgezeichnet. Gruithuisen ') beschreibt der damaligen Auffassung gemäss, diein den Vacuolen befindlichen Partikeln als Samenkörperchen, die sich inlebhafter Bewegung be- finden. Die im Jahre 1827 von Brown bekannt gemachte Mole- ceularbewegung liess für diese Erscheinung eine annehmbare Er- klärung zu, welche Meyen *) 1837 aussprach. Derselbe machte zugleich auf die der Chara ähnliche Rotationsströmung in der ganzen Zelle aufmerksam. Ehrenberg*) Focke*) Siebold®) besprachen

1) Nova acta Leop. Acad. X.2. pag. 449.

2) Wiegmanns Archiv. 1837 pag. 425.

3) Ehrenberg, die Infusorien als vollkommene Organismen. Leipzig 1838 pag. 87 und 91.

4) Focke physiolog. Studien. Bremen 1847 pag. 53.

5) Siebold Zeitschrift für wissensch. Zoologie I. Bd. Leipzig 1849 pag, 270.

Mora 1875. 5

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beide Verhältnisse eingehender. Die Auffassung üher die Art der Bewegung in den Vacuolen ist bis auf unsere Tage dieselbe ge- blieben. De Bary’) und Naegeli?) bezeichnen die Körnehen als in Tanzbewegung begriffen, ein Ausdruck, welcher der Zweck- mässigkeit halber für die Brown’sche Benennung Molecu- larbewegung in der Botanik durch Nägeli in Aufnahme gebracht worden ist.

Untersuchungen in dieser Hinsicht, welche ich an Closterium Lunula vorgenommen habe und bei denen ich stets die Molecn- larbewegung kleiner Partikelchen in Flüssigkeiten in Vergleich zog, nöthigten mich, meine frühere Auffassung über den in Rede steh- enden Gegenstand, dass nämlich diese Bewegung mit der Brown’- schen zu identifieiren sei, eingerinassen zu verändern; im fol- genden will ich die Gründe hierüber entwickeln. Die Vaeuolen von Closterium Lunula, welchedie in lebbafter Bewegung begrif- fenen Körnchen enthalten, haben nicht, wie diess gewöhnlich gezeichnet wird, eine Form, welche sich durch eine Hohlkugel ausdrücken lässt, Taf. II fig. 1v. Die Gestalt ist vielmehr entweder konisch oder sie stellt eine Kugelkappe dar, welche in dem un- teren, d.h. nach dem Chlorophy!ikörper zugewandten Theil, stets dureh eine Calotte von bedeutend grösserem Krümmungsradius abge- schlossen wird. Sie ist also unter allen Umständen oben stark, unten flach gewölbt. Dabei ist dieselbe in fortdauernder Gestalt- veränderung begriffen; bald nähert sich der obere Pol dem Ende der Zelle, bald entfernt sie sich von ihm, Die Begrenzungscurven der Vacuole erreichen bald die unmittelbare Nähe der Zellwand, es bleibt daher nur ein kleiner Zwischenraum zwischen beiden Contouren, dann weicht die Peripherie der Vaeuole wieder weiter nach dem Centrum zurück; diess kann auf beiden Seiten gleich- mässig geschehen, oder es vollzieht sich nur auf der einen und unterbleibt auf der anderen. In diesem Wechsel der seitlichen Gestaltveränderungen beruhen die vorhin angedeuteten Formab- änderungen der ganzen Vacuole; die Verengerung des Quer- schnitts bedingt die Verlängerung die Zunalme in der Breite bewirkt die Verkürzung des Längedurchmessers.

Der Antrieb zu dieser Pulsation liegt in den Strömungen des Protoplasmas. Ich untersuchte nur die Beschaffenheit des-

1) De Bary, die Conjugaten. Leipzig 1858. pag. 43, 2) Naegeli, Gattungen einzelliger Algen. Zürich 1849. pag. 106. Ders. Bei- träge zur wissenschaft. Botanik. Leipzig 1860 pag. 11. _

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selben, soweit es sich zwischen Zellwand und Chlorophyll befin- det. Hier stellt es sich zunächst der Zellwand als ein hyaliner Primordialschlauch von äusserster Zartheit dar; er wird nur sicht- bar bei Anwendung contrahirender Medien; unmerklich betreffs der Abgrenzung folgt darauf ein pruinöses Plasma, welches als Ausgangspunkt für ein System dünnerer Fäden und dickerer Stränge dient. Beide Theile, der Primordialschlauch, wie das letztge- nannte Plasma, kleiden die Räume zwischen den Chlorophyliplatten in schlauchartiger Form aus, indem sie ebenso gestaltete Vacu- olen einschliessen. An denjenigen Zellen, welche gewissermassen einen jugendlichen Zustand dadurch andeuten, dass das Chloro- phyli wegen des Mangels an inliegendem Amylum und Oel hell- grün und durchscheinend ist, finden sich wenige oder gar keine Querstränge, welehe dieLängslinien der Vacuolenwände verbinden. In dem Masse aber, als die erwähnten Bestandtheile sich ver- mehren, wächst auch die Zahl jener durchsetzenden Protoplasma- fäden, und zwar so, dass sie zuerst in der Nähe desZellkerns in beiden Zellhälften symetrisch auftreten, nach einem grösseren Zwischenraum, der leer von den Querbinden bleibt, folgen neue dann vervielfältigen sie sich nach kürzeren Entfernungen, bis in der Nähe der Vacuole der ganze Raum, welchen die Chlorophylibän- der zwischen sich lassen, von körnigem Plasma erfüllt ist. Je ‚mehr die Zeile assimilirt, desto mehr werden die Zwischenfäden neu eingesetzt und desto kleiner wird der Inhalt der durch sie ge- sonderten Hohlräume, Die an Körnchen reichsten Stellen sind die Höhen der Chloropbylibänder. Ja von hier aus nimmt die Zahl der Körnchen nach dem Centrum der Zelle zu ab,

In dem ganzen Protoplasma ist dauernde Bewegung wahr- nehmbar, welche durch die fortrückenden Körnchen angezeigt wird. Dieselbe ist nicht einregelloses Hin- und Herfluthen, sondern ist nach einem bestimmten Plan geordnet. Die Körnchen strömen ruckweise nach dem Ende der Zelle zu, bald gehen siein gleich- mässigemZug vorwärts, dann machen sie plötzlich Halt, weichen auch zuweilen zurück um wieder mit grösserer Geschwindigkeit den Weg fortzusetzen. Sind sie an der Vacaole angekommen, so ist der enge Zwischenraum für die gröberen Partikelchen ein unüberwindliches Hinderniss, sie häufen sich hier an, während die feinen Contenta ungehindert die Enge passiren. In dem Raum zwischen dem oberen Vacuolenrande herrscht demgemäss, weil die Ströme von allen Seiten fortwährend neues Protoplasma

zuführen, ein reges Tummeln. Deutlich sieht man, wie die ein- . 5%

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zelnen Strömegegen einander ankämpfen, kleine Inhaltskörperchen, welche mit dem homogeneren Plasma nach dem oberen Behält- nisse geführt worden sind, fliessen ruhelos hin und her, bis sie zwischen den aufsteigenden Strömen einen niedergleitenden ge- funden haben, der sie in den Hauptzellraum zurückführt; diese rückwärtslaufenden Ströme treffen, nachdem sie über die Vacuole hinweggekommen sind, die am Eingang der Enge zwischen Va- cuole und Zellhaut angehäuften gröberen Körnchen und reissen alle die aus dem Bereich der aufsteigenden Ströme in ihre Ge- walt kommenden Theile mit fort. Daher geschieht es, dass der auf- steigende Strom sich an der Vacnole scheinbar theilt, indem die eine Hälfte der Wand der Zelle folgend, rotationsähnlich kreist, während der andere Arm mit spitzer Umdrehungscurve sich auf den Rückweg begiebt.

Der ungleichmässige Verlauf der Körnchenströmung in dem Hauptzellraum hat einen zweifachen Grund. Der aufsteigende und sich nieder bewegende Strom gehen, und diess ist besonders auf der Körnchenreihenhöhe der Chlorophyliplatten ersichtlich, oft dieht neben einander vorbei, ist nun dereine durch reichlicheres Protoplasma besonders mächtig, so kann er denanderen momen- tan inhibiren, oder sogar ein Stück nach der anderssinnigen Richtung mitschleppen; ausserdemaber vermag auch diese Wirk- ung äussert sich dann in der Nähe der Vacuole und zurückgrei- fend auf die unmittelbar folgenden Theile die Körnchenstauunf eine partielle Hemmung der Ströme zu Wege zu bringen. Von diesen gröberen Partikeln gelingt es bei recht kräftigen inhaltsreichen Strömen dem einen oder dem anderen, den Schlund zwischen Vacuole und Zellwand zu passiren: man bemerkt, . dass dies mit einer gewissen Schwierigkeit geschieht, denn in der Haut- schicht der Vaeuole wird eine Einbuchtung, Taf. Il. fig. 1. a, erzengt. Dasselbe irrt dann in dem oberen Raume unstet umher, bis es ein mächtiger Strom wieder erfasst und zurückleitet. Auf diesem Wege gelang es mir 2mal zu sehen, wie dasselbe in dem Eng- passe erst zur Ruhe und dann, indem offenbar ein bedeutender Strom auf der andern Seite seine Kraftäusserung geltend machte, die Hautschicht durchbohrend in den Vacuolenraum eindrang und hier an der Bewegung sich betbeiligte,

Dieses Factum hat schou Nägeli") beobachtet und er be- schreibt auch, dass er den Austritt desselben wahrgenommen hat.

1) Nägeli 1. e.

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Ich habe denselben bei genügender Zahl von Untersuchungen, niemals sehen können, und meine auch, dass derselbe niemals statt hat, wenigstens führt mich folgende Ueberlegung dazu. Der Ausdruck der Kraftäusserung in Moleeularbewegung schwin- gender Körper ist obne Zweifel viel zu gering, als dass eine solche Arbeitsleistung, wie das Durchbohren der Hautschicht, ge- schaffen werden könnte, die doch, wie wir oben gesehen haben, ziemlich bedeutend sein muss, denn in bei Weitem der Minder- zahl von Fällen gelingt es erst einem Körnchen in die Vaeuole einzudringen. Zudem ist leicht zu beobachten, dass die Körper- chen niemals in so nahe Berührung mit der Hautschicht kommen, um den Durchbruch zu versuchen, sie müssten dann zunächst alhäriren und diess kann man in keinen Falle wahrnehmen. Ich komme auf diesen Punkt später zurück. Endlich bemerkt man, dass diejenigen Zellen, welche hellgrün gefärbt sind, also wenig assimilirt haben, eine geringere Zahl Körnchen enthalten, als dunkler reich mit assimilirten Stoffen durchsetzte. Fände der Eintritt wie der Austritt statt, so müsste die Zahl der Körnchen nahezu constant bleiben oder zum mindesten dürfte man nicht solchen auffallenden Zahlenunterschieden begegnen.

Ich glaube vielmehr, dass diejenigen Körnehen, welche ein- wal eingeschlossen sind, niemehr entschlüpfen können; nur dann werden sie in denallgemeinen Strom wieder aufgenommen, wenn die Vacuole verschwindet. Und dies muss zu bestimmten Zeiten geschehen.

An Exemplaren von Closterium, welche ich in Spiritus gelegt hatte, beobachtete ich constant, dass sich quer über die Zelle in der Mitte 1—4eigenthümliche, äusserst zarte Linien, Taf. Fig. 1 b., zogen, welche in gleieber Entfernung vom Zellkern in beiden Zellbälften symetrisch auftraten. Anfangs hielt ich, als ich nur eine derselben sah, diese für den Beginn der Theilung;ich über- zeugte mich aber, dass hier keine Wand vorlag, sondern nur die Grenzandeutung einer sehr geringen Structur-Veränderung in der Zellwand; bei sehr genauer Beobachtung konnte ich diese Linien auch an frischem Material jederzeit beobachten und ich überzeugte mich, dass sie keiner Closteriumzelle felılten. In einigen Fällen fand ich dann auch, dass die eine Zellhälfte ein entschieden anderes Aussehen angenommen hatte; sie war dunk- ler geworden, erschien fast krankhaft, der prali anliegende Pri- mordialschlauch aber, sowie die Anwesenheit der Vacuole lehrten

‚mich, dass sie völlig gesund sei; die andere Hälfte der Zelle

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war normal gestaltet; sie war hellgrün, mit wenigen Assimilations- produkten versehen; letzteres galt auch von der ersten Hälfte, in beiden Vacuolenbefanden sich sehr wenige Körperchen in Beweg- ung. Zu erwähnen ist noch, dass an der Grenzlinie die Zeilbaut dicker, gequollen aussah. Jedenfalls glaube ich aus dieser Beo- bachtung schliessen zu dürfen, dass bei Closterium eine perio- dische Verschleimung der Zeillmembran sich vollzieht. Diese greift wechselweise auf der einen und der anderen Zellhälfte Platz und es bleibt die Marke, bis zu welcher dieselbe sich er- streckt hat, an der Zelle wahrnehmbar. Es ist wohl nicht zwei- felhaft, dass dabei die assimilirten Inhaltsproduete aufgebraucht werden; dann würde eine Erklärung gegeben sein für die Er- scheinung, dass man auch dann, wenn Neubildungen von Indivi- duen in Closteriencolonieen nicht wahrzunehmen sind, wieich deren während der Monate Oktober Dezember, trotz mehrere hundert- facher Betrachtung niemals sah, man doch zahlreiche Exemplare von hellem Grün und mit jugendlichem Aussehen antrifft. In dieser Periode scheinen auch die Vacuelenzu verschwinden, ihre Ein- Schlüsse zuentlassen undeerst später erscheinen sie wieder und füllen sich von Neuem. Es sind diese dünnen Linien schon früher ge- seben, aber für Zustände der Theilung gehalten worden ich mache aufmerksam auf Focke I. c, Taf. III. Fig. 14. Ehrenberg Tafel VI fig. VII 2.

Ich habe noch zu erwähnen, dass die Bewegung des Proto- plasmas in den Closterumzellen mit der Erhöhung der Tempera- tur bis c. 27°C. zunimmt; dann vermindert sie sich, bis sie bei 41°C. in völligen Ruhezustand geräth; hiermit ist auch die Contraetion des Primordialschlauchs verbunden.

Die Wahrnehmung, dass bei gesteigerter Rapidität der Ström- ung die Moleeularbewegung der Körnchen an Geschwindigkeit zu gewinnen schien, liess mich einen Zusammenhang beider ahnen, der dann auch bei weiterer Prüfung auf das genaueste constatirt werden konnte,

Die Ueberlegung, dass Protoplasmaströme, welche im Stande sind, die Form der Vacuole dauernden Veränderungen, die sich auf allen Seiten geltend machen, zu unterwerfen, auch vermögen, mit dieser Contourenvariation zugleich Stösse auf die minimalen Inhaltseinschlüsse auszuüben, hat von vornherein nichts Unwahr- scheinliches. Es ist wahr, dem äusseren Anschein nach hat die Bewegung eine täuschende Aebulichkeit mit der von Brown ent- deckten, aber doch erkennt man nach einiger Uebung einige Ab-

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weichungen. Die Körnchen tummeln lebhaft dieht aneinander gefügt um sick berum, .aber hier und da wird eins im grossen Bogen herausgeschleudert aus der Gemeinschaft der Uebrigen, geht ein wenig nach der Wand zu, um dann in ebenso kurzer Frist zum Hanptschwarm zurückzukehren, Solche eigentbümlich verlaufende Curven sab ichbei moleeular schwingenden zickzack- förmig sich bewegenden Partikelchen wie Indigo in Wasser nie- mals, auch die Neigung, stets nach dem Ausgangspunkt sich zu- rückzuwenden, ist nicht deutlich ausgesprechen, wie denn schon Wiener und Exner darauf hingewiesen haben, dass die kleinen Theilchen in keiner Beziehung der Gravitation zu einander stehen.

Die ‘in Rede stehende Bewegung kann auch deswegen nicht zu der Moleeularbewegung gezählt werden, weil die Körn- ehen nicht gleichmässig in dem ganzen Raum der Vacuole ver- theilt sind, Ich stellie mir zum genauen Studium molecular schwingender Körper in kleinen Räumen künstliche Vaeuolen dar, indem ich Indigo in Wasser fein vertheilte, dann einen möglichst kleinen Tropfen auf das Objectglas brachte und dann entweder Oel oder Chloroform hinzutreten liess. Ich hatte dann unter günstigen Umständen eine grosse Zahl "kleiner Hohlräume, die mit moleeular sich bewegenden Indigo erfüllt waren, von der verschiedensten Gestalt. Durch den Zusatz von Öl od. Chloroform vermochte ich auch die Unterschiede des spee. Gew. u. deren etwaige Einflüsse zu beobachten, da das erstere leichter, das letz- tere schwerer ale Wasser ist.

Zu weinen Zwecken am geeignetsten waren die kugelrunden kleinsten mit möglichst zahlreichen Indigopartikeln erfüllten Va- euolen. Ich sah in denselben, dass die minimalen Theilchen gleichmässig den ganzen Raum erfüllten, mit Ausnahme der äns- sersten Randpartien; hier übte die Adhäsion der Hautschicht einen anzjehenden u. somit hemmenden Einfluss auf die Bewegung aus. Die grösseren, normal auch noch erzitternden Indigotheilchen waren 'bewegungslos u. diekleinsten, sonst äusserst lebhaft sich tum- melnden Körnchen, zeigten nur hie u. und da ein schwaches Hin- und Ierschwanken, bis ihm durch irgend einen Umstand, etwa die Ausdehnung der Peripherie der Vacuole, od. durch den Anstoss eines benachbarten im freien Raum tanzenden Körper- chens dieUeberführung in den bewegten Kreis ermöglicht wurde, Die gleiche Erfahrung machte ich an äusserst kleinen Hohlräu- wen, welche ich bei der Anwendung von Bromoform und Was- ser erhielt. Der Durchmesser war von gleicher Grösse wie die

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Vacuolenräumen in den Closterien und in denselben schwangen kleine Wasserbläschen in der verschiedensten Zahl, ich sah sol- che Vacuolen die nur 3 tanzende Bläschen enthielten neben an- deren, die tiber 20 einschlossen. Vergleiche ich mit dieser Er- fahrung die Lage der schwingenden Körnchencomplexe in der Glosteriumvacuole, so ist hierbei ein wesentlicher Unterschied so- gleich in die Augen springend. Die einzelnen Partikeln befinden sich nämlich nicht in gleichförmiger Suspension durch den ganzen Raum zerstreut, sondern sind dicht geschaart, im Centrum zusammen- gehäuft. Diese Thatsache kann keine andere Erklärung finden, als dass die simultanen, rings um die Vacuole kreisende Protoplasma- ströme ihre Kraftäusserungen nicht blos auf die Form der Va- cuole ausüben, sondern dass dieselben radial fortschreitend auch auf die Inhaltscontenta ihre Einwirkung fortpflanzen. Nur dann ist es möglich, dass die randlichen Vacuolenräume von tanzenden Körperchen frei bleiben und dass jedes sich nahende Korn un- mittelbar nach dem Centrum zurückgeschleudert wird. Da sich diese Stösse von allen Seiten nahezu gleichförmig vollziehen, so ist die natürliche Folge, dass die Mitte der Sammelplatz für alle Inhaltbestandtheile wird. Der helle d. h. körnchenfreie Raum zu beiden Seiten der tanzenden Körnchen beträgt durchschnittlich '!/ von dem Durchmesser der Vacnuole, Aus diesem Grunde wird auch ersichtlich, dass die Körnchen einmal von der Vacuole eingeschlossen, dieselbe nicht mehr verlassen können. Aber noch mehr: die Bewegungen der Körnchen steigert sich, sobald die Geschwindigkeit der protoplasmatischen Bewegung zunimmt, wie oben erwähnt wurde. Doch zugegeben, dass man sich bei so kleinen Dingen über solche relative Bestimmungen irren kann, so ist doch jedenfalls die Thatsache für meine Ansicht sprechend, dass die Bewegung aufhört, wenn die protoplasmatische Beweg- ung sistirt wird. Der Zusatz von Säuren, Jod, Glycerin, Erhöhung der Temperatur heben wie bekannt die Strömungen des Plasmas. In demselben Masse aber, als ihre Einwirkung sich zeigt, verlang- samt sich auch die Locomotion der Körnchen, bis sie total ver- schwindet. Nun aber sind alle diejenigen Mittel, welche eine Tödtung des Individuums zu Wege bringen, auch immer von der Wirkung, dass der Primordialschlauch contrahirt wird. Man wird mir daher entgegnen, die Veränderung in der Beschaffenheit der Flüssigkeit, welche den Schwingungen als Vehikel dientund durch deren Rollen der Molecüle die ganze Bewegung erzeugt wird, sei von hemmendem und endlich annulirendem Einfluss. Doch ist

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dies nicht der Fall. Wenn man äusserst verdünnte Jodlösung in Anwendung bringt, so contrahirt sich der Primordialschlauch nicht und der wässrige Inhalt der Vacuole tritt nicht aus. Man ersieht diess daraus, dass die Bräunung des Protoplasmas an dieser Stelle eine viel weniger intensive ist, und dass man die Umrisse der Vacuole noch erkennt.

Hier muss deragemäss das Protoplasma noch in jener dünnen Schicht vorhanden sein, welche dem engen Raume zwischen Zell- haut und Vacuolenperipherie entspricht und innerhalb derselben muss sich eine ungefärbte Flüssigkeitspartie befinden. Obne Zweifel ist die Beschaffenheit derselben nicht in soweit geändert worden, dass die Theilchen nicht noch ebenso lebhaft sich bewe- gen könnten, aber ordnungslos liegen sie jetzt in dem Raume zerstreut, nur hin und wieder aufzuckend. Dieselbe Erfahrung machte ich bei der Anwendung von Alkohol in einem Falle; auch hier war die Vacuole erhalten geblieben doch die Körnchen hat- ten das Centrum verlassen, zum grösseren Theil lagen sie an dem nunmehr convexen unteren Vacuolenraum, einzelne befanden sich am entgegengesetzten Ende ohne Bewegung. Es scheint mir hieraus auch als ob die Flüssigkeit der Vacuole zur molecularen Bewegung der Körnchen überhaupt nicht geeignet sei.

Was nun die Natur der schwingenden Partikeln anbetrifit, so bin ich ebenso wenig wie De Bary zu einem sicheren Resultate gekommen. Nur das möchte ich erwähnen, dass dieselben nicht sämmtlich anorganischen Ursprungs sind. Die Form ist einmal keineswegs durchgehends die glattflächiger Krystalle; wenn auch Dinge vorkommen, deren bestimmte Formen sich deutlich als Solche erweisen, so sind doch auch rundliche, unbestimmte Ge- stalten nicht zu verkennen. Zudem habe ich oft beobachtet, dass einzelne Körnchen bei Zusatz von concentrirter Schwefelsäure ihre Gestalt offenbar verändern, ja dass die Zahl derselben ge- Yinger wird. Nachdem ich den Ursprung derselben aus dem Protoplasma nachgewiesen habe, ist diese Ansicht nicht ohne Wahrscheinlichkeit, denn man wird doch keineswegs meinen wol- len, dass alle körnigen Einschlüsse des Protoplasmas unorganl- scher Natur seien und die scharfen Ecken und Kanten der Kıy- stalle dürften nicht allein der begünstigende Factor beim Durch- dringen der Hautschicht der Vavuole sein. Das Glühen der Closterienzelle führte mich auch zu keinem Resultate, entweder war der Primordialschlauch verkohlt und undurchsichtig, oder es lagen bei vollkommner Verbrennung der Körperchen so viel in dem

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angedeuteten Hohlraum der Zelle, dass man eine Schätzung, wel- ches die Körperchen der Vacuole sein dürften, nicht wagen konnte. Ich halte die Methode der Verbrennung überhaupt für sehr misslich; die erste Einwirkung der Wärme besteht in der Contraction des Primordialschlauchs, die bei hohen Temperatur- graden in bedeutenderem Masse vor sich geht als durch irgend ein anderes Mittel; es verbrennt die Zellhaut und der protoplas- matische Inhalt krümmt sich oft heraus, wo ist es dann möglich die Lage der früheren Vacuoleanfzufinden. Gegen diesen Um- stand hilft auch die vorsichtigste Behandlung nicht. Ich unter- nahm das Glühen äusserst langsam die Hitze steigernd auf dün- nen Glimmerblättehen oder auf Deekgläschen, mit Zuhilfenahme von Schwefelsäure und ohne dieselbe, doeh wie gesagt, ohne Erfolg.

Zu der Ueberzeugung bin ich aber auf das Bestimmteste gelangt, dass Gyps nicht in der Vacuole enthalten sein kann, denn Gyps schwingt im Wasser überhaupt nicht dauernd mole- cular; eine Beobachtung, die man sehr leicht mit Gypspulver, welches hinreichend fein ist, wiederholen kann.

Beiallen meinen Beobachtungen fühlteichauf das Lebhafteste, dass unsere-Kenutnisse über die Browns’che Bewegung noch sehr unvollkommen sind. Wir besitzen so wenige und für alle Zwecke brauchbare Arbeiten darüber, dass die Untersuchung das dank- barste Feld für einen Physiker sein müsste.') Ich machte eine grosse Anzahl Versuche mit den verschiedensten Substanzen in den mannigfaltigsten Flüssigkeiten, stiess aber bald auf solche Schwierigkeiten bei der eingehenden Umarbeitung, dass es mir klar ward, die Untersuchung könne nur bei den gründlichsten physikalischen Studien mit fruchtbarem Erfolge betrieben werden. Einige dürften interessant genug sein, dass ihreMittheilung ent- schuldbar ist.

Die Moleeularbewegung ist mathematisch ausgedrückt eine Funktion die abhängig ist von einer grossen Zahl von Variabeln. Ich will nur erwähnen: das speeifische Gewicht, die Cohäsions-

4) Die mir zugängliche Literatur, in welcher Notizen sich finden, war folgende: Wiener Chr. Erklärung des atomistischen Wesensder tropfbar flüssigen Körper und Bestätigung derselben durch die sogenannte Molecularbewegung- Poggend. Annal. 118. Schulze f. Die Sediment-Erscheinungen und ihr Zusammen- hang mit verwandten physikalischen Verhältnissen, Poggend. Annal. 129. Exner Untersuchungen über Brown’sche Molecularbewegung. Sitzungsber. mathemat. naturwissensch. Olasse der Wiener Academie 1867.

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verhältnisse der Flüssigkeit, die Grösse der Partikeln, die Dich- tigkeit ihrer Lagerung, und wie Exner nachgewiesen hat, Licht und Wärme. Aus dem ersten der erwähnten Factoren ergiebt sich zunächst die Unterscheidung von perpetuirlicber Molecular- bewegung, wie man sie wochenlang an eingekitteten Präparaten beobachten kann; und temporäre. Die lang andauernde und stets anhaltende wird beobachtet an Gummi Gutti, Tusche, Indigo in Wasser, die zweite tritt bei allen Körpern auf sobald sie in Flüssigkeiten bewegt worden sind, sie ist meist nur von kurzer Dauer und kann durch gewisse Mittel, welche suspendirte Niederschläge fiockig fallen machen, wie Hausenblase, fast augenblicklich aufge- hoben werden; s. Schulze I. e.

Von den zahlreichen Versuchen, welche ich gemacht habe, will ich nur eine Reihe hervorheben. Das Verbalten des Indigos zu verschiedenen Flüssigkeiten. Sein spec. Gew. übersteigt nach dem Indigotin zu urtheilen das des Wassers nurum 0,3. Man weiss derselbe erhält sich im Wasser so lange in Bewegung, dass man die ewige Dauer annehmen kann; ich selbst beobachtete 10 Tage hindurch ungeminderte Lebhaftigkeit.

Mehrfach ist schon mitgetbeilt worden, dass Glycerin (ich be- nützte solches von spec. Gew. 1,25) die Bewegung nicht unter- hält. Das Gleiche beobachtete ich in Kalilauge, gesättigter Zink- sulphatlösung, gesättigter Chlorcaliumlösung. In Chlornatriumlö- sung konnte ich nur an einigen der kleinsten Partikeln Bewegung constatiren. In allen diesen Fällen kommt ohne Zweifel die Dif- ferenz des spee. Gew. nicht in Betracht, die schwerste der ange- wandten Lösungen hat 1,402; es liegt der Grund nur in den Cohäsionsverhältnissen, in der Viscosität der Flüssigkeit. Je mehr Arbeit verbraucht wird, um die einzelnen Molecüle des fHüs- sigen Körpers gegen einander zu verschieben, desto weniger le- bendige Kraft wird abgegeben an die suspendirten Körper, so dass dieselben zuletzt in Ruhe verharren. Esist sehr zu bedauern, dass über diese Eigenschaften keine Zahlangaben zu Gebote stehen u. dass man sich auf die rohe Schätzung verlassen muss, wenn man bestimmen will, ob diese od. jene Flüssigkeit mehr od. min- der beweglich ist.

Sobald die Diekflüssigkeit abnimmt, tritt in gleichein Masse die Bewegung ein; ich verdünnte das oben erwähnte Glycerin mit dem gleichen Volumen Wasser. Das spec. Gew. des Gemisches war 1,133, In diesem Medium konnte ich schon die Bewegung wenn auch immer erst der kleinsten unmessbaren Theilchen fest-

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stellen. Beinochmaliger Verdünnung mit weiteren2 Theilen Was- ser, so dass das sp. Gew. 1,062 war, schwangen schon messbare Kör- per lebhaft. Exner giebt an, dass beim Erwärmen des Glycerins auf 50° Bewegung eintritt; bei dem Präparat, das ich in Anwen- dung brachte, war es mir nicht möglich, die gleiche Erfahrung zu machen, wenn immerhin an weniger diekflüssigem Glycerin die Erscheinung nicht ausbleiben dürfte, da die Wärme die Be- weglichkeit der Molecüle durch bie Zufuhr lebendiger Kraft er- höhen muss.

In derselben Weise wie die Flüssigkeiten mit höherem spec. Gew. als Wasser u. grösserer Zähigkeit als dieses die Molecular- bewegung nicht unterhalten, so zeigen sich auch flüssige Medien von geringerem spec. Gew. u. bedeutenderer Viscosität, wie das Mandelöl. Eine Zwischenstellung nehmen die Stoffe ein von der Beschaffenheit der Propionsäure spec. Gew. 0,992, Octylacetat spec. Gew. 0,872, Methyleaprinol 0,826, dieselben sind ein wenig dick- flüssiger, als Wasser un. haben demgemäss eine nur temporäre Bewegung, welche allerdings mehrere Stunden unter dem Deckglas anhalten kann.

Ausserordentlich leicht bewegliche Substanzen von geringem spec, Gew. wie Alkohol, Aceton, Benzin u. Aether lassen keine Molecularbewegung wahrnehmen. Offenbar weil die Bewegungs- energie ihrer Molecüle nicht imStande istden Einfluss des spec. Gew., das um Vieles geringer ist als das des Indigos, zu überwinden.

Um so merkwürdiger aber ist die Thatsache, dass Chloroform spec, Gew. 1,49, Jodaethylspec. Gew. 1,946, Bromaethylen spec. Gew. 2,163 die ausgiebigste Bewegung unterstützen u. wenn ich von dem letztgenannten Körper schliessen darf, sind ihnen perpetuir- liche Schwingungen eigen; ich sah dieselbe mit ungemindeter Rastlosigkeit 2 Tage lang dauern. Schwierigkeiten wie die leichte Verdunstung u. andere Umstände hinderte mich, die Untersuchung weiter auszudehnen, was einer späteren Zeit vorbehalten bleibt.

Manipulus muscorum novorum ex America septentrionali. Auctore Carolo Müller.

1. Bryum Atwateriae C. Müll. n. sp.; Bryo alpino simillimunt e luteseenti-viridi purpurascens robustum strietum, ramis longi- useulis uneialibus obtusatulis; folia caulina dense imbricata ma- dore vix patula, e basi angustiore latinseule ovata ligulate obtu-

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sata, profunde subeochleariformi-concava apiee subcueullata, mar- gine e basi usque ad medium vel ultra valde revolutaintegerrima, firma, nervo e basi longe fibrosa crasso flavido ante apicem evanido, cellulis ubique firmis pulchre lutescentibus parvis et inanibus basi infima rectangularibus vel hexagonis laxioribus hic illie purpurascentibus. Caetera ignota.

Patria. America septentrionalis. California montosa, Yosemit valley, ad rupes irriguas cataraetarum Yosemit-valley- falls nuncupatarum: Domina Atwater 1873 legit. Hb. C. Mohr.

Br. alpinum foliis apieulätis, Br. Mühlenbeckii foliis multo laxius reticulatis excurratinervibus Jam longe recedit, Pulcherrima species.

2. Dieranum (Campylopus) subleucogaster C. Müll.n. sp.; dioi- cum; laxe cespitosulum pollicare sordide lutescens strictiuscu- lum tenue, inferne tenerrimum simplieissimum apice solum ob ramulos brevissimos dense congestos comam crispatulam crassi- orem setosam parvam sistens; folia caulina inferiora minuta ereeto-conferta sed axin parum obtegentia, e basi longe flavide fibrosa plus minus latiuscule ovata dein acuminata, nervo appla- nato latissimo subulam canaliculatam latiuseulam superne attenu- atam et apice serrulatam strietiusculam constituente, cellulis basilaribus laxioribus amplioribus pellucidis regulariter bexagonis paucis deingue quadratis minoribus firmis inerassatis lutescentibus; alaribus multis laxissimis fuseidulis seuectute emareidis pellucidis in ventrem levem congestis; perich. multo majora latiora basi - vaginata vel convoluta, laxissime ‚et amplissime retieulata, subula elongata flexuosa grossius serrulata coronata. Üaetera ignota.

Patria. Alabama, Mobile, raro sed semper sterile: C. Mohr.

D. leucogasiter Mexicanum proximum raptim distinguitur: caule magis fiexuoso crassiore multo longius setoso, cellulis ala- ribus omnino*albidis laxioribus, caeteris minoribus.

3. Barbula (Senophyllum) Jooriana C. Müll. n. sp.; dioiea, laxe cespitulosa pusilla amoene viridissima facillime emolliens igitur mollissima tenera simplex ve] ramulo infra pedicellum innovante brevissimo divisa ; folia caulina parum erispula madore remotiu- scula patula axin rufulum vix obtegentia, e basi semivaginante erectiore oblongata angusta pellucidiore lineari-lanceolata plus minus obtusata vel acutiora sed mucrone brevissimo terminata, nervo flavido crassiusculo canaliculato dorso scabriusculo excur- rente basi fibroso-decurrente exarata, margineinfero solum pauli- sper revoluta, concava, alis superioribus planiusculis integerri-

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mis, cellulis parvis basi reetangularibus breviusculis angustis su- perne minute hexagonis valde chlorophyllosis mollissimis distinetis vix papillosis; perich, interiora perpauca erectiora e basi longius vaginata oblongä acuminata haud mucronata; theca in ped. brevi rubente strictiusculo ereeta minute oblonga, calyptra ubique fere tenuiter seabra spiraliter cellulosa; perstomii dentes tenerrime ca- pillares usque fere ad basin fissi elongati rufuli asperuli. Caetera ignota.

Patria. Lovisiana, Batonrouge: Dr. Juor in Hb. C. Mohr.

Ab ommibus congeneribus foliis humore primo momento emol- Htis recedit, B. unguieulatam ex habitu aemulat, sed teneritate, exiguitate foliisque planiusculis superne haud revolutis mollissimis toto coelo differt.

4. Barbula (Senophyllum) purpurea C. Müller n. sp.; dioiea; cespites pusilli depressi purpurei rigidissimi; caulis perbrevis te- nuis superne in ramulos brevissimos appressos paucos divisus rigidus, inferne defoliatus; folia caulina firma parva pauca, in- distinete torquato-imbricata madore patula, purpurascentia, in- feriora minora superiora sensim majora, e basi oblonga breviter latiuseule robustiuseule oblique lanceolata, obtusiuscule acuta, eoncava, nervo crasso purpureo excurrente canaliculato, margine e basi usque ad medium folii et ultra valde revoluta, integerrima, e cellulis firmis pachydermis purpurascentibus parvis quadratis superne minoribus rotundatis valde incrassatis magis opacis et carnosis areolata; perich. stricta e basi oblonga recte et breviter. acuminata acutiora, tenuius nervosa, laxius et pallidius areolata; theca in ped. longiuseulo tenui flexuoso flavido inferne purpura- scenteerecta minuta elliptica badia dein brunnea, deopereulala ovata macrostoma, operculo conico obtuso spiraliter celluloso obliquiusculo rubro nitido thecae longitudinem subaegtante, an- nulo angusto persistente difficile dissolvente, peristomio vix eon- torto, in membrana brevissima albida dein dilute rufescente, den- tibus elongatis capillaribus liberis asperulis; calyptra basin thecae amplectens,

B. brachyphylla Sull. et Lesq.M. Amer.Bor. Exs. No. 135 ex parte, specimina brevissima purpurascentia, forsan ab H. Boländer collecta.

Patria. California, iu rupibus collium Oakland, 2500 ped.

alta, prope San Franeisco, inter Burbulam virescentem Lesg.: H. Boländer 10, Majo 1863.

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B. brachyphylla Sull. vera differt: caule elatiusculo erecto j fastigiatim diehotomo, ramis distantibus longiuseulis, ubique ae- qualiter foliosis, sordide viridibus, fuliis e basi ovata breviter ereeto lanceolatis plus minus acutis, margine usque fere ad api- cem valde revolutis, cellulis ubique minutis rotundatis viridibus, theca angustissime cylindrica longiuscula, calyptra brevi opercu- lum parum superante, peristomio robustiore distinetius artieulato,

5. Hypnum (Tripterocladium) leucorladulum C. Müll. n. sp. ; mono- iecum; cespites laxi elongatuli intertexti teneri pallescentes ri- * gidiusculo-molles; caulis elongatus gracillimus filiformis, compres- ; sulus inferne ramulis brevioribus marcescentibus pallide ferrugi- neis apicem versus ramulis Jongioribus filiformibus attenuatis magis julaceis minute caudatis inaequalibus patentibus irregu- lariter pinnatus; folia eaulina erecto-conferta velmagis patula, parva, e basi decurrente perfecte ovata, acumine brevi obsolete denti- ceulato strieto terminata, ramulina magis oblonga angustıora, om- nia levissima hrevissime binervia concava pallidissime virentia subscariosa, cellulis parvis ellipticis ad basin margine revolutam parum majoribus distinctioribus, alaribus rhombeo-quadratis incras- satis obscurioribus alam hastato-excisam sistentibus ;perich. plura multo majora, e basi longa vaginata latiuscula reflexe breviter acu- minata, suprema erecto-acuminata, omnia vix denticulata, e cellulis longioribusrobustioribus areolafa, margine haud revoluta; theca in peduncnlo tenuissimo semipollicari rubente flexuoso glabro erecta parva cylindrico-ovalis parum cernua rubens nitida, operculo parvo conico aAcuto, annulo anguste, calyptra glabra; perist. dentes ext. lutescentes valde trabeculati, latere vix cristati, linea lon- gitudinali obsoleta exarati, interni lutei anguste lanceolati hiantes vel secedentes, in membrana fragili scariosa positi, ciliis singulis teneris nodosiusculis,

Patria. America sept., Oregon, Oakland: Harvy in Hb. C. Mohr. 1874.

Androecia in caule fertili permulta axillaria vel in ramulis brevibus terminalia, foliis gemmulam dense clausam sistentibus caulinis similibus vel apice obtusatis. Ex babitu formis fili- formibus Hypni myosuroidis var. stoloniferi persimile, sed caule rigidiusculo pinnato, foliis binervibus, theca ereeta parva aliisque notis toto coelo distinctum. Quoad affinitatem Hypno compres- sulo mihi proximum, sed haecce species differt: caulibus ramisqne distinete compressis latioribus amoene virentibus, nunquam Bili- * formibus, foliis latioribus nitidissimis ubique denticulatis, cellu-

80 . .

lis ubique viridibus mollibus, theca longiore angustissime eyliudrica cernua. Tribus propria (Tripterocladium) speciem utramque in- elndit eriteriis sequentibus.

Tripteroeladium : Caulis compressus ramis compressis vel tereti- useulis attenuatis irregulariter pinnatus; folia erecta’plus minus patula levissima, e celluliselliptieis, alaribus quadratis rhombeis areolata, binervia; iheca erecta cylindrica cernua, opereulo conico. Ab Isothecio Schpr. ramificatione compressa, pinnata tenera foliisque binervibus jam longe distinetum.

6. Hypnum (Tripterocladium) compressulum C. Müll. n. sp, ; monoi- cum; cespites laxi suprapollicares intertexti teneri virentes molles; caulis breviusceulus gracilis distincte compressus, ramulis brevibus compressulis gracillimis irregulariter pinnatus; folia caulina erecto- conferta vel magis pa ula parum majora, e basi paulisper decur- rente ovata vel oblonga acuminata concava ubique fere distincte dentieulaia, binervia, e celiwlis elliptieis mollibus virentibys areo- lata, nitidissiv a; perich. suprenıa longius acuminata; tleca multo longiore angustissime cylindrica cernua, Caetera ignota,

Patria. Amerie. sept., Oregon, Oakland; Rev. Neeve in Hb. C. Mohr.

Ab H. leucorladulo eriteriis accuratins laudatis prima in- spectione differt.

(Sehluss folgt.)

Anzeige.

Die Unterzeichneten beabsichtigen eineSammlung aus Krain und Küstenland (inelusive Inseln) herauszugeben und werden im Herbst 1875 die ersten zwei Centurien versenden. Der Preis einer Centurie beträgt 15 Mark und ist pränumerando zu ent- richten. Die Subseription wird Anfang April geschlossen. Briefe sind zu adressiren an P. Kammerer, Professor an der k. k. Staatsrealschule in Triest.

Triest, im Februar 1875.

Prof. Kammerer und Dr. Baumbach.

Redacteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer’schen Buchdruckerei {F. Huber) in Regensburg. "

58. Jahrgang.

N: 6. Regensburg, 21. Februar 1875.

Inhalt, O. Böckeler: Ein Beitrag zur Kenntniss der Cyperaceen-Flora Neuholland’s und einiger polynesischer Inseln. C. Müller: Manipulus muscorum novorum ex America septentrionali. Schluss. O. Nordstedt und L. J. Wahlstedt: Ueber die Keimung der Characeen, Personal- nachricht. Anzeigen. Einläufe zur Bibliothek und zum Herbar.

Ein Beitrag zur Kenntniss der Cyperaceen-Flora Neuholland’s und einiger polynesischer Inseln.

Von O. Böckeler.

Von Herrn Dr. Chr. Luerssen erhielt ich zur Bestimmung des Inhalts eine ansehnliche Sammlung von Eyperaceen, die hinsicht- lich ihrer Herkunft auszwei. Theilen besteht, von denen ein über- wiegender Theil von Frau Amalie Dietrich in Queensland, ein kleinerer von Dr. Graeffe auf den Samoa-, Fidsehi- und Tonga-In- seln zusammengebracht worden ist.

Beide Theile der Sammlung zeichnen sich durch verhältniss- mässig zahlreiche neue und interessante Formen aus, und befin- det sich unter den Dietrich’schen Pflanzen selbst eine noch nicht beschriebene ausgezeichnete Gattung. Sehr erfreulich war mir, unter den letzteren neben ausgezeichneten Novitäten auch eine Anzahl bereits vou R. Brown im Prodromus beschriebener Cy- peraceen zu finden, die in der Zwischenzeit, wie es scheint, nicht #iedergefunden worden sind. Ich vermogte nunmehr da die

Flora 1815. 6

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Pflanzen mir vorlagen dieselben nach den sehr kurzen betreffenden Diagnosen meist mit völliger Sicherheit zu erkennen, während man früher im anderen Falle in Betreff einiger derselben sehr abweichende Formen statt ibrer in Anspruch genommen hat, Hoffentlich werde ich später Gelegenheit haben, von diesen leiz- teren Pflanzen ausführliche Beschreibungen zu geben. Da ausser den Novifäten mehrere Arten der Dietrich’schen Sammlung in Neu- holland bisher nicht beubachtet worden sind, so wird es sich em- pfehlen, hier ein vollständiges Inhaltsverzeichniss der letzteren folgen zu lassen. Der Stand, welcher den aufzuführenden neuen Gegenständen im Systeme anzuweisen sein wird, und somit die verwandtschaftliche Beziehung derselben zu den älteren Arten, ist durch diejenigen Zahlen angedeutet worden, welche in meiner Bearbeitung der Cyperaceen des Berliner Herbars (Linuaea, N. Folge) den betreffenden Arten voranstehen. .

Tribus Cypereae. Kyllingia.

1. K. brevifolia Rottb. Nova Holland. Queensland, Brisbane River, Rockhampton (Am. Dietrich). 2. K. monocephala Rottb. Queensland, Port Mackay (Am. Ditrich).

Cyperus. Sect. I. Pyereus.

3. (34 b.) C. luteolus n. sp. Culmo 2—1-pedali rigido lineam fere crasso aequilatero-

triangulari striato, basi subquadrifoliato; foliis rigidulis acute carinatis superne longe angustatis ibique complicatis margineque remote dentatis, inferne 2 lin. circ. latis, superioribus culmum subaequantibus; umbella 7—5-radiata, radiis valde inaequalibus patenti-erectis, exterioribus 1—2'/, poll. long. interioribus bre- vissimis; foliis foralibus 3 patentibus satis inaequalibus, infimo 6—10 poll. longo; spieis e spienlarum faseieulis nonnullis compo- sitis, ovalibusdensis 1’/—1 poll. longis; spiculis ovali- v. oblongo- lanceolatis acutis compressis 5--6 lin. long. 2—1?s lin. lat. 12—20-floris; squamis oblongo-vvatis acutiuseulis, carina viridula trinervia superne acutiuscula, lateribus lutescenti- v. ferrugine-

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scenti-stramineis Subtiliss. celluloso-reticulatis; caryopsi squamae partem tertiam vix saperante obovata basi parum obliqua tumido- biconvexa, angulo prominulo, apiculata subtiliter celluloso-retieu-

lata cinerea v. atro-fusca nitidula. Nova Holland. Queensl., Port Mackay. Leg. Am. Dietrich.

4.

5.

12.

14.

15.

C. globosus Allioni (emend.)

Queensl. Port Mackay (Am. Dietrich).

©. polystachyus Rottb. (emend.)

Queensl. Rockbampton, Port Mackay (Am. Dietrich).

Seci. II. Eucyperus.

(Aristati.)

C. pygmaeus Rottb.

Queensl., Port Mackay (Am. D.).

C. castaneus Willd.

Queensl., Port Denisson (Am. D.)

C, cuspidatus Humb. et Kunth.

Queensl., Port Denisson (Am. D.).

Ejd. speeiei forma pygmaea culmo abbreviata. Lake El- phinstone (Am. D.).

forma major. Roekbampton (Am. D.). Ü. gracilis R, Br.

Queens. Port Mackay, Rockhampton (A. D.) C. enervis R. Br.

Port Mackay (Am. D.)

. Ü. flaccidus R. Br.

== C, macellus Kunth. Port Mackay (Am. D.) C. trinervis R. Br.

= (. Lessonianus Kunth. Queens. Rockhampton (Am. D.) (Haspani.) C. denudatus Vahl (emend.)

a iriqueier = U. denudatus Vahl.

(©. amphibolus Steud.) Port Mackay (A. D.) (Fusei). C. concinnus R. Br. Rockhampton (A. D.) \ ©. difformis L. Rockhampton (A. D.) or

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(Leptolepides). 16. C. Sorostachys Beklr. in Lion. Sorostachys kyllingioides Steud. Isolepis Kyllingia N, ab E. Rockhampton (Am. D.) (Marginati). 17. C. pilosus Vahl. == (. honestus Kunth. C. marginellus Nees,

C. piptolepis el ©. pauciflorus Steud. Port Mackay (Am. D.) 18. ©, Heynei Beklr. in Linn. = C. procerus Kunth. Enum. et Alior. (non Rottb.) Port Mackay (A. D.) 19. C. Sieberi Kunth. Rockbampton, Port Mackay (Am. D.) (Corymbosi).

20. C. rotundus L. Formae complures, inter quas Ü. hexastachius Rotib.

Queensl. Rockhampton, Port Mackay, Lake Elphinstone (Am. Dietrich). Samoa- insula (Graefle). 21. €. laetus Presl. Port Mackay (A. D). 22. C. carinatus R. Br. Port Mackay (Am. D.) (Exaltati) 23. C. exaltatus Retz. Vahl. Port Mackay, Rockhampton. Brisbane River (Am, D.) 24. C. alopecuroides Rottb. (emend.) ß. digynus. CU. alopecur. Rottb. Queensland, Lake Elphinstone (Am. D.) (Spicati).

25. (257 b.) ©. Graeffei n. sp. Culmo pedem cire. alto stricto duro obtuse triangulo, basi

incrassata vaginis brevibus fusco-atris obtecta multifoliato; foliis coriaceo-perrigidis culmum subaequantibus longe angustatis cari- natis, supra apicem versus marginibus carinaque scabris, inferne 3 lin. latis; corymbo umbelliformi sub 12 ramoso semieomposito; ramis patentibus satis inaequalibus vix angulatis laevibus, longi- oribus apice 3—5-ramosis 3—2!/s poll. longis, interioribus multo brevioribus indivisis; involucro poly- (7-) phyllo, phyllis alternis patentibus, infimis 12—10 poll. long. ; spieis breviter peduncula- tis densiusceulis obtusis 4 lin. latis, terminali cylindrica pollicem ceirc. longa, lateralibus patentissimis ovalibus oblongisve subsemi- pollicaribus; ramis bractea foliacea angusta munitis; spiculis numerosis purpurascentibus dense dispositis patentissimis oblon-

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gis turgidis ohtusis 2 lin. long. 4—-6-floris; squamis arcte imbri- catis chartaceo-tenacibus suborbiculatis concavis ecarinatis obtu- sis muticis purpurascentibus nitidulis, nervis 9 tenuibus pallidis, subtus pallidioribus evidenter celluloso-reticulatis, infimis 3 va- ceuis; caryopsi (nondum perfecte matura) squamam fere aequante ovali triquetra apiculata, punctulata lutescenti-viridula; stylo bre- vissimo, stigmatibus parum exsertis; filamentis 3 brevibus latisque. In Samoa-insula Upolu leg. Graeffe, 26. (257 ce.) C. tongatabuensis n. Sp.

Tri quadripedalis; eulmo superne pennam gallinaceam crasso duro obtusangulo, lateribus sulcatis; folia basilaria desunt; invo- lueralibus 5 patentissimiselongato-acuninatis complieatis margine carinulaque serrato-perseabris, inferioribus pedem et supra longis; umbella composita multi- (14—15-) radiata, radiis valde inaequa- libus, 3—'/, poll. long., patentibus validulis perrigidis triangulari- bus, subomnibus apice corymboso-pluriramosis; ochreis primariis oblique truncatis postice bieuspidatis; spieis compusitis subtrian- gulis 1%/,—1'/s poll. altis atque latis; ramis perbrevibus patentis- simis reflexisve bractea perbrevi setacea munitis; spicis (illis radior. longior. subquinis) confertis subeonformibus oblongo-cylin- dricis %4—Y, poll. long. 5—6 lin. erassis; spiculis numerosis purpurascenti-stramineis confertis patentissimis oblongo-lanceola- tis acutis turgidis 3 lin. long. 6--5-floris; squamis arcete imbri- catis late ovatis obtusinsculis muticis convexis tenuiter sub 7- nervatis nitidis pallidis superne purpurascentibus, inferioribus 3—4 vacuis, fertilibus basi subconstrietis; caryopsi squama !/s breviore ellipsoidea utrinque parum attenuata, triquetra dense elevato-punctulata atropurpurea, stylo vix exserto complanato profunde trifido ferrugineo terminata; filamentis 3 exsertis latis.

Tonga-insula Tongatabu. Leg. Graefe.

27. CO. canescens Vahl.

Queensland: Am. Dietrich; Samoa- et Fidschi-insulae Graeffe,

28. (265 b.) C. ochroleucus n. sp.

Rhizomate brevissimo; eulmo subpedali strieto firmo tenui triangulari infra apicem ad angulos scabrido, a basi fere ad me- dium foliato; vaginis subownibus foliatis; foliis rigidulis remo- tiusculis Bexuoso-reeurvis complicatis acuminatis sesquilineam latis subtiliss. multinervatis, marginibus carinaque spinuloso-sca- bris, superioribus culmum superantibus, reliquis eo subaequilon- gis; umbella composita 9—7-radiata; involuero 5—6-phyllo, phyl-

lis patentibus, inferieribus 6-7 poll. longis; radiis patentibus inaequalibus validulis striatis apice corymboso-ramosis, longiori- bus 1'/,—1 poll. longis; ochreis pallidis tranversim truneatis; ramis brevibus patentibus inaequalibus setaceis foliaceo-bractea- tis, infimis (5—3 lin. long.) quam bracteae parum brevioribus; spieulis pluribus fascieulato-confertis parvis flavo-albidis 5—4- floris (ante anthesin) oblongo-ovatis obtusis; squamis floriferis scariosis margine membranaceis, ovatis obtusis muticis v. obso- leie mucronatis, dorso viridi subtiliter trinervato, lateribus sex- sulcato-striatie,

Queensl, Lake Elphinstone (Am. D.)

(Fascieulati).

29. (267 b.) C. inornatus n. Sp.

Gulmo 2—3-pedali striete erecto duro pennam gallinaceam erasso acute triangulari, lateribus concavis, laevi basin versus pauci- (4-) foliato; foliis remotis eulmo multo brevioribus (supe- rior. subpedalibus) coriaceis planis v. margine involutis, carinatis sublaevibus supra evidenter celluloso-reticulatis, 2—2'/, lin. latis; vaginis herbaceis bipollicaribus lutescentibus v. fulvescentibus ; umbella subdecomposita eire. 10-radiata angusta (7 poll. alta); radiis radiolisque erectis valde inaequalibus validis triangulis (inferne non raro compressis) laevibus, longioribus ad 6 poll. longis; ochreis scariosis oblique truncatis mutieis; involucri tetraphylli foliis margine superne carinague serrulato-scabris, in- fimis duobus umbellam superantibus, reliquis ea brevioribus; um- bellulis 5—7-radiatis, radiis setaceis, exterioribus 1%/,—"/, poll. long., interioribus brevissimis; involucellorum foliis perangustis umbellulas fere aequantibus; spiculis paucis in apice radiolorum fasciculato-eonfertis anguste linearibus acutis 15—11-doris 5—4 lin. longis; faseiculis breviter pedunculatis bractea setacea muni- tis; squamis membranaceis, fructiferis patulis, late oblongis ob- tusiusculis subtiliter plurinervatis e carina viridi breviter muero- natis, lateribus ferrugineis, superne margine angusto membrana- ceo albido eireumdatis; caryopsi minuta squama '/s breviore ob- longa triangulari apiculata minute granulata fusco-lutea; stylo tenerrimo exserto ad medium trifido; stam. 3 subtilibus brevibus,

Queensl. Port Mackay (Am. Dietrich).

30. C. Novae Hollandiae Beklr. (in Linn.) Queensl. Rockhampton (A. D.) (Leptostachyi)

31. (280 a.) ©. Luerssenii n. SP.

[4

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Pergracilis; rhizomate brevi fibrillis capillaribus; eulmis pau- cis faseieulatis inaequalibus 1’/,,—1 ped. alt. tenuibus, vix supra lineam crassis, rigidulis, superne leviter incurvis, triangulis sul- eato-striatis laevibus, supra basin leviter bulboso-inerassatam paucivaginatis; vaginis remotis, inferioribus aphyllis, suprema eum lamina brevi et angusta (1—3-pollie. vix jlineam lata) cari- nato-complicata sublaevi munita; umbella simplici 5—4-radiata explanata; foliis floralibus 3 illis culmeis similibus ac aequilon- gis, superne margine remote dentatis; radiis patentissimis fili- formi-setaceis triangulis 2—3 poll. longis, intermedio sessili; ochreis angustis ore oblique truncatis obtusis; spieulis elongatis patentissimis graeilibus in radiorum apice alternatim approxima- tis leviter curvatis linearibus acuminatis 24—16-doris 16—13 lin. long. semilineam latis; squamis parvulis parum remotis apice patulis, oblongis acutiuseulis muticis, lateribus purpurascentibus, dorso viridi plurinervatis; caryopsi squamae dimidium vix ae- quante recta oblonga triangulari, augulis obtusis prominentibus, mucronulata, dense elevato-punctata atro-fusca; rhachillae alis angustis hyalino-albidis.

Queensland, Port Denisson (Am. D.)

32. (297 b.) ©. Dietrichiae n. sp.

Caespitosus; rhizom. brevissimo, fibrillis tenuibus fascieulatis rigidis; culmis strietis 1'/,—2 ped. altis lineam crassis v. parum erassioribus rigidis triangulis sulcato-striatis, parte inferiore foli- atis; vaginis membranaceis pallidis; foliis alternis laete viridibus eulmum subaequautibus rigidulo-berbaceis longe angustatis planis carinatis superne margine earinaque scabris 3'/,—2 lin. latis; umbella semicomposita 10-—7-radiata explanata; involucri 5—4- phylli foliolis inferioribus umbella multo longioribus; radiis pa- tentibus setaceis, exterioribus 5—6-pollic. non raro tri- (raro 5-) ramosis, ramis capillaribus patentissimis subpollicaribus ; ochreis angustis ferrugineis ore subobliquis mutieis; spicis -orbiculato- ovalibus pollicem circ. longis atque latis; spieulis numerosis confertis, supremis erectis, reliquis reflexis setaceo-tenerrimis rectis 7—5 lin. long. 8—5-floris, squamis apice vix patulis an- guste oblongis obtusiusculis mutieis subtiliter multinervatis rufis, dorso angusto viridulis; caryopsi (non perfecte matura) elongata squama '/s breviore perangusta recta lineari utrinque attenuata triangulari dense granulata luteo-viridi; stylo abbreviato, stig- matibus exsertis subtilissimis ferrugineis; rachillae rectae alis latiusculis byalino-pallidis,

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Queensi. Port Mackay (Am. Dietrich). (Marisci). 33. (312 b.) ©. upoluensis n. sp.

Rhizomate parum elongato crassiusculo obliquo brunneo; culmo strieto 7——8-pollicari vix lineanı crasso acutangulo laevi basi multifoliato; foliis confertisherbaceo-tenacibus subaequalibus eulmo longioribus glauco-viridulis (15—16-poll. long.) planis ca- rinulatis longe angustatis subtiliter multinervatis superne mar- gine vix serrulato-scabris, 2 lin. lat.; spieis 7 graeilibus in apice eulmi umbellatis, simplieibus subaequaliter brevi-peduneulatis eylindrieis laxis pollicem cire, long. 2 lin. lat.; involucri foliis 6 patentibus, exterioribus 8—6-pollie. 1’/z lin. lat., interioribus subsetaceis multo brevioribus; ochreis angustis ore transversim truncatis postice bicuspidatis; spieulis minutis laxis patentissimis reflexis pallide purpureis sublanceolato-oblongis teretibus 1’,— 1°/4 lin. long. unifloris, bractea minuta setacea scabra munitis; squamis 4 chärtaceis concavis plurinervatis pallidis purpureo- variegatis, dorso angusto viridibus, inferioribus 2 late ovatis ob- tusis, tertia fertili Ovata acutiuscula, suprema lamella lancevlata basi cuneata.

In Samoa-insula Upolu leg. Graeffe.

34. (317 b.) Ü. tetracarpus n. sp.

Glaucescens;, rhizon. elongato subrepente crassiuseulo duro brunneo, fibrillis longis validis fuseis; culmo 12—21 poll. alto perrigidio ?/, lin. erasso obtusangulo (subtiliss. multistriato) basin versus foliato; vaginis rigidulis brunnescenti-ferrugineis; foliis (culmeis) parum remotis eulmo longioribus rigidulis perlonge se- taceo-attenuatis, inferne 1*/ lin. latis canalieulatis, superne ca- rinaque aculeolato-seaberrimis; umbella 9—6-radiata, radiis pa- tentiss. validulis trigonis, longioribus 1’%—1 poll. long. apice triramosis, reliquis indivisis, centralisubsessili; ramis fere sessi- libus, lateralibus reflexis; involucro pentaphyllo, phyllis inferiori- bus valde elongatis, non raro pedem et ultra longis; spiea ter- minali cylindracea obtusa 6—5 lin. longa, 2'/, lin. eirc, crassa, lateralibus multo minoribus subrotundatis; spiculis densiss. dis- positis subomnibus reflexis, e basi parum obliqua ovatis acutius- eulis turgidis nitidulis 1% —1°/s lin. long. 5—4-floris, flore ter- minali imperfecto; squamis concavis obtusis subdecemnervato- striatis inferne pallidis superne purpurascentibus medio ibidem viridulis, inferioribus suborbieulatis, superioribus orbienlato-ova- tis; caryopsi Squama parum breviore obovata triangulari apicu-

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lata punctulata atropurpurea; stylo parum exserto complanato usque fere ad medium trifido; stamin. 2.

Queensl. Port Mackay (Am. D.) 35. (317 c.) C. glaucinus n. sp.

Cinereo-glaucus. Rhizom. brevissimo duro, vaginis squamifor- mibus ovato-lanceolatis nervosis brunneis tunicato, fibrillis Ion- gis rigidis atro-fuseis; culmo strieto perrigido trigono pedem eirc. alto inferne lineam crasso foliisque granulato; foliis con- fertis culmum subaequantibus subeoriaceo-rigidis evidentercarina- tis, margine grosse dentatis, 1’, —2 lin. lat. umbella subnovem- radiata contracta; radiis abbreviatis ereeto-patentibus (v. inferi- oribus quandoque leviter recurvis) 6—3 lin. long. validis obso- lete trigonis; involucro hexaphylio patenti-erecto, phyllis exteri- oribus 6—4 poll. longis; spieis ovalibus obtusis 5—4'/, lin. long. simplieibus v. basi interdum paueiramulosis, ramulis brevissimis (oceultis) paucispiculatis; spieulis confertis, superioribus erectis inferioribus reflexis, oblongis acutis teretiuseulis stramineo-rufe- scentibus 1'/s lin. long. unifloris; squamis quaternis: inferioribus 2 minoribus suborbieulatis nervosis, tertia fertili ovali-orbiculata florem involvente, suprema tabescente membranacea acuminata; caryopsi (juvenili) oblonga triquetra; stylo longiuseulo apice tri- fido; stam. 2; rhacheola late alata.

Queensl. Port Mackay (Am. D.)

(Fortsetzung folgt.)

Manipulus muscorum novorum ex America septentrionali. Auctore Carulo Müller. (Schluss.)

7. Hypnum (Homalothecium) pseudo-sericeum C. Müll. n. sp. dioicum; laxe cespitosum procumbens vage ramosum pallide lu- tescens flexuosum flaceidum sericeum, ramulis breviusculis apice breviter cuspidato curvulis turgidulis mollibus; folia caulina laxe conferta madore patula, ebasi paulisper decurrente rotundata vix impressä anguste vel latius lanceolata in acumen longiusculum acutatum saepius semitortum cuspidata, irregulariter et indistincte sulcata, profunde concava, margine e basi ultra medium valde revoluto remote et obsolete dentienlata, nervo angusto in acumine dissoluto, cellulis ubique pallidis inerassatis angustissimis Jine- aribus striatulis; perich. externa minora ligulate ovata obtusatas interna e basi lata vaginata laxe elongate reticulata pallidissima tenerrima flaccidissima sensim in acumen valde elongatum den-

vo

tieulatum angustius sed elongate reticulatum protracta erecto- patula, enervia; theca in pedunculo perbrevi rubente saepius valde flexuoso supra basin infimam valde tubereuloso ereetiuscula vel vix inclinata, subito arcuato-cylindriea glabra badia, ore constrieto brunnea, junior olivacea, calyptra firma truncatula levi; peristomii dentes ext. robusti rubiginosi valde cristato- trabeculati, albide limbati, int. in membrana lutea tenera valde reticulata, ciliissingulis vel binis; operculoconico oblique rostellato.

Patria. America septentrionalis, Oregon, Oakland et Portland, ubi primus legit Rever. Dr. Neeve vere 1873. Hb. C. Mohr.

Ab H. sericeo proximo eriteriis supra äceuratius laudatis jam certe distinetum pulcherrimum.

8. Hypnum (Brachythecium, Uavernularia) biventrosum C. Müll. n. 8p.; dioieum; laxe cespitulosum viridissimum pusillum, ramis simplicibus zdenwibus brevissimis curvulis madore turgidiu- seulis strietis; folia caulina dense conferta humore erecto- patula, parva, e basi vix decurrente longiuscule acuminata per- fecte symmetrica, basi utrinque nervi loco plicae venirem plus minus profundum sistentia, nunguam plicas longitudinales sulcatas constituentia, margine basilari solum late convexo, supremo interdum angustissime nusguam valde revoluto sed pro more erecto ubique constanter distincte denticulato, nervo valde regu- lari viridissimo stricto eanalieulato supra medium evanido nun- quam flexuoso vel furcato, cellulis densis linearibus brevibus, alaribus paucis minutis massa chlorophyllosa repletis mollibus; perich. parva, & basi vaginata laxe elongate reticulata plus minus subito in acumen longiusculum capillare reflexum protracta superne hie illic dente grosso vel minore ornafa enervia eplicata, externa minora e basi latiuscule ovata semivaginante subito reflexe acu- minata denticulata, nusquam margine revolula; theca in pedun- culo brevi levi rubente spiraliter torto erecta minuta cylindrico- oblonga haud curvata, operculo conico brevissimo obliquiusculo apiculato non protuberanie, unnulo simpliei obsolet; peristomii dentes ext. breves angusti rubiginosi linea longitudinali obsoleta notati parum trabeeulati, inierni in membrana perbrevi lutea levi positi in crura duo capillaria dentem angustissimum vixz sulcalum sistentia ad trabes solum cobaerentia levissima divisi, ciliis sin- gulis rudimentariis.

Patria. Louisiana, ad truncos putridos in sylvis prope Batonrouge cum Neckera (Orthostichella) Ludoviciae consociatum Febr, 1874: Dr. Joor in Hb, C. Mohr.

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Ob inflorescentiam, peduncnlum glabrum et habitum Aypno laeto, eujus formam veluti diminutam refert, simillimum, sed cri- teriis litteris cursivis aecuratius designatis prorsus diversum, exiguitate et statura H. velutinum in memoriam redigens. In regi- onibus Mexicanis speeies variae alterae oceurrunt, quae foliis ventroso-cavernosis praeditae tribulum proprium parvum (Üaver- nularia mihi) sistunt.

9. Hypnum (Cupressina) Sequoieti C. Müll. n. sp,; monoicum, flos masculus in ramulo proprio brevissimo ad pedem feminei minutissimus; habitus Hypni cupressiformis gracilioris; cespites prostrati, ramis procumbentibus gracillimis pallide viridibus vel sordide Intescentibus; folia caulina valde cireinnato-falcata parva, e basi latiore ad latus unicum subauriculata ad latus alterum angustiore asymmetricä oblongo acuminata inde in acumen fal- eatum distinctius serrulatum protraeta integriuseula, ubique pro- funde concava, obsolete binervia, basi aurea superne Jutescentia, e cellulis brevibus angustis linearibus ar-lata,; alaribus fugacibus plerumque solitariis vesiculosis intense aureis incrassatis prae- dita, margine erecta; perich. multo majora latiora exserfa,e basi enervi aurea latiuscule ovato-acuminata in acumen latiusculum rectiusculum denticulatum elengatum producta; theca in ped. brevi glabro rubro fexuoso parva ovalis parum inelinata badia, operculo brevi conico, annulo angusto, peristomio brevi: dentes externi pallide lutei, latereparum cristati, interni albidi profunde sulcati vix hiantes, eiliis aequalibus singulis tenuissimis asperulis.

H. etrcinale Sull. et Lesq. M. B. Amer. Exs. No. 474.

Patria. California, in truncis Seguoiae sempervirentis, in fissuris cortieis arete adhaerens, tamquam aqua perpetuo inunda- tum: Henry Boländer 27. Mart. 1864 prope Redwood-City legit et misit,

Ab ZH. circinali Hook. caracteribus supra accuratius designa- tis certe distinguitur.

10. Hypnum (Cupressina) depressulum C. Müll. n.sp.; monoicum; cespites tenelli depressi lutescentes; caulis prostratus, ramis te- nuibus brevibus flexuosis apice curvulis plus minus aequalibus irregulariter pinnatis simplieibus vel ramosulis vage ramosus applanatulus; folia caulina minuta horride distichacea, siccitate et madore patula, scariosula, vix vel parum falcatula, e basi saepius paululo constricta ovatulä in acumen breviusculum pler- umque paulisper falcatum plus minus acutum obsolete serrulatum producta, concava, margine basilari angustissime revoluta, nervis

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gemellis brevissimis subobsoletis pallidis, cellulis elliptieis palli- dis parvis, alaribus nonnullis majoribus laxioribus (minutis) qua- dratis pellucidis inanibus; perich. multo majora exserta, late lan- ceolato-acuminata strieta, externa minutissima reflexa, basi favida et laxius reticulata, brevissime binervia vel enervia apicem versus serrulata; theca in ped. breviusculo rubro glabro flexuoso inclinata parva sed turgide ovalis macrostoma ore aequa- lis, badia leptoderma, operculo eupulato; perist. d. ext. latiuscule lanceolati lutei membranacei parum cristati apice asperuli, int. illos subaequantes albidissimi suleati imperforati vel vix hiantes, glabri, ciliis binis longis albidis conglutinatis.

H. hamulosum? Sull. et Lesq. in Musc. Bor. Amer. Exs. No. 478,

Patria. America sept., per montes Novae Angliae in trun- cisputridis: Oakes, James.

BEP SRRR . . us . I. hamulosum folii: basi fibroso-cellulosis majoribus maxime faleatis jam longe refugit. Androeeia plura in viciniafloris fe- minei gemmacea parva, foliis ovatis vix acuminatis.

11. Neckera (Orthostichella) Ludovieiae C. Müll. n.sp.; perpusilla, in- ferne simplex et foliis appressis julacea, medio ramis paucissimis brevissimis irregulariter pinnata, apice turgidiuseulo, simplex, viridissima strictiuscula; folia caulina indisfinete spiraliter po- Iysticha erecto-patula, e basi rotundata cellulis alaribus minutis- simis parenchymatieis inerassatis fuscatis colorata aureä angus- tissime Jineari-cymbiformia, acumine longiuscalo acutiusculo plano impressione flexuosulo vix dentieulato terminata, margine ubique erecta, nervo tenuissimo viridi insummitate acuminis evanido, cel- lulis virentibus minutissimis angustissime elliptieis levibus. Cae- tera ignota.

Patria. Louisiana, ad truncos putridos sylvestres Pprope Batonrouge cum Hypno biventroso: Dr. Joor Febr. 1874 sterile legit. Hb. C. Mohr.

N. cymbifolia (Pilotricho eymbifolio Sulliv.) Floridano habitu et statura simillima differt: foliis distinete spiraliter polystichis multo latioribus majoribus brevius et obtusius acuminatis, distinete den- tieulatis, pallide nervosis, cellulis majoribus distinctioribus magis scariosis alaribusque crebrioribus majoribus massa grisea reple- tis ad alas magis adscendentibus nec aureis.

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Anhang,

Zwei Moose aus Colorado.

12. Mnium (Aulacomninum) papillosum n.sp.; eaulis elongatus subgracilis flexuosus valde radieulosus apice fastigiatim divisus brevirameus; folia caulina inferiora inter tomentum immersa di- stantia, superiora confertiora parum cerispatula luteo-virentia vel sericeo-albescentia, madore strieta, e basi decurrente ventricose inflata cellulis pluribus laxioribus parenchymaticis brunnescentibus reticulata lanceolato-oblonga, ramulina minora breviter acuminata canlina longius acuminata et apicem versus plus minus undulata, margine intero distincte revoluta supremo erecta et crenato-den- ticulata vel brevissime serrulato-denticulata, e cellulis parvis densis unipapillosis scaberrimis areolata, nervo crasso virente, profunde canaliculato ante apicem evanido percursa; pseudopodia brevia flavescentia. Caetera ignota.

Inter Aulac. palustre et ardrogynum intermedinm. Statura prioris elongata, foliis ulteroris papillosis; a primofoliis minu- tius areolatis papillosis, a seeundofoliis seaberrimo-papillosis nun- quam grosse serratis minutiusareolatis et statura, ab utroque foliis basi distinete inflatis jam diversum.

13. Bryum (Eubryum)lonchocaulon n. sp.; synoicum; caulis elongatus gracillimus fexuosus subsimplex luteo-viridis radiculo- sus stolonaceus; folia eaulina inferiora inter radieulas remotiora, superiora densius conferta caulem subjulaceum hie illic sistentia parva, e basi angustissime decurrente ovato-lanceolata, nervo va- lidiusculo inferne purpurascente superne virente in aristam elon- gatam attenuatam tenuem vix dentieulatam protracto, concava, Mar- gine usque ad apicem valde revolutointegerrimo, apice solum vix denticulato, limbo nullo, cellulis parvis pellueidis inannibus irregu- lariter rhombeis basin versus laxioribus tenerioribus saepius pur- purascentibus; perich. ut caulina; theca in pedunculo valde elon- gato suprapollicari flexuoso purpureo pendula ovalis parvula; peri- stomii interni ciliis binis valde appendiculatis. Opereulum ignotum.

Formis graeilibus Bryi bimi aliquantulum simile, sed foliis immarginatis jam distinetum et speeies gracilis.

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Ueber die Keimung der Characeen. Von ©. Nordstedt und L.J. Wahlstedt.

Da Sachs auch in der vierten Auflage seines „Lehrbuches der Botanik‘‘ (1874)') in Betreff derKeimung und Zweigvorkeime der Cbaraceen nur dasjenige anführt, was schon bei Prings- heim?) zu finden ist, welcher nicht selbst die Bewandniss der Keimung gesehen, sondern dieselbe nur zufolge der Uebereinstim- mung der Zweigvorkeime und der aus den Sporokarpien ent- wickelten Vorkeime muthmasst, so erlauben wir uns hier eine kurze Darstellung der Resultate mitzutheilen, zu welchen unsere zum Theil schon publicırten?) Untersuchungen dieses Gegenstan- des gelangt sind.

Bei der Keimung dehnt sich die Innenzelle der Spore und tritt durch die Oeffuung der Spore aus; der herausspringende Theil wird durch eine Wand von dem übrigen Inhalt der Spore getrennt, worauf aller Zuwachs in der Richtung der Längenachse der Spore aufhört, indem sich die obere Zelle durch eine gegen die erste winkelrechte Wand zweitheilt. Die eine dieser beiden neuen Zellen wächst zu einem Organ aus, welches mit Prings- heims Zweigvorkeimen völlig übereinstimmt, dabei eine Lage einnehmend, welche gegen die Längsachse der Spore winkelrecht ist, und falls die Spore platt ist, wie bei Nitella flexilis A. Br., auch gegen die platten Seiten derselben.®) Die zweite dieser beiden Zellen bildet sich zu einem Knoten (der Samenknoten Pringsh. = der primäre Wurzelknoten Nordst.), welcher in seinem entwickelten Zustande mit dem Wurzelknoten des Zweigvorkeims (der secundäre Wurzelknoten Nordst.) völlig übereinstimmt. Der Samenknoten besteht zuweilen aus einer einzigen Zelle, mehren- theils aber theilt er sich in mehrere solche, dadurch Anlass zu

1) Sachs: Lehrbuch der Botanik, Leipzig 1874, pag. 295: ‚Aus der Cen- tralzelle der Charenfrucht entwickelt sich bei CAara bei (HAitella ist dies noch nicht beobachtet) nicht unmittelbar die geschlechtliche, blätterbildende Pflanze“ ... Pag. 298: „Die Zweigvorkeime sind gleich jenen nacktfüssigen Zweigen nur an Ch. fragilis (von Pringsheim) beobachtet worden“,

2) N. Pringsbeim: „Ueber die Vorkeime und die nacktfüssigen Zweige der Charen“ (Jahrbücher für wissenschaftliche Botanik, IH B. 2 H. Berlin 1862).

3) L J. Wahlstedt:,,Om Characeernas knoppar och öfver vintring,“ Lund 1864. 0. Nordstedt: „Nagra iakttageiser öfver Characeernas groning‘ (Acta Universe. Lundens. Tom. II; Lund 1866).

4) Nordat. 1. ce. fig. 13.

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Wurzeln gebend, unter welchen eine gewähnlich grösser als die übrigen ist (die Hauptwurzel). In seltenen Fällen geschieht es doch, dass nach der ersten Theilung der Innenzelle der Spore, die obere Zelle unmittelbar zum Vorkeim auswächst, ohne sich erst zu theilen, in welchem Falle der Samenknoten folglich ganz und gar vermisst wird, der Vorkeim aber doch eine schiefe Richt- ung in seinem Verhältnisse zu der Achse der Spore hat.')

Die Keimung ist von uns bei folgenden Arten beobachtet worden: Nitella capilata, mucronata, Senuissima; Chara scoparia, crinita, rudis; die Keimung nebst den Zweigvorkeimen bei Ni- tella flexilis, Tolypella nidifica, Normaniana, glomerata, intrieate; Chara Wallrothii ®), foetida, hispida, contraria, aspera, fragilis; und ausserdem haben wir die Zweigvorkeime bei Nitella opaca, trans- lucens ; Tolypella prolifera; Uhara stelligera, iomentosa, polyacan- tha°) beobachtet.

Bei einigen Nitellen (Abtheilung monarthrae: Nitella opaca flexilis) und Tolypellen (glomerata, intricata, Normaniana) ver- missen die Zweigvorkeime sehr oft den Wurzelknoten nebst dem zugehörigen Internodium, obschon diese Theile bei dem Vorkeime dieser Arten zu treffen sind. Das Endgebilde des Vorkeimes und Zweigvorkeimes bestebt gewöhnlich aus 4 Zellen, bei Toly- yella nidifica aus 4—7 bei Tolypella Normaniana aus 3—4, zu- weilen bis auf 6, bei Nitella capitata, flexilis und Teolypella glonerata aus 2 (—3), bei Nitella opaca aus 1—2 Zellen.

Zweigvorkeime sowie nacktflüssige Zweige können aus den Knoten des Stammes, Vorkeims, Zweigvorkeims und der Wurzeln entspringen, in dem letzten Falle besonders aus denKuoten ver- schiedener zu Kugeln aufgeschwollenen stärkehaltigen Interno- dien (Chara Wallrothii und aspera). Es giebt auch Beispiele einer Art von Uebergang der Wurzeln zu Vorkeimen oder Zweig- vorkeimen, welche darin besteht, dass sich eine schiefe Wand, welche sonst nur an den Wurzeln zu finden ist, zwischen dem Samenknoten und Wurzelknoten des Vorkeims (Chara Wallrothii) oder unterhalb des Zweigvorkeims (Chara foetida)*) bildet.

Die nacktflüssigen Zweige der Charen werden bei Nitella von Zweigen mit etwas einfacheren Blättern repraesentirt,

3) Nordst. 1. e. fig. 4. _

2) Flora Danica Vol. XVI, Tab. MMDCCXLY. 3) Flor. Dan, Tab. MMDCCXLVL

4) Nordst. 1. c. fig. 10,

96

Personalnachricht. Am 13. Febr. d. J. starb zu Kiel im 84. Lebensjahre der Professor der Botanik und vormalige Direktor des bot. Gartens, Dr. Ernst Ferdinand Nolte.

Anzeigen Bei Gebrüder Borntraeger (Ed. Eggers) in Berlin,

Ziimmerstrasse 91 erschien soeben:

Botanischer Jahresbericht. Systematisch geordnetes Reper- torium der botanischen Literatur aller Länder. Unter Mitwirkung einer Anzahl Fachmänner herausgegeben von Prof, Dr. Just inCarlsruhe. 1873. 11. Halbband. Preis 14 Mark. Preis des completen Jahrganges 20 Mark.

Im Selbstverlag des Herausgebers ist soeben erschienen und dureh jede Buchhandlung zu beziehen:

Bryotheca europaea. Die Laubmoose Europa’s.

Unter Mitwirkung der namhaftesten Bryologen gesammelt und

herausgegeben von Dr. L. Rabenhorst. Fasc. XXVI. No.

125i—1300. Dresden, 1875.

Dieser Fascikel bietet wiederum mehrere nov. spec., seltene Arten wie: Trrichostomum strietum, Bryum Donianum Gr&v. Zygodon Nowelli Schpr. Hypnum badium Hartm. Tetraplodon angustatus Br. eur. etc. etc, und 4 Arten aus Madagaskar.

Einläufe zur Bibliothek und zum Herbar.

6. Kerner, Vorläufige Mittheilungen tiber die Bedeutung derAsyugamie für die Enstehung neuer Arten. Innsbruck, 1874.

7. Botanisk Tidsskrift. Anden Raekke. Tredje Binds tredje Haefte. Ko benharn 1874.

8. Ascherson, Vorläufiger Bericht über die botan. Ergebnisse der Rohlfe'- schen Expedition zur Erforschung der libyschen Wüste.

9. Ule und Müller. Die Natur. Jahrg. 1874,

10. L. Rabenhorst, die Algen Europas. Dec. CCXL et CCXLI Dresden, 1874,

Redaeteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer’schen Buchdruckerei (F. Huber) in Regensburg.

58, Jahrgang.

Ne 7. Regensburg, 1. März 1875. Inhalt, Dr. Hugo de Vries: Ueber den Einfluss des Rindendruckes auf den anatomischen Bau des Holzes. W. Nylander: Addenda nova

ad Lichenographiam europaeam. XX. OÖ. Böckeler: Ein Beitrag zur Kenntniss der Cyperaceen-Flora Neuholland’s und einiger polynesischer Inseln. (Fortsetzung).

Ueber den Einfluss des Rindendruckes auf den anatomischen

Bau des Holzes. Vorläufige Mittheilung

von

Dr. Hugo de Vries.

Bekanntlich hört in Stengelorganen mit Ende des Längenwachs- thums allmählig auch die Längsspannung der Gewebepartien auf, und tritt an deren Stelle eine Querspanuung'). Bei Holz- gewächsen findet diese Querspannung hauptsächlich zwischen der Rinde und dem Holze statt. Demzufolge übt die Rinde während des Dickenwachsthums einen Druck auf das Cambium und das sich entwickelnde junge Holzgewebe aus. Den colossalen Kräften entsprechend, welche die Rindenspannung verursachen?), darf man annehmen, dass auch dieser Rindendruck ein sehr ansehn- licher sei. Er besitzt aber nicht zu jeder Jahreszeit die näm-

1) Kraus, die Gewebespannung des Stammes und ihre Folgen, Bot. Zig. 1867 S. 105. 2) Kraus ibid. $. 141.

"Flora 1875. . 7

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liche Grösse, sondern ist im Frühjahr, zur Zeit wo das Holz am stärksten durch Wasseraufnahme gequollen ist, sehr gross, wie man an dem Entstehen neuer Rindenrisse und an der Erweiterung der schon vorhandenen in dieser Jahreszeit sehen kann.’) Wäh- rend der Blätterentfaltung verliert das Holz einen grossen Theil seines Wassers durch Verdunstung, es zieht sich zusammen und der Druck der Rinde wird geringer. Von dieser Zeit bis zum Abschluss der Holzbildung im Hochsommer muss eben durch das Diekenwachsthum der Druck wieder allmählig zunehmen.

Sachs?) stellte die Vermuthungauf, dass diesem zunehmen- den Drucke der Unterschied zwischen dem anatomischen Bau des Frühlingsholzes und des Herbstholzes zuzuschreiben sei; es ge- lang mir die Richtigkeit seiner Meinung experimentell nachzuwei- sen. ?)

Die Versuche über diesen Gegenstand habe ich später fort- gesetzt und erweitert, und bin dabei zu dem Resultate gelangt, dass der erwähnte Satz eine Folge ist von allgemeineren Bezieh- ungen zwischen dem anatomischen Bau des Holzes und dem Rindendruck. Nach meinen Versuchen übt der Druck einen Einfluss auf drei Sachen aus: 1) die Zahl der Zelitheilungen im Cambium, 2) das radiale und tangentiale Wachsthum der an- gelegten Elementarorgane, und 3) das Zahlenverhältniss zwischen den verschiedenartigen Elementarorganen.

In der vorliegenden Mittheilung will ich diese DBezieh- ungen in kurzen Sätzen aussprechen und die Versuche, aus denen ich sie ableite, kurz andeuten. Die ausführliche Beschreibung der Versuche und des anatomischen Befun- des, sowie die kritische Begründung der hier mitzutheilenden Resultate wird demnächst an einem anderen Orte erscheinen.

Die Versuche wurden nach einer sehr einfachen Methode ge- macht. In der einen Reihe wurde durch Längsschnitte der Rin- dendrück theilweise aufgehoben, in der anderen Reihe wurde dieser durch Ligaturen von Bindfaden künstlich erhöht. Die Ver- suche fingen zu verschiedenen Zeiten des Frühjahrs und des Sommers an; die Zweige wurden aber gewöhnlich erst im Winter

1) Sachs, Lehrbuch der Botanik. 1. Aufl. 1868 S. 409. 2) Sachs I. c,

3) Ueber den Einfluss des Druckes auf die Ausbildung des Herbstholzes Flora 1872 p. 41. i

1

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abgeschnitten und der anatomischen Untersuchung unterworfen. . Die Untersuchung erstreckte sich im Ganzen über eiwa 40 Arten von Laubhölzern, welche sämmtlich ein gleiches Verhalten zeigten, wodurch die Annahme berechtigt wird, dass die mitzutheilenden Sätze für dieLaubhölzer im allgemeinen Gültigkeit haben werden.

l) Die Zahl derZelltheilungen imCambium hängt von demauf das Gambium einwirkenden radialen Druck ab; je grösser dieser Druck, desto geringer wird die Zahl der Zelltheilungen in jeder radialen Reihein der nämlichen Zeit und unter sonst gleichen Umständen sein.

Bekanntlich hängt die Dicke einer Holzschicht von dem Druck der Rinde ab, unter dem sie enstanden ist’). Die so ent- standenen Unterschiede in der Dicke können schr ansehnliche sein, und die Beobachtung lehrt, dass dabei im allgemeinen die dün- neren Schichten aus weniger Zellen bestehen als die diekeren. Einen schönen Beweis bekommt man, wenn man an Querschnitten eines Versuchszweiges den unter einer starken Ligatur entstandenen Jahr- ing vergleicht mit Theilen des nämlichen Jahrringes, welche in geringer Entfernung oberhalb oder unterhalb der Ligatur unter normalen Verhältnissen gewachsen sind. Oder wenn man die ansehnlichen Holzschichten betrachtet, welche entstehen können, wenn man während der Herbstholzbilduag durch radiale Ein- schnitte den Rindendruck künstlich vermindert. Hölzer, bei denen die Holzfasern auf dem Querschnitt in rädialen Reihen regel- mässig geordnet sind, eignen sich sehr zu solchen Versuchen, bei ihnen ist es leicht, die Zahl der Zellen einer radialen Reihe zu bestimmen ; man findet nicht selten, dass unter künst- lich erhöhtem Druck nur die halbe, unter künstlich vermindertem Druck die doppelte oder auch mehrfache Anzahl von Zellen ge- bildet wird.

2) Das Wachsthum (Streckung) der Elementar- organe des Holzes in radialer und tangentialer Richtung hängt von dem Druck ab, unter dem es stattfindet; je grösser dieser Druck, desto geringer ist diese Streckung.

Dieser Satz ergibt sich sowohl aus der Beobachtung des un- ter künstlich erhöhtem Druck gewachsenen Holzes, als aus dem Studium des unter künstlich verringertem Druck entstandenen. In dem ersteren ist der radiale Durchmesser der Holzfasern

1) Nördlinger, Der Holzring als Grundisge des Baumkörpers 1871 8. 23.

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immer kleiner als in dem normalen Holze desselben Zweiges, das in einiger Entfernung von der Ligatur unter sonst gleichen Umständen gebildet worden ist. Auch sind in jenem Versuchs- holze die Gefässe weniger weit als in dem normalen Holz. Bei einer künstlichen Verminderung des Rindendruckes durch radiale Einschnitte entsteht sofort, und meistscharf vom vorhergehenden Holzgewebe getrennt, eine Holzschicht mit radial weiteren Zellen und mit in jeder Richtung des Querschnitts grösseren Gefässen, Es ist dabei gleichgültig, zu welcher Zeit der Wachsthumsperiode des Holzes der Versuch anfängt.

Die mitgetheilte Beziehung zwischen der Streckung der Zel- len des Holzes und dem Druck, unter dem sie stattfindet, ist in vollkommzer Uebereinstimmung mit der Auffassung, welche von Sachs!) über dieUrsache des Wachsthums der Zellhäute geltend gemacht wurde. Nach ihm spielt dieDehnung, welche eine wach- sende Zellhaut durch den turgescirenden Zellinhalt erfährt, bei dieser Streckung eine sehr wichtige Rolle. Jede Ursache, welche dieser Dehnung entgegenwirkt, muss also nachtheilig aufdas Wachs- thum einwirken, wie dieses in meinen Versuchen mit dem Rinden- druck der Fall war.

3) Das Verhältniss zwischen der Zahl der Ge- fässe und der der Holzfasern in einer Holzschicht hängt von dem Druck ab, unter dem diese Holz- schicht entstanden ist; je grösser dieser Druck, desto ge- ringer ist die relative Zahl der Gefässe.

Bei den Versuchen mit künstlich erhöhtem Druck zeigte sich das unter der Ligatur entstandene Holz immer ärmer an Gefäs- sen als das normale Holz der nämlichen Art. Andererseits war die gleich naeh dem Aufschneiden der Rinde durch radiale Längs- sehnitte entstandene Holzschicht immer reicher an Gefässen als das kurz vorher gebildete Holz. Bei Arten, deren Frühlingsbolz einen Ring von Gefässen zeigt, gelang es mehrere Male, durch

- Längschnitte eine Wiederholung dieses Ringes im mittleren oder äusseren Theil des Jahrringes herbeizuführen.

Man kann unserem Satz auch eine andere Fassung geben, indem man sagt „dass die Aussicht für eine Cambium- tochterzelle eine Gefässzelle zu werden, desto ge- ringer ist, je grösser der Druck ist, unter dem sie sich entwickelt. In dem gleichen Maasse wird die Aussicht,

1) Sachs, Lehrbuch der Botanik. 4, Auflage $, 762.

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101

sich zur Holzfaser auszubilden grösser sein. Eshängtalso wenigstens in dieser Beziehung die morphologische Differenzirung im Cambium von einer äusseren Ursache ab. Nach einigen bis jetzt nur verein- zelt dastehenden Versuchen scheint der Druck auch auf das Zahlenverhältuiss anderer Elementarorgane im Holze einen Ein- fluss auszuüben.

Geben wir jetzt über zur Betrachtung des Einflusses, den der Rindendruck auf die Aushildung des Herbstholzes ausübt, Nach den Untersuchungen von Sanio') sind es hauptsächlich vier Ursachen welche die Jahrringe sichtbar machen. Unter diesen giebt es zwei, welche in keinem Laubholze fehlen, dessen Jahrringe überhaupt sichtbar sind, und zwei andere, welche nur bei einer geringen Anzahl von Arten beobachtet worden sind.

Die beiden allgemeinen Ursachen sind:

. Das Abnehmen des radialen Durchmessers der Holzzellen von dem Inneren des Jahrrings nach aussen.

Das Abnehmen der Gefässe nach Weite und Häufigkeit in der nämlichen Richtung.

Zu den seltneren Ursachen, welche meist auch nur bei einer sehr genauen Untersuchung bemerkbar sind, gehören:

Das Auftreten solcher Elementarorgane im Herbstholz, welche in dem übrigen Theil der Jahrringe fehlen.

Die grössere absolute Dicke der radialen Zellwandungen im Herbstholze.

In Bezug auf die beiden zuerstgenannten Ursachen leuchtet ein, dass sie von dem veränderlichen Rindendruck abhängen können, und da nun wirklich dieser Druck durch das Diekenwachsthum fortwährend gesteigert wird, so muss diese Steigerung ihrerseits die beiden genannten Unterschiede zwischen Frühlings- und Herbst- holz herbeiführen. Ich folgre also:

4) Die Thatsache, dass derradiale Durchmesser der Holzfasern, und die Anzahl und die Weite der Gefässe in jedem Jahrring des Holzes von innen nach aussen abnehmen, wird durch die stetige Stei- gerung des Rindendruckes während des Dicken- wachsthums in genügender Weise erklärt.

Dieser, wie oben erwähnt, schon von Sachs aufgestellte Satz ist also als ein speeieller Fall der allgemeinen, unter 2) und 3) mitgetheilten Sätze zu betrachten.

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1) Sanio, Bot. Zig. 1863 S, 393.

102

Was schliesslich die beiden zuletzt genannten Punkte betrifft, so lässt sich die Frage, ob auch sie von dem Rindendruck abhängen, noch nicht mit Sicherheit entscheiden. Nach einigen Versuchen mit Carpinus Betulus und Corylus Avellana lässt sich erwarten, dass spätere Untersuchungen auch hier eine Abhängigkeit von dem Druck werden auffinden lassen, da bei diesen Arten die Nothwen- digkeit des Rindendruckes für die Entstehung der gefässähnlichen Tracheiden im Herbstholze nachgewiesen wurde.

Addenda nova ad Lichenographiam europacam Continuatio vicesima.') Exponit W. Nylander.

1. Pyrenopsis phylliscella Nyl.

Thallus fusco-nigrieans 'squamulosus, squamfulis subverrucu- loso-inaequalibus subadnatis aggregatis (tamen non contiguis) rotundato-difformibus (latit. 0,5—0,9 millim., erassit. 0,8—0,4 mil- lim.); apotheeia endocarpeidea minutissima conferta (5—15 in quavis squamula thallina) extus epithecio punctiformi coneolori, margine thallino einctulo, indicata; sporae Snae oblongo-ellipsoi- deae, longit. 0,005—7 millim., crassit. eirciter 0,003 millim., para- physes gracilescentes parcae. Jodo gelatina hymenialis coerule- scens, dein thecae obseure violascentes.

Supra saxa silicea montis Ben-y-Gloe in Scotia (Crombie).

E cognitis maxime accedens ad Pyrenopsin Tasmanicam. Squamulae thallinae e granulis minutulis coalitis compositae sunt, ut in lamina tenui apparet. Spermatia tenella oblonga vel fusi- formi-oblonga.

2. Magmopsis pertenella Nyl.

Thallus fuliginosus tenuis opacus subfurfuraceus subsqua- muloso-diffraetus; apothecia innata pyrenio 2) nigro (latit. 0,13— 0,14 millim.), intus alba; sporae Snae incolores oviformes 1-sep- tatae, longit. 0,014—-16 millim., erassit. 0,0067 millim., pars-

1) Continuatio praecedens (in Flora 1875, No. 1) errore typographico in- scribitur „nova decima" pro nona decima.

2) Pyrenium significat conceptaculum pyrenocarpeum (vulgo olim peritbe- cium dietum). Terminum peritheeium fas sit modo adhibere ut designans partem conceptaculi ceingentem thecium (hymenium) vel thecio periphericam ant apothecii discococarpei aut apothecii pyrenocarpei conceptaculum „annula- tum,‘ „dimidiatum.‘“

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physes graciles sat parcae vel subevanescentes. Jodo gelatina hymenialis non tineta protoplasma thecarum vinose fulvescens. Super saxa calearea in regione Ladogensi Fenniae (Norrlin), Genus proprium ad tribum Phylliscodeorum pertinens vel ad propriam, nam apothecia videntur peridia sistere, saltem verum ° ostiolum non inveni; esset tum quasi Mycoporum inter Byssa- ceos. Thallus pyrenopsideus e syngonimiis luteo-virescentibus glomerulosis vel granuloso-difformibus constans, gonimiis pallido- Slaucescentibus vel thallo cetero coneoloribus inordinate disposi- tis, mediocribus. Pyrenium (vel peridium) sub microsceopio ob- scure violaceo-nigrescens. Thecae oblongae. Spermogonia rite evoluta non visa. Vix duei potest ad tribum Pyrenidieorum.

3. Collema granuliferum Nyl.

Subsimile Collemati melaeno sed thallo firmiore et pro parte globulis isidiosis (saepe confertis) consperso; apotheeia rufescen- tia mediocria, margine thallino demum subcrenato cineta; sporae (fere ut in C. melaeno) 3-septatae (interdum septulis 1—2 jun- gentibus), longit. 0,025—-32 millim., crassit. 0,008—0,012 millim.

Super saxa calcarea (libenter inter muscos) inGallia e meri- dionali ad mediam et in Anglia.

Laeiniae thallinae subtus saepelongitrorsum conferte tenuiter Plicatulo-rugulosae in sieco statu.

4. Usnea scabrata Nyl. Subsimilis Usneae plicalae, thallo autem toto papillis ere- bris, parum elevatis, exasperato, pendulo, strietiusculo. Abieticola in Tyrolia, Waldrast (Arnold). Quoque in Helve- tia. Defeetu ramulorum patentinam mox differt ab U, ceratina.

5. Parmelia aleuritica Nyl.

Comparanda cum Parmeliopsi aleuriti, sed Parmelia et thallo subtus lacteo (rbizinis parvis nigricantibus). Sporae 8nae elli- psoideae, longit. 0,009—0,012 millim., erassit. 0,0056 millim.

Supra saxa apriea in Finlandia media (Norrlin).

Notavit cl Norrlin: erescendi modo centrifugo et facie simu- lat ?. centrifugam, sed distat colore thalli. Hie perlato-albus subopaeus (K +, seilicet supra tum flavens), centro einerascens, laciniis vulgo latit. circiter 1 millim., subconvexiusculis, versus ambitum planioribus, nonnihil imbricatis, apieibus suberenatis; apotbecia spadicea (latit. 2—3 millim.), margine receptaculari

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subintegro aut obsolete erenato. Spermatia lageniformi-bifusifor- mia, longit. fere 0,005 millim.

6. Lecanora crassescens Nyl.

Forsan varietas Z. confragosae, thallo erassiore (erassit. 1—2 millim.) cinereo verrucoso-diffracto, sat laxe adfixo. Sporae lon- git. 0,018—24 millim., crassit. 0,009—0,013 ınillim,

‚Supra saxa micaceo-schistosa in Finlandia media (E. Lang).

Thallus facie fere ut in Zzcidea conglomerata et K flavens.

7. Lecanora conizella Nyl.

Thallus albido-Havidus, tenuiter granulatus, subindetermina- tus; apotheeia lutescenti-rufella minuta (latit. 0,2--0,3 millim.), margine thallino subgranulato obsoleto eineta; sporae Snae elli- psoideae, longit. 0,009--0,011 millim., crassit. 0,006—7 millim., epitheeium lutescens (non inspersum), paraplıyses fere mediocres. Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein vincse vel violacee fulvescens, thecis obseurius tinctis.

In Gallia media prope Bonnat, ad basin pini (E. Lamy).

Species videtur distineta in stirpe Lecanorae variae. A L. conizen eomparanda mox differt sporis turgidioribus. Distat quo- que a L. sarcoptella. Facie accedit ad L. piniperdam, sed jam sporae aliae. Thallus K flavescens.

8. Lecidea euspeirea Nyl.

. Sat similis Lecideae speireae Ach. (P. trullisatae Kphb.), sed sporis majoribus vel turgidioribus (longit. 0,016—18 millim,, erassit. 0,010—11 millim.).

Galeicola in monte Helvetico Gemmi (Schimper).

Apothecia latit. cireiter 2 millim., plana, marginata (perithe- cio epithallino-obducto), epithecio albo-suffuso aut caesio-pruinoso aut alibi nado. P, trullisaia Kphb. est omnino L. speirea qualis datur in Fr et Stenh. L. S, no. 410.

9, Leeidea inconfluens Nyl.

Subsimilis Zecideae soredizae Nyl, Pyr. or. p. 38 (L. albo- coerulescens Mudd Exs. Nr. 181), at sporis nonnihil minoribus (longit. 0,015—18 millim., crassit, 0,007—8 millim.) et gelatina hymeniali jodo intensive coerulescente deindeque mox vinose ru- bescente vel vinose violascente.

Supra saxa calcarea prope Onegam (Norrlin).

ra an are

105

In speeiminibus Muddii eitatis sporae longit. 0,016—23 mm., erassit, 0,008-—9 millim.

10. Zeeidea leucitiroides Nyl.

Subsimilis L. confluenti var, leuciticae Flot., sed jam sporis ellipsoideis turgidioribus (longit. 0,009—0011 millim., crassit. 0,005—7 millim.) et spermatiis longioribus certe differens. Jodo praeterea gelatina hymenialıs coerulescens, dein thecae vinose violaceae.

Super saxa granitica in Lapponia (Norrlin).

In L. confluente var. Teucitica sporae oblongae, longit. 0,009 0,014 millim. crassit, eireiter 0,0045 millim.

11. Zecidea polycarpoides Nyl. Forsitan varietas Leccideae tessellatae Flk., quacum reactioni- bus convenit, sed sectione apothecii sieut in Z. spilotica i. e. perithecio medullae portionem involvente. Sporae longit. 0,009— 0,012 millim., erassit. 0,005—6 millim. oceurrit etiamferro tincta. In Lapponia late distributa (Selin et Norrlin).

12. Leridea parasitaster Nyl.

Subsimilis Z. sociellae, sed apotheciis latit. eireiter 0,3 millim.) intus pallidis et sporis solum 3-septatis (longit. 0,015— 18 millim., erassit. 0,005—7 millim.). Epithecium et hypotheci- um dilute rufo-fusceseentia, paraphyses graeilescentes non bene distinetae. Jodo gelatina hymenialis coerulescens, dein thecae vinose violaceae tinetae,

Supra Lecideam sphaeroidem in Finlandia (Norrlin).

13. Verruraria nigratula Nyl.

Species est e stirpe V. chloroticae omnino peculiaris, thallo nigro tenui opaco (chroolepuideis elementis munito); apothecia, Pyrenio integre nigro (latit. eirciter 0,4 millim.) innata et extus parte supera prominula; sporae &nae incolores ellipsoideo-fusi- formes 3—5-septatae, longit. 0,021—25 millim., crassit. 0,008 millim., paraphyses sat graciles. Jodo gelatina hymenialis non tineta.

Supra muscos in Finlandia orientali (Norrlin).

14. Verrucaria meliospila Nyl.

Subsimilis Verrucariae chloroticae, sporae autem longiores et nni-septatae, longit. 0,021—27 millim., crassit. fere 0,0045

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millim. (ad septum subeonstrietulae et ibi facile fractae), para- pbyses graciles sat copiosae.

Supra corticem fraxini in Gallia oceidentali (J. Richard).

Thallus fusco-maeulans satis effusus, gonidia chroolepoidea continens (diametro transverso circiter 0,008 millim.), chlorophyllo saepius in vegeto statu aureo-aurantiaco, Sporae fere sicut in V. ilicieola. Spermatia oblonga, longit. 0,0025 millim,, erassit. haud 0,001 millim,

15. Thelopsis umbratula Nyl.

Thallus macula subsilaceo-cinerascente indieatus; apotheeia fusconigra opaca, parte supera submastoideo-prominula, pyrenio toto obsceuro; thecae polysporae, sporae oblongae 3-septatae, lon- git. 0,012—18 millim,, erassit. 0,006—-7 millim.

Supra muscos in Finlandia orientali (Norrlin).

Thallus chroolepoideo-gonidiosus. Affinis est haee species Thelopsi melatheliae, sed apotheciis sublaevibus, non nigris, etc. differens. Pyrenium parte tenui externa rufo-fusca, interna cras- siore incolore.

Leptogium amphinodes dicatur quod („subathallum“) ante sub amphineo Ach. duxi, e Fennia (deteetum acl. Norrlin).

Collema rivulare Ach. (ad subgenus Oollemodium ducendum generis Leptogii) varietatem habet complicatulum,thallo lobis minori- bus constans, congestis, obveniens in Dovre (Zetterstedt). Var. ere- natulum (errore dispositum sub Z. scofino in Norrl. Lapp. p- 315, e Kilpiskoski) thallum habet etiam magis divisum, lobulis etiam minoribus subimbrieatv-adscendentibus eonfertis erenatulis. Z. Scofinum var. crenatum dixi varietatem pulvinato Ach. proximam, sed thallo laevi vel sublaevi, lobis erenato-dentatis.

Obryaum corniculatum (nomen conveniens quodammodo ob eorniculum utroque apice sporarum) etiam ex Anglia vidiin Leptogie microscopico, quod optime parasitismum speciei demonstrat.

Parmelia hypotrypodes pertinet ut forma sub P. vittata Ach. (potius forsan dicenda duplicata Ach.), quae distinetam sistit spe- ciem sporis et spermatiis minoribus quam in P. physode.

Lecidea botryiza varietas sit L. botryosdıs.

Lecidea subinundata spermatiis duplo brevioribus distineta est a L. inundata, quacum ab auctoribus conjungitur.

Opegrapha lithyrgodes dieaturquae daturin Arn. Exs. no. 418. Non est 0. kithyrga Achbarii,

Erg mern

107

Ein Beitrag zur Kenntniss der Cyperaceen-Flora Neuholland’s

und einiger polynesischer Inseln.

Von OÖ. Böckeler. (Fortsetzung.)

36. Ü. paniceus Beklr. (Mariscus Vahl). Fidschi-insulae (Graeffe).

37. C. seaber Beklr. (Mariseus R. Br.) Port Mackay (Am. D.) (Diclidig).

38. (835 b.) U. multibracieatus n. Sp.

Culmo 2—3-pedali robusto duro pennam cygneam v. anseri- nam cerasso aequilatero-triangulari basin versus bulboso-incras- satam vaginis brunneis teetam foliato; foliis culmo brevioribus coriaceis parum remotis longe angustatis carinatis (siccis mar- gin. involutis) superne vix margine serrulato-scabridis, ceterum laevibus, 3?2,—4 lin. lat.; vaginis submembranaceis bipollicaribus; umbella composita 8—9-radiata; radiis validis obsolete trigonis valde inaequalibus, longioribus 2—3 robustis 4—3 poll. long., reliquis multo brevioribus; ochreis radiorun in laminam foliace- am bicuspidatam productis, pollieem eire. longis; involueri foliis 6—8 umbella duplo longioribus basi 4—6 lin. latis; radiolis pluribus brevibus confertis cum spieulis usque fere ad basin obsessis; involucellis 7—6-phyllis, phyllis subomnibus umbellula duplo lon- gioribus, inferioribus 1’/,—2 lin, latis; spieulis erectis v. paten- tibus filifformibus acutis reetis v. leviter curvatis 7—3 lin. long. 14—6 floris; squamis rigidulis alternisadpressis, fructiferis apice patulis, v. lato-ovatis obtusis v. acutiusculis, convexis plariner- vis lateribus rufescentibus v. fuscentibus dorso viridulis; caryopsi parva squama ‘/s breviore oblouga basi parum attenu- ata, curvata triangulari apiculata punctulata griseo-fusca opaca; rhacheolae alis caryopsi parum brevioribus spongioso-crassis margine tenuioribus, rotundato-obtusis luteis.

In Samoa-insula Upolu leg. Graeffe.

Trib. Scirpeae. Heleocharis. 39. (66 b,) H. Dietrichiana n. sp.

Rhizomate elongato repente crassiusenlo, fibrillis numerosis tenuibus flexuosis; culmis numerosis subeaespitoso-confertis laete viridibus striete ereetis 8—6 poll. altis tenni-Aliformibus obsolete angulatis plurisuleatis; vaginis sulcato-striatis inferne purpureis, inferioribus superne tenuissime mefnbranaceis hyalino-albidis ore

108

oblique fissis, superiore subpollicari angusta superne stramineo- viridula, ore transversim truncato annulo concolorato mucroneque ' longiusculo munita; spicula oblongo-lanceolata acuta 31,—2!,— 4 lin. longa 1'/, lin. lata; squamis hyalino-membranaceis longi- usculis laxiuseule dispositis, apice patulis, oblongis subaeutis ob- tuse carinatis luteo-stramineis, juxta carinam viridulam zona fer- rugineo-purpurea angusta praeditis, margine pallidioribus, infima vacua suborbieulata basi amplectente, caryopsi squamae partem tertiam subaequante minuta obovata basi euneato-attenuata, ver- tice leviter constrieta, biconvexa, latere dorsali altiore, angulo prominente, subtiliter celluloso-reticulata olivacea nitidula; styli bulbo pyramidato brevi triangulari fusco-stramineo; setis 6 cary- opsi parum brevioribus adpressis pallidis complanatis obtusis dense setulosis; stigm. binis exsertis.

Queensl. Rockhampton (Am. D.)

40. (67 b.) H. cylindrostachys n. Sp.

Rhizom. brevissimo, fibrillis fascieulatis validis mollibus; culmis numerosis faseiculatis I—1’/;; ped. altis lineam crassis intus spongiosis, teretibus, apice leviter constrictis, contiguis, (haud septatis); vagina inferiore colorata, vix pollicem longa, ore truncato antice breviter fissa, superiore subtripollicari sordide straminea (fusco-punctata), ore recte truncato annulo angusto fusco mucroneque praedita; spicula exacte cylindrica obtusa 9—5 lin. longa sesquilineam cire. erassa; squamis dense imbri- catis adpressis scariosis pellueidis pallide stramineis convexis obsolete carinatis rotundato-obtusis, margine angusto prominulo tenuiore superne circumdatis, inferioribus late ovatis—infima or- bieulata—, superioribus ovatis, caryopsi minuta squamae dimi- dium vix aequanie ex orbiculari utrinque attenuata, turgidule lentieulari obsoletiss. subtiliter lineata v, retieulata, lutea nitida, styli basi pyramidali complanata ferruginoso-fusca vertici eary- opseos parum latiore coronata; setis 6 aequalibus validulis basi validioribus caryopsin coronatam aequantibus retrorsum setuloso- hispidulis pallide ferruginosis.

Queensland, Brisbane River (Am. D.)

41. H. variegata Kunth.

Scirpus Poir. Brisbane River. (Am. D.)

42. H. sphacelata R. Br.

Queensl. Port Mackay (Am. D.). 43. (75 b.) H. Graeffeana n. sp.

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Glaucescens; rhizomate elongato pennam auserinam crasso vblique descendente fusco; culmis pluribus fascieulatis subaequa- libus 2 ped. eirc. altis teretibus lineam crassis fistulosis haud septatis, basi vaginis membranaceis purpurascentibus ore obliquo obtusis arete vestitis; spieula lineari v. (breviore) lineari-oblonga obtusa submultiflora 10-7 lin. longa 1%,—1?% lin., fructifera 2 lin. eirc. crassa; squamis magnis remotiusculis pleiospiris ad- pressis late oblongo-obovatis convexis rotundato-obtusis disco rigidis multistriolatis stramineo-viridulis v. fuscescentibus con- eoloratis, margine perlato tenuissime membranaceo hyalino-albido fusco-punctulato eircumdatis ; caryopsi majuseula (c. rostro ses- quilineam et supra longa) squamae partem tertiam subaequante late obovata turgide biconvexa infra apicem truncatum constrieta longitudinaliter striata inter strins subtilissime lineata, pallide cinerea margaritaceo-nitidula, rostro elongato ferrugineo-brunneo conico complanato caryopsin subaequante; filam. 3 subtilibus longe persistentibus; perigonii setis 6 aequalibus basin versus dilatatis, retrorsum setulosis, pallide ferragineis caryopsin rostra- tam parum superantibus.

Samoa-insula Upolu (Graeffe).

Scirpus. Sect. L Euscirpus.

44. 8. supinus L. (Isolepis R. Br.)

Port Mackay (Am. D.). 45. S. articulatus L. 8. major Beklr. in Linn, = 8. articulatus Rottb. Isolepis Kunth. Nees.

Port Mackay (Am. D.) 46. 9. mucronatus L.

Port Mackay (Am. D.) 47. 8. lacustris L.

Queensi. Rockhampton (Am, D.) 48. S. maritimus L.

Rockhampton (Am. D.). 49. (97 b.) 8. Dietrichiae n. Sp.

(Echinolytrum Desy. N. ab E. Isolepis sensu Alior.)

Virens; caespitosa, fibrillis radical. capillaribus; eulmis nu- merosis foliisque erectis, filiformi-setaceis setaceisve firmis valde inaequalibus 6—2—9 poll. altis obsolete quadrangulis striatis ba- sin versus 3—2-foliatis; vaginis alternis ore membranacco obli- que secto parum ampliatis, suprema integra; foliis setaceis ca-

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naliculatis apice extremo [modo scabris inaequalibus, supremo culmum non raro subaequante; spieulis 4—3, raro 6, globosis v. ovato-globosis in eulmi apice congestis I—2 lin. long. ; foliis in- volueralibus 2 elongatis patentissimis deflexisve 2/4—1 poll. lon- gis; squamis numerosis perdense imbrieatis minutis sensim de- eidentibus membranaceis lineari-oblongis sensim breviter acumi- natis, acumine parum recurvo, dorso plurinervatis, stramineo-pal- lidis, carina viridi, superne interdum purpureo-variegatis; caryo- psi minuta squamae lamellam aequante oblongo-lineari, apice attenuata, leviter incurva obsolete trigona, dorso pluri- (5—3-) nervata, subtiliss. punetata pallide fusco-cinerea margaritaceo-ni- tidula; stylo minutissimo. Perigon. nullum, Queensland, Rockhampton (An. D.).

Sect,. U. Oncostylis.

50. S. barbatus Rottb. Isolepis R. Br.

Queensl, Port Mackay, Rockhampton (Am D.)

Fimbristylis. Sect, I. Zufimbristylis. 51. F. acuminala Vahl, Queensl. Port. Denisson (Am. D.) 52. (2b) F, nuda n. sp.

Rhizomate ut videtur—parum elongato, pertenui fibrillisccapil- laribus; eulmis pleribus faseiculatis fere setaceis erectis 4a —3 poll. altis quadriquetris laevibus glabrisve subtiliter multistriatis atropunetulatis subbivaginatis; vaginis aphyllis brevibus angustis membranaceis rufescentibus, suprema longiore (5—6—lineali) ore obliquo acutato-submucronulata; spicula unica exacte ovali obtusa tereti 2—1°/, lin. longa pluri- v. multiflora, squama mucronulata quam ipsa multo breviore bracteata; squamis minutulis dense spiraliter dispositis adpressis rufescentibus membra- naceis late ovalibus obtusis muticis concavis obsolete carinatis ; caryopsi perminuta squama multo breviore obovata inferne atte- nuata compresso-biconvexa, rugis 4—5 transversalibus, longitu- dinaliter subtiliss. multistriata nivea nitida; stylo latiusculo fim- briato, stigmat, exsertis tenuibus brevibusque,

Queensl. Port Denisson (Am. D.)

53. (1 a.) F. decumbens n. sp.

Humilis; glauca ; dense caespitosa , fibrillis radical. capillaceis ; culmis numerosis setaceis decumbentibus apice saepius recurvis valde inaequalibus 2--"/s poll. longis, basi vaginis tribus brevibus efoli-

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atis membranaceis stramineis ore, lanceolato-productis vestitis, subquinis fasciculato-confertis, faseienlis basi foliis singulis muni- tis,; bis subevaginatis rigidulis fuscescentibus faleato-incurvis per- angustis acutiusculis eulmis aequalibus v. brevioribus, facie su- periore evidenter celluloso-reticulatis, inferiore striatis, superne margine sparsim setulosis; spicula erecta v. cernua, oblongo-lan- ceolata acuta compressiuscula 6—9—flora 3 lin. longa; squamis rigidulis late oblongis obtusiusceulis v. acutiusculis subearinato- convexis, carina viridula v. fuscescente plurinervatis, laieribus pallide stramineis; caryopsi perminuta squamae partem tertiam vix superaute obovata biconvexa transversim subsexrugulosa lac- tea, rugis flavidis; stylo stigmatibus parum exserto superne spar- sim setulosa; stamine unico, Vix F. acscularis R. Br. Queensl. Lake Elphinstone (Am D.) 54. F. aestivalis Vahl. Rockbampton, Port Mackay (Am. D.) 55. F. dichotoma Vahl. varlatio glabrescens. Port Mackay (Am. D.) 56. F. polymorpha Beklr. (Linn. N. F. II.1) Variationes eximiae: 1) Rhizomate repente, umbella contrac- ta. 2) Hirsuta. 3) Inflorescentia depauperata, rhizomate elongato tepente: F. depauperata R. Br. N. Holland. Queensl. (Am. D.), Tonga-, Fidschi-et Samoa-ins. (Graefie). 57. F. ferruginea Vahl. Rockhampton, Port Mackay (Am. D.) Sect. II. Trychelostylis. 58. F. tenera Schult. (Seirpus tenellus Roxb. [fide Schult.] (Trichelost. tenella Nees. hb.) Foma major, umbella magis evoluta, squamisque minoribus. Forma valde elongata. Rockhampton (Am. D.) 59. F. autumnalis R. et S. (emend.) Forma major = F. complanata Link. (ef. Linn. N. F. II. 1.) Tonga- insula Tongatabu: Graeffe. 60. F. miliacea Vahl. Port Mackay, Rockhampton (Am. D.) 61. F. glomerata N. ab E. (emend.) (Seirpus glomer. [Betz.] Vahl.)

112

forma umbella capitato- contracta. . Tonga-ins. Tongatabu: Graeffe. Fuirena. 62. F. umbellata Rottb, Variatio spieulis ferrugineis.

Rockhampton, Port Mackay (Am. D.) 63. F. glomerata Lamck.

Rockhampton (Am. D.)

Trib. Hypolgytreae, Hypolytrum. 64. H. giganteum Wallich. (Variatio viridis et glauca). Fidschi-insulae : Graeffe. Pandanophylium. 65. (1 b.) P. longifolium n. sp.

Glaucum. Culmo valde abbreviato (7—8-pollie.)robusto, 3 lin. crasso, triquetro, lateribus leviter excavatis, lJaevi pauci-(2)foliato, foliis valde elongatis, 5—4 ped. longis, remotis coriaeeo-perrigidis superne perlonge angustatis evidenter carinatis margine involutis, inferne planiuseulis 17—16 lin. lat., basi complicatis, marginibus ctarinaque superne grosse dentatis; vaginis perrigidis ampliatis triangularibus 2—3 poll. long. tardius fissis; spiea opulenta e spiculis compositis numerosis structa lanceolato-ovata (fructifera) 4 poll. alta 2°/, poll. lata; spiculis (compositis, fruetif.) fuscis confertis uncialibus alternis polycarpis, foliis coriaceis bracteatis; his valde inaequalibus, inferioribus foliiformibus elongatis, 3—1’/a- pedalibus, supremis e basi lata euspidatis spieulis suis parum lon- gioribus brevioribusve; bracteis spicularum secundarum squami- formibus rigidis late ovatis vbtusis nervato-striatis margine setu- loso-ciliatis; caryopsi permagna, 4—4"/, lin. longa, longe exserta brunnescente opaca lignoso-dura sublanceolato-ovata teretiuscula apice obtusiusculo mutica v. styli basi brevi haud incrassata api- cata; longitudinaliter subrimoso-rugulosa grosseque areolata, stylo rigido tenui basi vix parum incrassato, indiviso v. apice extremo bifido. Exstat exempl. fruetiferum in herb. Lunerssen.

In Samoa-insula Upolu leg. Graefle.

(Schluss folgt.)

Redaeteur: Dr. Singer. Druck der F. Neubauer’schen Buchdruckerei (FE. Huber) in Regensburg.

58. Jahrgang.

N: 8, Regensburg, 11. März 1875.

Ze

Inhalt. Julius Wiesner: Bemerkungen über rationale und irrationale Divergenzen. O0. Böckeler: Ein Beitrag zur Kenntniss der Cypera- ceen-Flora Neuholland’s und einiger polynesischer Inseln, (Schluss.) Literatur.

Bemerkungen über rationale und irrationale Divergenzen. Von Julius Wiesner.

Schon vor Jahren begann ich eine grössere, die das Pfianzen- reich beherrschenden Symmetriegesetze betreffende Untersuchung, deren Fortsetzung vielfache Unterbrechungen erlitt. In jener Arbeit suchte ich einige bis jetzt weniger gekannte aber doch wichtige, die symmetrische Vertheilung von Geweben und Organen betreffende Ver- hältnisse eingehend zu erörtern, aber auch einige auf das Zustande- kommen, den Zusammenhang und die physiologische Bedeutung der Blattstellungsverbältnisse bezügliche Fragen zu lösen. Es wird mir hoffentlich in nicht allzuferner Zeit gegönnt sein, jene Arbeit zum Abschluss zu bringen; einstweilen sei es mir erlaubt, einige wenige Bemerkungen theoretischer Natur über rationale und ir- rationale Divergenzen zu veröffentlichen.

So sehr die gegenwärtigen Bestrebungen gebilligt werden müssen, die Blattstellungsverbältnisse nicht nur an fertigen Zu- ständen zu studiren, sondern auch bis in die ersten Anlagen zu- rückzuverfolgen, was bekanntlich von den Begründern der Blatt- stellungslehre vernachlässigt wurde; so wenig erfreulich erscheint

Flora 1875. 8

114

es zusehen, dass von vielen betheiligten Seiten die Bestrebungen A. Braun’s und der Brüder Bravais,,einen Einblick in den mathematischen Zusammenhang der Blattstellungsverhältnisse zu gewinnen, unberücksichtigt bleiben, oder ihnen eine tiefere wissen- schaftliche Berechtigung abgesprochen wird.

So hat z. B. Sachs in seinem gewiss in vielen Beziehungen ausgezeichnetem Lehrbuch der Botanik!) folgende Bemerkung gemacht:

„Mit derSpiraltheorie........ hängt eineandere, ungemein sonderbare Vorstellungsweise der Divergenzen nahe zusammen. Man glaubte nämlich eine Art Naturgesetz zu finden, indem man bemerkte, dass einige der am häufigsten vorkommenden constan- ten Divergenzen !ja, "is, ?/s, */s, %ıas und manche seltner vor- kommende wie ar, "sa, ss, ®/ıas Sich als Partialwertbe des Kettenbruches

darstellen lassen. Wäre es nun möglich, sämmtliche Blattstel- lungen ohne Ausnahme auf diese Weise durch einen einzigen Kettenbruch in Verbindung zu